Arbeitslos nach Kündigung, KG, Gesundschreibung MDK, Parallel-Erkrankung

Nuss

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Guten Tag,

ich bin neu in diesem Forum, 49 Jahre alt und stamme aus dem Ruhrgebiet. Habe mich bereits durch viele Threads gelesen, mittlerweile einiges gelernt, jedoch sind auch noch Fragen offen.

Kurz meine Geschichte:
16 Jahre lang in einem Unternehmen gearbeitet, Kündigung zum 31.12.2015. Ab dem 22.12.2015 AU aufgrund einer schweren Depression. Ab 01.01.2016 Krankengeldbezug, machdem ich zwischenzeitlich bei meiner KK vorstellig war, welche Möglichkeiten zur Unterstützung meiner Gesundung oder Auslotung anderer Möglichkeiten (EM-Rente) ich habe, bekam ich Anfang August 2015 eine Einladung zum MDK, dort wurde festgestellt, dass ich weiter AU bin, eine EM-Rente jedoch nicht in Betracht käme, da ich wahrscheinlich im Herbst wieder gesund wäre. Wie das prognostiziert wurde ist mir schleierhaft.

Ich werde zu Hause durch meine Schwiegertochter "betreut", soll heißen, sie kauft schon mal für mich ein, wenn die Panik mich wieder hat oder schaut einfach nach dem Rechten. Sie fuhr nun für eine Woche (16.10.-24.10.) in unser Ferienhaus nach Ostdeutschland und hatte aufgrund meiner gesundheitlichen Situation Sorge mich allein zurückzulassen und bat mich mitzufahren. Habe das mit meiner behandelnden Psychologin besprochen, die die "Reise", eigentlich war es nur ein Ortswechsel, per Attest befürwortete. Da ich alles richtig machen wollte, sagte ich meiner Krankenkasse Bescheid und reichte das Attest dort ein. Die Krankenkasse schrieb mir, dass ich "reisen" dürfte, KG würde weiter gezahlt. Parallel dazu erhielt ich jedoch ein weiteres Schreiben der KG, in dem man mir mitteilte, dass ich nach Aktenlage beim MDK ab dem 31.10.2016 wieder gesund sei und mich nun bei der AfA melden müsste.

Ich weiß nun nicht, ob ein Zusammenhang zwischen Reise (die ich dann, weil es mir wieder schlechter ging) noch nicht einmal angetreten habe und der Beendigung der KG- Zahlung liegt, oder weil die Ärztin beim MDK das im August prognostiziert hat. Das ist jedoch auch nicht das Problem..., ich habe Widerspruch eingelegt und meine behandelnde Psychologin wird ein entsprechendes Schreiben aufsetzen - habe allerdings erst morgen dort einen Termin.

Nun ist allerdings in der vergangenen Woche eine zusätzliche Erlrankung aufgetreten. Hört sich albern an, aber ich habe "Rücken" - bereits vor einigen Jahren wurden bei mir zwei Bandscheibenvorfälle der HWS diagnostiziert, was ich jedoch durch Krankengymnastik und Medikamente ganz gut im Griff hatte und bis vor Kurzem schmerzfrei war. Habe auf diese Erkrankung auch damals keine AU über sechs Wochen gehabt - also immer Lohnfortzahlung.
Nun hat mich erst einmal meine Hausärztin AU geschrieben, die AU wird voraussichtlich auch über den 31.10. hinaus gehen, da ich zum Orthopäden muss und weitere Untersuchungen/Behandlungen erfolgen.

So..., langer Rede, kurzer Sinn, die Krankenkasse sagt nun, dass sie mir auch aufgrund der Neubescheinigung (also Erstbescheinigung) dieser Erkrankung der HWS/LWS lediglich KG bis 31.10.2016 zahlen wird, danach soll ich zur AfA gehen und mich arbeitslos melden. Die Afa sagt jedoch, wenn ich AU bin habe ich in meinem Fall keinen Anspruch auf Bezüge, da ich ja bereits vor meiner Kündigung durch den AG AU war und jetzt lediglich eine neue - wenn auch parallel aufgetretene - Erkrankung habe.
Die Neuerkrankung hat doch nichts mit der Depression zu tun, was auch anhand des Schlüssels auf der AU ersichtlich ist.

Ich wäre sehr dankbar für Tipps, Hinweise und Hilfen.

Vielen Dank im Voraus!
 

Katzenfan

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Hallo Nuss,

die grundsätzliche Dauer Deines Krankengeldanspruchs beträgt 78 Wochen ab dem 22.12.2015 gerechnet - also bis ca. Mitte Juni 2017.

Bei den nun (erneut) aufgetretenen Rückenproblemen, wegen der Du ebenfalls AU geschrieben wurdest, handelt es sich um eine "hinzugetretene Krankheit" im Sinne des § 48 SGB V. Deshalb entsteht zwar keine neue 78-Wochen-Frist, aber da seit Beginn Deiner ersten Arbeitsunfähigkeit noch keine 78 Wochen vergangen sind, besteht auf jeden Fall weiterhin ein Krankengeldanspruch - zumindest, wenn aufgrund dieser hinzugetretenen Krankheit in der letzten Zeit überhaupt noch kein Krankengeld bezogen wurde.

Wie sich das genau verhält und wie die Zeiten berechnet werden, ist hier ganz gut erklärt (insbesondere im Abschnitt "Leistungsdauer"):

Krankengeld ? Der Anspruch ist zeitlich befristet | Bildung hilft

Deine Krankenkasse ist also nicht berechtigt, die Krankengeldzahlung zum 31. Oktober zu beenden, sofern Du darüber hinaus wegen der Rückenbeschwerden noch arbeitsunfähig geschrieben bist bzw. wirst.

Gegen die von der Krankenkasse "behauptete Genesung" aufgrund Deiner Depressionen hast Du ja bereits Widerspruch eingelegt. Da solltest Du auch dran bleiben.

Schlimm, dass man sich wegen solcher eindeutig gesetzlich geregelten Dinge auch noch mit der Krankenkasse rumärgern muss, wenn es einem eh schon schlecht geht ...

Gruß
Katzenfan
 

Doppeloma

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Hallo Nuss,

16 Jahre lang in einem Unternehmen gearbeitet, Kündigung zum 31.12.2015. Ab dem 22.12.2015 AU aufgrund einer schweren Depression. Ab 01.01.2016 Krankengeldbezug, machdem ich zwischenzeitlich bei meiner KK vorstellig war, welche Möglichkeiten zur Unterstützung meiner Gesundung oder Auslotung anderer Möglichkeiten (EM-Rente) ich habe,
Warum bist du bei deiner KK vorstellig geworden, hatte man dich zu einem Gespräch über diese Dinge eingeladen oder wolltest du das selber so ???

Mit den SB der KK spricht man in der Regel nicht über seine Krankheiten und die Aussichten zu Behandlungen und eventueller EM-Rente (dafür wäre ohnehin nur die DRV zuständig) ... das sind Sachbearbeiter und keine Ärzte, die sitzen nur beim MDK.

Für deine Behandlung sind nur deine Ärzte zuständig, die KK verfolgt bei solchen Gesprächen nur eigene Ziele, denn aktuell bekommst du noch Krankengeld in der Höhe, die sich aus deinem letzten Einkommen ergeben hat.

bekam ich Anfang August 2015 eine Einladung zum MDK, dort wurde festgestellt, dass ich weiter AU bin, eine EM-Rente jedoch nicht in Betracht käme, da ich wahrscheinlich im Herbst wieder gesund wäre. Wie das prognostiziert wurde ist mir schleierhaft.
Du meinst sicher August 2016 ... auch der MDK hat in der Regel nicht zu beurteilen, ob du eine EM-Rente bekommen könntest, woraus man geschlossen hat, dass du im Herbst wieder gesund sein sollst hättest du dort erfragen sollen.
Vermutlich hat man sich eine solche Einschätzung von der KK "gewünscht" um dich zunächst mal an die AfA abgeben zu können, denn nach Bezug von ALGI, bekommst du nachfolgendes Krankengeld nur noch in der gleichen Höhe.

So spart man schon etwas Geld an dir, erstaunlich, dass man dich noch nicht in eine Reha schicken wollte, das ist jedenfalls oft die Folge einer solchen Begutachtung beim MDK ... du solltest dir mal das/ die vorliegenden Gutachten anfordern lassen von deinem behandelnden Arzt.

Da ich alles richtig machen wollte, sagte ich meiner Krankenkasse Bescheid und reichte das Attest dort ein. Die Krankenkasse schrieb mir, dass ich "reisen" dürfte, KG würde weiter gezahlt. Parallel dazu erhielt ich jedoch ein weiteres Schreiben der KG, in dem man mir mitteilte, dass ich nach Aktenlage beim MDK ab dem 31.10.2016 wieder gesund sei und mich nun bei der AfA melden müsste.
Natürlich war dein "Reisewunsch" der Grund dafür, wer reisen kann, der kann sich auch bei der AfA in Arbeit vermitteln lassen, hast du denn mal mitgeteilt, dass du gar nicht wegggefahren bist wie geplant, weil es dir nicht gut genug dafür ging?

Trotzdem ist die Einstellung von Krankengeld ohne (erneute) persönliche Untersuchung beim MDK gar nicht erlaubt.
Du bist hier nicht die Erste, der man "großzügig" eine kleine Reise genehmigt, um dann die Genesung zu beschließen, bei zeitlich ordentlich geplanter AU-Bescheinigung hättest du (innerhalb Deutschlands) auch ohne Genehmigung einige Tage wegfahren können, bei der KK gibt es keine "Stallpflicht", nur mit Auslandsreisen sollte man vorsichtig sein.

Was sollen die denn groß von dir wollen, wenn du AU bist haben die (eigentlich) zu zahlen und dich in Ruhe zu lassen, damit du gesund werden kannst.

ich habe Widerspruch eingelegt und meine behandelnde Psychologin wird ein entsprechendes Schreiben aufsetzen - habe allerdings erst morgen dort einen Termin.
Deine Ärzte müssen sich direkt an den MDK wenden und dort einen "medizinischen Widerspruch" einlegen, es nützt nichts wenn du irgendwelche Schreiben bei den SB der KK abgibst ... der MDK muss überzeugt werden, dass du noch gar nicht gesund bist, zumal noch eine weitere Krankheit dazu gekommen ist.

Habe auf diese Erkrankung auch damals keine AU über sechs Wochen gehabt - also immer Lohnfortzahlung.
Das ist trotzdem bei der KK registriert, denn auch die Lohnfortzahlung wird von den 78 Wochen jeweils abgezogen, es beginnt also auch ohne Krankengeld von der KK eine sogenannte Blockfrist dafür zu laufen ... dürfte aber schon zu lange her sein, um jetzt noch Auswirkungen zu haben.

Nun hat mich erst einmal meine Hausärztin AU geschrieben, die AU wird voraussichtlich auch über den 31.10. hinaus gehen, da ich zum Orthopäden muss und weitere Untersuchungen/Behandlungen erfolgen.
Dann wird die KK wohl weiter zahlen müssen, was die so "sagen" ist erst mal völlig egal, eine Erstbescheinigung war dafür auch überflüssig, denn offiziell hat dich bisher nur der MDK für gesund erklärt, deine behandelnden Ärzte ja offenbar noch nicht, es ist wichtig das als Folgebescheinigung weiter zu führen, mit der zusätzlichen Diagnose.

So..., langer Rede, kurzer Sinn, die Krankenkasse sagt nun, dass sie mir auch aufgrund der Neubescheinigung (also Erstbescheinigung) dieser Erkrankung der HWS/LWS lediglich KG bis 31.10.2016 zahlen wird, danach soll ich zur AfA gehen und mich arbeitslos melden. Die Afa sagt jedoch, wenn ich AU bin habe ich in meinem Fall keinen Anspruch auf Bezüge, da ich ja bereits vor meiner Kündigung durch den AG AU war und jetzt lediglich eine neue - wenn auch parallel aufgetretene - Erkrankung habe.
Die AfA hat allerdings Recht, denn mit akuter Krankheit bist du nicht vermittelbar also braucht die AfA auch nicht zahlen.

Die Neuerkrankung hat doch nichts mit der Depression zu tun, was auch anhand des Schlüssels auf der AU ersichtlich ist.
Das ist unwichtig, wenn du mit einer Krankheit noch gar nicht richtig gesund gewesen bist kommt eine weitere Krankheit eben dazu, das wurde dir ja schon beschrieben, man kann sowieso nicht "doppelt" AU geschrieben sein zum gleichen Zeitpunkt ... :icon_evil:

Du solltest dich zusätzlich schriftlich und nachweislich (mindestens) bei der übergeordneten Stelle deiner KK über diese Vorgehensweisen und Aussagen beschweren.
Was hat denn deine Psychologin nun unternommen wegen der Einstellung des Krankengeldes, der Termin ist ja inzwischen gewesen ???

Die KK will an dir sparen und das geht (wenigstens minimal) wenn man dich für kurze Zeit an die AfA abschieben kann, warum habe ich dir oben schon erklärt.

Da hast du mit deinem "Urlaubsgesuch" genau das passende (für die KK) gemacht ... auch wenn die das nicht damit begründen ... auch beim BMAS kann man sich beschweren über unberechtigte Einstellung von Krankengeld.

BMAS - Kontakt, Lob & Kritik ? Hier finden Sie unser Kontaktformular

Traurig, die sind schon "überlastet" woran das wohl liegen mag ???

Es gibt aber auch noch das Bundesversicherungs-Amt ...

Gesetzliche Krankenversicherung - www.bundesversicherungsamt.de

Und deine KK sollte auch eine "höhere Instanz" haben, Bundes- oder Landesdirektion z.B., manchmal hilft es schon sich an die örtliche Geschäftsführung zu wenden und nicht nur an die SB ... aber unbedingt IMMER schriftlich und nachweislich, damit die dir auch schriftlich antworten müssen und nicht nur irgendwas "erzählen" (mündlich oder telefonisch) ... :icon_evil:

Aktuell musst du aktiv werden wo immer es geht, damit dein Krankengeld weiter gezahlt werden muss, deine Ärzte müssen sich mit dem MDK befassen und dort ihren medizinischen Standpunkt darstellen, alleine wirst du da sonst nicht viel erreichen können.

Viel Erfolg dabei !

MfG Doppeloma
 
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