Das ästhetische Ideal des Neoliberalismus

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wolliohne

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Die als alternativlos verkaufte Politik der deutschen Regierung vermittelt uns, dass eigentlich alles richtig läuft und, dass wir auf einem guten Weg sind. Wie keine deutsche Regierung zuvor, kultivierte die unter Merkel den totalitären Kitsch des Neoliberalismus. In „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ befasst sich Milan Kundera ausgiebig mit dem Kitsch.
Er sei „die absolute Verneinung der Scheiße [und] schließt alles aus seinem Blickwinkel aus, was an der menschlichen Existenz im wesentlichen unannehmbar ist“. Natürlich hatte Kundera damals den Kitsch des real existierenden Sozialismus im Auge. Er fragte sich, warum so viele seiner tschechischen Landsleute sich mit diesem System arrangiert hatten.
Quelle: Neues Deutschland
 

*kampfpaar*radikal.A

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[FONT=Times New Roman, serif].
[/FONT]

[FONT=Times New Roman, serif]Gut, de Lapuente erweitert in Bezug auf Kundera den landläufigen
Begriff des Kitsches auch auf die >Form< der Reden der politischen
Klasse. Er steigert es sogar nochmal in der >Bewertung< jener, was
z. B. Krieg angeht:

"Militärische Auslandseinsätze zwecks ökonomischen Interessen
[/FONT]

[FONT=Times New Roman, serif]heißt man auch gut; besser wäre es freilich ohne Waffengang." [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif](de Lapuente)

Die Erweiterung dessen formuliert:

"Ähnlich ist es bei den Themen Deregulierung, Privatisierung und
[/FONT]

[FONT=Times New Roman, serif]Freihandel. All das ist dieser spezifische Kitsch ..." [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif](de Lapuente)

Alles das wird subsumiert unter

die absolute Verneinung der Sche:ße [und] schließt alles aus seinem
[/FONT]

[FONT=Times New Roman, serif]Blickwinkel aus, was an der menschlichen Existenz im wesentlichen [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]unannehmbar ist“. [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif](Kundera)

Letztlich zielt das somit auf die grundsätzliche BeHERRschung der
Welt, die alle damit verbundene "Sche:ße" ausblendet.

Da er Kundera in diesem Zusammenhang von der "menschlichen
Existenz"
gar sprechen läßt, impliziert er auch den Hingriff auf die
Natur. Als solches eben auch auf uns, die wir ja als Menschen eben
Natur sind, kulminierend in dem Satz:

"Zum Kitsch gehört nicht nur, die Verwettbewerbung aller
[/FONT]

[FONT=Times New Roman, serif]gesellschaftlichen Monaden zu propagieren, sondern diesen Prozess [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]auch noch zu verherrlichen, ihn zu biologisieren und als Naturzustand [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]des Menschen zu verkaufen." [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif](de Lapuente) [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]
- - - - -

Soweit, so aufständisch. Gut gut. Das zielt mithin auf die Vernunft.
[/FONT]

[FONT=Times New Roman, serif]Beim besten Willen eröffnet sich mir kein anderer Adressat für das [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]böse Wettern über jene [/FONT][FONT=Times New Roman, serif]Ästhetik? des NeoLiberalismus. [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]Überdies dünkt es mir als rein-weg zwar formidables, aber doch [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]idealistisches Wettern. [/FONT]


[FONT=Times New Roman, serif]Soll es denn sein, die weggedrängte „Sche:ße“ nur unter dem [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]Aspekt der Ästhetik wiederzufinden? [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]Gilt da nicht eher die Verdrängung als betonhartes Moment des [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]Mittels zum Zecke der Beibehaltung einer verwalteten Welt, die [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]visionslos nur eines losschlagen will: Mehr Mammon? [/FONT]


[FONT=Times New Roman, serif]Ist überdies „die Verwettbewerbung aller gesellschaftlichen Monaden“ [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]und ihre wie auch immer propagierte Not-Wendigkeit nicht eine, [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]die eben nicht innerhalb unserer bürgerlichen Produktionsweise [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]mal eben so mit dem Stempel „Kitsch“ aus dem Rennen geworfen [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]werden kann? [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]Das Gestammel der „Alternativlosigkeit“ [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]im Gerammel der „Arbeitsamkeit“ [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]ist Gebammel der „Zweckmäßigkeit“! [/FONT]


… [FONT=Times New Roman, serif]und das ist in >jener [/FONT][FONT=Comic Sans MS, cursive]⸮Kunst?[/FONT][FONT=Times New Roman, serif], [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]nicht nur der herrschenden Zunft, [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]eben: [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]formale und instrumentelle Vernunft. [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]
Von ihr hören wir in der "Dialektik der Aufklärung"
[/FONT]

[FONT=Times New Roman, serif]von Adorno & Horkheimer als eine, die per
"Scheitern der Aufklärung in der „Einheit von formaler und
[/FONT]

[FONT=Times New Roman, serif]instrumenteller Vernunft“ ihres Denkens angelegt sei."
und als eine, die
"in eine Mythologie, die im Positivismus des Faktischen kulminiert,
[/FONT]

[FONT=Times New Roman, serif]welcher die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse als notwendige [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]darstellt und die den „Einzelnen […] gegenüber den ökonomischen [/FONT]
[FONT=Times New Roman, serif]Mächten vollends annulliert“.
(letztbeide Zitate aus Wikipedia / Dialektik der Aufklärung)

Doch ist das bisher alles im Rahmen der Kritik.
[/FONT]



[FONT=Times New Roman, serif]Wie jedoch gestaltet sich die Aufhebung?
[/FONT]

[FONT=Times New Roman, serif]
[/FONT]

[FONT=Times New Roman, serif].
[/FONT]
 

roterhusar

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Alle warten drauf, dass es sich aufhebt. Von selbst.
Das ist das bestürzende daran. Kitsch würde sich in Nichts auflösen, wenn man dahinter sehen und die wahren Ding suchen würde. Hinter dem Geld - Nichts. Hinter dem Krieg - Nichts.
Alles Fassade. Ein raffiniertes Kunstobjekt.
Der Obdachlose friert unter dem ästhetischen Ideal, der Illegale Einwanderer sucht seinen Platz vor der Fassade. Der abgelehnte Antragsteller hämmert zornig seinen Widerspruch gegen das neoliberale Kunstprodukt in die Tastaturen.
Wenn die Aktivistinnnen ratlos sind, warum sollen sich die Denker nicht auch auf ihre Weise nähern? Mal sehen ob sie mit ihren Prognosen schneller sind als die "Aufhebung" selbst.
 
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