Das Jobcenter legt Steine in den Weg bei geplantem Umzug ( Angemessenheitsbescheinigung) (1 Betrachter)

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Blätterrauschen

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Hallo ihr Lieben,
ich möchte umziehen, weil die Modernisierungsarbeiten hier mich durch den Dreck und anhaltenden Lärm total irre machen.
Ich habe jetzt sogar Wohnungen gefunden die ich beziehen könnte, wenn ich denn eine Angemessenheitserklärung (bzw eine Umzugsgenehmigung für die andere Wohnung) vorlegen kann.
Natürlich sind die Angebote zeitlich begrenzt.
Gestern hatte ich einen fürchterlichen Termin bei der Leistungsstelle in einem Berliner Jobcenter ( muss wohl bei einem Umzug innerhalb Berlins das alte Jc sein)
eigentlich nur um "kurz" eine Angemessenheitsbescheinigung für die neue Wohnung zu kriegen.
Es war der Alptraum und das erste Mal seit langen , das ich vor fremden Leuten (der Teamleiterin, die die schlimmst von allen war ) geweint habe.
Voll peinlich und die hat mich so richtig schön mit irgendwelchen Regel und Gesetzen fertig gemacht.
Obwohl alle anderen Bewerber für die Wohnung ihre Angemesseheitsbescheinigungen am selben Tag ohne Probleme kriegen, habe ich nach 4 Anläufen immer noch keine.
Da die neue Wohnung um ganze 18 € teurer und auch noch 1 m² größer ist, soll ich begründen weshalb ich ausziehen will und da es wegen der Modernisierung ist , wollen die erst vom Vermieter eine Bescheinigung, dass es unzumutbar ist in der alten Wohnung zu bleiben und mir keine Ersatzwohnung angeboten wird.
Ich habe mehrmals betont, das dies kein Antrag auf Umzugskostenhilfe ist und selbst wenn der Umzug nicht notwändig wäre ,ich nur eine Bescheinigug der Angemessenheit brauche und dass ich das Recht habe umzuziehen.Nichtsdestotrotz hat die echt fiese Teamleiterin (bei der ich letztendlich gelandet bin ) diese nicht rausgerückt, mich zugetextet mit irgendwelchen Gesetzten von denen ich nie was gehört habe und auch nur noch die Hälfte verstanden habe ,weil ich bemüht war nicht loszuheulen. Damit alles rechtens zugeht, brauche sie erstmal diese Bestätigung vom Vermieter.
Zuvor gebe sie keine Angemessenheitsbescheinigung raus.
Mehr habe ich eigentlich garnicht verstanden, weil ich vor Enttäuschung und schock über diese unnötige Schikane schon heulen musste.
Als ich ihre Begründung schriftlich haben wollte, sagte sie mir die kriege ich später zugeschickt und als ich wenigstens ein Protokoll von diesem Gespräch wollte hat sie auch das abgelehnt. Ich bin leider nicht besonders bewandert in Umzügen und meinen Rechten diesbezüglich, weshalb ich dann irgendwann aufgegeben habe.
Was hätte ich denn noch tun sollen ? Ihre Vorgesetzte sei jetzt nicht da sagte sie. Und zur Geschäftsführung wolte ich in meinem uninformiertem und verheulten Zustand nicht.Ich habe jetzt bei insgesamt 4 Leuten von der Leistungsabteilung vorgesprochen , alle stellen sich quer obwohl andere LE dasselbe Wohnungsangebot innerhalb einer Stunde bewilligt kriegen. Für mich sind das Sadisten, die darauf abgehen Leute zu frustrieren.
Ich würde da ungern nochmal alleine hingehen und wenn dann informierter und selbstsicherer, damit mir sowas nie wieder passiert. Ich muss aber morgen schon wieder hin, denn die neue Vermieterin wartet auf die Unterlagen. Über Links und Gesetzte wäre ich sehr dankbar, toll wäre auch eine Begleitung die als Zeug/in für diese Schikanen fungiert.Muss schon wieder weinen , wenn ich daran denke und will mir nicht wieder diese Böße geben.
Am liebsten würde ich mich ja einfach abmelden, den Umzugs selber finanzieren ( ich werde da nicht noch um Geld betteln ) und mich einfach beim neuen Jc anmelden . Aber die zukünftge Vermieterin braucht bzw.will diese Angemessenheitsbescheinigung und die kriege ich beim neuen JC erst wenn ich mich schon mit der Wohnung in deren Gebiet angemeldet habe. Wie kann ich weiter vorgehen und kann ich die Tante wegen Unterlassung anzeigen ? Ich war 3 Monate lang jeden Tag mit Wohnugnssuche beschäftigt ( Berlin.. ) und habe jetzt endlich eine in Aussicht und die verhindern das durch unnötige weitere Forderungen . Am besten ich hätte garnicht gesagt das ich wegen Modernisierung umziehe, das hat die nur zu weiteren Schriftstücken ermutigt. Ist jetzt aber zu spät und ich war schon bei fast alles aus meiner Leistungsstelle.

Auch Verweise zu ähnlichen Fällen nehme ich gerne an : )


Viele Grüße und danke im Vorraus
 

Atze Knorke

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Hallo Blätterrauschen,

Hallo ihr Lieben,
ich möchte umziehen, weil die Modernisierungsarbeiten hier mich durch den Dreck und anhaltenden Lärm total irre machen.

Ich habe jetzt sogar Wohnungen gefunden die ich beziehen könnte, wenn ich denn eine Angemessenheitserklärung (bzw eine Umzugsgenehmigung für die andere Wohnung) vorlegen kann.
Natürlich sind die Angebote zeitlich begrenzt.
kann dich gut verstehen, dass du es für ungerecht erachtest, was dir beim JC widerfahren ist. :icon_neutral:
Dein gutes Recht, nur leider hast du eine Baustelle mit vielen Stolperfallen zu beackern! :icon_kratz:

Und die Deadline läuft ...

Grundsätzlich besagt das Mietrecht:
Du darfst von den Jobcentern nicht daran gehindert werden, deinen Wohnort zu wechseln – völlig gleich
ob sich dieser Wechsel nur innerhalb deiner bisherigen Kommune vollzieht oder quer durch Deutschland.

Das nennt sich 'Gebot der Freizügigkeit', welches im Grundgesetz verankert ist, dass gilt auch für Leistungs-
berechtigte von ALG II.

ABER - hier kommt der § 22 SGB II ins Spiel:
§ 22 SGB 2 - Einzelnorm

Damit muss man halt die Gesetzeslage etwas aufdröseln.

Zur INFO - in Berlin gilt ab 01.Oktober 2019 die neuen Richtwerte - AV-Wohnen -:
Ausführungsvorschriften zur Gewährung von Leistungen gemäß § 22 SGB II und §§ 35 und 36 SGB XII (AV-Wohnen) - Berlin.de

Bitte beachten:
3.2.2 – Besonderheiten bei der Neuanmietung von Wohnraum

Obwohl alle anderen Bewerber für die Wohnung ihre Angemesseheitsbescheinigungen am selben Tag ohne Probleme kriegen, habe ich nach 4 Anläufen immer noch keine.
Wie kommst du darauf? Was haben die Bewerber, was du nicht hast?

Da die neue Wohnung um ganze 18 € teurer und auch noch 1 m² größer ist, soll ich begründen weshalb ich ausziehen will und da es wegen der Modernisierung ist , wollen die erst vom Vermieter eine Bescheinigung, dass es unzumutbar ist in der alten Wohnung zu bleiben und mir keine Ersatzwohnung angeboten wird.

Ich habe mehrmals betont, das dies kein Antrag auf Umzugskostenhilfe ist und selbst wenn der Umzug nicht notwändig wäre ,ich nur eine Bescheinigug der Angemessenheit brauche und dass ich das Recht habe umzuziehen.Nichtsdestotrotz hat die echt fiese Teamleiterin (bei der ich letztendlich gelandet bin ) diese nicht rausgerückt, mich zugetextet mit irgendwelchen Gesetzten von denen ich nie was gehört habe und auch nur noch die Hälfte verstanden habe ,weil ich bemüht war nicht loszuheulen. Damit alles rechtens zugeht, brauche sie erstmal diese Bestätigung vom Vermieter.
Zuvor gebe sie keine Angemessenheitsbescheinigung raus.
Zu solchen existenziellen Belangen ist es unabdingbar sich GUT strukturiert vorzubereiten bzw. schon einen Beistand an der Hand zu haben! :icon_daumen:

Da es sich um Modernisierung handelt, du es weder psychisch/physisch aushälst, steht die "Unzumutbarkeit"
im Raume. Deshalb verlangt das JC die Erledigung dieser Procedur. Der Vermieter muss dir die Unzumutbarkeit
bzw. das keine Ersatzwohnung zur Verfügung gestellt werden kann, bescheinigen, so dass der Weg frei ist, um umzuziehen.
Allerdings ist hier auch zu beachten, dass es sich um keinen "erforderlichen Umzug" durch Veranlassung des
JC handelt. Der Umzug wird aus persönlichen Gründen erwogen und nicht aus wichtigem Grund.

Ganz klar, hier ist erstmal Ende im Gelände.

Ich muss aber morgen schon wieder hin, denn die neue Vermieterin wartet auf die Unterlagen.
Am liebsten würde ich mich ja einfach abmelden, den Umzugs selber finanzieren ( ich werde da nicht noch um Geld betteln ) und mich einfach beim neuen Jc anmelden . Aber die zukünftge Vermieterin braucht bzw.will diese Angemessenheitsbescheinigung und die kriege ich beim neuen JC erst wenn ich mich schon mit der Wohnung in deren Gebiet angemeldet habe.
Es geht auch um Zuständigkeitswechsel, da sieht die Chose etwas anders aus - in welches andere Gebiet willst
du denn umziehen?

Hmm, Zuständigkeitswechsel, z. B. Umzug in ein anderes Bundesland, gelten selbstverständlich die Höchstgrenzen
der Angemessenheit. Das eine Genehmigung für einen solchen Umzug nicht benötigt wird, steht im Widerspruch
zum ABER:
In jedem Fall muss jedoch zuvor ein schriftlicher Antrag beim zuständigen JC gestellt und bewilligt werden, der
den Umzug gestattet. Voraussetzung ist, dass der Umzug überhaupt "zusicherungsfähig" ist.

Hartz IV & Umzug: Altes Jobcenter muss zahlen

VOR Abschluss des Mietvertrages ist alles leistungstechnisch hieb- und stichfest abzuklären. :idea:
 
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Blätterrauschen

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Hallo,

danke für die Antworten. Ja, das Problem ist wohl,dass die neue Wohnung etwas teurer ist. Wäre diese günstiger wäre das wohl kein Problem.Ich wäre auch durchaus bereit den Rest aus eigener Tasche zu zahlen, das habe ich auch angegeben.Ich denke nicht dass der Vermieter mir bestätigen wird das es unzumutbar ist. Meine Wohnung ist wieder intakt nur dass die Wohnung über mir bald saniert werden wird...Das wird schön.
Es ist auch nur der ständige Lärm der mich fertig macht. Bin da echt sensibel. Ich ziehe innerhalb Berlins um ,aber halt in einen anderen Bezirk.
Und ja, mir ist glasklar geworden das ich da besser vorbereitet sein muss,ich dachte nur das wird keine große Schlacht weil die Immobilienmaklerin der Vermieterin mir gesagt hat, dass die anderen Bewerber die Angemessenheitsbescheinigung innerhalb eines Tages bei ihrem JC gekriegt haben. Ich weiß nicht was die da anders machen. Vielleicht gibt es ja einen Trick ? Es würde mir auch völlig ausreichen, wenn das neue Jobcenter nur die alten Kosten übernimmt und ich den Rest selber zahle.Ich bin früher auch ohne Umzugsbestätigung umgezogen , einfach gemacht, aber das war vor 10 Jahren und die Miete geringer. Der Unzug ist zwar nicht notwändig ( also nichr durch die blichen Gründe ( ind, etc) aber dennoch zulässig , wenn ich damit leben kann das ich den Umzug selber finanziere. Ich würde ja aufgeben, aber wieso schaffen es die Mitbewerber ? Die Sb haben sich auch auf den Einzelfall berufen.Die Vermieterin wird die Miete auch nicht senken.
Ich sehe gerade keine Möglichkeit .

:cry:
 

Blätterrauschen

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Aber danke für die Links, jetzt verstehe ich zumindest was die mir gestern gesatg haben. Es muss aber einen weg geben , sonst hätten nicht 4 andere die Bescheinigung schon gekriegt.
 
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Atze Knorke

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Da die neue Wohnung um ganze 18 € teurer und auch noch 1 m² größer ist,
... Theorie und Praxis, dass ist eine zu vertretende 'Unangemessenheit' bei Neuvermietung, denn
eine neue Wohnung findet sich ja bei dieser exorbitanten Wohnraumknappheit nicht mehr so leicht,
so ziele ich auch auf die Wirtschaftlichkeitsberechnung hin. Nach der Modernisierung wird die Miete
für die alte Wohnung vermutlich nicht dieselbe bleiben.

Bereits Januar 2018 hat der Berliner Senat mit der AV-Wohnen entschieden, dass man größer und
teurer "wohnen" darf, wobei nicht nur der einfache Wohnraum, sondern auch erstmals mittlerer
Wohnraum, der zwar klein aber teuer ist, mit bei der Berechnung berücksichtigt wird.

Ich wäre auch durchaus bereit den Rest aus eigener Tasche zu zahlen,
Aufgemerkt! Das ist sehr gut zu überlegen, denn im Grunde haust du dir mit dieser Einstellung selbst
die Knie dick. Die Wohnkostenlücke kann dann zukünftig große Schmerzen bereiten.Um die Mietkosten-
übernahme kämpfen, aus gutem Grund, dass die Miete vom JC als "angemessen" eingestuft wird. :icon_stop:

ich dachte nur das wird keine große Schlacht weil die Immobilienmaklerin der Vermieterin mir gesagt hat, dass die anderen Bewerber die Angemessenheitsbescheinigung innerhalb eines Tages bei ihrem JC gekriegt haben. Ich weiß nicht was die da anders machen. Vielleicht gibt es ja einen Trick ?
Ja was geht dem voraus - alle beim gleichen JC für die avisierte Wohnung? Oder liegt der Trick darin,
dass die IM das NUR so lapidar in den Ring warf? Erzählen kann man viel. :icon_pic: Vermutlich sind diese
Einzelfälle individuell anders gelagert als nur wegen Modernisierungsflucht. :icon_kinn:

Deshalb nochmal Augenmerk auf die "Modernisierung" und da denke ich, wären im Vorfeld einige
individuelle Klärungen mit dem Vermieter erforderlich gewesen.
Denn wegen einer umfangreichen Modernisierungsmaßnahme ist es daher wichtig, zu signalisieren,
dass der Vermieter eine Ersatzwohnung (aus seinem Wohnungsbestand) anbietet, weil es nicht zumutbar
ist, während der Mod.arbeiten in der Wohnung zu verbleiben.

Und daraus ergibt sich dieser Knacktus-Knusus:
Das JC ist nur zur Zusicherung verpflichtet, wenn der Umzug erforderlich ist und die Aufwendungen für
die neue 'Unterkunft' angemessen sind (§ 22 Abs. 4 SGB II).

Insofern hat jedes Ding eben zwei Seiten. Es ist und bleibt die oberste Priorität, sich gut zu (be)satteln.
 
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