Beurteilungspraxis bei Coaching-Maßnahmen (auch 16i) und Datenschutz…Akademiker übrigens auch nicht verschont (1 Betrachter)

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carlo10

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Moin ;)

Ich möchte mit diesem Thread ein Forum für einen Austausch ausschließlich über die Eingriffe in das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung durch die sog. Coaching- Maßnahmen (wovon auch in anderer, aber ähnlicher Weise auch 16 i (+e) Maßnahmen wie die sog „beschäftigungsbegleitende ganzheitliche Betreuung“ gehört) eröffnen.
Dabei stelle ich hier mal das Geblubber einer Beurteilung nach § 61 SGB II rein: Bei der zuvor absolvierenden Maßnahme war ich Insasse. Die Maßnahme fand zwar nicht im Rahmen von 16i SGB II statt, gleichwohl gibt mein hier veröffentlichtes bestes Zeugnis ever Aufschluss darüber, was so bei Bewerbungs- Coaching- Maßnahmen für Zuschreibungen von inneren Einstellungen, mithin Sozialdaten, erhoben werden, wenn man scheinbar harmlose Details beachtet.
Und das 16i Coaching geht ja noch viel weiter als das Jobcoaching in meiner Maßnahme.

Ob bei 16i oder 16 d (1 € Job) etc. – Maßnahmen: Bei allen muss ein Bericht nach § 61 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 SGB II, wonach „Leistung und Verhalten“ der/des Teilnehmers_in beurteilt werden muss, erstellt werden.

Grundsätzlich müssen Erwerbslose nach einschlägiger Rechtsprechung die (meist sozialpädagogische) Verhaltensforschung zulassen (Urteil im Fall von Z: LSG HH Az.: L5 AS 48/49 v.21.05.10 bzgl. der Schlüsselkompetenzen). Erfasst werden Persönliche (Eignung, Motivation etc), Soziale (Kommunikative Kompetenz sowie Sozialverhalten) und neuerdings (also nach dem Urteil) auch Methodenkompetenz (Selbstmanagement, Methoden der Wissensaneignung (wir sind ja als Hartzies nie in der Schule gewesen) bei sog. „Eignungsfeststellungen“ sogar im Rahmen von 1 € Jobs. In der Schule nennt man das Kopfnoten, welche ja auch wieder eine Renaissance erleben.



Und das 16i Coaching geht wie gesagt noch weiter in die Tiefe wie im Folgenden angerissen:

In der von Dinoboot dankenswerterweise recherchierten „Anlage 3 zum Infopaket“ der BA unter der Überschrift "Grundsätze für das Ausüben von Beurteilungsermessen" von 2018 heißt es im 4. Gliederungspunkt:

"dürfen keine Ausführungen über innere Einstellungen, Gefühle, Ansichten...."

gemacht werden.

Hier geht´s darum, zum einen zu verstehen, was die BA in ihrer "elektronischen Maßnahmenabwicklung" unter einer selbst ihrer eigenen Feststellung nach zu urteilen unzulässigen Datenübermittlung von "inneren Einstellungen" versteht und zum anderen, was sie so alles - natürlich nur implizit angesprochen- wissen will und darf.
Bei mir heißt es in meinem Superzeugnis („Maßnahmeziel nicht erreicht“), dem Abschlussbericht nach 61:

„…Sollte sich an dieser Grundhaltung (der Verweigerung der Annahme von Jobs im alternativen Bereich, was damals konkret z.B. Krankentransportjobs hieß, aufgrund von höherer Qualifikation Carlo) nichts ändern, steht XY ( Maßnahmeträger bzw. Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung, Carlo) einer Jobaufnahme eher skeptisch gegenüber..."

Hier wurde mir eine defizitäre Grundhaltung zugeschrieben, weil ich z.B. jenen o.g. Job ablehnte. Der Kurs hieß "Akademikerpotentiale sichern“, statt Potenziale zu sichern, wurde wie bei Maßnahmen für andere Zielgruppen auch eher Dequalifizierung mit z.B. für uns unsinnigen Telefonübungen für Bewerbungsgespräche betrieben. Statt „Stärkung der persönlichen Ressourcen“ wurden die Ressourcen durch Demoralisierung abgebaut. (Bei dem angebotenen Krankentransport-Job etwa war noch nicht mal eine Fachkraft- Ausbildung erforderlich).

Zur in der Beurteilung angeführten „Grundhaltung“- ein harmloses Wort ?

Es stellt sich die Frage, ob nach den „Grundsätzen für das Ausüben von Beurteilungsermessen“ beispielsweise die im o.g. Abschlussbericht erwähnte sog. „Grundhaltung“ (z.B. bewirbt sich nicht auf jeden Job) noch ab 2018 weiterhin zugeschrieben werden kann.

Denn die Ermittlung einer defizitären Grundhaltung bei Klienten, Patienten, Kunden, bzw. Kursteilnehmer_innen einer Coaching- Maßnahme dürfte auch im Kontext mit „inneren Einstellungen“ stehen. Zumindest liegt das nahe.

Kurz zu den Inhalten meiner Maßnahme nach § 16 I SGB II i. V. m § 46 I S 1 Nrn 1,2,4 SGB III: Übliches Programm: Feststellungen zur „Stärken/Schwächen-„, hochtrabend auch mal „Potentialanalyse“ oder mal „Profiling“ (Arbeitslose als Verbrecher_innen) genannt, alles bekannte BA - Coaching Worthülsen.

Nach einer „Orientierungsphase“ (ggf. Jobsuche in „Alternativbereichen“) ging es neben der „Einübung von Arbeitstugenden“ (ne Art Sekundärtugenden) durch „Präsenzpflicht“ dann um monatelanges Bewerbungstraining. Während dieser unfreiwilligen Selbstfindungsphasen herrschte damals ein Überangebot von Arbeitslosen mit ähnlichen Qualifikationen und m. E. damit auch häufig im Grunde austauschbaren USP´s (Alleinstellungsmerkmalen)…Soweit mein Coaching Knast- Bericht.

Nun will lt. 16 i Leistungsbeschreibung, welche sich in den auch dankenswerterweise von Dinoboot recherchierten Ausschreibungen findet, wie gesagt die Verhaltensforschung noch dreister weise viel mehr private Daten zur Einstellung wissen:

Lt. Leistungsbeschreibung für Coaches/Coaching-Träger wird beispielsweise rechtswidrig das soziale Umfeld in den Blick genommen, beispielsweise rechtswidrig "Wertehaltung" und das "Selbstbild" sowie „Selbstkonzept“ erforscht. Rechtswidrig, wenn man die juristischen Stellungnahmen etwa von Günther Stahlmann („Handbuch 1 € Jobs“) zur Kenntnis nimmt. Dabei beruft er sich in der Herleitung seiner juristischen Argumentation auf die Antwort der Bundesregierung in einer SKA der BT-Fraktion Die Linke (Drs. 16/1295 v. 26.04.62) hinsichtlich der damaligen Absicht des Gesetzgebers.

Hinsichtlich der in den BA Ausfüllhinweisen erwähnten o.g. Kategorie „Innere Einstellungen“ dürften Werthaltung und Selbstbild ja beispielsweise auch dazugehören. Jedenfalls liegt dies auch nahe. Und deren Feststellung bzw. Beurteilung sind wie nochmal betont lt. Antwort der Bundesregierung auf besagte SKA Die Linke 2006 schon bei einem Profiling unzulässig.
Doch vieles, was an „innerer Einstellung“ in Verbindung mit einer Jobaufnahme bzw. bei 16i während des Jobs bei 16i (+e) gebracht werden kann, wie etwa Gesülze „Motivation muss noch stabilisiert werden“ und ähnliche Haltungsnoten, darf nach den BA – Unterlagen übermittelt werden.

In Hamburg hat Carola Ensslen, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, auf unsere Initiative hin zum Datenschutz beim 16i Coaching eine SKA (Drs 21/16892 v.23.04.19) gestellt, welche Onkel Tom dankenswerterweise hier ins Eloforum gestellt hat. Die Antworten des Senats ließen jede Menge Fragen offen: Zur Verhaltensforschung, sprich Beurteilung der Maßnahmeinsassen nach Leistung und Verhalten nach § 61 SGB II schweigt sich der Senat aus, es wird lediglich § 50 SGB II angeführt, siehe SKA von Carola.

Mit den Einwilligungserklärungen versucht die BA, ihre Befugnis mit Hilfe der Coaches für einen Einblick in äußerst sensible Daten auszuweiten. Die uns wieder dank Dinoboot vorliegenden Einwilligungserklärungen umfassen die Einbeziehung des sozialen Umfelds, Hilfen zur Bewältigung des Alltags, Coach als Lotse für Kontaktanbahnung zu Einrichtungen der psychosozialen Lebenslagenberatung
und Babysitter für alles. In den uns vorliegenden Einwilligungserklärungen wird z.B. abgefragt, ob man damit einverstanden ist, dass

  • die Maßnahme im Einzelfall auch bei (einer_m) zu Hause stattfindet.
  • mein persönliches Umfeld und/oder Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft (z. B. Lebenspartner/in, Familie, Freunde) in die Beratung und Betreuung miteinbezogen werden in Fragen, die Auswirkungen auf das Beschäftigungsverhältnis haben können.“
Etwas anderes ist die Hilfe nach § 53 SGB XII , bei der man eine Assistenz für die Bewältigung von Alltagsproblemen erhalten kann, wonach meines Wissens kein Bericht ans Jobcenter übermittelt wird.

Auskünfte über Lebensweise, Wohnverhältnisse, Lebensphilosophie, Werte/Werthaltungen, Ideale sowie über Bindungen, Beziehungen (ob Liebe oder Freundschaft) sowie Lebens- bzw. Zukunftsplanung und Lebensbilanz sind vom Coach erwünscht - insbesondere dann, wenn bei Jobaufnahme oder während des Jobs Probleme entstehen. Dann sind die Teilnehmer_innen der schwarzen (Sozial-) Pädagogik ausgeliefert.

Vereinzelt soll es nette Coaches geben. Doch gerät man an den „Falschen“, so wird einem zwar vage die Möglichkeit eines Wechsels des Coaches eingeräumt, doch mit einiger Plausibilität kann unterstellt werden, dass die Ressourcenzuteilung der Träger sehr begrenzt sein dürfte. Nicht zu vergessen, dass alles auch vom Wohlwollen der/des Arbeitsvermittlerin(s) abhängt: Kann- „Leistungen“.

Denn Ziel der meisten vom Jobcenter beauftragten Bewährungshelfer_innen bzw. 16i Coaches ist die Anwendung der schwarzen Pädagogik, welche die Zielgruppe der zumeist älteren Langzeiterwerbslosen einem Generalverdacht aussetzt. Diese Zielgruppe soll bis zur Rente mit Resozialisierungspädagogik, Verhaltenstraining, Motivationstraining und der Vermittlung basaler Kulturtechniken in den Niedriglohnsektor gedrängt werden. Man brauche sich nur genauer z.B. die SBB-HH - Website des „Projekts Vor Teil“ anzusehen. „Vor Teil“ ist eine dem 16i Job vorgeschaltete Gruppen- Coaching- Maßnahme (Quelle: Auskunft der Projektleiterin auf einer von uns besuchten Jobmesse). Auf Nachfrage bestehe angeblich kein Zwang, Coaching Module wie „Outfitberatung“, „Gesunde Ernährung“, „Umgang mit Finanzen“ etc zu besuchen, allerdings würde Präsenzpflicht herrschen. Will man sich keines dieser für Alg2 Bezieher_innen angesichts deren Einkommens nur zynisch anmutenden Module zumuten, so dürfte man wahrscheinlich wie bei vielen 1 € Jobs in einen Computerraum (wohl mit acht Stunden Bewerbungstherapie) abgestellt werden. (Ich lebe mit dem Regelsatz seit über zwei Jahren unwirtschaftlich trotz 13 jährigem Erlernen von Grundfertigkeiten im Rechnen mit zufällig geschossenem Reifezertifikat, und eine gesunde Ernährung fällt meiner Regelsatzbedarfsposition „Aufwendungen für außerhäusliche Kommunikation“ zum Opfer.)

Hinsichtlich der schwarzen Pädagogik im Gruppencoaching, aber mehr noch in der Einzeltherapiebehandlung sollen die psychologischen Schwachstellen der Teilnehmer_innen ermittelt werden, um sie besser „betreuen“ bzw. bearbeiten zu können nach dem Motto: Irgendwann kann Teilnehmer_in den zum zehnten Mal angebotenen Job der Kategorie „Scheiße“ nicht mehr ablehnen. Explizit ablehnen darf man den vom Coach in Zusammenarbeit mit dem sog. Betriebsakquisiteur des Jobcenters zugewiesenen Job nach § 10 SGB II sowieso nicht. In Hamburg sind die angebotenen 16i Jobs i.d.R. umgewandelte 1 € Jobs.
Und dafür wird ein enormer Coaching Aufwand betrieben. Offiziell mit der Begründung, die Abbruchquote zu verringern. Doch vielleicht liegt es nicht an „verhaltensbedingten Auffälligkeiten“ der/des angeblich zu resozialisierenden Teilnehmer_in, sondern an den Jobs (Arbeitsbedingungen, keine Wertschätzung und wenn nur ein paternalistisches Lob des Coaches am besten in Gegenwart des Arbeitgebers wie man es auch Kleinkindern gibt- auch wenn es jetzt eLB statt eHB (erwerbslose „Hilfebedürftige“) heißt…

Ja, wäre klasse, wenn in dieses Forum künftig einerseits viele Superzeugnisse, sprich Abschlussberichte, gern auch noch mit viel mehr Haltungsnoten und Psychoprofilen reingestellt werden und andererseits ein kritischer Austausch über den Datenschutz stattfindet.
 

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franzi

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@carlo10: Danke für den ausführlichen und interessanten Beitrag.
Vor einigen Jahren habe ich auch ein Profiling durchlaufen, welches allerdings im Sande verlief ..., will heißen, für das Ergebnis hat sich niemand interessiert.
Es hatte auch keinen Einfluss auf meine spätere Jobvermittlung, weil Stellen, in dem Bereich, der für mich in Frage kam, nicht vorhanden waren.

Außerdem habe ich gesehen, dass Teilnehmer einer Maßnahme vom Kursleiter beurteilt wurden. Leider ließ dieser einmal unachtsamerweise die Beurteilungsbögen im Kursraum auf dem Schreibtisch liegen, sodass ich darin Einsicht nehmen konnte.
Die Beurteilung ging aber inhaltlich nicht so weit wie von dir beschrieben. Möglicherweise hat man in den letzten Jahren diesbezüglich nachgeschärft.

Wie kamst du denn zu diesem Beurteilungsbogen? Normalerweise bekommt man den als Betroffener nicht zu Gesicht.

Auskünfte über sensible Bereiche sind zwar erwünscht, aber die muss man ja nicht freiwillig geben. Generell gibt es Menschen, die extrem redselig sind und meinen, der SB sei sein Beichtvater. Die verhalten sich dann auch bei Maßnahmen, 1-E-Jobs oder in Coachings so.
Ich möchte von Personen, die für Behörden arbeiten, weder anerkannt, geliebt noch verstanden werden. Daher habe ich mich immer sehr neutral verhalten und nie etwas Privates erzählt.
Über die Wohnverhältnisse erfährt das JC gewisse Eckdaten, wegen den KDU. Ob ich grüne oder karierte Gardinen habe, ist Geschmackssache und letztlich uninteressant.
Über Partnerschaften schweigt man am besten eisern. Viele Elos leben alleine. Was man in der Freizeit macht, ob man jede Nacht bei einem anderen Lover ist, muss man niemandem mitteilen.
Ob ich Vegetarier bin oder jeden Tag ein Schnitzel esse, hat wohl auf meine Arbeitshaltung in einem Betrieb wenig Einfluss, höchstens auf das Verhalten in der Kantine, wenn es denn eine gibt.

Irgendwie ist das vergleichbar mit der Daten-Sammelwut von Internet-Unternehmen. Ja, die wissen viel von mir. Aber was wollen die letztlich damit machen?
Demoralisierung und Entqualifizierung ist eine mittlerweile altbekannte Strategie, die bei jedem Elo angewandt wird, egal ob Akademiker oder nicht.
Habe ich auch schon hinter mir. Die wundern sich allerdings, warum das immer so an mir abperlt ...
Ich bin eingeschüchtert, bedroht, beschimpft worden. Manchmal versuchen sie es mit kumpelhaftem Verhalten, vertrauensvollem Ton, Zuckerbrot und Peitsche.
Früher oder später durchschaut man das Spiel und spielt einfach mit.

Problematisch und gefährlich wird die Sache allerdings, wenn es sich um Erwerbslose handelt, die an psychischen oder Sucht-Erkrankungen leiden. Menschen, die sich aufgrund ihrer fragilen seelischen Konstitution nicht wehren können. Da wird es dann ganz dunkel ...
 

Onkel Tom

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Ohh.. hätte ich mir ja nicht wirklich träumen lassen, das hier endlich mal a bissel Realität zu dem Prophezeiten hinzu kommt..

Ganz klar !!! Ich bin nicht Carlo10 !! Habe ihn lediglich mein Internetanschluss zur Verfügung gestellt ! Nicht mehr oder weniger ?

Wem das nicht gefällt, möchte mich bitte per PN anschreiben..

Bin über Forum-Nebenwirkungen echt entsetzt :sick:

Naja, diese Zeugnis, was man auch nicht unbedingt wegen Lücken und so verheimlichen sollte, kann dazu dienen,sich
Blutsauger und Co.. vom Pelz zu halten..

:)@carlo10 Willkommen im Club und lass uns gemeinsam gegen die Erwerbslosenindustrie anstinken..
 

Onkel Tom

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Sorr.. Feiere gerade auf dein Mut.. Echt goil.. Solch Offenbarung, wie Du sie hier kund tust, ist mehr als begrüßenswert..

Das nächste Bierchien geht auf mich gelle :cool:
 

Gollum1964

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Hallo Carlo10, hallo Onkel Tom

witzig, eine Maßnahme für Akademiker, die in Hilfsjobs vermittelt.
Das du erwähnt hast, dass sich diese Maßnahme vorwiegend an Akademiker im gehobenen Alter zwecks Dequalifizierung richtet, wundert mich nicht richtig.
Normalerweise hätte man dich auch in eine x-beliebige Maßnahme schicken können, die mit Schulabbrechern befüllt wird, weil da wird im Grunde auf dieselben Stellen (einfache Fahrertätigkeit, CC) vermittelt. Das hätte dann aber eher Unruhe gebracht in die Gruppe wegen der inhomogenen Struktur und eine Steilvorlage vor dem Sozialgericht dargestellt, da offenkundig nicht zielgerichtet und bedarfsgerecht zugewiesen worden wäre.
Daher alle Betroffenen in einer Gruppe zwecks Gemeinschaftsaltersdiskriminierung in der Hoffnung, dass alle beim MT der Entmündigung zustimmen.
Wärst du maximal 40 hätte wohl immerhin eine gewisse Chance bestanden, vielleicht eine Umschulung zu erhalten.

Mich würde interessieren, ob du dich gegen diesen Prozeß nur allein gewehrt hast oder ob es auch Mitstreiter gegeben hat. Ich fürchte ein Großteil der Gruppe hatte sich schon innerlich aufgegeben und stumpfsinnig alles mitgemacht.

Mich wollte man als Akademiker + 20 Jahre qualifizierte Berufserfahrung auch schon in BufDi, EEJ und erst kürzlich in kostenlose Probearbeiten verschleißen und hat mir unverblümt zu erkennen gegeben, falls ich den Fehler begangen hatte, mich allein in die Höhle des Löwen zu wagen, dass Leuten über 50 keine sinnvollen Fortbildungen mehr zustehen.

Da helfen leider nur Dauerkrankschreibungen oder konsequente Unterschriftenverweigerungen zur Vermeidung der zusätzlichen Altersdiskriminierung (neben den Arbeitgebern) durch das Jobcenter aber immer mit der Gefahr von Sanktionierungen, die zumindest derzeitig auf 30% begrenzt wird.
 
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franzi

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Dennoch ist es interessant und wichtig, weil sich die Methoden nicht verändert haben.
Ich hatte vor einigen Monaten bei meinem SB auch so ein "Entqualifizierungs-Gespräch". Dabei geht es auch unter die Gürtellinie. Es dient nur der Demotivierung und dass man sich fühlt wie der letzte ... Hier geht es auch um regelrechte Gehirnwäsche-Methoden.
Das sollte man aber, so schwer es auch fällt, keinesfalls ernst nehmen! Man muss immer wissen, wer man ist, was man kann, welche Qualifikationen man hat. Die verschwinden ja nicht über Nacht, nur weil ein SB meint, das gelte alles nicht mehr ...
 

Gollum1964

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Dennoch ist es interessant und wichtig, weil sich die Methoden nicht verändert haben.
Ich hatte vor einigen Monaten bei meinem SB auch so ein "Entqualifizierungs-Gespräch". Dabei geht es auch unter die Gürtellinie. Es dient nur der Demotivierung und dass man sich fühlt wie der letzte ... Hier geht es auch um regelrechte Gehirnwäsche-Methoden.
Das sollte man aber, so schwer es auch fällt, keinesfalls ernst nehmen! Man muss immer wissen, wer man ist, was man kann, welche Qualifikationen man hat. Die verschwinden ja nicht über Nacht, nur weil ein SB meint, das gelte alles nicht mehr ...
moin,

ich habe altersbedingt einige körperliche Beschwerden und keine Lust, aufgrund solcher Psycho-Maßnahmen auch noch beim Psychiater zu landen. Ich würde bei den üblichen Verdächtigen grundsätzlich nichts unterschreiben (weder EGV noch beim MT), um jeglichen obengenannten Übergriffen vorzubeugen. Da muß man dann hart bleiben und dann hoffen, dass der Spuk binnen Stunden oder Tagen vorbei ist. Falls die es doch versuchen, gleich mit Anwalt drohen, das kommt bestimmt gut an bei denen und entsprechende Beschwerden bei den richtigen Stellen der BA aufgeben.
Ich persönlich habe insofern vorgebeugt, weil ich aufgrund meiner freiberuflichen Tätigkeit ca. 150-200 EUR im Monat zusätzlich zur Verfügung habe und notfalls eine 30%-Sanktion abfedern könnte. Für Leute, die das nicht haben, ist natürlich auch eine 30%-Kürzung hart.

Ich finde es aber gut, dass Carlo solche Sachen reinstellt und andere Leute damit vorwarnt. Auch so einen Beurteilungsbogen bekommt man normalerweise nicht so einfach vor Gesicht. Ich vermute, Carlo10 hat deshalb mit dem JC Probleme bekommen (Sanktion?), sodass das ganze vor Gericht ging und er solchen Unterlagen anfordern durfte. Ich hoffe, Carlo10 gibt diesbezüglich noch eine Info preis. Die negative Beurteilung so eines Psychovereins wäre für mich eher eine Auszeichnung als eine Beleidigung, ähnlich wie negative Beurteilungen durch eine ZAF oder CC. Bravo!!!

Ich habe recherchiert, dass die Fits-Konzepte auch in Hamburg sitzen und solche Sachen wohl immer noch im Programm haben.
 
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Onkel Tom

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Diese Beurteilung ist zwar von 2012, zeigt jedoch deutliche Hinweise darauf, wie sich ein Masnahmenträger
beim Teilnehmer bedankt a la "Der will unsere Dreckjobangebote nicht fressen ? Also haue ich ihm so eine rein,
das er sich beim JC dazu verantworten muss."

In meinem damaligen Urteil ging es um die Daten Pünktlichkeit, Sozialkompetenz und Auffassungsgabe..
Gleichzeitig wurden bei der BA bedenkliche Begrifflichkeiten aus dem Server verbannt..
Bis dahin hatte sich niemand darüber gescheert der Beurteilungspraxis Normierung zu geben..
Stattdessen wurde der 61er mit den Worten "Der Teilnehmer hat die Beurteilung zuzulassen" verschärft.

An solche Unterlagen kommt man ran, wenn man sich gegen das Geschreibsel schlecht gelaunter Coaches etc.
wehrt.. Ist schon komisch, vom Träger ein gut klingendes Teilnahmezeugnis zu bekommen und SB erhält jedoch
eine ganz andere Musik vom Maßnahmenträger..
 

Gollum1964

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kleiner Nachtrag:

die Fits-Konzepte sind gleichzeitig als Leihklitsche tätig. Da merkt man, woher der Wind bläst:
Erst runterqualifizieren und dann ab in die Dreckjobs. Ansonsten Ärger mit den Jobcentern.
 

grün_fink

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Wenn man dann mal beim Psychiater landet, ist es längst nicht sicher, dass die merken, ob sie es mit einer intelligenten Person zu tun haben, besonders bei den Frauen. Oft bemerken sie nichtmal das Problem und wollen trotzdem behandeln. Da werden die Probleme u.U. nur noch größer, auch die gesundheitlichen.

Danke mal für die Tipps, wie man das ganze auch sehen kann.
*Auszeichnung* (y):love:
 

Onkel Tom

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Um welche einschlägige Rechtsprechung handelt es sich?
Ja, es handelt sich um dieses Urteil.. Danke deiner Korrektur (y)

Danach gabs m.E. noch nichts weiteres, was die Datensammelwut einschränken könnte.
Schlimme am ganzen, das nun Beurteilungspraxis m.E. so weit erweitert wurde, das eine erneute Überprüfung und Normierung notwendig ist..

Schöne Grüße von @carlo10. Er ist derzeit aus technichen Gründen nicht in der Lage, auf Fragen zu antworten..
Wann er online sein kann, steht derzeit in den Sternen..
Er hofft genau so wie ich, das andere hier auch mal ihre "Gifftblätter" vom Maßnahmenträger sichtbar machen.. Somit wird dem Erwerbslosen
zumindest teilweise bewusst, wo Teilnehmer_innen mit Angriffen per Beurteilung rechnen können oder müssen, weil sie sich das Hirn nicht waschen lassen.

Solch Träger, die Erwerbslosen auf dem Koffer kötteln, sollte man sich sparen. ;)
 
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