Auszeit zu Beginn der Arbeitslosigkeit mit Aufenthalt im Ausland

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Anoli

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Hallo Zusammen,

ich habe aufgrund einer Standortverlagerung zum 31.03.2016 eine Änderungskündigung erhalten. Im Dezember habe ich mich arbeitssuchend gemeldet und bereits eine Woche später eine Einladung von der Bundesagentur für Arbeit erhalten, um meine berufliche Situation zu besprechen.

Ich plane im April im Rahmen eines "Voluntourism" für drei Monate nach Indien zu gehen, also Freiwilligenarbeit in Kombination mit Urlaub. Die ersten drei Woche plane ich eine Rundreise und die weiteren fünf Wochen ein Voluntariat an einer Grundschule. Nach meiner Rückkehr möchte ich mich beruflich umorientieren und im sozialen Bereich tätig werden. Aktuell bin ich Nachhaltigkeitsbeauftrage und in der Lebensmittelbranche tätig.

Nun weiß ich nicht so recht, wie ich mich bei dem Termin bei der Bundesagentur für Arbeit verhalten soll. Es stellen sich mir folgende Fragen:

- Soll ich die Bundesagentur für Arbeit bereits beim ersten Gespräch von meinem Vorhaben in Kenntnis setzen?
- Wird mir das ALG für diesen Zeitraum gesperrt?
- Verringert sich durch eine Sperrzeit die Dauer des ALG?
- Muss ich mich krankenversichern lassen?

Vielen Dank im voraus für Euren Input.

Beste Grüße
Anoli
 
G

Gast1

Gast
AW: Auszeit zu Beginn der Arbeitslosigkeit

Hi Anoli,

Ich plane im April im Rahmen eines "Voluntourism" für drei Monate nach Indien zu gehen, also Freiwilligenarbeit in Kombination mit Urlaub. Die ersten drei Woche plane ich eine Rundreise und die weiteren fünf Wochen ein Voluntariat an einer Grundschule.

Dann stehst Du dem deutschen Arbeitsmarkt in dieser Zeit nicht zur Verfügung. Pro Kalenderjahr darf ein Arbeitsloser unter Zustimmung der jeweiligen Behörde (Agentur für Arbeit oder Jobcenter) maximal 21 Kalendertage ortsabwesend sein, dies geht aus der so genannten Erreichbarkeitsanordnung hervor (dort § 3 Abs. 1 Satz 1). 8 Wochen Ortsabwesenheit sind eindeutig länger als 21 Kalendertage.

Deswegen, wenn Du Lohnersatzleistungen in Form von Arbeitslosengeld I bekommen wirst, folgender Vorschlag:

Du meldest Dich am 1. Tage Deiner Arbeitslosigkeit persönlich bei Deiner Agentur für Arbeit arbeitslos (arbeitssuchend bist Du ja schon gemeldet). Dadurch sicherst Du Dir Deinen Anspruch auf Dein Arbeitslosengeld I in der Höhe, die Du bisher erarbeitet hast, für die Dauer von vier Jahren. Denn im § 161 SGB III heißt es:

(2) Der Anspruch auf Arbeitslosengeld kann nicht mehr geltend gemacht werden, wenn nach seiner Entstehung vier Jahre verstrichen sind.

Am 2. Tag Deiner Arbeitslosigkeit beendest Du dann durch eine Änderungsmitteilung gegenüber der Agentur der Arbeit Deinen Bezug von ALG I. Dann fliegst Du nach Indien.

Oder aber: Du meldest Dich am 1. Tage Deiner Arbeitslosigkeit nicht arbeitslos bei der Agentur für Arbeit, sondern erst nach Deiner Rückkehr.

Soll ich die Bundesagentur für Arbeit bereits beim ersten Gespräch von meinem Vorhaben in Kenntnis setzen?

Das weiß ich nicht.

Wird mir das ALG für diesen Zeitraum gesperrt?

Wenn Du während dieser Zeit arbeitslos bei der Agentur für Arbeit gemeldet bist, also Leistungen von ihr beziehst, und Du bist dann in Indien ohne eine entsprechende Zustimmung durch die Agentur für Arbeit (die Dir nicht gegeben wird, weil Du länger als 21 Kalendertage ortsabwesend sein wirst), und die Agentur für Arbeit erfährt von dieser Ortsabwesenheit, wird die Agentur für Arbeit alle Leistungen von Dir zurückfordern, die sie Dir in dieser Zeit ausgezahlt hat (ALG I plus wahrscheinlich auch Beiträge zur Rentenversicherung und zur Krankenversicherung). Bei einer solchen Rückforderung handelt es sich aber nicht um eine Sperrzeit.

Sperrzeiten können allerdings (zusätzlich) auch dann entstehen, wenn Du während Deiner unerlaubten Ortsabwesenheit Meldetermine bei der Agentur für Arbeit nicht wahrnimmst, Dich auf Vermittlungsvorschläge mit Rechtsfolgenbelehrungen nicht bewirbst und Maßnahmen zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt nicht antrittst. Beläuft sich die Gesamtheit all Deiner angesammelten Sperrzeiten auf 21 Wochen, erlischt Dein Anspruch auf ALG I, siehe § 161 Abs. 1 Nr. 2 SGB III.

Verringert sich durch eine Sperrzeit die Dauer des ALG?

Ja, siehe § 148 Abs. 1 Nr. 3 SGB III.

Muss ich mich krankenversichern lassen?

Für den Aufenthalt in Indien würde ich mich auf jeden Fall auslandskrankenversichern lassen. Wie das ist, wenn Du 8 Wochen lang in Indien bist und in dieser Zeit in Deutschland nicht krankenversichert bist? Ich glaube, wenn Du dann zurückkommst nach Deutschland und dann Dein ALG I in Anspruch nimmst, bist Du automatisch bei Deiner letzten KK krankenversichert, aber sicher bin ich mir da nicht.
 
G

Gast1

Gast
AW: Auszeit zu Beginn der Arbeitslosigkeit

Für den Aufenthalt in Indien würde ich mich auf jeden Fall auslandskrankenversichern lassen. Wie das ist, wenn Du 8 Wochen lang in Indien bist und in dieser Zeit in Deutschland nicht krankenversichert bist? Ich glaube, wenn Du dann zurückkommst nach Deutschland und dann Dein ALG I in Anspruch nimmst, bist Du automatisch bei Deiner letzten KK krankenversichert, aber sicher bin ich mir da nicht.

Falls hier keine Antwort mit einem Beleg (dem entsprechenden Gesetz) auf diese Frage noch kommt, würde ich Deine KK anschreiben und diese fragen, wie das aussieht, wenn Du 8 Wochen lang keine KK-Beiträge zahlst, also die Mitgliedschaft in Deiner KK für den Indienaufenthalt kündigst: ob Du dann beim anschließenden Bezug von ALG I automatisch wieder in Deiner KK pflichtversichert bist über die Agentur für Arbeit. Anrufen würde ich deswegen dort nicht, lass Dir die Antwort besser schriftlich geben.
 

Doppeloma

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AW: Auszeit zu Beginn der Arbeitslosigkeit

Hallo Anoli,

Ich plane im April im Rahmen eines "Voluntourism" für drei Monate nach Indien zu gehen, also Freiwilligenarbeit in Kombination mit Urlaub. Die ersten drei Woche plane ich eine Rundreise und die weiteren fünf Wochen ein Voluntariat an einer Grundschule. Nach meiner Rückkehr möchte ich mich beruflich umorientieren und im sozialen Bereich tätig werden. Aktuell bin ich Nachhaltigkeitsbeauftrage und in
der Lebensmittelbranche tätig.

Letztlich wird es der AfA wohl egal sein was du genau in den 3 Monaten in Indien machen wirst (arbeiten oder Urlaub), meines Wissens kann man den Beginn der ALGI - Leistung um eine gewisse Zeit verschieben in Abstimmung mit der AfA ... mir fällt der § dafür gerade nicht ein...

Dazu solltest du dich wirklich vor Ort beraten lassen und auch schriftliche Vereinbarungen dazu machen, dass du anschließend ganz normal dein ALGI in Anspruch nehmen kannst..
Eine Sperre wird dann nicht erfolgen aber in der Zeit bist du natürlich auch nicht (über die AfA) Krankenversichert und hast kein Einkommen, es sei denn du kannst von "Vermögen" leben oder bekommst in Indien was gezahlt für deinen Einsatz dort, damit kenne ich mich nicht aus.

Nun weiß ich nicht so recht, wie ich mich bei dem Termin bei der Bundesagentur
für Arbeit verhalten soll. Es stellen sich mir folgende Fragen:

- Soll ich die Bundesagentur für Arbeit bereits beim ersten Gespräch von meinem
Vorhaben in Kenntnis setzen?

Das kannst und solltest du wie oben beschrieben tun, es gibt viele die einen längeren Auslandsaufenthalt planen, ich denke mal die konkreten Einzelheiten werden die AfA nicht unbedingt interessieren, wenn du in der Zeit kein ALGI erwartest ... das käme höchstens für die schon erwähnten 21 Tage im Jahr in Frage.

Allerdings dann innerhalb der laufenden Leistung, also nicht als "Zubrot" für deine Planung verstehen ... das wird nicht funktionieren.

- Wird mir das ALG für diesen Zeitraum gesperrt?

Nein, warum wenn das abgeklärt wurde ...
- Verringert sich durch eine Sperrzeit die Dauer des ALG?

Das wurde dir schon beantwortet aber wenn sich gar keine Sperrzeit ergeben kann, dann hast du später immer noch deinen vollen zeitlichen Anspruch auf ALGI zur Verfügung.

- Muss ich mich krankenversichern lassen?

Das musst du allerdings, seit 2009 ist es Pflicht in D krankenversichert zu sein und ein zeitlich begrenzter Aufenthalt im Ausland ändert das auch nicht, du hast ja deinen Hauptwohnsitz /Lebensmittelpunkt noch immer in Deutschland.

Die Versicherungs-Beiträge (für eine freiwillige Mitgliedschaft in der GEK) liegen aktuell im Monat bei ca. 160 Euro, die fallen auch während deiner Abwesenheit an und zusätzlich brauchst du eine Auslandskrankenversicherung, denn die Deutsche Chipkarte wird dir in Indien nicht viel nützen können.

Innerhalb der EU gibt es teilweise Vereinbarungen für bestimmte Leistungen aber nicht in Indien und der Aufenthalt dort ist ja gesundheitlich nicht "ganz ohne Risiken" ... eine übliche Auslandskrankenversicherung gilt aber nur für (Urlaubs-Reisen) bis zu 6 Wochen am Stück, da musst du also auch noch nach Sondertarifen /Regelungen für 3 Monate ohne "Heimat-Urlaub" dazwischen schauen.

Ob du dir das aus privaten Mitteln wirklich für 3 Monate leisten kannst, ist natürlich deine Entscheidung und die deines Kontostandes ... deine GKV wird dann anschließend wieder als gesetzliche Pflichtversicherung von der AfA übernommen.

Meines Wissens gibt es keine Möglichkeit bei der KK mit der Beitrags-Zahlung einfach "auszusetzen", es ist unerheblich ob man diese Leistungen auch durchgehend in Anspruch nimmt, die Beitragspflicht besteht trotzdem durchgehend ... :icon_evil:

MfG Doppeloma
 

Dira

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AW: Auszeit zu Beginn der Arbeitslosigkeit

Hallo,

ich habe eine ähnliche Frage. Wie genau sieht denn die "Arbeitslosmeldung" aus?
Ich möchte im nächsten Jahr auch drei Monate ins Ausland (Januar bis März) und während der Zeit kein ALG beziehen. Mein befristeter Vertrag endet am 31.12. und natürlich melde ich mich davor arbeitssuchend. Da ich jedoch viel Urlaub übrig haben werde, würde ich gerne schon Mitte Dezember meine Reise beginnen. Dann kann ich jedoch nicht persönlich bei der AfA vorbei, um mich am ersten Januartag arbeitlos zu melden und am nächsten Tag die Änderungsmitteilung abzugeben.

Weiß jemand wie man das machen kann? Kann ich den Status "arbeitssuchend" auch einfach bis Ende März aufrecht erhalten und dann wenn ich wieder in Deutschland bin direkt zur AfA gehen? Also : "Du meldest Dich am 1. Tage Deiner Arbeitslosigkeit nicht arbeitslos bei der Agentur für Arbeit, sondern erst nach Deiner Rückkehr." Ich wusste vorher nicht dass das möglich ist!?

Vielen Dank schonmal für eure Hilfe!
 

Karinik

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Hi,
soweit mir bekannt sollte man sich nicht erst nach der Rückkehr arbeitslos melden. Den Anspruch auf ALG I kann man bis zu vier Jahre ruhen lassen. Daher am ersten Tag der Arbeitslosigkeit anmelden. Wenn dann feststeht, dass ein Anspruch besteht, sofort wieder "abmelden" - sprich den Anspruch ruhend stellen.
 
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ExitUser

Gast
AW: Auszeit zu Beginn der Arbeitslosigkeit

Hallo,

ich habe eine ähnliche Frage. Wie genau sieht denn die "Arbeitslosmeldung" aus?


Hallo!

Die Arbeitslosmeldung muss auf jeden Fall persönlich vor Ort erfolgen.

Bei mir war es etwas einfacher, da ich an meinem ersten Tag der Arbeitslosigkeit einen Termin zur Beratung hatte und der SB das dann gleich eingetragen hat. Habe aber beim Warten mitbekommen, dass man sich für die reguläre Arbeitslosmeldung einfach an der Theke melden muss. Mit Perso.

Grüße
 
Status

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