Chef schreibt mir vor wo ich meine Pause verbringen muss

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Jason3112

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Hallo zusammen, ich weiß nicht genau wohin mit dem Thema deshalb stelle ich es mal bei allgemeinen Fragen.

Eine Kollegin von mir ist in der 5. Woche schwanger. Wir sind insgesamt 7 Personen im Laden als Angestellte. Jeden Tag stehen 2 Personen im Geschäft. Laut Plan jeden Tag immer verschiedene Personen, so wie es halt mit den Stunden hinhaut.
Nun hat unsere oberste Chefin gesagt, da wir eine Schwangere Kollegin haben dürften wir in unsere Pause nicht mehr den Laden verlassen und müssten unsere 1 Stunde Pause im besagten Laden verbringen.
Also als Bsp. ich fange mit meiner schwangeren Kollegin morgens um 8 Uhr an zu arbeiten, bis Abends um 19 Uhr. Sie darf während der Pause nachhause und wenn ich Pause habe muss ich die 1 Stunde im Laden verbringen das ist eine Anweisung das sie nicht alleine da sein darf.
Aber das ist doch meine Freizeit, darf meine Chefin einfach so bestimmen wo ich meine Pause zu machen habe. Dann stehe ich ja durchweg von 8 bis 19 Uhr im Laden und wir haben kein Pausenraum, da wir ein sehr kleiner Laden sind.
 
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Bereits in der 5. Woche kann sie nicht mehr für eine Weile allein bleiben? :icon_eek:

Naturgemäß fehlen mir die persönlichen Erfahrungen im Thema Schwangerschaft, aber ich kann das gar nicht so richtig glauben.
 

Anna B.

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bist du Gewerkschaftsmitglied?


es gibt mehrere Urteil der Arbeitsgerichte..wonach eine Pause, die nicht wirklich als Pause genommen werden kann, da man dann immer in Bereitschaft ist, keine Pause ist...

Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz...

lass dir das mal schriftlich von deiner Chefin geben...

https://drei.verdi.de/2010/ausgabe-34/schwarzes-brett/seite4-5/urteile

und aus diesem Link:

xxx.pwg-seminare.de/index.php?article_id=65

bitte die xxx durch www ersetzen..(keine direkte Verlinkung in diesem Post)

Eine Pause im Sinne des Arbeitszeitgesetzes liegt nach der bisherigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes2 dann vor, wenn ein Arbeitnehmer während der Arbeitsunterbrechung weder Arbeit zu leisten noch sich dafür bereitzuhalten braucht, sondern freie Verfügung darüber hat, wo und wie er diese Ruhezeit verbringt. Entscheidendes Kriterium für die Pause ist somit die Freistellung des Arbeitnehmers von jeder Arbeitsverpflichtung und auch jeglicher Verpflichtung, sich zum Dienst bereit zu halten. Dies bedeutet, dass der Arbeitnehmer während einer Ruhepause nicht (mehr) dem Direktions-, Weisungsrecht des Arbeitgebers unterliegt – also Vorschriften und Anordnungen, wo er die Pause zu verbringen habe (spezielle Räume, Aufenthalt im Bereich der Station, Abteilung etc.) und wie er sie zu verbringen habe, nicht möglich sind; nur dann ist das für die Pause essentielle Autonomie- und damit Erholungskriterium erfüllt.

das würde ich mal ausdrucken und meiner Chefin vorlegen...wenn sie dann darauf immer noch besteht...verweigern..bei Kündigung wirst du gewinnen...
 

Fritz Fleißig

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1. Wenn du um 8 Uhr mit der Arbeit anfängst, diese um 19 Uhr endet und du eine Stunde Pause machst, entspricht das einer Arbeitszeit von 10 Stunden täglich. Da stellt sich schon die Frage, ob das Arbeitszeitgesetz überhaupt eingehalten wird. Eine Arbeitszeit von bis zu zehn Stunden täglich ist nur in bestimmten Ausnahmefällen zulässig (§ 3 ArbZG). Im Normalfall sind acht Stunden Arbeitszeit täglich die Obergrenze.

2. Pausen, welche schließlich nicht als Arbeitszeit bezahlt werden, kannst du dort verbringen, wo du willst. Wenn erwartet wird, daß du dich während der Pause im Laden aufhältst, spricht doch vieles dafür, daß es in Wirklichkeit eine Art zu bezahlender Bereitschaftsdienst ist und keine echte Pause.

3. Mir erschließt sich auch rein von der Sache her nicht, wieso eine schwangere Beschäftigte nicht allein im Laden sein kann oder soll. Wie auch immer, wenn eine solche Vorschrift besteht, ist es nicht dein Problem, sondern dasjenige deiner Arbeitgeberin.
 

pinguin

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Da genügt ein Blick ins nationale wie europäische Arbeitsrecht; der Arbeitgeber darf nicht vorschreiben, wo ein Arbeitnehmer seine ihm gesetzlich zustehenden Pausen zu verbringen hat.

Zudem: gemäß EuGH beträgt die höchstzulässige wöchentliche Arbeitszeit innerhalb der 7-Tageswoche 48 Stunden inkl. aller Überstunden. Das Urteil vom EuGH wurde hier wohl auch schon einmal eingestellt; zumindest wurde es in einem Thema bereits behandelt.
 

Doppeloma

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Hallo Jason3112,

zu den arbeitsrechtlichen Regelungen wurde dir ja schon viel geschrieben, meines Wissens ist eine Pause "unbezahlte" Freizeit innerhalb der arbeitsvertraglichen Arbeitszeit ... jedenfalls soweit dir im Arbeitsvertrag KEINE bezahlte Pausenzeit zugesichert wird ...

Du könntest sogar deine Pause (n) zu Hause verbringen wenn deine Wohnung in der Nähe ist ... das hat dir nicht dein AG vorzuschreiben ...

Eine Kollegin von mir ist in der 5. Woche schwanger. Wir sind insgesamt 7
Personen im Laden als Angestellte.

Ja, was ändert das denn bitte, sie ist schwanger und nicht KRANK, wenn sie sich nicht wohl fühlen sollte ist ein Arzt zu rufen (das kann sie vielleicht sogar noch selber tun ???) und wenn es (beruflich) gar nicht geht ist sie vom Arzt AU zu schreiben, du (und deine Kollegen) sind doch nicht ihr "Babysitter" ... die Fürsorgepflicht für seine Angestellten hat der Chef und nicht der Mitarbeiter ...

Wenn ich die Schwangere wäre würde ich mir solche "Überfürsorge" meines AG schwer verbitten oder erwartet sie selbst so viel "Rücksichtnahme" auf einen ganz normalen Zustand ... ???

Jeden Tag stehen 2 Personen im Geschäft. Laut Plan jeden Tag immer verschiedene Personen, so wie es halt mit den Stunden hinhaut.
Nun hat unsere oberste Chefin gesagt, da wir eine Schwangere Kollegin haben dürften wir in unsere Pause nicht mehr den Laden verlassen und müssten unsere 1 Stunde Pause im besagten
Laden verbringen.

Vielleicht sollte sich die Chefin lieber mal mit dem Mutterschutz-Gesetz befassen, falls die schwangere Kollegin auch solche Arbeitszeiten ableistet, da gibt es nämlich durchaus Einschränkungen zum Schutz von Mutter und Kind, das haben aber nicht die Kollegen zu regeln, sondern die AG, dass hier die Gesetze (für die werdende Mutter) eingehalten werden.

Kollegiales Verhalten (schwere Sachen abnehmen oder ähnliche "Nettigkeiten") ist ja auch sehr nett aber das was da bei euch läuft dürfte kaum dem Betriebsklima gut tun, wenn die Frau wegen der Schwangerschaft (zeitweise) nicht "arbeitsfähig" ist, sollte sie zum Arzt und nicht zur Arbeit gehen, die Kollegen sind doch keine "Krankenpfleger" ... :icon_evil:

Also als Bsp. ich fange mit meiner schwangeren Kollegin morgens um 8 Uhr an zu arbeiten, bis Abends um 19 Uhr. Sie darf während der Pause nachhause und wenn ich Pause habe muss ich die 1 Stunde im Laden verbringen das ist eine Anweisung das sie nicht alleine da sein darf.
Aber das ist doch meine Freizeit, darf meine Chefin einfach so bestimmen wo ich meine Pause zu machen habe.

Wenn die Chefin meint, dass die Schwangere nicht alleine im Laden sein darf, dann muss sie eben selber aufpassen kommen, wenn die anderen Kollegen ihre zustehenden Pausen machen ..., die dürfen alle anderen Mitarbeiter selbstverständlich auch so verbringen wie sie das gerne möchten ... und nicht als "Aufsichtsperson für eine schwangere Kollegin" ... :icon_evil:

Dann soll sie euch diese "Rufbereitschaft" (statt Pause) auch entsprechend bezahlen ... diese "Anweisung" soll sie euch mal schriftlich geben, damit ein Anwalt für Arbeitsrecht das überprüfen kann.

Dann stehe ich ja durchweg von 8 bis 19 Uhr im Laden und wir haben kein
Pausenraum, da wir ein sehr kleiner Laden sind.

Wäre auch schon zu hinterfragen (von den Arbeitsbedingungen her), ihr habt also keinen Pausenraum und sicher auch keinen "Frauen-Ruhe-Raum" wo sich eine Schwangere mal kurz hinlegen könnte, wenn es ihr gerade nicht so gut gehen sollte ... kommt sie dann auf die Ladentheke bis der Arzt kommt ...

Da scheint mir noch viel mehr im Argen zu liegen, was sicher nicht durch eine ständige, unfreiwillige "Aufsichtsperson" zu regeln ist ... es gibt auch die Möglichkeit, dass eine Schwangere nicht mehr arbeiten kommen darf ( medizinisches Berufsverbot bis das Kind da ist), weil die Bedingungen am Arbeitsplatz eine Gefahr für Mutter und Kind darstellen würden ... dafür sind aber nicht die Kollegen zuständig, das "auszugleichen" durch Verzicht auf die eigene Pausenzeit ... :icon_evil:

Wenn die Schwangere "schlau" ist spricht sie mal vertrauensvoll mit ihren behandelnden Arzt (Gynäkologen) darüber, ob diese Arbeits-Bedingungen aktuell tragbar für sie sein können und die Chefin könnte bald sehr große Augen bekommen, wenn die Dame dann überhaupt nicht mehr zur Arbeit kommen wird ... :icon_hihi:

MfG Doppeloma
 

webeleinstek

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Wenn die Chefin besorgt ist um die schwangere Kollegin, dann ist diese Einstellung erstmal löblich.

Wenn sie allerdings ein Kindermädchen für die schwangere benötigt, dann soll sie dafür jemand einstellen. Die Pause kann dort verbracht werden wo es der Arbeitnehmer will.

Im arbeitsrechtlichen Sinne liegt dann eine Pause vor, wenn der Arbeitnehmer vollständig von seinen Arbeitspflichten freigestellt ist, also auch keine Arbeitsbereitschaft vorliegt. Er kann den Arbeitsplatz und auch den Betrieb verlassen sofern hiergegen keine entgegenstehenden wirksamen Pausenregelungen bestehen (she. hierzu: Ziffer 2).

Der Begriff Ruhepause umfasst die Pausen, die nicht zur Arbeitszeit gehören und deshalb auch nicht vergütet werden müssen. Bezahlte Pausen, wie zum Beispiel Lärm- oder, Bildschirmpausen sind daher keine Pausen im Sinne dieser Vorschrift (BAG vom 28. Juli 1981 -- 1 ABR 65/79). Zum Begriff der Pause gehört, dass die Dauer der Arbeitsunterbrechung im Voraus festliegt. Der Arbeitnehmer kann frei darüber entscheiden, wie er diese Zeit verbringen will. Das Recht, während der Ruhepause den Betrieb verlassen zu können, kann, so ein älteres Urteil des BAG, eingeschränkt werden (BAG v. 21.8.1990 - 1 AZR 567/89). Nach unserer Meinung wird durch diese Entscheidung jedoch das Recht auf die eigene Persönlichkeit frei entfalten zu können nicht ausreichend berücksichtigt. Auf jeden Fall aber muss der Arbeitgeber nachvollziehbare Gründe haben eine solche Pausenregelung anzuordnen, ansonsten wäre sie nicht verhältnismäßig. Existiert ein Betriebsrat, so kann der Arbeitgeber eine die Persönlichkeitsrechte der Arbeitnehmer einschränkende Pausenregelung nicht einseitig anordnen. Ausnahmeregelungen gelten für Schichtarbeit und Verkehrsbetriebe (§ 7 Abs. 1 Nr. 2 ArbZG).
Quelle DGB
Ich kann mir kaum vorstellen, dass aus dem Grund, das Recht den Arbeitsplatz zu verlassen, eingeschränkt werden kann.
 
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