Argumentationshilfen für einen Bildungsgutschein 3- Monatskurs

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Aufgewacht

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Mit welchen Argumenten kann ich meinen Sachbearbeiter bei der Arge für die Ausstellung eines Bildungsgutscheines für einen 3-Monatskurs überzeugen. Wie gehe ich am Besten vor?

Aktuell arbeite ich als Logistik-Mitarbeiter (Helfer) in der Automobilzulieferindustrie. Bereits im Herbst 2018 versuchte ich einen Gabelstapler-Kurs finanziert zu bekommen. Wurde mehrmals mündlich abgelehnt. Dann habe ich den endlich für Februar 2019 bekommen und auch bestanden. Mein Vertrag läuft noch 30.06.2019 und ich bin seit Mai 2018 trotz Beschäftigung Arbeitssuchend gemeldet. Eine befristete Verlängerung ist nicht mehr möglich, wenn dann unbefristet. Eine Übernahme ist augenblicklich eher unwahrscheinlich. Die Zukunft in der Automobilbranche sehe ich aktuell als Helfer sowieso nicht so rosig.

Daher informiere ich mich über Alternativen und bin auch im Bewerbungsprozess. Auch prüfe ich für mich Vollzeitkurse und setze mich damit auseinander.
Folgende Kurse haben für mich Zukunft, sind interessant und kann mich damit identifizieren: Pharmareferent, SAP, Datev
(Ich bin gelernter Kaufmann und war 14 Jahre im Vertriebsaussendienst)

Letztes Jahr strebte ich einen Kurs für online-marketing-consultant bzw. e-commerce-consultant an. Wurde im Beratungsgespräch abgelehnt, trotz Zertifizierungsnummer und arbeitssuchend-status. (Ablehnung so etwa ... hätte nicht annähernd mit meinen Beschäftigungen zu tun gehabt; ich muss auch dazu sagen, dass das durch einen Vertretungssachbearbeiter erfolgte ... meine SB hatte keine Zeit)

Ich danke euch für Anregungen und eure Unterstützung. Wünsche noch frohe Ostern.
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(Ich möchte endlich wieder eine unbefristete Beschäftigung, mit leistungsgerechtem Verdienst und beruflicher Zukunft)
 

erwerbsuchend

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Als Lagerhelfer mit Staplerschein und Berufserfahrung solltest du in diesem Bereich immer wieder etwas finden. Du solltest dir zudem verinnerlichen, dass alle Förderungen seitens der AfA und der JC ausschließlich darauf ausgelegt sind, dass du irgendeinen zumutbaren Job ausüben kannst, mit dem du deinen Lebensunterhalt selbst finanzieren kannst. Sollte allerdings aus medizinischen Gründen eine Umschulung notwendig sein, weil du im bisherigem Job nicht mehr arbeiten kannst, sieht die Sache schon etwas anders aus.
 

BerndB

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sind interessant und kann mich damit identifizieren: Pharmareferent, SAP, Datev
(Ich bin gelernter Kaufmann und war 14 Jahre im Vertriebsaussendienst)

Was du auch überlegen solltest: Man gilt als "wieder ungelernt", wenn man
  • 4 Jahre in an- oder ungelernter Tätigkeit gearbeitet hat
    und deshalb
  • im erlernten Beruf nicht mehr arbeiten kann.
Das bedeutet, dass die sehr gute Chancen besteht, das Erlernen eines neuen Berufes mit Abschluss gefördert zu bekommen. Und das auch in einem komplett neuen Gebiet. Natürlich kann es schwierig sein, bspw. mit 50 in einen neuen Beruf, und dann ohne Berufserfahrung, einzusteigen. Aber man sollte es in die Überlegung mit einbeziehen.
 

Blätterrauschen

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Was immmer gut kommt, wenn man einen Bildungsgutschein will ist :Eigeninititive ! Vorher zum MT gehen und sich dort Informationsmaterial geben lassen. Der SB möglichst viele Einstellungsangebote in dem was du lernen möchtest ausdrucken .( Also ganz viele Angebote auf einer oder 2 Din A 4 Seiten " das ist nur ein kleiner Ausschnitt" ) Uns das Kilerargument eine "Einstellungsabsicht" (wenn diese vage formuliert ist, findest du einen potentiellen AG, der dir das unterschreib )
 

JobcenterAffe

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Was du auch überlegen solltest: Man gilt als "wieder ungelernt", wenn man
  • 4 Jahre in an- oder ungelernter Tätigkeit gearbeitet hat
    und deshalb
  • im erlernten Beruf nicht mehr arbeiten kann.

Also, das kann ich bei besten Willen nicht glauben. Das sagt dir ein SB vielleicht *mündlich* (damit kein Nachweis da ist), um den Probanden einzuschüchtern. Damit dieser letztenendes so verängstigt ist, und freiwillig jede Arbeit, also auch ungelernte Tätigkeiten, annimmt.
Deine Qualifikation kann dir die Arbeitsagentur - zumindest offiziell - niemals absprechen!

Das bedeutet, dass die sehr gute Chancen besteht, das Erlernen eines neuen Berufes mit Abschluss gefördert zu bekommen. Und das auch in einem komplett neuen Gebiet. Natürlich kann es schwierig sein, bspw. mit 50 in einen neuen Beruf, und dann ohne Berufserfahrung, einzusteigen. Aber man sollte es in die Überlegung mit einbeziehen.
Das ist ein absolutes Märchen, daß dir das Jobcenter eine weitere Ausbildung, die über 3 Jahre gerechnet wohl 30.000+ € kosten dürfte, dann einfach so bezahlt, wenn du länger aus deinem erlernten Beruf heraus bist. Es ist eher das Gegenteil der Fall: Du bist dann in der "Ungelernten-Falle". - Einmal ungelernte Tätigkeiten ausgeübt, immer. Dann heißt's: "Ja, sie hatten mit dieser geringen Bezahlung aufgrund der letzten ungelernten Beschäftigung auch keine Probleme. Wieso diesmal?"
 

Anlando

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Also, das kann ich bei besten Willen nicht glauben. Das sagt dir ein SB vielleicht *mündlich* (damit kein Nachweis da ist), um den Probanden einzuschüchtern. Damit dieser letztenendes so verängstigt ist, und freiwillig jede Arbeit, also auch ungelernte Tätigkeiten, annimmt.
Deine Qualifikation kann dir die Arbeitsagentur - zumindest offiziell - niemals absprechen!

Wer hat denn etwas von "Qualifikation absprechen" gesagt? Dass man als "wieder ungelernt" gilt, ist eine rein JC/AA-interne Kategorisierung. Das heißt nicht, dass eine Qualifikation negiert wird. Es ist lediglich eine Kategorisierung, welche im Kontext der Fördervoraussetzungsprüfung nach § 45 SGB II i.V.m. § 81 SGB III relevant ist.

Dass es diese Kategorisierung gibt, ist für Erwerbslose sogar sinnvoll! Denn immer dann, wenn sie zutrifft, kann z. B. eine Umschulung gefördert werden. Mit seiner Aussage hat BerndB also Recht.

Das heißt natürlich nicht, dass sie dann auch gefördert wird. Da kommt es immer auf die Besonderheiten des jeweiligen Einzelfalls an (Alter, Vorbildung, Grund für den Bildungswunsch, Ergebnis des BPS-Gutachtens, Geld im Fördertopf etc.). Dass die Kategorie "wieder ungelernt" bei jemandem festgestellt wird, heißt nur: Die gesetzliche Voraussetzung, dass überhaupt gefördert werden kann, besteht.

Das heißt nicht, dass die Person, die als wieder ungelernt intern kategorisiert ist, ihren Berufsabschluss verliert. Diesen zurücknehmen bzw. aufheben können schließlich nur die Stellen, die den Abschluss verliehen haben (Kammern, Hochschulen oder Ministerien).

Richtig ist aber (leider!), dass manche JC-Sachbearbeiter das falsch erläutern. Das zumeist aber (denke ich) nicht aus böser Absicht, sondern eher, weil sie es selbst nicht besser wissen und denken, dass ein Abschluss wirklich "verfallen" könnte.

Gerne unterschlagen werden, wenn sich Leute darüber aufregen, übrigens oft auch die entscheidenden Worte "und deshalb". BerndB hat es schon richtig gesagt, wie es in den fachlichen Hinweisen der BA zum § 81 SGB III (Seite 6) steht: 4 Jahre in an- oder ungelernter Tätigkeit und deshalb im erlernten Beruf nicht mehr arbeiten.

Wenn du irgendwas im wirtschafts-, natur-, geistes- oder sozialwissenschaftlichen Bereich studiert hast, kannst du - rein theoretisch - auch nach 15 Jahren ohne Job durchaus noch in deinem Studienberuf arbeiten. Wenn du hingegen einen sehr EDV-lastigen Beruf gelernt hast (oder einen im Bereich Verfahrenstechnik bzw. einen, in dem sich die Arbeitsweisen schnell ändern), kann es schwer werden, nach 4 Jahren ohne Praxisbezug wieder im Lehrberuf einzusteigen.

Der Beispiel-Klassiker dafür sind Informatiker und Anwendungsentwickler, die vor 10 Jahren Programmiersprachen gelernt haben, die es heute quasi nicht mehr gibt. Für solche Leute ist die Kategorisierung "wieder ungelernt" sogar sinnvoll. Denn eben durch diese Formulierung können sie gefördert werden, also z. B. relevante Kurse bekommen, die sie ggfs. benötigen, um wieder im Lehrberuf (oder in einem ganz anderen Bereich) Fuß fassen zu können.

Ohne die Kategorie "wieder ungelernt" könnte der JC-SB immer sagen: "Sie erfüllen nicht die Fördervoraussetzungen. Sie haben ja einen Beruf gelernt vor vielen Jahren. Für sie gibt es nix." Durch die "Wieder ungelernt"-Formulierung aber hat der Antragsteller etwas, worauf er sich bei der Begründung der eigenen Fördernotwendigkeit berufen kann.

Ich verstehe daher nicht, wieso das hier im Forum immer auf so große Ablehnung stößt. Ich selbst arbeite nicht im Jobcenter, aber meine Arbeitgeberin kooperiert mit dem JC. Daher berate ich oft Menschen, die als "wieder ungelernt" beim JC kategorisiert waren und dadurch die Chance auf einen BG erhalten.

Das ist ein absolutes Märchen, daß dir das Jobcenter eine weitere Ausbildung, die über 3 Jahre gerechnet wohl 30.000+ € kosten dürfte, dann einfach so bezahlt, wenn du länger aus deinem erlernten Beruf heraus bist. echen!

Es hat doch kein Mensch behauptet, dass dir "das Jobcenter eine weitere Ausbildung, die über 3 Jahre gerechnet wohl 30.000+ € kosten dürfte, dann einfach so bezahlt". BerndB schilderte, wie ich auch, lediglich die formalen Voraussetzungen. Und er sagte, dass du gute Chancen auf eine solche Weiterbildung/Umschulung hättest, wenn du die Kriterien erfüllst. Und auch damit hat er Recht.

Richtig ist, dass leider weit mehr Kurse nur kurze Anlernqualifizierungen sind, die vom JC gefördert werden. Echte FbW werden viel seltener gefördert (da teurer und länger). Es gibt aber sehr wohl auch FbW. Ich berate jeden Monat Menschen, die mit einem Bildungsgutschein für eine Umschulung zu mir kommen, den sie vom JC erhalten haben. Es gibt diese Fälle also sehr wohl.
 
Zuletzt bearbeitet:

Kerstin_K

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Ich lese hier imer wieder "mündlich abgelehnt". Besser den Bildungsgutschein schriftlich beantragen und einen schriftlichen Bescheid verlangen. Dann muss das auch vernünftig begründet werden und das geht nicht so einfach nd chnell wie mündliches Gelaber.
 
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