Auf welche Entfernung darf eigentlich vermittelt werden?

Thematiker*in
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Hallo,

ich habe mal eine allgemeine Frage, wenn man nicht "bundesweit" angegeben hat, auf welche Entfernung darf man dann vermittelt werden?

Bedauerlicherweise bin ich Anfang letzten Jahres zweimal auf der Arbeit kollabiert , woraus psychische Gesundheitsprobleme entstanden. Mittlerweile fühle ich mich recht fit und würde endlich gerne wieder arbeiten gehen.
Mein damaliger AG hatte mich allerdings beim versuchten Gespräch einer Wiedereingliederung unerwartet gekündigt. Ich bin wohl ein Risikofall.
Ich bin noch im ALG I bis zum Sommer, aber in meinem Wohnort sieht es im IT-Bereich sehr mau aus.
Da meine Frau für ihre Halbtagsstelle das Auto hat, bin ich leider ortsgebunden.

Jetzt hat mir die Arbeitsagentur ein erstes Angebot zukommen lassen, bei dem ich mich an einem Freitag witzigerweise binnen 24h melden möchte, bei Interesse. Soll nicht heißen, dass ich das nicht wollte, aber ich stehe nicht täglich morgens am Briefkasten, da wir in einem Hochaus wohnen und nicht täglich etwas im Briefkasten steckt.
Das Angebot ist übrigens unverbindlich.
Nach Durchsicht musste ich leider feststellen, dass das Angebot, je nach Weg, Landstraße 133km, Autobahn 220km entfernt ist. Und der Zeitaufwand bei beiden Strecken ca. 2h20m ist. Wohlgemerkt nur eine Strecke.

Aufgrund meiner zwar abklingenden, aber noch vorhandenen psychischen Probleme sind mir solche langen Fahrten noch ein Problem.

Kann mir die Arbeitsagentur aber bei nicht mehr "unverbindlichen" Angeboten, solch eine Entfernung aufzwingen?
Wir sind zwar noch kinderlos, aber in den nächsten 1-2 Jahren sind definitiv welche geplant. Und da muss ich ganz ehrlich sagen, ich will zwar arbeiten, aber nicht täglich über 4 Stunden im Auto sitzen.
Bei den Benzinkosten sind das täglich über 30 Euro, also ca. 600 Euro im Monat. Alternativ wäre eine Zweitwohnung, aber wer bezahlt einem diese?
 

Seepferdchen

Super-Moderation
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Hallo Tipo,

hier mal was zu den Pendelzeiten:

Bereich ALG (SGB III) gemäß § 121 SGB III:
2,5 Stunden bei Vollzeittätigkeit
2 Stunden bei Tätigkeit bis zu 6 Stunden täglich

Maßgebend ist die gesamte Pendelzeit (Hin- und Rückfahrt) zwischen Verlassen der Wohnung und Eintreffen am Arbeitsplatz.

Prof. Ulrich Stascheit/Ute Winkler für den Rechtsbereich Arbeitsförderung:
Das wäre für Teilzeitbeschäftigte eine im Sinne von § 121 Abs. 4 Satz 1 SGB III unzumutbare zeitliche Belastung.
Zumutbar erscheint eine Fahrzeit von höchstens zwei Sechstel (= zwei Stunden bezogen auf auf sechs Stunden der Teilzeitarbeit.
Und hier noch ein Beitrag von Martin:

BeckOK SGB II § 10 RZ 73


Autor: Kapp
Beck'scher Online-Kommentar Sozialrecht
Hrsg: Rolfs/ Giesen/ Kreikebohm/ Udsching
Stand: 01.06.2011
Edition: 22

Kein Anhaltspunkt (aA Hauck/Noftz/Voelzke/Valgolio SGB II § 10 Rn 33) sind hier die zulässigen Pendelzeiten nach § 121 Abs 4 S 2 u 3 SGB III, denn diese Vorschriften sind Teil der Zumutbarkeitsregelung des § 121 SGB III, die der Gesetzgeber des SGB II gerade nicht übernommen hat und zu der es nur der Sache nach punktuelle Ähnlichkeiten gibt. Trotz ernstlicher sozialpolitischer Bedenken ist aus Respekt vor der Absicht des Gesetzgebers, die Zumutbarkeitsschwelle zu erhöhen (Rn 11 f), zu erwägen, ob man als Anhaltspunkt auf die öffentlich-rechtl Regelung des § 11 Abs 1 ArbZG zurückgreifen kann, wonach mindestens 15 Sonntage im Jahr (einschl Urlaub) beschäftigungsfrei bleiben müssen (vgl allg Baeck/Deutsch, ArbZG, 2. Aufl [2004] § 11 Rn 4, 7).

Der Arbeitnehmer muss also grundsätzlich die Möglichkeit haben, seine als konstitutiv qualifizierten Kontakte und Lebensgewohnheiten im selbst gewählten örtlich-sozialen Umfeld an ca 15 Sonntagen im Jahr zu pflegen.

Beschäftigungsorte, die dies entfernungsbedingt nicht erlauben, können als unzumutbar gem § 10 Abs 1 Nr 5 SGB II abgelehnt werden. So muss zB eine erwerbsfähig hilfebedürftige Biologin mit Wohnsitz in Freiburg/Br nicht eine mehr als ca 37 Sonntage umfassende Tätigkeit auf einer von Deutschland aus organisierten Forschungsschifffahrt in der Antarktis annehmen. Gleiches gilt zB für Montagearbeiten im Ausland.
Aufgrund meiner zwar abklingenden, aber noch vorhandenen psychischen Probleme sind mir solche langen Fahrten noch ein Problem.
Ist der AFA dieser Umstand bekannt??????????????

:icon_pause:
 

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Hallo

wenn du den Job nicht willst musst ihn ja auch nicht bekommen.

wenn das einn VV war dann bewrebe dich schriftlich.
Ist es eine ZAF dann ohne Tel und Mailadresse.
Nur Lebenslauf senden.
Somiot hast du deine Pflicht erfüllt



Gruß Uwe
 
G

gast_

Gast
Hallo

wenn du den Job nicht willst musst ihn ja auch nicht bekommen.

wenn das einn VV war dann bewrebe dich schriftlich.
Ist es eine ZAF dann ohne Tel und Mailadresse.
Nur Lebenslauf senden.
Somiot hast du deine Pflicht erfüllt



Gruß Uwe
Mit ur Lebenslauf senden hat man seine Pflicht nicht erfüllt - ein Bewerbungsschreiben muß schon sein, will man keinen Ärger mit AfA/JC bekommen.

Und wenn man keinen Vorstellungstermin möchte, grundsätzlich ohne Foto und Telefonnummer/Mailaddresse, nicht nur bei ZAFs
 
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gast_

Gast
Hallo,

ich habe mal eine allgemeine Frage, wenn man nicht "bundesweit" angegeben hat, auf welche Entfernung darf man dann vermittelt werden?
Das kann man pauschal nicht sagen - es hängt davon ab, in welcher Zeit du zum Job kämst - und was bei euch in der Gegend an Fahrzeiten üblich ist.

Ein Anhaltspunkt wäre: 2,5 Stunden bei Vollzeittätigkeit
2 Stunden bei Tätigkeiten bis zu 6 Stunden täglich

Da meine Frau für ihre Halbtagsstelle das Auto hat, bin ich leider ortsgebunden.
Gut, wenn du kein Auto hast - wenns mit öffentlichen Verkehrsmitteln unzumutbar ist, muß man sich nicht bewerben.

Jetzt hat mir die Arbeitsagentur ein erstes Angebot zukommen lassen, bei dem ich mich an einem Freitag witzigerweise binnen 24h melden möchte, bei Interesse. Soll nicht heißen, dass ich das nicht wollte, aber ich stehe nicht täglich morgens am Briefkasten, da wir in einem Hochaus wohnen und nicht täglich etwas im Briefkasten steckt.
Bewerben muß man sich innerhalb von 3 Tagen - aber täglich in den Briefkasten schauen ist Pflicht: man muß postalisch erreichbar sein. Nur weil nicht täglich was drin steckt - so kann man nicht argumentieren.

Das Angebot ist übrigens unverbindlich.
Also mußt du dich nur bei Interesse bewerben

Nach Durchsicht musste ich leider feststellen, dass das Angebot, je nach Weg, Landstraße 133km, Autobahn 220km entfernt ist.
Ich denke, du hast kein Auto? Dann schau nach Fahrplänen von öffentlichen Verkehrsmitteln: Nur die Fahrzeit ist für dich relevant!

Kann mir die Arbeitsagentur aber bei nicht mehr "unverbindlichen" Angeboten, solch eine Entfernung aufzwingen?
Es ist immer deine Entscheidung, wie du dich auf ein Stellenangebot bewirbst...man kann einiges tun, damit man nicht in die engere Wahl kommt.
Zwingen könnte mich niemand.
Bewerben sollte man sich aber, aus mehreren Gründen. Eine Sperre zu verkraften ist oft zu schwierig, und bis ein Widerspruchsverfahren gewonnen ist...


Wir sind zwar noch kinderlos, aber in den nächsten 1-2 Jahren sind definitiv welche geplant.
Das interessiert bei AfA/JC niemanden!

Und da muss ich ganz ehrlich sagen, ich will zwar arbeiten, aber nicht täglich über 4 Stunden im Auto sitzen.
Wieso Auto?

Bei den Benzinkosten sind das täglich über 30 Euro, also ca. 600 Euro im Monat. Alternativ wäre eine Zweitwohnung, aber wer bezahlt einem diese?
Für beides kann man einen Antrag aus dem Vermittlungsbudget stellen, je nachdem ob man pendeln oder hinziehen möchte. Ebenso für Umzug nach Probezeit.
 
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