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Bundesagentur für Arbeit: Millionenschweres IT-Projekt gefloppt.

Brill

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#1
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

yukiko

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#2
Allein in den vergangenen fünf Jahren investierte die BA den Angaben zufolge etwa 4,5 Milliarden Euro in ihre IT.
aus deinem Link. ~> pro Jahr "etwa" 1 Milliarde für nix.
 

TazD

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#3
aus deinem Link. ~> pro Jahr "etwa" 1 Milliarde für nix.
Das umfasst ja sämtliche IT, also auch den Kauf von Programmen, von Lizenzen und auch von Hardware.
 

yukiko

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#4
naja, jedes Jahr neu für 1 Milliarde ~> schon klar *hüstel*.
 

HartzVerdient

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#5
Dat funktioniert wie folgt:

Der Kunde wünscht ein neues System... Hat aber keinen Plan was die konkret für Anforderungen an das System haben.

Es wird eine Ausschreibung gestartet und diverse IT-Dienstleister gehen hier in Vorproduktion. Die IT-Dienstleister sind dann die, die sich mit kreativen Crews hinsetzen und diese Anforderungen im Rahmen eines Konzepts (und Angebot) erstellen.

Man trifft sich nach X Wochen wieder zum Gespräch (auch andere Unternehmen sind geladen9 und präsentiert dann das ausgearbeitete Konzept. (der Kunde hat nur so seinen Rahmen abgesteckt und seine ungefähren Vorstellungen kundgetan).

Der Kunde sammelt nun die ganzen ausgearbeiteten Konzepte der jeweiligen IT-Dienstleister ein... (Gefahr beim IT-Dienstleister, da das Konzept dann auch andersweitig umgesetzt werden kann) ... wertet diese Konzepte und damit verbundenen Kosten aus und erteilt dann dem besten Angebot den Auftrag...

Ggf. wird noch ein Prototyp vorgestellt....

In der Regel werden dann (je nach Vertrag) ein Prototyp angefertigt und präsentiert.. Es wird die gesamte Anlage nebst Integration, Installation, Software usw. in einer Testumgebung aufgebaut...

... Diese Testumgebung, wenn sie denn Erfolg verspricht, wird durch QS Maßnahmen des Auftraggebers und Auftragnehmers abgenommen... Spätestens hier hätte man die Mängel feststellen müssen...

Die Testumgebung wird abgenommen... und die gesamte IT-Landschaft beim Kunden implementiert... (wie auch immer... es gibt da unterschiedliche Philosophien).

Das Lasten- und Pflichtenheft sollte eigentlich abgenommen werden und den Anforderungen entsprechen.
Der Prototyp sollte eigentlichabgenommen werden und den Anforderungen entsprechen.
Die Dokumentation sollte eigentlich abgenommen werden und den Anforderungen entsprechen.
Das Projekt hätte zeitglich mit externen und internen Mitarbeitern besetzt werden müssen, so dass auch die Anforderungen umgesetzt werden.
Das Projekt hätte eine QS Crew aufsetzen müssen, um die Anforderungen des im Pflichten- und Lastenhefts enthaltenen Punkte zu testen.
Das Projekt muss ja dann auch letztendlich zum Schluss abgenommen werden.. Auch hier hätte man Fehler oder Missstände erkennen müssen.

Ich habe vor Jahren mal in so einem ähnlichen Projekt für einen namhaften Versicherungsdienstleister gearbeitet... Da sprach man nicht mehr von Projektmanager sondern Programmmanager, dem zahlreiche Teilprojektleiter, Architekten usw. unterstellt wurden... Die Aufgabenpakete wurden in Vertikals aufgeteilt und einem Modul-Manager zugeteilt, der dann mit seinem Team dieses jeweilige Modul umgesetzt hatte..

Software und Dokumentation bewegten sich bereits im Gigabytebereich.. Projekt war ein Erfolg!

Ich wundere mich daher, wie man ein 60mio Projekt so in den Sand setzen kann. Entweder hat es am IT-Dienstleister gemangelt... Oder es wechselten die Zuständigkeiten (wie Projektleiter oder Architekten) oder der Kunde hat seine Anforderungen falsch kommuniziert bzw. das Projekt ohne tiefgreifende Tests vom IT-Dienstleister abgenommen...

In den zwischenschichten hätte es zahlreiche Möglichkeiten gegeben, Fehler entgegenzuwirken bzw. gegenzusteuern...
 

Kehro

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#6
Auweia, da erwartet doch tatsächlich jemand, das in der Bude ansatzweise Prozessmanagment betrieben wird.

Tut ja auch nicht Not, sind eh bloß Steuergelder und da wird das intern umgeschichtet und ein paar sinnvolle Sachen gestrichen. Denn die sind in der Regel auch teuer.
 

Solanus

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#7
Dat funktioniert wie folgt:

........
"Das funktioniert NICHT wie folgt!" sollte Deine Überschrift lauten.

Tatsächlich läuft es wie folgt ab:

Kunde möchte neue IT, ein befreundeter IT-Unternehmer des Cheffs oder Inhabers sagt, "Mach ich Dir!" beim Grillabend.

Kunde sucht einen Freiberufler und beauftragt diesen mit einer Ausschreibung nach folgenden Kriterien, die der Kunde von einer beratenden Fachfima erhalten hat. Zufälligerweise ist einer der Gesellschafter der Freund.

Der Freiberufler erstellt ein Konzept nach Maßgabe des Kunden mit exakten Vorgaben des Beraters.

Die Ausschreibung geht an die Öffentlichkeit und keiner außer dem IT-Unternehmers kann zu einem günstigen Preis liefern in den Vorgaben liefern.

Der Auftrag wird vergeben....der ITler fängt an...nach 20% der Leistung haben sich die Preise geändert, nach 40% der Leistung, ist die Leistung überholt und muß aufgestockt werden, nach 60% der Leistung, muß der Lohnanteil erhöht werden, nach 80% der Leistung kommen die notwendigen Änderungswünsche, die natürlich vorher kein Bestandteil waren und zum "marktüblichen Preis" bezahlt werden.

Bei 95% ist der Auftragnehmer entweder Pleite oder es wird festgestellt, der Auftrag wurde nicht erfüllt..

Mittlerweile hat der Chef des Auftraggebers gewechselt, der natürlich seine Idden verwirklicht sehen möchte und sich "unsterblich" machen muss, also wird der Auftrag storniert und es beginnt von vorn.

Dies nennt sich dann Fortschritt, Wachstum, und Innovation.
 

HartzVerdient

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#8
@Solanus

Sorry aber das ist kein Klitschenwerk! Bei einem Rahmenvertrag von 10 mio (wie im Projekt meines damaligen Arbeitgebers) arbeiteten alleine in der QS ca. gefühlte 15-20 Personen. Entwickler alleine nochmals 30-40 (für die jeweiligen Teilmodule).

Da gab es einen Programm-Manager, Projektleiter die an den Programm-Manager berichteten und Teilprojektleiter (respektive Software- und Systemarchitekten). Denen waren dann die jeweiligen ausführenden Teams unterstellt, die an den jeweiligen Teilmodulen arbeiteten.

Was du bescheibst sind "Frickelbuden", die für "Kleinunternehmen" mal eben einen Formularmanager mit einer DB2 / MySQL Anbindung für paar Tausend Euro und einigen Wochenenden zusammennageln.

Wenn ein 10 mio Projekt schon so eine Anforderung erfüllt (mit gefühlten 70-100 Mitarbeitern), dann wird so ein 60 mio Rahmenvertrag Projekt noch eine Spitze oben drauf packen.

Gerade bei Großkonzernen stellt eine lauffähige IT-Landschaft das Kerngeschäft ihres Handelns dar. Die Erfassung, Auswertung und Aufbereitung der Daten ist ein wichtiges Gut...

Das was du beschreibst, mit dem "Hobbyfrickler", der in der IT-Landschaft seine Nische gefunden hat, das gibt es haufenweise! Deren Daseinsberechtigung wird auch nicht in Frage gestellt.

Wir sprechen hier jedoch von 60 mio, wo ganz andere Anforderungen an die Prozesse (Prozessmanagement, wie Khero weiter oben schrieb) gestellt werden. Ich habe jahrelang in diesem Umfeld gearbeitet. Da wird sehr viel Papier geschwärzt und Verträge mehrfach durch die Rechtsabteilung größerer IT-Systemhäuser geprüft.

Man muss sich dann auch mal die Prozesshandbücher dieser IT-Dienstleister querlesen. Das sind dicke Wältzer...
 

Kehro

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#9
@HartzVerdient

So wie du es beschrieben hast sollte es laufen, der Post von Solanus bildet aber wohl eher die Realität ab.

Kurze Anektode dazu:

Kurz nach der Einführung von Harz IV haben Hunderte Leipziger (keine Ahnung wieviel bundesweit) kein Geld bekommen und die Leute waren im System auch nicht ermittelbar.

Grund war eine Beschränkung von 15 Zeichen für den Straßennamen in der Software. Hat man in der "falschen" Straße gewohnt, hat die Software den Straßennamen schlichtweg ohne Fehlermeldung ins Datennirvana geschickt.

Vernünftige QS sieht anders aus.
 

HartzVerdient

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#10
Grund war eine Beschränkung von 15 Zeichen für den Straßennamen in der Software. Hat man in der "falschen" Straße gewohnt, hat die Software den Straßennamen schlichtweg ohne Fehlermeldung ins Datennirvana geschickt.
Nun! Gutes Projektmanagement und Prozessmanagement heisst ja nicht, dass nicht doch auch Fehler passieren. Viel wichtiger ist ja, wie mit den Fehlern umgegangen wird. Das große 10 mio IT-Projekt, von dem ich oben sprach, hatte sicherlich auch "Fehler". Allerdings wurden sie von der QS erfasst und an die jeweiligen Stellen weitergeleitet.

Allerdings baute das Projekt auf mehrere "Release Stufen" auf. Release 1, Release 2, ..., Release 5.. Jedes Release wurde nach Abnahme und QS freigegeben und in das produktive Umfeld installiert. Danach folgte die nächste Rlease Stufe, wo Nutzer dann auch Fehler und Ungereimtheiten an die QS sandten (hierzu wurde sogar ein Bugtracker installiert). Diese Fehler, nebst neuen Anforderungen wurden dann im Release 2 behoben... Bis es abgenommen und freigegeben wurde. Danach folgte Release Stufe 3 usw...

Das Projekt lief recht gut, obwohl einige Teilprojektleiter ausgetauscht werden und weitere Entwickler angeheuert werden mussten (kritischer Pfad wegen Termine). Ist aber alles vollkommen normal und hielt sich im Rahmen.
 

Vizekanzler

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#11
Mal ehrlich, ich habe als Buchhalter nicht unbedingt eine Ahnung wie ein IT-Projekt abzulaufen hat, ABER ich habe noch nie in einem Unternehmen gearbeitet, dass pro Mitarbeiter € 10.000,- an IT-Kosten IM JAHR hat.

Nach meiner Recherche hat das BA ca. 100.000 Mitarbeiter und laut dem Artikel in etwa € 1.000.000.000,- an IT-Kosten im Jahr...für das was da an Performence rüber kommt, ist das schon recht heftig.

Ich weiß, die IT-Profis unter euch werden jetzt mit dem Kopf schütteln....aber €10.000 für so einen BA-Mitarbeiter...nä, ist ist zu viel.
_
 

Kerstin_K

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#12
Das Problem bei heutigen IT Projekten ist doch, dass die Kunden die Eierlegende Wollmilchsau wollen, aber nichts dafür bezahlen.

Dann wird ausgeschrieben und en Auftrag bekommt nicht der, der es am besten kann, sondern der, der am wenigsten Geld haben will.

Das Ergebnis ist deutlich zu sehen....
 

Solanus

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#13
Mag alles sein in Deinen Träumen, ich war aber selbst der Freiberufler vor 12 Jahren bei dem Projekt und habe es mir nicht ausgedacht, Projektumfang ca. 1 Mio

Also spare Dir am Besten Deine Belehrungen und Deine Tagträume....
Sorri, aber mich kotzen solche Belehrungen an, weil sie nur Lehrbuchwissen und keine Realität sind.
 

HartzVerdient

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#14
Mag alles sein in Deinen Träumen, ich war aber selbst der Freiberufler vor 12 Jahren bei dem Projekt und habe es mir nicht ausgedacht, Projektumfang ca. 1 Mio

Also spare Dir am Besten Deine Belehrungen und Deine Tagträume....
Sorri, aber mich kotzen solche Belehrungen an, weil sie nur Lehrbuchwissen und keine Realität sind.
Ich bin Operativer Professional (Certified IT Business Manager (IT-Projektleiter)) und habe meine Erfahrungen (wie oben beschrieben) genau so erlebt. Aus welchem Grund sollte ich hier irgend einen "Müll" hinschreiben ? Das Projekt was ich beschrieben habe, war ein Projekt an dem ich selbst Mitarbeiter war. Montag Früh um 04:30 aufstehen, um mit dem Zug zum Kunden zu fahren und Freitag Abend um 17:00, mit dem Zug wieder zurück in den Norden.

Allerdings war ich nicht "Freiberufler", sondern in einem namhaften IT-Dienstleister (ca. 120.000 Mitarbeiter damals) angestellt. Ich habe meine Abschlussarbeit zum operativen Professional in diesem Unternehmen geschrieben und kannte die meisten internen Prozesse des Prozessmanagements.

Meine Ausführungen dienten nicht der "Belehrung", sondern sind persönliche Erfahrungen, wie ich sie in dem Unternehmen (meines damaligen Vertragspartners) erlebt und wahrgenommen habe. Nochmal! Ich habe nichts davon, hier irgendeinen Mist zu posten bzw. Leuten ungewollt auf die Füße zu treten.

Außerdem steht mein "Geschriebenes" nicht im Widerspruch zu dem was du da geschrieben hast. Ich erkenne durchaus die "andere Seite" der Medallie an. Allerdings vollkommen unüblich in 10 mio (respektive 60 mio) Projekten. Selbst in Festpreisprojekten von 250.000€ wird Wert in QS gelegt.

Umgekehrt:

Ein IT-Dienstleister würde in teufels Küche kommen, würde es die Verträge nicht prüfen bzw. eine halbwechs gescheites Prozessmanagement betreiben. Alleine die Regressansprüche könnten im Falle eines Falles nicht bedient werden. Der Mitarbeiter muss seine Zeit auf irgendwelche Projektnummern buchen, die Freitags von der Führungskraft auch abgenmmen werden müssen (zum Monatsende wird das dann nochmals durch die Kostenstelle abgenommen und gegengerechnet). Was meinst du, was das für ein Theater ist, wenn du dort "Arbeiten" auf deinem Zeiterfassungssystem eingetragen hast, die "durch Zuruf zwischen Tür und Angel" kommuniziert wurden.

Also:

Hier ist wirklich nichts mit Belehrungen oder so... Das war mein gelebtes Tagesgeschäft für viele Jahre...
 
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