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Der Tahrir ist das Herz der ägyptischen Revolution – es muss am Leben bleiben !

von Alinka

Seit der Rückeroberung des Tahrir-Platzes und dessen Neubesetzung am Wochenende der dritten Novemberwoche durch mehr als 20.000 Protestierende kommt Ägypten nicht mehr zur Ruhe. Die Forderung der Protestierenden sind nach wie vor die gleichen Inhalte, mit denen die Revolution im Januar diesen Jahres begann: Brot, Freiheit, Gerechtigkeit ! Sie wollen die alte Regierung, die schon Mubarak diente nicht mehr ertragen. Mubarak war ein Militär und Tantawi sein bester Freund. Die Militärs opferten Mubarak, um das System ansonsten unangetastet zu lassen. Es herrschen nach wie vor Ausnahmegesetze. Es gibt keine Zivilgerichtsverfahren, sondern Militärtribunale ohne Möglichkeit der Verteidigung. Davon sind fast 13.000 Eingekehrte – worunter sich auch zahlreiche Menschenrechtsaktivist*innen und Blogger*innen befinden – in den Militärgefängnissen betroffen. Streiks von Arbeiter*innen wurden verboten und zerschlagen, Hass zwischen koptischen Christen und Muslimen gesät, der immer mehr Opfer forderte und am 9. Oktober zu dem „Maspero Massaker“ führte, bei dem von ägyptischen Soldaten 28 Menschen getötet wurden.

Schon am Wochenende des 19. und 20. November wurde mit großer Härte gegen die Aufständischen geantwortet. Ein in den USA hergestelltes toxisches Tränengas nebelte den Tahrir ein und es wurde auch wieder mit scharfer Munition auf die Demonstranten geschossen, wobei ca. 43 Menschen ihr Leben verloren. Hunderte wurden z.T. schwer verletzt und noch mehr festgenommen. Trotz des ungünstigen Kräfteverhältnisses machten die Protestierenden weiter, denn sie kritisieren, dass keine fairen Wahlen für eine Zivilregierung ermöglicht werden. Sie fordern nichts anderes, als den Rücktritt der Militärs, die bereits unter Mubarak gedient haben und zu seinen „Seilschaften“ gehören. Gefangene werden gefoltert und exekutiert, Frauen dem sogenannten „Jungfrauentest“ unterworfen. Dies alles dient der Einschüchterung und soll die Protestierenden davon abhalten, auf die Straße zu gehen. Zwischen Muslimbruderschaft und Militärs scheint es ein Agreement zu geben, die Macht des Militärs – das ca. 20% des ägyptischen Reichtums kontrolliert – nicht anzutasten und dementsprechend sollen die Muslimbrüder an die Macht gehieft werden. Sie ihrerseits beteiligen sich nicht mehr an den Protesten.

Die Angriffe auf die Demonstranten haben sich seit dem letzten Wochenende noch verstärkt und es wurden – wie auf Scheich Emad (siehe Foto links) – gezielte Todesschüsse abgefeuert, um das revolutionäre Aufbegehren zu ersticken.

Mehr zur aktuellen Situation kann auch dem Artikel von Juliane Schumacher in der Zeitschrift Jungle World vom 22. Dezember sowie dem Interview mit Dr. Ahmed Farouk im freien Radio entnommen werden. Umso wichtiger ist es deshalb, sich mit den ägyptischen Demonstrant*innen zu solidarisieren.

Heute, den 23.12. ist wieder eine große Demonstration in Kairo geplant, an der sich auch die Student*innen beteiligen. Zeitgleich findet in Berlin eine Kundgebung statt, zu der ägyptische Menschenrechtsaktivist*innen aufgerufen haben.

Zeit: 16 Uhr, Ort: Brandenburger Tor / Pariser Platz

Hier die Facebookseite des Aufrufes: https://www.facebook.com/#!/events/237252203014742/

Am Montag und Dienstag dieser Woche fanden bereits Solidaritäts-Aktionen vor der ägyptischen Botschaft – zusammen mit Exil-Ägypter*innen – statt, die uns mehr in Rahmen eines konkreten Internationalismus zusammen brachten. Vielen Dank an alle, die daran teilgenommen haben und die Kundgebung organisierten.

Siehe auch:

https://www.alex11.org/2011/12/erklarung-der-emporten-zur-verteidigung-der-agyptischen-revolution/

https://www.alex11.org/2011/12/20-12-2011-genug-tote-protest-vor-der-agyptischen-botschaft-berlin/

Eine internationale Solidaritätsseite mit Empfehlungen, was wir tun können: Egypt: Call for global solidarity after 16 Dec army attack on protesters | MENA Solidarity Network
aus: alex11.org (ein Occupy-Blog aus Berlin) 23.12.2011
 
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