Arbeitsstelle wegen Unzumutbarkeit nicht annehmen - ist evtl. mit Sanktion zu rechnen? (1 Betrachter)

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truefunksoldier

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Hallo!
Mein Cousin hat sich Heute an mich gewendet, da er zur Zeit ALG1 bezieht. Leider bin ich nicht ganz so firm darin, wie einige Leute hier, und bevor ich ihm zu etwas falschem rate, möchte ich mich gerne an Euch wenden.

Er bezieht seit 6 Monaten ALG1 und ist seit ca. einem Monat in einer Spaßnahme (2x die Woche) - ja, ich weiß, hätte man abwenden können, aber davon hat er mir leider erst zu spät erzählt...

Nun hat er, während der Maßnahme eine Bewerbung geschrieben (kein VV vom Amt, sondern selbst gesucht) und hat sich dort beworben. Nun hatte er ein vor 2 Wochen ein Vorstellungsgespräch und dabei festgestellt, dass er, obwohl km-mäßig nur 30 km Entfernung bestehen, er mit Bus und Bahn über 3,5 Stunden Pendelzeit einplanen muß. Ein Arbeitstag würde dann, mit Fahrt, quasi 13 Stunden gehen (6-19 Uhr). Jetzt hat er am Freitag wohl eine Zusage erhalten und konnte gleich Heute anfangen, bekommt aber den Arbeitsvertrag erst Morgen vorgelegt (habe ihm gesagt, er solle diesen erst einmal mit nach Hause nehmen und nicht unterschreiben).

Nun meine Fragen an Euch:
1.) Kann er die Arbeitsstelle ablehnen ohne mit Sanktionen, von Seiten des Amtes, rechnen zu müssen?
2.) Für die Zukunft: Wenn er eine Stelle durch den MT vermittelt bekommt, kann er diese ablehnen oder würde das Amt dann so vorgehen, wie bei einem VV mit RFB?
3.) Ich werde ihn morgen Abend besuchen und mir mal die Unterlagen des MT durchlesen. Falls er dort eingewilligt hat, dass diese Kontakt mit zukünftigen Arbeitgebern aufnehmen dürfen, kann er davon doch hoffentlich zurückteten, oder?

Ich weiß, viel Text, viele Fragen, aber ich will ihn da nicht hängen lassen und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die schnell den Hämpel mit einem machen, wenn man sich nicht wehrt und auf seine Rechte pocht. Vorab schon einmal Danke an alle die diesen Text gelesen haben und natürlich an alle Ratgebenden!
 

ZynHH

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AW: Arbeitsstelle wegen Unzumutbarkeit nicht annehmen - ist evtl. mit Sanktion zu rechne

Für selbst gesuchte stellen gibt es keine Sanktion, da er sich dort ja ohne sankionsdruck beworben hat.
 

Doppeloma

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AW: Arbeitsstelle wegen Unzumutbarkeit nicht annehmen - ist evtl. mit Sanktion zu rechne

Hallo truefunksoldier,

Nun hatte er ein vor 2 Wochen ein Vorstellungsgespräch und dabei festgestellt, dass er, obwohl km-mäßig nur 30 km Entfernung bestehen, er mit Bus und Bahn über 3,5 Stunden Pendelzeit einplanen muß. Ein Arbeitstag würde dann, mit Fahrt, quasi 13 Stunden gehen (6-19 Uhr). Jetzt hat er am Freitag wohl eine Zusage erhalten und konnte gleich Heute anfangen, bekommt aber den Arbeitsvertrag erst
Morgen vorgelegt (habe ihm gesagt, er solle diesen erst einmal mit nach Hause nehmen und nicht unterschreiben).
Das hat er doch bereits nach dem Vorstellungstermin gewusst, dass die Wegezeit "unzumutbar" ist und er das zumindest nicht freiwillig auf sich nehmen möchte, warum nimmt er dann die Arbeit überhaupt auf ... ???

Ein Arbeitsvertrag ist damit bereits mündlich zu Stande gekommen, da nützt ihm auch die Prüfung des Arbeitsvertrages nicht mehr viel, nur eine Kündigung muss zwingend schriftlich erfolgen, mit der Arbeitsaufnahme hat er dem Arbeitsvertrag faktisch schon zugestimmt ...

1.) Kann er die Arbeitsstelle ablehnen ohne mit Sanktionen, von Seiten des Amtes, rechnen zu müssen?
Er KANN die Arbeitsstelle nicht mehr "ablehnen" weil er sie bereits angetreten hat, da kann er nur noch regulär kündigen oder mit dem AG eine Entlassung irgendwie regeln, weil er für den Job (z.B.) ungeeignet wäre oder so was in der Richtung, ansonsten gibt es eine Sperre von 3 Monaten bei der AfA wegen Aufgabe einer Arbeitsstelle.

Bei der AfA gibt es keine "Sanktionen" sondern das Geld wird komplett gestrichen nach § 159 SGB III ...

§ 159 SGB III Ruhen bei Sperrzeit

In diesem Falle ist es bereits unerheblich auf welchem Wege er zu diesem Job gekommen ist, es zählt NUR, die Aufnahme der Arbeit ist bereits erfolgt ...

2.) Für die Zukunft: Wenn er eine Stelle durch den MT vermittelt bekommt, kann
er diese ablehnen oder würde das Amt dann so vorgehen, wie bei einem VV mit RFB?
Das ist kaum aus der Glaskugel zu beurteilen ...

Aktuell hat er wohl andere Probleme als weitere VV vom MT, er muss erst mal sehen wie er aus diesem Arbeitsvertrag wieder rauskommt ohne Blessuren, mir fällt da nicht viel ein ...

Bei der AfA kann /muss er sich wegen der Arbeitsaufnahme abmelden, damit hat sich auch die Maßnahme erledigt, er ist ja nicht mehr arbeitslos ... :icon_evil:

3.) Ich werde ihn morgen Abend besuchen und mir mal die Unterlagen des MT durchlesen. Falls er dort eingewilligt hat, dass diese Kontakt mit zukünftigen Arbeitgebern aufnehmen dürfen, kann er davon doch hoffentlich zurückteten, oder?
Alles im Moment irrelevant, diese Maßnahme ist im Prinzip Geschichte, weil er jetzt wieder in Arbeit ist, was immer er dazu mal unterschrieben hat wird er soweit einhalten müssen wie es rechtmäßig wäre, wir kennen aber die Unterlagen nicht, die er unterschrieben hat ...

Und er wird in wenigen Stunden den 2. Arbeitstag dort antreten (müssen) und ist arbeitsrechtlich zunächst mal an den (bisher mündlichen) Arbeitsvertrag gebunden, vielleicht wird er ja bald krank von dem Stress und der AG wirft ihn dann schnell wieder raus, eine Eigenkündigung ist nicht zu empfehlen, aus Gründen die ihm schon vorher bekannt waren ...

Dann hätte er den Vorschlag / das Arbeitsangebot nach § 140 SGB III ablehnen können ... nachträglich geht das nicht mehr ...

§ 140 SGB III Zumutbare Beschäftigungen

Es ist kaum möglich hier "über Nacht" solche Probleme zu klären aber aktuell hat er Arbeit und die darf er nicht einfach wieder aufgeben, ganz gleich wie es dazu gekommen ist ... :icon_evil:

MfG Doppeloma
 

truefunksoldier

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AW: Arbeitsstelle wegen Unzumutbarkeit nicht annehmen - ist evtl. mit Sanktion zu rechne

Hallo Doppeloma!

Das hat er doch bereits nach dem Vorstellungstermin gewusst, dass die Wegezeit "unzumutbar" ist und er das zumindest nicht freiwillig auf sich nehmen möchte, warum nimmt er dann die Arbeit überhaupt auf ... ???
Das kann ich Dir nichtmals sagen. Ich bin Gestern um 22 Uhr (telefonisch) selber damit überrumpelt worden. Er ist ca. 15 Jahre jünger als ich und wohnt 25 km von mir entfernt - so oft sieht man sich nicht...

So wie er mir Gestern sagte war die Stelle wohl auch gänzlich anders beschrieben, als das was er Gestern (und wohl auch zukünftig) machen soll.

Ein Arbeitsvertrag ist damit bereits mündlich zu Stande gekommen, da nützt ihm auch die Prüfung des Arbeitsvertrages nicht mehr viel, nur eine Kündigung muss zwingend schriftlich erfolgen, mit der Arbeitsaufnahme hat er dem Arbeitsvertrag faktisch schon zugestimmt ...
Das habe ich ja garnicht bedacht - gut das ich nachgefragt habe - ganz dickes DANKE für den Hinweis!
Da er, trotz seines jungen Alters, rheumatische Probleme hat, könnte es ja sein, dass da, gerade in so einem blöden Moment, etwas schmerzt. Wäre wohl der einfachste und sicherste Weg, oder?

Ich muß mich jetzt auf den Weg zur Arbeit machen, schau aber nach Feierabend (so gegen 14-15 Uhr) wieder hier rein. Evtl. hast Du, Doppeloma, oder jmd. anderes ja noch ein paar Ratschläge.
 

truefunksoldier

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AW: Arbeitsstelle wegen Unzumutbarkeit nicht annehmen - ist evtl. mit Sanktion zu rechne

So, Feierbend. Hab mir die Sache noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Bevor ich meinen Cousin heute Abend besuchen fahre, sind mir aber noch Fragen eingefallen. Daher habe ich zur Mittagszeit noch einmal kurz mit ihm telefoniert.

Er hat der AfA (gleich Freitag) mitgeteilt, dass es sich erst einmal nur um eine Probearbeit handelt, da er dachte, dass erst bei Vertragsunterzeichnung ein Arbeitsverhältnis zustande kommt.
Da es ihm wohl gerade nicht gut geht, wird er wohl einen Arzt aufsuchen müssen.

Wollte dies nur noch einmal mitteilen, da Doppeloma, oder jmd. anderes, vllt. noch weitere Hinweise hat, um ohne umständliches Ab- und wieder Anmelden da raus zu kommen.
 

Doppeloma

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AW: Arbeitsstelle wegen Unzumutbarkeit nicht annehmen - ist evtl. mit Sanktion zu rechne

Hallo truefunksoldier,

So, Feierbend. Hab mir die Sache noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Bevor ich meinen Cousin heute Abend besuchen fahre, sind mir aber noch Fragen eingefallen. Daher habe ich zur Mittagszeit noch einmal kurz mit ihm telefoniert.
Hat er denn nun heute wieder gearbeitet und was ist aus dem Arbeitsvertrag geworden, du schreibst ja, dass er andere Arbeiten ausführen sollte als ursprünglich besprochen war, was konkret steht denn nun im Arbeitsvertrag dazu ???

Er hat der AfA (gleich Freitag) mitgeteilt, dass es sich erst einmal nur um eine Probearbeit handelt, da er dachte, dass erst bei Vertragsunterzeichnung ein Arbeitsverhältnis zustande kommt.
Da es ihm wohl gerade nicht gut geht, wird er wohl einen Arzt aufsuchen müssen.
Was er sich so "dachte" ist aber unerheblich, Probearbeit muss VORHER von der AfA genehmigt werden, das kann er nicht einfach selber so bezeichnen, weil er das so "angenommen" hat wenn noch kein schriftlicher Arbeitsvertrag besteht.

Wie du es oben beschrieben hast liest sich auch nicht so, dass der Arbeitsantritt als "Probearbeit" (auch aus der Sicht des AG) vorgesehen war, es gibt Gesetze, die kann man sich nicht einfach nach Bedarf zurechtbiegen und die Konsequenz aus seiner Arbeitsaufnahme ist ein verbindlicher Arbeitsvertrag.

Da (unbezahlte) "Probearbeit" (als Schwarzarbeit) verboten ist muss das schriftlich von der AfA genehmigt werden und wird dann "als Maßnahme" der AfA (bei diesem AG, der das auch bestätigen muss) "verkleidet", ich gehe mal nicht davon aus, dass die AfA das noch nachträglich "legalisieren" wird.

Schon gar nicht wenn der AG den Bewerber ja (schon als Ergebnis aus dem Vorstellungsgespräch) sicher einstellen wollte ... zum "Ausprobieren" gibt es ja extra die 6 Monate Probezeit ... wo man sich mit recht kurzer Kündigungsfrist wieder voneinander trennen kann, falls es doch nicht "passt" ... da muss die Arbeit bis dahin aber auch regulär bezahlt werden.

Wollte dies nur noch einmal mitteilen, da Doppeloma, oder jmd. anderes, vllt. noch weitere Hinweise hat, um ohne umständliches Ab- und wieder Anmelden da raus zu kommen.
Aus diesen Gründen glaube ich eher nicht, dass er da so "einfach" wieder raus kommen wird, die AfA freut sich doch, dass ihre "Maßnahme und Intensiv-Betreuung" nun Früchte getragen hat, warum sollten die jetzt dazu beitragen (wollen), dass aus dem (hoffentlich langfristigen) Arbeitsvertrag nichts mehr wird ... :icon_evil:

Mir ging es mal ähnlich, wenn auch ohne "AfA-Maßnahme" aber mit einem Arbeitsvertrag, der nicht den Absprachen und meinen "Erwartungen" entsprochen hat als er mir am ersten Arbeitstag vorgelegt wurde zur Unterschrift ...

Ich sollte (eigentlich) als Lagerfachkraft arbeiten und ein kleines Firmenlager "auf Vordermann" bringen, man "bohrte" bei mir nach, ob ich auch langfristiges / echtes Interesse hätte bei der Firma zu bleiben ...

Ich staunte nicht schlecht als der Vertrag dann für 3 Monate befristet war, die neuen Kollegen informierten mich schnell "dass der das IMMER so macht" und nach einer 1. Verlängerung (um weitere 3 Monate) sucht er sich dann lieber einen neuen Mitarbeiter ... :icon_kratz:

Das hatte sich im Vorstellungsgespräch auch ganz anders angehört, aber nun hatte ich die Arbeit (leider) schon aufgenommen ... nach wenigen Tagen war ich zudem mehr an den Maschinen in der Produktion (auf Leistung), als im Lager, wie es im Vertrag gestanden hat ("gelegentliche Aushilfe" in der Produktion war allerdings enthalten), so hatte ich mir das überhaupt NICHT vorgestellt, das war schon aus gesundheitlichen Gründen nichts für mich.

So wurde ich dann (leider) sehr schnell krank, was noch schneller zur Kündigung führte (vom AG aus), so konnte mir auch die AfA keine Sperre auferlegen, ich hatte das ja nicht freiwillig aufgegeben (war aber froh als ich da nicht mehr hin musste :wink:) ... :icon_cry:

Mehr gibt es dazu eigentlich nicht mehr zu sagen ...

MfG Doppeloma
 
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