Bedingungsloses Grundeinkommen - Rainer Roths Einwände

Status

Dieses Thema ist geschlossen.
Geschlossene Themen können, müssen aber nicht, veraltete oder unrichtige Informationen enthalten.
Bitte erkundige dich im Forum bevor du eigenes Handeln auf Information aus geschlossenen Themen aufbaust.

Themenstarter können ihre Themen erneut öffnen lassen indem sie sich hier melden...

Kaydo

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
13 September 2011
Beiträge
285
Bewertungen
8
Hallo allerseits


Martin Behrsing hat einen Link gepostet

Diesen Abschnitt habe ich mir nun durchgelesen und möchte dazu Stellung beziehen.

Rainer Roth spricht in seinem Beitrag anfangs sehr lange über die Zeit der Französischen Revolution, dem Kampf des Bürgertums gegen den Feudalstaat, entwertet aber sogleich die Errungenschaften dieser Zeit (Menschenrechte), in dem er von einem "Menschenrecht auf Privateigentum" spricht, welches alle anderen Menschenrechte überlagern und außer Kraft setzen würde.

Er sieht die Welt eher negativ, in der der „stärkste Mensch“ immer der stärkste Privateigentümer ist. Für ihn ist das größte Problem die Eigentumslosigkeit der Massen und er behauptet: Das Bedingungslose Grundeinkommen (bGE) erkennt die Eigentumslosigkeit der breiten Massen an. Das Recht des „stärkeren, egoistischen Menschen“ würde sich immer durchsetzen. Die Basis des bGE sei die bürgerliche, kapitalistische Gesellschaft. Das bGE würde die real wachsende Ungleichheit anerkennen.
Am Wachstum der realen Ungleichheit ändern auch Umverteilungen nichts.
Die Menschenrechte seien nirgendwo einklagbar und würden dem Recht der Privateigentümer zuwiderlaufen.

Der ominöse Gegner in Rainer Roth Welt ist „das Kapital“:

Indem sie aber die Produktionssphäre dem Kapital überlassen, überlassen sie ihm auch, die Bedingungen des Verkaufs der Ware Arbeitskraft und die Verteilungsverhältnisse so einzurichten, wie es seinen Renditebedürfnissen entspricht.
Das "Menschenrecht auf Privateigentum" verkörpern die „politisch mächtigsten Menschen“, schreibt er. Sie würden sich „vor allem für die Produktion von Mehrwert, nicht für dessen Verteilung“ interessieren.

Rainer Roth versteht sich in erster Linie als Vertreter einer „radikalen Kritik“ am System. Sein Schlüsselsatz lautet:

Die radikale Kritik des BGE dagegen setzt aber nicht auf Lohnarbeit und dadurch erarbeitetes Geld, sondern darauf, dass die Produzenten des gesellschaftlichen Reichtums die Eigentümer der Produktionsmittel werden und sich den von ihnen erarbeiten Reichtum selbst aneignen müssten, um darüber schließlich "ein von Existenznot, staatlicher Bevormundung und ökonomischer Abhängigkeit freies Leben" zu verwirklichen, also das auf dem Boden des Kapitalismus leere Versprechen des BGE zu realisieren.
Er will das die Massen, die Lohnarbeiter, das Eigentum an den Produktionsmitteln erwerben (erkämpfen!) und sie würden sich erst durch diese Maßnahme wirklich befreien. Das bGE dagegen baue auf dem herrschenden System auf hätte keine Befreiung der Menschen zur Folge.


Soweit meine Zusammenfassung. Ich bin etwas ratlos, was man mit Rainer Roth Position überhaupt anfangen kann. Interessant ist erstmal, dass diese Texte, sie sind, soweit ich sehen kann von 2008, heute keine große Rolle mehr in der Diskussion spielen. Ich sehe ihn nirgendwo aktuell zitiert, außer hier jetzt im Forum und ich beschäftige mich schon einige Jahre mit dem bGE. Liegt es daran, dass die Menschen die Welt anders sehen? Roth arbeitet mit Feindbildern (das Kapital), er geringschätzt eher die „angeborenen“ Rechte (Menschenrechte). Sie seien wertlos im Vergleich zum „Recht auf Privateigentum“. Was ich zum Beispiel ganz anders sehe.

Vom Ergebnis her wäre es nun so: Von einem Bedingungslosen Grundeinkommen würden gerade die Menschen, die am wenigsten Geld monatlich zur Verfügung haben, am meisten profitieren. Sie hätten einen Einkommenszuwachs. Aber Rainer Roth will das nicht! Sie sollen lieber dafür kämpfen, „das Eigentum an den Produktionsmitteln“ zu erwerben. Ich vermute, die meisten Menschen mit geringem Einkommen wissen gar nicht, um was es dabei geht. Er schlägt stattdessen, so habe ich es jedenfalls verstanden, Mindestlohn vor und eine Anhebung von Hartz4.

Ich finde Rainer Roth Überlegungen bedenkenswert, aber mehr nicht. Wirklich schlüssige Argumente gegen das bGE habe ich in dem Text nicht vorgefunden. Die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommen würde sofort die größte Not der Menschen beenden und eine menschenwürdige Gesellschaft schaffen. Die Menschenrechtsverletzungen durch die Jobcenter wären vom Tisch. Die Weltsicht, die Rainer Roth da ausbreitet, ist altbacken und nicht mehr zeitgemäß.



Aktuell - Götz Werner in Offenburg


Mit Grüßen
 

Gartenfreund

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
23 Dezember 2010
Beiträge
563
Bewertungen
29
Ich habe den Eindruck, dass sich immer mehr Menschen mit dem Thema BGE beschäftigen und sich viele dafür aussprechen.
 

whistler

Elo-User*in
Mitglied seit
7 Oktober 2011
Beiträge
302
Bewertungen
62
Da bin ich vollkommen Deiner Meinung!
Der Beitrag von Rainer Roth ist so ein typischer Beitrag eines emeritierten Professors, der seine Pension erhält und sich mit alten Klassenkampfparolen, die für die Forumsbetreiber wie Tacheles typisch und anachronistisch sind, beschäftigt.
Diese "Gutmenschen" bewirken politisch absolut nichts und sind einem Denken verhaftet, das man nur noch als antiquiert bezeichnen kann. Insofern passt er gut mit Herrn Thomè zusammen.
 
Status

Dieses Thema ist geschlossen.
Geschlossene Themen können, müssen aber nicht, veraltete oder unrichtige Informationen enthalten.
Bitte erkundige dich im Forum bevor du eigenes Handeln auf Information aus geschlossenen Themen aufbaust.

Themenstarter können ihre Themen erneut öffnen lassen indem sie sich hier melden...
Oben Unten