Celler Arbeitsagentur sanktioniert radikal

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Emma13

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Hier ein Artikel aus unserer "Provinztrompete" von heute - würde mich mal interessieren, wer aus diesem Bereich betroffen ist und auch Erfahrungen mit verschärften und ungerechtfertigten Sanktionen gemacht hat - vielleicht lesen hier ja auch einige mit, die sich noch nicht im Forum geoutet haben :icon_smile: und finden jetzt den Mut dazu :icon_daumen:

Cellesche Zeitung

Grüße - Emma
 
D

dr.byrd

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Die Kürzungen können aufsummiert werden. So gibt es das skurrile Beispiel eines Cellers, der 370 Prozent Kürzungen zu verkraften hatte – verteilt auf mehrere Monate.
Wer stoppt denn mal diesen Irrsinn? :icon_neutral:
 

ethos07

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Hört sich echt extrem repressiv an - einfach ekelhaft dieser ganze per Gesetz verordnete Sanktionswahn gegen die eigenen erwachsenen Bürger.

@Emma13: Immerhin scheint es eine eventuell gut funktionierende erwerblosen-initaitive in Celle zu geben? Kennst du diese näher?
 

Emma13

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Hört sich echt extrem repressiv an - einfach ekelhaft dieser ganze per Gesetz verordnete Sanktionswahn gegen die eigenen erwachsenen Bürger.

@Emma13: Immerhin scheint es eine eventuell gut funktionierende erwerblosen-initaitive in Celle zu geben? Kennst du diese näher?
Persönlich kenne ich sie noch nicht - habe nur einige Bekannte, die sich dort Rat holen - die Initiative wird vom "Bündnis soziale Gerechtigkeit" getragen, Kontakt zu einer Anwältin besteht auch und ich höre, dort wird ganz gute Arbeit geleistet, um den Erwerbslosen zu helfen - zumindest wird das Beratungsangebot wohl sehr gut genutzt !:icon_daumen:

Grüße - Emma
 

wolliohne

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ich gehe davon aus das hier sehr schnell eine demenstprechende Reaktion erfolgt.

Celle ist überall.
 

alraune

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Hallo alle zusammen!

Auch ich habe für das Jahr 2009 einen guten Vorsatz gefasst: Ich habe mich in meiner Umgebung umgesehen und werde einen kleinen Beitrag zu einem menschlicherem Miteinander leisten. Deshalb arbeite auch ich ehrenamtlich für das Bündnis Soziale Gerechtigkeit (BSG) in Celle.

Aktuell unterstützen wir Ulf Swiniartzki vom Bündnis Soziale Gerechtigkeit bei der Wahl zum Oberbürgermeister am 22.02.2009 in Celle.

Jeder (nicht nur erwerbslose!) Celler Bürger hat die Möglichkeit, mit wenig Aufwand etwas für eine sozialere Stadt Celle zu tun. Diese Möglichkeit solltet Ihr nutzen!

Wer Ulf, uns oder unsere Arbeit kennenlernen möchte, kann uns in der Neustadt 23 in 29225 Celle montags bis freitags in der Zeit von 14 – 18 Uhr antreffen. Die Telefonnummer lautet 0 51 41/3 49 42 44.

Wir möchten die Menschen da abholen, wo sie angekommen sind.

Ulf bietet seine Sprechzeiten nicht nur vor den Wahlen medienwirksam an, sondern kontinuierlich schon seit 3 Jahren, ohne dafür großartig die Werbetrommel rühren zu müssen.

Das wissen viele Celler auch zu schätzen und sie suchen das vertrauensvolle Gespräch in unserer Erwerbsloseninitiative. Auf diese persönlichen Kontakte legen wir auch großen Wert! Wir sind transparent und daher für jeden zugänglich.

Was bei uns zählt, das sind die Taten und nicht die leeren Worte!

Wir sind eine Alternative gegen „Vertreter jener Parteien, die für Hartz IV“ verantwortlich sind und jetzt die Kosten der Krise bei den kleinen Leuten abladen wollen“. Unser Ziel ist daher die soziale Stadt mit der Stärkung der Daseinsfürsorge.

Das BSG bildet im Celler Rat zusammen mit den Linken eine Gruppe, stellt mit Ulf einen eigenen Kandidaten auf und ist aber nach wie vor selbstständig.

Wir sind auf dem richtigen Weg!
 

Emma13

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Danke alraune - habt ihr noch ein Plätzchen frei für mich ??? :icon_smile::icon_klatsch:

Grüße - Emma
 

Emma13

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Wo issn der Artikel hin, finde das nicht?
Tja, so schnell geht das bei der Celleschen Zeitung :icon_twisted:

Keine Ahnung, habe ihn auch nicht mehr gefunden, vielleicht gehen und kommen hier im "Rotationsprinzip" die Themen :confused::icon_neutral:

Grüße - Emma
 

ela1953

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Tja, so schnell geht das bei der Celleschen Zeitung :icon_twisted:

Keine Ahnung, habe ihn auch nicht mehr gefunden, vielleicht gehen und kommen hier im "Rotationsprinzip" die Themen :confused::icon_neutral:

Grüße - Emma
in der Zeitung online sind immer nur die aktuellen Themen - und das Thema ist vom 03.01.
 

Vater Flodder

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Die Kürzungen können aufsummiert werden. So gibt es das skurrile Beispiel eines Cellers, der 370 Prozent Kürzungen zu verkraften hatte – verteilt auf mehrere Monate.
In Celle, in Celle,

sind selbst die Schlauen nicht besonders helle :icon_party:
 

alraune

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Leider bekomme ich den Artikel der „Celleschen Zeitung“ vom 03.01.09 nicht hochgeladen, daher hier der Text:

Sind Celler fauler als der Rest des Landes? Oder geht die Celler Agentur für Arbeit nur schonungsloser mit seinen Hartz-IV-Empfängern um? Fakt ist, das die Celler Arbeitsagentur mehr Hilfebedürftige sanktioniert als anderswo. Das beweist eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Die Celler belegen einen Spitzenplatz in Niedersachsen, lagen im Berichtsmonat Juli 2008 auf Platz 5 von 46 Kreisen in Niedersachsen. 445 Betroffene mussten Kürzungen der Regelleistung hinnehmen.

Die Celler Agentur für Arbeit greift durch, wenn es darum geht, Hartz-IV-Empfänger zu disziplinieren. Das hat ein junger Celler schmerzhaft erfahren, dessen Vater verstarb. Erst nachdem er ein ärztliches Attest vorwies, strich der zuständige Sachbearbeiter der Celler Arbeitsagentur die schon eingeplante Sanktion, da der Celler nicht zu einem vereinbarten Termin erschien. Laut Bündnis Soziale Gerechtigkeit (BSG) sucht die Arbeitsagentur in solchen Fällen zuerst die Schuld bei den Leistungsempfängern, auch wenn einige Einladungen per Post gar nicht erst ankommen.

445 Hartz-IV-Empfänger hat die Celler Arbeitsagentur im Berichtsmonat Juli 2008 sanktioniert. Das macht eine Quote von 3,7 bei 11969 Hilfebedürftigen. Damit belegt Celle eine Spitzenstellung im landesweiten Vergleich und erlangt einen traurigen 5. Platz. „Der Gesetzgeber gibt vor, wann eine Sanktion zu verhängen ist. Der Ermessensspielraum der Fachkraft ist sehr gering“, sagt Marc Seemann, Pressesprecher der Celler Agentur für Arbeit.

In der Tat sieht das Sozialgesetzbuch Regelungen vor. So ist der Hartz-IV-Empfänger verpflichtet, eine zumutbare Arbeit anzunehmen, Bewerbungen nachzuweisen und Termine einzuhalten. Macht er dies nicht, darf die die Arbeitsagentur 30 Prozent der Regelleistung kürzen. Erscheint der Empfänger nach einer Einladung nicht zu einem Termin mit der Arbeitsagentur, sieht der Gesetzgeber eine zehnprozentige Kürzung der Regelleistung vor. Lässt sich der Arbeitslose wiederholt etwas zu Schulden kommen, sind bis zu 100 Prozent Minderung drin.

Die Kürzungen können aufsummiert werden. So gibt es das skurrile Beispiel eines Cellers, der 370 Prozent Kürzungen zu verkraften hatte – verteilt auf mehrere Monate.

Offensichtlich dehnen die Celler den Ermessensspielraum weiter aus als andere Arbeitsagenturen. Die benachbarte Region Hannover hat eine Sanktionsquote von gerade einmal 1,5. Die Celler Quote sank laut Pressesprecher Seemann im November auf 3,4.

Dennoch werden in Celle Hartz-IV-Empfänger stärker zur Verantwortung gezogen als anderswo. Hans-Jürgen Genz, Leiter der Celler Arbeitsagentur, beschreibt das Credo so: „Über Sanktionen wird umsichtig entschieden. Aber die Betreuung und Vermittlung in Arbeit oder Qualifizierung stehen im Vordergrund, und dies erfordert aktive Mitarbeit der Leistungsempfänger.“

Das BSG sieht die Spitzenstellung der Celler Arbeitsagentur bei der Sanktionsquote indes mit Unbehagen. „Die Menschen in Celle sind nicht integrationsunwilliger als im Rest des Landes“; so Ulf Swiniartzki. Er stellt zugleich eine kaum realisierbare Forderung auf: „Sanktionen sind unwürdig und müssten abgeschafft werden.“

@ Emma 13:

Du kennst ja die „Bürgersprechstunden“ von Ulf. Dort treffen wir uns auf einen Cappuccino und klönen ein wenig. Du bist bei uns immer herzlich willkommen!
 

HajoDF

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ALG II – Töten per Gesetz?

Es sollen sich schämen und zuschanden werden, die nach meinem Leben trachten; es sollen zurückweichen und beschämt werden, die mir Unheil ersinnen! (Psalm 35-4)

„Wer auch immer in die Mühlen der Hartz 4-Behörde (ARGE) gerät, muss wissen, dass man ihm ab jetzt nach dem Leben trachtet.“
So oder ähnlich klingt es mir aus der Gruppe der Betroffenen immer häufiger entgegen. Grund genug für mich, die Frage danach zu stellen in wie weit das zutrifft oder ob es in Zukunft denkbar wäre.
Der weitaus größte Teil unserer Gesellschaft würde heute diese Behauptung als völlig absurd brandmarken, da es moralisch nicht vorstellbar ist, dass es für das Töten ganzer Gesellschaftsgruppen eine Rechtfertigung gibt. Wer sollte so etwas wollen oder gar ausführen? Wo und wer sind die Täter? Wie könnte unsere stabile soziale Ordnung kippen und wie wird tatsächlich mit dem Prekariat in Deutschland umgegangen?
Der Sozialpsychologe Harald Welzer schreibt in seiner Analyse „Täter“ hierzu, dass es viel schwächer „um die Stabilität und Trägheit moderner Gesellschaften in ihrem psychosozialen Binnengefüge bestellt ist“, als wir gemeinhin glauben.
Er stellt fest: „Nicht nur abstrakte, analytische Kategorien wie Gesellschaft und Herrschaftsformen verändern sich innerhalb weniger Monate, sondern dass die konkreten Menschen, die diese Gesellschaft bilden und ihre Herrschaftsform realisieren, sich in ihren normativen Orientierungen, in ihren Wertüberzeugungen, in ihren Identifikationen und auch in ihrem zwischenmenschlichen Handeln schnell verändern können.“
bitte weiterlesen hier

Der Artikel kann gern weiterverwendet werden!
 

HajoDF

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Hi Jane,
hast recht, wird geändert...
..und danke! Ein Lob tut auch mal gut:icon_knutsch:
 
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ExitUser

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Ich habe den Artikel auch gelesen und als gut registriert.....:icon_smile:

Deine/oder Die Seite finde ich gut, weil nicht auf "Mache oder Masche" aus....:)

Ich meine jetzt Hajo....:)
 

Emma13

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Hi Jane,
hast recht, wird geändert...
..und danke! Ein Lob tut auch mal gut:icon_knutsch:
Danke Hajo - auch von mir ein dickes Lob - habe vorgeschlagen, ihn entsprechend bei einer medialen Erinnerung an die Erwerbslosen-Ini in Celle zu verwenden - mal schauen, ob wir auch in unserer Provinztrompete (in der manchmal Pressefreiheit ein Fremdwort zu sein scheint - wir leben hier nämlich manchmal in Schilda :icon_party:), entsprechendes Gehör finden :icon_smile:

Grüße - Emma
 
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ExitUser

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Da steht nichts, als die Wahrheit, so wahr wir uns selber helfen!!

Und genau das tun wir ja nicht!

Wir helfen uns nicht selbst, um ein Desaster zu verhindern.
Wir warten ab.
Alles ist nur Klein-Klein. Jeder wurschtelt mehr oder ´weniger unterstützt von Inis und Foren herum, und versucht sein Problem zu lösen, oder einem anderen bei dessen speziellen Problem zu helfen.
Problem gelöst?
Gut, dann kann mir die Arge ja nix mehr!


Was uns fehlt, ist echter Widerstand!

Was uns fehlt ist echte Solidarität unter den ELOs, Kleinstrentnern, Aufstockern und sonstiger Verlierer dieser neoliberalen Feudalherren.

Ich glaube mittlererweile nicht mehr, dass es reicht, Flugis zu drucken, Infos weiterzugeben und "die richtige Partei" zu wählen, und ansonsten zu darauf zu warten, dass "irgendjemand von irgendwoher kommt, um uns ins gelobte Land zu führen"!

Echter Widerstand sieht für mich anders aus, sonst geht es uns möglicherweise eines Tages wie den Juden des Dritten Reiches, die auch stets glaubten, dass ihnen nichts passieren kann. Schließlich hatten sie doch tapfer im 1. WK gekämpft, waren mit dem EK dekoriert, oder hatten Mann, Bruder oder Sohn hergegeben. Man hatte doch stets seine Steuern gezahlt, hatte nie im Gefängnis gessen und sich auch sonst nichts zu schulden kommen lassen. Nicht zu vergessen, dass man in einem Land mit ausgeprägter Zivilisation lebte, und nicht unter den Barbaren.....und dann?
Dann sah man sich plötzlich, oft nach tagelanger Fahrt, selektiert auf einer Rampe wieder, und ein Toscapfeifender Lagerarzt, entschied durch einfache Handzeichen über Leben und Tod.
Das kann nicht noch einmal passieren? Mit Sicherheit!
Schließlich leben wir unter den gleichen gestrigen Barbaren.

LG
 

HajoDF

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...danke, danke!

Hier aber noch ein Hinweis zum Thema Sanktionen - falls nicht schon bekannt:
Broschüre "Wer nicht spurt, kriegt kein Geld"

Sanktionen bzw. Sanktionsandrohungen beeinträchtigen in gravierender Weise den Alltag und die Lebensmöglichkeiten der Betroffenen und ihrer Familien. Die Angst, etwas falsch zu machen und die kräftezehrende Auseinandersetzung mit falschen Anschuldigungen des JobCenters lähmen die Eigenbemühungen der Erwerbslosen. Sanktionsdrohungen bevormunden diejenigen, welche sich durch den Verlust ihres Arbeitsplatzes ohnehin schon "gestraft" fühlen. "Spuren" tritt an die Stelle von Eigenverantwortung, Selbstbestimmung und dem Aufbau einer Perspektive, die nicht nach kurzer Zeit wieder in Hartz IV führt. Selbst diejenigen, die alles tun, was das JobCenter von ihnen verlangt, sind nicht vor Sanktionen geschützt. Mit all dem werden nicht nur Erwerbslose zum Spuren gebracht, sondern ganz nebenbei auch das Gros der Lohnabhängigen.
Hier gehts weiter
 

McMurphy

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Echter, erster Widerstand wäre es, wenn jeder der zum Amt ginge einen erfahrenen Beistand dabei hätte!

Die Klagewelle gegen das Unrecht muss noch höher werden, - und jeder kann doch z.B. eine Verfassungsbeschwerde schreiben.
 

alraune

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Leider bekomme ich den Artikel der „Celleschen Zeitung“ vom 03.01.09 nicht hochgeladen, daher hier der Text:

Sind Celler fauler als der Rest des Landes? Oder geht die Celler Agentur für Arbeit nur schonungsloser mit seinen Hartz-IV-Empfängern um? Fakt ist, das die Celler Arbeitsagentur mehr Hilfebedürftige sanktioniert als anderswo. Das beweist eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Die Celler belegen einen Spitzenplatz in Niedersachsen, lagen im Berichtsmonat Juli 2008 auf Platz 5 von 46 Kreisen in Niedersachsen. 445 Betroffene mussten Kürzungen der Regelleistung hinnehmen.

Die Celler Agentur für Arbeit greift durch, wenn es darum geht, Hartz-IV-Empfänger zu disziplinieren. Das hat ein junger Celler schmerzhaft erfahren, dessen Vater verstarb. Erst nachdem er ein ärztliches Attest vorwies, strich der zuständige Sachbearbeiter der Celler Arbeitsagentur die schon eingeplante Sanktion, da der Celler nicht zu einem vereinbarten Termin erschien. Laut Bündnis Soziale Gerechtigkeit (BSG) sucht die Arbeitsagentur in solchen Fällen zuerst die Schuld bei den Leistungsempfängern, auch wenn einige Einladungen per Post gar nicht erst ankommen.

445 Hartz-IV-Empfänger hat die Celler Arbeitsagentur im Berichtsmonat Juli 2008 sanktioniert. Das macht eine Quote von 3,7 bei 11969 Hilfebedürftigen. Damit belegt Celle eine Spitzenstellung im landesweiten Vergleich und erlangt einen traurigen 5. Platz. „Der Gesetzgeber gibt vor, wann eine Sanktion zu verhängen ist. Der Ermessensspielraum der Fachkraft ist sehr gering“, sagt Marc Seemann, Pressesprecher der Celler Agentur für Arbeit.

In der Tat sieht das Sozialgesetzbuch Regelungen vor. So ist der Hartz-IV-Empfänger verpflichtet, eine zumutbare Arbeit anzunehmen, Bewerbungen nachzuweisen und Termine einzuhalten. Macht er dies nicht, darf die die Arbeitsagentur 30 Prozent der Regelleistung kürzen. Erscheint der Empfänger nach einer Einladung nicht zu einem Termin mit der Arbeitsagentur, sieht der Gesetzgeber eine zehnprozentige Kürzung der Regelleistung vor. Lässt sich der Arbeitslose wiederholt etwas zu Schulden kommen, sind bis zu 100 Prozent Minderung drin.

Die Kürzungen können aufsummiert werden. So gibt es das skurrile Beispiel eines Cellers, der 370 Prozent Kürzungen zu verkraften hatte – verteilt auf mehrere Monate.

Offensichtlich dehnen die Celler den Ermessensspielraum weiter aus als andere Arbeitsagenturen. Die benachbarte Region Hannover hat eine Sanktionsquote von gerade einmal 1,5. Die Celler Quote sank laut Pressesprecher Seemann im November auf 3,4.

Dennoch werden in Celle Hartz-IV-Empfänger stärker zur Verantwortung gezogen als anderswo. Hans-Jürgen Genz, Leiter der Celler Arbeitsagentur, beschreibt das Credo so: „Über Sanktionen wird umsichtig entschieden. Aber die Betreuung und Vermittlung in Arbeit oder Qualifizierung stehen im Vordergrund, und dies erfordert aktive Mitarbeit der Leistungsempfänger.“

Das BSG sieht die Spitzenstellung der Celler Arbeitsagentur bei der Sanktionsquote indes mit Unbehagen. „Die Menschen in Celle sind nicht integrationsunwilliger als im Rest des Landes“; so Ulf Swiniartzki. Er stellt zugleich eine kaum realisierbare Forderung auf: „Sanktionen sind unwürdig und müssten abgeschafft werden.“

@ Emma13:

Du kennst ja die „Bürgersprechstunden“ von Ulf. Dort treffen wir uns auf einen Cappuccino und klönen ein wenig. Du bist bei uns immer herzlich willkommen!
Neues aus Celle:

Nachdem der Artikel unseres Oberbürgermeisterkandidaten Ulf Swiniartzki des BSG Bündnis Soziale Gerechtigkeit in unserer Zeitung am 03.01.09 erschienen ist, erfolgte prompt eine Reaktion in Form eines Leserbriefes:

Arbeitsagentur

Berechtigte Sanktionen

Simone Wiechers aus Celle bezieht sich auf den Bericht „Celler haben nichts zu lachen – Hartz IV: Knallharte Arbeitsagentur“ vom 3. Januar.

Die Meinung von Herrn Swiniartzki vom BSG, die Sanktionen gegen unwillige Hartz-IV-Bezieher abzuschaffen, ist bei dieser Vergangenheit nicht verwunderlich, hat er doch als Langzeitarbeitsloser und Arbeitslosenhilfe-Empfänger viele Jahre auf Kosten der Allgemeinheit gelebt.

Nicht die berechtigten Sanktionen gegen unwillige Arbeitslose sind unwürdig, sondern die Ausbeutung der Beitrags- und Steuerzahler durch die unwilligen und schmarotzenden Hartz-IV-Bezieher ist unwürdig.
Simone Wiechers

Wir vom BSG Bündnis Soziale Gerechtigkeit sind sehr erstaunt über diesen Leserbrief, da die Schreiberin nicht bekannt ist. :confused:
 

HajoDF

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Hallo Alraune,
an Stelle von Herrn Swiniartzki würde ich Strafantrag stellen gegen unbekannt wegen übler Nachrede. Dann muss die Zeitung den Namen herausrücken.
 

Emma13

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Auch merkwürdig ist, dass mein Leserbrief zu diesem Thema gar nicht erst veröffentlicht wurde - und auf meine Nachfrage auch keine Stellungnahme kam .......... das nennt man dann Pressefreiheit in Schilda !!! :icon_smile:

Grüße - Emma
 
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Dieses Thema ist geschlossen.
Geschlossene Themen können, müssen aber nicht, veraltete oder unrichtige Informationen enthalten. Bitte erkundige dich im Forum bevor du eigenes Handeln, auf Information aus geschlossenen Themen aufbaust.
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