Bafög, Alg II und Kindergeld....puh

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FrauNachbarin

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Hallo Ihr Lieben,

ich habe wiedermal eine Frage....:icon_kratz:

Folgendes: Mein Kind möchte studieren und wie es aussieht klappt es auf Anhieb mit einem Studienplatz :icon_pfeiff:

Aber für mich wird es schon jetzt (beim nachdenken) kompliziert und da ich gerne im Vorfeld Bescheid wissen möchte, hier nun die Fragen:

Wie wird das Bafög angerechnet? Voll?
Wie sind das mit den Studiengebühren aus?
Kann ich Bücher und Materialkost beim Jobcenter einreichen? :icon_confused:
Das Kindergeld wird ja auch für Studenten gezahlt, wird es auch weiter angerechnet?
Wie läuft das mit der Krankenversicherung?

Wäre schön, wenn sich jemand auskennt und mir hilfreiche Infos schreibt.

PS: Habe ich was vergessen?:icon_redface:
 

FrauNachbarin

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Lieben Dank, aber ich lese seit 14 Uhr und irgendwie komme ich nicht weiter.
Das Kindergeld ist klar, inzwischen.
Aber, wie läuft das mit der Krankenversicherung. Ich habe gerade einen "Zwangsantrag" auf EMR stellen müssen.
Und wie sieht das mit den Studiengebühren aus? Darüber finde ich nichts. Jahresticket ist auch noch nicht geklärt.
Oder suche ich nur an der falschen Stelle:cool:
 

wommi

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Als erstes solltest Du klären, ob ALG2 oder BAFÖG !
Also, wenn das Kind bei den Eltern wohnt, gibt es kein BAFÖG !
Kindergeld gibt es bis zum Alter von 28 Jahren !
Krankenversicherung über die Eltern (es sei denn, das Kind hat einen gutbezahlten Nebenjob) !
Sind die Eltern ALG2-Empfänger, gibt es weitere Vergünstigungen !
P.S.: Das meiste steht doch in dem Beitrag aus dem Link.
Wie die Studiengebühren gezahlt werden (müssen) kann ich nicht sagen - mein Sohn bekam BAFÖG, da er auswärtig studiert hat.
 

biddy

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Also, wenn das Kind bei den Eltern wohnt, gibt es kein BAFÖG !
Doch
§ 13 BAföG
Bedarf für Studierende


(1) Als monatlicher Bedarf gelten für Auszubildende in

1. Fachschulklassen, deren Besuch eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt, Abendgymnasien und Kollegs 348 Euro,

2. Höheren Fachschulen, Akademien und Hochschulen 373 Euro.

(2) Die Bedarfe nach Absatz 1 erhöhen sich für die Unterkunft, wenn der Auszubildende

1. bei seinen Eltern wohnt, um monatlich 49 Euro,

2. nicht bei seinen Eltern wohnt, um monatlich 224 Euro.

(3) (Aufgehoben)

(3a) Ein
 

biddy

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422 € Bafög-Bedarf nach § 13 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 2 Nr. 1 BAföG

Der Student ist von Leistungen nach dem SGB II ausgeschlossen, kann aber einen Zuschuss zu den ungedeckten Kosten der Unterkunft beantragen, wenn er bei den Eltern wohnt und seine Unterkunftskosten nicht gedeckt sein sollten (Zuschuss ist gedeckelt auf die Differenz der angemessene KdU und dem im BAföG enthaltenen Anteil für's Wohnen), siehe § 27 Abs. 3 SGB II (gilt nicht als Alg II!):
*klick* § 27 SGB II Leistungen für Auszubildende Sozialgesetzbuch (SGB)

20 % des BAföG (hier wird dann aber der Bedarf eines Studenten, der NICHT bei seinen Eltern lebt, herangezogen, also 597 €) werden als ausbildungsbedingter Absetzbetrag nicht auf den fiktiven Alg-II-Bedarf angerechnet, um diesen KdU-Zuschuss zu ermitteln.
Ebenso gibt's die Versicherungspauschale (30 €) und ggf. Kfz-Haftpflichtversicherung, die noch abgesetzt werden können vom (einzigen??) Einkommen BAföG und Kindergeld Deines Kindes:

422 € Bafög
- 119,40 € ausbildungsbedingter Absetzbetrag
+ 184 € Kindergeld
- 30 € Versicherungspauschale
-----------------
= 456,60 € zu berücks. Einkommen Student

456,60 € Einkommen
- 306,00 € Regelbedarf (Volljährige)
-------------
= 150,60 € sind noch übrig für den Anteil an den Kosten der Unterkunft und Heizung

KdU-Anteil zum Beispiel 220 €, dann gäbe es als KdU-Zuschuss nach § 27 Abs. 3 für den vom Alg II ausgeschlossene Azubi:

220 € Bedarf KdU-Anteil
- 150,60 € durch eigenes Einkommen gedeckt
--------------
= 69,40 € KdU-Zuschuss für den Studenten
(weniger als die Differenz (220-49=171 €) zwischen dem im Bafög enthaltenen Anteil für's Wohnen (49 €) und dem vom Jobcenter anerkannten, angemessenen KdU-Anteil des BG-Mitglieds (hier nur als Beispiel mal 220 € genommen)

Liegen im Übrigen die ausbildungsbedingten Aufwendungen für Fahrtkosten und Ausbildungsmaterial monatlich über dem 20-%-igen Absetzbetrag (119,40 €), dann muss in der Rechnung oben der tatsächlich höhere Betrag statt der 119,40 € angesetzt werden.

Ob hier auch die Bücher (Quittungen würde ich aber mal monatlich einreichen) und auch die Studiengebühren mit gemeint sind, kann ich Dir leider nicht sagen.

Siehe auch hier ab Randziffer 11.193:

*klick* https://www.arbeitsagentur.de/zentr...stext-11-11b-SGB-II-Zu-beruecks-Einkommen.pdf
 

FrauNachbarin

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Liebe biddy:danke:
ein ganz liebes!

Du hast mir unglaublich weiter geholfen.

Nein mein Kind hat kein weiteres Einkommen.

Wie sieht das mit dem Rückzahlen aus?

Und wenn man z. B. keine Mietkosten hat, bekommt man doch sicher das Bafög "gekürtzt" oder?

Der Überschuss aus Deiner angeführten Rechnung incl. Mietkostenanteil, würde doch dann mit meinen Leistungen verrechnet.
Da Bafög doch aber anteilig zurückgezahlt werden muss, wäre es schon ziemlich dumm, wenn dieses (der Überschuß, der auch durch den Mietanteil entsteht) dann auch noch mit meinen Leistungen verrechnet werden würden.

Ich mußte einen EMR-antrag stellen, wenn der durch geht, würde ja nichts gegengerechnet oder doch? Mich würde es ziemlich fuchsen, wenn mein Kind hinterher Bafögschulden an der Backe hat, die im Grund für mich draufgegangen/gegengerechnet worden sind.:icon_confused:

Ist wirklich nicht einfach. Überall ließt man was anderes und wird dadurch richtig kirre.

Wenn ich mir dann noch vorstelle, unvorbereitet zum Jobcenter gehen zu müssen:icon_kotz:......daher frage ich lieber 3 mal nach bevor ich mich von meinem SB über den Tisch ziehn lasse.

Danke für Eure Hilfe im voraus.
 

biddy

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FrauNachbarin meinte:
Wie sieht das mit dem Rückzahlen aus?
Was meinst Du mit "rückzahlen"? Meinst Du den KdU-Zuschuss? Der muss nicht zurückgezahlt werden. Oder meinst Du das Bafög?

Und wenn man z. B. keine Mietkosten hat, bekommt man doch sicher das Bafög "gekürzt" oder?
Ich bin davon ausgegangen, dass, weil der Studentin oder die Studentin in einem (ich nenne es mal:) "Alg-II-Haushalt" lebt, dass auch Mietkosten anfallen bzw. bei Eigentum zumindest die Nebenkosten, die der Azubi mit abdecken muss - so rechnet ja dann bzw. auch jetzt schon bei euch das Jobcenter: Jeder im Haushalt muss seinen prozentualen Anteil tragen (= Bedarf).

Der Überschuss aus Deiner angeführten Rechnung incl. Mietkostenanteil, würde doch dann mit meinen Leistungen verrechnet.
Es gibt ja keinen Überschuss in meiner Beispielrechnung.
Der Student kann zwar seinen Regelbedarf (306 € ab 18 J.) decken, in der Beispielrechnung aber von 220 € KdU-Anteil nur 150,60 € und benötigt einen KdU-Zuschuss für vom Alg II ausgeschlossene Auszubildende.

Dass Dein "Kind" gar keine Kosten der Unterkunft und Heizung benötigt, müsstest Du mal genauer darlegen, denn auch bisher fällt ja ein gewisser KdU-Anteil als Bedarf nach dem SGB II für Unterkunft und Heizung auf jede Person eurer BG. Ich gehe ja davon aus, dass der Student/die Studentin weiterhin bei euch wohnen bleibt (??).
Und selbst bei Wohneigentum fallen ja zumindest Nebenkosten wie Heizung, Wasser, Müll usw. an.

Ich weiß nicht, ob ich Dich hier richtig verstehe:
Du meinst also, Dein Kind hätte diese 150,60 €, die noch für's Wohnen reichen müssten, komplett übrig, weil sie nicht zu eigenen Bedarfsdeckung benötigt werden, gar kein KdU-Bedarf anfällt?
 

FrauNachbarin

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Hallo,

ja mit dem Zurückzahlen meine ich das Bafög. Das muss doch anteilig wieder zurückbezahlt werden.

Nein, dass Jobcenter zahlt keine Miete für uns. Also fallen keine Kosten f Unterkunft an.

Daher ja auch meine Sorge, dass meine Kind am Ende durch das Bafög mich "finanzieren" muss. Da Bafög ja immer anteilig zurück gezahlt wird, wäre das noch ärgerlicher.:icon_dampf:
Da wird doch jeder Studi bestraft, wenn er aus einem Hartz 4 Haushalt kommt. Hat vom höheren Bafög nichts, nur eben den normalen Hartz4-Satz weil der Überschuß ja auf die BG angerechnet wird:icon_neutral: hat einen Haufen Ausgaben (Bücher etc.) und darf am Ende des Studiums dann auch noch Bafög-Geld zurück zahlen. Und da steige ich eben nicht durch.:icon_eek:

Deshalb frage ich doppelt und dreifach.
 

biddy

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FrauNachbarin meinte:
ja mit dem Zurückzahlen meine ich das Bafög. Das muss doch anteilig wieder zurückbezahlt werden.
Dass Bafög zum Teil ein Darlehen ist und wieder zurückgezahlt werden muss, wird leider hier dann nicht berücksichtigt.

Nein, dass Jobcenter zahlt keine Miete für uns. Also fallen keine Kosten f Unterkunft an.
Magst Du was über die Gründe sagen? Zumindest Heizkosten und die üblichen Betriebskosten lt. Betriebskostenverordnung müssten doch anfallen.
Ich weiß leider nicht, wie's ist, wenn für den Studenten gar keine Unterkunftskosten anfallen, also ob's dann überhaupt die 49 € nach § 13 Abs. 2 Nr. 2 BAföG gibt *grübel*, aber ich denke schon (nur eine Vermutung!), da es, so meine ich, eine Pauschale ist für's Wohnen bei den Eltern, ohne dass die tatsächlichen Kosten interessieren.
Ggf. weiß die Userin @Erolena etwas darüber - vielleicht schaut sie ja mal hier in den Thread und kann dazu etwas sagen.

Hat vom höheren Bafög nichts, nur eben den normalen Hartz4-Satz weil der Überschuß ja auf die BG angerechnet wird:icon_neutral:
Meines Wissens nach darf ein eventueller "Überschuss" des BAföG gar nicht beim Alg-II-Bezieher im Haushalt als dessen Einkommen angerechnet werden. Dazu kann es ja auch gar nicht kommen, denn der Student hat einen ausbildungsbedingten Absetzbetrag, also einen Freibetrag von
119,40 €, der schon mal nicht vom Bafög auf seinen eigenen fiktiven (fiktiv, weil er ja nicht Alg-II-berechtigt ist) Alg-II-Bedarf angerechnet werden kann. Somit blieben von den 422 € Bafög noch 302,60 € als Einkommen übrig. Der Regelbedarf beträgt ja bei ab 18-Jährigen schon 306 €.

Leider darf aber das Kindergeld, welches der Student nicht mehr zur Bedarfsdeckung benötigt, an das kindergeldberechtigte Elternteil übertragen und ihm somit als eigenes Einkommen angerechnet werden. So gesehen hast Du also schon Recht, dass das "Kind" die Eltern mit überschüssigem Einkommen "finanziert". Nur eben nicht mit dem Bafög, sondern es ist immer das überschüssiges Kindergeld, welches ja nach dem EStG Einkommen der Eltern ist und im SGB II aber vorrangig dem Kind zur Bedarfsdeckung zugeordnet wird soweit es es benötigt.

Trotz allem wird der Student immer 119,40 € Freibetrag vom BAföG mehr haben als ein Kind aus einem "Alg-II-Haushalt", welches keinerlei eigenes Einkommen hat. Dazu kommen dann noch die 30 € Versicherungspauschale und, falls die Fahrtkosten (und ggf. Kosten für Ausbildungsmaterial) über monatl. 119,40 € liegen sollten, die Mehrkosten dafür.
Das mit den Kosten für's Ausbildungsmaterial würde ich, wie gesagt, auch probieren, also Einreichung aller Quittungen, die im Monat so anfallen, denn Bücher sind für mich ebenso Ausbildungsmaterial (auch wenn die BA vielleicht damit Aufwendungen für eine betriebliche Ausbildung meint; ich würd's trotzdem machen und einen begründeten Bescheid darüber haben wollen, falls sie ablehnen). Es sind ja Kosten für die Ausbildung, die für den Studenten anfallen und somit nicht berücksichtigt werden dürften, um den Kindergeldüberschuss bzw. -übertrag ans Elternteil auszurechnen ... der Freibetrag des Kindes würde bei Berücksichtigung also steigen.

Aus dem verlinkten Dokument der BA:
Werden für Fahrkosten und Ausbildungsmaterial insgesamt höhere Kosten nachgewiesen, können die Kosten zusätzlich geltend gemacht werden, soweit sie die 20 %-Pauschale übersteigen (§ 1 Abs. 1 Nr. 10 Alg II-V).
Quelle

Alg II-Verordnung:
§ 1
Nicht als Einkommen zu berücksichtigende Einnahmen



(1) Außer den in § 11a des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch genannten Einnahmen sind nicht als Einkommen zu berücksichtigen:

[...]

10. Leistungen der Ausbildungsförderung, soweit sie für Fahrtkosten zur Ausbildung oder für Ausbildungsmaterial verwendet werden;
[...]
Quelle

Deshalb frage ich doppelt und dreifach.
:icon_daumen:
 

FrauNachbarin

Elo-User*in
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Liebe biddy,

:danke:

Du antwortest immer sehr ausführlich, kompetent und nimmst Dir viel Zeit, nicht nur bei mir. Da kann ich nur nochmal :danke: sagen.
 
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