Aus Not vereint…Eine Analyse von Arbeitsprotesten der LKW-Fahrer in Russland (1 Betrachter)

  • Starter*in Gelöschtes Mitglied 41016
  • Datum Start

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

Status
Dieses Thema ist derzeit geschlossen.
Themenstarter können ihre Themen erneut öffnen lassen indem sie sich hier melden...
G

Gelöschtes Mitglied 41016

Gast

arbeitsloskr

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
1 Januar 2017
Beiträge
1.622
Bewertungen
1.013
Das ist zwar ein interessanter Bericht, aber worum geht es dabei wirklich?

Geht es wirklich "nur" um den Widerstand der LKW-Fahrer/innen gegen das Mautsystem oder soll damit eine Debatte gegen die russische Regierung "von außen" angetrieben werden?

Seltsam ist, dass es in anderen Ländern, die ebenfalls ein Mautsystem betreiben, kaum oder deutlich geringere Proteste, bzw. Medienberichte darüber gibt.

Also, was möchte die Autorin jenes Artikels wirlich bezwecken? Etwa, dass alles, was in Russland von Putin und seiner Regierung gemacht wird, per se schlecht ist, obwohl im Westen genau das gleiche gemacht wird?

Es wird in dieser Quelle beschrieben, dass die genauen Fahrtwege russischer LKW-Fahrer/innen mittels technischer Geräte genau nachvollzogen werden können und damit eine rechnerische Kontrolle der bezahlten, bzw. zu zahlenden Maut möglich ist.
Wie sieht das nochmal derzeit mit der LKW-Maut in Deutschland aus? Hat da nicht jeder LKW über 12 t mittlerweile eine On-Board-Unit (OBU), über die die gefahrene und zu zahlende Strecke berechnet wird?

Es wird über die Lebensläufe und Zukunftsaussichten der russischen LKW-Fahrerschaft geschrieben und das gerade Selbstständige in einem ständigem wirtschaftlichem Überlebenskampf stehen und sich sorgen, wie sie Ausfallzeiten (eigene Krankheit, Reparaturen, Wartung, keine Aufträge) finanziell überbrücken und wie sie ihre Familien versorgen sollen.
Ist wirklich nur ein russisches Problem, dass es nur wegen Putin und Co gibt oder ist das eher ein generelles Problem des Systems namens "Kapitalismus"?
Wie sieht es denn bspw. in Deutschland mit selbstständigen LKW-Fahrern aus, die meist nur 1 oder 2 LKWs betreiben? Ist deren Situation in Deutschland um soviel besser als in Russland oder ist sie eher gleich?

Wenn man also die Arbeitsbedingungen der LKW-Fahrer/innen in Russland kritisieren will, dann sollte man sich aber auch mal darüber Gedanken machen, wie es dieser Berufsgruppe im Westen geht.
Wie war das noch mit der Ausflaggung von ganzen LKW-Flotten aus Deutschland weg in andere "Billiglohnländer"? Ein Lesetipp über die Arbeitsbedingungen von LKW-Fahrern, die im Auftrag von IKEA unterwegs sind.
 
G

Gelöschtes Mitglied 41016

Gast
Seltsam ist, dass es in anderen Ländern, die ebenfalls ein Mautsystem betreiben, kaum oder deutlich geringere Proteste, bzw. Medienberichte darüber gibt.
Es geht nicht nur um die Maut, aber das scheint dir entgangen zu sein.

Es wird über die Lebensläufe und Zukunftsaussichten der russischen LKW-Fahrerschaft geschrieben und das gerade Selbstständige in einem ständigem wirtschaftlichem Überlebenskampf stehen und sich sorgen, wie sie Ausfallzeiten (eigene Krankheit, Reparaturen, Wartung, keine Aufträge) finanziell überbrücken und wie sie ihre Familien versorgen sollen.
Ist wirklich nur ein russisches Problem, dass es nur wegen Putin und Co gibt oder ist das eher ein generelles Problem des Systems namens "Kapitalismus"?
Wie sieht es denn bspw. in Deutschland mit selbstständigen LKW-Fahrern aus, die meist nur 1 oder 2 LKWs betreiben? Ist deren Situation in Deutschland um soviel besser als in Russland oder ist sie eher gleich?
Und warum wehren sich dann nur die russischen Fahrer?

aus dem oben verlinkten Artikel meinte:
Anhand dieser kurz skizzierten Heterogenität der Berufsgruppe der LKW-Fahrer in Russland wird deutlich, dass die Ausgangsvoraussetzungen für einen effektiven und langfristigen Zusammenschluss in einer Gewerkschaft oder für eine Beteiligung an einer Protestbewegung eher ungünstig sind.
Und trotzdem kriegen die einen nennenswerten Widerstand hin, im Gegensatz zu ihren Kollegen im Westen.


Wer weiter in das Thema einsteigen möchte:
Truckerprotest in Rußland - chefduzen.de
 

arbeitsloskr

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
1 Januar 2017
Beiträge
1.622
Bewertungen
1.013
Es geht nicht nur um die Maut, aber das scheint dir entgangen zu sein.
Ja, aber das ist auch kein Wunder, wenn in westlichen Medien seit Jahren größtenteils nur Russland-Bashing betrieben wird.

Und warum wehren sich dann nur die russischen Fahrer?
Gute Frage, warum wehren sich westliche LKW-Fahrer/innen nicht gegen ihre Arbeitsbedingungen? Kann es sein, dass sie wissen, dass ein Protest gegen ihre Arbeitsbedingungen nur eine Folge hat, nämliche deren Kündigung und Ersetzung durch "neue" und ggfs. "billigere" Arbeitskräfte aus dem europäischem Ausland.

Wieso gibt es keinen Aufstand gegen Arbeitsbedingungen, wie sie der Artikel über Fahrer für Ikea zeigt?

Man kann daher als politisch neutraler Beobachter sehr schnell zu der Erkenntnis kommen, dass es bei diesem Protest russischer LKW-Fahrer/innen nur vordergründig tatsächlich um ihre Arbeitsbedingungen geht, sondern hintergründig versucht werden soll, die russische Bevölkerung gegen die russische Regierung aufzustacheln, damit der im Westen unbeliebte Putin endlich abdankt und eine dem Westen genehme "Marionette" die Regierungsgeschäfte führt.

Das ist mir zu offensichtlich, was hier wieder versucht wird.

Würde es wirklich nur um die Arbeitsbedingungen, Mautbelastungen und Risiken selbstständiger Kleinspeditionen (1-2 LKW) gehen, warum werden dann solche Proteste nicht in D und EU angefacht? Gibt es da keine NGO, die das organisieren kann oder will oder sind westliche Trucker/innen (größtenteils) so egoistisch veranlagt, Hauptsache der eigene Verdienst stimmt (auch wenn man keine sichere wirtschaftliche Zukunft hat)?
Warum gibt es keine Demos seitens deutscher Trucker/innen gegen die Lang-LKW, die ein Drittel der Arbeitsplätze gefährden (Rechnung: 2 Lang-LKW befördern die gleiche Ladung wie 3 normale LKW)?

Ich bin da ja mal ehrlich gespannt, ob und welche Art von Demos es geben wird, sobald die PKW-Maut "scharf" geschalten ist, also diese auch Inländer gilt, die auch für Bundesstraßen zahlen sollen, insbesondere dann, wenn der geplante Erlass der Maut als Gutschrift über die Kfz-Steuer seitens der EU einkasiert wird.

Wird dann auch gegen die Regierung demonstriert oder schluckt der deutsche Untertan (Autofahrer) das, ohne sich zu erheben?
 
G

Gelöschtes Mitglied 41016

Gast
Man kann daher als politisch neutraler Beobachter sehr schnell zu der Erkenntnis kommen, dass es bei diesem Protest russischer LKW-Fahrer/innen nur vordergründig tatsächlich um ihre Arbeitsbedingungen geht, sondern hintergründig versucht werden soll, die russische Bevölkerung gegen die russische Regierung aufzustacheln, damit der im Westen unbeliebte Putin endlich abdankt und eine dem Westen genehme "Marionette" die Regierungsgeschäfte führt.

Das ist mir zu offensichtlich, was hier wieder versucht wird.
Diagnose: Tunnelblick.
Wenn der Artikel die russische Bevölkerung hätte erreichen sollen, wäre es sinnvoller gewesen ihn auf russisch zu veröffentlichen.
Und nebenbei: Putin ist für die Lohnabhängigen in Russland keineswegs besser als Merkel oder Nahles für uns hier.
 

arbeitsloskr

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
1 Januar 2017
Beiträge
1.622
Bewertungen
1.013
Diagnose: Tunnelblick.
Das kann sein, dürfte aber bei vielen anderen bei anderen Themen nicht anders sein.

Wenn der Artikel die russische Bevölkerung hätte erreichen sollen, wäre es sinnvoller gewesen ihn auf russisch zu veröffentlichen.
Es würde mich nicht wundern wenn irgendwelche NGOs wie FES oder KAS oder andere, in irgendeiner Form versuchen, auf diesen "Aufstand" Einfluss zu nehmen.

Und nebenbei: Putin ist für die Lohnabhängigen in Russland keineswegs besser als Merkel oder Nahles für uns hier.
Das habe ich auch nicht behauptet, sondern nur darauf hingewiesen, dass sich die Arbeitsbedinungen von russischen und westlichen LKW-Fahrer/innen nicht so gravierend unterscheiden, besonders im Bereich der Selbstständigen.

Btw. warum gab es während der Jelzin-Jahre, als es Russland schlechter als heute ging, keine solchen Debatten? Ach ja, Jelzin war ja für den "Westen" umgänglicher gewesen. Putin ist da leider etwas widerspenstiger, sowas aber auch ;)

Derzeit wird überall auf der Welt das gleiche Spiel namens "Kapitalismus" gespielt, nur mit der kleinen Einschränkung, dass die "westlichen" Kapitalisten die "östlichen" Kapitalisten "vernichten" wollen, um sich auch noch deren "Kapital" anzueignen. An den Spieler "VR China" kommt man ja aus westlicher Sicht nicht so ohne weiteres derzeit ran. Dumm nur, dass die VR einen großtenteil der US-Staatsschulden finanziert.

Es ist wie beim Poker, es kommt nur darauf an, am Ende eine/r der 2 letzten Spieler/innen zu sein, um letztlich den gesamten Jackpot selbst einzusacken.
 
G

Gelöschtes Mitglied 41016

Gast
Das Ende 2015 eingeführte »Platon«-System ist nur die Spitze des Eisbergs. Bereits vor der Einführung der Mautgebühr sank die Rentabilität bei Kleinspediteuren infolge der Wirtschaftskrise und der Sanktionen gegen Russland und auch der sogenannten Gegensanktionen. Gleichzeitig steigen diverse Abgaben wie die unlängst angehobene Benzinsteuer. Großspeditionen profitieren von den Problemen der ressourcenschwachen Konkurrenz. Sie konnten ihren Marktanteil im vergangenen Jahr von 30 auf etwa 40 Prozent ausbauen.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1048515.russlands-trucker-gegen-platon.html
 

arbeitsloskr

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
1 Januar 2017
Beiträge
1.622
Bewertungen
1.013
Gibt es diese Probleme, dass sich "Kleinunternehmen" nicht wirtschaftlich halten können und daher von "Großunternehmen" verdrängt, bzw. übernommen werden nicht überall und sogar in Deutschland?

Gibt es nicht auch in Deutschland aus Sicht der Unternehmen eine "zu hohe" Abgaben- und Steuerlast?

Ebenfalls interessant ist, dass "Streikbrecher", die ihrem Job als LKW-Fahrer/innen nachgehen, Polizeischutz erhalten "müssen". Na da sind ja eine tolle Gemeinschaft, dass sie "Mitglieder/innen", die nur ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen, um sich und ihre Familien ernähren zu können, von den "eigenen Leuten" drangsaliert werden.
 
E

ExitUser

Gast
Wenn man also die Arbeitsbedingungen der LKW-Fahrer/innen in Russland kritisieren will, dann sollte man sich aber auch mal darüber Gedanken machen, wie es dieser Berufsgruppe im Westen geht.
Das Problem löst sich zunehmend von selbst. Aber trotzdem kann ich nicht nachvollziehen, daß die Russen sich gegen beschissene Lebensbedingungen nicht wehren dürfen sollen, nur weil das die letzten verbliebenen Trucker im Westen auch nicht tun.
 

arbeitsloskr

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
1 Januar 2017
Beiträge
1.622
Bewertungen
1.013
Aber trotzdem kann ich nicht nachvollziehen, daß die Russen sich gegen beschissene Lebensbedingungen nicht wehren dürfen sollen, nur weil das die letzten verbliebenen Trucker im Westen auch nicht tun.
Klar dürfen sie dagegen protestieren, nur sollte man dabei seitens der westlichen Presse nicht so tun, als würde es diese Probleme nur in Russland und nur wegen Putin und seiner Regierung geben.
 
Status
Dieses Thema ist derzeit geschlossen.
Themenstarter können ihre Themen erneut öffnen lassen indem sie sich hier melden...
Oben Unten