Arbeitsmarkt: Fragwürdige Maßnahmen

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nightangel

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Arbeitsmarkt: Fragwürdige Maßnahmen


  • Montag, 23. November 2009, 21.00 - 21.45 Uhr


Sogenannte Aktivierungsmaßnahmen sollen Arbeitsuchende wieder in Lohn und Brot bringen. So wünscht es sich die Agentur für Arbeit. Aber einige Kurse gehen völlig am Bedarf vorbei.

Susanne ist arbeitslos und besucht einen Kurs, der ihr helfen soll, wieder Arbeit zu finden. Susanne nennen wir sie, denn ihren wirklichen Namen möchte sie nicht öffentlich machen. Sie befürchtet inzwischen, es könnte auf einen möglichen Arbeitgeber einen schlechten Eindruck machen, dass sie diesen Kurs besucht.

Die gelernte Reiseverkehrskauffrau war zwei Monate lang arbeitslos, als sie von ihrer zuständigen Arbeitsagentur in Köln aufgefordert wurde, an einer Aktivierungsmaßnahme teilzunehmen. Seit September besucht sie einen neunmonatigen Kurs bei der Fortbildungsakademie der Wirtschaft in Köln (FAW). So wie Susanne werden hier zurzeit 720 Arbeitslose betreut. Bundesweit hat der Träger 150 Standorte. Der Leiter der Einrichtung in Köln erklärt, dass es Arbeitsvermittler als Ansprechpartner vor Ort gebe, die bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen helfen. Außerdem gebe es gute Unterstützung für die eigene Stellensuche.
Hier der komplette Artikel:
Arbeitsmarkt: Fragwürdige Maßnahmen - markt - WDR Fernsehen
 
N

Nustel

Gast
Wir baten den Leiter der Arbeitsagentur Köln um ein Interview, um ihn zu diesen beiden Fällen zu befragen, bekamen aber eine Absage. Werner Marquis, Pressesprecher bei der Bundesagentur für Arbeit in der Regionaldirektion Düsseldorf, sei der richtige Ansprechpartner, sagte man uns. Doch dieser konnte nicht auf die beiden konkreten Fälle eingehen, darüber sei er nicht informiert.
Also mehr muß man da nun wirklich nicht hinzufügen.
Es gibt keinen Ansprechpratner, zumindest nicht für uns.
Zumal er ja nicht informiert war. Bullshit:icon_eek:
Verarschung.
 

nightangel

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Hab den Link gerade leider zu spät bekommen, aber die Sendung wird am, Mittwoch, 25. November 2009, 14.15 - 15.00 Uhr, wiederholt.
 
R

Rounddancer

Gast
Das Problem: Statt des Staates, der die Fortbildungen auf Selbstkostenbasis machen, vielleich gar subventionieren könnte, müssen Fortbildungsmaßnahmen europaweit ausgeschrieben werden,- und es muß zwingend der billigste Anbieter genommen werden.
Das wiederum fordert heraus, daß Anbieter alles tun, daß sie den Zuschlag bekommen. Schließlich wollen sie ja durch die Fortbildungen Gewinn machen, was ja legitim ist.

Dazu wird mit allen Mitteln versucht, eine Maßnahme im Dialog mit AA und Arge so zu schneidern, daß ein Unikat herauskommt, denn wo man der einzige Anbieter einer Maßnahme ist, kriegt man auch den Zuschlag, d ja kein Wettbewerber da ist. Falls man die Einkäufer der Maßnahme bei AA und Arge vom Sinn dieser Maßnahme überzeugt Dazu gehört u.a., daß der Kurs zertifiziert sein muß, - und daß die Chance besteht, daß mindestens 60, oft auch 80 Prozent der Absolventen danach in Arbeit vermittelt werden können.
Damit diese Fortbildungsträger auch an der Vermittlung der ihnen zugeordneten Arbeitslosen interessiert sind, wird ein guter Teil der Gelder erfolgsabhängig bezahlt,- d.h. eine Prämie geht an den träger, wenn der Arbeitslose während oder bis sechs Monate nach dem Kurs in sozialversicherungspflichtige Arbeit, oder in Selbstständigkeit kommt.


Sind für eine Maßnahme aber mehrere Anbieter da, dann wird an den Kosten massiv gespart,- die maximalen Teilnehmerzahlen des geplanten Kurses erhöht, man nimmt mehr billigere, als teure Referenten,- und tut alles, daß die Teilnehmer bei der Stange bleiben,- auch, indem man bei internen Prüfungen im Kurs versucht, niemand durchfallen zu lassen.
Kriegt man den Zuschlag, muß weiter der Kontakt zu AA, bzw. Arge gehalten werden, schließlich will man als Träger ja die Kurse möglichst voll bekommen und behalten, sodaß man möglichst dauerhaft, auch ohne auf die Prämien des Vermittlungserfolgs bauen zu können , den Break-even-point, also den Kostendeckungsgrad überschreitet.
Da das kritisch ist, kommen solche Minimal-Maßnahmen zustande, bei denen dann billige, für nur 18 bis 25 Euro/Stunde (auf selbstständiger Basis) für täglich 7-8 Stunden eingekaufte Referenten (die nicht selten selbst kürzlich noch erwerbslos waren,- und sich nun über diese Einsätze wenigstens die Kosten für die freiwillige Kranken-, Arbeitslosen-, und Rentenversicherung hereinarbeiten (aber nicht mit Alg II aufstocken können, da ihre Partnerin arbeitet)) in engen, oft schlecht ausgestatteten Räumen mit fast wahllos von AA und Arge hineinbefohlenen Teilnehmern zusammen, die Angst haben, widrigenfalls durch Entzug der Lebensgrundlagen obdachlos verschuldet verhungern zu nüssen. Auf Teilnehmer, die nicht selten entweder kein Deutsch verstehen, oder -verstehen wollen, geschweige denn das Thema, manche Teilnehmer, die immer nur stören, weil sie den Referenten dafür bestrafen wollen, daß sie da sitzen müssen, manche Teilnehmer, die für den Kurs so total überqualifiziert sind, daß eigentlich sie den Kurs halten, und der arme Referent von ihnen noch was lernen könnte.
Und der Referent hat dann vorallem die Vorgabe: Er muß eine Anwesenheitsliste führen, wer da ist, und wer pünktlich erschien. Dazu muß in jeder Maßnahme ein Bewerbungstraining gemacht werden, egal wie. Ansonsten ist Langeweile angesagt, denn gerade bei solchen Maßnahmen mit vielen teilnehmern, die weder Deutsch, noch den Stof verstehen, ist kaum ein Durchkommen möglich, auch wenn sich der Referent gut vorbereitet hat, aber dann einsehen muß, daß er das Thema einfach nicht an diese überforderten Teilnehmer hinbekommt, während ihm die unterforderten Teilnehmer einschlafen.

Klar gibt es auch, besonders kleinere Träger, die einen gewissen Qualitätsanspruch haben. Doch die stellen dann auch an die billigen referenten so hohe Aufgaben, daß diese oft an den Abenden vor dem Einsatz dort, und an den Wochenenden dasitzen, um sich in Themenbereiche einzulesen, die sie selbst noch nicht in der Ausbildung hatten,- um dieses Wissen dann in den Folgetagen an die Teilnehmer weitergeben zu können.
Erschwerend kommt hinzu, daß solche Maßnahmen ja zeitbegrenzt sind,- und auch die Einsätze der Referenten so begrenzt sind.

Würden AA, bzw. Argen die Kurse selbst machen, wäre das billiger, und doch qualifizierter möglich, Teilnehmer sinnvoll in passende Kurse zu bringen. So jedoch, oh weh, gelingt nur selten ein Erfolg.
Dies, denn eigentlich müßte bei jedem Kurs am Anfang klargestellt werden, daß die Themen zu den Teilnehmern passen. Dann muß jemand da sein, der mit den Teilnehmern vertrauensbildende Maßnahmen macht,- sprich, sie ihre Angst vergessen, oder zurückstellen läßt. Und es muß jemand Geeignetes da sein, der sich jeden Teilnehmer anguckt, und dann seine breiten Kontakte zu Betrieben jeder Art dazu nutzt, dem jeweiligen Teilnehmer einen passenden Arbeitsplatz (vollzeit, sozialversicherungspflichtig) zu finden und Arbeitgeber und Teilnehmer zusammenzubringen.
 

michel73

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Das was "Susanne" uns da erzählt kann ich nur bestätigen, ich war selbst sieben Monate bei der FAW.

Acht lahme Windows 98 Rechner für zwanzig Leute an einer 2000´er Leitung.
Uns wurde das blaue vom Himmel versprochen aber uns wurde in den ersten wochen nur gezeigt wie man Bewerbungen schreibt und sonst nichts.
Alle Teilnehmer mussten sich für ein Praktikum bewerben und es spielte keine Rolle ob jemand für die jeweilige Stelle geeignet war oder nicht, sogar als Telefonverkäufer musste man sich bewerben.

Bei der ersten Massenveranstaltung mussten alle Teilnehmer eine EGV und einen Antrag auf Bewilligung der Kostenübernahme für diese Maßnahme unterschreiben, und danach eine Abtretungserklärung für die FAW.

Die restlichen Monate durften wir im Kellergeschoss vegetieren und nach Praktikumsstellen googeln und googeln und googeln......

Das beste war noch das ich und ein anderer Teilnehmer anderen zeigen mussten wie Word funktioniert.

Und dann gab es noch jemanden der kaum Deutsch konnte, bis ein Referent die verblüffende Idee hatte uns eine Deutsch-Russisch CD in die Hand zu drücken damit wir ihm Deutsch beibringen :icon_klatsch:


Glücklicherweise gab es noch im Nebenzimmer ein Billardtisch :icon_daumen: und reichlich Kaffee.
 

Julchen68

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Wenn ich allüberall so lese, was heutzutage als "Maßnahme" verkauft wird, bleibt mir echt die Spucke weg.
Als ich das letzte Mal so etwas mitmachen "durfte" gab es H4 noch gar nicht. Zuerst versuchte man zwar, mich (als Softwareentwickler!) in einen PC-Einführungskurs zu stecken - was aber mißlang, da ich unvorhergesehenerweise eine ganz böse Erkältung bekam (doch, wirklich. keine Ausrede, ehrlich. Es war Januar :biggrin: ).

Dann aber "lud" man mich zu einer Maßnahme zur Unterstützung bei Bewerbungen ein. Keine Vollzeit, sondern ein Dutzend Ganztagskurse, die über einige Monate verteilt wurden.

Beim ersten Termin bekam ich so meine Bedenken. Die Teilnehmer waren buntgemischt mit allen möglichen Bildungsabschlüssen. Vom kellnernden Küchenhelfer bis zum Ingenieur war alles dabei.
Aber ich muß sagen, die Leutchen haben sich echt Mühe gegeben.
Obwohl es einen Computerraum gab, wurde dieser nicht dazu mißbraucht, die Gruppe zwischenzuparken, sondern war nur für jene Teilnehmer vorgesehen, die privat keine Möglichkeit hatten, Briefe zu tippen und in Stellenbörsen zu surfen.
Abgesehen von der tatsächlich individuellen Analyse der Bewerbersituation in längeren Einzelgesprächen gab es - zumindest bei mir - sehr hilfreiche Tips, meinen Lebenslauf noch übersichtlicher zu gestalten. Das Ding hat jetzt zwar 15 Seiten Umfang, aber die Einladungsquote ist seitdem erheblich gestiegen.

Abgesehen von dem üblichen Selbstanalyse-Blabla gab es an fast jedem "Einberufungs"-Termin Schwerpunktthemen.
Es wurden z.B. Personalchefs verschiedener Branchen "gemietet", die richtige Bewerbungsgespräche durchführten und danach Bewertungen und Tips zum Auftreten und Inhalt abgaben.
Einen Tag war Fotoshooting angesagt, wo eine Mitarbeiterin einfach mal ungezwungen die Kamera draufgehalten hat, während man sich locker unterhielt. Mein allerbestes Foto ist dabei entstanden, das ich seitdem bei allen Bewerbungen verwende. Kein gestelltes Fotografenzeugs von wegen "jetzt lachen Sie doch mal!" kommt dem auch nur annähernd gleich.

Dann gab es u.a. eine Typberatung - für Weibchen, aber auch für Männchen, wenn sie wollten.
Und sogar eine Schuldenberatung für die Teilnehmer, die sie nötig hatten.


Wie gesagt, das war vor H4. Inzwischen dürften die Dienste dieser Firmen weniger gern gesehen sein. Wahrscheinlich läßt sich nur mit überfüllten Vollzeitmaßnahmen die Statistik richtig fälschen. :cool:

Unter H4 mußte ich so etwas nie mitmachen.
Mein letzter SB meinte, er wisse nicht was er mit mir anfangen solle und ließ mich abgesehen von 4 Bewerbungen pro Monat in Ruhe :icon_twisted:
Achja... habe zwischendurch immer wieder Jobs gehabt - aktuell auch wieder seit 6 Monaten. Nicht daß hier die falschen Gerüchte aufkommen ;)
 

Berenike1810

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Mann/Frau kann es doch seit Wochen deutlich erkennen, was gerade läuft !

„Es weihnachtelt wieder sehr“ ! - Das Jahr geht zu Ende.

Das Budget der Argen & Co ist noch nicht aufgebraucht - sollte zum Jahresende noch was im Topf sein, gibt es für 2010 Erklärungsnöte bzgl. der Höhe des Budget 2010.

Eine „saubere“ „Erfolgsstatistik“ braucht die wurmstichige Regierung ausserdem zum Jahreswechsel !

Denn wer in einer Maßnahme abhockt zählt nicht als „arbeitslos“.

Deshalb -vom Ostseestrand bis Garmisch-Partenkirchen: Maßnahmen, Maßnahmen -

und bist Du nicht willig - so kriegste einen VA incl. Termin beim ÄD. - Du faules, arbeitsentwöhntes Individuum, ohne jegliche Tagesstruktur !!!

Berenike’s Ansicht.
 
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