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BSG: Hartz-IV-Leistungen für Kinder zum Bundesverfassungsgericht

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Martin Behrsing

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#1
D/Soziales/Reformen/Armut/Kinder/Justiz/ÜS/BERICHTIGUNG
BSG: Hartz-IV-Leistungen für Kinder womöglich unzureichend
- Bundesverfassungsgericht muss nun entscheiden
+++ Berichtigte Fassung der Übersicht von 11.37 Uhr +++ =

Kassel, 27. Januar (AFP) - Die Hartz-IV-Leistungen für Kinder von heute 211 Euro im Monat sind möglicherweise unzureichend. Das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel legte am Dienstag zwei Klagen gegen die Höhe der Regelleistung für Kinder dem Bundesverfassungsgericht vor. Der Gesetzgeber habe nicht begründet, warum Kinder lediglich 60 Prozent der Leistung für alleinstehende Erwachsene bekommen, erklärte das BSG zur Begründung. Dies verstoße gegen das Gleichheitsgebot und das Willkürverbot des Grundgesetzes. (Az: B 14/11b AS
9/07 R und B 14 AS 5/08 R)

Die insgesamt fünf Kläger aus Dortmund und dem Landkreis Lindau am Bodensee hatten geltend gemacht, das so genannte Sozialgeld von 211 Euro für Kinder bis einschließlich 13 Jahren decke das Existenzminimum nicht. Das Bundessozialgericht ließ diese Frage in seinem Beschluss ausdrücklich offen.
Der Gesetzgeber hätte aber den Bedarf von Kindern eigenständig ermitteln müssen und nicht von jenem der Erwachsenen ableiten dürfen.

Das BSG hatte in der Vergangenheit mehrfach entschieden, dass die Regelleistungen zumindest für Erwachsene ausreichend seien. Das Landessozialgericht Darmstadt kritisierte diese Rechtsprechung scharf und legte die Hartz-IV-Leistungen insgesamt im vergangenen Oktober dem Bundesverfassungsgericht zur Prüfung vor.

xmw/ul
 

sickness

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#2
das ist ja schön und gut. jeder normal denkende mensch kann sich seit jahren vorstellen, dass 211 € für kinder völlig unzureichend sind. das man dafür ein urteil des bsg braucht, welches man jetzt dem bverfg vorlegen muss, damit es das bestätigt, ist meines erachtens schon ein witz. aber was wird passieren? das bverfg wird (irgendwann, dieses oder erst nächstes jahr) dem bsg recht geben und die regierung auffordern, die regelsätze für kinder anzupassen. das dauert dann wieder ein, zwei jahre und sie werden dann stolz erklären, dass 215 € nunmehr ausreichend und eigentlich schon zu viel sind. nicht mal ein tropfen auf den heissen stein. zumal die eh ende des jahres erklären werden, dass es aufgrund der rettungsschirme für banken und grossindustrie nicht möglich ist, mehr an geld für erwerbslose locker zu machen. zumal die ja alle an ihrer misere eh selber schuld sind und nur zu faul zum arbeiten sind. ausserdem versaufen und verqualmen die eh alle das geld, was eigentlich den kindern zu gute kommen soll. deswegen wird ein schlauer minister einen gesetzentwurf vorlegen, der die rs von erwachsenen erwerbslosen um mindestens den mehrbetrag der kinder (plus ein paar %) wieder kürzt. korrigiert mich, wenn ich da was falsch sehe...
 

left

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#3
und...... was passiert jetzt?

Verstehe ich so, dass das BSG die Bundesregierung auffordert/auffordern wird/ die Höhe der Regelleistungen für Kinder bis einschließlich 13 Jahre überprüfen muss.

Na denn. :-((
Die BundesreGIERung wird schon eine entsprechende Begründung finden. :-(((

es ist zum " Rette sich wer kann ".
 
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#4
Von sickness

irgendwann, dieses oder erst nächstes jahr) dem bsg recht geben und die regierung auffordern, die regelsätze für kinder anzupassen. das dauert dann wieder ein, zwei jahre und sie werden dann stolz erklären, dass 215 € nunmehr ausreichend und eigentlich schon zu viel sind. nicht mal ein......

Genau so wird es ablaufen.
 

avalon

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#5
Von sickness

irgendwann, dieses oder erst nächstes jahr) dem bsg recht geben und die regierung auffordern, die regelsätze für kinder anzupassen. das dauert dann wieder ein, zwei jahre und sie werden dann stolz erklären, dass 215 € nunmehr ausreichend und eigentlich schon zu viel sind. nicht mal ein......

Genau so wird es ablaufen.
Wenn's gut läuft! Bemängelt hat das BSG -soweit ich das bislang gelesen habe- lediglich, dass die unterschiedlichen Sätze für Erwachsene und Kinder nicht begründet sind und somit dem Willkürverbot widersprechen. Zur absoluten Höhe finde ich keine Aussagen! Beim Schliessen dieser Lücke kann man ja schliesslich in 2 Richtungen schieben!
 

Mario Nette

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#6
@avalon
So bzw. sehr ähnlich lese ich das nämlich auch.

@Martin und kinderarmut-durch-hartz4
Jetzt fängt die schwierige Phase erst an. Denn nun müssen die Stellungnahmen bei der Methodikdiskussion, -auswahl und -anwendung um die Regelsatzermittlung so weit eingebracht werden, dass sie als Argumentationen unumgänglich sind.

Mario Nette
 

Martin Behrsing

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#7
Zuerst muss der Druck auf die Bundesregierung so verstärkt werden, dass sie wenigistesn im Rahmen der Hartz IV-sätze die Schulkinder und Jugendliche berücksichtigt. Dies muss vor der Wahl passieren und kann ohne großen Aufwand durchgezogen werden. Nur das verstärkt dann den politischen Druck, die regelsaätze insgesamt zu erhöhen. Dabei meinen wir ausdrücklich nicht den Paritätischen (der ja nun selbst in siener Organisation große Arbeitgeber versammelt hat und die kein Interesse an einer großartigen Anhebung haben, weil dies ein höher Mindestlohn bedeuten müsste). Aber die Ungerechtigkeit bei Kindern muss zuerst beseitigt werden. Die haben keine Chance sich selbst zu wehren.
@avalon
So bzw. sehr ähnlich lese ich das nämlich auch.

@Martin und kinderarmut-durch-hartz4
Jetzt fängt die schwierige Phase erst an. Denn nun müssen die Stellungnahmen bei der Methodikdiskussion, -auswahl und -anwendung um die Regelsatzermittlung so weit eingebracht werden, dass sie als Argumentationen unumgänglich sind.

Mario Nette
 

Koelschejong

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#8
Entschuldigung, aber die Euphorie ist entschieden verfrüht. Das BSG hat nicht die Höhe des Regelsatzes dem BVerfG zur Prüfung vorgelegt, sondern nur die Art, wie dieser Regelsatz "ermittelt" wurde. Mehr wird das BVerfG also hier in keinem Fall entscheiden. Bestenfalls kommt also dabei raus: Die 60% sind nicht ausreichend begründet, da muss sich der Gesetzgeber was "Besseres" zur Begründung einfallen lassen. Die € 211,00 stehen in diesem Verfahren nicht zur Prüfung beim BVerfG an - und wurden meines Wissens auch nicht vom BSG moniert. Darauf wurde ja hier auch bereits hingewiesen.
 

vagabund

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#9
...
Die Bundesregierung sieht dagegen keinen akuten Handlungsbedarf. Der Sprecher des Arbeitsministeriums, Hannes Schwarz, verwies auf die Anhebung der Sätze für sieben- bis 13-Jährige im Rahmen des Konjunkturpakets II. Insofern sei man "ganz guter Dinge", dass man die beiden wichtigsten Kritikpunkte des Gerichts bereits abgearbeitet habe. Eine grundsätzliche Reform plane die Regierung nicht.
Bundessozialgericht: Hartz-IV-Satz für Kinder verfassungswidrig | tagesschau.de

Offenbar hat die Bundesregierung die Entscheidung des BSG nicht verstanden!
 

Arania

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#10
Es gab keine Entscheidung die zu verstehen wäre, es gibt erst eine Entscheidung vom Bundesverfassungsgericht
 

Arania

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#12
Es ist nichts entschieden worden, die Regierung wird die Entscheidung abwarten und kurz vor den Wahlen eh schon eine Anpassung vornehmen
 
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#13
Habe da noch eine Frage. Geht es in dem Urteil um den Fall, der seitens des LSG Hessen ( AZ: L 6 AS 336/07) an das Bundesssoziagericht verwiesen wurde, oder ist das ein anderes Verfahren?
 

Curt The Cat

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#15
Habe da noch eine Frage. Geht es in dem Urteil um den Fall, der seitens des LSG Hessen ( AZ: L 6 AS 336/07) an das Bundesssoziagericht verwiesen wurde, oder ist das ein anderes Verfahren?
Nö, das ist 'ne andere Geschichte. Heute wurden vor dem BSG zwei Fälle verhandelt. Einer aus Bayern und einer aus NRW...


:icon_wink:

 

vagabund

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#16
Es gab keine Entscheidung die zu verstehen wäre, es gibt erst eine Entscheidung vom Bundesverfassungsgericht
Da widerspreche ich Dir. Die Bundesregierung meint, mit der Einführung einer weiteren abgestuften Altersgruppe Kind, ist alles wieder in Butter.

Aber den Kern der Entscheidung von heute ist, dass der tatsächliche Bedarf für Kinder nie ermittelt worden ist und die Festlegung von bisher 60% und 80% vom ERS rein willkürlich ist und mit geplant (60, 70 80) bleiben wird. Und genau das ist verfassungswidrig.
 
E

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#17
Habe da noch eine Frage. Geht es in dem Urteil um den Fall, der seitens des LSG Hessen ( AZ: L 6 AS 336/07) an das Bundesssoziagericht verwiesen wurde, oder ist das ein anderes Verfahren?
Kollege, Du mußt erst mal ein wenig Durchblick durch den Gerichtsdschungel bekommen:

es gibt (bezogen aufs Soziale):

1.
Sozialgerichte, Landessozialgerichte und dann als oberstes Sozialgericht das Bundessozialgericht.

2.
das Bundesverfassungsgericht

So, was heisst das nun?

Das Hessische Landessozialgericht hat in dem Rechtsteit L 6 AS 336/07 das Verfahren einerseits ruhend gestellt, und andererseits gemäß Artikel 100 Grundgesetz die Kinder- und Erwachsenen-Regelsätze (bzw. §§ 20 und 28 SGB II) wegen Verfassungswidrigkeit dem Bundesverfassungsgericht zur Prüfung vorgelegt.

Link zum Beschluß des Landessozialgerichts im Verfahren L 6 AS 336/07 (PDF-Datei für Adobe Acrobat Reader), da kannste das alles selbst nachlesen - sind nur 75 Seiten Juristendeutsch :biggrin::

http://web2.justiz.hessen.de/migrat...032F73E/$file/2008-10-29-L-6-AS-0336-07...pdf

N.
 

Paolo_Pinkel

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#18
Heute erklärte die Merkel-Steinmeier-Regierung aus SPD, CDU und CSU, dass sie gar nicht daran denke das ergangene Urteil des Bundessozialgerichts zu respektieren. Dieses hatte heute die vom Gesetzgeber Bundestag beschlossenen Hartz-IV-Sätze für Kinder unter 14 Jahre als verfassungswidrig eingestuft .
Trotzdem, so der Sprecher des Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter Olaf Scholz (SPD), sehe die Bundesregierung keinerlei Handlungsbedarf.

Angesichts einiger nicht näher benannten Massnahmen im sogenannten "Konjunkturpaket" - was in erster Linie die wirtschaftlich starken Steuerzahler entlastet - sei man "ganz guter Dinge", so der Scholz-Sprecher.
Wenn das man so bleibt...


Hartz IV-Sätze: asozialer Bundestag und Regierung wollen Verfassung einfach weiter brechen - Radio Utopie


Gruss


Paolo
 
E

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#22
KINDERARMUT - Hartz-IV-Urteil bringt Regierung in Zugzwang

Hartz-IV-Urteil bringt Regierung in Zugzwang

Es ist ein Urteil, das den Sozialstaat nachhaltig verändern könnte. Nach Ansicht des Bundessozialgerichts (BSG) werden die Hartz-IV-Sätze für Kinder bis 14 Jahre derzeit verfassungswidrig berechnet. Insgesamt 1,6 Millionen Minderjährige betrifft dieses Urteil, über das nun das Bundesverfassungsgericht endgültig entscheiden muss.
Experten zufolge müssten die Bedürfnisse von Kindern aber zumindest in folgenden Punkten deutlich anders gewichtet werden:

  • Ausgaben für Bildung werden nach aktueller Regelung dem Bereich "Freizeit, Unterhaltung, Kultur" beigemengt, in dem Hartz-IV-Empfängern nur 55 Prozent der Durchschnittsausgaben angerechnet werden.
  • In der Folge ist laut Wulf Rauer, Hamburg-Vorsitzender des Deutschen Kinderschutzbunds, auch eine Teilhabe an der Gesellschaft nicht mehr gewährleistet, weil Kinder höhere Bildungsausgaben haben. Durch die Vermengung von Kultur und Bildung würden Kinder regelrecht ausgegrenzt - sie hätten so kaum Chancen, sich von ihrem Sozialstand zu emanzipieren.
  • Die Kategorie Bekleidung ist nach Angaben von Rauer für Kinder viel zu niedrig angesetzt. "Kinder und Jugendliche wachsen noch", sagt er. "Sie brauchen zum Teil mehrmals jährlich neue Kleidung, während ein Erwachsener seinen Wintermantel zur Not mehrere Jahre tragen kann."
  • Gesunde Ernährung ist nach Berechnungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) nicht möglich. Der tägliche Lebensmittelbedarf eines 11-Jährigen liegt demnach mindestens bei 5,71 Euro - nach aktueller Bemessung bekommt ein Hartz-IV-Kind aber nur einen Tagessatz von 2,60 Euro.


Das Urteil, das inzwischen ebenfalls in Karlsruhe zur Klärung liegt, basiert auf vier umfangreichen Gutachten. Die aktuellen Beträge sind demnach weder mit der Menschenwürde noch mit dem Sozialstaatsgebot vereinbar.
Kinderarmut: Hartz-IV-Urteil bringt Regierung in Zugzwang - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft


Sehr guter und ausführlicher Artikel mit einer Tabelle wie sich die Hartz-IV-Regelsätze derzeit zusammensetzen!



.
 
E

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#24
Was Kinder brauchen

Es kommt nicht oft vor, dass das Bundessozialgericht eine Vorschrift für verfassungswidrig hält.
Doch jetzt war das ausnahmsweise der Fall: Deutschlands oberste Sozialrichter sind überzeugt, dass das Sozialgeld für Kinder von Hartz-IV-Empfängern verfassungswidrig ist. Die Richter sagen nicht, dass 207 (heute 211) Euro monatlich auf jeden Fall zu wenig sind. Sie sagen nur: Wir wissen nicht, wie viel ein Kind benötigt, denn der Gesetzgeber hat versäumt, den Bedarf zu ermitteln.
Noch ist zwar offen, ob das Bundesverfassungsgericht die Entscheidung bestätigt, eines steht aber fest: Es ist erschreckend, wie einfach es sich die Politiker damals gemacht haben.
- Was Kinder brauchen - Nachrichten - sueddeutsche.de
 

Dora

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#25
Das es zwei Threads zum Thema gibt, noch mal hier:

Also ich fand es war ein guter Tag für die rechtliche Gegenwehr Erwerbsloser und ihrer Kinder. Etliche Kameraleute und viel Presse waren ebenfalls da, die mediale Aufmerksamkeit war enorm. Auch wenn die Unterbrechung der Verhandlung und die Überweisung an das BVerfG zur Entscheidung für die anwaltliche Vertretung nur die "halbe Miete" sein mag: Es war gut so, denn es blieb den Herren Richtern kein anderer
Weg, nachdem der Beschluss des LSG Hessen (Az. L 6 AS 336/07) noch gerade rechtzeitig vor dem heutigen Termin ins Netz gestellt worden war.

Etwas bissig, so schien mir, merkte denn auch der Vorsitzende an, dass der Beschluss des LSG Hessen noch "zufällig" zum heutigen Termin veröffentlicht und auch vom Gericht zur Kenntnis genommen worden sei. Sein Blick ging dabei ebenso "zufällig" in Richtung des Verursachers eben dieses Beschlusses. Der hatte der Veröffentlichung im Internet zugestimmt, war auch sonst recht fleißig gewesen und im Gerichtssaal anwesend. Er war von einigen Betroffenen im Saal gleich namentlich begrüßt worden.
Auf seinem Weg durch die engen Stuhlreihen zu einem leeren Stuhl strebend ging er dann unfreiwillig zu Boden. Mit scherzhaften Lachen wurde von einem der Anwesenden sogleich seine "tiefe Ehrerbietung" für das hohe Gericht konstatiert. Das trug gleich zu Beginn der Verhandlung zu einer heiteren und entspannten Atmosphäre bei den Besuchern bei. :icon_smile:

Die nach der Verkündung des Beschlusses verteilte Presseerklärung des BSG verrät, wie ungern das der Senat des BSG der Bundesregierung mit seinem Beschluss von heute einen Rüffel verpasste. Heisst es doch in der Medieninfo 03/09 des BSG:
"Der Senat geht weiterhin davon aus, dass der Gesetzgeber den ihm von der Verfassungs wegen zustehenden Gestaltungsspielraum nicht überschritten hat, als er die Regelleistung zur Sicherung des Lebensunterhalts für alleinstehende Erwachsene (nach § 20 Abs. 2 SGB II) mit 345 Euro festgesetzt hat."

Diese Meinung darf der Senat ruhig haben....:icon_pause:
.
 

vagabund

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#30
Welch wundersame Erkenntnis :icon_twisted: .... das hat ihr wohl das BSG geflüstert...

Von der Leyen hatte in der "Rheinischen Post" eine Reform der Hartz-IV-Regelsätze für Kinder gefordert. "Es muss genau festgelegt werden, was ein Kind braucht", sagte die CDU-Politikerin. "Der Bedarf eines Kindes kann nicht mit einem beliebigen Prozentsatz vom Bedarf eines Erwachsenen abgeleitet werden. Deshalb ist der Arbeitsminister in der Pflicht, in Euro und Cent darzulegen, was ein Kind in welchem Alter braucht."
 

biddy

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#31
Mich erinnert das an meine "sprechenden Puppen" aus meiner Kindheit ... ach nee, ich hatte nur eine einzige, die ging auch bald kaputt. *wegschleich*
 

Mario Nette

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#32
Mir fällt gerade das ein und auf: Der Kinderregelsatz wird momentan vom Erwachsenenhöchstsatz berechnet. Warum denn das? In den Fällen, in denen Kinder zur Bedarfsgemeinschaft gehören, müsste doch nachvollziebarerweise so verfahren werden, wie als wenn weitere Erwachsene zur BG gehören: Nämlich Regelsatzverminderung. Nicht dass ich das will. Wirklich nicht. Aber kann mir das mal jemand erklären, ich verstehe das nicht.

Mario Nette
 
E

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#33
Warum weitere Erwachsene? Versteh ich jetzt nicht. Es geht doch um die v.H.- Sätze bzw. % vom Haupt- RS.
Wenn beide Eltern sind, naja... aber du wirst die da oben doch nicht noch auf dumme Ideen bringen wollen.:eek:
 

theota

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#34
Mir fällt gerade das ein und auf: Der Kinderregelsatz wird momentan vom Erwachsenenhöchstsatz berechnet. Warum denn das? In den Fällen, in denen Kinder zur Bedarfsgemeinschaft gehören, müsste doch nachvollziebarerweise so verfahren werden, wie als wenn weitere Erwachsene zur BG gehören: Nämlich Regelsatzverminderung. Nicht dass ich das will. Wirklich nicht. Aber kann mir das mal jemand erklären, ich verstehe das nicht.

Mario Nette
gibt's eigentlich eine Grundlage dafür, warum der 2. Erwachsene einer BG
weniger bekommt?

wenn's danach geht, was ungerecht ist...

da hätt ich viele Fragen an die Gesetzgeber

z.B. warum der Mehrbedarf für Alleinerziehende mit Eintritt in das 7 Lebensjahr des Kindes von einem Tag auf den Anderen von € 124/mtl. auf € 42/mtl. fällt

usw.

und so fort

gutgemeinte Grüße,

theota

:icon_smile:
 

Mario Nette

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#35
gibt's eigentlich eine Grundlage dafür, warum der 2. Erwachsene einer BG
weniger bekommt?
Ja, es wurde eine benannt - und zwar wurde bekundet, dass man in einer BG gemeinsam Dinge benutzt. Gemeint ist damit der verminderte Bedarf bei der Anschaffung von Haushaltsgütern - sowohl solchen, die nicht essbar als auch solchen, die essbar sind.

Also grob am Stammtisch gesprochen: In einer BG kriegst du weniger Geld für Zigaretten, weil du ja passiv rauchen kannst :icon_twisted: Und weniger Klamotten, weil der Herr des Hauses mit den Kleidern und Röcken der Dame spazieren gehen kann. :icon_party:


@ashna

Wer allein ist, kriegt 351 €
Wer als Erwachsener mit noch einem Erwachsen lebt, kriegt 316 €, weil: siehe Antwort zu theota
Wer als Kind mit einem Erwachsenen lebt kriegt x % des RS eines allein lebenden RS. Aber warum das? Gilt hier nicht mehr, was ich an theota schrieb?


Ich betone noch einmal, dass ich keine Verminderung will, egal wen es betrifft. Es ist eine Frage, die darauf abzielt, den Schwachsinn in der Berechnung der Kinderregelsätze von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten.

Mario Nette
 
E

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#36
Die ganze Berechnungsgrundlage von Hartz4 ist Schwachsinn.
Man kann es drehen und wenden wie man will, irgendeine Benachteiligung gibt es immer.

Wenn man dem Kind, was mit 2 Erwachsenen in einer BG lebt nur den prozentualen Teil eines an Zwei angepassten RS zugesteht, gibt es wieder Geschreie... dann vielleicht auch von nicht- Hartzern, weil denen vielleicht mal was auffällt... dann kämen die hohen Herren wieder mal in Erklärungsnot.

Oder die kommen wieder mit dem Standard- Satz: Alle Kinder sollen die gleichen Chancen haben, so auch finanziell.:icon_laber:
 

theota

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#37
Ja, es wurde eine benannt - und zwar wurde bekundet, dass man in einer BG gemeinsam Dinge benutzt. Gemeint ist damit der verminderte Bedarf bei der Anschaffung von Haushaltsgütern - sowohl solchen, die nicht essbar als auch solchen, die essbar sind.

Also grob am Stammtisch gesprochen: In einer BG kriegst du weniger Geld für Zigaretten, weil du ja passiv rauchen kannst. Und weniger Klamotten, weil der Herr des Hauses mit den Kleidern und Röcken der Dame spazieren gehen kann.


@ashna

Wer allein ist, kriegt 351 €
Wer als Erwachsener mit noch einem Erwachsen lebt, kriegt 316 €, weil: siehe Antwort zu theota
Wer als Kind mit einem Erwachsenen lebt kriegt x % des RS eines allein lebenden RS. Aber warum das? Gilt hier nicht mehr, was ich an theota schrieb?


Ich betone noch einmal, dass ich keine Verminderung will, egal wen es betrifft. Es ist eine Frage, die darauf abzielt, den Schwachsinn in der Berechnung der Kinderregelsätze von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten.

Mario Nette
und bei deinem - wenn auch etwas provokanten - Beispiel zu bleiben: Kinder können nun mal nicht die gleichen Kleidungsstücke tragen wie die Erwachsenen :icon_mrgreen:

nein, mal ein ernsthafter Versuch: vielleicht geht es bei den beiden Erwachsenen darum, solche Dinge wie Telefonanschluß, Büromaterial (genannt "Nachrichtenübermittlung im Warenkorb des RSes), Kauf von Familienpackungen bei Lebensmitteln und der der Gesundheit (Hygieneartikel, Medikamente der Hausapotheke, welche nicht verschreibungspflichtig sind) o.Ä. "halbieren" zu können? :icon_kinn:

gut, Ersteres könnten Kinder natürlich auch mitbenutzen, daher ist der RS von Kindern ja auch geringer als der eines Erwachsenen, aber anders sieht es da schon aus bei Lebensmitteln; je nach Alter muß separat für Nahrung im Gegensatz zu der der Erwachsenen gesorgt werden, ebenso wie bei Gesundheit (Hygieneartikel und "Standard"-Medis wie Zäpfchen etc.)

wobei bei Kindern gerade die Bekleidungskosten stärker zu Buche schlagen dürften, da Kinder sich noch im Wachstum befinden und hier öfter neue Kleidung angeschafft werden muß, ob man nun will (Geld dafür übrig hat) oder nicht

von Kosten für Kindergarten und Schule (Bastelmaterialien, eintägige Ausflüge, etc.), sowie später auch für kieferorthopädische Behandlungen etc. gar nicht erst zu sprechen, da all dieses auch noch nicht eiinmal anteilig im RS von Kindern enthalten ist

zu erwähnen wären hier auch noch Beiträge zu Sportvereinen, welche im Gegensatz zu den Erwachsenen bei Kinder oft entwicklungsbedingt notwendig wären (angesichts der o.g. Zusatzkosten für Kinder für mich schon nicht mehr finanzierbar)

Die ganze Berechnungsgrundlage von Hartz4 ist Schwachsinn.
Man kann es drehen und wenden wie man will, irgendeine Benachteiligung gibt es immer.

Wenn man dem Kind, was mit 2 Erwachsenen in einer BG lebt nur den prozentualen Teil eines an Zwei angepassten RS zugesteht, gibt es wieder Geschreie... dann vielleicht auch von nicht- Hartzern, weil denen vielleicht mal was auffällt... dann kämen die hohen Herren wieder mal in Erklärungsnot.

Oder die kommen wieder mit dem Standard- Satz: Alle Kinder sollen die gleichen Chancen haben, so auch finanziell.
so sieht's aus!

wenn, dann müßte hier von Grund auf eine neue Berechnung her

nachdem was ich hier in einem anderen Thread zu Alternativen zu Hartz IV lese, kann man auch hier mal wieder nur das Beste hoffen...:icon_rolleyes:
 

Paolo_Pinkel

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#38
Mit dem „Vierten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ (Hartz IV), das am 1. Januar 2005 in Kraft trat, wurde die Arbeitslosenhilfe durch das Arbeitslosengeld II ersetzt – eine reine Fürsorgeleistung, die nicht mehr den früheren Lebensstandard zum Maßstab der Leistungsgewährung für Langzeitarbeitslose macht. Dies führte zur Schlechterstellung von Millionen Menschen sowie zur Aufspaltung der bisherigen Sozialhilfeempfänger/innen in erwerbsfähige, die Alg II beziehen, einerseits und nichterwerbsfähige, die Sozialgeld bzw. -hilfe erhalten, andererseits. Daraus wiederum erwuchsen neue Gefahren einer Stigmatisierung dieser Personenkreise nach dem Grad ihrer Nützlichkeit bzw. ihrer ökonomischen Verwertbarkeit. Von Christoph Butterwegge...

NachDenkSeiten - Die kritische Website » Hartz-IV-Sätze für Kinder und Erwachsene erhöhen!

Gruss

Paolo
 
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