Auschwitz-Prozess: ehem. SS-Wachmann (94) für fünf Jahre in Haft (1 Betrachter)

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Dagegen72

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Auschwitz-Prozess: Fünf Jahre Haft für früheren SS-Wachmann | ZEIT ONLINE

Reinhold Hanning ist wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen verurteilt worden. Die Anwälte des ehemaligen Auschwitz-Wachmanns hatten Freispruch gefordert.
Der Angeklagte hatte im Prozess zugegeben, Mitglied der SS-Wachmannschaft in Auschwitz gewesen zu sein und vom Massenmord gewusst zu haben.
Seine Verteidigung beantragte trotzdem den Freispruch des Angeklagten, weil keine Beweise für die direkte Beteiligung an konkreten Taten vorlägen. Hanning habe zu keinem Zeitpunkt Menschen getötet, geschlagen oder dabei geholfen. Er habe bloß Befehle befolgt.
Schock - er hätte bloß Befehle befolgt - äh, ja, das tun manche andere auch :icon_motz: :icon_motz:

der ebenfalls angeklagte Gröhning von dem vor längerer Zeit mal berichtet wurde, heißt es im Artikel, sei in einem ähnlichen Prozess ebenfalls für schuldig erklärt worden.
 
G

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Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der die vollen fünf Jahre absitzen muss bzw. kann?

Nichts gegen das Urteil an sich, aber es kommt Jahrzehnte zu spät.
 

Wutbuerger

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Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der die vollen fünf Jahre absitzen muss bzw. kann?

Nichts gegen das Urteil an sich, aber es kommt Jahrzehnte zu spät.
Bis 5 Jahre ist in der Regel offener Vollzug. Abgesessen werden zwei Drittel. Heißt max 3,5 Jahre im Gefängnis übernachten... wenn er denn in dem Alter haftfähig ist
 

XxMikexX

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Bei der Berichterstattung in den Medien über diese Prozesse ist mir aufgefallen:


Die Täter werden mit Echtnamen genannt und mit unverpixelten Bild gezeigt.


Fehlt nur noch die Adresse.



In anderen Strafverfahren ist das völlig anders.

Haben diese Angeklagten weniger Rechte?


Das will ich nur bemerken und heißt nicht das ich Stellung für diese Personen beziehe!
 

Anna B.

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Der ebenfalls verurteilte Gröning...(ich glaube auch ca. 5 Jahre) ist nicht in Haft genommen worden...das Urteil gibt es zwar, die Haftstrafe wird aber wohl, aus gesundheitlichen Gründen, nicht vollstreckt.

so wird es mit diesem Fall auch sein.

Das diese alten Männer nicht ins Gefängnis müssen finde ich in Ordnung...

hätte Deutschland diese Aufarbeitung spätestens in den 60er Jahren vollzogen, wären diese Männer auch bestraft worden, d.h. sie hätten zu der damaligen Zeit auch ins Gefängnis gemußt.

Deutschland hat viel zu viel Zeit verstreichen lassen...wie viele von den Schergen leben denn noch?
Wie viele von den Schergen hat nach dem Krieg auch noch gut bezahlte Posten?

und damit meine ich nicht die Leute aus den Wachmannschaften...damit meine ich hohe Offiziere und Juristen und Beamte...der Krieg war zu Ende und schwupp...saßen die wieder in hohen Ämtern und wurden gut bezahlt..niemals bestraft und bezogen noch eine ordentliche Pension...

Diese Leute hätten bestraft werden müssen.....

es ist ein leichtes, nun nach 70 Jahren die kleinen Soldaten...die selber schiss genug hatten...nun zur Rechenschaft ziehen zu wollen..

aber wie überall: die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen...
 

XxMikexX

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aber wie überall: die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen...
In der Nachkriegszeit haben viele Nazis ihre Karriere unverändert in der BRD fortgesetzt.


Kein einziger Richter aus der Zeit ist jemals zur Rechenschaft gezogen worden!!!


Die Union hatte keine Probleme diese Leute offen aufzunehmen und in hohe Ämter zu befördern!



Deshalb haben diese Prozesse für mich einen faden Beigeschmack, zumal eine konkrete Schuld nicht mehr nachgewiesen werden muß, Sippenhaft reicht!

Wo kommen wir da hin?


Absolut grenzwertig, meine Meinug dazu und ich bin gewiss kein Nazi!
 

AsbachUralt

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Dazu gabe es ja vor Kurzem im TV den Sehenswerten Film über den damaligen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der genau zeigt, wie groß damals das Interesse an einer Strafverfolgung der NS-Täter war, es tendierte gegen Null. Bauer legte man alle möglichen Steine in den Weg.
Allerdings hatte er die volle Unterstützung vom damaligen hessischen Ministerpräsident Georg August Zinn, sonst wäre er wohl schnell abgesägt worden.
Nur die Israelis haben sich dann wenigstens Eichmann in Argentinien geschnappt, woran Bauer nicht ganz unbeteiligt war.

Der Staat gegen Fritz Bauer - Home - Jetzt im Kino - Offizielle Webseite
 
E

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Dann darf sich über die SBs in den Ämtern auch niemand mehr beschweren- die führen ja auch nur aus...

Und wen hätten sie damals auch nehmen sollen. Die Schergen waren nunmal diejenigen, die die entsprechenden Kenntnisse in den gewünschten Bereichen hatten. Das Land sollte schließlich laufen.
 

Hartzer

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Ich will den Holocaust nicht verharmlosen, aber ich finde solche Prozesse absolut lächerlich! Die mittlerweile zwischen 90 und 100 Jahre alten kleinsten Fische der NS-Diktatur (wie z.B. auch Oskar Gröning) werden nun 71 Jahre nach dem Krieg verknackt, während man die verbliebenen Nazi-Größen hat laufen lassen und sogar NSDAP-Funktionäre am Aufbau der BRD beteiligte! Jeder von uns sollte sich mal die Frage stellen, ob man sich selbst für einen relativ ungefährlichen Dienst in einem KZ gemeldet hätte oder für den Frontdienst, wo man höchstwahrscheinlich schwer verwundet oder gar getötet wurden wäre. Eine komplette Dienstverweigerung hätte die Todesstrafe für die Männer bedeutet, die heute noch angeklagt werden. Und die Begründung, warum solche Anklagen überhaupt stattfinden können, finde ich noch hirnrissiger. Genau so müsste man dann zum Beispiel auch jeden Autofahrer anklagen, weil er im Straßenverkehr eine Straftat begehen KÖNNTE bzw. ein potentieller Täter ist.
 

Zeitkind

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Ich will den Holocaust nicht verharmlosen
Machst Du aber mit Deinen Aussagen sehr deutlich. Wenn das Unrecht nicht rechtmäßig gesühnt wurde, heißt das noch lange nicht, das es entschuldbar ist.
Genauso wenig wie eine Mittäterschaft.
Jeder von uns sollte sich mal die Frage stellen, ob man sich selbst für einen relativ ungefährlichen Dienst in einem KZ gemeldet hätte
So eine unverschämte Frage ist auch keine Rechtfertigung.
 

Anna B.

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sag ich ja..die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen.

Heute morgen beim Zeitunglesen und dort explizit die Urteilsverkündigung, stellte ich mir die Frage: hat so ein kleiner Wehrmachtssoldat tatsächlich die freie Wahl gehabt?

wurden die verdonnert dort Dienst zu machen oder konnten die sich freiwllig melden?

bei dem jetzigen verurteilten Wachmann war es wohl so, dass er sich scheinbar 1944 noch freiwillig 12 Jahre für die SS verpflichtete..?
hat der Richter und die Staatsanwalt ihn mal gefragt, weshalb er das getan hat?

ich meine, es gibt ja auch Menschen, die Schweigepflichtentbindungen unterschreiben..obwohl sie freiwillig sind..weil ihnen angedroht wird, die Leistung nicht mehr zu gewähren..

solche Möglichkeiten, in verschärfter Form, gab es damals doch sicherlich auch..?

wie gesagt, alles nur als Frage zu sehen..ich weiß es nicht und muß mir erst eine Meinung bilden...
 
E

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Gast
Wachdienst oder Ostfront.
Wie hätten sich die ganzen Moralapostel von heute wohl damals entschieden ?
 
E

ExitUser

Gast
Was ist mit dem SS-Mann Grass? Wieviel Jahre wegen Beihilfe hat der bekommen? Er war ebenfalls jung usw. etc. pp.

Ach so........ Mist! Geht ja nicht. Der ist ja ein "Nationalheiligtum".

Verlogene Gesellschaft! :icon_kotz2:
 
E

ExitUser

Gast
Diese Ganzen, von den Medien hochgepushten, ach so wichtigen gesellschaftlichen Ereignisse, dienen doch nur als Nebelkerzen,
um von den wirklichen Missständen und Problemen abzulenken. Als ob es nichts wichtigeres zu berrichten gibt als diese lächerlichen Gerichtsverfahren. Wen interessiert eigentlich sowas? Ich meine wenn ich irgendein familärischen Bezug zu diesen Personen hätte oder anderweitig mit jenen zutun hätte, Okay. Aber was reizt ein an solch ein Thema, um mit reden zu können, sich mal so richtig aufzuregen zu können oder das man mal über das Rechtssystem schimpfen kann? Also ich will niemanden angreifen, dass sind nur mal Fragen die ich mir stelle.

Vielleicht versucht man uns auch wieder vorzuhalten, dass wir alles Naziverbrecher sind (oder waren) und wir gefälligst den Mund zu halten haben. Vielleicht möchte man uns wieder daran erinnern und uns insgeheim die schuld zu stecken was vor 80 Jahren passiert ist.
 
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ExitUser

Gast
Wachdienst oder Ostfront.
Wie hätten sich die ganzen Moralapostel von heute wohl damals entschieden ?
Ehrliche Antwort? Kann dir wohl kaum einer geben. Es gab damals solche, die im Widerstand tätig waren, es würde heute welche geben.
Und dann gibt es diejenigen, die vllt nicht bemerkt haben, was wirklich los war und nur ihre Ruhe wollten- wohl auch in gewissem Maße wie auch heutzutage, wenn die Nachrichtenbeschaffung wesentlich leichter erscheint.

Was nun wirklich in der Welt abgeht, wissen wahrscheinlich nichtmal die Strippenzieher, denn hinter der nächsten Ecke könnte bereits das nächste Komplott warten.
Es wurden doch immer wieder Bündnisse geschlossen, die für den Moment zum persönlichen Vorteil gereichten- warum sollte das heute anders sein?!
 

Texter50

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Das es überhaupt ein Urteil gibt, ist für die wenigen noch lebenden Leuts und deren Angehörige wichtig. :icon_stop:

Schlimm, dass die so lange warten mussten - eine Schande für dieses ach so vorbildliche Land! :icon_stop:
 

rechtspfleger

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Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der die vollen fünf Jahre absitzen muss bzw. kann?
Zunächst muss die Verurteilung rechtskräftig werden. Wenn Revision eingelegt wird und der Bundesgerichtshof das Urteil bestätigt, wird das X Monate dauern. Bei einer Aufhebung durch den BGH und neuer Verhandlung durch das Landgericht naturgemäß deutlich länger.

Wenn es zu einer rechtskräftigen Verurteilung kommt, muss die Haftfähigkeit geprüft werden. Das ist - ohne Wertung hinsichtlich des Tatvorwurfs - schon angesichts des Lebensalters naheliegend.

Bei bejahter Haftfähigkeit gibt es nach dem Vollstreckungsplan für NRW auch in derartigen Fällen die Möglichkeit zur Strafvollstreckung (Justizkrankenhaus Fröndenberg oder sog. Pflegeabteilung in der JVA Bochum oder der JVA Hövelhof).

Bis 5 Jahre ist in der Regel offener Vollzug. Abgesessen werden zwei Drittel. Heißt max 3,5 Jahre im Gefängnis übernachten... wenn er denn in dem Alter haftfähig ist
Offener Vollzug hat nichts mit der Höhe der Strafe zu tun, sondern nur mit der Eignung des Verurteilten für eine Unterbringung im offenen Vollzug.

Bei der Berichterstattung in den Medien über diese Prozesse ist mir aufgefallen:

Die Täter werden mit Echtnamen genannt und mit unverpixelten Bild gezeigt. [...]
Das fällt meines Erachtens unter den Begriff der sog. relativen Person der Zeitgeschichte. Vereinfacht bedeutet das: Wenn man im Zusammenhang mit einem bestimmten Ereignis von hohem öffentlichen Interesse temporär in Erscheinung tritt, treten Persönlichkeitsrechte (jedenfalls hinsichtlich Abbildung und Namensnennung) hinter das Informationsinteresse der Öffentlichkeit zurück.

Der ebenfalls verurteilte Gröning...(ich glaube auch ca. 5 Jahre) ist nicht in Haft genommen worden...das Urteil gibt es zwar, die Haftstrafe wird aber wohl, aus gesundheitlichen Gründen, nicht vollstreckt.
In diesem Verfahren gibt es noch kein rechtskräftiges Urteil, da Revision eingelegt wurde und über diese noch nicht entschieden ist. Siehe (am Ende des Textes): Reinhold Hanning: Auschwitz-Wachmann zu fünf Jahren Haft verurteilt - SPIEGEL ONLINE.
 

ladydi12

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Hallo zusammen,

So eine unverschämte Frage ist auch keine Rechtfertigung.
mit seiner Frage hat @Hartzer eigentlich gar nicht mal so unrecht ebenso wie @stefan44 mit seiner Frage "Wachdienst oder Ostfront" in Post13 dieses Threads bei den entsprechenden voraussetzungen und unter den entsprechenden Bedingungen....:icon_kinn:
Letztlich entscheidet aber jeder immer noch selbst, was er/sie macht oder nicht, auch in diesem Punkt.:cool:

meint ladydi12
 
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