Dauerhaft arbeitsunfähig wegen Depressionen? Bitte helft mir weiter!

KibaKiba

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Hallo zusammen,

ich habe schon viel im Forum gelesen in den letzten Wochen und obwohl es einige Threads zu Depressionen gibt brauche ich bitte euren Rat.

So kurz wie möglich zu mir:

Ich bin w, 26 Jahre alt und leide seit 2011 (bewusst) an Depressionen.
Damals sollte es nach dem Abi ins Berufsleben gehen und ich hatte totalen Horror vor dem (Vollzeit)job, Eltern und Freunde weniger zu sehen, beruflich zu versagen etc.
War damals in einer Klinik wo jedoch kaum Behandlung stattfand und hab mich mehr oder weniger selber aus der Depression geholt (Hintergedanke dass ich einen Suizid meinen Eltern nicht antun will, wenn die beiden nicht mehr sind kann ich ja immer noch... Also für Familie & Freunde durchhalten)

Das hat einige Zeit funktioniert, habe allerdings Ausbildungen aus Panik mehrere abgelehnt und iwann ein Studium angefangen. Während dieser Zeit ging es mir gut.
Danach wieder: Horror vor Vollzeit und Existenzangst wegen weniger Geld dadurch etc.
Habe eine Teilzeitstelle gesucht in der ich halbwegs glücklich war, die allerdings befristet war. Innerhalb dieser Stelle wurde ich in eine andere Einrichtung versetzt in der ich total unglücklich war und dann ging es richtig los.

Bin seit diesem März AU,
war (freiwillig) in einer Klinik wo ich stabil entlassen wurde mit Antrag auf berufliche Reha im Sommer.
Als es auf die Reha zuging wurden die Depressionen wieder schlimmer - in der Reha dann Panikattacken, Suizidgedanken.
Wurde von dort aus in die Geschlossene einer Klinik gebracht, wenig später in die offene gekommen und dann entlassen, da die Klinik weiter von meinem neuen Wohnort weg war (ich steckte mitten im Umzug, der aufgrund der Depris jetzt noch nichtmal ganz geschafft ist).

Hab mir wieder Stellen gesucht und hätte auch welche bekommen, aber dann kam der nächste Zusammenbruch und ich bin wieder mitten in der Depression. Ich habe vorher bei meinen Eltern gewohnt und da halbwegs alles im Alltag gut hinbekommen sodass der Teilzeitjob damals möglich war.
(Nicht im Sinne von "Mama macht alles" sondern einfach durch das Verbringen des Alltags mit meinen Eltern, was mir unheimlich viel Stabilität gegeben hat)

Jetzt habe ich ALG 1 beantragt und suche einen Psychotherapeuten, habe ehrlich gesagt aber keine Hoffnung, dass er so viel für mich tun kann, dass ich arbeitsfähig werde. Momentan will ich einfach nur einen Therapeuten finden mit dem ich reden kann und ansonsten wenigstens halbwegs den Alltag schaffen.
Einen Psychiater habe ich, bzw wechsel ich jetzt von der alten Ambulanz zu der im neuen Wohnort und hoffe dass der Psychiater mich da ernst nimmt.
Von der Klinik im März habe ich den Entlassbericht mit der Diagnose rezidivierende Depression - gegenwärtig schwere Episode.
Die Berichte von der Reha und der anderen Klinik fordere ich noch an.


Momentan habe ich unheimlich Angst vor den Ämtern und was jetzt kommt.
Kann ich mich auch bei ALG 1 Bezug schon an die Reha Abteilung beim Amt wenden oder nur bei ALG II?
Was soll ich der SB beim Termin sagen wo sie die "berufliche Situation besprechen" will?
Der Termin mit dem neuen Psychiater ist vor dem Gespräch beim Amt, soll ich mich da wieder AU schreiben lassen?

Ich hatte noch nie mit Ämtern zu tun und wollte eigentlich nie dem Staat auf der Tasche liegen aber ich kann einfach nicht mehr. Mittlerweile würde ich am liebsten sagen "Gebt mir die Grundsicherung und lasst mich in Ruhe!", die finanzielle Einschränkung ist mir mittlerweile scheißegal, obwohl ich auch davor Angst habe, aber die Angst vor der Arbeit ist größer. Ich weiß wie 'faul' das klingt aber ich bin einfach nur noch kaputt...

Danke fürs Lesen und eventuelle Ratschläge!
 

Natrok

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AW: Dauerhaft AU wegen Depressionen? Bitte helft mir weiter!

Hallo KibaKiba und willkommen im Forum.

Ich leide selber an einer schweren depressiven Episode. Ich kann also nachvollziehen, wie es dir geht und welche Probleme durch die Ämter entstehen können.

Ich verlor den Job weil trotz einer schweren Depression versucht hatte zu arbeiten, als Ablenkung. Hat am Ende nicht so geklappt und ich wurde am Ende, während ich Krank war entlassen. War noch um zwei Uhr morgens in Krankenhaus gewesen und bekam am nächsten Tag die Kündigung. Sehr Nett das ganze.

Ich hatte noch nie mit Ämtern zu tun und wollte eigentlich nie dem Staat auf der Tasche liegen aber ich kann einfach nicht mehr. Mittlerweile würde ich am liebsten sagen "Gebt mir die Grundsicherung und lasst mich in Ruhe!"
Solltest du Alg 1 bekommen so würdest du dem Staat nicht auf der Tasche liegen. Du und dein Arbeitgeber haben die Arbeitslosenversicherung dafür eingezahlt. Auch bist du als Leistungsempfängerin dann nicht automatisch eine Sozialleistungsempfängerin. Da gibt es einen rechtlich relevanten Unterschied. Diese Frage taucht unter anderem bei Fragestellung auf, wer zum kostenprivilegierten Personenkreis im Sinne von § 183 Satz 1 SGG zählt. Also wer vor dem Sozialgericht kostenfrei klagen kann. Und da hat das BSG keine entsprechende Einschränkung auf Sozialleistungsempfänger vorgenommen.

Auch darfst du nicht so denken, das dann ruhe wäre, wenn du Hartz IV bekommen würdest. Das ist unter Umständen viel weniger Geld und du bist dadurch viel angreifbarer. Auch bringt es rechtliche Nachteile gegenüber Leistungen nach dem SGB III (Alg 1), so entfaltet ein Widerspruch z.B. gegen eine EGV-VA keine aufschiebende Wirkung im SGB II (Hartz IV unter anderem).

die finanzielle Einschränkung ist mir mittlerweile Exkrementgal, obwohl ich auch davor Angst habe, aber die Angst vor der Arbeit ist größer.
Diese Einschränkungen werden sich deutlich bemerkbar machen. Der Regelsatz müsste bei 571 Euro liegen er beträgt aber zurzeit glaub ich 416 Euro. Da bescheißt der Staat schon Kräftig und das wirst spüren. Ich kann deine Angst nachvollziehen. Aber du kommst um "Arbeit" nicht herum, wenn du Grundsicherung für Arbeitssuchende bekommst. Da versucht man dich dann aus der Statistik zu holen, indem man dich für Monate zu einem sinnlosen Bewerbungstraining schickt. Das ist bei Alg 1 noch nicht so extrem. Vor allem bei einer Depression wirkt sich das alles sehr negativ aus.

Momentan habe ich unheimlich Angst vor den Ämtern und was jetzt kommt.
Angst ist denk ich mal fehl am Platz. Du musst dich damit abfinden, das deine Lage die Leute da nicht Interessiert. Die verfolgen ihre eigenen Interessen. Deren Ziel ist es dich aus dem Alg 1 rauszukriegen. Wie ist egal und sie schrecken auch nicht vor rechtswidrigen Mitteln zurück. Solange du das vor Augen hast und weißt, wie du damit sachlich umgehen musst, dann geht es einigermaßen.

Kann ich mich auch bei ALG 1 Bezug schon an die Reha Abteilung beim Amt wenden oder nur bei ALG II?
Bringt dir keinen Vorteil. Ich bin in der Reha Abteilung und habs mit einen ihren Affen als SB zutun. Habe bereits drei Sperren. Alle samt rechtswidrig.

Was soll ich der SB beim Termin sagen wo sie die "berufliche Situation besprechen" will?
Der SB will mit dir nicht deine "berufliche Situation besprechen", er will dich aus dem Alg 1 kriegen. Wenn der erst Termin ist, dann wird er dir eine Eingliederungsvereinbarung (EGV) vorlegen. Niemals vor Ort unterschreiben, auch wenn er dich bedrängt es zutun. Es ist ein öffentlicher Vertrag zwischen dir und der Bundesagentur für Arbeit. Du hast das Recht in mit nachhause zu nehmen und dort dir in Ruhe durchgehen zu lassen. Es besteht für dich kein Kontrahierungszwang, einen Vertrag einzugehen. Du hast ein Recht auf "Vertragsfreiheit" nach Artikel 2 des Grundgesetzes. Vereinfacht gesagt du musst nichts unterschreiben. Egal was.

Sagen musst du nicht viel, als was du denen sagst, werden die vermutlich gegen dich verwenden. Du hast das recht jemanden zum Meldetermin mitzunehmen einen Beistand. Davon sollte man immer Gebrauch machen. Besonders in deinem Fall ist es sinnvoll. Es müsste eine Person sein, der du vertraust und die notfalls auch vor Gericht bestätigen kann, was Gegenstand der "Besprechung" war.

Der Termin mit dem neuen Psychiater ist vor dem Gespräch beim Amt, soll ich mich da wieder AU schreiben lassen?
Nimm die AU! Solange du krank bist können die dir nicht wehtun. Ich bekomme jetzt Krankengeld. Habe bis Juli Alg 1 bekommen oder auch nicht wegen Sperren. Das Krankengeld ist der einzige Grund, weshalb ich überhaupt Geld kriege. Sonst hätte ich jetzt Monate lang keinen Geld gesehen wegen Sperren und vorläufiger Zahlungseinstellung nach § 331 SGB III.
 

cibernauta

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AW: Dauerhaft AU wegen Depressionen? Bitte helft mir weiter!

Hallo KibaKiba,

lass dich nicht entmutigen. Lass dich beraten, überprüfe, welche Möglichkeiten du hast und welche Leistungen dir zustehen und kümmere dich in erster Linie um deine Gesundheit. Der erste Schritt ist ja schon getan.

Hier im Forum werden natürlich gerne schlechte Erfahrungen kundgetan, was nicht unbeding einen angstfreien Umgang mit den Behörden fördert.


Eigentlich sollte eine Klinik auch in solchen Fragen beraten und hat dafür einen Sozialdienst. Wichtig ist, dass du nicht im Chaos versinkst und Fristen einhälst, Anträge stellst etc., wenn nötig auch mit Unterstützung.

Nur Mut!
 

Fabiola

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AW: Dauerhaft AU wegen Depressionen? Bitte helft mir weiter!

Bin seit diesem März AU, ...
Bekommst Du derzeit Krankengeld von der KK oder lebst Du von Erspartem?

Ich empfehle Dir, Dein Thema in den Bereich "Schwerbehinderte / Gesundheit / Rente / Pflege" verschieben zu lassen. Dort wird Dein Thema besser von den 'Experten' hier gefunden.
Dazu klickst Du in einem Deiner bereits geschriebenen Beiträge auf das kleine rote Warndreieck links unten und bittest um Verschiebung.
 

Muzel

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Vielleicht solltest du ernsthaft über einen Schwerbehindertenantrag nachdenken. Diese Erkrankung wird oft nicht ernst genommen und man bekommt die Mitteilung, dass man sich zusammenreißen müsse und auf seine Ernährung achten solle usw (...).
 

cibernauta

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Versuchen kann man das, aber man wird oft mit 20 GdB abgespeist. Da kommt es sehr darauf an, dass die Ärzte genau wissen, was sie schreiben müssen. Die meisten wissen das leider nicht.

Da hat man dann noch eine weitere Baustelle.
 

Muzel

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Wenn du ernsthaft über einen Antrag nach dem Schwerbehindertenrecht nachdenkst und keine Abschmetterung möchtest, solltest du erst mal mit dem behandelnden Arzt sprechen. Du musst ihn so wieso angeben und so weißt du vorher, wie deine Chancen stehen. Du hast auch ein Akteneinsichtsrecht bei deinem Arzt.
Bevor der Arzt ins Sprechzimmer kommt, dauert es meistens und die Karteikarteikarte liegt offen. Ich mache immer lucky, lucky.
 
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