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Bald Körperstrafen für Arbeitslose?

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rayuell

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#1
Das der ausgeklügelte System der Sanktionen durch Arbeitsamt einwandfrei funktioniert, kann ich nur bestätigen. Alleine in der letzten 20 Tagen bekam ich vier wenigstens zwölf Seiten starke - samt Rechtsbelehrungen und Anhörungsbögen - Ankündigungen der 30%-gen Kürzung – macht zusammen 120% der Leistung nach ALGII. Um kurz zu machen, habe ich mich schuldig gemacht weil ich eine Tarif bedingte Einmalzahlung (Weihnachtsgeld) erhielt, zweitens ich nahm ein Sonderurlaub zur Pflege meiner kranken Tochter, durch Kinderarzt attestiert, drittens bekam ich für meinem seit Oktober studierender Sohn Kindergeld, das auf Bedarfsgemeinschaft als Einkommen angerechnet eine Überzahlung ergeben habe, viertens sollte ich bis 27 Dezember eine Abrechnung vorlegen, dass bei mir am 30 Dezember ankam. Nota Bene - All die Änderungen waren der Arbeitsagentur rechtzeitig mitgeteilt...
Vorläufige Krönung ist das heute angekommene Schreiben der Vestischen Arbeit, dass, weil mein Sohn ein Zimmer für die Studiendauer gemietet hat, sollte ich mit meinen beiden jüngeren Kinder wegen der 12 qm innerhalb von der nächsten 6 Monaten meine jetzige Wohnung kündigen.


Die Hyperaktivität der Mitarbeiter der ARGE lässt langsam ein Verdacht aufkeimen, dass sie ihre Leistungsprämien nach der Zahl angedrohten und vollstreckten Sanktionen bekämen.


Herr Koch kann also ruhig schlafen, auch alleinstehende Aufstocker/innen werden hart bestraft, auch wenn sie wie ich außerhalb der gesetzlichen Betreuungszeiten arbeiten mangels passender Arbeitsplätze müssen und vor allem unter dem Damokles-Schwert der 6-Monatigen Sperre und anderen Sachen, die das Leben mit Hartz4 so angenehm machen.


Ein Jagdsaison auf Arbeitslose hat vor Jahren Financial Times Deutschland gerufen mit dem Satz, dass Hartz4 sollte der notwendige „Tritt in Axxxx der Arbeitslosen“ werden. Nach den Freien Demokraten sollen das untere Zehntel der Gesellschaft nur „ledige Mütter und Alkohol- und Drogensüchtige“ sein, die für die Folgen ihres Handelns selbst einstehen müssten. Die begehrte Wählerklientel in der „Mitte“ hört das immer gern.
Der Mittelstand kann den polaren Hauch der Hartz4 förmlich spüren, und desto mehr ist bereit, durch lauten Applaus die Herren Sarazzin, Mißfelder, Witzel und viele anderen zu honorieren (es untermauert die Meinung über der „nichtsnutzigen Gattung“ und immer schwächer werdendes Gefühl, etwas Besseres zu sein). Dabei ein Otto Normalbürger nimmt in Kauf, dass er – aus Angst, zu der Gattung nicht gehören – und ist mit all den Einbüßen in seinem Rechten als Bürger und Arbeitnehmer einverstanden. Der brave Bürger, der ein Vegetarier wird, bloß um nicht den Verdacht zu erwecken, er wäre auf Frikadellen oder Maultaschen scharf. Er verzichtet aufs Urlaub und ein Drittel der Gehalt, um bloß nicht arbeitslos zu werden.


Eine zunehmende Tendenz über Beschreibung der Hartz4 hat sich als Ziel gesetzt, alle erwerbslosen als die kriminelle Schicht, die für die Wirtschaftskrise und die Verschuldung der Städte verantwortlich ist, zu präsentieren. Vielleicht gehört das zum guten Ton oder soll ein Nationalsport werden, die Opfer der Krise als Täter darzustellen. Unabhängig davon, dass die Sätze über der Hartz-Empfänger ein Realitätsverlust beweisen, denn die Verschärfung der Sanktionen ist ein Prozess, das so alt wie die Reform selbst ist.


Viele Köche verderben der Brei und der Roland schafft das sogar im Alleingang – er serviert eine Kost welche so derb mit Überdosis der Haß und Ignoranz versehen, dass bei Hungernden sogar der nicht vorhandener Frühstück hoch kommt. Habe ich etwas verpasst, ist die kollektive Bestrafung Millionen Menschen inzwischen legitim geworden und Diffamierung auf der Tagesordnung? Welche Strafen sollten noch eingeführt werden, ist ein Hartz4-Empfänger nicht schon hart genug dafür bestraft, dass er kein Recht auf Arbeit hat? Hat man dem Koch nicht gesagt,
dass die Strafen schon gibt, oder meint er Einführung der körperlicher Strafen?


Es soll die Hartz4-Monopoly endlich als Lehrmittel unter der privilegierten Teil der Bevölkerung eingeführt werden. Als Startkapital der Regelsatz ALGII und 31 Tage je ein Ereignis...
Von Rechnung von Kieferorthopäden bis eintägigen Klassenfahrt, Nachzahlung der Stromrechnung, kaputte Waschmaschine, Sanktionen, Kürzungen, Sperren, verschobene Unterdeckung, Wachstumsschübe der Kinder. In diesem Spiel kann man nur verlieren: von Geld bis Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, Stolz und Würde, Obdach und Ansehen, Freunde, Privatsphäre...und Platz in einer Gesellschaft.

„Es ist faszinierend, was seelische Schmerzen bei einem Menschen anrichten können, der in keiner Weise schwach oder hinfällig ist. Seelische Schmerzen sind heimtückischer als körperliche, denn sie können nicht durch Morphiuminfusionen, Spinalanästhesie oder eine Operation gelindert werden. Wenn sie einen einmal in ihrem Griff haben, ist es, als könnte einen erst der Tod von ihnen erlösen. Es ist harter, grausamer Realismus, wie man ihn sonst nirgends findet.“ (Philip Roth, „Der menschliche Makel“)
 
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#2
Die körperliche Züchtigung ist doch längst da. Schon bei einer 30%-Sanktion bleibt einem gar nichts anderes übrig, als am Essen zu sparen.

„Es ist faszinierend, was seelische Schmerzen bei einem Menschen anrichten können, der in keiner Weise schwach oder hinfällig ist. Seelische Schmerzen sind heimtückischer als körperliche, denn sie können nicht durch Morphiuminfusionen, Spinalanästhesie oder eine Operation gelindert werden. Wenn sie einen einmal in ihrem Griff haben, ist es, als könnte einen erst der Tod von ihnen erlösen. Es ist harter, grausamer Realismus, wie man ihn sonst nirgends findet.“
Das ist richtig, aber unvollständig. Seelische Schmerzen ziehen nämlich regelmäßig "echte" gesundheitliche Probleme nach sich. Die ganze Palette der psychosomatischen Beschwerden ist möglich.

Aber das ist auch so gewünscht. Und wenn der Psychoterror zum Tode/Suizid des Opfers führt ... so what? Jeder Erwerblose weniger ist gut für die Statistik und ein Erfolg.
 

Bambi_69

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#3
(...)Jeder Erwerblose weniger ist gut für die Statistik und ein Erfolg.
Nur ein toter Elo ist ein guter Elo? Ist es wieder mal soweit?
Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich ... Ihr wißt schon was ich meine.

Die Menschheitsgeschichte, eine Historie der Wiederholung.
Man kann noch soviele Mahn- und Denkmäler errichten, die auf Grausamkeiten der Menschheit aus damaligen Zeiten zeigen. Man kann noch Jahre im Geschichtsunterricht sitzen und büffeln und ackern und auswendig lernen. Aber der Mensch an sich scheint doch ein dummes lernresistentes Wesen zu sein. Blind, taub, stumm - gerade dann, wenn eigentlich alle Sinne und aller Mut am Meisten gebraucht werden.
Und was macht der Mensch an sich? Er wird bestenfalls betroffen vor den Mahnmahlen stehen, mit geneigtem Kopf und schuldbewußtem Antlitz, er wird über seinen Geschichtsbüchern sitzen und sich hochmütig darüber auslassen, wie dumm, wie blind, wie taub und stumm seine Vorfahren agierten, ach wie selbstsüchtig oder feige sie waren und vielleicht wird er sich ihrer sogar schämen - UND DANN wird er geradewegs in seiner eigenen zeitlichen Gegenwart das nächste Unheil und die nächste Grausamkeit zulassen oder gar unterstützen. Selbst wenn er von irgendjemand darauf hingewiesen wird: "Hey, sieh doch, Du machst genau das, was Du immer verhindern wolltest! Du machst genau die gleichen Fehler, wie Deine Vorfahren!" Er wird es dennoch tun. In seiner Ehre gekränkt oder weil er es nicht wahrhaben will, wird er sagen: "Aber DAS ist doch was ganz anderes, das kann man doch nicht (miteinander) vergleichen! Und das Leid von heute ist nichts im Vergleich zum Leid von damals aus dieser und jener Zeit und aus dieser und jener Lage... Die Opfer von da und da, sie waren schlimmer dran, als die Opfer von dort und von heute (sofern es überhaupt Opfer gibt)... und überhaupt SO schlimm ist es ja nun auch wieder nicht..."
Und so weiter und so fort.
Und die Geschichte? Sie kennt keine Gnade. Sie wiederholt sich und wiederholt sich und wiederholt sich... weil man sie möglicherweise auswendig aber nie AUS IHR gelernt hat.
Ach Gott, lass Hirn vom Himmel regnen, noch und nöcher...

Liebe Grüße
Bambi_69
 

rayuell

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#5
Danke....
Ich denke noch zu Koch, Hartz u.ä. - sollte einer ach wie ehrenhafter Zwang zur Gemeinnütziger Arbeit vorkommen, wie Paradox das doch ist - aus der Perspektive der letzten 5 Jahren, wo ich erst mit Pistole auf der Brust ein Eingliederungsvertrag, 2 Wochen 1-Euro-Job (danach bin ich krank geworden) und dann in Aushilfsvertrag, geringfügig, 2 Stunden Arbeit/Tag und 3 Stunden Fahrt zu Arbeit, in März werden es 4 Jahre - sozialversicherungspflichtig, aber keine Chancen mit drei Kinder, keine Perspektiven aus der "Aufstockung" raus zu kommen, Hartz4-Empfänger oder Schrödinger Katze - was uns, dem Kinder und mir, weggenommen worden ist, das ist die Zeit. Ich habe in Breslau Bibliothekswissenschaften und wissenschaftliche Information, ich habe mich auf Schulbibliotheken spezialisiert - aber in Deutschland gibt es kaum Schulbibliotheken, also bin ich jetzt eine qualifizierte "Technische Redakteurin". Jetzt habe ich das Gefühl, 12 Semester selbst finanzierten Studium in Klo gespült zu haben. Für Lesepatenschaft - ehrenamtlich - habe ich einfach keine Zeit. Meine Kids sind alle lesend und schreibend zur Schule gegangen.
Ich habe vor Agenda schon vollzeit gearbeitet, aber selten Gefühl gehabt, eine Rabenmutter zu sein. Die Zeit nach der Arbeit stand uns zur Verfügung frei. Man kann sagen, damals waren wir freie Menschen. Heute noch erinnern wir uns an ZOO-Ausflüge, Kinobesuche... Unter H4 ist das nicht möglich. Jede Wochenende gibt es Schreibkram, jede Woche Termine und Besuche bei Arbeitsamt, danach tagelang Depressionen und der nicht immer erfolgreicher Kampf, sich das nicht anmerken lassen - ich bin keine Schauspielerin, und die Aufrichtigkeit war schon immer einer der Prinzipien. Unter chronischen Schlafarmut und Anämien, Hypertonie - Rapid Eye Movement hat 100% Recht, "Die körperliche Züchtigung ist doch längst da"!

Ich denke, die Medien- und Politikhetze hat eine Wirkung, das weitere Regression der Humanismus möglich macht: Man entwickelt als H4-Empfänger ein Schuldgefühl, so ähnlich wie bei Vergewaltigungs-Opfer, bei Opfer aller Verbrechen.

Kämpft Ihr nicht auch mit dem Drang, zum Schreien? Oder ist die Ratslosigkeit, Sprachlosigkeit größer? Bei mir variert das. Ich glaube, langsam an eine Grenze angekommen zu sein. Da hilft nicht, das der Gesetzgeber so will: Der Gesetzgeber hat für mich ganze Glaubwürdigkeit verloren und greift nicht nur mich, greift Kinder an - nicht nur meine...

Ich möchte nicht darüber denken, welche Auswüchse, welche Formen der künstlich durch Medien geschürten Haß annehmen kann.
 

Tamina

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#6
Ich möchte nicht darüber denken, welche Auswüchse, welche Formen der künstlich durch Medien geschürten Haß annehmen kann.
Du kannst z.B. JEDEN Hund zu einer unkontrollierbaren, wütenden, um sich beissenden Bestie machen...man muß ihn nur lange genug quälen.

Genau das passiert gerade mit über 7 Mio Menschen hier in Deutschland. Die Polit-Marionetten wissen das auch und sind heilfroh, daß sie den BW-Einsatz im Innern noch so in aller Ruhe vorbereiten und legitimieren können.

An dieser Stelle würde ich jetzt eigentlich sagen wolllen, daß es mich wundert, daß es so ruhig ist und nicht schon viel mehr passiert ist (in puncto Gewalt), aber das sage ich jetzt mal nicht, denn übereifrige Staatsanwälte lesen auch hier mit (Grüß euch Jungs und bitte beachten: Ich schrieb, ich WÜRDE sagen wollen. Hab ich aber nicht:icon_eek:).
 

rayuell

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#7
Nicht JEDEN, Tamina, da hast Du Recht. Aber was ist mit der unzufriedenen, sich unterdrückt und als wahre Opfer fühlenden Schicht der Mitte, die Bildzeitungleser, die Talshowgucker, die, wie in heutigen Leserbrief in Recklinghäuser Zeitung schreiben, dass der Vorstoß Herr Kochs völlig in Ordnung ist und es bleibt nur hoffen, dass die Zwangsarbeit für die Schmarozer schnell genug umgesetzt wird?
Die sich schuldig fühlen (sollen) lassen alle Represalien über sich ergehen in der (immer schwächer werdenden) Hoffnung, die intelektuelle Elite, Rechtsstaat, Gott, Allierten oder sonst welche Kräfte werden eine Reform in Sinne des Verfassung und Grundmenschenrechte ermöglichen, als das sie selbst sich dagegen stemmen können.
Die blutrünstige Bestie schlümmert ganz nah an der Oberfläche der Habenden, weil sie noch mehr haben wollen.
Ist das nicht Grund, weshalb kaum jemand sich als Hartzer auten will?
Wenn jemand in 1-Euro-Maßnahme o. ä. abdelegiert wird, hat wenigstens ein Gefühl, KEIN Schmarozer zu sein und fühlt sich nicht beleidigt, nicht empört, wenn man pauschal die arbeitslosen als Drückerberger diffamiert.
Denn uns fehlt irgendwie ein Zugehörigkeitgefühl. Wir sind in einer Seifenblase und abstrakt. Wir haben kein Gesicht. Wir sind unsichtbar und abwesend, und die Awesenden sind immer in Unrecht, weil sie sich nicht wehren können.
Gleichzeitig wissen wir, dass ein Arbeitsamt-Logo uns auf dem Stirn für immer tatooviert worden ist.
Ich habe weniger Angst von Mißfelder oder Koch als von Schmidt oder Müller von gegenüber, dass er in blinder Wut über das politische und ökonomische Geschehen Selbstjustiz gegen uns ausüben können.
 

Nimschö

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#8
Meine Güte, Jungs, Mädels, Männer, Frauen:

Sucht Euch Freunde... Welche mit denen man über den aktuellen Mißstand reden kann, denen man mit dem was man als Hartzi hat ( was in den meisten Fällen auf Zeit beschränkt ist) helfen kann und die sich dafür( laut meiner Erfahrung) oft ungefragt revangieren...

Wenn meine alten SBs wüßten, wieviel Einkäufe, Discoeintritte, Schuhe, Kinobesuche, Geld um den Gerichtsvollzieher vor der Tür zu stoppen ich so schon an den hals geworfen bekommen habe... Ouuuuh... Und all das dafür, daß ich nicht sweiter gemacht hab als ein offenes Ohr für die Dilemmas meiner Freunde udn Bekannten zu haben, zuzuhören und auch mal zu sagen "Ey, kann ich für Dich erledigen...". Das reichte von mal ne Woche mit dem Wauwau Gassi gehen, bei Umzügen helfen, den Ältesten an den Ohren aus der Disco zerren bis zu "ernsten, einschlagenden" Gesprächen mit prügelnden Ex-Ehemännern...

Schöner Nebeneffekt: Man fühlt sich gebraucht, als kompetenten Ansprechpartner für fast alles erwünscht und wertvoll... Super fürs Ego ;)

Ihr könnt doch alle was, was nicht jeder kann: Macht was drauß und wenn es erst mal nur für Euch ist... Neiiiin, das ist keine Aufforderung zu Schwarzarbeit! ( aber wenn einem einer den Händedruck mit Papier gibt und dann ganz schnell wegrennt, was soll man machen? ;) )
2er schöner Nebeneffekt: Man bekommt Connections, lernt die unmöglichsten Leute kennen, die einem in den schrägsten Situationen den Rücken stärken können...

Macht Euch nicht klein, laßt Euch nicht klein machen, Brust raus, Schultern nach hinten!

( Nebenbei: Mich reizt seit Jahren aufgrund des Gebahrens der örtlichen JobAgentur ein Imitat des berühmten KZ-Schildes "Arbeit macht frei" des Nachts über dem Eingang dieser Einrichtung anzubringen. Die sind da NOCH menschenverachtender, als die flitzekackebraunen von anno dazumal. Bürokratie tötet noch langsamer als Gas, aber genauso sicher... Immerhin weiß ich: Selbst in unserer Stadtverwaltung sind die Jungs und Mädels aus der JA in etwa so beliebt wie Urlaubssperre oder Streichung des Weihnachtsgeldes :D )
 
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#9
@Nimschö:

Du färbst das jetzt etwas zu positiv und krönst Deine Aussagen mit der Aufforderung: Macht es so wie ich.

Ich will Dir Deine eigenen positiven Erfahrungen auch gar nicht madig machen, aber es sind und bleiben Deine persönlichen Erfahrungen, die Du in Deinem ganz persönlichen Umfeld gemacht hast. Man sie nicht so ohne Weiteres auf andere übertragen kann.

Sucht Euch Freunde...
Hört sich toll an. Freunde wachsen aber nicht auf den Bäumen. Um überhaupt Kontakt zu nichtbetroffenen Mitmenschen zu bekommen, muss man dorthin gehen, wo diese Menschen sind. Das scheitert häufig schon an der Tatsache, dass das üppige Hartz IV-Salär keine aushäusigen Vergnügungen zulässt.

Meine eigene Erfahrung zeigt, dass man entweder Freunde aus der Zeit vor H IV hat, oder gar keine (Nichtbetroffenen). Freundschaften wollen auch gepflegt sein. Mir sind während meines Daseins als Hilfeempfänger ehr Freunde abhanden gekommen. In gewisser Weise kann ich das sogar verstehen. Nicht dass man mich diskriminiert hätte, man hat durchaus immer wieder versucht mich einzubeziehen. Aber wenn aus finanziellen Gründen so gut wie keine gemeinsamen Aktivitäten mehr möglich sind, verabschiedet man sich nach und nach schleichend aus der Lebenswirklichkeit der Nichtbetroffenen.

Ich habe auch Freunde dazugewonnen, klar. Aber das sind eben Betroffenen wie ich. Wir haben viele Schnittmengen, uns gehen die Gesprächsthemen nicht aus. Nur ... Einkäufe, Discoeintritte, Schuhe oder Kinobesuche lassen sich aus diesen Freundschaften nicht finanzieren.
 
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#10
<<< Die Hyperaktivität der Mitarbeiter der ARGE lässt langsam ein Verdacht aufkeimen, dass sie ihre Leistungsprämien nach der Zahl angedrohten und vollstreckten Sanktionen bekämen. >>>

:icon_evil: ...schon vergessen, dass damals der Müntefering einen Wettbewerb :icon_neutral:der ARGEn in Gang geleitet hat, welche ARGE die meisten Erwerbslosen wieder "in Arbeit" bzw. vergrault und so von dem Bezug von Ha(tz)rtz IV wegbringt. Diese Dienststellen bzw. die Mitarbeiter bekämmen dann eine Erfolgs-Prämie ausbezahlt. War damals auf jedem Sender zu sehen... :icon_kotz:
 

Gaestin

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#11
( Nebenbei: Mich reizt seit Jahren aufgrund des Gebahrens der örtlichen JobAgentur ein Imitat des berühmten KZ-Schildes "Arbeit macht frei" des Nachts über dem Eingang dieser Einrichtung anzubringen. Die sind da NOCH menschenverachtender, als die flitzekackebraunen von anno dazumal. Bürokratie tötet noch langsamer als Gas, aber genauso sicher... QUOTE

dann sprich bitte mit Nachkommen von Opfern von damals oder
mit den wenigen Überlebenden, diese Äußerung hier finde ich
äußerst bedenklich. Weißt Du wirklich, was damals passiert ist?
Hört sich nicht so an. Kann gern Dokumente liefern.
 

rayuell

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#12
Meine Güte, Jungs, Mädels, Männer, Frauen:

Sucht Euch Freunde...

( Nebenbei: Mich reizt seit Jahren aufgrund des Gebahrens der örtlichen JobAgentur ein Imitat des berühmten KZ-Schildes "Arbeit macht frei" des Nachts über dem Eingang dieser Einrichtung anzubringen. Die sind da NOCH menschenverachtender, als die flitzekackebraunen von anno dazumal. Bürokratie tötet noch langsamer als Gas, aber genauso sicher... Immerhin weiß ich: Selbst in unserer Stadtverwaltung sind die Jungs und Mädels aus der JA in etwa so beliebt wie Urlaubssperre oder Streichung des Weihnachtsgeldes :D )
Nimschö, ich weiß nicht wo Du Deine Zeit her hast? Bin heute um 4.00 aus dem Bett, mit ersten Bus zur Arbeit um pünktlich 6.30 am Ort und Stelle zu sein, um 10.00 hatte ich Zahnarzttermin (nur Kontrole, trotzdem bis 11.00 Uhr gewartet), bei Arbeitsamt Lohnabrechnug für Januar vorlegen (eine Stunde) dann noch schnell zu Hause Wäsche waschen, spülen, saugen, um 13.15 zur Schule und Kind abgeholt, danach Essen, beim HA etwas über Schulter schauen, um 15.30 Uhr wieder los, zur Kirchenchor (eine Alternative zur nicht bezahlbarer Musikschule - die Geige steht nur rum...) Um 17.00 Uhr zu Hause, Wäsche aufhängen, Bügeln - nach dem Tagesschau werden mir die Augen schon zu fallen aber versprochen habe ich noch eine Partie "Mensch, ärgere Dich nicht"... Dann noch die Sachen für morgen fertig machen, in Tornister nachschauen, Sportzeug usw. Jeden Tag geht es so, und das ist eigentlich noch harmlos, heute ist die Tafel zu, da sind meist drei- vier Stunden Wartezeit... Wo kann man da solche Aktivitäten noch rein pressen? Ich bin eine tickende Bombe, es sind zwar ein Paar Monate her als ich das letzte mal umgekippt bin, aber mit meinem Glück und für meinem Arbeitgeber bin ich nur am WE krank.

@ Rapid Eye Movement - siehst Du, mir geht auch so, und so wird wohl der Mehrheit gehen. Hartz4 drückt ins gesellschaftliche Abseits. Die von H4 betroffene Kinder spüren das am meisten, weil sie der Konfrontation nicht entgehen können. Und die können diese Isolierung oft nicht in Wörte fassen. Meine Tochter (gerade 10 geworden) kam letzte Freitag aus der Schule ganz erschrocken, ihre Kolleginen haben sich in der Pause unterhalten: "Kennst du der Patrick? Der ist wohl doof, der kauft bestimmt bei Tafel ein!" Gekicher.

Meine Tochter hatte ganze WE darunter gelitten und immer wieder davon gesprochen. "Ist doch nichts schlimmes, wenn man bei Tafel kauft, oder? Wir kaufen doch auch bei Tafel ein?"

Im Sommer ist sie mal zu Besuch zu einer Kollegin. Kam ganz traurig nach Hause und wollte nicht, dass das Mädchen auch mal uns besucht. "Sie hat zwei Zimmer für sich alleine und jede Menge Spielzeug, und Wii, und eigenes Fernseher, und PC."
Ach so.

Jetzt muss ich weiter in Haushalt wirken... Danke Euch für inspirierende Antworten :)
 

Gaestin

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#13
( Nebenbei: Mich reizt seit Jahren aufgrund des Gebahrens der örtlichen JobAgentur ein Imitat des berühmten KZ-Schildes "Arbeit macht frei" des Nachts über dem Eingang dieser Einrichtung anzubringen. Die sind da NOCH menschenverachtender, als die flitzekackebraunen von anno dazumal. Bürokratie tötet noch langsamer als Gas, aber genauso sicher... QUOTE

dann sprich bitte mit Nachkommen von Opfern von damals oder
mit den wenigen Überlebenden, diese Äußerung hier finde ich
äußerst bedenklich. Weißt Du wirklich, was damals passiert ist?
Hört sich nicht so an. Kann gern Dokumente liefern.
Letzte Woche waren genug Fotos von Auschwitz da,
hat Nimschö nicht wahrnehmen können.
So eine Äußerung ist krank krank krank
 
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#14
@Gaestin: Solche Beiträge, u.a. von Nimschö, tauchen hier fast wöchentlich auf. Es ist BILD-Zeitungs- oder Stammtisch-Niveau und durch nichts mehr zu toppen.

Und Du hast Recht: Diese Zeitgenossen sollten sich wirklich mit Opferverbänden der vom Nationalsozialismus Verfolgten in Verbindung setzen und ein wenig mehr über Geschichte erfahren.
 

rayuell

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#15
Noch, bevor mein Sohn sich weiter an der PC ans Referat macht:
zur "Arbeit macht frei" - ich bin absolut gegen solcher Aktionen. Armut macht schwach und stumm, und die Gewißheit, unter immer schärferen Sanktionen und Repressalien zu leben, wird der Öffentlichkeit, an der Blausäure der Talkshows und Bild-Zeitung-Berichten über Nichtsnützer nicht klar: Die Rolle der Opfer und Täter ist dank Medien schon schön festgestellt.
Vielmehr sollte man vielleicht in Form einen Flaschenpost einzelne Schicksale veröffentlichen die das wahre Dasein der von Hartz4-betroffenen veranschaulichen. Die (sozio-)pathologische Minderheit gilt als Standard und dient als Musterbild - auch die von Medien befestigte Meinung, dass Leben mit Hartz4 ist ein Honigschlecken auf Kosten der Gesellschaft.
Hartz 4 ist nicht nur Einsparprogramm, sondern eine Atacke auf Grundrechte und mit Menschenwürde nicht zu vereinbaren. Das ist, wie mit dem Kauf der kriminell beschaffenen Steuerhinterzieher-Daten - genauso kriminell. Wenn jemand jetzt sagt, die Regierung wird dadurch seine Glaubwürdigkeit verlieren, frage ich, wie kann man verlieren, was man schon längst verloren hat. Welche Glaubwürdigkeit?
 

Nimschö

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#16
Och, Möööönsch...
Ich bitte nur um Verständnis dafür, daß mir langsam die Schimpfbezeichnungen und Gleichnisse für die Arge-Arbeitsweisen ausgehen, da driftet man( insbesondere wenn man sich gerade mal wieder aufregt) schonmal ins Grenzwertige ab... Nebenbei "reizt mich dieser Gedanke", was nicht heißt, daß ich es für eine gute Idee halte so etwas auch zu tun( sonst hinge das Ding schon seit Jahren da). Ich habe auch GANZ SICHER nicht im Sinn, die Gräuel des NS-Regimes zu verharmlosen, Ihr Reflexkämpfer...

Ansonsten: Viel Spaß auf Eurer Geisterjagd... Wenn wegen solcher zugestandenermaßen "unglücklich formulierter" aber inhaltlich hoffentlich eindeutiger Aussprüche wie meinem Vorherigen sofort mit verbalen Steinen auf einen geschmissen wird, dann überlegt man sich doch, inwiefern einige an einem Informations-, Erfahrungs- oder Eindrucksaustausch interessiert sind, oder einfach mal nur wen suchen, auf dem sie rumhacken können. Klassisches Inet-Forumsniveau, das üblicherweise mit seinen Freunden Springerblättchen-Niveau und RTL-Niveau irgendwo unter der Teppichkante Fallschirm springt und das ich von HIER eigentlich nicht gewöhnt bin...
 

Nimschö

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#17
@Nimschö:

Du färbst das jetzt etwas zu positiv und krönst Deine Aussagen mit der Aufforderung: Macht es so wie ich.

Ich will Dir Deine eigenen positiven Erfahrungen auch gar nicht madig machen, aber es sind und bleiben Deine persönlichen Erfahrungen, die Du in Deinem ganz persönlichen Umfeld gemacht hast. Man sie nicht so ohne Weiteres auf andere übertragen kann.
Natürlich färbe ich das positiv ein... Bei all dem Schmu, den man sich den halben Tag um die Ohren hauen lassen muß, hilft es vielleicht irgendwem mal aus seinem Schneckenhaus zu kommen... Oder liefert wenigstens Gesprächsstoff, im Sinen von Unterhaltung. Ansonsten war der gedachte Unterton auch, daß mittlerweile die antike Form der Sozialversicherung( Familie, Freunde) mittlerweile wieder besser funktioniert, als die Staatliche... :/
 

Atlantis

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#18
Ein Jagdsaison auf Arbeitslose hat vor Jahren Financial Times Deutschland gerufen mit dem Satz, dass Hartz4 sollte der notwendige „Tritt in Axxxx der Arbeitslosen“ werden. Nach den Freien Demokraten sollen das untere Zehntel der Gesellschaft nur „ledige Mütter und Alkohol- und Drogensüchtige“ sein, die für die Folgen ihres Handelns selbst einstehen müssten. Die begehrte Wählerklientel in der „Mitte“ hört das immer gern.
Der Mittelstand kann den polaren Hauch der Hartz4 förmlich spüren, und desto mehr ist bereit, durch lauten Applaus die Herren Sarazzin, Mißfelder, Witzel und viele anderen zu honorieren (es untermauert die Meinung über der „nichtsnutzigen Gattung“ und immer schwächer werdendes Gefühl, etwas Besseres zu sein). Dabei ein Otto Normalbürger nimmt in Kauf, dass er – aus Angst, zu der Gattung nicht gehören – und ist mit all den Einbüßen in seinem Rechten als Bürger und Arbeitnehmer einverstanden. Der brave Bürger, der ein Vegetarier wird, bloß um nicht den Verdacht zu erwecken, er wäre auf Frikadellen oder Maultaschen scharf. Er verzichtet aufs Urlaub und ein Drittel der Gehalt, um bloß nicht arbeitslos zu werden.


Eine zunehmende Tendenz über Beschreibung der Hartz4 hat sich als Ziel gesetzt, alle erwerbslosen als die kriminelle Schicht, die für die Wirtschaftskrise und die Verschuldung der Städte verantwortlich ist, zu präsentieren. Vielleicht gehört das zum guten Ton oder soll ein Nationalsport werden, die Opfer der Krise als Täter darzustellen. Unabhängig davon, dass die Sätze über der Hartz-Empfänger ein Realitätsverlust beweisen, denn die Verschärfung der Sanktionen ist ein Prozess, das so alt wie die Reform selbst ist.


Viele Köche verderben der Brei und der Roland schafft das sogar im Alleingang – er serviert eine Kost welche so derb mit Überdosis der Haß und Ignoranz versehen, dass bei Hungernden sogar der nicht vorhandener Frühstück hoch kommt. Habe ich etwas verpasst, ist die kollektive Bestrafung Millionen Menschen inzwischen legitim geworden und Diffamierung auf der Tagesordnung? Welche Strafen sollten noch eingeführt werden, ist ein Hartz4-Empfänger nicht schon hart genug dafür bestraft, dass er kein Recht auf Arbeit hat? Hat man dem Koch nicht gesagt,
dass die Strafen schon gibt, oder meint er Einführung der körperlicher Strafen?

“ (Philip Roth, „Der menschliche Makel“)


Hab dein Stadement nur mal etwas Umgeschrieben nicht auf dem Elo bezogen sondern auf dem Banker.


Ein Jagdsaison auf Banker hat der Seuerzahler in Deutschland gefordert mit dem Satz, dass die Börsensteuer und Regelementierung durch Gesetze der notwendige „Tritt in Axxxx der Banker“ werden sollte.

Nach den Ausgebeuteten Steurzahler sollen die Banker nur „ Gier- und Kapitalsüchtig“ sein, die für die Folgen ihres Handelns selbst einstehen müssten. Die begehrte Wählerklientel der „Steuerzahler“ hört das immer gern.

Eine zunehmende Tendenz über Beschreibung der Banken hat sich als Ziel gesetzt, alle Banker als die kriminelle Schicht, die für die Wirtschaftskrise und die Verschuldung verantwortlich ist, zu präsentieren.

Vielleicht gehört es zum guten Ton oder soll ein Nationalsport werden, die Gewinner Banker der Krise als Opfer darzustellen. Unabhängig davon, dass die Sätze über den Renditengewinnern ein Realitätsverlust beweisen, denn die Verschärfung andere Auszubeuten ist ein Prozess, der so alt wie Rom selbst ist.

Viele Börsen Zocker verderben den Brei und der Ackermann schafft das sogar im Alleingang – er serviert eine Kost welche so derb mit einer Überdosis Haß und Ignoranz versehen ist, dass bei den Ausgelutschten sogar das nicht vorhandene Kapital hoch kommt. Habe ich etwas verpasst, ist die kollektive Ausbeutung von Millionen Menschen durch die Banker inzwischen legitim geworden und die Schmarotzerhilfe für Banken und Reiche Anleger auf der Tagesordnung? Welche Strafen sollten noch eingeführt werden, ist ein Banker nicht schon hart genug dafür bestraft, dass er kein recht mehr auf Boni haben soll ? Hat man dem Ackermann nicht gesagt,dass es diese Strafe noch nicht gibt, oder meint der Steuerbürger gar die Einführung der körperlichen Strafen?

Nur ein toter Bank.. ist ein guter Bank.. ? Ist es wieder mal soweit?
Ich kann gar nicht soviel Zahlen, wie ich ... Ihr wißt schon was ich meine.

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Segelstine

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#19
ja sicher geht es in die Richtung
der neue Vorchlag, alle HartzIVer müssen ehrenamtlich Arbeit erledigen, bringt dann wenigstens noch mehr Arbeitslose.
Die Institutionen, die darauf Anspruch machen können - werden dann wenigstens alle Mitareiter entlassen und nur noch mit ehrenamtlichen HartzIVern arbeiten.
Dann bringt das doch wenigstens den Gewinn, den sie anstreben.
Oder?
 

ela1953

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#20
Ich bin froh, dass ich meine Kinder ohne die Hartz IV Gesetze großziehen durfte.

Seit 1992 allein erziehend mit geringem Einkommen. Zustellung nachts von Tageszeitung SOZIALVERSICHERIUNGSPFLICHTIG!

Daneben gab es ergänzende Sozialhilfe und Kindergeld.

Mit dem ersten SB war es ja ein Kampf "Zuerst müssen Sie das Haus verkaufen" Aber mit Hilfe einer Obdachlosenstelle meinen ersten Einblick ins Kämpfen mit Paragraphen bekommen.

Nach ca acht Monaten war dann die Berechnung durch. Dann auf dem Flur von einem anderen Wartenden erfahren, dass es Kleidergeld gibt im Frühjahr und im Herbst
SB: Ach, haben Sie noch nie was bekommen?

Dann wechselte der SB und ich lebte unbeschwert und beinahe glücklich. Es gab ohne Probleme Betten und/oder Matrazen, eine Waschmaschine, Klassenfahrten.

1998 besuchte ich meinen ersten PC Kurs Einführung in die EDV für Frauen. Kostete nur ein paar Mark. Da lernte ich eine Frau kennen, die auch alleinerziehend war und von ihrem SB verboten bekam, diesen Kurs zu besuchen. (ich hab meinem gar nicht davon erzählt)
Von der Frau erfuhr ich dann von verbilligten Ferienfahrten - hätte ich gerne früher gewusst.
1999, ich mittlerweile 46, mein Sohn 12, die Mädchen 16 und 18, bat ich meinen SB um einen Arbeitsplatz im Rahmen von "Arbeit statt Sozialhilfe"

Da war der sehr erstaunt: Sie brauchen doch gar nicht arbeiten. Sie haben doch drei Kinder.
Das ist schon mal ein Grund, Und außerdem haben Sie noch einen Job.

Aber er zeigte sich meinen Argumenten wegen meines Alters und dem Alter der Kinder sehr aufgeschlossen.
Ich bekam zwar nichts im Rahmen dieser o.g. Aktion, aber mit seinen Tipps fand ich meine erste, wenn auch befristete, Anstellung.

Wenn ich jetzt hier immer lese, wie die jungen Mütter gezwungen werden zu arbeiten, ihre Kinder in Kitas zu parken kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

Wohin soll das noch führen.
 

Yorkfield

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#21
Hi, Leute.

Kann ich euch mal um etwas mehr Toleranz bitten ?
Was soll den der Krampf, sich gegenseitig in den Rachen zu springen ?
Überschüssige Aggressionen ? Dann geht bitte erst mal etwas spazieren bevor ihr euren PC anschaltet.


Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich ... Ihr wißt schon was ich meine.
Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Jeder mag da seine eigene Strategie entwickeln, wie er damit fertig wird.
Ich persönlich versuche mich von den Problemen abzulenken.
Man mag sagen, daß ich in einer Traumwelt lebe, aber es ist meine Überlebensstrategie.
Wenn ich mich selber permanent an meine Machtlosigkeit erinnere, werde ich ganz schnell bekloppt !

Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß manche Mitmenschen es sehr genießen können, wenn es einem anderen schlecht geht.
Je schlechter es einem geht, desto besser fühlen sie sich (siehe ARGE Mitarbeiter z.Bsp.).

Man muß ja nicht auch noch deren kranken Erwartungshaltungen erfüllen !
Diese perverse Phase (Schule, Arbeit, ...) meines Lebens habe ich Gott sei Dank hinter mir.


Es gibt 3 Handlungsmöglichkeiten, wenn ein Mensch unter Stress steht:


1. Er geht gegen den Agressor (die Ursache des Stresses) an.
Das geht in den meisten Fällen nicht.

Entweder ist er nicht zugänglich oder sogar unbekannt, und / oder übermächtig, oder unwillig / unfähig sich der Auseinandersetzung auszusetzen.


2. Er flieht vor dem Aggressionsverursacher, um sich zu vor weiteren Schäden zu schützen.
Das geht in den meisten Fällen auch nicht.

Entweder man befindet sich in einer Abhängikeit (Arbeitgeber, Partner, ARGE ...) oder das Problem ist nur vorübergehend, d.h. für kurze Zeit gelöst.


3. Man wird bis auf weiteres handlungsunfähig.
Dieser Zustand ist vergleichbar mit einem Lähmung.


Ich kämpfe häufig mit den Punkten 2 und 3.
Punkt 2 veruracht ein weiteres Problem, eine nicht gewollte Vereinsamung nämlich.
Punkt 3 macht mir sehr zu schaffen, denn Existenzängste und die Abwesenheit vom Vertrauen in die Zukunft ist eine schwere Bürde zu tragen.
Mein eigenes Potential dessen, wozu ich körperlich und geistig fähig wäre, ist in so einem Zustand erheblich herabgesetzt.

Ich vermute, daß es anderen Leidensgenossen ähnlich geht.
 
E

ExitUser

Gast
#22
Kann ich euch mal um etwas mehr Toleranz bitten ?
Was soll den der Krampf, sich gegenseitig in den Rachen zu springen ?
Überschüssige Aggressionen ?
Ich emfinde diesen Thread eigentlich als ziemlich harmlos und konstruktiv.

Natürlich entwickelt jeder seine eigene Strategie um als Erwerbsloser mit argen und gesellschaftlichen Demütigungen umzugehen. Da gibt es auch kein richtig oder falsch. Wenn es denn eine "Traumwelt" sein soll, dann ist das auch ok.

Probleme verdrängen ist vielleicht auch nicht die richtige Umschreibung. Ich war vor rund 3 Jahren mit folgendem Ausspruch einer argen Kreatur konfrontiert:

"Solange Sie vom Geld der Steuerzahler leben, haben Sie sich 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr um Arbeit zu bemühen. Das kann die Gesellschaft von Ihnen erwarten."

Nun, das mag bis zu einem gewissen Grad sogar stimmen. Wenn man sich aber über lange Zeit, vielleicht sogar über Jahre erfolglos um Arbeit bemüht hat, dann relativiert sich das. Ich behaupte, wer sich nicht irgendwann mit seiner besch... Situation arrangiert (was weitere Bemühungen ja nicht grundsätzlich ausschließt), der wird früher oder später zum Strick greifen. Man mag das Verdrängung nennen, aber es ist ab einem bestimmten Zeitpunkt überlebensnotwendig.
 

Yorkfield

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#23
Wenn ich jetzt hier immer lese, wie die jungen Mütter gezwungen werden zu arbeiten, ihre Kinder in Kitas zu parken kann ich nur mit dem Kopf schütteln.
Ja, das verstehe ich auch nicht.

Es bedarf doch nur etwas natürlichen Menschenverstand um zu sehen, daß die Entwicklung junger Kinder mehr von ihren Bezugspersonen abhängt, und weniger von (ständig wechselnden) KITA Personal.
Das ist ein weiteres Beispiel der vielen kranken Auswüchse unseres Kapitalismus.


[...] alle HartzIVler müssen ehrenamtlich Arbeit erledigen, das bringt dann wenigstens noch mehr Arbeitslose.
Ehrenamtlich arbeitende Arbeitslose bringen normalerweise nicht die notwendigen Qualifikationen mit.
Beispiel Pflegepersonal, Altenpfleger, Krankenschwester, etc ...

Wird ein Arbeitsloser in ein Altenheim als Entlastung des Personals eingesetzt, mag er eine sehr wichtige Aufgabe erfüllen und dem großen Problem der chronischen Unterbesetzungen entgegenwirken, aber er ersetzt normalerweise nicht das Hauptpersonal.


Ich emfinde diesen Thread eigentlich als ziemlich harmlos und konstruktiv.
Hi, REM

mein Aufruf für mehr Toleranz war an z.Bsp. Gaestin gerichtet.

Ich war vor rund 3 Jahren mit folgendem Ausspruch einer argen Kreatur konfrontiert:

"Solange Sie vom Geld der Steuerzahler leben, haben Sie sich 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr um Arbeit zu bemühen. Das kann die Gesellschaft von Ihnen erwarten."

Nun, das mag bis zu einem gewissen Grad sogar stimmen.
Ich widerspreche dem energisch !

Bloß weil unser menschenverachtendes Gesellschaftssystem sich einbildet, es könne die Definition eines einzelnen Menschen nach gutdünken der Situation anpassen, heißt es noch lange nicht, daß es richtig ist.

Erst machen die Menschen sich breit und besetzen jedes freies Fleckchen mit dem Anspruch der rechtmäßige Besitzer zu sein, mit der Option ihren "Besitz" so weit zu vergrößern, daß ein einzelner Mensch von etwas in Anspruch nimmt, was 1 Million Menschen genügen würde um ein würdevolles Leben zu führen, dann wagen sie sich auch noch zu behaupten, das wäre alles rechtmäßig und moralisch zu vertreten.

Wenn jemand diese Denkart unterstützt ist er entweder über die Jahre erfolgreich konditioniert worden, selber Nutznießer des perversen Systems oder einfach nur ein dummer Mitläufer.
 

Gaestin

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#25
Gaestin; dann sprich bitte mit Nachkommen von Opfern von damals oder mit den wenigen Überlebenden sagte :
das ist das was ich geschrieben habe.
 

roterhusar

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#26
Danke Gästin
Auf die Fragestellung, ob psychische Gewalt wirklich mit Körpergewalt vergleichbar ist, wüsste ich einige Antworten, leider entartet die Debatte in nicht greifbaren Schuldabwehrsgedöns gegenüber Großeltern.
Dass sich mit den "Emos" rechte Strukturen entwickeln, ist einmal mehr bestätigt.
Kein Fußbreit den Faschisten.
 

alk4

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#27
Deine Einstellung finde ich klasse, endlich mal einer der ***** in der Hose hat. Ich bin zwar noch nicht so vielfältig angagiert, aber die Richtung ist die gleiche. Vielle hier im Forum sind aber schon viel zu down um noch irgendwas auf die Reihe zu bekommen. Die sind leider nur noch verharzte, verwaltete Empfänger. Deswegen passiert in diesem unseren Lande auch nüscht, weil die Armen sich immer alles bieten lassen, im Gegensatz zu anderen Ländern.
 
E

ExitUser

Gast
#28
Wenn jemand diese Denkart unterstützt ist er entweder über die Jahre erfolgreich konditioniert worden, selber Nutznießer des perversen Systems oder einfach nur ein dummer Mitläufer.
Als Mitläufer hat mich eigentlich noch niemand bezeichnet, ob ich dumm bin mögen andere beurteilen. :icon_wink:

Man muss auch differenzieren können. Das habe ich in meinem Beitrag versucht. Ich finde es nach wie vor völlig richtig, dass grundsätzlich jeder seinen eigenen Lebensunterhalt bestreiten soll. Natürlich so er das gesundheitlich kann. Das ist der eine Teil. Punkt.

Der andere Teil ist aber, dass das gegenwärtige ausbeuterische System Millionen Menschen schlicht keine Chance gibt, sich mit Würde selbst zu ernähren, den eigenen Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Und wenn dann noch heuchlerisch behauptet wird, man sei ja selbst Schuld, wenn man keine auskömmliche Erwerbsbeschäftigung finde, dann ist das zweifelsohne zum :icon_kotz:. Wo es keine Erwerbssarbeit gibt, kann man auch keine finden. Völlig egal ob man 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr sucht.

Darum mein Gedanke, man kann und darf sich als Erwerbsloser nicht permanent in diese Falle des schlechten Gewissens drängen lassen, sondern muss akzeptieren, dass man ausgeschlossen wurde. Mir ging es um die psychische Bewältigung des Traumas Erwerbslosigkeit.

Wenn Du meinst ich hätte damit sagen wollen, man müsse sich mit Hartz IV abfinden oder mit den derzeitigen gesellschaftlichen Verhältnissen insgesamt, dann hast Du mich gründlich missverstanden.
 
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