Bedarfsgemeinschaft mit Rentnerin (die Minijobberin ist). Ändert sich der Alg2 - Betrag von dem Mann, wenn die Frau mehr Geld aus ihrem Minijob erhält?

Harald

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Liebe Elos,

ich glaube, ich habe einen Denkfehler bezüglich der Anrechnung von Einkommen aus dem Minijob einer Rentnerin.

Die Rentnerin (Altersrente) ist in einer Bedarfsgemeinschaft mit dem Ehemann (Alg2-Empfänger).

Wohnungskosten:

230€ Miete + NK
60€ Heizung


Mann: ( noch kein Rentner)

389 Regelsatz
+
115 Miete
+
30 Heizung
____________
= 534 Alg2



Frau:

200€ Altersrente
+
250€ Minijob
__________________
= 450 Einkommen


*die Frau bekommt keine Grundsicherung, aber ich glaube es stünde ihr zu?

Nun zu meiner Frage. Es wird sich doch nichts an dem Alg2 von dem Mann ändern, wenn sie frau z.b. 300 € bekommen hätte von dem Minijob?

Der Mann behauptet und diskutiert darüber, dass er an ALG2 an 50 € weniger kriegen würde. Hat er recht?
 

grün_fink

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Die Frau müsste, da sie in Altersrente ist, eine Aufstockung vom Sozialamt bekommen (SGB XII).
Minimum Regelbedarf plus halbe Miete, ggf. noch Mehrbedarf. Da Altersrente, könnten auch Versicherungen vom Einkommen abgesetzt werden (Hafptpflicht, Hausrat und co), so dass es noch mehr sein könnte.

Achso, das Einkommen muss natürlich abgezogen werden.
Zahlbetrag also mindestens Regelbedarf plus ihr Mietanteil minus ihr Arbeitseinkommen.
Der Rest wie beschrieben.
 

Harald

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@ela1953 vielen Dank für die Antwort..du meinst aber wahrscheinlich 534€? Aber zurück zu meiner Frage.. wenn die Frau bisschen mehr aus ihrem Minijob erhält, dann kriegt der Mann doch nicht automatisch weniger um diesen Betrag?

Das Maximale was er kriegt ist doch Alg2 Satz+ halbe Miete + halbe Heizkosten...sehe ich richtig so?

Und die Frau kann doch NUR Grundsicherung beantragen, da sie doch Rentnerin ist, und das Jobcenter für sie nicht mehr zuständig ist. Habe ich recht?
 

Harald

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@grün_fink Vielen Dank für die Antwort! Also habe ich alles richtig verstanden. Die Regelsätze sind ja gleich sowohl bei Alg2 als auch Grundsicherung...für den Mann ist JC zuständig, für Frau die Grundsicherung.

Also hat der Mann doch Unrecht, wenn er behauptet, dass bei ihm die Alg2 abgekürzt wird, wenn die Frau bisschen mehr Geld aus dem Minijob kriegt.
 

grün_fink

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So schnell geht das nicht.
Rechne Regelbedarf plus ihr Mietanteil plus eventuell den von mir genannten "Kleckerkram". Das ist das Minimum, was ihr zusteht und da muss sie ihren Mann überhaupt nicht unterstützen, da sie selber Grundsicherung beziehen würde.
Auf den Euro genau weiß ich das nicht, bin nicht ganz im Bilde. WEiß auch nicht genau, ob beide den Single-Regelbedarf bekommen oder nur den geringeren für di Ehepaare.
Jedenfalls sehe ich bei der kleinen Rente und dem Verdienst noch jede Menge Luft nach oben, bevor ihm etwas gekürzt wird, weil sie etwas mehr verdient.

Wo man aufpassen muss, das ist das Schonvermögen bei so Misch-BGs. Könnte sein, falls beide da irgendwie drüber liegen, dass da erst etwas aufgebraucht werden muss.
Im SGB XII ist es auch schwieriger mit Auto, falls da eins oder 2 vorhanden sein sollte.
 

grün_fink

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Das scheint jetzt günstiger geregelt zu sein wie ich das kannte.
online-Seite 125
Beispiel: BG zwischen einem älteren Arbeitslosen und seiner dauerhaft voll erwerbsgeminderten Ehefrau
Die Ehefrau des 61-jährigen Arbeitslosen ist dauerhaft voll erwerbsgemindert. Zuständig für ihre Existenzsicherung ist das SGB XII, die Grundsicherung bei voller Erwerbsminderung. Das Ehepaar erhält von zwei Ämtern (Jobcenter, Sozialamt) die existenzsichernden Leistungen und muss jedes Mal getrennt bei diesen Ämtern Anträge stellen. Die Bedürftigkeitsprüfung richtet sich nach den günstigeren Vorschriften des SGB II. Das nach dem SGB II geschützte Schonvermögen und Einkommen gilt bei „gemischten BG“ auch im SGB XII.
zum Original-Urteil
BSG, Urteil vom 09.06.2011,
B 8 SO 20/09 R.

Diese Arbeit wird auch vom Harald Thome empfohlen
https://www.harald-thome.de/fa/hara...enzsicherung_SGB-II,-AsylLG,-SGB-XII_VMDO.pdf
und der veröffentlicht nicht alles.
 

bondul

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Also hat der Mann doch Unrecht, wenn er behauptet, dass bei ihm die Alg2 abgekürzt wird, wenn die Frau bisschen mehr Geld aus dem Minijob kriegt.
Richtig, denn selbst bei 50 EUR mehr ist der sozialhilferechtliche Bedarf der Frau (534,00,-) nicht gedeckt. Wenn sie, was zu empfehlen wäre, GruSi nach SGB XII beantragt, wird ihr Gehalt zunächst auf ihre Leistung angerechnet (§ 82 SGB XII), da bliebe derzeit wohl nur ein geringer anrechnungsfähiger Betrag für das Jobcenter (Mann) übrig. Ohne GruSi Leistungen der Frau wird beim Mann nichts angerechnet, da bei der Frau ja weiterhin Bedarfsunterdeckung besteht.
 
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