Arbeitspaket 3: Überlegungen zu max. akzeptierter Entfernung

economist

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Hallo,

ich bin derzeit dabei, das Arbeitspaket Teil 3 auszufüllen.

Ich bin mir unsicher, was ich bei der max. akzeptierten Entfernung von meinem gewünschten Ausübungsort angeben soll.

Ich bin bereit bundesweit nach einem neuen Job zu suchen. Allerdings habe ich dann die Befürchtung, dass mich meine Vermittlern mit Arbeitsangeboten überschütten wird.
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass mir als Akademiker mit Berufserfahrung die Arbeitsagentur bei meiner Jobsuche nicht viel weiterhelfen kann, und ich deswegen möglichst wenig mit meiner Vermittlerin zu tun haben will.

Deswegen überlege ich trotz bundesweiter Jobsuche eine maximale Entfernung von 150 km von meinem Ausübungsort anzugeben.

Das Problem dabei: Ich habe bisher fünf Bewerbungen abgeschickt, wovon nur zwei innerhalb dieser 150 km liegen. (Ich muss ja meine bisherigen Bewerbungen im Arbeitspaket 3 angeben.)

Könnte man mir diese Widersprüchlichkeit negativ anlasten? Oder könnte ich einfach sagen, dass ich diese Bewerbungen nur verschickt habe, um meinen "Marktwert am Arbeitsmarkt zu testen"?

Liebe Grüße
 

Doppeloma

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Hallo economist,

ich bin derzeit dabei, das Arbeitspaket Teil 3 auszufüllen.
Ich bin mir unsicher, was ich bei der max. akzeptierten Entfernung von meinem gewünschten Ausübungsort angeben soll.
Vielleicht können dir die gesetzlichen Vorgaben der Zumutbarkeit im SGB III (es geht doch um ALGI bei dir) da eine gute Hilfe sein ...

§ 140 SGB III Zumutbare Beschäftigungen

Ich bin bereit bundesweit nach einem neuen Job zu suchen. Allerdings habe ich dann die Befürchtung, dass mich meine Vermittlern mit Arbeitsangeboten
überschütten wird.
Möglicherweise reduzieren sich deine Befürchtungen von VV "überrollt" zu werden ja mit diesen Hinweisen sehr schnell ... das hat dein Vermittler nämlich auch zu beachten bei Vermittlungs-Vorschlägen ... sie müssen generell erst mal nach § 140 SGB III zumutbar sein ... besonders das Einkommen betreffend ... :wink:

Zudem kommt es ja auch immer ein wenig auf den Wohnort, die umliegenden AG-Möglichkeiten und die Verkehrsverbindungen an, zur Arbeitsmarktlage vor Ort sollte dich dein SB (eigentlich) gut informieren können, zumindest kann man diese konkrete Beratung ja mal einfordern im Gespräch ... die sollen doch auch noch was tun (müssen).

Man ist ja nicht verpflichtet Führerschein und Auto zu besitzen, obwohl das natürlich heutzutage gerne als selbstverständlich betrachtet wird und man dadurch als deutlich flexibler vermittelbar angesehen ist.

Ich persönlich würde da also durchaus auch einige "beratungsrelevante" Fragen offen lassen in den "Arbeitspaketen", man muss denen ja nicht direkt die ganze Arbeit abnehmen wollen ... :icon_hihi:

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass mir als Akademiker mit Berufserfahrung die Arbeitsagentur bei meiner Jobsuche nicht viel weiterhelfen kann, und ich deswegen möglichst wenig mit meiner Vermittlerin zu tun haben will.
Das wird dein Arbeitsvermittler ganz sicher anders sehen wollen, denn wenn alles so gut läuft bei dir, warum bist du dann überhaupt arbeitslos geworden ... das ist nicht meine Denke ... aber die "Kontaktdichte" (oder auch "Betreuungswut") entscheidet dein Vermittler und je deutlicher du darüber dein "Missfallen" äußern würdest, umso häufiger wirst du zum "Gespräch über deine berufliche Situation" eingeladen ...

Man wird dir sicher (wie vielen anderen) nicht wirklich weiter helfen (können) aber man kann doch wenigstens so tun ... :icon_hihi:

Deswegen überlege ich trotz bundesweiter Jobsuche eine maximale Entfernung von 150 km von meinem Ausübungsort anzugeben.
So "großzügig" wäre ich nicht, das sind rund 300 km Arbeitsweg jeden verdammten Tag und das schlaucht ganz schön, je nachdem was man dazwischen beruflich getan hat ... ich würde immer darauf achten (wollen) dass ich diese Entfernung (zur Arbeit und zurück) u.U. auch mal mit Öffis zurücklegen müsste, es sei denn das Auto geht nie kaputt oder du kannst dann mit dem Taxi zur Arbeit fahren ...

Denn dem AG ist es letztlich dann egal wie du zur Arbeit kommen wirst, so lange du immer pünktlich erscheinst ...

Das Problem dabei: Ich habe bisher fünf Bewerbungen abgeschickt, wovon nur zwei innerhalb dieser 150 km liegen. (Ich muss ja meine bisherigen Bewerbungen im Arbeitspaket 3 angeben.)
Diese "Arbeitspakete" sollen deinem SB die Arbeit erleichtern, der muss nicht viel mit dir reden um dein Bewerber-Profil zu erstellen (für die AfA-Job-Börse /achte auf anonyme Eintragung OHNE Call-My-Funktion) und die Einzelheiten werden mal kurz "überflogen", dann hat SB schon vergessen was er/sie da gerade gelesen hat ...

Könnte man mir diese Widersprüchlichkeit negativ anlasten? Oder könnte ich einfach sagen, dass ich diese Bewerbungen nur verschickt habe, um meinen
"Marktwert am Arbeitsmarkt zu testen"?
Du solltest die AfA-SB nicht mit so schwierigen Erklärungen überfordern und du brauchst überhaupt nicht erklären wo du dich schon warum beworben hast ... nur weil das in diesem Arbeitspaket abgefragt wird ... :icon_evil:

Wenn ein SB deine Bewerbungen sehen will, dann muss er dir das (vorher) persönlich schriftlich mitteilen und dann interessiert den vorwiegend, ob du dich überhaupt beworben hast ... eine bestimmte Anzahl (soll nicht, aber kann per EGV "vereinbart sein") ist gesetzlich nicht vorgegeben, also kann ohne besondere (schriftliche Verpflichtung) auch nichts Bestimmtes verlangt werden.

Diese "Arbeitspakete" sind einfach nur allgemeine Informations-Unterlagen, die bekommt jeder Arbeitslose ...

Letztlich hat man dir im Rahmen von § 140 nur "vorzuschreiben" was damit vereinbar ist, es steht dir natürlich frei diesen Rahmen freiwillig zu verlassen, du darfst dich also bewerben wo immer du willst und darfst auch gerne geringer bezahlte Arbeit annehmen (wollen) aber nur wenn DIR das sinnvoll erscheint.

Findest du weiter entfernt eine feste Stelle (mit schriftlicher Einstellungszusage) kannst du möglicher weise sogar Leistungen aus dem Vermittlungsbudget beantragen, um an deine neue Wirkungsstätte umziehen zu können ...

§ 44 SGB III Förderung aus dem Vermittlungsbudget

Für ALLES was du von der AfA haben willst (oder verlangen könntest) stelle generell schriftliche (gut begründete) Anträge und lass dir den Empfang auf einer Kopie davon bestätigen ... also nicht "mal fragen ob was gehen würde, das geht nie und wird sofort abgelehnt" ... einen offiziellen, schriftlichen Antrag muss man auch bearbeiten und bescheiden ...

Soviel für den Anfang ... :wink:

MfG Doppeloma
 

economist

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Hallo Doppeloma,

vielen Dank für deine ausführliche Erläuterung. Ich werde mir Gedanken darüber machen und dann entscheiden, was ich im Arbeitspaket eintragen soll.

Nur zwei kurze Anmerkungen zu deinem Kommentar:

Das wird dein Arbeitsvermittler ganz sicher anders sehen wollen, denn wenn alles so gut läuft bei dir, warum bist du dann überhaupt arbeitslos geworden ... das ist nicht meine Denke ... aber die "Kontaktdichte" (oder auch "Betreuungswut") entscheidet dein Vermittler und je deutlicher du darüber dein "Missfallen" äußern würdest, umso häufiger wirst du zum "Gespräch über deine berufliche Situation" eingeladen ...
1. Gerade deswegen habe ich im Forum diese Fragen gestellt, damit ich weiß, wie ich gegenüber meiner Arbeitsvermittlerin auftreten soll. :) Dass ich diesen Eindruck bei meiner Arbeitsvermittlerin tunlichst vermeiden soll, ist mir bewusst.
2. Betriebsbedingte Kündigung aufgrund Verlagerung meiner Abteilung in das Ausland, weil die Beschäftigten dort knapp die Hälfte verdienen als wie in Deutschland (das wurde uns von der Geschäftsleitung so mehr oder weniger ins Gesicht gesagt).
 

Fritz Fleißig

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Noch ein paar ergänzende Anmerkungen aus meiner Sicht:

1. Gerade bei akademischen Berufen, wo die Tätigkeiten oft sehr spezialisiert sind und man wirklich Fachkenntnisse der Branche für eine paßgenaue Stellensuche braucht, ist es am besten, wenn sich die AfA mit Stellenvorschlägen komplett heraus hält und sich auf Geldleistungen beschränkt. Du kannst das beim Vermittlungsgespräch mal vorsichtig und höflich andeuten. Anspruch auf ein solches Vorgehen hast du natürlich nicht. Also zumindest den Eindruck erwecken, daß du mit deinen Fachkenntnissen der Branche laufend auf Stellensuche bist.

2. Du wirst sicher kein heimatloser Wanderarbeiter sein, sondern in deiner derzeitigen Wohngegend schon "soziale Wurzeln" geschlagen haben. Ein Umzug ist immer so eine Sache. Unter Umständen liegt der neue Arbeitsort in einer Großstadt mit hohen Lebenshaltungskosten. Was, wenn die Stelle schon bald wieder beendet ist? Beispielsweise, weil der neue Arbeitgeber auch auf die Idee kommt, Arbeit aus Sparsamkeitsgründen nach Rumänien, Indien oder China zu verlagern (scheint heute sehr in Mode zu sein)? Das Vernünftigste wäre in so einer Situation, erst einmal einen doppelten Haushalt zu führen, bis der Kündigungsschutz einsetzt und sich die Beschäftigungssituation wenigstens ein bißchen verfestigt hat.

Dann gleich fragen: wer zahlt die Kosten für Umzug und doppelte Haushaltsführung? Wird die AfA alle entsprechenden Kosten aus dem Vermittlungsbudget übernehmen? Falls nein, gehen diese Kosten in die Zumutbarkeitsrechnung nach § 140 SGB III als "mit der Berufsausübung verbundene Ausgaben" ein.

3. Vermittlungsbudget nach § 44 SGB III ist generell ein Thema, das man ansprechen sollte. Das heißt, Übernahme von Kosten für Bewerbungen und Reisekosten zu Vorstellungsgesprächen. Ist freilich Ermessensleistung und hängt von deiner Eigenleistungsfähigkeit, unter anderem Höhe des ALG, ab. Fragen und beantragen kostet nichts. Rückwirkend wird nichts bewilligt, sondern erst ab Antragstellung entstandene Kosten.
 

economist

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Hallo Fritz Fleißig,

1. Gerade bei akademischen Berufen, wo die Tätigkeiten oft sehr spezialisiert sind und man wirklich Fachkenntnisse der Branche für eine paßgenaue Stellensuche braucht, ist es am besten, wenn sich die AfA mit Stellenvorschlägen komplett heraus hält und sich auf Geldleistungen beschränkt. Du kannst das beim Vermittlungsgespräch mal vorsichtig und höflich andeuten. Anspruch auf ein solches Vorgehen hast du natürlich nicht. Also zumindest den Eindruck erwecken, daß du mit deinen Fachkenntnissen der Branche laufend auf Stellensuche bist.
Ich werde das zur Sprache bringen. Vielen Dank für den Tipp!

2. Du wirst sicher kein heimatloser Wanderarbeiter sein, sondern in deiner derzeitigen Wohngegend schon "soziale Wurzeln" geschlagen haben. Ein Umzug ist immer so eine Sache. Unter Umständen liegt der neue Arbeitsort in einer Großstadt mit hohen Lebenshaltungskosten. Was, wenn die Stelle schon bald wieder beendet ist? Beispielsweise, weil der neue Arbeitgeber auch auf die Idee kommt, Arbeit aus Sparsamkeitsgründen nach Rumänien, Indien oder China zu verlagern (scheint heute sehr in Mode zu sein)? Das Vernünftigste wäre in so einer Situation, erst einmal einen doppelten Haushalt zu führen, bis der Kündigungsschutz einsetzt und sich die Beschäftigungssituation wenigstens ein bißchen verfestigt hat.
Dazu muss ich etwas weiter ausholen.

Ich bin erst nach meinem Studium aus dem deutschsprachigen Ausland nach Deutschland umgezogen.
Da sich die Entscheidung, meine Arbeitsstelle ins Ausland zu verlagern, bereits seit einiger Zeit angedeutet hat, habe ich mich schon vorab über Jobangebote am Arbeitsmarkt für meine Tätigkeit umgesehen. Leider habe ich in der näheren Umgebung überhaupt nichts gefunden. Ohne Umzug ging da gar nichts. Es ist nun mal eine etwas spezielle Tätigkeit, die es nicht in jedem Unternehmen so gibt.

Deswegen ist meine Entscheidung, im Bedarfsfall umzuziehen, bereits gefallen. Selbstverständlich würde ich es bevorzugen, wenn in meiner derzeitigen Wahlheimat bleiben könnte. Aber ich befürchte in diesem Fall, dass ich längere Zeit arbeitslos bleiben würde.

Ich habe den Schwerpunkt meiner Bewerbungen auf sichere Branchen gelegt. Aber es ist nun mal leider so, dass es den sicheren Job fast nicht mehr gibt. Da ich noch relativ jung bin, derzeit keine Partnerin habe, kinderlos bin und auch kein Wohneigentum besitze, bin ich zum Glück sehr flexibel. Da ist die Situation anderer Noch-Kollegen mit Kind und eigenem Haus wesentlich schwieriger.

Ich lebe bereits in einer Stadt mit einer der höchsten Lebenshaltungskosten in Deutschland. Da kann mich fast nichts mehr erschrecken. :wink:

Danke auch für die restlichen Ratschläge bezüglich Umzugskosten, Bewerbungskosten und Reisekosten zu Vorstellungsgesprächen.

Liebe Grüße
 

AnonNemo

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Die kurze und knackige Antwort auf die Thread-Überschriften-Frage:
Im Tagespendelbereich PUNKT
Dazu aus dem § 140 SGB III (4):
Als unverhältnismäßig lang sind im Regelfall Pendelzeiten von insgesamt mehr als zweieinhalb Stunden bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden und Pendelzeiten von mehr als zwei Stunden bei einer Arbeitszeit von sechs Stunden und weniger anzusehen. Sind in einer Region unter vergleichbaren Beschäftigten längere Pendelzeiten üblich, bilden diese den Maßstab.
... so kannst du schon im Voraus grob überschlagen, wie viele Kilometer du mit dem ÖPNV innerhalb von 2,5h am Tag(!!!) zurücklegen könntest :wink:
Freiwillig würde ich der AfA nur das allernötigste zugestehen!
In welchem Umkreis du dich dann freiwillig bewirbst, ist deine Entscheidung!
Ich sage bloß: Kleiner Finger & ganze Hand!

Btw: Die einfache(!!!) Wegezeit beginnt an DEINER Wohnungs-/Haustüre und endet
- rechtzeitig vor Arbeitsbeginn, d. h. keine 5 Min. zu spät kommen, weil du dann den 30 Min. später abfahrenden Bus/Bahn, der auch noch kürzere Umsteigezeiten hat, nehmen könntest(!!) -​
an der "Stempeluhr"! Für den Rückweg gilt das Selbe!
Die Pendelzeit setzt sich aus dem Hin- und Rückweg zusammen!

Gut, hat sich erledigt, aber für andere ...
Solltest du im Besitz einer Wohnung oder sogar eines Hauses sein ... wird es auch - für die AfA - schwieriger, dich zu einer bundesweiten Arbeitsaufnahme (nicht verwechseln mit Bewerbung!!), wo ein Umzug notwendig wäre, zwingen zu können.
Das gilt auch für eLBs, denen der ALG2-Bezug bewilligt wird/ist.

AnonNemo
 
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