Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

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Hallo zusammen,

hier im Forum tauchen immer wieder Fragen hinsichtlich bestimmter interner Abläufe im Jobcenter auf. Fundiert, d.h. mit Hintergrundwissen angereichert, beantwortet werden diese Frage allerdings selten. Das ist insofern kaum verwunderlich, als viele Nutzer hier das Jobcenter eben nur aus der Kundenperspektive betrachten können. Sie sehen buchstäblich nur das, was ihnen präsentiert wird, die Schauseite, die man ihnen zeigen will. Der Blick hinter die Kulissen, hinter die Fassade dessen, was einem als Realität verkauft wird, erfolgt selten. In Folge dessen ergehen seitens der Kunden mitunter wilde Spekulationen darüber, wie und warum im Jobcenter so oder so verfahren wird. Diese Spekulationen sind meiner Erfahrung nach gelegentlich ziemlich nah an dem, was ich als Realität bezeichnen würde, sie sind bisweilen allerdings auch völlig realitätsfern.

Ich selbst habe etwas über zwei Jahre in einem Jobcenter als Arbeitsvermittler bzw. persönlicher Ansprechpartner (pAp) gearbeitet. Des Weiteren habe ich für kurze Zeit dazwischen auch als sogenannter Job-Coach bei einem Bildungsträger gearbeitet, hatte also bisher zwei Funktionen inne, die hier im Forum aufgrund teilweise sehr schlechter Erfahrungen regelrecht verhasst sind. Ich arbeite heute nicht mehr im Jobcenter und auch nicht mehr bei einem Bildungsträger. Aus meiner Zeit im Amt habe ich aber sehr viele Eindrücke gewinnen und vieles lernen können. Einiges von dem, was ich dort lernte, erkannte und beobachtete, möchte ich in diesem Thread festhalten, sofern hier Interesse besteht, auch mal von der „anderen Seite“ etwas zu hören.

Kurzum: Ich möchte anbieten bzw. andere derzeitige und ehemalige Jobcenter-Mitarbeiter anregen, hier im Thread direkt auf Anfragen zu antworten, die von Nutzern kommen. Ich weiß, dass hier im Forum zahlreiche SBs, FMs, pAps und SBs mitlesen und teilweise auch posten, ohne sich allerdings selbst als Amtsmitarbeiter zu „outen“. Ich weiß auch, dass es einige Mitarbeiter gibt, die die Bürger gerne umfassend über bestimmte Dinge aufklären würden, dies aber zeitlich nicht können oder auch Angst haben, dies zu tun. Ich weiß ebenso, dass es auch wirklich inkompetente, ignorante, überforderte und desinteressiert Mitarbeiter im Jobcenter gibt. Diese würden hier aber nie posten, an sie richtet sich dieser Thread daher auch nicht!

Der Thread richtet sich an jene Mitarbeiter, die bereit sind, zwecks echter Aufklärungsarbeit einfach mal ihre Sicht der Dinge zu schildern und sich hier anonym aber ehrlich auf Anfragen interessierter Bürger einzulassen. Er richtet sich an Mitarbeiter, die die Bürger nicht mit den hohlen Phrasen abspeisen wollen, die zu äußern einem die Vorgesetzten im Jobcenter oft auftragen bzw. die sie von einem erwarten. Das ELO-Forum ist dafür geradezu prädestiniert, zumal hier wirklich sehr viele Anregungen zu finden sind (manche sehr gut, manche von eher zweifelhafter Qualität) und hier interessante Rechtsfragen diskutiert sowie mit Hintergrundinformationen (Gerichtsentscheidungen, Kommentare etc.) angereichert werden.

Ich selbst habe während meiner Tätigkeit im Amt oft im Forum gelesen (aber nichts geschrieben) und bin dem Forum einfach aus Interesse treu geblieben, obwohl ich mit der Thematik ALG II heute beruflich nicht mehr unmittelbar zu tun habe. Es ist meiner Meinung nach nun an der Zeit, dass sich hier im Forum auch mal jene Personen sachlich, freundlich und bürgernah äußern und so zu Fragen hinsichtlich der internen Abläufe im Jobcenter Stellung nehmen, die wirklich etwas dazu sagen können und wollen, weil sie es aus erster Hand selbst erlebt haben.

Ob dabei etwas Sinnvolles herauskommt, weiß ich natürlich nicht. Wir werden es sehen. Das soll hier jedenfalls keine Ein-Mann-Show werden, in der nur ich mich äußere. Dies wäre wenig hilfreich, zumal ich ja auch nur meine persönlichen Erfahrungen darlegen kann und nicht weiß, ob das, was für mich „Realität“ war, in anderen Jobcentern genauso ablief. Daher nochmal mein Appell an ehemalige Kollegen: Beteiligt euch und klärt die Bürger über eure Arbeit auf. Das kann für beide Seiten nur positiv sein, da Aufklärungsarbeit immer dazu beiträgt, Skepsis und Vorbehalte abzubauen. Dies zu leisten, ist im Interesse der Bürger wie der Sachbearbeiter geleichermaßen. Ich mache jetzt einfach mal den Anfang und werde mich dann hier erst mal zurückhalten. Dann werden wir ja sehen, ob der Thread anspringt oder stirbt. Quasi als Startvorlage möchte ich aus meiner beruflichen Perspektive heraus einfach mal drei Fragen beantworten, die mir immer wieder gestellt wurden:

Warum verschwindet im Jobcenter so häufig die Post? Entsorgen die Mitarbeiter die, um sich Arbeit vom Hals zu schaffen?

Antwort: Es stimmt tatsächlich, dass im Jobcenter Post „verschwindet“. Zumindest kann ich das für mein altes Jobcenter bestätigen. Allerdings ist der Ausdruck „verschwindet“ insofern nicht ganz korrekt, als die Post meist nicht wirklich weg ist, sie also nicht unbearbeitet weggeschmissen wird, sondern sie sich oftmals „nur“ nicht mehr auffinden lässt. (Das Wegschmeißen ohne Bearbeitung würde sich kaum ein Mitarbeiter trauen, denn käme dies raus, wäre das nicht nur ein sofortiger Kündigungsgrund, es kämen auf den Mitarbeiter ggfs. auch Schadenersatzforderungen zu).

Woran aber liegt es nun, dass Post manchmal „unauffindbar“ ist? Es liegt meiner Erfahrung nach meist an der organisationalen Aufteilung und Verschachtelung der Zuständigkeiten im Jobcenter. Es gibt neben unterschiedlichen Leistungsteams (aufgeteilt meist nach Endbuchstaben der Kundennamen oder BG-Endnummern) diverse Markt & Integration-Teams, etwa U-25-Teams, „normale“ Teams, Top-50-Teams sowie diverse Projekt-Teams. Da passiert es dann mitunter, dass die Post falsch einsortiert wird (Post für Mitarbeiter 230 N landet bei Mitarbeiter 230 M).

Die Post liegt dann einige Tage beim falschen Mitarbeiter im „zu erledigen“-Stapel, bis der Mitarbeiter merkt, dass er da Post hat, für die er gar nicht zuständig ist. Der Mitarbeiter gibt diese Post dann wieder in die interne Post, damit sie der eigentlich zuständigen Stelle zugeht. Dort angekommen kann es nun z.B. passieren, dass der zuständige Mitarbeiter gerade nicht da ist, die Post also seinem Stellvertreter übergeben wird. Da der selbst genug unerledigte Post hat, sammelt er die Post für den Kollegen erst mal in einer Mappe, die er dem Kollegen nach dessen Urlaub dann übergibt. Es kann manchmal also schon einiges an Zeit vergehen, bis der eigentlich zuständige Mitarbeiter die Post bekommt.

Bevor er sie dann auch bearbeitet, vergeht nochmal einiges an Zeit. Und vielleicht passiert es auch, dass der eigentlich zuständige Mitarbeiter dann, wenn er die Post endlich bearbeitet, merkt, dass er - warum auch immer - doch gar nicht zuständig ist. Wer genau sich zuständig fühlt, ist manchmal unklar. Es bleibt die Post also erst mal irgendwo liegen, in irgendeiner Mapp in irgendeinem Büro. Und machmal wird sie dann vergessen. (Gleiches gilt übrigens für Akten. Daher erreichen einen im Jobcenter auch oft e-mail Anfragen von Kollegen mit dem Inhalt: „Suche Akte XYZ, wer hat die?“) Das hört sich unglaublich an, ist teilweise aber einfach so.

Das erste, was einem im Amt beigebracht wird, ist: Zuständigkeit prüfen! Das heißt nichts anderes als zu gucken, ob man die Arbeit an irgendwen anders weiterleiten kann. Und je mehr Weiterleitungen es gibt, desto länger dauert es und desto mehr erhöht sich die Chance, dass die Post irgendwo auf dem Weg von a nach b nach c zurück nach a und dann zu d liegen bleibt. Je größer die Behörde, desto wahrscheinlicher ist dies. Dass das eigentlich nicht passieren darf, ist klar. Es passiert aber. Das soll nichts entschuldigen, es soll lediglich erklären.

Warum wechselt so oft mein Ansprechpartner? Macht das Amt das absichtlich, damit der Kunde keine Sicherheit hat?

Antwort: Es stimmt tatsächlich, dass die Ansprechpartner im Jobcenter sehr häufig wechseln. Das ist zumeist aber keine intendierte Schikane und soll auch nicht dem Zweck dienen, dass sich für den Kunden keine Gewöhnung und Sicherheit einstellt. Es liegt einfach daran, dass die Personalfluktuation (vom Amt weg und innerhalt des Amtes) sehr hoch ist. Viele Amtsmitarbeiter arbeiten nicht deshalb im Jobcenter, weil sie die Arbeit dort so toll finden, sondern deshalb, weil sie keinen besseren Job gefunden haben. Sie bewerben sich also oft weg zu anderen Behörden oder versuchen, sich innerhalb des Jobcenters in andere Bereiche versetzen zu lassen, wo die Arbeit nicht so stressig und belastend ist.

Und fast jeder, der ganz neu im Jobcenter anfängt, ist dort ohnehin nur befristet beschäftigt, geht also meist nach 12 Monaten, wenn er einigermaßen eingearbeitet ist, schon wieder, manchmal auch früher, wenn er ein besseres Jobangebot erhält. Darüber hinaus ist es so, dass es im Jobcenter einen Tagesdienst gibt, wo Kunden bei akuten Fällen, also ohne Termin, vorsprechen können. Tun sie das, landen sie logischerweise selten bei ihrem eigentlichen pAp, sondern bei demjenigen pAp/SB, der gerade Tagesdienst hat.

Hinzu kommt, dass der Krankenstand im Jobcenter konstant hoch ist, so dass man oft kurzfristig die Kunden kranker Kollegen übernimmt. Manchmal passiert es auch, dass ein Kunde umzieht und die BG-Nummer sich ändert. Auch dann erfolgt oftmals der Wechsel in den Zuständigkeitsbereich eines neuen pAps. Gleiches gilt zumeist, wenn sich etwa Grundsätzliches am Profiling bzw. an der persönlichen Situation des Kunden ändert. So wechselt der pAp oft dann, wenn der Kunde das 25 oder 50 Lebensjahr vollendet hat, wenn er ins Fallmanagement, ins Reha-Team oder in ein anderes Aktivierungsteam (Jobinitiative) überstellt wird. Manchmal wechselt der pAp auch einfach, weil ein pAp seinen Kollegen bittet, einen für ihn nicht ganz einfachen Kunden zu übernehmen.

Will heißen: Gründe für den pAp/SB-Wechsel sind zahlreich. Zumeist sind sie schlicht organisationalen Vorgaben geschuldet und implizieren keine intendierte Schikane. Dass Kunden dies dennoch gelegentlich so auffassen, ist klar. Und es ist ohne Zweifel auch ärgerlich, dass diese Wechsel so oft stattfinden. Wie gesagt, ich will das nicht rechtfertigen, sondern erklären. Auch das Personal leidet unter diesen Zuständigkeitswechseln, weil sich kaum vernünftig arbeiten lässt, wenn man die Kunden kaum kennt, sich immer neu einarbeiten muss und wahrnimmt, wie die Kunden zunehmend genervt reagieren, weil sie jedem neuen Mitarbeiter ständig aufs Neue ihre Geschichte erzählen müssen und sie dabei nie wissen, wie der Neue so „tickt“. Und wenn man sich dann mal kennengelernt hat, ist man als pAp bald schon wieder nicht mehr zuständig.

Warum werde ich manchmal zu Zeiten eingeladen, von denen das Jobcenter weiß, dass ich da gar nicht kann?

Antwort: Es stimmt tatsächlich, dass Kunden manchmal zu Zeiten eingeladen werden, von denen das Jobcenter eigentlich wissen müsste, dass die Kunden da nicht können. Etwa deshalb, weil die Kunden es bei einem vorherigen Termin bereits angaben oder auf dem Antwortzettel, warum ein Termin nicht wahrgenommen wird, vermerkt haben. Somit fasst sich ein Kunde dann zurecht an den Kopf, wenn er beispielsweise auf dem Antwortzettel zur Einladung angegeben hat: „Ich kann den Termin am Montag um 08:30 Uhr nicht wahrnehmen, weil ich montags immer arbeiten muss“ und der Kunde dann wenige Tage später als neuen Termin wieder einen Montag, nur eben zwei Wochen später, erhält.

„Wie kann das sein? Sind die blöd im Jobcenter?“ - so wird sich der Kunde fragen. Nein, sie sind nicht blöd, sondern meist einfach überlastet. Sie müssen sehr schnell arbeiten, so dass wichtige Informationen untergehen. Das bedeutet etwa, dass ein pAp die Schreiben, die ihm zugehen, oft nur überfliegt. Der sieht dann buchstäblich nur: „Aha, Kunde kann nicht. Gut, geht neuer Termin raus. Fertig.“ Und binnen weniger Sekunden hat man den Kunden über ATV neu gebucht. Die Begründung des Kunden, WARUM er nicht kann, wurde einfach überlesen.

Sicher, man müsste aufmerksam lesen. Man müsste eigentlich immer erst im Lebenslauf checken, ob der Kunde nicht in der Zeit, wo man ihn einladen will, krankgeschrieben ist. Man müsste gucken, ob er/sie vielleicht alleinerziehend mit kleinen Kindern ist. Dann könnte man sich nämlich denken, dass es da schwierig wird, einen Termin um 08:15 Uhr wahrzunehmen. Auch müsste man sich in die vorherigen Vermerken oder ins Profiling einlesen, um zu schauen, ob da vielleicht etwas zu den Zeiten vermerkt ist, zu denen der Kunde nicht kann. Dass dies alles selten passiert, ist zumeist aber weder Idiotie noch Schikane, sonder eher Folge hoher Arbeitsverdichtung. Dinge werden nur oberflächlich zur Kenntnis genommen, weil alles schnell gehen muss. Da bleiben wichtige Informationen bisweilen auf der Strecke.

Auch passiert es z.B., dass der Kunde an Tag X einen Termin in der Leistungsabteilung hat, diesen absagt und dann wenige Tage später am gleichen Tag X einen neuen Termin beim pAp erhält. Der Kunde fragt sich also: „Ja sind die denn total bescheuert. Die wissen doch, dass ich da nicht kann. Das habe ich doch angegeben, da haben sie doch sogar okay gesagt!“ Das Problem ist hier einfach: Die Tatsache, dass der Kunde an Tag X nicht kann, weiß nur die Leistungsabteilung. An den pAp, ans Team M&I, wird diese Information oft nicht weitergegeben (ebenso ist natürlich die Informationsweiterweitung vice-versa, also von M&I zur Leistungsabteilung, auch ein Problem).

Es hapert im Jobcenter oft an der team- und fachbereichsübergreifenden Kommunikation. Ganz viele Informationen werden nicht weitergereicht, weil a) oftmals nicht die Zeit dafür ist, b) niemand sich dafür zuständig fühlt und c) auch die Weiterreichung aller Informationen wieder zu neuen Problemen führt, weil damit ein weiterer Anstieg der im Jobcenter ohnehin schon immensen Flut an Wiedervorlagen, e-mails und Telefonaten einhergeht. Mit anderen Worten: Man ersäuft schon jetzt geradezu in Informationen, die man gar nicht alle zur Kenntnis nehmen und verarbeiten kann. Und es gibt bei der derzeitigen Personalausstattung der Jobcenter kaum eine zufriedenstellende Lösung für dieses Problem. Das soll nichts entschuldigen, kann aber vielleicht einiges erklären.
 

saida25

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Und dann wieder DIESE ZEITAUFWÄNDIGEN LISTEN FÜHREN!

Als wären die e-mails und Telefonate nicht schon zeitaufwändig
genug, wenn jemand auf Wohnungssuche ist.

Welches Gesetz gibt es dazu, eine Liste zu führen?
Kann mir jemand dieses Gesetz nennen?. Warum wird man darauf
nicht hingewiesen?

Das zum Thema Wohnungssuche!
 

saida25

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wenn das in dem rasanten Tempo weitergeht, wird die BA wirklich bald überflüssig sein...
die AN die dann noch arbeiten, zahlen zwar ihre Beiträge zur ALVersicherung ein..erhalten aber keine Leistung daraus, sondern lediglich ALG II...



Ja, und das ist ein Betrug. Das Volk wird betrogen!!!

Genauso, wie immer wieder an den Rentenversicherungen betrogen
sowie gekürzt wurde.

Also das, wofür früher gekämpft wurde, haben die da oben zu ihren
Gunsten umgemodelt.
 

Monique

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Hallo,

auch ich habe eine Frage:

Besteht die Möglichkeit, dass das Jobcenter aktuell so stark überlastet ist mit Berechnungen u.s.w., dass eine fällige Sanktionsanhörung verspätet eintrifft? Ich sollte nämlich bis zum 21.11.2012 Heizostenabrechnungen nachreichen und habe bis Heute noch keine Post erhalten. Oder besteht die Möglichkeit, dass zum Januar 2013 die Leistung eingestellt und gewartet wird, bis ich im Jobcenter auftauche?

Müsste man mich dann nicht erst anhören? Welcher § regelt bitte die Anhörung?
 
H

HolgerKanns

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Die "schlechtesten" Maßnahme-Teilnehmer sind also letztlich die, die brav die Maßnahme von A bis Zett absitzen und brav mitmachen.
Weil die trotz Maßnahmen-Druck wieder nicht aus dem System raus gebracht werden.

Maßnahmen, die kein Druckmittel darstellen, sind letztlich wirkungslos.
Vor einiger Zeit sollte ich - wieder einmal - an einer neuen Maßnahme teilnehmen. Der Maßnahme-Träger schlug mir dann alternativ eine andere Maßnahme vor, die ich auch besser fand und die eher auf meine persönliche Situation zugeschnitten war.

An dieser "durfte" ich aber dann nicht teilnehmen, weil das wäre ja dann kein Druck mehr gewesen, weil ich das gerne gemacht hätte.
Und meinem Wunsch konnte man auch nicht entsprechen, das würde ja so aussehen, als ob man sich nach mir richten würde.

Der ideale Kunde ist also der, der widerwillig an einer Maßnahme teilnimmt und sich während der Maßnahme einen Job sucht und aus dem Bezug verschwindet.
Hm, das kenne ich aus meiner Zeit als PAP bzw. FM anders.
Denn es geht ja in der ersten Linie um eine Integrationsmaßnahme.
Sofern eine "Kundin"/ ein "Kunde" mit einem speziellen Maßnahmewunsch vorsprach, habe ich sie/ihn zugewiesen - sofern sie/er der Zielgruppe entsprach und es Sinn machte. Maßnahmen als Druck zu inszenieren, war zu meiner Zeit verpönt.
 
E

ExitUser

Gast
Besteht die Möglichkeit, dass das Jobcenter aktuell so stark überlastet ist mit Berechnungen u.s.w., dass eine fällige Sanktionsanhörung verspätet eintrifft?

Ja, das ist gut möglich, dass es zum Jahresende hin länger dauert, bis man Post erhält bzw. bis Dinge bearbeitet sind.

Ich sollte nämlich bis zum 21.11.2012 Heizostenabrechnungen nachreichen und habe bis Heute noch keine Post erhalten.

Eine Sanktionsanhörung dürftest du dafür auch gar nicht erhalten. Denn das Nicht-Einreichen einer Heizkostenabrechnung ist kein Sanktionstatbestand. Siehe dazu den § 31 SGB II. In der EGV, die die Sanktionsgrundlage bildet, sollen integrationsrelevante Dinge stehen und nicht etwa, dass du bis Stichtag X Heizkostenabrechnungen einreichst. Wenn du keine einreichst, kann das allenfalls in einer vorübergehenden Zahlungseinstellung aufgrund mangelnder Mitwirkung nach § 66 SGB I resultieren.

Oder besteht die Möglichkeit, dass zum Januar 2013 die Leistung eingestellt und gewartet wird, bis ich im Jobcenter auftauche?

Ja, die Möglichkeit besteht. Rechtlich gesehen müsstest du vor einer Leistungseinstellung erst angehört werden, weil es sich beim Einstellungsbescheid um einen beschwerenden Verwaltungsakt handelt. Aber oft passiert es auch, dass die Zahlung ausgesetzt wird, weil man so gerade erreichen will, dass die Leute sich dann melden und ihrer Mitwirkungspflicht nachkommen.

Müsste man mich dann nicht erst anhören? Welcher § regelt bitte die Anhörung?

Ja, du musst eigentlich vorher angehört werde. Rechtsgrundlage ist der § 24 SGB X. Es ist aber gut möglich, dass argumentiert wird, man hätte dir ja bereits ein Schreiben zukommen lassen, in dem eine Frist genannt wurde (Einreichung bis Stichtag X) und dass du dem nicht nachgekommen bist. Eine Frage nebenbei: Hast du denn nun bereits die Abrechnung im JC eingereicht?
 

franzi

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Hm, das kenne ich aus meiner Zeit als PAP bzw. FM anders.
Denn es geht ja in der ersten Linie um eine Integrationsmaßnahme.
Sofern eine "Kundin"/ ein "Kunde" mit einem speziellen Maßnahmewunsch vorsprach, habe ich sie/ihn zugewiesen - sofern sie/er der Zielgruppe entsprach und es Sinn machte. Maßnahmen als Druck zu inszenieren, war zu meiner Zeit verpönt.

Meinem Wunsch wurde bisher noch nie entsprochen bzw. meine Argumente noch nie berücksichtigt.
Als ich bei dem Gespräch bei dem Träger war und mir die Leitung dort eine andere Maßnahme empfahl, bei der auch die rasche Integration in den Arbeitsmarkt Ziel war, habe ich das dann so an meinen AV weiter geleitet. Das ist nun 2 Wochen her und ich habe seither von ihm keinerlei Rückmeldung erhalten.
 

ArmutMachtKrank

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@Burnstown

Wie hoch ist der ökonomische Bildungsgrad der Sachbearbeiter?


Ökonomischer Analphabetismus | Das Blättchen



Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist regional sehr ungleich verteilt.

Wird regional unterschiedlich sanktioniert?

Läßt das GESETZ entsprechende Freiräume?

Oder wird im Gegenteil in steueraufkommensschwachen Regionen besonders viel sanktioniert?

Wissen die Sachbearbeiter, dass mit jeder SANKTION weniger Geld in ihrer Region ausgegeben wird?

Das die Gesamtnachfrage sinkt?

Und das eine Sanktion MEHR Arbeitslosigkeit schafft?
 

saida25

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@Burnstown

Wie hoch ist der ökonomische Bildungsgrad der Sachbearbeiter?

Ökonomischer Analphabetismus | Das Blättchen

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist regional sehr ungleich verteilt.

Wird regional unterschiedlich sanktioniert?

Läßt das GESETZ entsprechende Freiräume?

Oder wird im Gegenteil in steueraufkommensschwachen Regionen besonders viel sanktioniert?

Wissen die Sachbearbeiter, dass mit jeder SANKTION weniger Geld in ihrer Region ausgegeben wird?

Das die Gesamtnachfrage sinkt?

Und das eine Sanktion MEHR Arbeitslosigkeit schafft?


Das war heute ein Thema unter Erwerbs- und Nichterwerbslosen.
Stimmt, wenn nichts mehr im Geldbeutel ist, dann kann auch eine
Kleinigkeit nicht mehr gekauft werden.
 

Monique

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Ja, du musst eigentlich vorher angehört werde. Rechtsgrundlage ist der § 24 SGB X. Es ist aber gut möglich, dass argumentiert wird, man hätte dir ja bereits ein Schreiben zukommen lassen, in dem eine Frist genannt wurde (Einreichung bis Stichtag X) und dass du dem nicht nachgekommen bist. Eine Frage nebenbei: Hast du denn nun bereits die Abrechnung im JC eingereicht?

Hallo,

Ja, die Heizkostenabrechnung habe ich 3 Tage vor Fristablauf in den Hausbriefkasten eingeworfen. Die Frist ist am 21.11.12 abgelaufen und bis Heute ist nichts eingegangen. Bisher dachte ich immer, dass die in der Leistungsabteilung so viel zu tun haben, dass zusätzlicher Kundenverkehr nur den Betrieb stört. :confused:

Danke für die Rückmeldung und die einzelnen §. Die werde ich mir direkt vornehmen und hoffen, dass ich nicht am 3 Januar 2013 in Jobcenter muss.
 
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Gast
@Burnstown

Wie hoch ist der ökonomische Bildungsgrad der Sachbearbeiter? [...] Wissen die Sachbearbeiter, dass mit jeder SANKTION weniger Geld in ihrer Region ausgegeben wird? Das die Gesamtnachfrage sinkt? Und das eine Sanktion MEHR Arbeitslosigkeit schafft?

Auch diese Frage lässt sich pauschal kaum beantworten, da sowohl Bildungsstand als auch fachliche Kompetenz der Sachbearbeiter/persönlichen Ansprechpartner im Jobcenter stark variieren. War es Mitte der 2000er Jahre noch eher so, dass auch viele tendenziell schlecht qualifizierte Mitarbeiter SB-Stellen bekleideten, da sie im Zuge der Strukturreform zwangsversetzt oder abgeordnet wurden, ist es spätestens seit der Wirtschaftskrise 2009 so, dass es nunmehr einen Überhang an formal eher hoch gebildeten Mitarbeitern in den Jobcentern gibt. Das zeigt nicht nur meine persönliche Erfahrung, es spiegelt sich auch in den Stellenausschreibungen wieder, die man regelmäßig in der Jobbörse findet. Bei diesen wird mittlerweile für SB-Tätigkeiten fast durchgängig ein Hochschulabschluss, primär in einem verwaltungs-, rechts- oder sozialwissenschaftlichen Fachgebiet verlangt.

Es handelt sich beim SB- bzw. pAp-Job zwar um eine klassische Verwaltungstätigkeit mit wenig Selbstbestimmung und auch wenig Notwendigkeit der Selbstreflexion (viel Routine, viele Aufgaben, die man nicht zu hinterfragen, sondern zu befolgen hat), aber nichts desto trotz wurden und werden gerne höher qualifizierte Bewerber eingestellt, weil man keinerlei Probleme hat, diese auch zu bekommen. Wie schlecht der Arbeitsmarkt auch für Hochqualifizierte aussieht, zeigt sich somit ebenfalls auf der "besseren" Seite des Jobcenter-Schreibtisches. Dort arbeiten mitunter Menschen, die trotz Studium, Berufserfahrung, hoher Motivation, Flexibilität und Konzessionsbereitschaft monatelange auf Jobsuche waren und einfach nichts Besseres gefunden haben.

Trotz der Befristung der Arbeitsverträge, trotz der Tatsache, dass SB/pAp kein erfüllender Job ist, fanden sich bei mir im Jobcenter wirklich jedes Mal massenhaft Bewerber auf jede neu ausgeschriebene Stelle. Und alle diese Bewerber hatten mindestens BA- oder FH-Abschluss und Berufserfahrung vorzuweisen. Unter meinen Bereichskollegen war wirklich alles dabei: Der Telekom-Beamte Mitte 50 aus dem mittleren Dienst, der früher Beschwerdeschreiben sortierte, der alter Bahner mit Hauptschulabschluss, der zuvor Fahrkarten verkauft hatte, die junge Kollegin, die nach Verwaltungsausbildung bei der BA eine Personalentwicklung zur pAp absolvierte, und all die BWLer, VWLer, Soziologen, (Sozial)Pädagogen und Juristen mit Diplom, Staatsexamen, Bachelor, Master und teilweise sogar Doktortitel. Es gab und gibt alles – und es wird mehr!

Das Problem ist einfach: Alle diese Menschen, die heilfroh sind, einen Job zu haben, werden sich, sofern sie befristet sind (was alle neu eingestellten Mitarbeiter sind), zumeist hüten, ihren Arbeitgeber in Kundengesprächen oder auch gegenüber Vorgesetzten offen zu kritisieren. Von daher wird man als Kunden oft kaum merken, ob der Sachbearbeiter da vor einem nun kritisch dem System gegenüber eingestellt ist. Denn selbst wenn er es ist, wird er dies meist kaum offen zeigen. Ich habe es ja selbst an mir beobachten können. Ich halte mich für relativ gut gebildet, vielfältig interessiert und auch kritisch. Aber dennoch habe ich tagtäglich im Jobcenter immer wieder total stumpfsinnige Dinge gemacht, Schwachsinnsmaßnahmen gefüllt und zu unsinnigen Terminen eingeladen, bei denen oftmals rein gar nichts Relevantes besprochen, aber hin und wieder wenigsten einige unpassende VVs ausgegeben wurden. Nebenbei war ich damit beschäftigt, den Kunden immer wieder die gleichen hohlen und teils zynischen Phrasen an den Kopf zu knallen, an die ich selbst nicht glaube. Motto: „Zeitarbeit ist toll; Es liegt an Ihnen; Sie müssen sich flexibilisieren; Aufstockung ist was Feines! Wer suchet, der findet…“

Um das abzukürzen: Ich kann auf Basis der vielen formellen wie auch informellen Gespräche, die ich mit ganz unterschiedlichen Kollegen im Amt geführt habe, klar bejahen, dass ein relativ hoher Grad an ökonomischer Bildung bzw. an ökonomischem Sachverstand seitens der pAps im Jobcenter herrscht. Aber Bildung allein bzw. die Kenntnis der eigenen Defizite und der Folgewirkungen schlechter Arbeitsmarkpolitik ändert schon deshalb nichts an der teils katastrophalen Situation in den Jobcentern, weil man Bildung und Systemkritik im Jobcenter als einfacher Mitarbeiter nicht in sinnhafte Arbeit umsetzen kann. Man kann keine Abhilfe schaffen, solange sich die Strukturen nicht ändern. Auf diese Strukturen kann man als pAp/SB aber kaum einwirken. Wie die derzeitigen Strukturen aussehen bzw. was diese befördern, kann man prägnant formuliert hier nachlesen. Bildung ändert nichts an den Vorgaben, die nun mal da sind. Bildung ist sicher schön und gut, aber davon kann man sich im JC auch nichts kaufen.

Provokant würde ich sogar behaupten: Ein Zuviel an Bildung bzw. an Zur-Schau-gestellter Bildung kann für einen selbst im Jobcenter durchaus nachteilig sein. Denn entfristet oder später gar befördert wird im Jobcenter nicht der formal höchst gebildete, der über die Strukturen sinniert und diese kritisch kommentiert, sondern derjenige, der die Vorgaben umsetzt, Kritik für sich behält und die Arbeit genau so macht, wie es ihm aufgetragen wird. Ein guter Mitarbeiter ist im Jobcenter ein folgsamer Mitarbeiter. Als gebildeter, d.h. auch kritischer und selbstreflexiver Mensch, der seine Bildung auch verwirklicht sehen will, läuft man im Jobcenter hingegen schnell Gefahr, als Querulant abgestempelt zu werden.

Eine "schwarze Liste" der Problem-Personen gibt es nicht nur für Jobcenter-Kunden (die Unwilligen), sondern auch für Jobcenter-Mitarbeiter (die Unbeugsamen). Wer als Mitarbeiter den Stempel des kritischen, unbeugsamen hat, der kann sich eine Entfristung abschminken. Denn kein Vorgesetzter entfristet bzw. befördert Querulanten, weil die den Betriebsfrieden stören. Um den Betriebsfrieden aufrecht zu erhalten, bedarf es hingegen weder Anstrengung noch großer Bildung, da reicht es einfach, der Standard-Prämisse Folge zu leisten, die im Jobcenter lautet: "Nicht fragen, nicht denken, sondern machen. Weiter wie bisher, alles super!"

Eine letzte Sache, die ich nicht unerwähnt lassen möchte, ist allerdings auch, dass man Bildung meiner Überzeugung nach nicht per se an formalen Zertifikaten wie (Hoch)schulzeugnissen festmachen kann. Sicher sind Zeugnisse ein Indikator für Bildung, aber ich hatte schon viel Kontakt mit Menschen, die formal gering oder gar nicht qualifiziert waren, die sich aber durchaus gut ausdrücken konnten, die sich Gedanken gemacht haben, die Dinge logisch zu Papier brachten und praktisch etwas drauf hatten. Im Klartext: Wer eine Hochschule besucht hat, ist nur deshalb ganz sicher nicht automatisch hoch gebildet. Und nur weil jemand - weshalb auch immer - keinen Schul- oder Berufsabschluss vorweisen kann, muss dies nicht bedeuten, dass er/sie ungebildet ist. Es ist aber ein Riesenproblem nicht nur im Jobcenter, sondern in der ganzen Gesellschaft, dass wir in Deutschland extrem zertifikatsfixiert sind und Menschen, die die geforderten Zertifikate nicht vorweisen können, kaum noch eine zweite Chance geben.

Und was für die Kunden gilt (Formalqualifikation ist nicht deckungsgleich mit Bildung), gilt auch für die Mitarbeiter im Amt: Sicher merkt man oftmals schon, dass vor allem die Juristen, SoWis, GeWistler und Soz.Päds anders an Fälle ranggehen, d.h. meist weniger verbissen und kreativer sind als etwa jene Kollegen, die bei der BA gelernt haben bzw. in einer Behörde berufssozialisiert wurden, aber auch hier muss man sich mit Pauschalisierungen zurückhalten. Ich habe auch sehr engagierte Ex-Telekomer und Ex-Bahner kennengelernt, die sich in ihrer Freizeit das benötigte Wissen über Wochenendkurse etc. angeeignet haben. Genauso hatte ich Kontakt mit Soz.Päds, die alles andere als informiert oder sozial waren. Hier spielen Persönlichkeit und Interesse wohl eine weit größere Rolle als der formale (Aus)Bildungsgrad.


Insofern gilt: Es gibt meiner Überzeugung nach viele engagierte, gebildete, kritische und empathische Mitarbeiter in den Jobcenter, die sich Veränderungen wünschen, diese aber nicht umsetzen können und ihre Kritik auch nicht offen zur Schau stellen. Gleichsam gibt es genauso aber auch die nicht Engagierten, die Frustrierten, die Ignoranten, die Machtgeilen, die Zyniker, die Ahnungslosen und Faulen. Es lässt sich nicht genau bestimmen bzw. es ließe sich, etwa mittels SINUS-Milieus sicher qualitativ und quantitativ erheben, aber meiner Kenntnis nach liegt solch eine Forschungsarbeit noch nicht vor.
 

Existenzminimum

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...
Denn es geht ja in der ersten Linie um eine Integrationsmaßnahme.

Wer glaubt denn sowas?

Wovon träumen Paps nachts? Diese Maßnahme waren und sind so gut wie noch nie geeignet gewesen zu integrieren. Die meisten BA-/JC Mitarbeiter haben gar keine Ahung was da abgeht. Interessiert die auch nicht.




Sofern eine "Kundin"/ ein "Kunde" mit einem speziellen Maßnahmewunsch vorsprach, habe ich sie/ihn zugewiesen - sofern sie/er der Zielgruppe entsprach und es Sinn machte.
Na klar doch ... . ich wette du wusstest über die Inhalte und die Qualität dieser maßnahme so gut wie gar nichts. Flyerchen verteilt und ansonsten blind zugewiesen. Natürlich mit RfB.


Mnahmen als Druck zu inszenieren, war zu meiner Zeit verpönt.
Wann war denn das, "zu deiner Zeit"?
 

Existenzminimum

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@BurnsTorn


Wie siehts den jetzt mit den Angaben von Herrn Alt aus bezüglich der unterschiedlich sanktionierten Personen innerhalb eines Jahreszeitraums? Konntest du noch was in Erfahrung bringen?
 

Rwasser

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@BurnsTorn


Wie siehts den jetzt mit den Angaben von Herrn Alt aus bezüglich der unterschiedlich sanktionierten Personen innerhalb eines Jahreszeitraums? Konntest du noch was in Erfahrung bringen?

Ich muss sagen, dass ich die Berichterstattung über die Sanktionshäufigkeit (und die diesbezügliche Statistik) überhaupt nicht begriffen habe.

1 Million Sanktionierungen sollen es in 12 Monaten gewesen sein. Gleichzeitig gibt es etwa 4,5 Mio Hartz 4 Empfänger, das wäre dann eine "Sanktionsrate" von etwa 22%. Diese wird aber mit 3,2% (= 146.000 sanktionierte Personen) angegeben.

Rein rechnerisch wäre dann jeder Betroffene fast 7x sanktioniert worden, 6,8x um genau zu sein, also praktisch knapp jeden 2. Monat erneut.

Da stellen sich mir diese Fragen:

1. Kann das überhaupt sein??

aber falls ja:

2. Wieviel Arbeitskraft/Geld/Energie stecken die denn in den Sanktionierungsapparat? Das kann doch gar nicht mehr verhältnismäßig sein (von der Rechtmäßigkeit jetzt mal abgesehen).

Es gibt doch die 80/20 Regel, die besagt, dass man um die letzen 20% (eines gewünschten Ergebnisses) zu erreichen, man 80% der verfügbaren Mittel einsetzen muss. Falls diese Regel auch auf den Aufwand bei Sanktionen anzuwenden ist, was ich vermute, steht der Einsatz in keiner vernünftigen Relation zum "Erfolg", in diesem Fall den eingesparten Zahlungen, oder?
 
E

ExitUser

Gast
@BurnsTorn

Wie siehts den jetzt mit den Angaben von Herrn Alt aus bezüglich der unterschiedlich sanktionierten Personen innerhalb eines Jahreszeitraums? Konntest du noch was in Erfahrung bringen?

Ich habe meinen BA Kontakt (QM-Manager) vor zwei Tagen angeschrieben und um Aufklärung gebeten. Bisher kam noch keine Antwort. Ich kann hier also derzeit - außer Mutmaßungen - nichts weiter Erhellendes zur genauen Berechnung und Erhebungsmethode der Sanktionsquote beitragen. Anders formuliert: Nichts genaues weiß ich nicht. Man kann es wohl so oder so sehen, oder auch wieder ganz anders... :confused::cool: Sobald ich was höre, poste ich das.
 

Curt The Cat

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Vor ein paar Tagen erreichte uns eine Mail von Herrn Paul M. Schröder, BIAJ, die ich der geneigten Runde nicht vorenthalten möchte ...

Betreff: Noch einmal "ZDF, Handelsblatt, 'Anne Will' und andere verbreiten statistischen Unfug"


Sehr geehrte Damen und Herren,

aus gegebenem Anlass (u.a. die Beiträge von BurnsTorn in "Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp")wurde bei unten stehendem Link eine Anmerkung angebracht.
Hartz IV-Sanktionen: ZDF, Handelsblatt, "Anne Will" und andere verbreiten statistischen Unfug
Es wäre nett, wenn Sie auf diesen Link hinweisen könnten.
Ich war davon ausgegangen, dass in der BIAJ-Kurzmitteilung vom 6. Dezember 2012 klar zum Ausdruck gebracht wurde, dass die darin genannte Zahl von 555.000 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, die in den 12 Monaten von August 2011 bis Juli 2012 von mindestens einer Sanktion betroffen waren, auf Anfrage des BIAJ von der Statistik der Bundesagentur für Arbeit genannt wurde.
Leider passiert es immer wieder, dass aus getrennt veröffentlichten Bewegungsgrößen (hier: 1,017 Millionen neu festgestellte Sanktionen im Zeitraum August 2011 bis Juli 2012) und Bestandsgrößen (hier: 145.655 erwerbsfähige Leistungsberechtigte mit mindestens einer Sanktion im Juli 2012) falsche Schlüsse gezogen werden. Wenn im Juli 2012 145.655 erwerbsfähige Leistungsberechtigte von mindestens einer Sanktion betroffen waren, heißt dies nicht, dass nur diese 145.655 von den statistisch erfassten 1,017 Millionen neu festgestellten Sanktionen in den 12 Monaten von August 2011 bis Juli 2012 betroffen waren. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit hat so etwas auch nie behauptet. Es waren Journalisten/Journalistinnen und andere (z.B. einige Blogger m/w), die aus zwei für sich genommen statistisch richtigen Informationen eine absolut falsche "errechneten" und/oder verbreiteten: "mehr als eine Million Sanktionen nur gegen 146.000 Menschen verhängt". Die meisten Leserinnen und Leser werden dies hoffentlich richtig verstanden haben.

Mit freundlichen Grüßen
Paul M. Schröder
Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung
und Jugendberufshilfe (BIAJ)
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