Bewerbung mit selbstständiger Nebentätigkeit: Ist dies eher nachteilig oder verbessert es die Chancen?

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franzi

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Diese Frage richtet sich an all jene unter euch, die einer selbstständigen Nebentätigkeit nachgehen.
Ist dieser Status beim Bewerben eher nachteilig für euch oder hattet ihr dadurch schon Vorteile, z. B. dass es euch geholfen hat, eine Stelle zu finden?

Gewiss kommt es auch darauf an, in welcher Branche diese Nebentätigkeit ausgeübt und ob die Tätigkeit inhaltlich in einem ähnlichen Bereich liegt wie die Stellen, auf die man sich bewirbt.

Verschweigen kann und soll man die Nebentätigkeit ja nicht, und auch im Lebenslauf scheint sie auf.

Es gibt aber auch den Fall, dass man sich für den Hauptberuf in einer völlig anderen Branche bewirbt als die Tätigkeit, die man als Nebenberuf ausübt.
Bsp.: Man bewirbt sich als Bürokraft und hat eine selbstständige Nebentätigkeit in der Gastronomie

Weiterer Fall:
Man bewirbt sich auf Stellen (u. a. Vermittlungsvorschläge), die nur eine sehr niedrige Qualifikation voraussetzen, z. B. als Helfer. In der Nebentätigkeit übt man aber eine Tätigkeit aus, die deutlich höhere Qualifikationen verlangt und eine anspruchsvolle Aufgabe ist

Wie reagieren die Arbeitgeber darauf? Kann das auch abschreckend wirken?
Auf die Auswahl von Vermittlungsvorschlägen, die vom JC kommen, hat man ja kaum Einflussmöglichkeit. Man muss sich bewerben. Auch in berufsfremden Bereichen.
Und dann hat man eine Nebentätigkeit, die entweder völlig branchenfremd ist oder eine völlig andere Qualifikation erfordert.
 

Nena

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Was für eine Nebentätigkeit hast Du denn, und auf welche Stelle willst Du Dich denn gerade bewerben?

Wenn ich eine Stelle will, dann sage ich natürlich nicht, dass ich schon etwas anderes mache - denn natürlich gebe ich diese "Nebentätigkeit" auf für einen guten Job. Und kann ja dann nach der Probezeit nochmal überlegen. Oder hast Du vor, die Nebentätigkeit weiter zu machen (denn nur dann wäre es überhaupt erwähnenswert)? Trotz neuem Job? Das traust Du Dir wirklich zu?
 

bebes

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Grundsätzlich bewerte ich Nebentätigkeiten positiv, zeugen sie doch von einem gewissen Engagement. Das gilt auch und grade wenn die Nebentätigkeit ganz andere Fertigkeiten als die Haupttätigkeit erfordert. Gute Arbeitgeber können von vielfältig interessierten, aufgeweckten Arbeitnehmern ja nur profitieren.

Überqualifikation kann allerdings in der Tat ein Einstellungshemmnis sein, wie du schon vermutest. Die meisten gut qualifizierten Beschäftigten, die anspruchsvollen Tätigkeiten nachgehen bleiben nicht lang wenn es für sie zu fad wird.
 

franzi

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Es ging hier nur um fiktive Beispiele, die aber durchaus vorkommen können.

Diese Nebentätigkeit werde ich auf jeden Fall weitermachen, da ich nur einen sehr geringen Arbeitsaufwand damit habe.
Das würde auch die Haupttätigkeit in keiner Weise beeinträchtigen.

@bebes: Genau das war auch mein Gedanke. Einerseits kann ich mit der Nebentätigkeit meine Fähigkeiten und Kenntnisse nachweisen und präsentieren, wenn es aber eine Stelle ist, für die nur niedrige Qualifikation erforderlich ist, könnte das für den Arbeitgeber eher abschreckend wirken.

Außerdem stellt sich dann auch die Frage der Entlohnung. Wenn aus der Nebentätigkeit schon ersichtlich ist, dass man eine höhere Qualifikation hat, kann sich der Arbeitgeber fragen, warum man sich dann gerade als Steineklopfer im Straßenbau bewirbt.

Es gibt auch Arbeitgeber, die generell eine Abneigung gegen Selbstständige haben, weil die einfach eigenständiger agieren, unternehmerisch denken und nicht so leicht zu führen sind wie normale Angestellte.
 

Gollum1964

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mahlzeit,

bezugnehmend auf deine Frage: ja und nein

Es ist sicherlich positiver - insbesondere bei Langzeitarbeitslosigkeit - überhaupt eine Tätigkeit aufzuweisen. Hierbei ist eine qualifikationsmäßig gleichwertige Tätigkeit natürlich ideal, aber auch eine minderwertige Tätigkeit immer noch besser als garnichts. Zumindest kann mir der Gesprächspartner im Vorstellungsgespräch oder schon vorher bei der Sichtung der Bewerbungsunterlagen nicht von vornherein als "faulen Sack" abstempeln. Bei langer Arbeitslosigkeit vermutet der Arbeitgeber - ähnlich wie der SB im Jobcenter - ohnehin eine tendenziell niedrigere/ bzw. erodierte Qualifikation und nicht eine übermäßig hohe. Daher spielt es dann keine Rolle, ob man nichts tut oder eine einfach gestrickte Selbstständigkeit.
Ich mache durch meine Selbstständigkeit auch eigentlich nur eine "niedere Tätigkeit" ggü. der beruflichen Qualifikation, aber das ist mir ehrlich gesagt mittlerweile egal. Ich bin Pragmatiker.

Auf der anderen Seite möchten viele Arbeitgeber für "normale Positionen" lieber doch keine Chefs einstellen, auch wenn man durch die selbstständige Tätigkeit vorher nur "sein eigener Chef" war.
 
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franzi

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@Gollum1964 : Genau, das dachte ich mir auch. Jemanden als faulen Sack abzustempeln, nur weil das so schön ins Klischee passt, geht dann nicht mehr.
Gerade wegen der Gefahr der "erodierenden Qualifikationen" habe ich mich ganz bewusst für meine Nebentätigkeit entschieden.
Ich habe mich dafür sogar weitergebildet und meine bereits bestehenden Kenntnisse aufgefrischt bzw. erweitert.
Dadurch ist nichts erodiert, sondern ich konnte sie sogar noch weiter ausbauen.

Hinzu kommt, dass ich im Rahmen eines Angestellten-Verhältnisses nie so eine niveauvolle Tätigkeit angeboten bekommen habe (schon gar nicht vom Arbeitsamt). Ich habe mir quasi passend zu meinen Qualifikationen selbst diese Aufgabe maßgeschneidert kreiert.
Damit kann ich auch - ganz konkret - die Mär von den "bildungsfernen Schichten" widerlegen.

Für mich war die Nebentätigkeit daher eindeutig ein Upgrade und hat eben auch dazu beigetragen, dass meine erworbenen Qualifikationen nicht entwertet wurden, sondern durch aktive Nutzung wieder aufgefrischt und dadurch auch aktualisiert werden.

Das Argument, was man immer wieder von Arbeitgebern hört: "Ihre Ausbildung liegt ja schon X Jahre zurück, da können wir Sie nicht mehr als Fachkraft einstellen.", ist so nicht mehr haltbar.

Im Grunde bin ich auch Pragmatiker. Mir ist wichtig, dass das "Ding" läuft (egal, ob ich jetzt Würstchen verkaufe oder Designerpullis stricke), was andere dazu meinen oder ob sie die Nase rümpfen, ist mir ziemlich schnuppe.

Im "richtigen Leben" hätte ich für diese Tätigkeit vermutlich eine Menge "Vitamin B" gebraucht. Das habe ich übrigens bis heute nicht und so lange wollte ich auch nicht warten, bis irgendwer meine Fähigkeiten entdeckt und mich auf den richtigen Posten schubst. Da wäre ich schon ergraut. Und dann müsste ich demjenigen auch noch ewig dankbar sein ...
 
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MoHo

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Es gibt auch Arbeitgeber, die generell eine Abneigung gegen Selbstständige haben, weil die einfach eigenständiger agieren, unternehmerisch denken und nicht so leicht zu führen sind wie normale Angestellte.
Bei diesen Arbeitgebern würde ich eh nicht arbeiten wollen. Das voraus.

Aber grundsätzlich lesen sich solche Sätze eher wie Stammtischparolen. Denn genau dieses Denken wollen Arbeitgeber doch haben, eigenständiges Handeln und auch Entscheidungen treffen können, und denken können wie ein Unternehmen.
All das sind doch Vorteile.

Dieses leicht zu führen..... sorry, aber das klingt nun auch nicht nett! Denn damit unterstellst Du allen selbstständigen keine Sozialkompetenz zu haben. Oder vielmehr das Denken darüber.

Ich habe in meinen Bewerbungen immer mit angegeben, dass ich mit meinen Mann eine Firma habe mit ca 10 Mitarbeiter. Das war nie zum Nachteil!
 

franzi

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@destruktSTEVE : Nein, ich möchte das nicht offenlegen

@MoHo : Bitte genau lesen, was ich geschrieben habe: "nicht so leicht zu führen sind wie normale Angestellte". Dabei ging es nicht um die Sozialkompetenz, sondern um das Problem vieler Arbeitgeber, dass sie keine Mitarbeiter einstellen wollen, die über unternehmerische Fähigkeiten verfügen, weil diese dann nicht so leicht zu führen sind, weil sie z. B. mitdenken, sich aktiv einbringen wollen, vielleicht auch Verbesserungsvorschläge machen usw.

In der Tat wird das in Stellenanzeigen oft als Kompetenzen gewünscht. Wenn es dann aber konkret wird, sieht es wieder ganz anders aus.
 

destruktSTEVE

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Liebe @franzi das ist sehr schade. Denn unternehmerisches Handeln in einer Nebentätigkeit ist selten und wirft natürlich die Frage auf, warum du es nicht hauptberuflich machst. Eigenständig denkende Mitarbeiter sind das Träumchen eines jeden Arbeitgebers. Querulanten natürlich nicht.
 

burki

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Nun, ich würde sagen, dass es immer besser ist, wenn im Lebenslauf aktuell nicht arbeitslos steht.
Allerdings gibt es genug Arbeitsverträge in denen steht, dass ein Nebenerwerb nur nach Zustimmung des AGs erlaubt ist, wobei dies keineswegs (wenn man z.B am Sonntag Semmeln verkauft oder in seiner Freizeit OpenSourceCode entwickelt) zu eng zu sehen ist.
 

Nena

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Es ging hier nur um fiktive Beispiele, die aber durchaus vorkommen können.

Diese Nebentätigkeit werde ich auf jeden Fall weitermachen, da ich nur einen sehr geringen Arbeitsaufwand damit habe.
Wenn es nicht von Relevanz für eine potenzielle Arbeitgeberin ist, solltest Du es weg lassen. Und große unternehmerische Fähigkeiten scheinen auch nicht dahinter zu stecken, wenn es so wenig Aufwand macht/Kraft und Anstrengung kostet.
 

franzi

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@destruktSTEVE : Die hauptberufliche Tätigkeit ist das langfristige Ziel.
@burki : Sehe ich auch so. Die Details wegen dem Nebenerwerb kann man dann mit dem Arbeitgeber immer noch in einem Gespräch klären.
@Nena : Wenn ich es weglassen würde, entstünde der Eindruck, ich ginge keiner Beschäftigung nach
Es gibt auch Tätigkeiten, die nicht mit viel Aufwand verbunden sind. Am Anfang war es ein gewisser Aufwand, mittlerweile hält es sich aber in Grenzen.
 

MoHo

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@MoHo : Bitte genau lesen, was ich geschrieben habe: "nicht so leicht zu führen sind wie normale Angestellte". Dabei ging es nicht um die Sozialkompetenz, sondern um das Problem vieler Arbeitgeber, dass sie keine Mitarbeiter einstellen wollen, die über unternehmerische Fähigkeiten verfügen, weil diese dann nicht so leicht zu führen sind, weil sie z. B. mitdenken, sich aktiv einbringen wollen, vielleicht auch Verbesserungsvorschläge machen usw.
Ich habe genau gelesen und auch verstanden :)

Das was Du meinst, was nicht gewünscht ist, sind die Mitarbeiter, die meinen sie hätten Plan und machen einen Larry. Ja in der Tat, die sind wirklich nicht gerne gesehen.

Ich bin Bürokauffrau Backoffice und IT Und immer hatten die Firmen großes Interesse an mir gehabt. Grade durch meine Fähigkeiten, durch unsere Firma. Ich kannte Abläufe in kleinen, die auch im großen genutzt werden können. Ich wusste was es heißt Verantwortung zu übernehmen und delegieren zu können. respektvoller Umgang war mir wichtig. Ich konnte immer mit meinen Chefs über meine Meinung reden. Ich war immer vielseitig einsetzbar. Ich weiß um meine Fähigkeiten und weiß wo meine Grenzen, durch Ausbildung sind.

All das hat meine Selbstständigkeit mitgebracht. Hätte ich nie in einer Ausbildung lernen können! Und genau das wissen die, die die Einstellungen vornehmen.

Eine Selbständigkeit bitte nicht vergleichen, ich habe mal ein Kleinstgewerbe angemeldet und muckel da ein paar Stunden in der Woche vor mir hin, so ganz für mich.
 

Merzen

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A) Das Arbeitsschutzgesetz sieht in § 5 eine ununterbrochene Ruhezeit von 11 Stunden zwischen 2 Arbeitstagen/Schichten vor. Daran muss sich ein Selbständiger natürlich nicht halten. Aber wenn die Firma (bei der man sich bewirbt) darin ein Problem sieht, dass du nicht genug Ruhezeiten bekommst, dann werden die dich nicht einstellen, weil sie ausgeruhte Mitarbeiter*innen bevorzugen, die auch in stressigen Situationen die Ruhe bewahren.


B) So eine Geschichte mit einer nebenberuflichen Selbständigkeit macht jeden Personaler neugierig und man wird dir im Vorstellungsgespräch auf den Zahn fühlen. Wenn du nicht richtig vorbereitet bist, dann finden die ruckzuck heraus, wie viel von der Geschichte Fake ist und wie viel du tatsächlichen Einsatz im Nebengewerbe zeigst.
 

franzi

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ad A) Die Ruhezeiten werden auf jeden Fall eingehalten
ad B) Den Einsatz in der Nebentätigkeit kann ich jederzeit umfassend nachweisen. Da ist kein Fake. Es ist alles öffentlich einsehbar.
 

Hyena

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Bitte fühl dich nicht auf den Schlips getreten, aber ich stolper über dein:
"Nein, ich möchte das nicht offenlegen" und deinem nachfolgenden "Es ist alles öffentlich einsehbar."

destruktSTEVE hat ja nicht gebeten irgendwelche Klarnamen zu nennen, sondern scheinbar aus Neugier den Bereich erfragt.
Hättest ja auch grob Handmade oder Bürobereich nennen können. Weil ich für meinen Teil bin nur noch neugieriger geworden ;) (in Zusammenhang mit deinen beiden Äußerungen).
Gleichzeitig geht es wieder um ein fiktives Beispiel, trotzdem weißt du darauf hin, dass dies kein Fake sei.

Manchmal blickt man nicht mehr ganz durch, wenn man alles liest und versucht sich einen klaren Gedanken zu bilden.

Aber dies ist nur meine persönliche Meinung, ist ja nicht so, dass ich nicht schon lange mit einer Selbstständigkeit im Kleingewerbe spiele, ich aber auch weiß, was das für ein Rattenschwanz sein kann (und deswegen noch nie wirklich was handfestes wurde)
 
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