Aus gesundheitlichen Gründen Wohnung über Angemessenheitsgrenze beziehen?

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Zipfelmütz

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Hallo liebe Mitglieder,

ich habe mal eben eine Frage und hoffe, dass Ihr mir helfen könnt. Bei meinen Recherchen habe ich leider für meinen konkreten Fall nichts passendes gefunden.

Ich bin im Alg2 Bezug und wohne im 3. Stock Altbau ohne Aufzug.
Leider habe ich seit meiner Kindheit orthopädische Probleme, die nun immer schlimmer werden. Das Laufen und tragen von z.B. Einkäufen bis in den 3. Stock ist sehr problematisch, phasenweise unmöglich.
Für eine OP (künstliche Gelenke etc.) bin ich noch zu jung.
Es ist also keine Chance auf Besserung absehbar.
Ein Attest vom Arzt, der mir dies bestätigt, würde ich ausgestellt bekommen.

Ich würde also gerne umziehen, in eine Wohnung, die Paterre bzw. im 1. Stock liegt.
Ich lebe in einer Großstadt, wo die Wohnungen grundsätzlich sehr rar sind, und die Mieten stark erhöht.
Selbst im Umland ist es schwierig eine KDU angemessene Wohnung zu finden.

Nun wäre da meine Frage, ob in meinem Fall das JC auch eine höhere Miete als die angemessene KDU übernehmen würde?
Die (wenigen) infrage kommenden Wohnungen liegen immer mit 40-80 Euro über der Angemessenheitsgrenze.

Theoretisch würde ich diesen Betrag sogar aus eigener Tasche bezahlen, aber die Vermieter geben mir die Wohnung nicht, wenn diese nicht vom JC genehmigt wurde.

Es wäre toll. wenn hier jemand Bescheid weiß.

Liebe Grüße,
Zipfelmütz
 

Seepferdchen 2010

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Grüß dich @Zipfelmütz

Nun wäre da meine Frage, ob in meinem Fall das JC auch eine höhere Miete als die angemessene KDU übernehmen würde?

Zunächst schau mal in die aktuelle Richtlinie deiner Stadt * Klick*

Vieleicht ist dort eine Erhöhung zu lesen, bei den angemessen Kosten der Unterkunft?

Ein Attest vom Arzt, der mir dies bestätigt, würde ich ausgestellt bekommen.

Gut damit ist ein Umzug begründet.

Hier mal nur zur Info für dich, weil du schreibst:

Es ist also keine Chance auf Besserung absehbar.

Vieleicht auf langer Sicht kann ggf. eine Besserung eintreten, lies mal
hier in dem Urteil:

▪ die bisherige Wohnung nicht den gesundheitlichen Anforderungen genügt; zum Fall eines Umzugs zur Ermöglichung einer besseren Heilbehandlung (SG Schwerin vom 1.5.2005 - S 10 ER 29/05 AS);

https://www.elo-forum.org/kosten-unterkunft/44577-umzug-gruende.html

Theoretisch würde ich diesen Betrag sogar aus eigener Tasche bezahlen,

Hmm von 416€ Regelsatz, du das überlege dir gut, denn du mußt auch an die Betriebskosten denken, Nachforderung werden dann ggf. nur bis zur angemessen Grenze gezahlt.

Lies bitte in diesem § 22 SGB II so zum Beispiel Abs.: 4 und auch Abs.:6

4) 1Vor Abschluss eines Vertrages über eine neue Unterkunft soll die leistungsberechtigte Person die Zusicherung des für die neue Unterkunft örtlich zuständigen kommunalen Trägers zur Berücksichtigung der Aufwendungen für die neue Unterkunft einholen. 2Der kommunale Träger ist zur Zusicherung verpflichtet, wenn die Aufwendungen für die neue Unterkunft angemessen sind.

Also unbedingt ein schriftliches Mietangebot einreichen.

Vieleicht hat noch jemand einen Hinweis für dich?
 

Zipfelmütz

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Grüß dich @Zipfelmütz

Meine Wohnung darf warm 592 Euro kosten, das ist für den momentanen Mietspiegel viel zu niedrig angesetzt. Eine Neuanmietung würde 640-690 Euro warm kosten.
Ich weiß, dass es den 10% Härtefallzuschlag gibt, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich in meinem Fall auch darauf bestehen kann?!

Physiotherapeutisch und ärztlich bin ich in meiner Stadt gut aufgestellt :)
Die Knochen und Gelenke sind kaputt, aber wie gesagt, für eine OP bin ich noch 20 Jahre zu jung. Da macht das keiner.

Selber die Different bezahlen: Ja, ich weiß. Das ist nicht optimal, aber wenn das die einzige Möglichkeit wäre aus der derzeitigen Wohnsituation zu kommen...

Vielen Dank auf jeden Fall für Deine Anregungen :)
 

Seepferdchen 2010

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Ich weiß, dass es den 10% Härtefallzuschlag gibt, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich in meinem Fall auch darauf bestehen kann?!

diese Toleranzgrenze gibt es bis zu 10%, dafür sind folgende Optionen:

Wohndauer länger als 15 Jahre, über 60 Jahre, Gesundheitszustand, wesentlichen sozialen Bezügen (z. B. Schulweg von Kindern, Betreuungseinrichtungen, Kindertagesstätten),Schwangeren und das ganze muß zusätzlich beantragt werden.

Ich habe dir mal den Text hervorgehoben, als Begründung also deine Gesundheit und eventuell die sozialen Bindung

und

Physiotherapeutisch und ärztlich bin ich in meiner Stadt gut aufgestellt :

das ist so mein Gedanke dazu.
 

Zipfelmütz

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diese Toleranzgrenze gibt es bis zu 10%, dafür sind folgende Optionen:

Naja, das mit den sozialen Bindungen und den Ärzten ist hinfällig, da ich ja weg will aus dem Bezirk. Da wäre ja eher ein Grund, wenn meine derzeitige Wohnung zu teuer wäre und ich bleiben möchte.
Meine derzeitige Wohnung ist gerade noch Angemessen und alle "neu erhältlichen" Wohnungen über der KDU .

Wegen der guten ärztlichen Versorgung wäre es auf jeden Fall ein Argument, nicht ganz aus der Stadt verbannt zu werden.

Ich habe mal durchgerechnet, dass es mit 10% Aufschlag auch schon schwierig werden wird... die Frage ist dann auch noch, ob die 10% auf Kaltmiete oder Warmmiete gerechnet werden.

Die Wohnungen, die ansatzweise in Frage kommen, sind von der Kaltmiete her auch angemessen, aber die Neben und Betriebskosten treiben es dann außerhalb des angemessenen Bereichs :doh::mad:
 

Querulant

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Gibt es bei der Berechnung der "Angemessenheit" noch den Punkt mit dem Energieausweis des Hauses? Ich meine mich zu erinnern, dass bei einem positiven Energieausweis die Heizkosten entsprechend höher angerechnet und genehmigt werden.
 

Tiefleger

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Ach Leute

zuerst einmal muss die neue Unterkunft den Anforderungen genügen. Sollte mehr als ein Angebot die Bedingungen erfüllen, kann man auf den Preis schauen.

Besondere Bedingungen glaubt SB ohne Gutachten / Attest eines Arztes nicht.

Was nützt einem Rollstuhlpflichtigen eine Wohnung gem. Riechtlinie, im vierten OG ohne Aufzug??

Energieausweis? Überflüssig, da ein Mietinteressent diesen nur einsehen darf. Eine Kopie bekommen und diese ggf. weitergeben ist im Gesetz nicht vorgesehen.
 

Sowhat

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Hallo Zipfelmütz,

hast du wegen höherer Angemessenheitsgrenzen inzwischen was rausbekommen? Hier im Forum bekommt man da kaum Antwort.
Leider gibts für mich keine höheren Angemessenheitsgrenzen, wurde mir beim JC gesagt. Ich bin schwerbehindert GdB 50, aber inzwischen ohne Merkzeichen und da man bei den zwei Metern, die man ins Büro der SBs wackelt, ja nicht sieht, dass man nicht wirklich gut und ausdauernd laufen kann und schon gar nicht Treppen bis ins dritte Stockwerke oder gar höher steigen kann, interessiert das da halt niemanden. Ich hatte einen schweren Schlaganfall und bin Ü Mitte 50, aber wen interessiert das?
Den Ermessenspielraum von 10% bekommen nur noch UmF s(unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ) oder alleinerziehende Personen, sagte damals die SB im JC . Für Behinderte ohne Merkzeichen gibts da keinen Spielraum mehr. Aber das gilt für Bayern, vielleicht und hoffentlich hast du da mehr Glück.
Hier gibts übrigens auch kaum noch Wohnungen innerhalb der KDU und das obwohl sie hierzum Januar 18 erhöht wurden nch vielen Jahren doch schon! Wenn dann Einzimmer ohne Balkon und um 3. Stock und höher ohne Aufzug. Ich bin nebenbei auch noch Ü Mitte 50. Sehe mich bereits obdachlos auf der Straße herumirren oder mich in den 5. Stock eines Altbaus in mein Einzimmer-Loch hinaufschleppen.
Es ist trostlos.
 
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