Beibehaltung selbständige Händlertätigkeit bei ALG II

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Nachtschattengewächs

Elo-User*in
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Hallo!

Selbstverständlich habe ich vorweg erst einmal ausgiebig hier gesurft und bin teilweise um einiges schlauer, teilweise aber erst recht verunsichert.
Verzeiht mir also, wenn ich für meinen speziellen Fall einfach ´mal einen neuen Thread eröffne.

Gegenwärtig bereitet mir folgendes Kopfzerbrechen:

Da ich von meiner Selbständigkeit (Handel auf Märkten) allein nicht leben konnte, verbrauche ich gegenwärtig meinen ALG I-Anspruch. Das Gewerbe ist noch angemeldet, nur Einnahmen erziele ich nicht.

Demnächst droht möglicherweise ALG II, und ich möchte meine Selbständigkeit für diesen Fall wieder aufleben lassen. Folgende Dinge sind mir dabei noch ziemlich unklar:

1. Ware besitze ich noch. Zählt die nicht gegenwärtig zu meinem Privatvermögen, mit dem ich machen kann, was ich möchte? Denke da an eine "Vermögensumschichtung" durch Verkauf und bin mir nicht sicher, ob derartige "Einnahmen" anrechnungsfrei wären.

2. Bin ich allen Ernstes verpflichtet, eine monatliche Berechnung eines Steuerberaters (Kosten: 50 €) beizubringen? Der würde sich auch nur auf meine Verkaufszahlen und evtl. Ausgaben-Belege stützen.

3. Wie wird das anzurechnende Einkommen bei Händlertätigkeit berechnet und wie, wenn ich zunächst bereits vorhandene Ware einsetze?
Zu bedenken ist, daß ich in einem Monat ´mal groß einkaufe, aber evtl. so gut wie gar keinen Umsatz fahre, während ich mich im Weihnachtsgeschäft hoffentlich dumm & dusselig verdiene.

Habe ich ein Recht darauf, nur einmal im Quartal meine Zahlen offenzulegen? Das würde die Berechnung ein wenig vereinfachen und das Geld für den StB sparen.

4. Was ist, wenn ich gar keine Umsätze mache, weil ich ganz einfach nicht auf dem Markt war? Will man dann trotzdem irgendwas von mir sehen?

Und zu guter letzt: Habe heute erst davon gelesen, daß man Selbständigkeit als Haupt- oder auch Nebentätigkeit angeben kann. Was wäre wohl für mich die günstigste Variante? Ein Markttag geht über bis zu acht Stunden, mit allem drumherum könnte man die 15 Wochenstunden sprengen.


Mir ist klar, daß das gleich sehr viele Fragen sind, die eine eher komplexe Antwort erfordern. Der ein oder andere, auf mich zugeschnittene Tip würde mir allerdings schon helfen, um für etwaige Gespräche mit Steuerberater oder Fachanwalt für Sozialrecht gerüstet zu sein.
 

ofra

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mich würde das auch interessieren. vermutlich hatten wir hier so einen fall noch nicht.
ich geh mal davon aus, dass das bei algII bezug als nebengewerbe läuft. mit den bekannten hinzuverdienstgrenzen.
wenn du zuviel verdienst, fällst du ja nicht mehr in algII
wenn das monatliche einkommen schwankend ist, vielleicht wird dann ein durchschnittswert zur berechnung herangezogen?
 

Koelschejong

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Ich versuch mich mal an einer Antwort, wobei ich mir bei einigen Sachen nicht sicher bin.
Hallo!

Selbstverständlich habe ich vorweg erst einmal ausgiebig hier gesurft und bin teilweise um einiges schlauer, teilweise aber erst recht verunsichert.
Verzeiht mir also, wenn ich für meinen speziellen Fall einfach ´mal einen neuen Thread eröffne.

Gegenwärtig bereitet mir folgendes Kopfzerbrechen:

Da ich von meiner Selbständigkeit (Handel auf Märkten) allein nicht leben konnte, verbrauche ich gegenwärtig meinen ALG I-Anspruch. Das Gewerbe ist noch angemeldet, nur Einnahmen erziele ich nicht.

Demnächst droht möglicherweise ALG II, und ich möchte meine Selbständigkeit für diesen Fall wieder aufleben lassen. Folgende Dinge sind mir dabei noch ziemlich unklar:

1. Ware besitze ich noch. Zählt die nicht gegenwärtig zu meinem Privatvermögen, mit dem ich machen kann, was ich möchte? Denke da an eine "Vermögensumschichtung" durch Verkauf und bin mir nicht sicher, ob derartige "Einnahmen" anrechnungsfrei wären.
Ich gehe zunächst einmal davon aus, dass der Wert Deines Warenlagers die allgemeinen Grenzen für das Schonvermögen nicht übersteigt.
Generell sehe ich einen Verkauf, dieses Warenbestandes auch als "Vermögensumschichtung" an, der Teufel steckt aber auch da im Detail:
Bei einer "normalen" Gewinnermittlung sähe das Ganze z.B. so aus:
Bilanzierter Warenwert = EUR 100,-- (z.B. nach entsprechender Wertberichtigung)
Erzielter Verkaufspreis = EUR 300,--
Bruttogewinn = EUR 200,-- (gleich Einnahme)

Ich vermute mal sehr stark, dass die ARGE hier sehr ähnlich rechnen wird, es wäre also gut, wenn Du den Wert Deines Warenlagers belegen könntest.

2. Bin ich allen Ernstes verpflichtet, eine monatliche Berechnung eines Steuerberaters (Kosten: 50 €) beizubringen? Der würde sich auch nur auf meine Verkaufszahlen und evtl. Ausgaben-Belege stützen.
Steuerberater brauchst Du m.E. überhaupt nicht für die ARGE, die können Dir im Zweifelsfall garantiert keine Vorschrift benennen, auf die sie eine derartige Forderung stützen könnten.

Die Frage der monatlichen Vorlage der Einnahme-Überschussrechnung (EÜR) wird durchaus kontrovers diskutiert. So weit ich die Gesetzeslage kenne, ist das nicht erforderlich, es reicht einmal im Jahr. - Aber dann neigen die ARGEn scheinbar dazu, zunächst mal ein fiktives, geschätztes Einkommen anzurechnen - ob zu Recht oder nicht, sei dahingestellt, bei Dir fehlt aber erst mal Geld in der Tasche.


Aus diesem Grunde sehe ich die monatliche Vorlage der EÜR nicht als Nachteil an. Ich mach die ohnehin für mich, und wenn konkrete Zahlen auf dem Tisch liegen, kann die ARGE nicht mehr so leicht ins Blaue schätzen.


3. Wie wird das anzurechnende Einkommen bei Händlertätigkeit berechnet und wie, wenn ich zunächst bereits vorhandene Ware einsetze?
Berechnung vollkommen normal, siehe Beispiel oben.
Zu bedenken ist, daß ich in einem Monat ´mal groß einkaufe, aber evtl. so gut wie gar keinen Umsatz fahre, während ich mich im Weihnachtsgeschäft hoffentlich dumm & dusselig verdiene.

Habe ich ein Recht darauf, nur einmal im Quartal meine Zahlen offenzulegen? Das würde die Berechnung ein wenig vereinfachen und das Geld für den StB sparen.

Wie schon geschrieben, das Recht zur Vorlage in größeren Abständen hast Du meines Erachtens schon, einen Vorteil seh ich darin nicht.
Die andere Frage ist die des sogenannte Verlustvortrags, Du kaufst im August groß ein und kannst erst im November die Sachen verkaufen.
Auch da bin ich sicher, dass Du mit der Anrechnung eines Verlustvortrags aus August durchkämst (alles andere wäre wirtschaftlicher Selbstmord), ob das der SB genauso sieht, ist zweifelhaft. Hier droht meines Erachtens am ehesten Ärger und Sozialgericht - aber es gibt auch gute und verständige Sachbearbeiter - manchmal haben ja auch Hartz-IV-ler ein kleines bisschen Glück.


4. Was ist, wenn ich gar keine Umsätze mache, weil ich ganz einfach nicht auf dem Markt war? Will man dann trotzdem irgendwas von mir sehen?
Nun ja, Kosten hast Du dann aber trotzdem - und wenn Du später einen Verlustvortrag machen möchtest, solltest Du diesen Verlust auch entsprechend nachgewiesen haben. Mein Rat - wenn monatliche EÜR dann aber auch konsequent und ordentlich.

Und zu guter letzt: Habe heute erst davon gelesen, daß man Selbständigkeit als Haupt- oder auch Nebentätigkeit angeben kann. Was wäre wohl für mich die günstigste Variante? Ein Markttag geht über bis zu acht Stunden, mit allem drumherum könnte man die 15 Wochenstunden sprengen.
Für ALG II ist es völlig irrelevant, ob Du 10 oder 168 Stunden in der Woche arbeitest - es zählen nur Deine Einnahmen. Natürlich musst Du Dich aber neben Deiner Tätigkeit auch anderweitig bemühen, den ALG II Bezug zu beenden, also z.B. zusätzlich Bewerbungen schreiben etc.


Mir ist klar, daß das gleich sehr viele Fragen sind, die eine eher komplexe Antwort erfordern. Der ein oder andere, auf mich zugeschnittene Tip würde mir allerdings schon helfen, um für etwaige Gespräche mit Steuerberater oder Fachanwalt für Sozialrecht gerüstet zu sein.

Ich hoffe, es hilft und ich habe nicht allzu viel Blödsinn geschrieben (glaub ich ehrlich gesagt nicht).
 

krawalloo

Elo-User*in - temp. eingeschränkt
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Ich bin ebenfalls Markthändler auf Mittelaltermärkten.Und ich stelle meine Waren alle selber her.15 Stunden Arbeitszeit täglich,an Wochenenden auf den Märkten 14 Stunden pro Tag.Darauf achtet niemand,das ist deine Sache.
Seit zwei Jahren mache ich das und seit dem beziehe ich auch Hartz IV.
Ich habe meinen Schnitzladen als Nebengewerbe angemeldet.
Jeden Monat muß ich eine Gewinnberechnung machen,einen Steuerberater brauche ich nicht.
Vom Arbeitsamt bekomme ich Tabellenbögen,in die ich die Ausgaben und Einnahmen eintragen muß.Diese werden gegengerechnet und so mein Gewinn ermittelt.100,-€ darf ich im Monat so zuverdienen.Habe ich mehr Gewinn,wird mir das vom Hartz IV abgezogen.Diesen Bogen muß ich jeden Monat zum Amt bringen.
Zu den Ausgaben zählen Werkzeuge,Material,Benzingeld,Standgebühren,Unterkunftskosten,ja sogar Spesen.
Das bedeutet,das du durchaus 1000,-€ im Monat einnehmen darfst,aber du darfst nur 100,-€ Nettogewinn zusätzlich machen.
Was die Eigenbemühungen zwecks Bewerbungen angeht,bei mir reicht es,wenn ich einen Plan für die kommenden Märkte vorlege.
Achte also darauf,das du immer Märkte hast,sonst hast du keine Eigenbemühungen und kannst in Ein-Euromaßnahmen gezwungen werden.
Alles muß mit Quittungen belegt werden.Diese Auflistung wird auch vom Finanzamt anerkannt.Da reicht eine Kopie der Listen.
 
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