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Bericht eines Demonstranten aus Rostock

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edy

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#1
Bericht eines Demonstranten aus Rostock

Peter Bürger 03.06.2007
Abseits der Protestbotschaften kam es zu Gewaltexzessen. Die Polizei war dabei
Zurück aus Rostock, studiere ich nachts ab zwei Uhr in Düsseldorf die Online-Berichterstattung über das Ereignis. Wenig ist über Protestinhalte zu lesen. Zumindest einige politisch korrekte Nachträge zur Kreativität der Demonstrationszüge gibt es. Das Hauptthema "Gewalt" kennen wir ja schon seit Wochen. Die Eskalation ist nun auch wirklich eingetreten und wird breit ins Bild gesetzt. Alle, die gewarnt, vorab kriminalisiert und ein hartes Durchgreifen gefordert haben, können sich scheinbar bestätigt sehen.

Auch der kollektive Übeltäter ist schon ausgemacht. 2000 oder gar 3000 Leute vom "schwarzen Block" sollen Ursache des Gewaltübels gewesen sein. Demnach wäre, legt man die in der Polizeischätzung sehr tief angesetzte Teilnehmerzahl des Protestes zugrunde, jeder zehnte Demonstrant ein potentieller Gewalttäter gewesen. Allein Panoramaaufnahmen des gesamten Rostocker Hafengebietes würden zeigen, wie absurd eine solche Rechnung ist. Einzelne können bei Massenveranstaltungen wie in Rostock nur Ausschnitte wahrnehmen, zumal, wenn sie – wie der Verfasser – als Demonstranten mitten drin im Geschehen sind.

Ein kritisches Bild aller Abläufe wird nur abseits vom Aktualitätsdruck entstehen. Bevor sich jedoch voreilige Deutungsmuster etablieren und dem Fortgang der Proteste in den kommenden Tagen ein Muster aufprägen, sollten Berichterstatter, Organisatoren des Protestbündnisses und Polizei es nicht versäumen, Fragen zu stellen.

Nicht in Frage gestellt werden kann, dass es zu jenen verabscheuenswürdigen Gewalttaten (vgl. [local] Demonstration gegen G8-Gipfel endete in Militanz) gekommen ist, die das "übliche Bild" radikaler Proteste bedienen und den Stoff für eine entpolitisierte Medienberichterstattung hergeben. In Rostock sind Scheiben eingeschlagen worden. Straftäter haben ein Polizeiauto attackiert, schwere Steingeschosse und Flaschen auf Polizisten geworfen und Brandsätze auf der Straße gelegt. Das alles kann weder beschönigt noch irgendwie gerechtfertigt werden. Spiegelbilder des Krieges sind Ausdruck von Kriegslogik. Sie sind als Gewalt gegenüber Mitmenschen keiner anderen Welt dienlich als der des Krieges (vgl. [local] Der Charme des Widerstands).

Weiter gehts hier: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25426/1.html
 

a f a

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#4
Sieht auch mit Brille wie ein Totenkopf aus.
Ich fass es nicht, traditionsbewusst:mad:


Gruss
Norbert

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edy

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#6
Ich fass es nicht, traditionsbewusst:mad:


Gruss
Norbert

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Geht es jetzt in diesem thread darum, ob ein "verwirrter" Polizist einen falschen Aufkleber, irgendwo, klebte? Das out fit der sog. "Autonomen" halte ich auch für sehr als fragwürdig - mal abgesehen davon, dass diese Chaoten verhindert haben, dass die Inhalte des gewaltfreien Widerstandes thematisiert werden!

Lest doch bitte mal den Start thread & schreibt dann weiter!!!!!!!!!
 

a f a

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#7
Geht es jetzt in diesem thread darum, ob ein "verwirrter" Polizist einen falschen Aufkleber, irgendwo, klebte? Das out fit der sog. "Autonomen" halte ich auch für sehr als fragwürdig - mal abgesehen davon, dass diese Chaoten verhindert haben, dass die Inhalte des gewaltfreien Widerstandes thematisiert werden!
Das Outfit hat einen bestimmten Grund, und nicht die "Chaoten" die im
übrigen trotz ähnlichem Outfit, keine homogene Masse sind, sondern Team
Green, hat die Geschichte eskalieren lassen. Tut mir leid Herr Edy, daß ich in Ihrem Thread einen falschen Aufkeber eines verwirrten Polizisten, einer
verwirrten Prügeleinheit erwähnt habe, wie hätten Sie die Diskussion hier denn gerne?:icon_mrgreen:


Gruss
Norbert

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a f a

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#8
:icon_pfeiff:Jedenfalls,

der Totenkopf am Visier wirft Fragen auf, hat die ganze Einheit solche ? Hat der "einzelne Verwirrte" keine Vorgesetzten ? Hat er blinde Kollegen ? Hat er selbst einen höheren Rang ? Ich finds nun einfach fragwürdig:icon_kinn: Mal nichts für ungut, Edy


Gruss
Norbert

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galadriel

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#9
Ein Totenkopf auf dem Visier eines Polizisten jagt mir einen größeren Schauer den Rücken runter, als die ganzen Geschehnisse zur Demo.
 

redwitch

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#11
ein weiterer Erfahrungsbericht

Eine Welle endete. Die Polizei zog sich zurück, verfolgt von Demonstranten, die um Frieden baten, die Arme hochhielten, Blumen reichten. Es nützte nicht viel, die nächste Welle ließ nicht lange auf sich warten. Im Hintergrund aus mehreren Lautsprecherwagen aufgeregte Stimmen, die sich überlagerten. Die Demo-Leitung war längst nicht mehr Herr der Lage. Hier ging es nur noch darum, nicht zwischen die Fronten zu geraten, denn die Autonomen beherrschten jetzt einen Teilbereich des Platzes, ziemlich weit entfernt von einer Bühne, von der herab aus eine chinesische Funktionärin plattes Geschwätz absonderte. Sorry, aber es herrschte gerade Bürgerkrieg, Solidaritätsadressen aus China waren da nicht wirklich angesagt.

Wir hatten weder Lust, uns das anzuhören, noch weiter in den Krieg involviert zu werden. Zumal es klare Ansagen gab: "Die Bullen kommen wieder, diesmal richtig." Die Schwarzen waren gut informiert, völlig gelassen, entsprechend vorbereitet. Freundliche, junge Gesichter, viele Mädchen darunter, Ninja-Montur, Skimaske, Sonnenbrille. Sehr entspannt in den Ruhepausen. Zu allem bereit, wenn es wieder losgehen sollte. Angst, das wurde mir bei den kurzen Kontakten mit den Autonomen sofort klar, haben die nicht. Deren Lebensgefühl hatte mit diesem Staat nichts mehr zu tun. Wie immer man das bewerten will.

...

Dann gegen 20 Uhr - alle an Bord, gesund, wenn auch Tränengas geschädigt. Die Polizei hatte sie nicht rausgelassen aus der Kampfzone, sie zurückgeschickt zu einem anderen Ausgang. Durch die Wasserwerfer-Schwaden durch. Nette Geste, Jungs, danke. Noch auf der Fahrt sahen wir die Helikopter über Rostock kreisen, drei, vier fünf Stück. Jagd auf Autonome in den Strassen der alten Hansestadt. Der Rest ist bebilderte Geschichte: auf ARD, ZDF, N-TV, Phoenix, N24. Und die anderen? Die tanzten zu guter Musik. Unter starkem Polizeischutz, wie die Nachrichtensender meldeten.
http://www.linkezeitung.de/cms/content/view/2781/32/


Die Polizei hat in Rostock alles getan um den weiteren Aufbau einer pluralistischen Protestbewegung zu behindern. Es begann mit einem Übergriff auf eine Gruppe von 80 bis 90 Mitgliedern der Autonomen, überwiegend zwischen 11 und 15 Jahren alt, die im Hauptzug der Demonstration mitmarschierte. Ihnen wurde angelastet, einen abgestellten Polizeiwagen beschädigt zu haben. Kurz vor dem Stadthafen und - welch Zufall - just an einer Stelle, an der Bauschutt und lockerer Straßenbelag zum Aufheben bereit lag, wollte eine Gruppe von 50 Polizisten diese Gruppe einkesseln und aus dem Demozug heraus festnehmen. Dies stieß bei den Jugendlichen auf Widerstand. Sie stoppten den Vorstoß mit Steinwürfen. In die beim Rückzug der Polizisten frei gewordene Lücke schoben sich unmittelbar mehrere Hundert Demonstrierender, um einen Puffer zu bilden. Diese TeilnehmerInnen der Demonstration, zu denen auch ich gehörte, erfuhren in den nächsten Stunden, wie die Polizei die Gewalt Zug um Zug steigerte. Sie wurden zuerst von vorwärts stürmenden Spezialeinheiten niedergetreten und -geknüppelt, und später, als die Übermacht der deeskalierend auf die Polizei einwirkenden Demonstrierenden auch für mehrere Hundertschaften Spezialeinheiten zu groß wurde, mit Reizgas und Wasserwerfern attackiert. Dabei hätte es beim Einsatz von Wasserwerfern mit weniger Glück Tote geben können. Die Polizei bretterte mit hoher Geschwindigkeit in die Menge.
Die Demoleitung war der Situation nicht gewachsen. Anstatt die 50.000 Menschen auf dem Kundgebungsplatz aufzufordern, sich am Abdrängen der Spezialeinheiten zu beteiligen, rief sie nur auf, die Gewalt zu beenden, bat die Polizei sich zurück zu ziehen und setzte das Redeprogramm fort. Von den prominenteren Mitgliedern der Demoleitung erschien niemand am Ort der Auseinandersetzung um die friedlichen Demonstrierenden gegen die Polizei zu unterstützen. Dies erleichterte dieser, diejenigen, die den Puffer bildeten, mit Reizgas und Wasserwerfern auseinander zu treiben, so dass die Jagd auf Autonome und eine Vielzahl kleinerer Auseinandersetzungen beginnen konnte.
Die Taktik der Autonomen war vollständig untauglich. Anstatt sich rasch in der Menge von Zehntausenden auf dem Festplatz aufzulösen, formierten sie sich und setzten auf Gegenwehr. Durch Steinwürfe, umgekippte Müllcontainer und zuletzt ein angezündetes Auto sollten die Polizisten auf Distanz gehalten werden. Die Autonomen standen dabei unbewaffnet und leicht bekleidet bewaffneten Spezialkräften in Schutzkleidung gegenüber. Die Taktik der Spezialeinheiten war offensiv und brutal. Von den Deeskalationskommandos, welche die Polizei vor der Demonstration vorgestellt hatte, war keine Spur zu sehen.
Heute kann die Polizei den Herrschenden die teilweise Erreichung der politischen Ziele des Gewalteinsatzes melden. Die Medien liefern die Bilder der „Krawalle" dienstbeflissen in jeden Haushalt. Sie schüren dort Angst vor den „linken Chaoten" und wecken Verständnis für den gewaltigen Sicherheitsapparat, der nicht nur zum Schutz des Gipfels in Heiligendamm, aufgebaut wurde. Für neue Repressionen und den Abbau weiterer demokratischer Rechte wird so Stimmung gemacht. Das Zusammenwachsen der unterschiedlichen Spektren der Protest- und Widerstandsbewegung zu einer Bewegung wurde beeinträchtigt. Den Autonomen wird der „Schwarze Peter" zugeschoben - auch von einigen MitorganisatorInnen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Herrschenden ihr Unrechtssystem mehr und mehr mit unverhüllter Gewalt aufrecht erhalten.
http://www.linkezeitung.de/cms/content/view/2780/32/
 
E

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#12
Den Autonomen wird der „Schwarze Peter" zugeschoben - auch von einigen MitorganisatorInnen.
Wie war das: "Teile und herrsche" bzw. "Spalte und herrsche".
 
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#14
Das ist Wahnsinn. Offenbar bricht sich der Faschismus in solchen Situationen ungehindert Bahn.
 

eAlex79

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#15
Das riecht für mich eher danach das man verdammt viel Angst vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen hat ;) Stichwort: System in Todeszuckungen.
 
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#16
Das riecht für mich eher danach das man verdammt viel Angst vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen hat
Ja, nur mit diesem blind aggressiv-autoritären Verhalten tragen die Polizisten genau dazu bei. Und ich meine, das ist auch gewollt. Das gibt Schäuble & Co. dann die Legitimation, all das durchzusetzen, was er sich schon immer gewünscht hat.
 

Borgi

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#17
Das ist eindeutig KEIN Totenkopf!
Ich war auf der Demo und habe viele Polizisten mit diesen Mundschutz gesehen. Ja, die Polizei trug Kinnschutz und Mundschutz.
 

a f a

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#19
Das ist eindeutig KEIN Totenkopf!
Ich war auf der Demo und habe viele Polizisten mit diesen Mundschutz gesehen. Ja, die Polizei trug Kinnschutz und Mundschutz.
OK, war mir da auch nicht sicher gewesen:icon_daumen:


Gruss
Norbert

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Borgi

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#20
Samstagmorgen um 1 Uhr machten wir uns auf den weg nach Rostock. Die fahrt war sehr ruhig und ging zügig voran. Die drei Pinkelpausen wurden gut genutzt. Um etwa 10:30 trafen wir ausgeschlafen und gut gelaunt in Rostock ein. Jeder Bus bekam bei Ankunft eine Zuordnungsnummer, damit dieser von den Fahrgästen für die Rückfahrt schnell gefunden werden konnte.
Auf der Hamburger Strasse versammelten sich die ersten Demonstranten und die freiwilligen Ordner (jeder Bus musste zwei Ordner stellen) meldeten sich an der Bühne, um sich die Anweisungen/Belehrungen abzuholen. Die Polizei hielt sich lautlos und beinahe unbemerkt im Hintergrund.
Unsere kleine Gruppe suchte eine Bäckerei auf, und frühstückte erst einmal. Es kam auch zu netten Gesprächen mit den Bewohnern.
Bis 13 Uhr versammelten sich immer mehr Demonstranten auf den Kundgebungsplatz und der Hamburger Strasse. Es war ein buntes Fahnenmeer zu sehen und die Stimmung war als sehr gut zu bezeichnen. Von der Polizei war nichts zu sehen. Weder Fahrzeuge noch Polizisten mischten sich in die Menge der Demonstranten.
Gegen 13:10 Uhr machte sich der Demonstrationszug auf den langen Weg. In den Seitenstrassen standen vereinzelte Fahrzeuge der Polizei um eventuelle verwirrte Autofahrer zu stoppen. Es war wie ein riesiger Karnevalumzug mit Musik, Trommlern und Sprechgesang. Zahlreiche Zaungäste wurden aufgefordert an der Demo teilzunehmen.
Um 14:56 Uhr der erste massive Polizeiauftritt. Eine Hundertschaft der Polizei rannte aus der Seitenstrasse kommend am Demonstrationszug entlang. Lautstarke Rufe forderte die Polizei auf „haut ab – haut ab“ Ein paar Minuten später beruhigte sich die Lage, da die Polizei aus anderen Gründen Aktiv wurde.
Die Stimmung während der Demo war weiterhin als sehr gut zu bezeichnen. Unermüdlich wurde Musik gemacht und Sprechchöre hallten durch die Stadt. Endlich am Ziel der Demo angekommen, versammelten wir Demonstranten uns am Stadthafen, wo bereits eine Musikbühne auf uns wartete. Nachdem ich ein wenig gegessen hatte, ich meine Gruppe aus den Augen verlor und meine Blase entlastet werden wollte, machte ich mich auf den Weg zurück, um eine Toilette aufzusuchen. Die Warteschlangen vor den Dixi-Toiltette wollte ich mir einfach nicht antun.
Auf der Hamburger Strasse – wo vor 30 Minuten noch friedlich der Demonstrationszug entlang ging – standen jetzt Wasserwerfer, Mannschaftswagen und Räumpanzer der Polizei. Die Polizisten im Turm der Wasserwerfer hatten irgendwie eine Vorfreude im Gesicht. Mich sollte das erst einmal nicht stören. Ein Foto war die Sache aber dennoch wert. Meine Blase erfuhr die ersehnte Erleichterung und ich machte erneut eine Essenspause. Dann ging ich wieder Richtung Veranstaltungsplatz, diesmal auf der Hafenseite. Rechts die massiven Polizeikräfte und links der Hafen. Sämtliche Fotografen und Kamerateams gingen in Stellung und machten ihre Fotos von friedlichen Demonstranten. Diese Fotos habe ich bisher noch nicht veröffentlicht sehen können.
Polizeihubschrauber kreisten die ganze Zeit ununterbrochen über der Demo.
Am Veranstaltungsplatz angekommen machte ich mich auf die Suche nach Mitreisenden aus meinem Bus. Zwei fand ich dann auch nach etwa 40 Minuten. Wir hörten uns die Redner an, die teilweise eine sehr weite Reise aus Afrika oder Südamerika hinter sich hatten.
Gegen 17 Uhr brannte ein vom „schwarzen Block“ angezündetes Auto völlig aus. Bis allerdings Feuerwehr und Polizei reagierten vergingen etwa 10 Minuten, obwohl sie weniger als 500 Meter entfernt waren. Bilder für Funk und Fernsehen sollten wohl erst gesichert werden. Nachdem die Feuerwehr am löschen gehindert wurde, wurden die wasserwerfer der Polizei aktiviert.
Um 17:30 Uhr machte die Demoleitung eine Ansprache an Demonstranten und Polizei. Die Demonstranten wurden gebeten näher an die Bühne zu kommen und sich von der Gewalt am Rande der Kundgebung zu distanzieren. Die Polizei wurde unmissverständlich aufgefordert den Kundgebungsplatz zu verlassen und die Provokationen zu unterlassen. Zwei Polizeihubschrauber bewachten die Kundgebungen und Ausschreitungen.
Um 17:40 Uhr fuhren Wasserwerfer der Polizei für etwa 2 Minuten auf den Platz und zielten auf friedliche Demonstranten. Dann zogen sich die Wasserwerfer zurück.
Es wurde von Seiten der Demoleitung klar gemacht, dass es sich um eine friedliche Demonstration handelt und die Polizei diese nicht stören solle.
Leicht angesäuert machte die Demoleitung um 18 Uhr eine weitere Ansprache. Die aktuelle Situation wurde bekannt gegeben. Sie forderte die Gewaltbereiten auf, ihre „Scharmützel“ zu unterlassen. Die Demoleitung distanzierte sich ausdrücklich von den Gewalttätern am Rande der Kundgebung. Die Polizei wurde aufgefordert die Provokationen zu unterlassen. Ein zuvor gemachtes Telefonat zwischen Demoleitung und Polizei kam zum Ergebnis, dass die Polizei nicht mehr an einer Deeskalationspolitik festhalte. Der Kundgebung wurde mit starker Polizeipräsents fortgeführt. Das konnte nun nicht mehr verhindert werden.
Etwa 35.000 Demonstranten nahmen friedlich am Konzert teil.
Gegen 18:43 Uhr fuhren Wasserwerfer in die Demo und Greiftrupps der Polizei stürmten den hinteren Teil des Platzes um Mitglieder des „Schwarzen Blocks“ zu fangen. Dabei wurden Unschuldige Demonstranten ins Wasser des Hafenbeckens getrieben.
Jetzt war es an der zeit den weg zum Reisebus anzutreten. Die gesamte Demo war sehr anstrengend und die Füße schmerzten. Tausende Demonstranten machten sich nach und nach auf den weg zu den Bussen. Insgesamt 9 Hubschrauber von Polizei und Bundeswehr kreisten über der Stadt.
In den Mecklenburg Vorpommern Nachrichten hörten wir die ersten Nachrichten um 20:45 Uhr. Demnach wurden bei der Demo 146 Polizisten – davon 23 schwer - verletzt. Die Aktionen der Polizei wurden schön geredet und die Teilnehmerzahl der Demonstranten auf 25.000 gesenkt. Allein auf der Kundgebung und dem Konzert waren über 30.000 Menschen anwesend, und da sind die Leute vom Hauptbahnhof noch nicht mit eingerechnet. Aber die Politik wollte wenig Demonstranten, und so werden auch nur wenige Demonstranten offiziell bekannt gegeben.

Alles im allen war es ein schöner Tag. Die weite Anreise hat sich gelohnt. Es war zwar teilweise richtig kalt, aber die Musik brachte das Blut dann schon in Wallung. Wer sich wie ich in friedlichen Bereich aufhielt, der war über die einseitige Berichterstattung richtig sauer. Das im TV und Presse nur die Gewalttaten gezeigt wurden war ganz sicher nicht im Interesse der Demoleitung oder der Demonstranten. Hoffentlich schaffen es die Medien auch einmal, über die Inhalte der Demo und über das friedliche Auftreten der etwa 50.000 Demonstranten zu berichten.
 
E

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#22
Alles im allen war es ein schöner Tag. Die weite Anreise hat sich gelohnt. Es war zwar teilweise richtig kalt, aber die Musik brachte das Blut dann schon in Wallung. Wer sich wie ich in friedlichen Bereich aufhielt, der war über die einseitige Berichterstattung richtig sauer. Das im TV und Presse nur die Gewalttaten gezeigt wurden war ganz sicher nicht im Interesse der Demoleitung oder der Demonstranten. Hoffentlich schaffen es die Medien auch einmal, über die Inhalte der Demo und über das friedliche Auftreten der etwa 50.000 Demonstranten zu berichten.
:icon_daumen: Danke für den Bericht, Borgi. Schön, mal zu hören, wie das jemand von hier erlebt hat.
 
E

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#23
Immer schön mit beiden Augen gucken!
Hallo Kölsch,

falls Du meinst, ich würde ausschließlich das in meinen Augen teilweise faschistoide Verhalten "unserer" Polizei (wenn man den Berichten vieler Demo-Teilnehmer unterschiedlicher politischer Couleur glauben darf, und das tue ich) kritisieren, hast Du Dich getäuscht.

Die hierarchischen Strukturen von Befehl und Gehorsam in Institutionen wie Polizei und Militär sind - wie du vielleicht schon längst weißt ;)- überaus attraktiv für Menschen mit faschistoiden Neigungen. Ich muss mal sehen, ob ich noch eine der Studien finde, in denen das sehr deutlich nachzulesen ist.

Dies ist übrigens ein universelles psychologisches Phänomen, als Folge einer autoritären, lieblosen, verachtenden Erziehung mit teilweise sadistischen Praktiken.

Siehe auch:

[...] Erich Fromm beschrieb den autoritären Charakter als sadomasochistischen Charakter, der in der aktiven Variante überwiegend mit sadistischen Tendenzen (Freude an Beherrschung eines Schwächeren, Befriedigung durch Machtausübung) und in der passiven Variante überwiegend mit masochistischen Tendenzen (Freude an Unterwerfung unter einen Stärkeren, Befriedigung durch Gehorsam) in Erscheinung trete. (Das hierbei zum Ausdruck kommende Verständnis von Sadismus/Masochismus ist nicht auf sexuelle Praktiken bezogen.) In gesellschaftliche Hierarchien füge sich der autoritäre Charakter fraglos ein, weil er sich in der Identifikation mit Machtträgern nicht länger mit seiner Nichtigkeit und Ohnmacht konfrontiert sähe, sondern diese Gefühle kompensieren könne. Die autoritäre Gesellschaftsstruktur produziere Bedürfnisse nach Gehorsam, Unterwerfung und Machtausübung etc. und bände das Individuum an Autoritäten und hierarchische Strukturen, die diese Bedürfnisse befriedigten. [...]
http://de.wikipedia.org/wiki/Autoritärer_Charakter

Und dies:

EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe, E-Mails oder Luftpostbriefe, in denen Sie
  • die Behörden auffordern sicherzustellen, dass bei sämtlichen Polizeiaktionen zur Wahrung der öffentlichen Ordnung die Grundprinzipien der Vereinten Nationen für die Anwendung von Gewalt und den Gebrauch von Schußwaffen durch Beamte mit Polizeibefugnissen eingehalten werden;
  • die Pflicht der Behörden zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung anerkennen, sie aber dazu auffordern, das Recht auf friedliche Demonstrationen zu respektieren;
  • die Behörden auffordern, eine vollständige und unabhängige Untersuchung der Todesfälle und Verletzungen während der derzeitigen politischen Unruhen durchzuführen;
  • um die Zusicherung bitten, dass Berichte über Menschenrechtsverletzungen, die der Polizei oder den Sicherheitskräften zur Last gelegt werden, zu unabhängigen und wirksamen Ermittlungen sowie zur strafrechtlichen Verfolgung der Täter führen;
  • darlegen, dass amnesty international jegliche Art der Menschenrechtsverletzung verurteilt und die Opposition aufgefordert hat, sicherzustellen, dass all ihre Protestaktionen in Übereinstimmung mit den Menschenrechten stehen, und nicht zur Verschärfung der politischen Gewalt und der Untergrabung der rechtsstaatlichen Ordnung beitragen.
http://www2.amnesty.de/internet/deal...b?OpenDocument
Können sich gern auch unsere Politiker und Polizeibefehlshaber hinter die Ohren schreiben, wobei die selbst ja auch alle indirekt nur Befehlsempfänger sind.
 

edy

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#24
@ Wölfin, Danke für deinen guten Beitrag!
 

Koelschejong

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#27
...falls Du meinst, ich würde ausschließlich das in meinen Augen teilweise faschistoide Verhalten "unserer" Polizei (wenn man den Berichten vieler Demo-Teilnehmer unterschiedlicher politischer Couleur glauben darf, und das tue ich) kritisieren, hast Du Dich getäuscht.

Die hierarchischen Strukturen von Befehl und Gehorsam in Institutionen wie Polizei und Militär sind - wie du vielleicht schon längst weißt ;)- überaus attraktiv für Menschen mit faschistoiden Neigungen. Ich muss mal sehen, ob ich noch eine der Studien finde, in denen das sehr deutlich nachzulesen ist.

Dies ist übrigens ein universelles psychologisches Phänomen, als Folge einer autoritären, lieblosen, verachtenden Erziehung mit teilweise sadistischen Praktiken.
Gratuliere zum Erhalt der vollständigen Sehkraft;), nichts anderes hatte ich gehofft (und erwartet??). Das von Dir erwähnte psychologische Phänomen ist seit langem (leider) bekannt, spätestens seit Stanley Milgrams Artikel Behavioral study of obedience veröffentlicht, im Journal of abnormal and social psychology (Bd. 67, 1963 S. 371-378) und 1971 dem Stanford-Prison Experiment von Philip Zimbardo, das von Oliver Hirschbiegel in seinem Film "Das Experiment" m.E. hervorragend umgesetzt wurde.
 
E

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#28
... spätestens seit Stanley Milgrams Artikel Behavioral study of obedience veröffentlicht, im Journal of abnormal and social psychology (Bd. 67, 1963 S. 371-378) und 1971 dem Stanford-Prison Experiment von Philip Zimbardo, das von Oliver Hirschbiegel in seinem Film "Das Experiment" m.E. hervorragend umgesetzt wurde.
Ich sehe, Du bist offenbar bestens unterrichtet. ;) "Das Experiment" ist wirklich ein Schocker. Er hält m.E. uns allen den Spiegel vor.
 
E

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#29
weiterer Augenzeugenbericht

Admin: jetzt erzähl mal jhon wie du es erlebt hast
jhon: uff alles ???
Admin: soviel wie du magst und das wichtigste
jhon: ich war wegen autoschaden erst donnerstag mit bei der demo am westtor, da ging es äußerst brutal zu von seiten der bullizei
jhon: die haben ziemlich unreflecktiert mit 3 wasserwerfern rumgebombt, cs-gas versprüht...
Admin: keine vermumten ?
jhon (zu Admin): die demo war absolut friedlich, es sind 9 nackte zur polizeikette gelaufen, die haben sie gnadenlos weggeschossen
jhon: , das waren doch eh zivis- die hatten sie ja am mittwoch vorm osstor gestellt !
Admin: ja, davon gibts ein Video
jhon: waren zwar ein paar autonome da , die haben aber lediglich mit leeren plastikflaschen geworfen, nachdem die wasserwerfer anfingen
jhon: blöde fand ich dass sie dann in die menge der unbeteiligten geflüchtet sind
Admin: ja, das schien ein grosses problem da zu sein
jhon: abends haben sie uns dann mit brachialer gewalt vertrieben, 9 wasserwerfer und stürmende behelmte...
jhon: aber die blockade am osttor hat gehalten
Admin: hier kamen meldungen durch das sich am westtor autonomen bereitmachen und kartoffeln mit Nägeln spicken
jhon: ansonsten haben wir sämtliche straßen und waldwege mit barrikaden aus ästen belegt gg geruillia
Admin: wurde dann aber widerrufen
jhon: blödsinn alles
jhon: ich war ganz vorne
jhon: die haben ja auch behauptet die clowns armee spritzt mit säure !
jhon: das war bloß seifenblasenwasser lol
Admin: eben - wurde dann auch widerrufen
jhon: freitag hat unser camp statt der attac kundgebung li9eber ne badedemo nach kühlungsborn gemacht
jhon: das war echt lustig
jhon: gibt leider keinen schönen bericht darüber bisher
Admin: was hast du denn vom Samstag mitbekommen ?
jhon: wir haben die bullen unterwegs umzingelt und über ihre kette wasserball gespielt und schlauchboote hin und hergeworfen
jhon: vom 2.6 ?
Admin: genau
jhon: die kravalle hab ich nicht so mitbekommen, nur dass die bullen plötzlich mit dem wasserwerfer in die menge vor der bühne fuhr
jhon: und dass sie gas versprüht haben
jhon: ansonsten von anfang an provokation, ne halbe stunde kreiste der hubschrauber direkt über der bühne, man konnte nix hören, und überall behelmte truppen
jhon: und kein einziges deeskalationsteam !!!
jhon: hab nicht eins gesehn
Admin: es war auch die rede davon, das Tränengas oder ähnliches im wasser der wasserwerfer gewesen sein soll ?
jhon: jepp war auch
jhon: einem freund von mir haben sie das voll ins gesicht geschossen, der hatte einiges geschluckt, verätzte speiseröhre, war die ganze nacht beim sani
jhon: am westtor haben sie mehrere schwerverletzte gehabt, auge ausgeschossen, trommelfellriss, bewußtlose....
jhon: einen von der dpa haben sie auch verletzt am auge
Admin: ja, das wurde auch durchgegeben
jhon: die gehen wirklich über leichen
Admin: habt ihr Bundeswehr gesehen ?
jhon: hubschrauber
jhon: in bad doberan hatten die das krankenhaus übernommen- grauenhaft
Admin: Mom - wer hatte das Krankenhaus übernommen ?
jhon: die bundeswehr
jhon: da wollte sich natürlich keiner mehr behandeln lassen von uns
Admin: und ich hoffe dafür gibts mehrere zeugen ?
jhon: keine ahnung, mir wurde das nur gesagt, falls ich was hätte....
Admin: du - die RAV - diese anwälte suchen augenzeugen
jhon: für die polizeilichen übergriffe ?
Admin: jepp
jhon: die haben auch pfefferspray ohne vorankündigung gesprüht
jhon: hab ich gesehn
Admin: ich geb dir mal die mailaddy
jhon: jo danke
Admin: ravev@t-online.de <
Admin: hast du bilder ? Filme ?
jhon: aber sind viele im netz
jhon: mein sohn hatte meinen fotoapparat der schuft
Admin: mit welcher Begründung wurde das Krankenhaus von der Bundeswehr übernommen ?
Admin: und von wem wurde dir das mit dem Krankenhaus gesagt ? Polizei oder demonstranten
jhon: puh von demokollegen
jhon: warte mal
jhon: http://www.kma-online.de/index.php?m=100...00&c=12212&sid=
jhon: hier von der linkszeitung http://linkszeitung.de/content/view/116154/42/
jhon: hey ich hab der bericht von der badedemo ! http://de.indymedia.org/2007/06/183679.shtml
jhon: das war soooooo cool
Admin: ich hoffe sooo sehr das das alles aufgedeckt wird was da gelaufen ist
jhon: ja, wäre gut, ich stell den bericht mal ins forum...
 
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