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Aufhebungsvertrag - wie sollte ich idealerweise vorgehen?

Shajen

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#1
Leider bin ich aktuell in einer Lage, in der ich eigentlich nie sein wollte. Ich habe erfolgreich eine Ausbildung und im Anschluss daran ein Studium abgeschlossen, das auf den Ausbildungsinhalten aufbaut. Gleich im Anschluss an mein Studium habe ich auch problemlos einen Job bei einer guten Firma gefunden. Allerdings habe ich mich dort von einem Kunden (großer Konzern in US-Hand mit ca. 1000 Mitarbeitern in Deutschland) abwerben lassen, der mir eine sehr interessante Position in einem neuen Betrieb versprochen hat.

Dort läuft es allerdings aus diversen Gründen alles andere als Rund, weshalb ich mich auch bereits aktiv um eine neue Stelle bemühe. (Bewerbungen laufen gut; mehr als 50% Einladungen zum Vorstellungsgespräch). Zudem habe ich mit meinem Chef ein klärendes Gespräch gesucht, in dem mir angeboten wurde, mein Arbeitsverhältnis im Rahmen eines Aufhebungsvertrages (Abfindungssumme > 6 Monatsgehälter, aufgrund einer Vielzahl von Überstunden) zu beenden. Meine Anwältin rät mir dazu, diesen anzunehmen. Da auch ich einen Schlussstrich unter dieses Kapitel setzen will, ist dies im Grunde schon beschlossene Sache. Mir geht es jetzt lediglich um die Form, wie der Vertrag laufen soll. Hier rät mir jeder etwas anders.

Da ich eine sehr kurze Kündigungsfrist (1 Monat) habe, kann ich die Firma fristgerecht zum 01.10.2014 verlassen. Man hat mir jedoch auch Angeboten, dass wir einen Beendigungszeitpunkt festlegen, bis zu dem ich mein Gehalt (solange die Abfindungssumme nicht überschritten wird) weiterhin erhalte. Jedoch wäre ich in dieser Zeit freigestellt. Eine sog. Exit Klausel wäre auch mit im Vertrag, damit ich jederzeit mit einer sehr kurzen Frist kündigen kann - der Rest der Abfindungssumme würde dann sofort fällig werden.

Dieses Modell würde mir theoretisch bei meinen Bewerbungen helfen - ich müsste dann den Aufhebungsvertrag im Grunde nicht erwähnen, was ggf. nachteilig bzw. schwer zu erklären wäre. Allerdings würde ich - soweit ich dies verstehe - in der Zeit kein Arbeitslosengeld beziehen. Auch würde ich mich nicht sehr wohl dabei fühlen, meinen zukünftigen Arbeitgeber nicht die Wahrheit zu erzählen.

War von euch jemand schon einmal jemand in einer ähnlichen Lage und kann mir dazu ein paar weitere Infos geben?
 

Shajen

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#2
Einen Punkt habe ich ganz vergessen zu erwähnen. Der Aufhebungsvertrag wird im Rahmen einer Kündigungsklage geschlossen. Daher - von meinem Arbeitgeber erfolgt die Kündigung, so dass ich keine Sperre beim Arbeitsamt bekomme. Man einigt sich jedoch bereits vorab auf eine Regelung, so dass keine weitere Kündigungsschutzklage mehr erforderlich ist. (Regelt alles meine Anwältin, der vertraue ich in diesem Falle).
 

Julchen68

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#3
Ich denke der Kern der ganzen Sache ist diese Gehalts-Abmachung.
Wenn dies ebenfalls weiterhin Kranken- und Arbeitslosenversicherung beinhaltet, so hast Du doch im Prinzip gar kein Problem.
Du wurdest gekündigt, hast geklagt/verhandelt, hast das beste für Dich rausgeschlagen. Ohne Klage/Abmachung wäre die Stelle noch früher weggewesen. Was will das Amt da später meckern? Das sollte Dir ggf. die Anwältin auseinanderklamüsern.

Wenn Du ganz fix einen neuen Job bekommst, kommt das Amt gar nicht ins Spiel.
Und inwieweit sollte das einen künftigen AG angehen?
 

Shajen

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#4
Also ich erhalte definitiv für September noch mein Gehalt - anders geht sich das mit der Kündigungsfrist gar nicht aus. Und ab dann gibt es Prinzipiell 2 Modelle:

Model A:
Mein Arbeitsverhältnis endet fristgerecht zum 30.09.2014. Ich bekomme die Abfindung ausgezahlt und erhalte ab Oktober Arbeitslosengeld. Ein gutes Arbeitszeugnis wird ebenfalls ausgestellt, in dem steht, dass das Arbeitsverhältnis im beidseitigen Einverständnis gekündigt wurde.

Vorteil: Ich erhalte sofort Arbeitslosengeld und kann die Abfindung sparen.
Nachteil: Ich bin sofort Arbeitslos und habe Nachteile bei der Jobsuche, da ich dies rechtfertigen müsste.


Model B:
Mein Arbeitsverhältnis endet fristgerecht zu einem späteren Zeitpunkt, z.B. zum 31.12.2014. Ich bin solange aber noch offiziell bei der Firma angestellt und erhalte weiterhin meinen Lohn. Dieser geht allerdings (ab dem Oktober Gehalt) von der Abfindungssumme weg. Die Abfindungssumme die ich dann im Januar erhalte reduziert sich somit um das in Okt / Nov und Dez geflossene Gehalt. Arbeitslosengeld gibt es (soweit ich das verstehe) in dieser Zeit jedoch nicht. Sofern ich dann innerhalb dieser 4 Monate einen Job finde, würde jedoch im Arbeitszeugnis kein Hinweis auf den Aufhebungsvertrag auftauchen (Formulierung: "Im beidseitigen Einvernehmen). Ich könnte auch jederzeit mit einer 2-Wochen Frist "kündigen" und würde dann die noch offene Abfindungssumme sofort erhalten.

Vorteil: Bei der Jobsuche nicht "offiziell" Arbeitslos - leichter etwas zu finden
Nachteil: Verzicht auf Arbeitslosengeld (einige tausend Euro)


Die Potentiellen Arbeitgeber würden daher beim Model A von meiner Situation etwas mitbekommen, beim Model B würden diese jedoch davon ausgehen, dass ich nach wie vor angestellt bin und sie mich "abwerben" müssten.
So zumindest habe ich das bisher verstanden.

Welche Model würdet Ihr wählen?
 

jockel

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#5
Ein Aufhebungsvertrag unter kapitalistischen Gesellschaftsbedingungen erzeugt soziale Nachteile, weil Arbeitsagenturen und Jobcenter immer unterstellen, man hätte vorsätzlich in Absprache mit dem Arbeitgeber die Arbeitslosigkeit herbeigeführt und sich hilfebedürftig gemacht. Darauf folgen in der Regel 12 Wochen Sperrzeit von Alg I oder II.

Keine Sperre beim Arbeitslosengeld nach Aufhebungsvertrag » Rechtsprechung » arbeitsrecht.de

Trotz Aufhebungsvertrag Arbeitslosengeld ohne Sperre » Rechtsprechung » arbeitsrecht.de

Der Eintritt von Sperrzeiten bei der einvernehmlicher Beendigung von Arbeitsverhältnissen (16/2004) » Archiv - Newsletter arbeitsrecht.de » Newsletter » arbeitsrecht.de

Keine Sperrzeit bei Eigenkündigung aus wichtigem Grund » Rechtsprechung » arbeitsrecht.de

Deshalb ist eine von Arbeitgeber angestrebte Kündigung zu bevorzugen. Die Initiative des Arbeitsverlustes soll vom Arbeitgeber ausgehen.

Also Finger weg von Aufhebungs- oder Abwicklungsverträgen. Das grundsätzlich.

Anders sieht die Situation aus, wenn der Arbeitgeber die Kündigung ausgesprochen hatte, binnen von 3 Wochen die Kündigungsschutzklage von Arbeitnehmerseite beim Arbeitsgericht eingereicht wurde und während der Verhandlung unter Angabe wichtiger Gründe das Arbeitsverhältnis beendet wird.

Wenn auf diesem Weg während der Kammerverhandlung der Aufhebungsvertrag und die Abfindung entsteht, ist der Segen des Arbeitsgerichts drauf und alles paletti.

Arbeitgeberkündigungen sind der anzustrebende Normalfall im Kapitalismus, am besten betriebsbedingt. Die mußt Du nicht dem nachfolgenden Arbeitgeber in irgendeiner Form entschuldigend erklären. Arbeitgeberkündigung - Das verursacht keine Nachteile in Deiner weiteren beruflichen Laufbahn.

Problematisch können Kündigungen werden - müssen es nicht, die aus personen- oder verhaltensbedingten Gründen ausgesprochen werden, genauso fristlose Kündigungen.

Fristgerechte Kündigungen nennt man ordentliche Kündigungen, fristlose Kündigungen sind außerordentliche Kündigungen.

Ein wichtiger, nicht schadender Entlassungsgrund für den Arbeitnehmer ist

  • sinkende Auftragslage
  • unzumutbare Arbeitsbedingungen, wenn z.B. der Arbeitgeber vom Arbeitnehmer Rechtsverletzungen oder das Begehen von Straftaten erwartet
  • mangelhafte Einhaltung des Gesundheits-, Arbeits- und Brandschutzes, fehlende Körperschutzmittel, z.B. Arbeitsschutzbekleidung und -schuhe
  • Arbeitnehmer ist Bossing und Mobbing ausgesetzt
  • sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz
Liste mit den wichtigsten betriebs-, personen- oder verhaltensbedingten Entlassungsgründen

50 Kündigungsgründe im Arbeitsrecht » arbeits-abc.de

Am besten ist es, wenn man eine schriftliche Einstellungszusage vom nächsten Arbeitgeber in der Tasche hat und in der Situation sich auf den Aufhebungsvertrag mit dem vorherigen Arbeitgeber einläßt.

Zu der Thematik

  • Zumutbare Arbeit
  • Kündigungen
  • wichtige Gründe
gehen auch 2 Broschüren vom Fachhochschulverlag Frankfurt am Main ein

Neu:

Leitfaden für Arbeitslose
Der Rechtsratgeber zum SGB III

30. Auflage · Erscheinungsjahr: August 2014 · 720 Seiten · Buch/kartoniert
2-farbig · ISBN: 978-3-943787-35-1 · Preis: 19.00 € inkl. 7.00% MwSt.

Leitfaden zum Arbeitslosengeld II
Der Rechtsratgeber zum SGB II

10. Auflage · Erscheinungsjahr: 2013 · 864 Seiten · Buch/kartoniert
2-farbig · ISBN: 978-3-943787-14-6 · Preis: 18.00 € inkl. 7.00% MwSt.

Es ist anzunehmen, daß der 2. Leitfaden zum Alg II auch bald erneuert wird.

Nach den 3 Themenschwerpunkten

  • Zumutbare Arbeit
  • Kündigungen
  • wichtige Gründe
kannst Du in aller Ruhe die gewerkschaftliche Rechtsratgeberseite arbeitsrecht.de - alles erfahren über Abfindung, Betriebsrat, Kündigung, Arbeitszeugnis und mehr » Aktuelle Themen » arbeitsrecht.de des Bund-Verlags durchstöbern - insbesondere das Rechtslexikon bzw. die Urteilssammlung.

Paar Urteile habe ich ja bereits rausgepickt.
 
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