Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

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Hallo zusammen,

hier im Forum tauchen immer wieder Fragen hinsichtlich bestimmter interner Abläufe im Jobcenter auf. Fundiert, d.h. mit Hintergrundwissen angereichert, beantwortet werden diese Frage allerdings selten. Das ist insofern kaum verwunderlich, als viele Nutzer hier das Jobcenter eben nur aus der Kundenperspektive betrachten können. Sie sehen buchstäblich nur das, was ihnen präsentiert wird, die Schauseite, die man ihnen zeigen will. Der Blick hinter die Kulissen, hinter die Fassade dessen, was einem als Realität verkauft wird, erfolgt selten. In Folge dessen ergehen seitens der Kunden mitunter wilde Spekulationen darüber, wie und warum im Jobcenter so oder so verfahren wird. Diese Spekulationen sind meiner Erfahrung nach gelegentlich ziemlich nah an dem, was ich als Realität bezeichnen würde, sie sind bisweilen allerdings auch völlig realitätsfern.

Ich selbst habe etwas über zwei Jahre in einem Jobcenter als Arbeitsvermittler bzw. persönlicher Ansprechpartner (pAp) gearbeitet. Des Weiteren habe ich für kurze Zeit dazwischen auch als sogenannter Job-Coach bei einem Bildungsträger gearbeitet, hatte also bisher zwei Funktionen inne, die hier im Forum aufgrund teilweise sehr schlechter Erfahrungen regelrecht verhasst sind. Ich arbeite heute nicht mehr im Jobcenter und auch nicht mehr bei einem Bildungsträger. Aus meiner Zeit im Amt habe ich aber sehr viele Eindrücke gewinnen und vieles lernen können. Einiges von dem, was ich dort lernte, erkannte und beobachtete, möchte ich in diesem Thread festhalten, sofern hier Interesse besteht, auch mal von der „anderen Seite“ etwas zu hören.

Kurzum: Ich möchte anbieten bzw. andere derzeitige und ehemalige Jobcenter-Mitarbeiter anregen, hier im Thread direkt auf Anfragen zu antworten, die von Nutzern kommen. Ich weiß, dass hier im Forum zahlreiche SBs, FMs, pAps und SBs mitlesen und teilweise auch posten, ohne sich allerdings selbst als Amtsmitarbeiter zu „outen“. Ich weiß auch, dass es einige Mitarbeiter gibt, die die Bürger gerne umfassend über bestimmte Dinge aufklären würden, dies aber zeitlich nicht können oder auch Angst haben, dies zu tun. Ich weiß ebenso, dass es auch wirklich inkompetente, ignorante, überforderte und desinteressiert Mitarbeiter im Jobcenter gibt. Diese würden hier aber nie posten, an sie richtet sich dieser Thread daher auch nicht!

Der Thread richtet sich an jene Mitarbeiter, die bereit sind, zwecks echter Aufklärungsarbeit einfach mal ihre Sicht der Dinge zu schildern und sich hier anonym aber ehrlich auf Anfragen interessierter Bürger einzulassen. Er richtet sich an Mitarbeiter, die die Bürger nicht mit den hohlen Phrasen abspeisen wollen, die zu äußern einem die Vorgesetzten im Jobcenter oft auftragen bzw. die sie von einem erwarten. Das ELO-Forum ist dafür geradezu prädestiniert, zumal hier wirklich sehr viele Anregungen zu finden sind (manche sehr gut, manche von eher zweifelhafter Qualität) und hier interessante Rechtsfragen diskutiert sowie mit Hintergrundinformationen (Gerichtsentscheidungen, Kommentare etc.) angereichert werden.

Ich selbst habe während meiner Tätigkeit im Amt oft im Forum gelesen (aber nichts geschrieben) und bin dem Forum einfach aus Interesse treu geblieben, obwohl ich mit der Thematik ALG II heute beruflich nicht mehr unmittelbar zu tun habe. Es ist meiner Meinung nach nun an der Zeit, dass sich hier im Forum auch mal jene Personen sachlich, freundlich und bürgernah äußern und so zu Fragen hinsichtlich der internen Abläufe im Jobcenter Stellung nehmen, die wirklich etwas dazu sagen können und wollen, weil sie es aus erster Hand selbst erlebt haben.

Ob dabei etwas Sinnvolles herauskommt, weiß ich natürlich nicht. Wir werden es sehen. Das soll hier jedenfalls keine Ein-Mann-Show werden, in der nur ich mich äußere. Dies wäre wenig hilfreich, zumal ich ja auch nur meine persönlichen Erfahrungen darlegen kann und nicht weiß, ob das, was für mich „Realität“ war, in anderen Jobcentern genauso ablief. Daher nochmal mein Appell an ehemalige Kollegen: Beteiligt euch und klärt die Bürger über eure Arbeit auf. Das kann für beide Seiten nur positiv sein, da Aufklärungsarbeit immer dazu beiträgt, Skepsis und Vorbehalte abzubauen. Dies zu leisten, ist im Interesse der Bürger wie der Sachbearbeiter geleichermaßen. Ich mache jetzt einfach mal den Anfang und werde mich dann hier erst mal zurückhalten. Dann werden wir ja sehen, ob der Thread anspringt oder stirbt. Quasi als Startvorlage möchte ich aus meiner beruflichen Perspektive heraus einfach mal drei Fragen beantworten, die mir immer wieder gestellt wurden:

Warum verschwindet im Jobcenter so häufig die Post? Entsorgen die Mitarbeiter die, um sich Arbeit vom Hals zu schaffen?

Antwort: Es stimmt tatsächlich, dass im Jobcenter Post „verschwindet“. Zumindest kann ich das für mein altes Jobcenter bestätigen. Allerdings ist der Ausdruck „verschwindet“ insofern nicht ganz korrekt, als die Post meist nicht wirklich weg ist, sie also nicht unbearbeitet weggeschmissen wird, sondern sie sich oftmals „nur“ nicht mehr auffinden lässt. (Das Wegschmeißen ohne Bearbeitung würde sich kaum ein Mitarbeiter trauen, denn käme dies raus, wäre das nicht nur ein sofortiger Kündigungsgrund, es kämen auf den Mitarbeiter ggfs. auch Schadenersatzforderungen zu).

Woran aber liegt es nun, dass Post manchmal „unauffindbar“ ist? Es liegt meiner Erfahrung nach meist an der organisationalen Aufteilung und Verschachtelung der Zuständigkeiten im Jobcenter. Es gibt neben unterschiedlichen Leistungsteams (aufgeteilt meist nach Endbuchstaben der Kundennamen oder BG-Endnummern) diverse Markt & Integration-Teams, etwa U-25-Teams, „normale“ Teams, Top-50-Teams sowie diverse Projekt-Teams. Da passiert es dann mitunter, dass die Post falsch einsortiert wird (Post für Mitarbeiter 230 N landet bei Mitarbeiter 230 M).

Die Post liegt dann einige Tage beim falschen Mitarbeiter im „zu erledigen“-Stapel, bis der Mitarbeiter merkt, dass er da Post hat, für die er gar nicht zuständig ist. Der Mitarbeiter gibt diese Post dann wieder in die interne Post, damit sie der eigentlich zuständigen Stelle zugeht. Dort angekommen kann es nun z.B. passieren, dass der zuständige Mitarbeiter gerade nicht da ist, die Post also seinem Stellvertreter übergeben wird. Da der selbst genug unerledigte Post hat, sammelt er die Post für den Kollegen erst mal in einer Mappe, die er dem Kollegen nach dessen Urlaub dann übergibt. Es kann manchmal also schon einiges an Zeit vergehen, bis der eigentlich zuständige Mitarbeiter die Post bekommt.

Bevor er sie dann auch bearbeitet, vergeht nochmal einiges an Zeit. Und vielleicht passiert es auch, dass der eigentlich zuständige Mitarbeiter dann, wenn er die Post endlich bearbeitet, merkt, dass er - warum auch immer - doch gar nicht zuständig ist. Wer genau sich zuständig fühlt, ist manchmal unklar. Es bleibt die Post also erst mal irgendwo liegen, in irgendeiner Mapp in irgendeinem Büro. Und machmal wird sie dann vergessen. (Gleiches gilt übrigens für Akten. Daher erreichen einen im Jobcenter auch oft e-mail Anfragen von Kollegen mit dem Inhalt: „Suche Akte XYZ, wer hat die?“) Das hört sich unglaublich an, ist teilweise aber einfach so.

Das erste, was einem im Amt beigebracht wird, ist: Zuständigkeit prüfen! Das heißt nichts anderes als zu gucken, ob man die Arbeit an irgendwen anders weiterleiten kann. Und je mehr Weiterleitungen es gibt, desto länger dauert es und desto mehr erhöht sich die Chance, dass die Post irgendwo auf dem Weg von a nach b nach c zurück nach a und dann zu d liegen bleibt. Je größer die Behörde, desto wahrscheinlicher ist dies. Dass das eigentlich nicht passieren darf, ist klar. Es passiert aber. Das soll nichts entschuldigen, es soll lediglich erklären.

Warum wechselt so oft mein Ansprechpartner? Macht das Amt das absichtlich, damit der Kunde keine Sicherheit hat?

Antwort: Es stimmt tatsächlich, dass die Ansprechpartner im Jobcenter sehr häufig wechseln. Das ist zumeist aber keine intendierte Schikane und soll auch nicht dem Zweck dienen, dass sich für den Kunden keine Gewöhnung und Sicherheit einstellt. Es liegt einfach daran, dass die Personalfluktuation (vom Amt weg und innerhalt des Amtes) sehr hoch ist. Viele Amtsmitarbeiter arbeiten nicht deshalb im Jobcenter, weil sie die Arbeit dort so toll finden, sondern deshalb, weil sie keinen besseren Job gefunden haben. Sie bewerben sich also oft weg zu anderen Behörden oder versuchen, sich innerhalb des Jobcenters in andere Bereiche versetzen zu lassen, wo die Arbeit nicht so stressig und belastend ist.

Und fast jeder, der ganz neu im Jobcenter anfängt, ist dort ohnehin nur befristet beschäftigt, geht also meist nach 12 Monaten, wenn er einigermaßen eingearbeitet ist, schon wieder, manchmal auch früher, wenn er ein besseres Jobangebot erhält. Darüber hinaus ist es so, dass es im Jobcenter einen Tagesdienst gibt, wo Kunden bei akuten Fällen, also ohne Termin, vorsprechen können. Tun sie das, landen sie logischerweise selten bei ihrem eigentlichen pAp, sondern bei demjenigen pAp/SB, der gerade Tagesdienst hat.

Hinzu kommt, dass der Krankenstand im Jobcenter konstant hoch ist, so dass man oft kurzfristig die Kunden kranker Kollegen übernimmt. Manchmal passiert es auch, dass ein Kunde umzieht und die BG-Nummer sich ändert. Auch dann erfolgt oftmals der Wechsel in den Zuständigkeitsbereich eines neuen pAps. Gleiches gilt zumeist, wenn sich etwa Grundsätzliches am Profiling bzw. an der persönlichen Situation des Kunden ändert. So wechselt der pAp oft dann, wenn der Kunde das 25 oder 50 Lebensjahr vollendet hat, wenn er ins Fallmanagement, ins Reha-Team oder in ein anderes Aktivierungsteam (Jobinitiative) überstellt wird. Manchmal wechselt der pAp auch einfach, weil ein pAp seinen Kollegen bittet, einen für ihn nicht ganz einfachen Kunden zu übernehmen.

Will heißen: Gründe für den pAp/SB-Wechsel sind zahlreich. Zumeist sind sie schlicht organisationalen Vorgaben geschuldet und implizieren keine intendierte Schikane. Dass Kunden dies dennoch gelegentlich so auffassen, ist klar. Und es ist ohne Zweifel auch ärgerlich, dass diese Wechsel so oft stattfinden. Wie gesagt, ich will das nicht rechtfertigen, sondern erklären. Auch das Personal leidet unter diesen Zuständigkeitswechseln, weil sich kaum vernünftig arbeiten lässt, wenn man die Kunden kaum kennt, sich immer neu einarbeiten muss und wahrnimmt, wie die Kunden zunehmend genervt reagieren, weil sie jedem neuen Mitarbeiter ständig aufs Neue ihre Geschichte erzählen müssen und sie dabei nie wissen, wie der Neue so „tickt“. Und wenn man sich dann mal kennengelernt hat, ist man als pAp bald schon wieder nicht mehr zuständig.

Warum werde ich manchmal zu Zeiten eingeladen, von denen das Jobcenter weiß, dass ich da gar nicht kann?

Antwort: Es stimmt tatsächlich, dass Kunden manchmal zu Zeiten eingeladen werden, von denen das Jobcenter eigentlich wissen müsste, dass die Kunden da nicht können. Etwa deshalb, weil die Kunden es bei einem vorherigen Termin bereits angaben oder auf dem Antwortzettel, warum ein Termin nicht wahrgenommen wird, vermerkt haben. Somit fasst sich ein Kunde dann zurecht an den Kopf, wenn er beispielsweise auf dem Antwortzettel zur Einladung angegeben hat: „Ich kann den Termin am Montag um 08:30 Uhr nicht wahrnehmen, weil ich montags immer arbeiten muss“ und der Kunde dann wenige Tage später als neuen Termin wieder einen Montag, nur eben zwei Wochen später, erhält.

„Wie kann das sein? Sind die blöd im Jobcenter?“ - so wird sich der Kunde fragen. Nein, sie sind nicht blöd, sondern meist einfach überlastet. Sie müssen sehr schnell arbeiten, so dass wichtige Informationen untergehen. Das bedeutet etwa, dass ein pAp die Schreiben, die ihm zugehen, oft nur überfliegt. Der sieht dann buchstäblich nur: „Aha, Kunde kann nicht. Gut, geht neuer Termin raus. Fertig.“ Und binnen weniger Sekunden hat man den Kunden über ATV neu gebucht. Die Begründung des Kunden, WARUM er nicht kann, wurde einfach überlesen.

Sicher, man müsste aufmerksam lesen. Man müsste eigentlich immer erst im Lebenslauf checken, ob der Kunde nicht in der Zeit, wo man ihn einladen will, krankgeschrieben ist. Man müsste gucken, ob er/sie vielleicht alleinerziehend mit kleinen Kindern ist. Dann könnte man sich nämlich denken, dass es da schwierig wird, einen Termin um 08:15 Uhr wahrzunehmen. Auch müsste man sich in die vorherigen Vermerken oder ins Profiling einlesen, um zu schauen, ob da vielleicht etwas zu den Zeiten vermerkt ist, zu denen der Kunde nicht kann. Dass dies alles selten passiert, ist zumeist aber weder Idiotie noch Schikane, sonder eher Folge hoher Arbeitsverdichtung. Dinge werden nur oberflächlich zur Kenntnis genommen, weil alles schnell gehen muss. Da bleiben wichtige Informationen bisweilen auf der Strecke.

Auch passiert es z.B., dass der Kunde an Tag X einen Termin in der Leistungsabteilung hat, diesen absagt und dann wenige Tage später am gleichen Tag X einen neuen Termin beim pAp erhält. Der Kunde fragt sich also: „Ja sind die denn total bescheuert. Die wissen doch, dass ich da nicht kann. Das habe ich doch angegeben, da haben sie doch sogar okay gesagt!“ Das Problem ist hier einfach: Die Tatsache, dass der Kunde an Tag X nicht kann, weiß nur die Leistungsabteilung. An den pAp, ans Team M&I, wird diese Information oft nicht weitergegeben (ebenso ist natürlich die Informationsweiterweitung vice-versa, also von M&I zur Leistungsabteilung, auch ein Problem).

Es hapert im Jobcenter oft an der team- und fachbereichsübergreifenden Kommunikation. Ganz viele Informationen werden nicht weitergereicht, weil a) oftmals nicht die Zeit dafür ist, b) niemand sich dafür zuständig fühlt und c) auch die Weiterreichung aller Informationen wieder zu neuen Problemen führt, weil damit ein weiterer Anstieg der im Jobcenter ohnehin schon immensen Flut an Wiedervorlagen, e-mails und Telefonaten einhergeht. Mit anderen Worten: Man ersäuft schon jetzt geradezu in Informationen, die man gar nicht alle zur Kenntnis nehmen und verarbeiten kann. Und es gibt bei der derzeitigen Personalausstattung der Jobcenter kaum eine zufriedenstellende Lösung für dieses Problem. Das soll nichts entschuldigen, kann aber vielleicht einiges erklären.
 

miles

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Wie ist die Priorität bei Weiterbewilligungsanträgen? Werden die vor Neuanträgen bearbeitet, oder nach Eingangsdatum? Denn als ich dort war, waren alle erstaunt, dass der Antrag entgegengenommen wurde, aber nach 4 Wochen immer noch unbearbeitet ist. Dementsprechend habe ich auch kein Geld erhalten.
 
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Hallo BurnsTorn,

ich habe ein weiteres Anliegen:

Die EGV:

Ist es ggf. sinnvoll, diese sich immer als Verwaltungsakt erteilen zu lassen, oder kann man die je nach positiver Ausgestaltung grundsätzlich unterschreiben?

Wie ist die Sanktionspraxis anhand einer EGV via Verwaltungsakt?

Grundsätzlich fährt man mit einem Verwaltungsakt immer besser, da man im Falle eines Rechtsstreits vor dem SG erstens bereits damit punktet, dass man sagen kann, man sei eben gar keine Vereinbarung eingegangen. Zweitens kann man auch nur gegen einen VA aufschiebende Wirkung beantragen, nicht aber gegen einen Vertrag (EGV). Darüber hinaus dürfen drittens Schadenersatzforderungen bei Abbruch einer FbW-Maßnahme nicht in einen VA aufgenommen werden, in eine EGV aber schon. Viertens ist es, das zeigt zumindest die Erfahrung der JC mit dem SG, deutlich schwerer, aus einem VA heraus zu sanktionieren als aus einer EGV. Im Klartext: Die Sanktionen, die aus einem VA ergehen, werden häufiger vom SG gekippt als jene Sanktionen, die in Folge der tatsächlichen oder behaupteten Pflichtverletzung aus einer EGV ergehen.

Aber: Wenn in der EGV nichts "Böses" steht, kann man die durchaus unterschreiben. Das hat dann nämlich den Vorteil, dass man sich einen sonst möglichen Stress mit dem pAp erspart. Wie gesagt: Auch die meisten pAps wollen einfach ihre Ruhe haben und sich nicht unnötig Arbeit machen. Da sollte man so lange "unter deren Radar" versuchen zu bleiben, wie sie einen in Ruhe lassen. Wenn man also eine reine Statistik-EGV vorgelegt bekommt, würde ich die ruhig unterschreiben. Wenn da dagegen irgendwas drinsteht, was zu tun man nicht bereit ist, würde ich auf den VA warten und dann dagegen in Widerspruch gehen.
 
E

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Gast
Wie ist die Priorität bei Weiterbewilligungsanträgen? Werden die vor Neuanträgen bearbeitet, oder nach Eingangsdatum? Denn als ich dort war, waren alle erstaunt, dass der Antrag entgegengenommen wurde, aber nach 4 Wochen immer noch unbearbeitet ist. Dementsprechend habe ich auch kein Geld erhalten.

Da kann ich nur aus zweiter Hand berichten, da ich pAp war und kein Leistungs-SB. Mit der Bearbeitung von Anträgen hatten ich weniger zu tun. Ich habe über Anträge hinsichtlich von Leistungen, die für die Vermittlung relevant waren, nur entschieden und das dann weitergeleitet. Eine Ex-Kollegin aus der Leistungsabteilung teilte mir zum dortigen Vorgehen mit, dass es in etwa so läuft:

Es gibt eine Teil-Priorisierung. Die Erst- und Weiterbewilligungsanträge sind diejenigen Dokumente, die als erstes bearbeitet werden sollen. Meistens klappt das auch. Da Weiterbewilligungsanträge aber deutlich weniger Aufwand erzeugen als Erstanträge, werden die tendenziell auch schneller bearbeitet, weil man sich einen WBA mal eben schnell nehmen kann, wenn man nur wenige Minuten Zeit hat. Ein EA dauert länger. Die Dinge werden dabei aber weder nur nach Eingangsdatum noch nur nach Priorität bearbeitet, sondern eher so, wie es gerade passt, also eine Mischung aus beidem.

Es ist so, dass es für unterschiedliche Dinge wie Erstanträge, Weiterbewilligungsanträge, Vermittlungsbudgetanträge, Anträge auf Darlehen, Freier Förderung etc. unterschiedliche Haufen (Zu-erledigen-Stapel) in den jeweiligen Leistungsabteilungen gibt. Als SB nimmt man sich dann, wenn man Zeit hat, einige Dokumente von einem der Stapel und bearbeitet die, und man macht sich auch extra Termine für die Bearbeitung von XYZ. Es gibt wohl es die Order, Erstanträge und Weiterbewilligungsanträge schneller zu bearbeiten, es kommt aber eben auch einfach darauf an, wofür gerade Zeit da ist. Wenn man als SB nur kurz 10 Minuten Zeit hat, bearbeitet man eben schnell einen VB-Antrag, wenn man 20 Minuten Zeit hat, eben einen Erstantrag.

Was häufiger mal länger dauert (weil zu wenige Mitarbeiter da sind), sind "kleinere" Sachen, die Bearbeitung von Freie-Förderung-Anträgen etc. Dabei passiert es manchmal dann auch, dass SB direkt von oben aus dem Stapel die Anträge nehmen und bearbeiten, obwohl sie diese eigentlich von unten nehmen müssten (weil die Dokumente unten im Stapel ja in der Regel schon länger auf Bearbeitung warten). Kurz gesagt: Es gibt meines Wissens nach keine für jedes JC gleiche Linie. Oder es gibt sie, aber sie wird nicht umgesetzt. Mir zumindest war sie nicht ersichtlich.
 
S

Steamhammer

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Guten Morgen, @BT!

Ich hab eine Frage:
Ich habe es geschafft, durch verschiesene "Massnahmen" ebenfalls als arbeitsmarktfern geführt zu werden.
Ich finde, ich kann durchatmen, weil ich anfangs mit allem möglichen Mist bombadiert wurde(Zeitarbeit, besondere Ü 50-Massnahmen etc) und dazernd zur Arge musste.

Dann sagte der SB im letzten Gespräch: "Ich glaube nicht, dass Sie eine Stelle finden können", anche ich ihm 2 oder 3 Facharztatteste erläuterte.

Nun kann ich in Ruhe meinem qualifizierten Minijob nachgehen und den langsam ausbauen. Vielleicht langfristig sogar sv-pflichtig. So wollte ich es haben.

Ist meine Strategie in Deinen Augen zielführend?
 

KARLderWEHRER

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Grundsätzlich fährt man mit einem Verwaltungsakt immer besser, da man im Falle eines Rechtsstreits vor dem SG erstens bereits damit punktet, dass man sagen kann, .... Da sollte man so lange "unter deren Radar" versuchen zu bleiben, wie sie einen in Ruhe lassen. Wenn man also eine reine Statistik-EGV vorgelegt bekommt, würde ich die ruhig unterschreiben. Wenn da dagegen irgendwas drinsteht, was zu tun man nicht bereit ist, würde ich auf den VA warten und dann dagegen in Widerspruch gehen.

Mein SB fackelt gar nicht mehr lange rum. Sobald es um die EGV geht, werde ich gefragt, ob ich diese via Verwaltungsakt haben möchte. Dann nicke ich freundlich und habe diesen ein paar Tage später im Briefkasten :biggrin: Allerdings war bei der letzten "Verhandlung" im JC auch ein Beistand mit.
 

KARLderWEHRER

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Da kann ich nur aus zweiter Hand berichten, da ich pAp war und kein Leistungs-SB. Mit der Bearbeitung von Anträgen hatten ich weniger zu tun. Ich habe über Anträge hinsichtlich von Leistungen, die für die Vermittlung relevant waren, nur entschieden und das dann weitergeleitet. Eine Ex-Kollegin aus der Leistungsabteilung teilte mir zum dortigen Vorgehen mit, dass es in etwa so läuft:

... Kurz gesagt: Es gibt meines Wissens nach keine für jedes JC gleiche Linie. Oder es gibt sie, aber sie wird nicht umgesetzt. Mir zumindest war sie nicht ersichtlich.

Hier wird wieder sehr deutlich, dass jeder einzelne von uns gefodert ist, insbesondere den Weiterbewilligungsantrag zeitnah und rechtzeitig zu stellen. Dann dürfte es eigentlich auch nicht zu Problemen kommen :biggrin:
 

Purzelina

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Dabei passiert es manchmal dann auch, dass SB direkt von oben aus dem Stapel die Anträge nehmen und bearbeiten, obwohl sie diese eigentlich von unten nehmen müssten (weil die Dokumente unten im Stapel ja in der Regel schon länger auf Bearbeitung warten).

Stapel werden gern auch mal umgestapelt. :icon_pfeiff:

Aus einem großen Antragsberg nimmt der Bearbeiter gern die Anträge, die einen raschen Erfolg in Masse versprechen. Die unangenehmen, zeitaufwendigen Sachen schiebt man bis zur Deadline oder bearbeitet erst wenn massiver Druck von außen kommt. Das ist völlig menschlich.
 

franzi

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Guten Morgen, @BT!

Ich hab eine Frage:
Ich habe es geschafft, durch verschiesene "Massnahmen" ebenfalls als arbeitsmarktfern geführt zu werden.
Ich finde, ich kann durchatmen, weil ich anfangs mit allem möglichen Mist bombadiert wurde(Zeitarbeit, besondere Ü 50-Massnahmen etc) und dazernd zur Arge musste.

Dann sagte der SB im letzten Gespräch: "Ich glaube nicht, dass Sie eine Stelle finden können", anche ich ihm 2 oder 3 Facharztatteste erläuterte.

Nun kann ich in Ruhe meinem qualifizierten Minijob nachgehen und den langsam ausbauen. Vielleicht langfristig sogar sv-pflichtig. So wollte ich es haben.

Ist meine Strategie in Deinen Augen zielführend?

Genau das würde auch mich sehr interessieren. Wenn ich weiß, dass ich als "vermittlungsfern" eingestuft wurde (was ich seit geraumer Zeit stark vermute), bliebe ein Spielraum für tatsächlich sinnvolle Betätigungen, die mich eventuell sogar beruflich weiter bringen, z. B. könnte ich meine ehrenamtliche Tätigkeit weiter ausbauen ... auch im Hinblick auf eine langfristige sv-pflichtige Vollzeitstelle.
 

wossii

Accountproblem bitte Admin informieren.
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Ergänzung: Was ist böse...

Grundsätzlich fährt man mit einem Verwaltungsakt immer besser, da man im Falle eines Rechtsstreits vor dem SG erstens bereits damit punktet, dass man sagen kann, man sei eben gar keine Vereinbarung eingegangen. Zweitens kann man auch nur gegen einen VA aufschiebende Wirkung beantragen, nicht aber gegen einen Vertrag (EGV). Darüber hinaus dürfen drittens Schadenersatzforderungen bei Abbruch einer FbW-Maßnahme nicht in einen VA aufgenommen werden, in eine EGV aber schon. Viertens ist es, das zeigt zumindest die Erfahrung der JC mit dem SG, deutlich schwerer, aus einem VA heraus zu sanktionieren als aus einer EGV. Im Klartext: Die Sanktionen, die aus einem VA ergehen, werden häufiger vom SG gekippt als jene Sanktionen, die in Folge der tatsächlichen oder behaupteten Pflichtverletzung aus einer EGV ergehen.

Aber: Wenn in der EGV nichts "Böses" steht, kann man die durchaus unterschreiben. Das hat dann nämlich den Vorteil, dass man sich einen sonst möglichen Stress mit dem pAp erspart. Wie gesagt: Auch die meisten pAps wollen einfach ihre Ruhe haben und sich nicht unnötig Arbeit machen. Da sollte man so lange "unter deren Radar" versuchen zu bleiben, wie sie einen in Ruhe lassen. Wenn man also eine reine Statistik-EGV vorgelegt bekommt, würde ich die ruhig unterschreiben. Wenn da dagegen irgendwas drinsteht, was zu tun man nicht bereit ist, würde ich auf den VA warten und dann dagegen in Widerspruch gehen.

"Böses":
wäre z.B.: - keine Chance auf MAE, die man im Einzelfall vllt. gerne haben wollte,
aus akutem Geldmangel, oder weil jemandem die spezielle Tätigkeit bei
einem MAE-Träger nützlich erscheint, weil eben einem anderen
(z.B.: „Bildungs“ o.ä.)-Träger zugewiesen, wg. „Doppelfinanzierung“
- keine Chance auf Bürgerarbeit, weil Träger zugewiesen
wg. „Doppelfinanzierung“ – siehe oben…
- keine Chance auf Vermittlungsgutschein, weil Träger zugewiesen,
wg. „Doppelfinanzierung“ – siehe oben…
- keine Chance auf Bildungsgutschein, weil Träger zugewiesen,
wg. „Doppelfinanzierung“ – siehe oben…
- keine Chance auf die allgemein übliche Bewerbungs- und Fahrkostenkostenerstattung,
weil Träger zugewiesen, der mit dem zuweisenden Jobcenter innerhalb der Bestimmungen seiner Vereinbarung mit Jobcenter („Verdingungsunterlagen“) eine andere Regelung(...!) getroffen hat.
Diese Aufzählung des „Bösen“ erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit.
Sie gilt aber grundsätzlich für Dauer der Teilnahme an einer zugewiesenen
Maßnahme, wie z.B. bei 50+ Maßnahme-Trägern.

Wenn man um die Teilnahme an einer solchen nicht herum kommt, gilt jedenfalls:
„…Grundsätzlich fährt man mit einem Verwaltungsakt immer besser…“!

Meinen besonderen Gruß und Dank an @BurnsTorn


 

kikos

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Eine Frage an BurnsTorn hätte ich dann auch noch.

Mein JC mit den dortigen SB´s + Geschäftsführung fährt (ich denke wie fast alle) die totale "ihr könnt uns mal" Mentalität.

Könntest Du beschreiben welche Art der Beschwerde an welche Stelle bei den SB´s und evtl. auch den Teamleitern am meisten "gefürchtet" ist am meisten Wirbel in der Mitarbeiter-Personalakte verursachen könnte und was damit am schnellsten evtl. Abhilfe versprechen könnte ?

1. Dienstaufsichtsbeschwerde, Fachaufsichtsbeschwerde...
2. An die Geschäftsleitung, zur BA nach Nürnberg, an örtliche politische Verantwortliche... ?
 

Hanngen50

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Eine Frage an BurnsTorn hätte ich dann auch noch.

Könntest Du beschreiben welche Art der Beschwerde an welche Stelle bei den SB´s und evtl. auch den Teamleitern am meisten "gefürchtet" ist am meisten Wirbel in der Mitarbeiter-Personalakte verursachen könnte und was damit am schnellsten evtl. Abhilfe versprechen könnte ?
...

[FONT=&quot]Ich bin nicht [/FONT]BurnsTorn,
[FONT=&quot]aber
[/FONT]

[FONT=&quot]b[/FONT][FONT=&quot]ei Dienstaufsichtsbeschwerde gibt´s doch die drei „F“
formlos, fristlos, fruchtlos![/FONT]
 
S

Steamhammer

Gast
Genau das würde auch mich sehr interessieren. Wenn ich weiß, dass ich als "vermittlungsfern" eingestuft wurde (was ich seit geraumer Zeit stark vermute), bliebe ein Spielraum für tatsächlich sinnvolle Betätigungen, die mich eventuell sogar beruflich weiter bringen, z. B. könnte ich meine ehrenamtliche Tätigkeit weiter ausbauen ... auch im Hinblick auf eine langfristige sv-pflichtige Vollzeitstelle.

Es ist,zusammengefasst, das beste, was einem passieren kann, als arbeitsmarktfern eingestuft zu werden, ist meine Erfahrung.
Es ist wahrscheinlich die einzigste Chance, dem Wahnsinn da halbwegs zu entkommen, der einen ereilen würde, der als "relativ arbeitsmarktnah" eingestuft wird.

Ich habe neben den Attesten einen(jetzt erlangten) GdB von 20 angegeben und etwas verwirrt gespielt bei den Terminen, um im nächstenMoment präzise und logisch die Sachen zu widerlegen, die mir da aufgetischt worden sind.

Und immer zugesehen, dass ich NICHT zu den von TB angesprochenen "Spezialkunden ohne Geist " gehöre.

Ich denke, das ist der einzigst mögliche sichere Weg, den Schergen dort ein Schnippchen zu schlagen, ohne dass die es merken.

Möchte gerne mal @BurnsTorns Einschätzung dazu lesen.
 

BiancaBerlin

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wieso seitens des JobCenters häufig Unterlagen angefordert werden, die gar nicht leistungserheblich sind?

Bei mir wurde einmal so argumentiert, daß es im ALGII-Bezug ja nicht nur um finanzielle Leistungen des JC geht, sondern auch um alles, was die Eingliederung betrifft. Somit kann alles angefordert werden, was die Eingliederung bzw. Eingliederungsgemmnisse betrifft, was meines Erachtens quasi einen Freibrief für das JC bedeutet... :icon_kotz:
 

Ein Hartzianer

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Somit kann alles angefordert werden, was die Eingliederung bzw. Eingliederungsgemmnisse betrifft, was meines Erachtens quasi einen Freibrief für das JC bedeutet... :icon_kotz:
Das ist keineswegs ein Freibrief. :icon_evil:
Wer möglichst schnell lernt Grenzen zu ziehen, ist besser dran.
Ihr seid doch keine gläsernen Menschen, oder ?

[Edith:]
Behaltet dabei immer den Amibullenspruch im Hinterkopf:
"Alles kann und wird gegen sie verwendet !"
Da ist Schweigen oftmals Gold. :icon_kinn:
[/Edith]
 

Flodder

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Bei mir wurde einmal so argumentiert, daß es im ALGII-Bezug ja nicht nur um finanzielle Leistungen des JC geht, sondern auch um alles, was die Eingliederung betrifft. Somit kann alles angefordert werden, was die Eingliederung bzw. Eingliederungsgemmnisse betrifft, was meines Erachtens quasi einen Freibrief für das JC bedeutet... :icon_kotz:
:icon_evil: Bist du noch im gebährfähigen Alter? Würdest du eine EGV unterschreiben mit Verpfichtung, die Pille zu nehmen? Von wegen "Eingliederung". :icon_kinn:
 

BiancaBerlin

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Das ist keineswegs ein Freibrief. :icon_evil:
Wer möglichst schnell lernt Grenzen zu ziehen, ist besser dran. Ihr seid doch keine gläsernen Menschen, oder?

Keine Frage, meine Messer sind gewetzt, und ich werde freiwillig bestimmt keine Information herausrücken, sofern ich das lt. derzeit gültigen Gesetzestext oder durch Gerichtsentscheidung nicht muß.

:icon_evil: Bist du noch im gebährfähigen Alter? Würdest du eine EGV unterschreiben mit Verpfichtung, die Pille zu nehmen? Von wegen "Eingliederung". :icon_kinn:

Also, ehrlich gesagt will ich mir gar nicht ausmalen, welche Möglichkeiten sich dem JC durch diese Gummi-Formulierung eröffnen könnten. Mir wurde ganz schlecht, als mir das kürzlich jemand (kein SB) zu bedenken gegeben hat. Ich hoffe, deren Fantasie diesbezüglich hält sich in engen Grenzen.
 

Ein Hartzianer

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@BurnsTorn, erstmal Danke für diese tiefen Einblicke ! :icon_kinn:

Jetzt mal eine Frage von mir.

War heute als Beistand für meine Frau mit zum Termin.
Sie monierte die Laufzeit ihrer EGV. 8 statt 6 Monate.
Darauf angesprochen äußerte SB, daß unser Amt von der BA
zum Kreis gekommen wäre und seitdem freie Hand bei
den Laufzeiten wäre. Habe noch mal die Regelungen dazu
durchgesehen, aber nichts außer dem Bekannten gefunden.

Liegen hierzu Informationen vor ?

Natürlich ist die EGV nicht unterschrieben worden. :icon_mrgreen:

[btw.] Habe den gleichen Fehler in der EGV.
bis zum VA ist keine Woche vergangen...
 

KARLderWEHRER

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Hallo BurnsTorn,

gestern war ja bei der Maischberger das Thema "Wer arbeitet, ist der Dumme?". Hier war u. a. auch Ralph Boes zu Gast.

Herr Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, hat sich ja dahingehend geäußert, dass RB, bzw. man niemals seine Unterkunft verlöre und auch immer was zu beißen hat. Jetzt kann man ja ganz schön rumspekulieren. Das Herr Alt das Instrument der EGV samt Rechtsfolgenbelehrung nicht kennt, glaube ich nicht. Das er lügt wie gedruckt, mag ich auch nicht glauben.

Ich würde mich sehr über eine Stellungnahme freuen.
 
S

silka

Gast
Hallo, KdW
ich bin zwar nicht @BT, darf ich trotzdem?

Herr Alt und alle anderen haben in solchen Talkshows eine sehr begrenzte Zeit für ihre Aussagen. Viele kommen nicht dazu, das zu sagen, was ihnen eigentlich wichtig ist.
Herr Alt redet immer ganz allgemein. Der kann als Herr Alt und Chef der BA auch nicht für oder gegen einzelne reden.

Ich gebe Herrn Alt ganz allgemein auch Recht.
Eine EGV samt Rechtsfolgenbelehrung? Was meinst du?
Eine EGV führt nie dazu, daß man seine Unterkunft verliert.
Eine EGV führt auch nie dazu, daß man nichts zu beißen hat.

Herr Alt lügt auch nicht, wie gedruckt.
Herr Boes auch nicht.
Der eine vertritt die Bundesagentur für Arbeit.
Der andere vertritt sich und versucht, seine eigenen Vorstellungen an den Mann (ins TV) zu bringen.

Beides ist legitim.
Der Zuschauer kann sich seine Meinung bilden.
Schon längst kursieren Vergleiche zwischen Boes, Florida-Rolf und Arno Dübel im Netz und in den Medien.

Jeder darf sich nach seinen Möglichkeiten *entfalten*. Die Talkshow von Maischberger ist der Beweis, sicher gibts noch mehrere.
Herr Boes und auch Herr Alt(der sowieso schon lange) werden durch die Medien tingeln.

Bin gespannt, was @BTorn schreibt.
 

Existenzminimum

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Hallo, KdW
ich bin zwar nicht @BT, darf ich trotzdem?

Herr Alt und alle anderen haben in solchen Talkshows eine sehr begrenzte Zeit für ihre Aussagen. Viele kommen nicht dazu, das zu sagen, was ihnen eigentlich wichtig ist.
...


Wenn man das als Chef der BA nicht hinkriegt, sollte man ggf nicht in eine Talkshow gehen.

...Eine EGV führt nie dazu, daß man seine Unterkunft verliert.
Eine EGV führt auch nie dazu, daß man nichts zu beißen hat. ...

Das eine EGV zu "nichts" führt ist natürlich barer Unsinn: das tatsächliche oder vorgebliche Nichtbefolgen der EGV-Inhalten kann zu Sanktionen führen oder tut dies defacto. Punkt !!

Und falls dir das nicht bekannt ist: im ALG I führen Sanktionen immer zur vollständigen Kürzung pro festgesetztem, sanktioniertem Zeitraum PLUS Kürzung des Zeitraums des Gesamtanspruches, nix mit prozentualer Kürzung wie im ALG II. Im Prinzip eine doppelte bis derifache Bestrafung.

Zwar kann man dann zwischenzeitlich ALG II beantragen (wird dann auch sofort gekürzt wegen der Sanktion im ALG I), aber die Lauferei hat man dann erst mal und die Zeitverzögerung und es gelten die Bedingungen des ALG II (Anrechnung des Vermögens, Tja...).

Im Grunde sind bei Sanktionen ALG I Bezieher oft noch beschissener dran als ALG II Bezieher. Nach meiner Erfahrung verhalten sich die BA(ALG I)-Vermittler tendenziell sogar deutlich asozialer und arroganter. Das mag natürlich in den Erfahrungen anderer anders aussehen.
 

gila

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Ich halte es mal lieber mit ein wenig "Satire" - wie hier: :biggrin:

"Was kommt bei raus, wenn nachts vor laufender Kamera ein schalumwickelter, sanktionierter, im Schneidersitz verharrender Hartz-IV empfangender Hungerleider und selbsternannter Philosoph, ein deutsch-bayerischer, populistischer Staatsminister für Finanzen und öffentlichkeitswirksamer Verfechter der Sandmännchen-Sendung, eine sozialpolitische und rotgefärbte Sprecherin der Linksfraktion, eine deutsche, leicht zerfleddert wirkende Putzfrau ohne Migrationshintergrund, eine mit Botox und anderen Chemikalien aufgeblasene Unternehmerin für Kosmetikprodukte (die niemand braucht) und der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit unter Aufsicht der gestrengen Herrin Sandra Maischberger über das Thema "Wer arbeitet, ist der Dumme?" diskutieren?

Richtig! Es kam aber noch schlimmer: Es war weniger als NICHTS."

aus: Ralph Boes im TV | :icon_twisted:
 
S

silka

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Hallo, Existenminimum
Über Herrn Alt und andere X Talkshowgäste in XX Talkshows brauchen wir nicht diskutieren.
In einer Stunde, in der der Talkmeister am allermeisten redet und oft noch Einspieler kommen, bleibt eben nun wenig Zeit.
Das betrifft alle. Sollten deshalb ALLE nicht mehr in Talkshows gehen?
(Von mir aus gern, ist verzichtbar).

Der Poster, auf dessen Beitrag ich mich bezog, schrieb *das Instrument der EGV samt Rechtsfolgenbelehrung*.
Das gibt es einfach nicht. Deswegen gibt es auch daraus nicht die Situation, daß man seine Unterkunft verliert oder sanktioniert wird.

Ich bitte doch darum, genau zu lesen und dann genau zu kritisieren.

Wer eine EGV hat, diese Vereinbarung also (freiwillig) unterschrieben und akzeptiert hat, der verliert nun mal zum Glück deswegen nicht seine Unterkunft.
Und der kann deswegen auch gar nicht sanktioniert werden.
Schon gar nicht wegen einer Rechtsfolgenbelehrung!

Das weißt du selbst, nehme ich an.

Wer gegen seine EGV verstößt/sie nicht einhält, hat Konsequenzen zu erwarten.
Das ist so. Denn er hält die Vereinbarung nicht ein.
Das ist im ganz normalen Leben ebenso. Das ist keine Spezialität.

Darum ging es aber nicht---jedenfalls nicht bei @KarlderWehrer.
Der hat nicht verstanden, was Herr Alt ausdrückte und hat daraus geschlossen, daß der doch nicht etwa lügt oder selbst das mit der EGV nicht verstanden habe.
Lies bitte selbst nach.

Man muß genau und pingelig sein, damit man nicht geritzt wird.
Wer die Unterschiede und Feinheiten nicht erkennt, erkennt auch keine Gegenwehr-Möglichkeiten.
Wer meint, sich verbal mit Herrn Alt auseinandersetzen zu müssen, sollte das nicht in einem Forum wie diesem tun.
Der kann an Herrn Alt schreiben---oder an Frau Maischberger.

Daß Sanktionen zu solchen, allerdings sehr seltenen Folgen führen---ja, das ist leider so.
Eine EGV allein aber bewirkt das nicht.
Schließlich folgen Sanktionen u.U. ERST, wenn die EGV ohne wichtigen Grund nicht eingehalten wird.

Demzufolge ist die Sanktion die Ursache für solche extreme Folgen wie Verlust der Unterkunft oder nix-zu-beißen.
Da wiederum brauchts mehrere Sanktionen und längere Zeit ohne Abhilfeversuche.
Desweiteren gibts für jeden derart betroffen Lebensmittelgutscheine.

Zuspitzung von extra provozierten Fällen ist das Mittel des Herrn Boes.
Das steht ihm zu. Die Freiheit hat er.
Er will ja im Schneidersitz die Sanktionen abschaffen. Von mir aus soll er das so oder mit Hungerstreik oder mit Tingelei durch die Medien versuchen. Auch diese Freiheit hat er. Denn wo leben wir denn??

Mit einer EGV hats nichts zu tun.
Dahin kommt man immer wieder---egal, von welcher Seite.

zu ALG1:
Da gibts Sperrzeiten. Weiß ich. Die wirken sich nur *doppelt* aus, wenn jemand auch noch erg. Alg2 bezieht. Dort wird dann auch mit Sanktion bestraft. Weiß ich.
Darum gings überhaupt nicht.

Wer ALG1 bezieht (ohne Alg2-Ergänzung) ist nicht hilfebedürftig im Sinne des SGB II.
Darum gings auch überhaupt nicht.

Was hat das alles mit dem Beitrag von @KarlderWehrer oder meinem zu tun?

Zeig stattdessen doch bitte mal lieber auf, wie die tatsächliche Abfolge solcher besch***en Situation ist.

Fang vorn an. Was folgt aus was?
 

Schweinehündin

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Darauf hat der pAp aber keinen Einfluss. Der kann selbst nicht entscheiden: "Ich verhänge einfach keine Sanktionen mehr!" Denn auch der pAp wird kontrolliert. Der pAp ist das schwächste und unbedeutendste Glied in der Kette. An dem prallt Grundsatzkritik völlig ab, weil er sich von dieser nicht angesprochen fühlt. Fundamentalkritik ist an der Baisis fehl am Platz, die muss sich ans Zentrum der Macht richten. Denn der Fisch stinkt vom Kopfe her.

Das kann so nicht stimmen. Ein sehr großer Teil aller Sanktionen, die vor Gericht geprüft werden, erweist sich als ungerechtfertigt. Dazu muss man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen, da viele "Kunden" gar nicht in der Lage sind, sich zu wehren.

Es muss also davon ausgegangen werden, dass die pAp in sehr hohem Maße für das Erteilen der Sanktionen verantwortlich sind, weit über die vom System vorgegebenen Richtlinien hinaus.
 

ethos07

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Zitat von BurnsTorn
Darauf hat der pAp aber keinen Einfluss. Der kann selbst nicht entscheiden: "Ich verhänge einfach keine Sanktionen mehr!" Denn auch der pAp wird kontrolliert. Der pAp ist das schwächste und unbedeutendste Glied in der Kette. An dem prallt Grundsatzkritik völlig ab, weil er sich von dieser nicht angesprochen fühlt. Fundamentalkritik ist an der Baisis fehl am Platz, die muss sich ans Zentrum der Macht richten. Denn der Fisch stinkt vom Kopfe her.

Jein... es ist ja doch so - und das hat Burns Torn doch auch selbst einmal hier mitgeteilt: die einzelnen SB-Teams stehen im Wettstreit untereinander um Zielvereinbarungen - z.B. so und so viele Einladungen rauszuhauen. Und allen im Team ist durchaus klar, dass dahinter die Einsparvorgaben der BA stehen.

Ein gutmütiger SB hat mir das mal so erklärt, wie das dann abläuft:
Das Team bekommt als Team eine Vorgabe - meist sogar nur mündlich - was das Team insgesamt erreichen solle. Und es sei dann für ihn als SB ein Leichtes, durch die entsprechende Einladungspraxis ganz wie "selbstverständlich" genügend Sanktionen zusammen zu bekommen. Und zwar so, dass er eben jene 'Kunden', die sich eh nicht um ihre Angelegenheiten kümmern würden oder könnten, besonders häufig einladen würde - und so dann die Zielvorgabe "mehr Sanktkionen" auch ohne Problem hinbekäme. Keine/r der SBs würde natürlich im Kollegenkreise zurückstehen wollen.

Im Gespräch mit mir, fand dieser SB das natürlich auch zweischneidig. Weil er - wenn auch als ehemaliger Telekomelektriker - durchaus halb mitbekam, dass etliche seiner 'Kunden' eigentlich sozialtherapeutische Einzelfallhilfe und keine Pseudo-Jobvermittlung bräuchten.

Auf meinen Hinweis, dass sie sich als Mitarbeiter mal gemeinsam gewerkschaftlich gegen diese unmögliche Mitarbeiterführung von oben wehren sollten, zuckte dieser SBs wie auch andere aber nur müde mit den Schultern: er und sicher viele andere SBs wollten ja eh nie im JC arbeiten müssen, sondern dieser SB hoffte immer noch zum Ordnungsamt wechseln zu können...

Fazit: Einfach ein insgesamt widderliches Gesamtrepressionsmonstrum, das von oben bis unten, aber auch von unten bis oben stinkt... :icon_kotz:

Und wer dort arbeitet, ist, solange er/sie sich dort seine/ihre Brötchen verdient, halt nun wirklich nicht unser Freund. Zwar auch nicht unser persönlicher Feind. Aber eben ganz klar unser sozialer Gegner. Mit dem man tunlichst nicht persönlich bei den Vorladungen anbandelt.
Und so sollte man diesen Menschen auch gegenüber treten. Keine Anbiederung! Klare Verhältnisse: der eine dient in seiner Rolle als SB/pAP etc. diesem Repressionsapparat Hartz IV , der andere als einzelner Erwerbslose/r wehrt sich dagegen.

Wenn Gewerkschaften oder große WohlfahrtsVerbände hier die Verhältnisse auf Seiten der Mitarbeiter der JCs zu knacken versuchen, ist das ok - aber es ist nun mal nicht die Aufgabe der einzelnen Erwerbslosen und ihrer paar Organisationen, auch noch Mitgefühl/Verständnis für diese sie malträtierenden SBs zu entwickeln.
 
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