Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

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Hallo zusammen,

hier im Forum tauchen immer wieder Fragen hinsichtlich bestimmter interner Abläufe im Jobcenter auf. Fundiert, d.h. mit Hintergrundwissen angereichert, beantwortet werden diese Frage allerdings selten. Das ist insofern kaum verwunderlich, als viele Nutzer hier das Jobcenter eben nur aus der Kundenperspektive betrachten können. Sie sehen buchstäblich nur das, was ihnen präsentiert wird, die Schauseite, die man ihnen zeigen will. Der Blick hinter die Kulissen, hinter die Fassade dessen, was einem als Realität verkauft wird, erfolgt selten. In Folge dessen ergehen seitens der Kunden mitunter wilde Spekulationen darüber, wie und warum im Jobcenter so oder so verfahren wird. Diese Spekulationen sind meiner Erfahrung nach gelegentlich ziemlich nah an dem, was ich als Realität bezeichnen würde, sie sind bisweilen allerdings auch völlig realitätsfern.

Ich selbst habe etwas über zwei Jahre in einem Jobcenter als Arbeitsvermittler bzw. persönlicher Ansprechpartner (pAp) gearbeitet. Des Weiteren habe ich für kurze Zeit dazwischen auch als sogenannter Job-Coach bei einem Bildungsträger gearbeitet, hatte also bisher zwei Funktionen inne, die hier im Forum aufgrund teilweise sehr schlechter Erfahrungen regelrecht verhasst sind. Ich arbeite heute nicht mehr im Jobcenter und auch nicht mehr bei einem Bildungsträger. Aus meiner Zeit im Amt habe ich aber sehr viele Eindrücke gewinnen und vieles lernen können. Einiges von dem, was ich dort lernte, erkannte und beobachtete, möchte ich in diesem Thread festhalten, sofern hier Interesse besteht, auch mal von der „anderen Seite“ etwas zu hören.

Kurzum: Ich möchte anbieten bzw. andere derzeitige und ehemalige Jobcenter-Mitarbeiter anregen, hier im Thread direkt auf Anfragen zu antworten, die von Nutzern kommen. Ich weiß, dass hier im Forum zahlreiche SBs, FMs, pAps und SBs mitlesen und teilweise auch posten, ohne sich allerdings selbst als Amtsmitarbeiter zu „outen“. Ich weiß auch, dass es einige Mitarbeiter gibt, die die Bürger gerne umfassend über bestimmte Dinge aufklären würden, dies aber zeitlich nicht können oder auch Angst haben, dies zu tun. Ich weiß ebenso, dass es auch wirklich inkompetente, ignorante, überforderte und desinteressiert Mitarbeiter im Jobcenter gibt. Diese würden hier aber nie posten, an sie richtet sich dieser Thread daher auch nicht!

Der Thread richtet sich an jene Mitarbeiter, die bereit sind, zwecks echter Aufklärungsarbeit einfach mal ihre Sicht der Dinge zu schildern und sich hier anonym aber ehrlich auf Anfragen interessierter Bürger einzulassen. Er richtet sich an Mitarbeiter, die die Bürger nicht mit den hohlen Phrasen abspeisen wollen, die zu äußern einem die Vorgesetzten im Jobcenter oft auftragen bzw. die sie von einem erwarten. Das ELO-Forum ist dafür geradezu prädestiniert, zumal hier wirklich sehr viele Anregungen zu finden sind (manche sehr gut, manche von eher zweifelhafter Qualität) und hier interessante Rechtsfragen diskutiert sowie mit Hintergrundinformationen (Gerichtsentscheidungen, Kommentare etc.) angereichert werden.

Ich selbst habe während meiner Tätigkeit im Amt oft im Forum gelesen (aber nichts geschrieben) und bin dem Forum einfach aus Interesse treu geblieben, obwohl ich mit der Thematik ALG II heute beruflich nicht mehr unmittelbar zu tun habe. Es ist meiner Meinung nach nun an der Zeit, dass sich hier im Forum auch mal jene Personen sachlich, freundlich und bürgernah äußern und so zu Fragen hinsichtlich der internen Abläufe im Jobcenter Stellung nehmen, die wirklich etwas dazu sagen können und wollen, weil sie es aus erster Hand selbst erlebt haben.

Ob dabei etwas Sinnvolles herauskommt, weiß ich natürlich nicht. Wir werden es sehen. Das soll hier jedenfalls keine Ein-Mann-Show werden, in der nur ich mich äußere. Dies wäre wenig hilfreich, zumal ich ja auch nur meine persönlichen Erfahrungen darlegen kann und nicht weiß, ob das, was für mich „Realität“ war, in anderen Jobcentern genauso ablief. Daher nochmal mein Appell an ehemalige Kollegen: Beteiligt euch und klärt die Bürger über eure Arbeit auf. Das kann für beide Seiten nur positiv sein, da Aufklärungsarbeit immer dazu beiträgt, Skepsis und Vorbehalte abzubauen. Dies zu leisten, ist im Interesse der Bürger wie der Sachbearbeiter geleichermaßen. Ich mache jetzt einfach mal den Anfang und werde mich dann hier erst mal zurückhalten. Dann werden wir ja sehen, ob der Thread anspringt oder stirbt. Quasi als Startvorlage möchte ich aus meiner beruflichen Perspektive heraus einfach mal drei Fragen beantworten, die mir immer wieder gestellt wurden:

Warum verschwindet im Jobcenter so häufig die Post? Entsorgen die Mitarbeiter die, um sich Arbeit vom Hals zu schaffen?

Antwort: Es stimmt tatsächlich, dass im Jobcenter Post „verschwindet“. Zumindest kann ich das für mein altes Jobcenter bestätigen. Allerdings ist der Ausdruck „verschwindet“ insofern nicht ganz korrekt, als die Post meist nicht wirklich weg ist, sie also nicht unbearbeitet weggeschmissen wird, sondern sie sich oftmals „nur“ nicht mehr auffinden lässt. (Das Wegschmeißen ohne Bearbeitung würde sich kaum ein Mitarbeiter trauen, denn käme dies raus, wäre das nicht nur ein sofortiger Kündigungsgrund, es kämen auf den Mitarbeiter ggfs. auch Schadenersatzforderungen zu).

Woran aber liegt es nun, dass Post manchmal „unauffindbar“ ist? Es liegt meiner Erfahrung nach meist an der organisationalen Aufteilung und Verschachtelung der Zuständigkeiten im Jobcenter. Es gibt neben unterschiedlichen Leistungsteams (aufgeteilt meist nach Endbuchstaben der Kundennamen oder BG-Endnummern) diverse Markt & Integration-Teams, etwa U-25-Teams, „normale“ Teams, Top-50-Teams sowie diverse Projekt-Teams. Da passiert es dann mitunter, dass die Post falsch einsortiert wird (Post für Mitarbeiter 230 N landet bei Mitarbeiter 230 M).

Die Post liegt dann einige Tage beim falschen Mitarbeiter im „zu erledigen“-Stapel, bis der Mitarbeiter merkt, dass er da Post hat, für die er gar nicht zuständig ist. Der Mitarbeiter gibt diese Post dann wieder in die interne Post, damit sie der eigentlich zuständigen Stelle zugeht. Dort angekommen kann es nun z.B. passieren, dass der zuständige Mitarbeiter gerade nicht da ist, die Post also seinem Stellvertreter übergeben wird. Da der selbst genug unerledigte Post hat, sammelt er die Post für den Kollegen erst mal in einer Mappe, die er dem Kollegen nach dessen Urlaub dann übergibt. Es kann manchmal also schon einiges an Zeit vergehen, bis der eigentlich zuständige Mitarbeiter die Post bekommt.

Bevor er sie dann auch bearbeitet, vergeht nochmal einiges an Zeit. Und vielleicht passiert es auch, dass der eigentlich zuständige Mitarbeiter dann, wenn er die Post endlich bearbeitet, merkt, dass er - warum auch immer - doch gar nicht zuständig ist. Wer genau sich zuständig fühlt, ist manchmal unklar. Es bleibt die Post also erst mal irgendwo liegen, in irgendeiner Mapp in irgendeinem Büro. Und machmal wird sie dann vergessen. (Gleiches gilt übrigens für Akten. Daher erreichen einen im Jobcenter auch oft e-mail Anfragen von Kollegen mit dem Inhalt: „Suche Akte XYZ, wer hat die?“) Das hört sich unglaublich an, ist teilweise aber einfach so.

Das erste, was einem im Amt beigebracht wird, ist: Zuständigkeit prüfen! Das heißt nichts anderes als zu gucken, ob man die Arbeit an irgendwen anders weiterleiten kann. Und je mehr Weiterleitungen es gibt, desto länger dauert es und desto mehr erhöht sich die Chance, dass die Post irgendwo auf dem Weg von a nach b nach c zurück nach a und dann zu d liegen bleibt. Je größer die Behörde, desto wahrscheinlicher ist dies. Dass das eigentlich nicht passieren darf, ist klar. Es passiert aber. Das soll nichts entschuldigen, es soll lediglich erklären.

Warum wechselt so oft mein Ansprechpartner? Macht das Amt das absichtlich, damit der Kunde keine Sicherheit hat?

Antwort: Es stimmt tatsächlich, dass die Ansprechpartner im Jobcenter sehr häufig wechseln. Das ist zumeist aber keine intendierte Schikane und soll auch nicht dem Zweck dienen, dass sich für den Kunden keine Gewöhnung und Sicherheit einstellt. Es liegt einfach daran, dass die Personalfluktuation (vom Amt weg und innerhalt des Amtes) sehr hoch ist. Viele Amtsmitarbeiter arbeiten nicht deshalb im Jobcenter, weil sie die Arbeit dort so toll finden, sondern deshalb, weil sie keinen besseren Job gefunden haben. Sie bewerben sich also oft weg zu anderen Behörden oder versuchen, sich innerhalb des Jobcenters in andere Bereiche versetzen zu lassen, wo die Arbeit nicht so stressig und belastend ist.

Und fast jeder, der ganz neu im Jobcenter anfängt, ist dort ohnehin nur befristet beschäftigt, geht also meist nach 12 Monaten, wenn er einigermaßen eingearbeitet ist, schon wieder, manchmal auch früher, wenn er ein besseres Jobangebot erhält. Darüber hinaus ist es so, dass es im Jobcenter einen Tagesdienst gibt, wo Kunden bei akuten Fällen, also ohne Termin, vorsprechen können. Tun sie das, landen sie logischerweise selten bei ihrem eigentlichen pAp, sondern bei demjenigen pAp/SB, der gerade Tagesdienst hat.

Hinzu kommt, dass der Krankenstand im Jobcenter konstant hoch ist, so dass man oft kurzfristig die Kunden kranker Kollegen übernimmt. Manchmal passiert es auch, dass ein Kunde umzieht und die BG-Nummer sich ändert. Auch dann erfolgt oftmals der Wechsel in den Zuständigkeitsbereich eines neuen pAps. Gleiches gilt zumeist, wenn sich etwa Grundsätzliches am Profiling bzw. an der persönlichen Situation des Kunden ändert. So wechselt der pAp oft dann, wenn der Kunde das 25 oder 50 Lebensjahr vollendet hat, wenn er ins Fallmanagement, ins Reha-Team oder in ein anderes Aktivierungsteam (Jobinitiative) überstellt wird. Manchmal wechselt der pAp auch einfach, weil ein pAp seinen Kollegen bittet, einen für ihn nicht ganz einfachen Kunden zu übernehmen.

Will heißen: Gründe für den pAp/SB-Wechsel sind zahlreich. Zumeist sind sie schlicht organisationalen Vorgaben geschuldet und implizieren keine intendierte Schikane. Dass Kunden dies dennoch gelegentlich so auffassen, ist klar. Und es ist ohne Zweifel auch ärgerlich, dass diese Wechsel so oft stattfinden. Wie gesagt, ich will das nicht rechtfertigen, sondern erklären. Auch das Personal leidet unter diesen Zuständigkeitswechseln, weil sich kaum vernünftig arbeiten lässt, wenn man die Kunden kaum kennt, sich immer neu einarbeiten muss und wahrnimmt, wie die Kunden zunehmend genervt reagieren, weil sie jedem neuen Mitarbeiter ständig aufs Neue ihre Geschichte erzählen müssen und sie dabei nie wissen, wie der Neue so „tickt“. Und wenn man sich dann mal kennengelernt hat, ist man als pAp bald schon wieder nicht mehr zuständig.

Warum werde ich manchmal zu Zeiten eingeladen, von denen das Jobcenter weiß, dass ich da gar nicht kann?

Antwort: Es stimmt tatsächlich, dass Kunden manchmal zu Zeiten eingeladen werden, von denen das Jobcenter eigentlich wissen müsste, dass die Kunden da nicht können. Etwa deshalb, weil die Kunden es bei einem vorherigen Termin bereits angaben oder auf dem Antwortzettel, warum ein Termin nicht wahrgenommen wird, vermerkt haben. Somit fasst sich ein Kunde dann zurecht an den Kopf, wenn er beispielsweise auf dem Antwortzettel zur Einladung angegeben hat: „Ich kann den Termin am Montag um 08:30 Uhr nicht wahrnehmen, weil ich montags immer arbeiten muss“ und der Kunde dann wenige Tage später als neuen Termin wieder einen Montag, nur eben zwei Wochen später, erhält.

„Wie kann das sein? Sind die blöd im Jobcenter?“ - so wird sich der Kunde fragen. Nein, sie sind nicht blöd, sondern meist einfach überlastet. Sie müssen sehr schnell arbeiten, so dass wichtige Informationen untergehen. Das bedeutet etwa, dass ein pAp die Schreiben, die ihm zugehen, oft nur überfliegt. Der sieht dann buchstäblich nur: „Aha, Kunde kann nicht. Gut, geht neuer Termin raus. Fertig.“ Und binnen weniger Sekunden hat man den Kunden über ATV neu gebucht. Die Begründung des Kunden, WARUM er nicht kann, wurde einfach überlesen.

Sicher, man müsste aufmerksam lesen. Man müsste eigentlich immer erst im Lebenslauf checken, ob der Kunde nicht in der Zeit, wo man ihn einladen will, krankgeschrieben ist. Man müsste gucken, ob er/sie vielleicht alleinerziehend mit kleinen Kindern ist. Dann könnte man sich nämlich denken, dass es da schwierig wird, einen Termin um 08:15 Uhr wahrzunehmen. Auch müsste man sich in die vorherigen Vermerken oder ins Profiling einlesen, um zu schauen, ob da vielleicht etwas zu den Zeiten vermerkt ist, zu denen der Kunde nicht kann. Dass dies alles selten passiert, ist zumeist aber weder Idiotie noch Schikane, sonder eher Folge hoher Arbeitsverdichtung. Dinge werden nur oberflächlich zur Kenntnis genommen, weil alles schnell gehen muss. Da bleiben wichtige Informationen bisweilen auf der Strecke.

Auch passiert es z.B., dass der Kunde an Tag X einen Termin in der Leistungsabteilung hat, diesen absagt und dann wenige Tage später am gleichen Tag X einen neuen Termin beim pAp erhält. Der Kunde fragt sich also: „Ja sind die denn total bescheuert. Die wissen doch, dass ich da nicht kann. Das habe ich doch angegeben, da haben sie doch sogar okay gesagt!“ Das Problem ist hier einfach: Die Tatsache, dass der Kunde an Tag X nicht kann, weiß nur die Leistungsabteilung. An den pAp, ans Team M&I, wird diese Information oft nicht weitergegeben (ebenso ist natürlich die Informationsweiterweitung vice-versa, also von M&I zur Leistungsabteilung, auch ein Problem).

Es hapert im Jobcenter oft an der team- und fachbereichsübergreifenden Kommunikation. Ganz viele Informationen werden nicht weitergereicht, weil a) oftmals nicht die Zeit dafür ist, b) niemand sich dafür zuständig fühlt und c) auch die Weiterreichung aller Informationen wieder zu neuen Problemen führt, weil damit ein weiterer Anstieg der im Jobcenter ohnehin schon immensen Flut an Wiedervorlagen, e-mails und Telefonaten einhergeht. Mit anderen Worten: Man ersäuft schon jetzt geradezu in Informationen, die man gar nicht alle zur Kenntnis nehmen und verarbeiten kann. Und es gibt bei der derzeitigen Personalausstattung der Jobcenter kaum eine zufriedenstellende Lösung für dieses Problem. Das soll nichts entschuldigen, kann aber vielleicht einiges erklären.
 

Existenzminimum

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Der ideale Kunde ist also der, der widerwillig an einer Maßnahme teilnimmt und sich während der Maßnahme einen Job sucht und aus dem Bezug verschwindet.

Fragwürdig ob das auf Dauer so funzt: das Gegenteil kann auch der Fall sein. Die noch motivierten "Kunden" kriegen ob der tollen Maßnahmen und der sonstigen schei... Behandlung einen richtig dicken Hals und werden demotiviert für die Arbeit und motiviert zur (Nachtrag:) VÖLLIG BERECHTIGTEN Renitenz gegen die Behörde... .:icon_party:

Absolutes Eigentor und genau so geht es an vielen Orten ab.
 
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Was Alt definitv hat: seine Behauptung, die rund 1 Mio. Sanktionen seien letztlich nur auf ca. 150.000 Leute entfallen, ist ganz offensichtlich falsch. Die BA selbst spricht von über 500.000 Menschen.

Nein, sie ist nicht falsch, sie stimmt! Siehe die aktuellste Statistik der BA dazu. Demnach waren im aktuellesten Erhebungszeitraum (Juli 2012) 145.655 erwerbsfähige Leistungsberechtigte in ganz deutschland durch eine Sanktion beschwert (= Gesamtsanktionsquote von 3,3%). Das soll Sanktionen nicht rechtfertigen, aber man sollte schon ehrlich mit dem vorliegenden Datenmaterial arbeiten.
 

Existenzminimum

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Nein, sie ist nicht falsch, sie stimmt! Siehe die aktuellste Statistik der BA dazu. Demnach waren im aktuellesten Erhebungszeitraum (Juli 2012) 145.655 erwerbsfähige Leistungsberechtigte in ganz deutschland durch eine Sanktion beschwert (= Gesamtsanktionsquote von 3,3%). Das soll Sanktionen nicht rechtfertigen, aber man sollte schon ehrlich mit dem vorliegenden Datenmaterial arbeiten.


Und selbstverständlich sind alle Studiengäste - außer Alt - von medial kolportierten Jahresangaben ausgegangen und nicht vom MONAT Juli. Wen interessiert sowas in einer solchen Statistik.

Grundgütiger... .
 
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Und selbstverständlich sind alle Studiengäste von medial kolportierten Jahresangaben ausgegangen und nicht vom MONAT Juli. Wen interessiert sowas in einer solchen Statistik.

Grundgütiger... .

Es ist, wie man der Statistik entnehmen kann, egal, ob nun Juli, April, Januar oder irgendein anderer Monat des Jahres 2012 herangezogen wird. Die Anzahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten mit mind. einer Sanktion liegt IMMER, d.h. durchgehend monatlich bei etwa 150.000. Ich habe lediglich den letzten Erhebungsmonat aus Gründen der Datenaktualität gewählt. Insofern bleibt es dabei: Bezogen auf die Anzahl der erwerbsfähigen, sanktionierten Leistungsberechtigten hat Herr Alt nicht gelogen. Man kann zu seinen sonstigen Ausführungen stehen wie man will, aber die Zahl stimmt!
 
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Dann müsste der folgende Artikel falsch sein... :

Hartz IV-Sanktionen: Statistischer Unfug im ZDF

Tja, was nun?

Ganz einfach: Ich bin gerne bereit, meine Meinung zu ändern, wenn ich neues, verlässliches Datenmaterial sehe! Von meinem persönlichen Empfinden her halte ich die Zahl von "nur" etwa 150.000 sanktionierten Menschen auch für zu gering. Ich halte mich aber gerne an statistische Fakten. Und da konnte ich bisher keine Datenquelle für die genannten 555.000 sanktionierten Menschen finden, bzw. ich kann dies aus der offiziellen Statistik nicht herauslesen. Ich habe bei meiner Recherche lediglich die amtlichen Sanktionsstatistik gefunden, welche die von Herrn Alt genannte Zahl zu bestätigen scheint.

Im oben verlinkten Artikel heißt es nun aber: "Auf die Frage, ob sich ermitteln ließe, gegen wie viele verschiedene Menschen sich die 1,017 Millionen neu festgestellten Sanktionen in den 12 Monaten von August 2011 bis Juli 2012 richteten, nannte die Statistik der BA erwartungsgemäß eine wesentlich höhere Zahl. Im Verlauf dieser 12 Monate waren insgesamt 555.000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte (Alg II) mindestens einmal von einer gegen sie verhängten Sanktion betoffen."

Ich habe zwar die Original-Quelle des Artikel gefunden, aber daraus wird mir nicht ersichtlich, wie der Verfasser auf die Zahl von insgesamt 555.000 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten kommt, die binnen 12 Monaten mindestens einmal von einer gegen sie verhängten Sanktion betoffen waren. In der BA Statistik, die der Verfasser als Grundlage nennt, finde ich nur die Zahl des Herrn Alt (BA), nicht die von Herrn schröder (BIAJ). Vielleicht kann jemand die Rechnung erläutern, wie sich diese Zahl von 555.000 ergibt. Ich bin überfragt.:confused:
 

Struwwelliese

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Abgesehen davon, ob jetzt 100.000 Arbeitslose mehr oder weniger sanktioniert wurden, finde ich es viel interessanter, zu gucken, aus welchen Gründen sanktioniert wird.
Es wurde doch, glaube ich, in der Maischberger-Sendung behauptet, die Sanktionierungen dienten der Disziplinierung bei schweren Regelverstößen. Da ist mir spontan eine Situation eingefallen, in der ich mal eine Sanktion (ich glaube, es hieß Leistungssperre, da ALG I) bekommen habe.

Ich war über 5-6 Jahre mit fortlaufenden Jahresverträgen bei einem (staatlichen) Arbeitgeber beschäftigt. Ich war eine von hunderten von Angestellten, die sich in der Sommerpause arbeitslos melden mußten, weil der Arbeitgeber Geld sparen wollte. Es handelte sich also um eine jährliche Arbeitslosigkeit von einigen Wochen mit einer Zusage, dass der Arbeitsvertrag wieder erneuert wird. Es bestand die Regelung, dass man sich 1/4 Jahr vor Ablauf des alten Arbeitsvertrags arbeitslos melden mußte.

In einem Jahr ging ich bereits 4 Wochen vor Ablauf zur Arbeitsagentur, wurde aber wieder weggeschickt, da ich zu früh gekommen sei.
Danach hatte ich sehr viel Arbeit - ich habe viele unbezahlte Überstunden gemacht und über meine (übrigens extrem unterbezahlte) Arbeitszeit hinaus zusätzliche Projekte geleitet. Dadurch hatte ich dann den Meldetermin um genau 3 Tage verschwitzt.

Ich ging zur Arbeitsagentur, bat um Entschuldigung und bekam zum Dank dafür eine Leistungssperre von 1 Woche verhängt. Ich legte daraufhin Widerspruch ein, auch mit dem Argument, dass ich ein Jahr vorher ebf. 2 Tage zu spät war und mir mitgeteilt wurde, so genau würde man es nicht nehmen. Der Widerspruch wurde abgelehnt und mir mitgeteilt, es läge im Ermessen des SB, ob man es genau nähme oder nicht.

Ich kann hier nichts als Willkür und Schikane sehen. Was will man damit bezwecken, dass man Leute, die sowieso schon durch Zeitverträge und Unterbezahlung bestraft sind, noch zusätzlich sanktioniert??

Was passiert eigentlich mit dem durch Sanktionierungen einbehaltenen Geld? Finanziert man damit die Griechenland-Hilfe??
 

Existenzminimum

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... . Ich bin überfragt.:confused:


Ich tendenziell auch. Ich schätze aber, das die 500.000 "plus" eher stimmen. In eine Tabelle werden die "durch neu festgestellten Sanktionen" im Monat Juli mit knapp 70 Tausd. angegeben, wenn man Schwankungen einbezieht, so könnte das locker auf 500.000 unterschiedliche Personen bei 12 Monaten führen.

Das im Schnitt bei rund einer Mio Sanktionen jede der angeblich insgesamt nur 150.000 unterschiedlichen Personen 7 !!! mal in einem 12 Monatszeitraum sanktioniert wurde, kann ich mir nicht vorstellen. Da stinkt was ganz gewaltig.

Eventuell hat der Herr aus Bremen die Zahlen der "Neuzugänge" in den jeweiligen Monaten addiert, aber ganz klar ist es mir auch nicht
 
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Eventuell hat der Herr aus Bremen die Zahlen der "Neuzugänge" in den jeweiligen Monaten addiert, aber ganz klar ist es mir auch nicht

Daran könnte es liegen. Ich habe mir die Statistik nun noch mal genauer angeschaut und ein wenig rumgerechnet, komme aber dennoch nicht auf die 555.000. Interessant bzw. wie ich finde eher verwirrend ist an der statistischen Aufbereitung der Daten auch, dass unter Punkt 3.1 in der Excel-Tabelle der "Bestand elb mit mindestens einer Sanktion" absolut zwar mit 145.655 angegeben ist, gleichsam aber als "Gesamtzahl der gegenüber eLb zum Stichtag wirksamen Sanktionen" 214.021 genannt ist. Aber beide Zahlen sind nicht in der Nähe der 555.000. Ich werde morgen mal einen alten Kontakt in der BA e-mailen mit Bitte um Aufklärung. Wenn ich eine Rückmeldung bekomme, poste ich die dann hier.
 

Existenzminimum

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So:

Es gab mind 145.Tsd Leute mit mind. einer Sanktion im Monat Juli. (Tabelle 3.1 eLb insgesamt) Im Monat Dezember z.b. wird die Zahl auch irgendsowas in der Höhe sein. Der Punkt ist letztlich, dass in einem anderen Monat nie nur die gleichen Leute betroffen sein werden und dies schon gar nicht über einen Zeitraum von 12 Monaten, der hier Grundlage sein soll.

D.h. also Herr Alt betreibt hier klar Irreführung, wenn er behaupten oder den Eindruck erwecken sollte, das über einen Zeitraum von 12 Monaten lediglich ca. 150 Tsd verschiedene Menschen sanktioniert wurden. Das KANN NICHT sein, wenn es schon nur im Juli 150.Tsd waren.

Verarschen kann ich mich auch selbst
 
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Gast
beinhaltet die Zahl auch die Sanktionen, die wieder zurückgezogen wurden oder per Gericht gekippt worden sind?

Jein. Es werden soviel ich weiß die Zahlen erfasst, die bis zum jeweiligen Stichtag X ausgesprochen wurden. Wenn als z.B. im März 2012 eine Sanktion ausgesprochen wurde (wirksam ab April 2012 für drei Monate), dann taucht diese Sanktion in der Sanktionsstatistik ab März auf. Wenn die Sanktion dann wieder gekippt wird, wird sie aus der Statitik entfernt. Im Statistik-Report für März ist sie weiterhin erhalten, in spären dann aber nicht mehr. Insofern kann es durchaus sein, dass mehr Sanktionen in der Statistik auftauchen, als jene, die tatsächlich Bestand haben.
 
E

ExitUser

Gast
Ja, das wäre gut. Mit diesem Unterschied "wirksame" und ausgesprochene oder was weiß ich Sanktionen kommen wir auch nicht weit.

Die BA kommt damit schon weiter. Man kann sich, je mehr unterschiedliche Sanktionszahlen man erhebt, dann nämlich immer die Zahl raussuchen, die einem gerade passt. Und die präsentiert man dann, ganz ohne zu lügen. Aber eben auch, ohne ganz die Wahrheit zu sagen...:cool:
 
S

Steamhammer

Gast
...Kurz und knapp: Ja, das ist eine zielführende Strategie....

Vielen Dank für die ausführliche Antwort, BT!

Ja, so habe ich es gemacht. Als ich halt in dieses "neue" 50+-Team eingeordnet wurde, ich schrieb es schon, war es äusserst heftig. Der Höhepunkt war dieses Extraprogramm für "arbeitemarktfernere" (also nicht ganz arbeitsmarktferne) Kunden, wo ich plötzlich mit einem Fallmanager konfrontiert war, der mir erst erzählte, wie faul viele seiner Kunden seien, dass die keine Ansprüche an die Arbeit zu stellen hätten und dass er bislang alle rund gemacht hätte, von denen er auch nur dachte, die wollten nicht. Der hat dann abstruse Beispiele gebracht, wie er es einer älteren Frau gezeigt hat, die als Grossmutter oft auf das kleine Kind aufpassen musste, weil die Mutter Krebs hatte.
"Was bilden sich diese Leute ein, die Frau liegt doch im Krankenhaus und es gibt ganztagskitas". Die habe er dann als Verkäuferin untergebracht in einer Bäckerei und "wenn die wieder aufläuft, weil die nicht arbeiten will, mach ich die fertig".

Keine Ahnung, ob er da Räuberpistolen erzählt hat oder das stimmt (ein etwa 30jähriger Schnösel war das, der angeblich vorher Unternehmer gewesen ist).


Ich hab den kerl, im nachhinein muss sich sagen, zu aggressiv, aber in der tendenz richtig, auf den Topf gesetzt, dass es krachte , indem ich ihn sehr direkt auf sein asoziales Wesen ansprach und es mir körperlich regelrecht wehtun würde würde, Menschen wie ihm auch nur 2 Sekunden ins gesicht blicken zu müssen, ohne dass ich mich übergeben muss.

Ich hab natürlcih mit einer Sanktion gerechnet, kam aber keine. (Wieso, siehst Du da einen Grund?) und war bei der vorigen SB zurück, die noch einigermassen menschlich wirkt.

Zwischendurch habe ich mich meiner psychischen leiden besonnen und habe mich bei eine Psychiater angemeldet. Ich hab dann trainiert, und allte Arztbefunde aus den 90gern und der ersetn Hälfte des jetzigen Jahrhunderts rausgeholt und behauptet, das würde mich mmer noch quälen, und ich hätte schon Arbeitsstellen wegen dem Leiden verloren und genaue Symptome geschildert, die ich hätte (aber tatsächlich länger schon nicht mehr habe). Warum ich keine Therapie gemacht hätte? Weil die Wartezeiten auf einen Therapieplatz extrem lange sind bei Psychotherapeuthen und ich dann irgendwann aufgegeben habe und das Leiden still ertrage."


Daraufhin hat er eine feste Diagnose gestellt, die mir hilft. Zusammen mit einem körperlichen, tatsächliche so existenten Leiden, ahbe ich dann einen Antrag auf GdB gestellt, der immerhin 20% gebracht hat. Zu wenig, um "gleichgestellt" werden zu können und dann wieder in die Tretmühle der Aktivierung zu kommen, zu viel,um das Interesse des FM für irgendwelche Jobs zu wecken, die Mist sind.
"Sie werden wahrscheinlich nichts mehr finden", war der letzte Satz des letzten Meetings beim FM. Ü50 und ohne Auto bin ich auch noch.

So denke ich, dass der Kelch der "Maßnahmen" oder der der Zeitarbeitjobs anm mir vorbei gegangen ist.

Da ein Arbeitsvermittler aber auch schnell mal wechseln kann und ich dann wieder ein ********* haben könnte, bleibe ich ich meinen "Krankheiten" aber am Ball. Alles nachweisbar, wie ich schrieb.

LG für Dich und es ist gut, wenn Du hier immer wieder schreibst.
 

saida25

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Das sehe ich einfach anders. Die pAps/SBs sollten nicht die Gegner sein. Das sind nur die ausführenden Organe ganz unten in der Hierarchie. Die SBs/pAps haben sich die Gesetze nicht ausgedacht, die müssen - unter den Bedingungen, die ich teilweise schon angedeutet habe - lediglich das umsetzten, was ihnen befohlen wird. Die pAps/SBs sind die offensichtlich sichtbaren und ansprechbaren Vertreter des Amtes, die den ganzen Frust der Kunden abkriegen. Dieser Frust müsste sich aber eigentlich gegen jene richten, die den SBs/pAps den Auftrag geben, so zu handeln, wie sie handeln. Und die sitzen deutlich höher in Verwaltung und Politik. Wenn also der Fürst einen ruft, hat es meiner Meinung nach wenig Sinn, den kleinen SB ganz unten mit diesem Fürsten gleichzusetzen. Der Fürst sitze weiter oben. Und an dieses weiter oben Sitzenden sollte man die Kritik richten. Alles andere macht keinen Sinn.


Also, bis hierhin habe ich mich erst einmal eingelesen.

Sie sind nicht meine Gegner, die SB`s. Fakt ist, manche kommen
so rüber. Mit Panik/Angst gehen viele ALG II-Empfänger, Aufstocker zu den Terminen. Haben zuvor schlaflose Nächte.

Und wenn nicht meine Gegner, warum tun sie sich nicht mit uns
zusammen?

Dann könnten sich die SB`s
(sofern sie den Schneid dazu haben)
und auch Du m
it uns solidarisieren und gemeinsam mit den
Erwerbsloseninitiativen Reisen nach Berlin organisieren. Vielleicht kommen ja noch Richter/Rechtsanwälte mit, die tagtäglich
mit diesem menschenverachteten Gesetz zu tun haben?

Mobilisieren wir die Personen, die uns Nahe sind und unsere Situationen kennen sowie verstehen, mit uns zu kommen.

Die Gewerkschaften könnten ja Busse organisieren. Mitfahrgelegenheiten gibt es auch genug.
Vielleicht gäbe es auch den Sonderzug nach.................?



Gemeinsam gegen dieses Gesetz angehen. Die SB`s verhängen einfach keine Sanktionen mehr gegen uns.

Besonders die KdU Sanktionen müssen weg. Einfach menschenun-
würdig. Zumal viele Menschen als Mieter schon etliche Jahre/Jahrzehnte in diesen Wohnungen leben und das Wohnumfeld, die Nachbarn für sie sehr wichtig sind.

So viele Menschen leiden darunter!!! Trennung, Tod des

Partners, Auszug eines Familienangehörigen und...und...und...

darf einfach nicht mehr zur KdU Sanktionen führen.

Die Menschen arbeiten doch, wenn sie noch können: Minijobber,
Geringverdiener. (Aufstocker).

OK, die einzige Möglichkeit wäre evtl., ein entsprechend zur Verfügung stehendes Zimmer an eine vertrauenswürdige Person unter zu vermieten.
Dies aber auch nur freiwillig und nicht unter Androhung
von Mietkürzung aus dem Regelsatz.

Welcher Vermieter senkt schon die Miete?

Ansonsten wird ein ALG II Empfänger sowieso irgendwann einsehen,
wenn er dann ganz alleine in der zu großen Wohnung ist, sich eine
kleinere zu suchen. Sofern er dies aus gesundheitlichen Gründen
auch bewerkstelligen kann.
Hat auch nicht jeder Familie und Freunde, die mit anpacken.


Und da wäre von vornherein ein Angebot zur Unterstützung des
Amtes gefragt. Nicht erst auf Antrag!!! Die volle beratende, finanzielle sowie handwerkliche Unterstützung, um einen Umzug überhaupt zu bewältigen.

Wirtschaftslichkeitsüberprüfung/berechnung müsste direkt vom Amt kommen als Unterstützung, ob sich ein Umzug rentiert. Was ist,
falls nach 2-3 Jahren ein weiterer Umzug ansteht, wenn sich an
der Situation nichts geändert hat (beruflich) und ein weiteres Mit-
glied aus der Familie auszieht? Direkt mit 2 Leuten in eine 40m²
Wohnung ziehen? Wohin mit den Möbeln?

Denn: Jeder Umzug gestaltet sich anders und kostet viel Geld.

Das Problem ist auch: Es gibt einfach zu wenig Wohnungen für ein
kleines Geld.
Viele suchen preiswerten Wohnraum: Studenten, Auszubildende etc.

Also liebe(r) SB, bitte nimm Deine KdU Sanktionskürzung zurück.

Ich bringe Dir demnächst auch ein Blümchen mit.

Gehe mit mir/uns gemeinsam nach Berlin.



Wie gesagt, ich habe noch nicht alles gelesen. Habe auch noch etwas anderes zu tun. Minijob, Papierkram (besonders der) wegen
.............vorzubereiten und zu erledigen. Wichtige Termine wahrnehmen!!!! Die könnte ich mir z.B. sparen, wenn es dieses
Gesetz in dieser Form nicht gäbe. Diese Zeit könnte ich in meine Arbeitssuche investieren.

Einen Termin mit dem Amtsleiter wäre mal angebracht.

Es kann doch nicht sein, dass alle SB`s in allen Städten Deutschlands da auf Jahre mitspielen und so wie bisher weiter machen/arbeiten wollen,
um als die Marionetten von Politik und der Verwaltung/Wirtschaft zu
fungieren?

Oder etwa doch, weil eben Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes Hemmungen birgt, sich mal solidarisch mit den
Arbeitslosen zu zeigen?

Denn bekanntlich ist sich ja jeder selbst der nächste.


Das ALG II Gesetz macht krank.:
Nicht nur Leute, die Arbeit haben und als Aufstocker auf das Geld angewiesen sind, sondern insgesamt!!! (Auch Ihr SB`s habt so
Euren Stress/Druck).


Dieses Gesetz muss so wie es gerade ist, in den Boden
gestampft werden.

Denn: Es kann jeden treffen, auch Deine Familienangehörigen, Deine
Verwandtschaft, Deine Freunde, Vereinsfreunde, Sportsfreunde,
liebe(r) SB!!


Millionäre evtl. ausgeschlossen??? Auch die könnte es egal aus
welchen Gründen auch mal treffen.


Sanktionen sind ein Rattenschwanz. Miete aus Regelsatz nicht
mehr voll bezahlbar. Schließlich sind ja noch die immer weiter steigenden Stromkosten aus dem Regelsatz zu bestreiten und und und........



Und trotzdem: Ich gehe weiterhin nicht alleine zu einem Termin.

Weil es so ist wie es ist mit dem ALG II Gesetz: Gehe niemals
alleine zum Amt zum kleinen SB.

Aber gemeinsam nach Berlin, wäre schon toll!!!
Lassen wir gemeinsam unseren Frust ab!!!:icon_daumen:


Wie fühlt sich eigentlich ein SB, wenn er so eine Kdu Kürzung/ oder
andere Sanktion androht, ankündigt und sie dann vollstreckt?













 

Piccolo

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Wie fühlt sich eigentlich ein SB, wenn er so eine Kdu Kürzung/ oder
andere Sanktion androht, ankündigt und sie dann vollstreckt?

meiner hat sich sichtlich gut dabei gefühlt. anders konnte ich mir das hämische grinsen und die vielen kleinen wortspitzen von ihm nicht erklären.
es ist bedauerlich wenn menschen meinen ihr ego oder ihre möchtegern-potenz auf diesem wege ausleben zu müssen.
 

saida25

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Aber was hätten die Kunden dann davon? Meiner Überzeugung nach nichts! Wenn die pAps/SBs massiv überlastet sind, führt das dazu, dass im Amt noch mehr Fehler passieren, dass Anträge verspätet bearbeitet werden, dass man sich mit Kundenanliegen gar nicht mehr befasst, weil man die Kunden einfach nur wieder schnell aus dem Büro haben will.

Kurzum: Wenn die Grenze der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter überschritten wird, die Arbeit aber weiterhin da ist und mehr wird (was ja der Fall ist, wenn plötzlich mehr Anfragen, Anträge, Beschwerden und Widersprüche eingehen), dann kommt es zu einem massiven Qualitätsverlust. Und was das für die Kunden bedeutet, wo heute schon aufgrund struktureller und qualifikatorischer Defizite im Amt oft nur eine sehr mäßige Arbeitsqualität erreicht wird, ist offenkundig. Platt ausgedrückt: Wenn die pAps/SBs leiden, leiden die Kunden noch mehr! Das kann nicht das Ziel sein. Aber nochmal: Ich verstehe dein Anliegen. Nur den Weg halte ich für falsch.

Im Einzelfall kann es für einen selbst in der Tat zutreffen, dass man durch so ein Vorgehen (Widerspruch gegen alles, sich immer beschweren, Kommunikation mit dem Amt nur via Anwalt) kurzfristig mehr Ruhe vorm Amt hat (es kann aber auch nach hinten losgehen -> Intensivierung der Aktivierungsbemühungen aka "Verfolgungsbetreuung"). Im Gesamtbild, wenn alle Kunden (oder auch nur 10% der Kunden) so verfahren, kommt allerdings für alle nichts gutes bei raus.

Sich spezifisch wehren, das ist geboten, gut und richtig! Aber dem Amt metaphorisch gesprochen den "totalen Krieg" zu erklären, das ist nicht zielführend.


Wenn ein Anliegen da war, habe ich mich bisher ohne Anwalt gewehrt. Unterstützung bekam ich später noch von einem User
hier im Forum. Aber nun ist es soweit, dass ich einen Anwalt
in Anspruch nehme, wenn meine Bescheide nicht ok sind und ich
ums Überleben kämpfen muss.
 

saida25

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Frage an BT

Mich würde mal interessieren, wieviele Neuanträge im Jobcenter
pro Tag eingingen? So im Durchschnitt!

Neuanträge von ehemals Selbstständigen!

Neuanträge von ALG I, die mit ALG II aufstocken müssen und
nur noch wegen ALG II vom Jobcenter betreut werden
(auch die in einer Bedarfsgemeinschaft lebenden Kinder, die nun
U25 sind)!

Also, eigentlich alle, die ins ALG II rutschen, nach ihrem Arbeits-
platzverlust. Nicht nur nach dem Arbeitsplatzverlust: Trennung,
Scheidung, Krankheit etc. sind ja auch die Folgen, um dort hinein
zu rutschen.

Und nächste Frage:
Ist die Bundesagentur für Arbeit eigentlich bald überflüssig?

Die stecken gekündigte Mitarbeiter oft nur in so Auffangmaßnahmen. Auch die sind nur von Dauer. Und viele
ehemalige Arbeitnehmer bekommen eh kein ALG II, da Familien-
angehörige Vermögen/Einkommen/Pension haben.

Was leistet die Bundesagentur für Arbeit sonst noch als evtl.
Umschulungen an zu bieten?
Ausbildungsplätze suchen und anbieten?

Warum gibt es so viele private Arbeitsvermittler und ZAF?

Mit Einführung von ALG II?

Wozu brauchen wir die BfA?

Ich kann mir schon vorstellen, dass sich die Arbeit in den
Jobcentern häuft.

Der Arbeitsmarkt gibt keine ausreichend gut bezahlten Stellenangebote mehr her.
Immer mehr Personen müssen trotz ihres Jobs aufstocken.

Du schriebst ja selbst, dass Du nach Deinem Studium nichts
anderes angeboten/gefunden hast, als im Job-Center zu arbeiten.

Was hast Du denn studiert? Wenn Du nicht darauf antworten
möchtest, kann ich das auch verstehen, da hier viele von der
anderen Seite mitlesen.
 

Anna B.

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wenn das in dem rasanten Tempo weitergeht, wird die BA wirklich bald überflüssig sein...
die AN die dann noch arbeiten, zahlen zwar ihre Beiträge zur ALVersicherung ein..erhalten aber keine Leistung daraus, sondern lediglich ALG II...

somit kann Schäuble sich auch wieder an der ALVersicherung bedienen..ist doch toll...

wißt ihr, dass wir Ägypten jährlich mit 100 Millionen Euro Entwicklungshilfe beglücken? nur mal so am Rande...

heute war in N3 eine Frau, die für 30 Stunden 890 Euro netto hat...30 Stunden Call-Center-Mitarbeiterin..alleinerziehende Mutter..kein Auto..in der Gegend haben sich etliche Call-Center niedergelassen..weil es sonst keine Arbeitsgelegenheiten gibt..

mir wird angst und bange ...
 

saida25

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wenn das in dem rasanten Tempo weitergeht, wird die BA wirklich bald überflüssig sein...
die AN die dann noch arbeiten, zahlen zwar ihre Beiträge zur ALVersicherung ein..erhalten aber keine Leistung daraus, sondern lediglich ALG II...

somit kann Schäuble sich auch wieder an der ALVersicherung bedienen..ist doch toll...

wißt ihr, dass wir Ägypten jährlich mit 100 Millionen Euro Entwicklungshilfe beglücken? nur mal so am Rande...

heute war in N3 eine Frau, die für 30 Stunden 890 Euro netto hat...30 Stunden Call-Center-Mitarbeiterin..alleinerziehende Mutter..kein Auto..in der Gegend haben sich etliche Call-Center niedergelassen..weil es sonst keine Arbeitsgelegenheiten gibt..

mir wird angst und bange ...


Welche Gegend war das denn?

Entwicklungshilfe aus ALG I? Die Einzahlung (Prozente) für ALG I wurde, so glaube ich, schon runtergestuft, oder? Die da oben wissen schon, was kommt, oder?
 
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