Christoph Butterwegge: Hartz IV-Reform gescheitert! (1 Betrachter)

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Für die einen ist sie ein Hass-, für die anderen ein Vorzeigeprojekt, die einen sagen, sie sei verantwortlich für die gute ökonomische Situation in Deutschland, die anderen behaupten, sie sei verantwortlich für die Schere zwischen Arm und Reich. Die Hartz IV-Reform, die vor 10 Jahren in Kraft trat, ist bis heute umstritten, einig ist man sich nur darin: Sie ist die tiefgreifendste soziale Reform nach 1945 gewesen. Christoph Butterwegge, Prof. für Politikwissenschaft an der Uni Köln, zeigt, warum aus seiner Sicht Hartz IV unsozial ist.
Referenz: SWR2 Wissen: Aula: Reform gescheitert! - SWR2 :: Programm :: Sendungen A-Z :: Wissen | SWR.de

btw: Warum gibt es kein Board zum Thema Sozialkritik?
 

roterhusar

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AW: Christoph Butterwegge Reform gescheitert!

ich bestrete, dass ein Land sich heute kein Soziales Netz leisten kann, das es früher auch konnte.

Zu Fördern und Fordern:
Die Botschaft, wenn jeder an sich selbst denkt, ist für alle gesorgt, teile ich so nicht.

Zur Rente:
Entscheidend ist nicht die Frage, wann werden wir sterben, sondern die Ökonomie.
Wenn die Bevölkerungszahl zurückgeht, dann muss doch ein weiter wachsender Ökonomischer Kuchen auf weniger verteilt werden, wenn weniger Kinder kommen, die Torte aber doppelt so groß ist, weil das Inlandsprodukt sich verdoppelt hat, dann kann doch für jemanden, für alle nur Mehr übrig sein ...
 
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AW: Christoph Butterwegge Reform gescheitert!

ich bestrete, dass ein Land sich heute kein Soziales Netz leisten kann, das es früher auch konnte.

Zu Fördern und Fordern:
Die Botschaft, wenn jeder an sich selbst denkt, ist für alle gesorgt, teile ich so nicht.

Zur Rente:
Entscheidend ist nicht die Frage, wann werden wir sterben, sondern die Ökonomie.
Wenn die Bevölkerungszahl zurückgeht, dann muss doch ein weiter wachsender Ökonomischer Kuchen auf weniger verteilt werden, wenn weniger Kinder kommen, die Torte aber doppelt so groß ist, weil das Inlandsprodukt sich verdoppelt hat, dann kann doch für jemanden, für alle nur Mehr übrig sein ...
Du träumst! Es geht schon lange nicht mehr um Renten, Soziales etc. sondern nur noch um Gewinnmaximierung! :wink:
 

0zymandias

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AW: Christoph Butterwegge Reform gescheitert!

Scheinbar kann man diese speziellen Dinge auch von außen verstehen. :biggrin:

Zum Fehlen des Fördern aus dem "Fordern und Fördern", PDF-Seite 2:
Aber fördern und fordern war insofern ein leeres Versprechen, als überhaupt nicht gefördert wurde. Die Zahlen der Teilnehmerinnen und Teilnehmern an Weiterbildungsmaßnahmen gingen seit der Hartz IV-Kommission im Frühjahr 2002 bis zum Inkrafttreten von Hartz IV am 1. Januar 2005 um zwei Drittel zurück!
Das heißt, man hat nie weniger gefördert als zu der Zeit, als dieser Slogan in aller Munde war. Umgekehrt wurde aber enorm gefordert. Anders gesagt: Es wurde Druck auf die Betroffenen aufgebaut, und zwar in den Job-Centern, die dann auch häufig als "Mob-Center" bezeichnet wurden.
PDF-Seite 4, über den Legitimationsstrang des Geldmangels als Argument für Hartz IV:
Ich bestreite, dass ein Land, das heute viel reicher ist, als es beispielsweise in den 70er-Jahren war, sich keinen Sozialstaat mehr leisten kann, der etwa ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts für Soziales ausgibt. Die Sozialleistungsquote, das ist der Anteil am Bruttoinlandsprodukt, der für Renten, Arbeitslosengeld bzw. –hilfe, wie sie damals noch hieß, und anderes mehr ausgegeben wird, was alles unter der Rubrik Soziales läuft, ist verringert worden. Obwohl das Land heute viel reicher ist, das Bruttoinlandsprodukt hat sich ja seit 1998 verdoppelt. Das heißt, heute produzieren wir Waren und Dienstleistungen in einem doppelten Wert im Vergleich zu dem Jahr, in dem Gerhard Schröder die Regierung übernahm.
PDF-Seite 6, Riester nehmen wir im Vorbeigehen mit:
Frage:
Im Zuge der Einführung der Hartz IV-Reform wurde immer wieder betont, wie wichtig es für die nachwachsende Generation sei, für sich selbst zu sorgen, Stichwort: Riester-Rente? War diese Botschaft denn nicht wichtig und richtig?
Butterwegge:
Die Botschaft, wenn jeder an sich selbst denkt, ist für alle gesorgt, teile ich so nicht.
PDF-Seite 6, zum Legitimationsstrang des demografischen Wandels:
Und der demografische Wandel: Damit wird zwar den Menschen eingeredet, weil die Menschen länger leben und insofern auch längere Zeit Rente brauchen, können wir uns die Renten nicht mehr im bisherigen Maße leisten. Aber entscheidend ist nicht die Biologie, also wie alt die Bevölkerung ist, wenn sie Rente bezieht, sondern entscheidend ist erstens, wie erfolgreich die Ökonomie zu dem Zeitpunkt ist, und zweitens ist es eine Frage der Politik, wie wir das Geld verteilen. Gleichzeitig wird uns als weiteres Horrorszenario an die Wand gemalt, dass die Bevölkerung immer weiter abnimmt. Aber dann muss doch ein weiter wachsender Kuchen auf weniger Kinder beim Kindergeburtstag verteilt werden.
 
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