Bewerbungsart zwingend wenn vom AG gewünscht, einhalten? (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

Lilastern

StarVIP Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
21 Mai 2011
Beiträge
7.871
Bewertungen
2.315
Wenn der Arbeitgeber eine bestimmte Bewerbungsart wünscht, per E-Mail oder telefonisch. Der elo bewirbt sich aber per Post und bezieht ALG 2 kann man dem dann eine Vereitelung der Kontaktaufnahme vorwerfen?

Kann dann eine Sanktion drohen?
 

Ahanit

Elo-User*in
Mitglied seit
24 Oktober 2011
Beiträge
238
Bewertungen
108
Da dich niemand zwingen kann über telefon oder E-Mail zu verfügen, kann man auch niemand erwarten das man diese Bewerbungsarten nutzt.

Für das Amt ist das kein Sanktionsgrund, denn du hast dich ja beworben, Tel und Mail standen nicht zur Verfügung also hast du die einzige Möglichkeit genutzt die du hattest...

Was anderes ist es wenn du einen Job wirklich willst. Dann solltest du dich möglichst an die Vorgabe halten, weil es sonst in der Ablage P fallen könnte.... Viele irmen Präferieren Online Bewerbungen, weil sie bei Anstellung die Dkumente eh Digitalisieren müssen für ihren Stammdatensatz. bei Postalischer Bewerbung wäre das zusätzliche Arbeit. zudem entscheidet heute nicht mehr einer allein, sondern einer sortiert vor, schickt weiter zweite sortierung schickt weiter und dann die entscheidung wer eingeladen wird und wer nicht. Mit Papiersendungen ist das unpraktisch mit Digitalem Datensatz hingegen geht es sehr schnell...
 

Seepferdchen 2010

Super-Moderation
Mitglied seit
19 November 2010
Beiträge
23.527
Bewertungen
13.474
Und hier mal zum nachlesen einige Urteile was man so alles beachten sollte, hier mal ein Zitat daraus:

Dies ergibt sich schon daraus, dass der Antragsteller weder die vom Arbeitgeber geforderte Form - schriftlich - beachtet noch die geforderten Unterlagen - vollständige Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf u. Zeugnisse) - mitübersandt hat. Insoweit ist nicht ersichtlich, aus welchem Grund der Antragsteller nicht in der Lage gewesen sein sollte, zumindest einen Lebenslauf seiner E-Mail als Datei beizufügen.
https://www.elo-forum.org/alg-ii/83519-achtung-bewerbungsfalle.html
 

Pixelschieberin

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
2 Juli 2011
Beiträge
4.811
Bewertungen
11.137
Na toll:
Und hier mal zum nachlesen einige Urteile was man so alles beachten sollte, hier mal ein Zitat daraus:
[...] Insoweit ist nicht ersichtlich, aus welchem Grund der Antragsteller nicht in der Lage gewesen sein sollte, zumindest einen Lebenslauf seiner E-Mail als Datei beizufügen.
https://www.elo-forum.org/alg-ii/83519-achtung-bewerbungsfalle.html
Das Dunkel, aus welchem Grund der Antragsteller nicht in der Lage gewesen sein sollte, zumindest einen Lebenslauf seiner E-Mail als Datei beizufügen, läßt sich erhellen.
Auch wenn ein Beamtenspacko das nicht so eng sieht:
Elektronisch übermittelte Daten entziehen sich der Kontrolle des Absenders.
Ist halt nicht jeder so sorglos und streut FB-mäßig Daten durch die Gegend. Kenne ich die Sicherungssysteme des Empfängers?
Selbst wenn ich PDFs gegen Bearbeiten, Ausdrucken und Text-Kopieren sichere, ist mir nie so ganz wohl, sowas an Fremde zu schicken.
Muß nicht jedes Mal neu entschieden werden, ob dem Adressaten über den Weg getraut wird?
Ich möchte potentielle Weisungsbefugte lieber vis à vis sehen um einschätzen können, ob's paßt, ehe der solch quecksilbrige Daten von mir erhält.

Das war/ist doch mit Papier überschaubarer, kann davon ausgegangen werden, daß sich keiner der Mühe unterziehen wird, die komplette Mappe zu kopieren und X Leuten zu schicken.
Aus Versehen im Verteiler gelandet? Soll mir keiner erzählen, daß jemand die Mail nicht lest, die gar nicht für ihn bestimmt war. Der Disclaimer steht i. d. R. auch nie zu Beginn.


Ach ja, es soll noch Leute geben, die noch nicht mal wissen, wie eine PDF erstellt wird.
Das nur am Rande.
 

geldadel

Elo-User*in
Mitglied seit
6 April 2016
Beiträge
36
Bewertungen
0
Wenn du keine EGV oder VA hast, wo das geregelt ist, dann nein.
Du solltest aber aber gegebenfalls erklären, dass du der Meinung warst, richtig gehandelt zu haben
 

Der Auflehnende

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
27 September 2014
Beiträge
690
Bewertungen
1.012
Grundsätzlich darf eine andere Bewerbungsart, wie vom potenziellen AG erwünscht, nicht vom JC sanktioniert werden. Es kommt auf den Inhalt an.

Berlit in Münder, LPK-SGB II, 5. Aufl. 2013, § 31 Rn 21
Sanktioniert werden darf nur die Verletzung einer tatsächlich vereinbarten, durch Verwaltungsakt auferlegten Obliegenheit, bei Festlegung lediglich einer bestimmten Zahl monatlicher Bewerbungen also nicht deren schlechte, fehlerhafte Gestaltung (LSG Sachsen, 02.04.2008 – L 2 B 141/08 AS-ER) oder eine im Bezugsraum unregelmäßig, „diskontinuierliche“ Durchführung der Bewerbungsbemühungen. Nicht zu berücksichtigen sind dabei aber Bewerbungen, die nach ihrem Inhalt so abschreckend waren, dass sie von vornherein darauf zielten, nicht als ernsthafter Bewerber in Betracht gezogen zu werden (LSG BW 21.6.2012 – L 7 AS 4298/11).
 

0zymandias

StarVIP Nutzer*in
Mitglied seit
31 Juli 2012
Beiträge
7.334
Bewertungen
14.789
[...]
Elektronisch übermittelte Daten entziehen sich der Kontrolle des Absenders.
[...]
Ergänzung: Das Argument lässt sich mit dem Google-Suchwort "CV-Parsing" noch hübsch ausstaffieren.
Man findet z.B. unter https://www.lecturio.de/magazin/cv-parsing-bewerbung/ (Fettdruck von mir):
CV Parsing bedeutet also nichts anderes als das automatische Einlesen von Lebensläufen und deren Übertragung in das Bewerbermanagementsystem. Die Technologie kann dabei neben Namen, Adressen und Geburtsdaten unter anderem auch Abschlüsse, Berufserfahrungen, Fachkenntnisse und sogar das Foto identifizieren und in die korrekten Felder einspeisen.

Das funktioniert je nach Software nicht nur bei PDF- und Worddokumenten, sondern auch für Dateiformate wie Open Office, txt, rtf, html, png, jpg und gif. So lassen sich neben zugesandten, gescannten oder hochgeladenen Lebensläufen auch Profile in sozialen Netzwerken wie XING auslesen.
Und zum Speisen bedürftiger Datenbanken kann auch ein Erwerbsloser nicht gezwungen werden, wegen dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung.
 

Solanus

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
8 August 2006
Beiträge
2.550
Bewertungen
2.338
Nicht zu vergessen: Datenschutz!!!!

EineeMail ist ein offener Brief bei dem JEDER mitlesen kann.

Sprich eine Bewerbung in einer eMail mit Lebenslauf und womöglich noch Zeugnissen ist, als wenn Du beides einfach auf die Strasse wirfst und sagst "Jeder hole sich was er mag!". Jeder kann und wird zugreifen, besonders die bekanntlich sehr interessierten Geheimdienste und im I-Net fischende "Ganoven".

So wird der Erpressung, dem Identitätsdiebstahl und anderen Delikten Tür und Tor geöffnet.

Es ist eine Kleinigkeit bei einer abgefischten Bewerbung bei Versandhändlern Konten zu eröffnen und auf Kosten des eMail-Versenders einzukaufen...Konten zu eröffnen, Anträge zu stellen, etc.
 

cat44

Elo-User*in
Mitglied seit
13 Februar 2016
Beiträge
210
Bewertungen
45
Es bestehen aufgrund der tatsächlichen Feststellungen des LSG zunächst keine rechtlichen Zweifel daran, dass der Kläger sich geweigert hat, eine Arbeit anzunehmen. Weigern in diesem Sinne bedeutet regelmäßig die vorsätzliche, ausdrückliche oder stillschweigende, schriftlich, mündlich oder in anderer Weise dem Leistungsträger oder dem Arbeitgeber zum Ausdruck gebrachte fehlende Bereitschaft, sich an die durch das Gesetz auferlegte Pflicht zu halten. Die Aufnahme einer Tätigkeit kann mithin auch durch konkludentes Verhalten verweigert werden. (B 14 AS 92/09 R)
Ob das Nichtbeachten der vom AG geforderten Bewerbungsart weigern ist, kann ich nicht beantworten. In dem Urteil steht, dass ein Vermittlungsvorschlag vorliegen muss und eine ordnungsgemäße Rechtsfolgenbelehrung.

Ich verlinke mal das Urteil. https://juris.bundessozialgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bsg&Art=en&nr=11917
 

0zymandias

StarVIP Nutzer*in
Mitglied seit
31 Juli 2012
Beiträge
7.334
Bewertungen
14.789
Dann haben wir schon einmal ein Urteil, dass eine Nicht-Bewerbung zu einer Sanktion führen kann.

Wenn der Arbeitgeber eine bestimmte Bewerbungsart wünscht, per E-Mail oder telefonisch. Der elo bewirbt sich aber per Post und bezieht ALG 2 kann man dem dann eine Vereitelung der Kontaktaufnahme vorwerfen?

Kann dann eine Sanktion drohen?
Im Alg-II-Bezug droht immer eine Sanktion.

Dass Du diese Frage stellst, bedeutet, dass Du über die Rechtsfolgen nicht belehrt worden bist.

Im § 31 SGB II (1) steht die notwendige Bedingung "Erwerbsfähige Leistungsberechtigte verletzen ihre Pflichten, wenn sie trotz schriftlicher Belehrung über die Rechtsfolgen oder deren Kenntnis [...]".
Wenn keine Kenntnis über die Rechtsfolgen der Entscheidung zur Bewerbungsart in einer Rechtsfolgenbelehrung vorliegt oder sicher anders abgeleitet werden kann, sollte es eigentlich schwer werden mit einer Sanktion.
Leicht macht es sich aber vielleicht das JC damit.

Der genannte Paragraf bietet eine zusätzliche Möglichkeit, von der Schippe zu springen, mit "Dies gilt nicht, wenn erwerbsfähige Leistungsberechtigte einen wichtigen Grund für ihr Verhalten darlegen und nachweisen.",
Das wäre bei mir regelmäßig eine panische Angst vor Sanktionen und das tief innewohnende Bedürfnis, meine Bewerbungsbemühungen möglichst sicher nachweisen zu können.

Da ist das Papier-Schriftliche jederzeit dem Telefonischen, Persönlichen oder dem E-Mailverkehr vorzuziehen.
(Habe ich bisher immer so gemacht und bisher keine Probleme damit.)
 
E

ExitUser

Gast
Der genannte Paragraf bietet eine zusätzliche Möglichkeit, von der Schippe zu springen, mit "Dies gilt nicht, wenn erwerbsfähige Leistungsberechtigte einen wichtigen Grund für ihr Verhalten darlegen und nachweisen.",
Das wäre bei mir regelmäßig eine panische Angst vor Sanktionen und das tief innewohnende Bedürfnis, meine Bewerbungsbemühungen möglichst sicher nachweisen zu können.
Das würde bedeuten, die Bewerbungsunterlagen besonders wichtigen Arbeitgebern vom Gerichtsvollzieher zustellen zu lassen.
Zum einen wird der Zugang erfahrungsgemäß dann nur noch von den besonders dunklen Lichtern im Mobcenter bestritten, was Dir aber egal sein kann. Zum anderen wird der knallgelbe Umschlag im Posteingang nicht untergehn. Und die Sendung wird in Form und Inhalt über jeden Zweifel erhaben sein. Der Amtsstempel des "Postboten" auf der Rückseite eines der Blätter reicht dann schon aus, um im Hinblick auf bspw. beabsichtigten Lohnbetrug von Anfang an klare Verhältnisse zu schaffen.
 
Oben Unten