Berechnung ALG 1 (von Vollzeit auf Teilzeit)

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Lootus

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Liebes Forum, ich danke euch, dass es euch gibt. Ich bin neu hier und lese mich gerade ein, und freue mich, dass man hier Hilfestellung erhalten kann.
Zwar habe ich jetzt schon einige Posts gefunden, weiß aber nicht, ob das jetzt auch auf mich zutrifft.

Es geht um die Berechnung des ALG 1.
Soweit ich herausgefunden habe, kann man beim Melden der Arbeitslosigkeit einen Antrag stellen, dass der Bemessenszeitraum auf 2 Jahre ausgedehnt werden kann. Ich habe jahrelang Vollzeit gearbeitet und kann meinen Job quasi noch um 6 Monate retten, wenn ich auf Teilzeit gehe. Jetzt habe ich Angst, dass mein ALG1, das unweigerlich kommen wird, wenn ich nicht auf wundersame Weise noch was finde in dem letzten halben Jahr, viel niedriger ausfallen wird.
Ich habe § 151, 5 gefunden (SGB III), wo drin steht, dass evtl. die verminderte Arbeitszeit nicht gezählt wird, so dass ich weiterhin ALG 1 nach Berechnung der Vollzeit bekomme.

Gilt dieser "Teilzeit-Bonus", auch wenn man vorher nur 2 1/2 Jahre VZ war, früher auch TZ, jetzt wieder TZ? Ich will wieder in VZ arbeiten zukünftig.

Vielen Dank für eure Antworten. Ich hoffe, ich habe mich einigermaßen verständtlich ausgedrückt.
 

BerndB

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Es mag sich jetzt blöd anhören, aber die sicherste Antwort erhältst du von der AfA. Du kannst dort einen Termin zur "Leistungsberatung" vereinbaren. Hat was mit § 14 SGB I zu tun.
Die können dir dann auch sagen, ob eine Erweiterung auf 2 Jahre überhaupt in Frage kommt. Dazu gibt es im § 150 (3) SGB III klare Regeln.
Du beziehst dich ansonsten auf § 151 (5) SGB III. Der wiederum bezieht sich aber auf § 145 SGB III und betrifft eher Personen, die aus gesundheitlichen Gründen reduziert gearbeitet haben.
 

Lootus

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Vielen Dank für die Antwort!

Ich meinte tatsächlich §150,3. Damit habe ich keinerlei Erfahrung. Bei mir stellt sich die Frage, ob ich auf TZ gehe, um dann (sicher!) ein halbes Jahr später arbeitslos zu werden. Oder ob ich jetzt noch in VZ arbeitend mich arbeitslos melde. Ich habe einfach Angst, dass meine Bezüge dann deutlich schlechter sind.

Ich konnte bis jetzt keinerlei Rückmeldung bei der AfA erhalten. Meine Erfahrung mit der Behörde sind noch sehr gering. Ich komme lediglich immer in der Hotline raus. Rechtsberatung kann man anscheinend kurzfristig nirgends bekommen. Vielen Dank aber trotzdem!
 

Felix39

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Hallo Lootus, rechtsverbindliche Auskünfte kann dir hier sicherlich keiner geben. Dennoch finde ich den Tipp von BerndB, schlichtweg bei der Arbeitsagentur nachzufragen, doch recht banal.

Dahier hier meine Rückmeldung, so wie ich die Regelung verstehe. Ich denke nämlich, dass es in deinem Fall nicht schädlich für das Arbeitslosengeld ist, falls du dich für die Teilzeit entscheiden solltest.

Der wichtige Passus findet sich in §150, Absatz 2, Satz 5, SGB 3 (Formatierung von mir):

Bei der Ermittlung des Bemessungszeitraums bleiben außer Betracht
[...]
Zeiten, in denen die durchschnittliche regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit auf Grund einer Teilzeitvereinbarung nicht nur vorübergehend auf weniger als 80 Prozent der durchschnittlichen regelmäßigen Arbeitszeit einer vergleichbaren Vollzeitbeschäftigung, mindestens um fünf Stunden wöchentlich, vermindert war, wenn die oder der Arbeitslose Beschäftigungen mit einer höheren Arbeitszeit innerhalb der letzten dreieinhalb Jahre vor der Entstehung des Anspruchs während eines sechs Monate umfassenden zusammenhängenden Zeitraums ausgeübt hat.

Was heißt das?
Vereinfacht: Der Bemessungszeitraum gibt an, über welchen Zeitraum das Bemessungsentgelt ermittelt ("bemessen") wird. Aus dem Bemessungsentgelt ergibt sich dann wiederum das Leistungsentgelt, woraus sich wiederum das Arbeitslosengeld ergibt, das ausgezahlt wird.

Der Bemessungszeitraum ist normalerweise ein Jahr, d.h. man schaut sich an, was du in den 12 Monaten vor ALG-Antragstellung verdient hast. Der oben genannte Passus sagt nun aus, dass hier bestimmte Zeiten unberücksichtigt bleiben, es wird also für die Berechnung nur die restliche Zeit des vergangenen Jahres berücksichtigt (was gut ist, da du in der restlichen Zeit wegen Vollzeit mehr verdient hast).

Konkret auf dich angewandt: Du arbeitest von September 2016 bis September 2018 Vollzeit, danach bis März 2019 Teilzeit. Dann wird das Arbeitslosengeld gemäß des Vollzeitverdiensts berechnet, der Teilzeitverdienst fällt nicht ins Gewicht, sofern die zitierten Bedingungen (80 Prozent etc.) eingehalten sind, was du prüfen solltest.

Hierzu noch ein Zeitungsartikel; er ist schon etwas älter, so dass die Gesetzesverweise nicht mehr stimmen. Inhaltlich ist er aber aber wohl weiterhin soweit richtig.
https://www.sueddeutsche.de/karriere/arbeitslosengeld-vollzeit-zaehlt-1.494899

Dort wird auch das folgende, noch "extremere" Beispiel angeführt:

Ein Beispiel: Wer vor seiner Arbeitslosigkeit drei Jahre lang einen 30-Stunden-Job hatte, vorher aber sechs Monate lang ununterbrochen Vollzeit mit der in seinem Betrieb geltenden 37,5-Stunden-Woche gearbeitet hat, erfüllt alle genannten Voraussetzungen. Das Arbeitslosengeld wird dann auf Grundlage der vorherigen Vollzeitbeschäftigung berechnet.


Ich hoffe, ich konnte dir etwas weiterhelfen.
 
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