Bei blockupy mitmachen – als Grundeinkommens-Befürworter?

Kaydo

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Hallo


ethos07 hat in seiner Sig das blockupy-Banner. Ich habe darüber nachgedacht, ob ich bei diesen "Aktionstagen" mitmachen will. Und ich denke nein.

Bewegungen planen europäische Massenproteste gegen Verarmungspolitik | Blockupy Frankfurt


Es sind eigentlich mehrere Gründe. Einmal liegt der Schwerpunkt der Veranstaltungen, wie bei so vielen bestimmten Aktionen, auf gewalttätiges Verhalten. Was mir eh nicht so liegt. „Besetzen, blockieren, lokale Kämpfe“. Demonstrieren ist ja o.k. :wink:

Dann schaue ich, wer da mitmacht:

Zum Gelingen der Tage des Protests bedarf es einer Mobilisierung, die von möglichst vielen aktiv getragen wird: der Occupy-Bewegung, Erwerbsloseninitiativen und Krisenbündnissen, Gewerkschafter_innen, attac-Aktivist_innen, der Umwelt- und Friedensbewegung, antirassistischen und migrantischen, antifaschistischen und linken Gruppen, Jugend- und Studierendenorganisationen, Aktivist_innen der verschiedensten lokalen Kämpfe und der Linkspartei.


Ich habe zwar, als die LINKEN, als Partei hochkamen, die ein, zweimal gewählt. Und die Partei war ja bereits in einigen Landes- und Kommunalparlamenten. In ihrer politischen Arbeit sind sie mir jedenfalls nicht sonderlich aufgefallen.
Wählen tue ich momentan überhaupt nicht mehr. Vielleicht demnächst mal wieder die Piraten. ;-)

Dann ist „links“ ja kein positiv besetzter Begriff. Dort wo Linke jemals an der Macht waren, haben sie nur Unheil angerichtet. Mir ist kein heute noch existierender linker Staat bekannt, über den man positiv berichten könnte. In ihren Menschenrechtsverletzungen stehen sie anderen extremen Staats- und Gesellschaftsformen in nichts nach.

Weiterhin bin ich gegen radikale Gruppierungen überhaupt. Mir ist das egal, ob die rechts oder links stehen. Wer radikal und extrem sich verhalten will und sich so zeigt, das ist für mich grundsätzlich schlecht und mag ich nicht unterstützen.

Der Sozialismus ist für mich keine Alternative. Sonst wären die ganzen „Modellstaaten“ im Ostblock oder sonst wo nicht zusammengebrochen. Deshalb finde ich es nicht richtig, die Marktwirtschaft in Deutschland und Europa anzugreifen. Auch Kapital ist grundsätzlich nichts Verkehrtes, um zum Beispiel neue Projekte zu finanzieren.
Der Missbrauch von Kapital ist das Problem! Zum Beispiel Finanz-Spekulationen oder sinnlose Großprojekte, entschieden ohne Bürgerbeteiligung. Und weitere Geld-Baustellen wie Zinseszins, Geldschöpfung.

Einen Teil der Probleme, die von blockupy angesprochen werden, sehe ich bestimmt genauso, aber ich will über ein Bedingungsloses Grundeinkommen etwas erreichen, und halte diesen Weg für sinnvoller. Während ja ein Großteil der Initiativen, die bei blockupy mitmachen das Grundeinkommen offiziell ablehnen, wie z.B. die LINKEN.
Der Ansatz der blockupy-Aktionen ist mehr, die Schuldigen zu finden und sie anzuklagen. Richtige Lösungsansätze sehe ich nicht so im Vordergrund. Dabei wäre für mich gerade das, der wichtigste Grund für eine Demonstration.

Aber vielleicht gibt es ja demnächst mal wieder eine Demonstration für das Bedingungslose Grundeinkommen. :icon_smile:


Mit Grüßen
 

wolliohne

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ja toll das Wort zum vergangen Sonntag,

kannst du von 654,-Euro/Brutto GE oder so leben?
 

zuteuer

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Der Sozialismus ist für mich keine Alternative. Sonst wären die ganzen „Modellstaaten“ im Ostblock oder sonst wo nicht zusammengebrochen. Deshalb finde ich es nicht richtig, die Marktwirtschaft in Deutschland und Europa anzugreifen. Auch Kapital ist grundsätzlich nichts Verkehrtes, um zum Beispiel neue Projekte zu finanzieren.
Der Missbrauch von Kapital ist das Problem! Zum Beispiel Finanz-Spekulationen oder sinnlose Großprojekte, entschieden ohne Bürgerbeteiligung. Und weitere Geld-Baustellen wie Zinseszins, Geldschöpfung.
Eben. Geld ist nichts schlechtes, aber das Zinseszinssystem ist der Untergang aller Marktwirtschaften, weil es dafür sorgt, dass Reiche, ohne was zu tun, immer reicher werden, und dass Arme bzw. Arbeiter immer ärmer werden, egal, wie sehr sie sich bemühen, aus der Armutsfalle heraus zu kommen. Sie werden einfach immer ärmer, weil sie über den Zinseszins den Reichtum bzw. den Geldzuwachs der Reichen bezahlen müssen.
Die sogenannte "liberale Marktwirtschaft", die wir jetzt haben, da geht es ja nur noch um Profit um jeden Preis. Menschen und menschliche Werte zählen nicht mehr. Das sind für mich die extremsten Auswirkungen menschlicher Gier, das, was wir im Moment erleben, mit extremen Formen der Ausbeutung von Menschen, und, Menschen, die nicht mehr mithalten können, werden einfach so aussortiert, sozialverträglich entsorgt.
Das liegt alles am Geldsystem. Geld im Übermaß macht Menschen gierig und es führt dann zu solchen Auswüchsen, wie wir sie im Moment erleben.

Ich glaube, dass in unserer Gesellschaft die Mächtigen kein bGE wollen, weil sie dann die Kontrolle über die Bevölkerung verlieren. Kontrolle haben sie durch Angst und Manipulation über Medien längst bekommen.

Ich engagiere mich bei Occupy Cologne und erlebe dort keinerlei linke Beeinflussung. Nein, es geht bei Occupy schlicht um den Kampf gegen die Banken. Natürlich werden auch in Vorträgen, Hintergründe erklärt, also zb. über unser Geldsystem. Ist dann ganz erfrischend, von der Seite noch mal dasselbe zu erfahren, wie ich es bereits aus dem Internet über diverse andere Quellen (Wissensmanufaktur, Timetodo.ch usw) gehört hatte. Ich kann auch gar nicht sagen, wie die Leute da zum bGE stehen, denn das ist da schlicht eher selten Thema, und wenn, dann nur im Rahmen einer Diskussion über Bücher, zb. vor zwei Wochen haben wir über Felbers "Gemeinwohl-Ökonomie" gesprochen, darin ist ein bGE enthalten, also als Teil eines veränderten wirtschaftlichen Systems, wie sowas aussehen könnte.
Nachzulesen hier: Occupy Cologne

Der Ansatz der blockupy-Aktionen ist mehr, die Schuldigen zu finden und sie anzuklagen. Richtige Lösungsansätze sehe ich nicht so im Vordergrund. Dabei wäre für mich gerade das, der wichtigste Grund für eine Demonstration.
Das sehe ich anders. Klar muss man die Schuldigen finden und idealerweise entmachten. Denn mit den Schuldigen für die heutige Misere wird keine Veränderung möglich sein. Die Schuldigen wollen das nämlich so, wie es heute ist, sie wollen eine kleine, reiche Oberschicht (sie selbst), die die Welt regiert, und sie wollen eine große, auszubeutende Unterschicht, mit der sie nach Belieben verfahren können. Die Schuldigen werden den Teufel tun, und der Unterschicht (der arbeitenden Bevölkerung und den Arbeitslosen) ein bGE zukommen lassen, denn ein bGE macht Menschen frei.
Die Schuldigen wollen aber keine freien Menschen.

Deshalb finde ich den Ansatz von Occupy ideal - er ist frei von politischen Ideologien, er ist weder links noch rechts, jeder kann einfach so mitmachen (es gibt genug zu tun), und bei Occupy geht es nur gegen den Verursacher der weltweiten Misere: Das Kapital. Größtenteils sind das nun mal Banken, sind auch ein paar Pharmariesen dabei, aber das ist ja alles mittlerweile international so verflochten, es ist einfacher, wenn man das Bild des Schuldigen auf "die Banken" reduziert.

Gruß zurück, zuteuer
 

zuteuer

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Ernsthafte Grundeinkommensmodelle gehen nicht von einem so niedrigen Betrag aus. I.d.Regel spricht man von mind. 1000 E pro Kopf.
 

Kaydo

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viona14 schrieb:

Zitat von wolliohne
ja toll das Wort zum vergangen Sonntag,

kannst du von 654,-Euro/Brutto GE oder so leben?
Hallo

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Es ist klasse, das so viele Menschen sich aktiv gegen Hartz4 stellen und die Ungerechtigkeit anprangern. Das unterstütze ich.

Mir ging es auch mehr darum, wie meine persönliche Haltung zu dieser Veranstaltung ist, und wollte mal hören, wie die anderen das sehen. - Der Erkenntnisprozess hört nie auf. :icon_smile:


-------------


Ja, die Aussage von wolliohne zum bGE. Na ja. Wenn man es nicht besser weiß. :icon_wink:

Der Punkt ist der, dass die Preise für Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie völlig wurscht sind. Das bGE garantiert einen existenzsichernden Zugriff auf diese Güter. Hier eine „Hausnummer“ zu nennen (wie 654 oder 1000 oder 1500), ist völlig unnötig. Wenn das bGE da ist, wird entweder die Ware oder der passende Geldbetrag zugänglich gemacht. Es geht gar nicht anders.


Nach Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommen gibt es nur noch Brutto-Einkommen, aber wir müssen zwei Einkommensarten unterscheiden:


a) Das Bedingungslose Grundeinkommen. Dieses ist existenzsichernd. (Bei Konsumsteuer könnten z.B. die existenzsichernden Güter mit 0% besteuert werden.)
Allerdings wird es ein gesellschaftliches Gespräch darüber geben, was angemessen ist und was nicht (am Beispiel von Hartz4 sieht man sehr schön, was unangemessen ist und eine Schande für die Parteien, die das verbrochen haben: SPD und GRÜNE).


b) Zusatzeinkommen. Diese sind ein zusätzliches Einkommen zum bGE (also das, was heute das normale Beschäftigungsverhältnis ist). Zusammen mit dem bGE ist das ein Kombieinkommen.

Bei Verwendung der Konsumsteuer (für dieses Modell stehe ich), wird diese beim Erwerb von Gütern und Inanspruchnahme von Dienstleistungen fällig.


Mit Grüßen
 
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