Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

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ExitUser

Gast
Hallo zusammen,

hier im Forum tauchen immer wieder Fragen hinsichtlich bestimmter interner Abläufe im Jobcenter auf. Fundiert, d.h. mit Hintergrundwissen angereichert, beantwortet werden diese Frage allerdings selten. Das ist insofern kaum verwunderlich, als viele Nutzer hier das Jobcenter eben nur aus der Kundenperspektive betrachten können. Sie sehen buchstäblich nur das, was ihnen präsentiert wird, die Schauseite, die man ihnen zeigen will. Der Blick hinter die Kulissen, hinter die Fassade dessen, was einem als Realität verkauft wird, erfolgt selten. In Folge dessen ergehen seitens der Kunden mitunter wilde Spekulationen darüber, wie und warum im Jobcenter so oder so verfahren wird. Diese Spekulationen sind meiner Erfahrung nach gelegentlich ziemlich nah an dem, was ich als Realität bezeichnen würde, sie sind bisweilen allerdings auch völlig realitätsfern.

Ich selbst habe etwas über zwei Jahre in einem Jobcenter als Arbeitsvermittler bzw. persönlicher Ansprechpartner (pAp) gearbeitet. Des Weiteren habe ich für kurze Zeit dazwischen auch als sogenannter Job-Coach bei einem Bildungsträger gearbeitet, hatte also bisher zwei Funktionen inne, die hier im Forum aufgrund teilweise sehr schlechter Erfahrungen regelrecht verhasst sind. Ich arbeite heute nicht mehr im Jobcenter und auch nicht mehr bei einem Bildungsträger. Aus meiner Zeit im Amt habe ich aber sehr viele Eindrücke gewinnen und vieles lernen können. Einiges von dem, was ich dort lernte, erkannte und beobachtete, möchte ich in diesem Thread festhalten, sofern hier Interesse besteht, auch mal von der „anderen Seite“ etwas zu hören.

Kurzum: Ich möchte anbieten bzw. andere derzeitige und ehemalige Jobcenter-Mitarbeiter anregen, hier im Thread direkt auf Anfragen zu antworten, die von Nutzern kommen. Ich weiß, dass hier im Forum zahlreiche SBs, FMs, pAps und SBs mitlesen und teilweise auch posten, ohne sich allerdings selbst als Amtsmitarbeiter zu „outen“. Ich weiß auch, dass es einige Mitarbeiter gibt, die die Bürger gerne umfassend über bestimmte Dinge aufklären würden, dies aber zeitlich nicht können oder auch Angst haben, dies zu tun. Ich weiß ebenso, dass es auch wirklich inkompetente, ignorante, überforderte und desinteressiert Mitarbeiter im Jobcenter gibt. Diese würden hier aber nie posten, an sie richtet sich dieser Thread daher auch nicht!

Der Thread richtet sich an jene Mitarbeiter, die bereit sind, zwecks echter Aufklärungsarbeit einfach mal ihre Sicht der Dinge zu schildern und sich hier anonym aber ehrlich auf Anfragen interessierter Bürger einzulassen. Er richtet sich an Mitarbeiter, die die Bürger nicht mit den hohlen Phrasen abspeisen wollen, die zu äußern einem die Vorgesetzten im Jobcenter oft auftragen bzw. die sie von einem erwarten. Das ELO-Forum ist dafür geradezu prädestiniert, zumal hier wirklich sehr viele Anregungen zu finden sind (manche sehr gut, manche von eher zweifelhafter Qualität) und hier interessante Rechtsfragen diskutiert sowie mit Hintergrundinformationen (Gerichtsentscheidungen, Kommentare etc.) angereichert werden.

Ich selbst habe während meiner Tätigkeit im Amt oft im Forum gelesen (aber nichts geschrieben) und bin dem Forum einfach aus Interesse treu geblieben, obwohl ich mit der Thematik ALG II heute beruflich nicht mehr unmittelbar zu tun habe. Es ist meiner Meinung nach nun an der Zeit, dass sich hier im Forum auch mal jene Personen sachlich, freundlich und bürgernah äußern und so zu Fragen hinsichtlich der internen Abläufe im Jobcenter Stellung nehmen, die wirklich etwas dazu sagen können und wollen, weil sie es aus erster Hand selbst erlebt haben.

Ob dabei etwas Sinnvolles herauskommt, weiß ich natürlich nicht. Wir werden es sehen. Das soll hier jedenfalls keine Ein-Mann-Show werden, in der nur ich mich äußere. Dies wäre wenig hilfreich, zumal ich ja auch nur meine persönlichen Erfahrungen darlegen kann und nicht weiß, ob das, was für mich „Realität“ war, in anderen Jobcentern genauso ablief. Daher nochmal mein Appell an ehemalige Kollegen: Beteiligt euch und klärt die Bürger über eure Arbeit auf. Das kann für beide Seiten nur positiv sein, da Aufklärungsarbeit immer dazu beiträgt, Skepsis und Vorbehalte abzubauen. Dies zu leisten, ist im Interesse der Bürger wie der Sachbearbeiter geleichermaßen. Ich mache jetzt einfach mal den Anfang und werde mich dann hier erst mal zurückhalten. Dann werden wir ja sehen, ob der Thread anspringt oder stirbt. Quasi als Startvorlage möchte ich aus meiner beruflichen Perspektive heraus einfach mal drei Fragen beantworten, die mir immer wieder gestellt wurden:

Warum verschwindet im Jobcenter so häufig die Post? Entsorgen die Mitarbeiter die, um sich Arbeit vom Hals zu schaffen?

Antwort: Es stimmt tatsächlich, dass im Jobcenter Post „verschwindet“. Zumindest kann ich das für mein altes Jobcenter bestätigen. Allerdings ist der Ausdruck „verschwindet“ insofern nicht ganz korrekt, als die Post meist nicht wirklich weg ist, sie also nicht unbearbeitet weggeschmissen wird, sondern sie sich oftmals „nur“ nicht mehr auffinden lässt. (Das Wegschmeißen ohne Bearbeitung würde sich kaum ein Mitarbeiter trauen, denn käme dies raus, wäre das nicht nur ein sofortiger Kündigungsgrund, es kämen auf den Mitarbeiter ggfs. auch Schadenersatzforderungen zu).

Woran aber liegt es nun, dass Post manchmal „unauffindbar“ ist? Es liegt meiner Erfahrung nach meist an der organisationalen Aufteilung und Verschachtelung der Zuständigkeiten im Jobcenter. Es gibt neben unterschiedlichen Leistungsteams (aufgeteilt meist nach Endbuchstaben der Kundennamen oder BG-Endnummern) diverse Markt & Integration-Teams, etwa U-25-Teams, „normale“ Teams, Top-50-Teams sowie diverse Projekt-Teams. Da passiert es dann mitunter, dass die Post falsch einsortiert wird (Post für Mitarbeiter 230 N landet bei Mitarbeiter 230 M).

Die Post liegt dann einige Tage beim falschen Mitarbeiter im „zu erledigen“-Stapel, bis der Mitarbeiter merkt, dass er da Post hat, für die er gar nicht zuständig ist. Der Mitarbeiter gibt diese Post dann wieder in die interne Post, damit sie der eigentlich zuständigen Stelle zugeht. Dort angekommen kann es nun z.B. passieren, dass der zuständige Mitarbeiter gerade nicht da ist, die Post also seinem Stellvertreter übergeben wird. Da der selbst genug unerledigte Post hat, sammelt er die Post für den Kollegen erst mal in einer Mappe, die er dem Kollegen nach dessen Urlaub dann übergibt. Es kann manchmal also schon einiges an Zeit vergehen, bis der eigentlich zuständige Mitarbeiter die Post bekommt.

Bevor er sie dann auch bearbeitet, vergeht nochmal einiges an Zeit. Und vielleicht passiert es auch, dass der eigentlich zuständige Mitarbeiter dann, wenn er die Post endlich bearbeitet, merkt, dass er - warum auch immer - doch gar nicht zuständig ist. Wer genau sich zuständig fühlt, ist manchmal unklar. Es bleibt die Post also erst mal irgendwo liegen, in irgendeiner Mapp in irgendeinem Büro. Und machmal wird sie dann vergessen. (Gleiches gilt übrigens für Akten. Daher erreichen einen im Jobcenter auch oft e-mail Anfragen von Kollegen mit dem Inhalt: „Suche Akte XYZ, wer hat die?“) Das hört sich unglaublich an, ist teilweise aber einfach so.

Das erste, was einem im Amt beigebracht wird, ist: Zuständigkeit prüfen! Das heißt nichts anderes als zu gucken, ob man die Arbeit an irgendwen anders weiterleiten kann. Und je mehr Weiterleitungen es gibt, desto länger dauert es und desto mehr erhöht sich die Chance, dass die Post irgendwo auf dem Weg von a nach b nach c zurück nach a und dann zu d liegen bleibt. Je größer die Behörde, desto wahrscheinlicher ist dies. Dass das eigentlich nicht passieren darf, ist klar. Es passiert aber. Das soll nichts entschuldigen, es soll lediglich erklären.

Warum wechselt so oft mein Ansprechpartner? Macht das Amt das absichtlich, damit der Kunde keine Sicherheit hat?

Antwort: Es stimmt tatsächlich, dass die Ansprechpartner im Jobcenter sehr häufig wechseln. Das ist zumeist aber keine intendierte Schikane und soll auch nicht dem Zweck dienen, dass sich für den Kunden keine Gewöhnung und Sicherheit einstellt. Es liegt einfach daran, dass die Personalfluktuation (vom Amt weg und innerhalt des Amtes) sehr hoch ist. Viele Amtsmitarbeiter arbeiten nicht deshalb im Jobcenter, weil sie die Arbeit dort so toll finden, sondern deshalb, weil sie keinen besseren Job gefunden haben. Sie bewerben sich also oft weg zu anderen Behörden oder versuchen, sich innerhalb des Jobcenters in andere Bereiche versetzen zu lassen, wo die Arbeit nicht so stressig und belastend ist.

Und fast jeder, der ganz neu im Jobcenter anfängt, ist dort ohnehin nur befristet beschäftigt, geht also meist nach 12 Monaten, wenn er einigermaßen eingearbeitet ist, schon wieder, manchmal auch früher, wenn er ein besseres Jobangebot erhält. Darüber hinaus ist es so, dass es im Jobcenter einen Tagesdienst gibt, wo Kunden bei akuten Fällen, also ohne Termin, vorsprechen können. Tun sie das, landen sie logischerweise selten bei ihrem eigentlichen pAp, sondern bei demjenigen pAp/SB, der gerade Tagesdienst hat.

Hinzu kommt, dass der Krankenstand im Jobcenter konstant hoch ist, so dass man oft kurzfristig die Kunden kranker Kollegen übernimmt. Manchmal passiert es auch, dass ein Kunde umzieht und die BG-Nummer sich ändert. Auch dann erfolgt oftmals der Wechsel in den Zuständigkeitsbereich eines neuen pAps. Gleiches gilt zumeist, wenn sich etwa Grundsätzliches am Profiling bzw. an der persönlichen Situation des Kunden ändert. So wechselt der pAp oft dann, wenn der Kunde das 25 oder 50 Lebensjahr vollendet hat, wenn er ins Fallmanagement, ins Reha-Team oder in ein anderes Aktivierungsteam (Jobinitiative) überstellt wird. Manchmal wechselt der pAp auch einfach, weil ein pAp seinen Kollegen bittet, einen für ihn nicht ganz einfachen Kunden zu übernehmen.

Will heißen: Gründe für den pAp/SB-Wechsel sind zahlreich. Zumeist sind sie schlicht organisationalen Vorgaben geschuldet und implizieren keine intendierte Schikane. Dass Kunden dies dennoch gelegentlich so auffassen, ist klar. Und es ist ohne Zweifel auch ärgerlich, dass diese Wechsel so oft stattfinden. Wie gesagt, ich will das nicht rechtfertigen, sondern erklären. Auch das Personal leidet unter diesen Zuständigkeitswechseln, weil sich kaum vernünftig arbeiten lässt, wenn man die Kunden kaum kennt, sich immer neu einarbeiten muss und wahrnimmt, wie die Kunden zunehmend genervt reagieren, weil sie jedem neuen Mitarbeiter ständig aufs Neue ihre Geschichte erzählen müssen und sie dabei nie wissen, wie der Neue so „tickt“. Und wenn man sich dann mal kennengelernt hat, ist man als pAp bald schon wieder nicht mehr zuständig.

Warum werde ich manchmal zu Zeiten eingeladen, von denen das Jobcenter weiß, dass ich da gar nicht kann?

Antwort: Es stimmt tatsächlich, dass Kunden manchmal zu Zeiten eingeladen werden, von denen das Jobcenter eigentlich wissen müsste, dass die Kunden da nicht können. Etwa deshalb, weil die Kunden es bei einem vorherigen Termin bereits angaben oder auf dem Antwortzettel, warum ein Termin nicht wahrgenommen wird, vermerkt haben. Somit fasst sich ein Kunde dann zurecht an den Kopf, wenn er beispielsweise auf dem Antwortzettel zur Einladung angegeben hat: „Ich kann den Termin am Montag um 08:30 Uhr nicht wahrnehmen, weil ich montags immer arbeiten muss“ und der Kunde dann wenige Tage später als neuen Termin wieder einen Montag, nur eben zwei Wochen später, erhält.

„Wie kann das sein? Sind die blöd im Jobcenter?“ - so wird sich der Kunde fragen. Nein, sie sind nicht blöd, sondern meist einfach überlastet. Sie müssen sehr schnell arbeiten, so dass wichtige Informationen untergehen. Das bedeutet etwa, dass ein pAp die Schreiben, die ihm zugehen, oft nur überfliegt. Der sieht dann buchstäblich nur: „Aha, Kunde kann nicht. Gut, geht neuer Termin raus. Fertig.“ Und binnen weniger Sekunden hat man den Kunden über ATV neu gebucht. Die Begründung des Kunden, WARUM er nicht kann, wurde einfach überlesen.

Sicher, man müsste aufmerksam lesen. Man müsste eigentlich immer erst im Lebenslauf checken, ob der Kunde nicht in der Zeit, wo man ihn einladen will, krankgeschrieben ist. Man müsste gucken, ob er/sie vielleicht alleinerziehend mit kleinen Kindern ist. Dann könnte man sich nämlich denken, dass es da schwierig wird, einen Termin um 08:15 Uhr wahrzunehmen. Auch müsste man sich in die vorherigen Vermerken oder ins Profiling einlesen, um zu schauen, ob da vielleicht etwas zu den Zeiten vermerkt ist, zu denen der Kunde nicht kann. Dass dies alles selten passiert, ist zumeist aber weder Idiotie noch Schikane, sonder eher Folge hoher Arbeitsverdichtung. Dinge werden nur oberflächlich zur Kenntnis genommen, weil alles schnell gehen muss. Da bleiben wichtige Informationen bisweilen auf der Strecke.

Auch passiert es z.B., dass der Kunde an Tag X einen Termin in der Leistungsabteilung hat, diesen absagt und dann wenige Tage später am gleichen Tag X einen neuen Termin beim pAp erhält. Der Kunde fragt sich also: „Ja sind die denn total bescheuert. Die wissen doch, dass ich da nicht kann. Das habe ich doch angegeben, da haben sie doch sogar okay gesagt!“ Das Problem ist hier einfach: Die Tatsache, dass der Kunde an Tag X nicht kann, weiß nur die Leistungsabteilung. An den pAp, ans Team M&I, wird diese Information oft nicht weitergegeben (ebenso ist natürlich die Informationsweiterweitung vice-versa, also von M&I zur Leistungsabteilung, auch ein Problem).

Es hapert im Jobcenter oft an der team- und fachbereichsübergreifenden Kommunikation. Ganz viele Informationen werden nicht weitergereicht, weil a) oftmals nicht die Zeit dafür ist, b) niemand sich dafür zuständig fühlt und c) auch die Weiterreichung aller Informationen wieder zu neuen Problemen führt, weil damit ein weiterer Anstieg der im Jobcenter ohnehin schon immensen Flut an Wiedervorlagen, e-mails und Telefonaten einhergeht. Mit anderen Worten: Man ersäuft schon jetzt geradezu in Informationen, die man gar nicht alle zur Kenntnis nehmen und verarbeiten kann. Und es gibt bei der derzeitigen Personalausstattung der Jobcenter kaum eine zufriedenstellende Lösung für dieses Problem. Das soll nichts entschuldigen, kann aber vielleicht einiges erklären.
 

Existenzminimum

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...Der Poster, auf dessen Beitrag ich mich bezog, schrieb *das Instrument der EGV samt Rechtsfolgenbelehrung*.
Das gibt es einfach nicht. Deswegen gibt es auch daraus nicht die Situation, daß man seine Unterkunft verliert oder sanktioniert wird.

Natürlich ist die EGV als Quasi-Vertrag ein Instrument, in dem Sinne dort bestimmte Leistungen/Verhaltensweisen etc. vom Arbeitssuchenden zu fordern (bei gleichzeitig üblicherweise geringem Förderangebot) mit dem dem "gleichzeitigen" Hinweis auf Sanktionen wobei insbsondere Verstöße gegen Inhalte der EGV als besonders sanktionswürdig angesehen werden und die unterschrieben EGV dann als das Potential und einen entscheidenden Legitimationsgrund für Sanktionen betrachtet und auch so genutzt wird. Punkt. Was gibt es da groß zu diskutieren bzw. anzuzweifeln?

Wer eine EGV hat, diese Vereinbarung also (freiwillig) unterschrieben und akzeptiert hat, der verliert nun mal zum Glück deswegen nicht seine Unterkunft.

Das hat der Vorposter Karl auch nicht so gemeint das dürfte doch jedem Lesemächtigen klar sein. Also nicht im Sinne: EGV unterschrieben, jetzt Wohnung weg.

Von "freiwillig" kann keine Rede sein in dem Sinne als das selbstverständlich erwartet wird, das die EGV unterschrieben
wird, sonst gibt es mindestens schon mal schlechte Stimmung, das muss ich dir wohl nicht erklären. Den Rest spar ich mir.

Und der kann deswegen auch gar nicht sanktioniert werden.
Schon gar nicht wegen einer Rechtsfolgenbelehrung!

Jetzt stell dich mal nicht auf blöd, das nervt. Lies meinen ersten Ansatz in diesem Post, da steht alles wichtige drinnen.


Wer gegen seine EGV verstößt/sie nicht einhält, hat Konsequenzen zu erwarten. Das ist so. Denn er hält die Vereinbarung nicht ein.
Das ist im ganz normalen Leben ebenso. Das ist keine Spezialität
.

Da sind so halbgare Sätze und Aussagen, hast du die in der BA-/JC-Schulung gelernt?

Man kann die Problematik auch auf niedriges Niveau drücken, da verschwende ich aber meine Zeit nicht dafür.

Eine EGV allein aber bewirkt das nicht.

Wer hat das so behauptet?



Was hat das alles mit dem Beitrag von @KarlderWehrer oder meinem zu tun?

Das musst du dich wohl selbst fragen.
 
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Guten Morgen, @BT!

Ich hab eine Frage: Ich habe es geschafft, durch verschiesene "Massnahmen" ebenfalls als arbeitsmarktfern geführt zu werden. Ich finde, ich kann durchatmen, weil ich anfangs mit allem möglichen Mist bombadiert wurde(Zeitarbeit, besondere Ü 50-Massnahmen etc) und dazernd zur Arge musste.

Dann sagte der SB im letzten Gespräch: "Ich glaube nicht, dass Sie eine Stelle finden können", anche ich ihm 2 oder 3 Facharztatteste erläuterte. Nun kann ich in Ruhe meinem qualifizierten Minijob nachgehen und den langsam ausbauen. Vielleicht langfristig sogar sv-pflichtig. So wollte ich es haben.

Ist meine Strategie in Deinen Augen zielführend?

Kurz und knapp: Ja, das ist eine zielführende Strategie. Wie ich hier im Forum schon in weiteren Postings zu dieser Frage erläuterte, ist es für die Kunden meist hilfreich (im Sinne dessen, dass sie eher in Ruhe gelassen werden), wenn sie möglichst arbeitsmarktfern eingestuft/empfunden werden. Als pAp konzentriert man sich am ehesten auf Kunden in mittleren Qualifizierungs- bzw. Fähigkeitsspektrum.

Die sogenannten "sehr arbeitsmarktnahmen Kunden" (Marktprofil-Kunden) integrieren sich quasi selbst, um die muss man sich nicht kümmern. Genau genommen darf man sich als pAp auch gar nicht um die kümmern, man darf ihnen nämlich üblicherweise keine Fördermaßnahmen anbieten (Bildungsgutschein, Trainingsmaßnahme), denn bräuchten sie eine solche, wären sie keine Marktkunden mehr. Diese ganze Maßnahmenkarriere durchlaufen eher die Kunden im Aktivierungs-, Entwicklung-, und Förderprofil. Diese werden gescheucht und immer wieder mit VVs und Maßnahme-Zuweisungen "beglückt".

Manchmal passiert dieses Beglücken mit dem 30-ten VV für die gleiche ZAF und der 6-ten Zuweisung zum Akivierungscenter, weil man als pAp wirklich davon überzeugt ist, dass das den Kunden hilft (das ist aber selten so), weit häufig passiert dieses "Beglücken" allerdings schlicht, weil man es machen soll (Quoten-Vorgabe) oder auch, weil man explizit den Auftrag bekommt, die Kunden durch dieses Daueraktivieren "aus dem Bezug zu ekeln".

Wer sich nicht rausekeln lassen will oder kann (weil es sich von Luft und Liebe alleine eben schlecht leben lässt), der fährt zumeist in der Tat gut damit, sich dem pAp als möglichst unfähig und arbeitsmarktfern zu präsentieren. Freilich ist das ein Balance-Akt. Man darf nicht zu plum auftreten und sollte es nicht übertreiben. Auch muss man bei aller zur Schau gestellten Unfähigkeit immer einen hoch willigen Eindruck machen. Motto: "Vielen Dank für die vielen VVs, Herr pAp. Ich will unbedingt arbeiten, ich leide da richtig unter meiner Arbeitslosigkeit, aber sie wissen ja, ich habe XYZ und XYZ und auch noch XYZ..."

Mit steigender Anzahl der Vermittlungshemmnisse denkt man sich als pAp dann "armes Schwein, der kommt eh nie in Arbeit, kann man nix machen". Für den Kunden heißt das meist: Ruhe vor dem Unsinn. Eine gute Strategie der Gegenwehr gegen unsinige Maßnahmen/Forderungen ist folglich, dass man angibt, weder Auto noch Führerschein zu besitzen, dass man nachweislich oft krank ist, dass man unter einer Lese- und Rechtschreibschwäche leidet und dass die eigenen kulturellen/religiösen Vorgaben, die man aktiv auslebt, einem bestimmte Tätigkeiten verbieten. Nur als Beispiel: Manche ethnischen Gruppen geben an, nicht in Pflegeeinrichtungen und/oder in Küchen arbeiten zu können, wo bestimmte Fleischsorten verarbeitet werden etc.

Aber nochmal: Die eigenen Angaben müssen glaubhaft sein. Wenn eine Kombination aus überzeugend vorgetragener Willigkeit und Unfähigkeit beim Kunden erkennbar ist, ist das eine "gute Voraussetzung", um sehr lange in Ruhe gelassen zu werden. Wenn dann noch das Merkmal der Wehrhaftigkeit hinzu kommt, wenn also seitens des Kunden keine Scheu besteht, Widerspruch einzulegen oder vors SG zu ziehen, ist es sogar eine exzellente Kombination.
 
E

ExitUser

Gast
Eine Frage an BurnsTorn hätte ich dann auch noch.

Mein JC mit den dortigen SB´s + Geschäftsführung fährt (ich denke wie fast alle) die totale "ihr könnt uns mal" Mentalität. Könntest Du beschreiben welche Art der Beschwerde an welche Stelle bei den SB´s und evtl. auch den Teamleitern am meisten "gefürchtet" ist am meisten Wirbel in der Mitarbeiter-Personalakte verursachen könnte und was damit am schnellsten evtl. Abhilfe versprechen könnte ?

1. Dienstaufsichtsbeschwerde, Fachaufsichtsbeschwerde...
2. An die Geschäftsleitung, zur BA nach Nürnberg, an örtliche politische Verantwortliche... ?

Ich habe das hier im Thread und in diesem Thread schon ausgeführt. Da ich mich nicht wiederholen will, hier nur noch mal kurz zusammengefasst:

Wirklich gefürchtet im Sinne dessen, dass sie sich negativ hinsichtlich Personalbewertung auswirken, sind Beschwerden meist nicht. Dies deshalb nicht, weil die allermeisten Beschwerden zu schlecht formuliert sind oder sie schlicht rechtlich keine Substanz haben. Es gibt keinen Wirbel in der Personalakte. Beschwerden wirken sich allenfalls dann negativ aus, wenn ein pAp/SB diese massenhaft ansammelt und die Beschwerden dann auch Bestanden haben, sie also nicht als haltlos zurückgewiesen werden. Nur Beschwerden, die auch Bestand haben, werden in der Akte vermerkt!

Und ob man die Dienst- oder Fachaufsichtsbeschwerde (oder auch ganz allgemeine Beschwerde) nur direkt an den Geschäftsführer oder an das KRM in Nürnberg oder an den Teamleiter adressiert, ist egal. Die Beschwerde wird ohnehin immer an das örtliche Kundenreaktionsmanagement weitergeleitet, von wo aus sie dann an den Teamleiter weitergeleitet wird mit Bitte um Stellungnahme/Bearbeitung. Der TL entscheidet dann, ob er die Beschwerde selbst bearbeitet oder diese zur Bearbeitung weiter delegiert.

Allgemein gilt dabei: Eine Dienstaufsichtsbeschwerde kann eingereicht werden, wenn man sich vom pAp unhöflich behandelt fühlt bzw. wenn es um den Umgang miteinander geht. Eine Fachaufsichtsbeschwerde ist dann angebracht, wenn man meint, der pAp hätte fachlich falsch beraten bzw. eine inkorrekte Rechtsauskunft gegeben, wodurch einem Schaden entstanden ist.

Abhilfe bei Problemen schafft meiner Überzeugung und Erfahrung nach der folgende Weg: 1) Das persönliche Gespräch mit pAp und dann ggfs. Teamleitung und/oder Bereichsleitung suchen. 2) Wenn das nichts bringt: Beschwerde formulieren und an den Geschäftsführer senden, dann auf Reaktion warten. 3) Wenn Reaktion negativ ausfällt und es sich um einen beschwerenden Verwaltungsakt handelt, gegen den man vorgehen wollte, dann Widerspruch einlegen und dessen Ergebnis abwarten. 4) Wenn Widerspruchsstelle den Widerspruch zurückweist, Beratungsschein beim Sozialgericht holen (damit die Kosten für Anwalt übernommen werden) und gegen die Ablehnung des Widerspruchs rechtlich mit anwaltschaftlicher Hilfe vorgehen.

Während dieses gesamten Vorgehens sollte man in persönlichen Gesprächen und in der schriftlichen Korrespondenz mit dem Amt immer freundlich und sachlich auftreten und immer auf den spezifischen Fall bezogen argumentieren (bzw. dies dem Anwalt oder sachkundigen Bekannten oder Unterstützern, etwa hier aus dem Forum, überlassen). Damit hat man weit bessere Erfolgsaussichten als mit einem anklagenden Beschwerdeschreiben, das meist eher Belustigung bei pAp, TL und KRM erzeugt, als dass es gefürchtet ist.
 
E

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Gast
Bei mir wurde einmal so argumentiert, daß es im ALGII-Bezug ja nicht nur um finanzielle Leistungen des JC geht, sondern auch um alles, was die Eingliederung betrifft. Somit kann alles angefordert werden, was die Eingliederung bzw. Eingliederungsgemmnisse betrifft, was meines Erachtens quasi einen Freibrief für das JC bedeutet... :icon_kotz:

Die Tatsache, dass mehr angefordert wird, als angefordert werden müsste oder dürfte, liegt manchmal auch schlicht daran, dass in jeder Behörde die Tendenz vorherrscht, Informationen zu horten, weil man nie weiß, ob und wozu man die noch mal gebrauchen könnte. Mit steigender Größe der Behörde vergrößert sich dieser Sammelwahn, weil dann mehr und mehr Abteilungen ins Spiel kommen, die sich untereinander kaum austauschen und dann für sich genommen unterschiedliche Dinge anfordern (der Reha-Berater fordert was, der normale pAp auch, der Leistungs-SB ebenso wie auch der SB aus der Widerspruchsstelle, und manchmal wurde das schon drei- oder viermal eingereicht, nur eben bei einer anderen Stelle im Haus...) Als potentiell fatal erweist sich dies, wenn die Mitarbeiter dann auch noch schlecht geschult und/oder überfordert sind, was im JC oft der Fall ist.

Kurz gesagt wissen viele Mitarbeiter mangels Kenntnis der Rechtsgrundlage bzw. mangels Kenntnis der HEGA, die durchzulesen man bei der Arbeit gar keine Zeit hat, oft gar nicht, dass sie bestimmte Dinge, die sie anfordern, gar nicht anfordern dürfen bzw. müssen. Sie fordern dann das, wovon sie denken/meinen/fühlen, dass es relevant sein könnte bzw. auch das, was ihnen ein Vorgesetzter gesagt hat, dass sie es fordern sollen, auch wenn es dafür keine Rechtsgrundlage gibt. Und manchmal (das ist aber nicht die Regel!) ist auch so, dass ganz bewusst Dinge gefordert werden, von denen man weiß, dass der Kunde sie im angegebenen Zeitraum nur schwerlich beschaffen kann. Dies einfach deshalb, weil sich dadurch die Chance erhöht, dass ein Antrag aufgrund mangelnder Mitwirkung versagt werden kann. Ergebnis: Man spart Geld.
 
E

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Gast
@BurnsTorn, erstmal Danke für diese tiefen Einblicke !

Jetzt mal eine Frage von mir. War heute als Beistand für meine Frau mit zum Termin. Sie monierte die Laufzeit ihrer EGV. 8 statt 6 Monate. Darauf angesprochen äußerte SB, daß unser Amt von der BA zum Kreis gekommen wäre und seitdem freie Hand bei den Laufzeiten wäre. Habe noch mal die Regelungen dazu durchgesehen, aber nichts außer dem Bekannten gefunden. Liegen hierzu Informationen vor ? Natürlich ist die EGV nicht unterschrieben worden.

Es spielt hinsichtlich der EGV-Formalia eigentlich keine Rolle, ob das JC als gemeinsame Einrichtung oder in Trägerschaft durch den Kreis eingerichtet ist. Die Rechtsgrundlage ist ja dieselbe, nämlich der § 15 SGB II. Und eben darin heißt es: "Die Eingliederungsvereinbarung soll für sechs Monate geschlossen werden" Im Klartext: Sie soll, sie muss aber nicht für diese Dauer geschlossen werden. Dass soll impliziert, dass die EGV üblicherweise eine sechsmonatige Dauer hat. Man kann in begründeten Fällen aber durchaus davon abweichen. Ich habe damals - nach Rücksprache mit den Kunden - auch schon EGVs von nur dreimonatiger oder zwölfmonatiger Dauer geschlossen. Und wo wir schon beim Thema sind, anbei mal eine interessante Info über EGVs aus dem BA-Forschungsinstitut IAB, die Auskunft darüber gibt, dass auch die Vermittler der EGV nicht gänzlich überzeugt gegenüberstehen.
 
E

ExitUser

Gast
Hallo BurnsTorn,

gestern war ja bei der Maischberger das Thema "Wer arbeitet, ist der Dumme?". Hier war u. a. auch Ralph Boes zu Gast.

Herr Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, hat sich ja dahingehend geäußert, dass RB, bzw. man niemals seine Unterkunft verlöre und auch immer was zu beißen hat. Jetzt kann man ja ganz schön rumspekulieren. Das Herr Alt das Instrument der EGV samt Rechtsfolgenbelehrung nicht kennt, glaube ich nicht. Das er lügt wie gedruckt, mag ich auch nicht glauben.

Ich würde mich sehr über eine Stellungnahme freuen.

Ich habe die Sendung noch nicht gesehen und werde das heute oder morgen nachholen. Ich werden mich dann hier gegebenenfalls am Wochenende dazu äußern. Aber vielleicht ist das ja auch gar nicht nötig, dass ich zu allem hier einen Kommentar abgebe. Wie ich erkenne, ist der Thread ja auch ohne mich noch gut im Gange, so sollte es ja auch sein! Ich will ja, dass auch andere pAps/SBs/FMs hier Erfahrungen schildern bzw. ihr könnten dann ja auch gerne die fragen :icon_daumen:

Btw: Bitte habt Verständnis, wenn ich auf Postings oder PNs nicht immer gleich antworte. Ich schaue hier bis Jahresende nur nur alle paar Tage morgens und abends ins Forum, da ich viel auf Dienstreise bin und einfach nicht die Lust habe, mich auch in der Freizeit zwischen Frühstück und Dienstbesprechung/Tagung dann noch mit Arbeitslosigkeit in all ihreren Facetten zu befassen.
 
G

gast_

Gast
Info über EGVs aus dem BA-Forschungsinstitut IAB,

Ich zitiere:
„Sie soll von einer/einem Mitarbeiter/‑in
des zuständigen JobCenters (JC) und von
der erwerbsfähigen leistungsberechtigten
Person gemeinsam erarbeitet werden.
Das widerspricht aber dem Vorgehen der SB, seit geraumer Zeit sofort mit einer EGV per Verwaltungsakt zu kommen, wenn man darauf besteht.

Die Verteilung der Rechte und
Pflichten sollte für beide Vertragsparteien ausgewogen
sein.“
Ich habe noch keine gesehen, wo das der Fall wäre...bis auf eine, die ich verhandeln konnte.
 

Hamburgeryn1

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„Sie soll von einer/einem Mitarbeiter/‑in
des zuständigen JobCenters (JC) und von
der erwerbsfähigen leistungsberechtigten
Person gemeinsam erarbeitet werden.
https://doku.iab.de/kurzber/2011/kb1811.pdf
Ich zitiere: Das widerspricht aber dem Vorgehen der SB, seit geraumer Zeit sofort mit einer EGV per Verwaltungsakt zu kommen, wenn man darauf besteht.
Stimmt!

Ich habe hier die EGV-VA zwei meiner Kinder liegen.
VA Nr. 1 wurde Ende Okt. erlassen und VA Nr.2 Ende Nov.
Von zwei unterschiedlichen SB, da meine Kinder unterschiedliche Familiennamen tragen.

In beiden EGV-VA steht exakt dasselbe drin! Wort für Wort!

Meine beiden Kinder könnten unterschiedlicher nicht sein was ihren Schulabschluss, Gesundheitsstatus, intellektuelle Fähigkeiten, Berufswünsche und Lebensziele angeht.

Für mich ist offensichtlich, dass willkürlich zu irgendwelchen Textbausteinen gegriffen wird, um die EGV-Quote zu erfüllen, die Jugendarbeitslosenstatistik zu schönen und gleichzeitig die eingekauften Sinnlosmaßnahmen vollzukriegen. :icon_neutral:
 

KARLderWEHRER

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Stimmt!

Ich habe hier die EGV-VA zwei meiner Kinder liegen.
VA Nr. 1 wurde Ende Okt. erlassen und VA Nr.2 Ende Nov.
Von zwei unterschiedlichen SB, da meine Kinder unterschiedliche Familiennamen tragen.

In beiden EGV-VA steht exakt dasselbe drin! Wort für Wort!

Meine beiden Kinder könnten unterschiedlicher nicht sein was ihren Schulabschluss, Gesundheitsstatus, intellektuelle Fähigkeiten, Berufswünsche und Lebensziele angeht.

Für mich ist offensichtlich, dass willkürlich zu irgendwelchen Textbausteinen gegriffen wird, um die EGV-Quote zu erfüllen, die Jugendarbeitslosenstatistik zu schönen und gleichzeitig die eingekauften Sinnlosmaßnahmen vollzukriegen. :icon_neutral:

Sehr interessant. Ich denke aber, dass somit mögliche Sanktionen mit einer guten Argumentation vor dem SG gekippt werden könnten.
 
E

ExitUser

Gast
Ich zitiere:
„Sie soll von einer/einem Mitarbeiter/‑in
des zuständigen JobCenters (JC) und von
der erwerbsfähigen leistungsberechtigten
Person gemeinsam erarbeitet werden. Das widerspricht aber dem Vorgehen der SB, seit geraumer Zeit sofort mit einer EGV per Verwaltungsakt zu kommen, wenn man darauf besteht.
Ich habe noch keine gesehen, wo das der Fall wäre...bis auf eine, die ich verhandeln konnte.
"Soll" ist kein "Muss".
 

BiancaBerlin

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Normal in dem im Sinne, dass das oben skizzierte Alltag wäre, ist das nicht! Wenn jeder pAp bei jedem Kunden so verfahren würde, würde das Jobcenter zusammenbrechen. Das geht nicht, denn eine solche Intensivbetreuung nimmt viel zu viel Zeit in Anspruch.

Ja, Gott sei Dank. :icon_rolleyes: Nachdem ich es mir mit meiner SB Anfang August gründlich verdorben hatte (keine Sinnlos-Maßnahme- und EGV-Unterschrifts-Bereitschaft, für sie unkalkulierbare selbstständige Tätigkeit etc.) hatte ich schon Schlimmmes befürchtet und bin jeden Tag ungern zum Briefkasten gegangen. Außer zwei Sanktionsanhörungen, für die bei der ersten jedoch schon die Frist zum Erlassen der Sanktion abgelaufen sein sollte, einer Maßnahmeeinladung ohne RFB und einigen sinnfreien VVs kam aber nicht viel. Und seit meine Klage vor dem SB läuft, ist wieder ein bißchen mehr Ruhe eingekehrt. :icon_wink:
 

BiancaBerlin

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Kurz gesagt wissen viele Mitarbeiter mangels Kenntnis der Rechtsgrundlage bzw. mangels Kenntnis der HEGA, die durchzulesen man bei der Arbeit gar keine Zeit hat, oft gar nicht, dass sie bestimmte Dinge, die sie anfordern, gar nicht anfordern dürfen bzw. müssen. Sie fordern dann das, wovon sie denken/meinen/fühlen, dass es relevant sein könnte bzw. auch das, was ihnen ein Vorgesetzter gesagt hat, dass sie es fordern sollen, auch wenn es dafür keine Rechtsgrundlage gibt.

Warum meine SB das hier https://www.elo-forum.org/existenzg...eisen-aktivitaeten-selbstst-taetigkeiten.html angefordert hat, ist mir schon klar: Damit soll Kontrolle über mich ausgeübt und möglichst erreicht werden, mich trotz meiner selbstständigen Tätigkeit in eine Sinnlos-Maßnahme zu drängen: https://www.elo-forum.org/alg-ii/10...ktion-wegen-fernbleibens-beratungstermin.html. Zur Zeit klage ich gegen die gesamte EGV-VA, also auch gegen diesen Passus vor dem SG. Wie schätzt Du meine Chancen ein, daß der Richter eine Rechtswidrigkeit bei der Anforderung erkennt?
 

BiancaBerlin

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Schon deshalb nicht, weil der Großteil meiner Kunden einer integrationsfernen Profillage zugeteilt war.

Kann man irgendwie herausbekommen, welcher Profillage man zugeteilt worden ist? Was für ein Kriterium stellt meine selbstständige Tätigkeit dar (außer daß es meiner SB wegen Problemen bei Maßnahme-Zuweisung etc. ein Dorn im Auge ist)?
 

franzi

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Was mich hierzu noch interessiert: gibt es einen internen Plan, wie langfristig mit vermittlungsfernen Kandidaten umgegangen werden soll?
Oder anders rum gefragt: was haben Menschen zu erwarten, die als schwer eingliederungsfähig eingestuft wurden?
 

kikos

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...Bitte habt Verständnis, wenn... ich viel auf Dienstreise bin und einfach nicht die Lust habe, mich auch in der Freizeit zwischen Frühstück und Dienstbesprechung/Tagung dann noch mit Arbeitslosigkeit in all ihreren Facetten zu befassen.

Das glaube ich gern, da geht´s dir eigentlich wie uns.

Wir müssen uns leider damit zwangsweise befassen, spätestens wenn mal wieder nette Post vom JC eingegangen ist :biggrin:
 

ethos07

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Kann man irgendwie herausbekommen, welcher Profillage man zugeteilt worden ist? Was für ein Kriterium stellt meine selbstständige Tätigkeit dar (außer daß es meiner SB wegen Problemen bei Maßnahme-Zuweisung etc. ein Dorn im Auge ist)?

Man kann schlicht sein/e SB fragen , was er/sie beim Profiling als Gesamtprofilstufe ("Profillage") eingetragen hat und sich das ausdrucken lassen. Das ist generell ganz interessant, weil häufig vieles gar nicht auf einem zutrifft... Sollte sich der/die SB weigern, dann einfach die Anfrage schriftlich stellen (allenfalls sogar extra vor Ort Akteneinsicht verlangen; in der Regel aber nicht extra erforderlich.).

Die pAPs haben bei diesem 08/15-Profiling eine Anzahl Kästchen zur Auswahl, die sie bei ihrem -meistens husch-husch-nebenher gemachten - Profiling - mal eben ankreuzen. Daraus ergibt sich dann eine Zuordnung zu einer der "fünf Sfufen der Integrationsfähigkeit in den ersten Arbeitsmarkt".

Die 'beste' Stufe sind die "marktnahen Kunden", die so gut wie sicher gleich wieder eine Stelle auf dem 1.Arbeitsmakrt ergattern und mit denen so gut wie nix angestellt wird. Dann gibt es die drei mittleren Stufen für alle, die aktiviert, geforder-gefördert usw. werden sollen - "Förder-Kunden" , also die Hauptmasse der Leistungsbeziehenden im SGB II. Und eine 'letzte' Stufe der integrationsfernen "schwer vermittelbaren Kunden", die in der Regel aus verschiedenen Gründen auf' dem Abstellgleis landen, sprich in Ruhe gelassen werden oder ins Fallmanagement kommen.

Als 'flexibler Kunde' kannst du die Einstufung durch den SB im Gespräch mit diesem meist selbst in die von dir gewünschte Richtung der Kästchen-Kreuzchen ein wenig mitsteuern... Was aber im mittleren Segment nur bedingt hilft in Ruhe gelassen zu werden, da ja jedes Jahr wieder neue Maßnahmen-Erfindungen etc. drohen.

https://www.harald-thome.de/media/f...timierungsgesetz/BABetreuungsstufen_SGBII.pdf
 
E

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Ich zitiere: Das widerspricht aber dem Vorgehen der SB, seit geraumer Zeit sofort mit einer EGV per Verwaltungsakt zu kommen, wenn man darauf besteht.

Ich habe noch keine gesehen, wo das der Fall wäre...bis auf eine, die ich verhandeln konnte.

Dass sich Vorgaben im Jobcenter hinsichtlich Soll und Sein (und bisweilen auch z.B. Soll X und Soll Y) oft widersprechen, ist nun ja aber wahrlich nichts neues. Das IST in der Tat so. Dies ist aber auch kein reines Jobcenter-Problem, das ist viel eher systemimmanent für alle großen Organisationen, die diverse Ziele verfolgen. An den drei Primärzielen im Jobcenter lässt sich schnell ablesen, dass diese potenziell miteinander in Konflikt geraten können. Die Jobcenter sollen 1) Steuergelder einsparen, 2) die Arbeitslosen in den Arbeismarkt integrieren und 3) dabei eine hohe Kundenzufriedenheit erreichen.

Es ist nun offenkundig, dass diese drei Ziele sich gelegentlich widersprechen und Strategien/Handlungen, die zwecks Erreichung von Ziel 1 vorgenommen werden, mit Ziel 2 und insbesondere Ziel 3 in Konflikt geraten können. Ein gewisses Maß an Heuchelei ist also geradezu geboten! Das nur als ein Beispiel unter sehr zahlreichen. Zwischen Reden und Handeln ist ein gewaltiger Unterschied. Wer sich näher für die theoretischen Grundlagen interessiert, der google nur mal nach Karl Weick. Der ist der führende Experte bezüglich dieser Thematik (viele der Publikationen sind allerdings nur auf englisch).
 
E

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Für mich ist offensichtlich, dass willkürlich zu irgendwelchen Textbausteinen gegriffen wird, um die EGV-Quote zu erfüllen, die Jugendarbeitslosenstatistik zu schönen und gleichzeitig die eingekauften Sinnlosmaßnahmen vollzukriegen. :icon_neutral:

Das ist aber nun wirklich keine neue Erkenntnis. Das ist ohne Frage so, aber dies ist doch hier im Forum wie in Expertenkreisen seit Jahren bekannt. Man lese da nur mal die diversen Hartz4-kritischen Publikationen von A. Ames, H. Spindler, F. Segbers, V. Hielscher, I. Bücker, B. Vallenthin, B. Lange und zahlreichen anderen, wie auch auf der Seite von Harald Thomé.
 
E

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Wie schätzt Du meine Chancen ein, daß der Richter eine Rechtswidrigkeit bei der Anforderung erkennt?

Da sage ich absolut ehrlich: Ich weiß es nicht. Und von reiner Spekulation halte ich nix. Statistisch betrachtet liegt deine Chance auf Erfolg der Klage bei etwa 45%. Das ist nämlich die Quote derjenigen Widersprüche, denen insgesamt entweder über die Widerspruchsstelle oder später durch das SG stattgegeben wurde. Auch wenn dies bezogen auf den Einzelfall wenig heißt, gilt im Gesamtbild: Deine Chancen stehen nicht schlecht. Als Nicht-Jurist und Nicht-Berliner will ich aber nicht darüber spekulieren, wie Richter in Berlin deinen Fall wohl sehen werden. Ich kann nur sagen, dass bei einem meiner Auffassung nach ähnlich gelagerten Fall (ich habe deinen Fall grob verfolgt) im Zuständigkeitsbereich "meines" alten Jobcenters durch das SG schon im Sinne des Kunden entschieden wurde. Ich wünsche dir jedenfall viel Erfolg!:icon_daumen:
 
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Gast
Wann waren diese - zumindest bei Dir in Deinem JC - immer "fällig"? So lange es eine bestehende EGV gab, war es also nicht unbedingt gefordert, seine "kunden" einzuladen?

Bei mir im JC gab es die Order, ALLE Kunden je nach Profillage in gewisser Regelmäßigkeit einzuladen, selbst nicht zu aktivierende und integrierte Kunden. Auch die Kundinnen in Elternzeit musste ich mindestens alle 12 Monate vor dem Schreibtisch haben, um zu gucken, ob die noch leben. Gleiches galt für Kunden, die bereits im Rahmen ihrer Möglichkeiten integriert und sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Auch die mussten/sollten mindestens einmal im Jahr antanzen. Das Gespräch lief dann wirklich nur 1 Minute nach dem Motto: "Schön, dass sie da sind. Ich weiß ja, hat sich nix geändert. Hier die Neue EGV, Sie können wieder gehen, bis nächstes Jahr dann." Alles Dinge, die man problemlos telefonsich klären konnte. Aber wir sollten die Leute eben persönlich einladen. Die kamen (oder auch nicht), dann wurde eine Statistik-EGV abgeschlossen und fertig.
 

Purzelina

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Die 'beste' Stufe sind die "marktnahen Kunden", die so gut wie sicher gleich wieder eine Stelle auf dem 1.Arbeitsmakrt ergattern und mit denen so gut wie nix angestellt wird.
Erreichen aber nicht gerade bei den sehr marktnahen Kunden die Sinnlosmaßnahmen die schnellsten Ergebnissse?

Wenn wirklich gute Chancen vorhanden sind und der örtliche Arbeitsmarkt es hergibt, dann reicht vielleicht schon die Androhung einer Maßnahme und der Kunde verabschiedet sich lieber in schlechte Arbeitsbedingungen, die er vielleicht ohne den Druck der Vollzeitbetreuung nicht akzeptieren würde.
 

franzi

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Erreichen aber nicht gerade bei den sehr marktnahen Kunden die Sinnlosmaßnahmen die schnellsten Ergebnissse?

Wenn wirklich gute Chancen vorhanden sind und der örtliche Arbeitsmarkt es hergibt, dann reicht vielleicht schon die Androhung einer Maßnahme und der Kunde verabschiedet sich lieber in schlechte Arbeitsbedingungen, die er vielleicht ohne den Druck der Vollzeitbetreuung nicht akzeptieren würde.

Die "schlechtesten" Maßnahme-Teilnehmer sind also letztlich die, die brav die Maßnahme von A bis Zett absitzen und brav mitmachen.
Weil die trotz Maßnahmen-Druck wieder nicht aus dem System raus gebracht werden.

Maßnahmen, die kein Druckmittel darstellen, sind letztlich wirkungslos.
Vor einiger Zeit sollte ich - wieder einmal - an einer neuen Maßnahme teilnehmen. Der Maßnahme-Träger schlug mir dann alternativ eine andere Maßnahme vor, die ich auch besser fand und die eher auf meine persönliche Situation zugeschnitten war.

An dieser "durfte" ich aber dann nicht teilnehmen, weil das wäre ja dann kein Druck mehr gewesen, weil ich das gerne gemacht hätte.
Und meinem Wunsch konnte man auch nicht entsprechen, das würde ja so aussehen, als ob man sich nach mir richten würde.

Der ideale Kunde ist also der, der widerwillig an einer Maßnahme teilnimmt und sich während der Maßnahme einen Job sucht und aus dem Bezug verschwindet.
 

Existenzminimum

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... hat nicht verstanden, was Herr Alt ausdrückte und hat daraus geschlossen, daß der doch nicht etwa lügt...

Was Alt definitv hat: seine Behauptung, die rund 1 Mio. Sanktionen seien letztlich nur auf ca. 150.000 Leute entfallen, ist ganz offensichtlich falsch. Die BA selbst spricht von über 500.000 Menschen.

Herr Alt hat sich in Sachen Sanktionen als "Bach-flach-Halter" und pseudo "Arbeitslosen- Lobhudler" generiert: das Verhalten seiner Angestellten, ob verbeamtet oder nicht, spricht da eine teils ganz andere Sprache.
 
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