Besser bezahlte Stelle angenommen, Kündigung erhalten, nun droht Sperrzeit! (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

Kleines Herz

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
7 Oktober 2014
Beiträge
288
Bewertungen
48
Hallo zusammen!

Mein Bekannter benötigt dringend Hilfe. Er hatte seine Stelle gewechelt, wo er 0,80 Cent mehr die Stunde bekam. Dort wurde er nach 2 Wochen gekündigt, weil ein dicker Auftrag weg fiel. Bei der AfA war er dann direkt am gleichen Tag(22.06.2015).
Seitdem zieht sich alles wie Kaugummi. Erst hat der letzte AG sich 5 Wochen Zeit gelassen mit der Bescheinigung, dann hat die Krankenkasse sich nicht gerührt und zu guter Letzt die AfA.
Heute Morgen hat er dort angerufen und dann kam der Knaller. Er soll die letzten beiden Arbeitsverträge vorlegen, damit sie überprüfen können, ob er wirklich 0,80 Cent mehr bekommen hat. Dann wollen sie überlegen, ob er eine Sperrzeit bekommt.
Ich meine, ich bin wirklich nicht gut informiert auf diesem Gebiet, aber ich finde nicht, das es rechtens ist, was mit ihm gemacht wird. Er steht bis auf eine Nachzahlung von 358€ des letzten AG, ohne Geld da. Er pumpt sich überall was zusammen und konnte schon die zweite Miete nicht überweisen.
Dss gleiche haben sie schon 2013 mit ihm gemacht und nach einem halben Jahr haben sie Kommentarlos überwiesen, weil er einen Anwalt eingeschaltet hatte. Der half ihm ohne Schein, weil er schon in der Kanzlei saß:biggrin:
Was für ein soziales Netz ist das eigentlich, wo man jemanden mit Stellen zuballert, aber nicht einen Pfifferling von seinem eingezahlten Geld raus rückt.

Was soll er denn nun machen? Einen Schein kann er ja erst holen, wenn er schriftlich Bescheid bekommen hat, das er eine Sperrzeit bekommt, oder!?

Ich danke euch sehr, wenn ihr Tipps habt.!!!


P.S. Es geht der AfA um die beiden letzten Stellen, wo er von fest in befristet gewechselt ist. Er hat gewechselt, wegen mehr Geld.

LG

Mina
 

Fritz Fleißig

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
8 März 2013
Beiträge
3.322
Bewertungen
3.759
Mein Bekannter benötigt dringend Hilfe. Er hatte seine Stelle gewechelt, wo er 0,80 Cent mehr die Stunde bekam. Dort wurde er nach 2 Wochen gekündigt, weil ein dicker Auftrag weg fiel. Bei der AfA war er dann direkt am gleichen Tag(22.06.2015).
[...]
P.S. Es geht der AfA um die beiden letzten Stellen, wo er von fest in befristet gewechselt ist. Er hat gewechselt, wegen mehr Geld.
Genau das ist das Problem. Wird von einer unbefristeten (das ist wohl mit "fest" gemeint) in eine befristete Beschäftigung gewechselt und endet diese dann in weniger als einem Jahr, tritt eine Sperrzeit von 12 Wochen wegen Arbeitsaufgabe ein. Die Arbeitsaufgabe ist hierbei die Eigenkündigung der ersten Stelle. Man kann dies nur vermeiden, wenn auch die Anschlußbeschäftigung unbefristet ist.

Es gibt hierbei Ausnahmetatbestände. Eine erheblich höhere Bezahlung bei der neuen befristeten Stelle - das heißt: mindestens 10 % höher - kann ein wichtiger Grund für die Arbeitsaufgabe sein. Genauso, wenn die neue Stelle einem erweiterte berufliche Kenntnisse verschafft, wenn man dadurch aus einer Zeitarbeitsstelle herauskommt und dergleichen. Die Lektüre der GA zu § 159 SGB III (Randziffer 159.100) ist hier ratsam.

Quelle: https://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/mtay/~edisp/l6019022dstbai407897.pdf

Deswegen wird die AfA auch genau prüfen, ob tatsächlich ein erheblich höheres Gehalt bei der neuen Stelle gezahlt wurde. Dein Bekannter sollte seinerseits prüfen, ob eventuell weitere wichtige Gründe im Sinne dieser Vorschrift vorliegen könnten.

Sollten solche Gründe vorliegen, sollte dein Bekannter diese umgehend und unaufgefordert vorbringen. Bei einem um 80 Cents höheren Stundenlohn ist es wohl eher unwahrscheinlich, daß die Entlohnung als erheblich höher gilt.

Ich sehe hier auch keine große Hoffnung, einen Vorschuß zu bekommen. Es gibt dem ersten Anschein nach Hinweise darauf, daß Gründe für eine Sperrzeit vorliegen. Das ist was anderes, als wenn lediglich Gehaltsbescheinigungen oder andere Unterlagen fehlen würden. ALG ist nun einmal eine Versicherungsleistung und keine Sozialleistung zur Sicherung des Lebensunterhalts.
 
Mitglied seit
21 Dezember 2014
Beiträge
513
Bewertungen
32
Wüsste nicht, dass man wegen o.a. Angelenheit gesperrt werden darf. Auch vermute ich, dass der Verdienst ohnehin nicht hoch war, sodass bei Vollzeit ( ich gehe mal davon aus) knapp 100 Euro Netto mehr rauskommen. DAS spürt man!!

Darüberhinaus kann es ja auch andere Gründe geben, auf eine befristete Stelle zu wechseln (Inhalt der Aufgaben passen besser, besseres Betriebsklima, mehr Aufstiegschancen. ( Käme sowas häufiger vor, wäre das allerdings schon sonderbar).

Für den wegfall eiens Auftgagebers des AGs kann er nix.
 

Hartzeola

StarVIP Nutzer*in
Mitglied seit
10 August 2011
Beiträge
10.204
Bewertungen
3.451
Genau das ist das Problem. Wird von einer unbefristeten (das ist wohl mit "fest" gemeint) in eine befristete Beschäftigung gewechselt und endet diese dann in weniger als einem Jahr, tritt eine Sperrzeit von 12 Wochen wegen Arbeitsaufgabe ein. Die Arbeitsaufgabe ist hierbei die Eigenkündigung der ersten Stelle. Man kann dies nur vermeiden, wenn auch die Anschlußbeschäftigung unbefristet ist.
Siehe B 11a AL 55/05 R

Der Arbeitslose hat einen wichtigen Grund für die Lösung eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses zur Aufnahme eines befristeten Arbeitsverhältnisses, wenn mit dem Wechsel in ein anderes Berufsfeld eine Erweiterung der beruflichen Einsatzmöglichkeiten verbunden ist.
https://openjur.de/u/169013.html

Auch hier:

HENSCHE Arbeitsrecht: BSG: Keine Sperrzeit bei Kündigung und Abschluß eines Zeitvertrags
https://www.hensche.de/Arbeitsrecht_aktuell_BSG_Sperrzeit_12_07_2006_B11a_AL55_05R.html
 
Mitglied seit
21 Dezember 2014
Beiträge
513
Bewertungen
32
...ALG ist nun einmal eine Versicherungsleistung und keine Sozialleistung zur Sicherung des Lebensunterhalts.
:dank: für die Infos.

Da Versicherungsleistung, (ALG 1), eigentlich ein Grund mehr, dass die Leistung zunächst vorsorglich bewilligt wird, aber das ist meine Meinung.

Und ich sehe hier tendenziell stark die Notwendigkeit einen Anwalt für Sozialrecht zur Hilfe zu ziehen. Und zwar schnell.
 

Fritz Fleißig

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
8 März 2013
Beiträge
3.322
Bewertungen
3.759
Ja, das ist inzwischen alles in der zitierten GA der AfA verarbeitet. Am besten dort nachlesen.

Auch prüfen, ob eventuell in Verbindung mit einer längeren Arbeitszeit bei der neuen Stelle ein erheblich höheres Monatsgehalt herausgekommen wäre. Auf den Stundenlohn allein kommt es nicht an.

Das "bessere Betriebsklima" ist leider zu unbestimmt, um als wichtiger Grund zu gelten.
 

Kleines Herz

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
7 Oktober 2014
Beiträge
288
Bewertungen
48
Er hätte sich bei der neuen Stelle weiterbilden können und alle Verträge sind am Anfang befristet. So sichert sich der AG ab, das er sich keinen Faulpelz an Land geholt hat. Danach bekam er meist unbefriste Verträge.
 

Kleines Herz

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
7 Oktober 2014
Beiträge
288
Bewertungen
48
Ach ja, der Mehrverdienst lag bei ca.200€ Brutto. Das ist ja heutzutage kein Pappenstil. Gekündigt wurde er in einer AU.
 

Fritz Fleißig

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
8 März 2013
Beiträge
3.322
Bewertungen
3.759
Er hätte sich bei der neuen Stelle weiterbilden können und alle Verträge sind am Anfang befristet. [...] Danach bekam er meist unbefriste Verträge.
Beides können wichtige Gründe sein. Bitte deshalb genau anhand der zitierten GA prüfen, ob das zutreffen könnte. Dort steht es präzise. Es finden sich auch weitere wichtige Gründe, die anerkannt werden.

Ach ja, der Mehrverdienst lag bei ca.200€ Brutto. Das ist ja heutzutage kein Pappenstil. Gekündigt wurde er in einer AU.
Pappenstiel oder nicht - das muß in Relation zum alten Monatsgehalt gesehen werden. Ob er während einer Krankschreibung gekündigt wurde (ist zulässig) oder nicht, spielt keine Rolle. Ihm wird auch nicht die arbeitgeberseitige Kündigung bei der neuen Stelle vorgeworfen, sondern die Aufgabe der alten unbefristeten Beschäftigung.
 

Kleines Herz

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
7 Oktober 2014
Beiträge
288
Bewertungen
48
Danke Dir Fritz Fleißig:dank: Konnte gestern nicht mehr antworten, war auf einem Elternabend.

Ist ja schön zu wissen, das es die freie Jobwahl nicht mehr gibt . In dieser Branche muss man immer mit Kündigungen rechnen.

LG

Mina
 

franky0815

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
22 Oktober 2007
Beiträge
3.925
Bewertungen
3.225
wenn die 0,80€ monatlich 200€ brutto ausmachen dann wären das ja 250 arbeitsstunden?
 

Fritz Fleißig

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
8 März 2013
Beiträge
3.322
Bewertungen
3.759
@Kleines Herz

Noch eine Ergänzung: wenn dein Bekannter jetzt schon die zweite Monatsmiete nicht hat zahlen können, sollte er die Dinge hier nicht treiben lassen, sondern unbedingt - sofern nicht schon geschehen - den Kontakt mit dem Vermieter suchen und unter Hinweis auf seine derzeitige Situation eine Stundung der Miete zu erreichen versuchen. Bei solchen Mietrückständen ist eine fristlose Kündigung möglich. Das kann man durch spätere Zahlung des ausstehenden Betrages zwar meist wieder rückgängig machen, aber so weit sollte es gar nicht erst kommen, zumal dann auch noch Gerichts- und Anwaltskosten des Vermieters zu erstatten sind.
 

Kleines Herz

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
7 Oktober 2014
Beiträge
288
Bewertungen
48
Nein, ich habe selbst nochmal nachgerechnet. 8-9 Stunden täglich x 0.80 Cent x24 Tage(der Samstag war mit drin), ergibt bei mir 153,60 netto!! Der andere Betrag war brutto!
@Fritz: Er hat ihm das schon erklärt, ging aber auch zu der Zeit davon aus, das er im Recht sei und bad Geld käme. Jetzt ist das Ende offen und er muss wohl nochmal da Gespräch suchen. Ich weiss jetzt ehrlich gesagt nicht, woher er auf die Schnelle Geld bekommen könnte. Es läuft hier schon anders ab, als bei Hartz 4.
 
Mitglied seit
21 Dezember 2014
Beiträge
513
Bewertungen
32
@Kliens Herz

Ich wiederhole mch: besser Anwalt einschalten, der soll mal Druck machen: es darf nicht sein, dass bis zur Klärung des Sachverhalts kein Einkommen da ist.
 
Mitglied seit
25 Januar 2013
Beiträge
1.561
Bewertungen
273
Hallo Fritz Fleißig,
du hast recht da steht es: Zehn Prozent reichen aus.
Das wissen die wenigsten .
:icon_evil:Diesen Paragraphen sollte man wissen wenn man einen solchen Jobwechsel vor dem AA rechtfertigt.

So wie ich das AA Amt kenne bekommt man sonst dennoch eine Sperre.
 
Oben Unten