Arbeitgeber verschweigt Urlaubsabgeltung in der Arbeitsbescheinigung

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Atakeks

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Hallo,

ich habe ein kleines Problem und hoffe hier jemanden zu finden, der mir weiterhelfen kann.
Mein Arbeitsverhältnis endete am 31.07.2015 durch ordentliche Arbeitgeberkündigung. Seit 19.5. war ich AU geschrieben und erhielt bis 31.7. Krankengeld. Ich habe durch meine Anwältin Kündigungsschutzklage eingereicht. Jedoch kam es zu keinem Gerichtstermin, da im Vorfeld ein Vergleich ausgehandelt wurde. Hier ist unter anderem festgeschrieben, dass ich 3000 EUR brutto Abfindung bekomme (keine Verkürzung der Kündigungsfrist) und 600 EUR brutto Urlaubsabgeltung. Eine Teil der kompletten Urlaubsabgeltung wurde mit in die Abfindung eingerechnet, damit ich eher ALG1 beziehen kann. Jetzt bleiben immer noch die 600 EUR übrig. Die Zahlungen der Abfindung und der Abgeltung habe ich bereits erhalten. Allerdings als eine Überweisung, aus der nicht ersichtlich ist, wieviel Abfindung und wieviel Abgeltung enthalten ist.
Mein ehemaliger Arbeitgeber hat die Arbeitsbescheinigung auf elektronischem Wege an die Agentur für Arbeit gesendet. Auf dem mir zugesandten Ausdruck ist bei der frage ob mir noch Entgelte (Urlaubsabgeltung, Abfindung) zustehen, "nein" eingetragen.
Nächste Woche habe ich einen persönlichen Termin bei der Leistungsabteilung um meinen Antrag auf ALG1 abzugeben. Jetzt stellt sich mir die Frage, was ich dort sagen soll? Mir liegt nichts ferner, als mir irgendwelche Leistungen erschleichen zu wollen, die mir nicht oder erst später zustehen würden. Ich habe leider keine Abrechnung von meinem ehem. Arbeitgeber erhalten, aus der ersichtlich ist, für wie viele Urlaubstage diese 600 EUR brutto Urlaubsabgeltung denn stehen.
Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann.

Mit freundlichen Grüßen
 

bla47

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Normal ist das nicht, Abfindung und Urlaubsabgeltung zu vermischen. Weil die Abfindung nicht sozialversicherungspflichtig ist und die Urlaubsabgeltung doch. D.h. mit mehr sv-pflichtigen Lohnbestandteilen in den letzten 12 Monaten bekommst du mehr ALG1 und somit mehr Rentenbeitrag sowie höheres Krankengeld als ALG1 - Ersatz, falls eine längere Gesundheitsstörung eintritt.
Mit mehr ALG1 sind auch nicht so viele schlecht bezahlte Jobs zumutbar. §140 SGB III
 
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Gelöschtes Mitglied 41016

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Mein ehemaliger Arbeitgeber hat die Arbeitsbescheinigung auf elektronischem Wege an die Agentur für Arbeit gesendet. Auf dem mir zugesandten Ausdruck ist bei der frage ob mir noch Entgelte (Urlaubsabgeltung, Abfindung) zustehen, "nein" eingetragen.
Nächste Woche habe ich einen persönlichen Termin bei der Leistungsabteilung um meinen Antrag auf ALG1 abzugeben. Jetzt stellt sich mir die Frage, was ich dort sagen soll?
Gar nichts. Du hast die Bescheinigung nicht ausgefüllt und bist auch nicht verpflichtet alle amtlichen Formulare komplett zu verstehen. Du gehst erstmal davon aus dass der AG das richtig ausgefüllt hat.
Entweder dieser Punkt (Urlaub) hat sich durch den Vergleich erledigt (müsstest du mal den genauen Wortlaut nachlesen oder deine Anwältin fragen), das wäre dann Pech fürs Arbeitsamt. Oder die sollen aus den 600€ rausrechnen wieviele Tage Urlaub das wären.
Ich persönlich tendiere zur ersteren Variante.
Wenn die Rückfragen dazu haben, sollen sie den AG fragen.

Weil die Abfindung nicht sozialversicherungspflichtig ist und die Urlaubsabgeltung doch. D.h. mit mehr sv-pflichtigen Lohnbestandteilen in den letzten 12 Monaten bekommst du mehr ALG1 und somit mehr Rentenbeitrag sowie höheres Krankengeld als ALG1 - Ersatz, falls eine längere Gesundheitsstörung eintritt.
Die Urlaubsabgeltung zählt für die Höhe des Alg nicht mit (§ 151 Abs. 2 SGB III).
 

Atakeks

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Gar nichts. Du hast die Bescheinigung nicht ausgefüllt und bist auch nicht verpflichtet alle amtlichen Formulare komplett zu verstehen. Du gehst erstmal davon aus dass der AG das richtig ausgefüllt hat.
Entweder dieser Punkt (Urlaub) hat sich durch den Vergleich erledigt (müsstest du mal den genauen Wortlaut nachlesen oder deine Anwältin fragen), das wäre dann Pech fürs Arbeitsamt. Oder die sollen aus den 600€ rausrechnen wieviele Tage Urlaub das wären.
Ich persönlich tendiere zur ersteren Variante.
Wenn die Rückfragen dazu haben, sollen sie den AG fragen.


Die Urlaubsabgeltung zählt für die Höhe des Alg nicht mit (§ 151 Abs. 2 SGB III).

Wäre mir dann nicht Vorsatz zu unterstellen, wenn ich den Punkt im Antrag, der die Urlaubsabgeltung + Abfindung betrifft mit "nein" ankreuze? Meine Anwältin meinte am Telefon, dass ich keine schlafenden Hunde wecken sollte und mich darauf berufen sollte, dass mein ehemaliger Arbeitgeber verpflichtet sei, die Arbeitsbescheinigung korrekt auszufüllen.
 
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ExitUser

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Die Zahlungen der Abfindung und der Abgeltung habe ich bereits erhalten. Allerdings als eine Überweisung, aus der nicht ersichtlich ist, wieviel Abfindung und wieviel Abgeltung enthalten ist.
Mein ehemaliger Arbeitgeber hat die Arbeitsbescheinigung auf elektronischem Wege an die Agentur für Arbeit gesendet. Auf dem mir zugesandten Ausdruck ist bei der Frage, ob mir noch Entgelte (Urlaubsabgeltung, Abfindung) zustehen, "nein" eingetragen.

Bitte überprüfen, ob das bescheinigte Bruttoentgelt womöglich die Abfindung und de Urlaubsabgeltung enthält, auch wenn das unwahrscheinlich ist.

Die hier gestellte Frage bezieht sich üblicherweise auf Zahlungen über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus. Der Arbeitgeber könnte aber auch den Unwissenden geben und erklären, daß diese Zahlungen zum Zeitpunkt des Ausfüllens des Formulars bereits erfolgt waren und infolgedessen keine Ansprüche mehr bestanden.

Wäre mir dann nicht Vorsatz zu unterstellen, wenn ich den Punkt im Antrag, der die Urlaubsabgeltung + Abfindung betrifft mit "nein" ankreuze?

Gute Frage. Das kommt wohl darauf an, wie Du nach Deiner Erfahrung und Deinem Wissen die Fragestellung im Antragsformular notwendig verstehen mußt oder kannst. Von einem Lohnbuchhalter darf man bspw. erwarten, daß er die Spielregeln kennt und einhält.
 

Atakeks

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Bitte überprüfen, ob das bescheinigte Bruttoentgelt womöglich die Abfindung und de Urlaubsabgeltung enthält, auch wenn das unwahrscheinlich ist.

Die hier gestellte Frage bezieht sich üblicherweise auf Zahlungen über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus. Der Arbeitgeber könnte aber auch den Unwissenden geben und erklären, daß diese Zahlungen zum Zeitpunkt des Ausfüllens des Formulars bereits erfolgt waren und infolgedessen keine Ansprüche mehr bestanden.



Gute Frage. Das kommt wohl darauf an, wie Du nach Deiner Erfahrung und Deinem Wissen die Fragestellung im Antragsformular notwendig verstehen mußt oder kannst. Von einem Lohnbuchhalter darf man bspw. erwarten, daß er die Spielregeln kennt und einhält.

Ich muss davon ausgehen, dass beides enthalten ist, da aus 3600 EUR brutto ca 2780 EUR netto wurden.
Datum der Erstellung der Arbeitsbescheinigung war der 30.7.
Wertstellung der Zahlung auf meinem Konto war der 03.8.

Zumal im Formular explizit gefragt wird "Wurde eine Urlaubsabgeltung wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses gezahlt oder ist noch zu zahlen?"

Klarer geht es denk ich nicht. Gleiches spiel mit der Frage nach der Abfindung. Wurde auch verneint. Ich finde das sehr verdächtig. Er wird doch nicht absichtlich falsche angaben gemacht haben, um mich in eine Falle zu locken?!? ;) BTW war das kein Scherz. Ex-Chef lebt in einer anderen Welt voller Allmachtsfantasien und Schadenfreude :D
 

Doppeloma

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Hallo Atakeks,

Ich muss davon ausgehen, dass beides enthalten ist, da aus 3600 EUR brutto ca 2780 EUR netto wurden.
Datum der Erstellung der Arbeitsbescheinigung war der 30.7.
Wertstellung der Zahlung auf meinem Konto war der 03.8.

dein AG wird dir schon eine ordentliche Abrechnung (auch zu deinen Händen) fertigen müssen, es wurden ja offensichtlich auch Abzüge vorgenommen, deren Zuordnung (KV/ Rente/Steuern) du benötigst um z.B. im nächsten Jahr deine Steuererklärung ordentlich machen zu können.

Zumal im Formular explizit gefragt wird "Wurde eine Urlaubsabgeltung wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses gezahlt oder ist noch zu zahlen?"

Dann teile bei der AfA mit, dass diese Zahlungen geleistet wurden, üblicherweise gibt es auch was schriftlich zu einem solchen Vergleich ... das läuft ja nicht alles ohne schriftliche Nachweise ab und wo ging denn das Geld hin was in deiner Überweisung fehlte ???

Klarer geht es denk ich nicht. Gleiches spiel mit der Frage nach der Abfindung. Wurde auch verneint. Ich finde das sehr verdächtig. Er wird doch nicht absichtlich falsche angaben gemacht haben, um mich in eine Falle zu locken?!? ;) BTW war das kein Scherz. Ex-Chef lebt in einer anderen Welt voller Allmachtsfantasien und Schadenfreude :D

Das wird er zu klären haben, auch wenn ich mich dem Hinweis auf Nachteile bei Lohnersatzleistungen nicht anschließen kann.

Abfindung und Urlaubsabgeltung sind keine regulären Lohnbestandteile und führen nicht zu mehr Geld von AfA oder KK ... :icon_evil:

Es ist auch nicht ganz unerheblich für wie viele Urlaubstage die Abgeltung erfolgt ist, üblich wäre der anteilige Urlaub der dir für dieses Jahr (lt. Arbeitsvertrag) schon zugestanden hätte ... ob das passen kann mit der Abgeltung kann ich nicht beurteilen, darum hat dein AG das ja ordentlich abzurechnen ...

Die AfA wird ihn notfalls daran erinnern, denn zumindest die Urlaubsabgeltung wird man dir anrechnen bei der AfA und für diese Tage keine Leistung zahlen, auch zur Abfindung brauchst du mehr als einen nichts sagenden Konto-Auszug, es wird vom Inhalt der Vereinbarungen dazu abhängig sein, ob diese Abfindung Bedeutung für dein ALGI bekommen wird oder nicht.

MfG Doppeloma
 

bla47

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Bei meiner Urlaubsabgeltung sind SV-Beiträge fällig geworden ( also auch für die AfA ), stand so auf dem Lohnzettel. Habe extra noch mal nachgeguckt. Auf der Arbeitsbescheinigung stand dies unter einmaligen Zahlungen, so wie sonst auch Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Bonus.
Deshalb gehe ich davon aus, das ALG1 auch deshalb höher ist.
§ 151 (2)1. SGB III nennt wörtlich keine Urlaubsabgeltung. Auch keine Abfindung, aber anzunehmen, das Abfindung gemeint ist. Die war bei mir damals auch nicht sv-pflichtig.
 

Doppeloma

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Hallo bla47,

Bei meiner Urlaubsabgeltung sind SV-Beiträge fällig geworden ( also auch für die AfA ), stand so auf dem Lohnzettel. Habe extra noch mal nachgeguckt. Auf der Arbeitsbescheinigung stand dies unter einmaligen Zahlungen, so wie sonst auch Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Bonus.

Nicht alle Zahlungen in die Sozial-Kassen bringen auch eine Erhöhung der späteren Geldleistungen, sogar für Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld wurde das erst am BSG durchgesetzt, weil es sich hier um regelmäßige "Lohnbestandteile" handelt wenn diese Zahlungen jährlich erfolgen ...

Eine Urlaubsabgeltung und / oder Abfindung ist aber eine einmalige Sonderzahlung, die nur durch das Ende der Beschäftigung überhaupt zu Stande kommt ... noch nicht mal in der gleichen Firma hat jeder Mitarbeiter einen gleichen "Anspruch" darauf solche Zahlungen überhaupt zu bekommen wenn das Arbeitsverhältnis mal endet ... :icon_evil:

Deshalb gehe ich davon aus, das ALG1 auch deshalb höher ist.

Das wird dir ja berechnet in deinem Bescheid und das "Bemessensentgelt" wird nur aus laufenden Lohnbestandteilen genommen und nicht aus einmaligen Sonderzahlungen die zudem erst nach Ende der Beschäftigung fließen werden ... bei "Bonus-Zahlungen" (während des bestehenden Arbeitsvertrages) kann das wieder ganz anders geregelt sein ...

Mir wurden auch Beträge aus der Urlaubsabgeltung abgezogen, das ging aber alles an das Finanzamt ... darum ist es ja wichtig, dass der TE konkret erfährt wie sich diese Überweisung zusammensetzt ... auch wenn es aktuell keine Bedeutung für den ALGI -Betrag haben wird ...

Es hat aber Bedeutung dafür ob sein ALGI wegen der Urlaubsabgeltung "aufgeschoben" wird für die ausbezahlten Urlaubstage, (er hätte dann theoretisch erst Urlaub und bekommt danach ALGI ), dafür muss ja die Zahl der Urlaubstage irgendwo erkennbar sein ...

Bei mir war das egal, denn ich war in EM-Rente, da hat das Niemanden mehr interessiert für wie viele Tage mir die Abgeltung gezahlt wurde ... und der Betrag der Abfindung wird auch konkret nötig sein, wenn die AfA davon was anrechnen will ... aber da kümmern die sich notfalls selber drum beim AG , geht ja schließlich auch um ihr Geld dabei, was sie vielleicht sparen könnten ... :icon_kinn:

MfG Doppeloma
 

Atakeks

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Mahlzeit!

Ich schreibe hier mal um alles auf den neuesten Stand zu bringen.
Hatte ja am Dienstag den Termin in der Leistungsabteilung um meinen Antrag abzugeben. Da ich mir keine Schwierigkeiten irgendwelcher Art einhandeln wollte, gab ich ehrlich meine Abfindung und die Urlaubsabgeltung mit an. Die SB meinte dann, dass sie das mit der Abgeltung noch mit meinem Ex AG klären müsse, da er ja keine Urlaubsabgeltung in der Arbeitsbescheinigung angegeben hat und der Schrieb vom Gericht ja auch nur die 600 EUR brutto beinhaltete.
Jetzt erreichte mich heute ein Schreiben, dass mein ALG1 VORLÄUFIG in besagter Höhe zum Beginn meiner Arbeitslosigkeit bewilligt wird. Was geht da ab? Keinen erreicht? Nicht in der Lage, anhand der 600 EUR die Tage zu errechnen?

Bruttolohn * drei Monate = Quartalslohn
Quartalslohn / 13 Wochen = Wochenlohn
Wochenlohn / 5 Arbeitstage = Tageslohn brutto
600 EUR brutto / Tageslohn brutto = verbliebene Urlaubstage

Oder sehe ich das falsch? Verstehe nicht, warum man das ganze nicht einfach mal unbürokratisch verwursten kann? Naja, immerhin habe ich gesagt bekommen, dass meine Abfindung mir gehört, da die Kündigungsfrist ja gewahrt wurde.

Wenn ich jetzt mal vom Worst Case ausgehe und mein Ex AG ne falsche Tagesanzahl angibt, die sich negativ auf den Beginn meines ALG auswirkt, was wäre dann zu tun?

MfG Atakeks
 
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Gelöschtes Mitglied 41016

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Verstehe nicht, warum man das ganze nicht einfach mal unbürokratisch verwursten kann?
Unbürokratisches arbeiten ist für eine Behörde im Mutterland der Bürokratie nicht möglich. :icon_mrgreen:
Wenn ich jetzt mal vom Worst Case ausgehe und mein Ex AG ne falsche Tagesanzahl angibt, die sich negativ auf den Beginn meines ALG auswirkt, was wäre dann zu tun?
Ähhhh ...
:glaskugel:
Mach dich nicht verrückt.
 

Atakeks

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Guten Tag,

heute flatterte ein vorläufiger Bescheid ins Haus, dass über meinen ALG Anspruch vom 1.8. bis 14.8. noch entschieden werden muss. Hab dann beim Service angerufen und gefragt was da los is. Diese Dame teile mir dann sogar mit, dass ein Änderungsbescheid unterwegs sei, laut dem ich sogar erst ab 25.8. Geld erhalten solle. Jetzt frage ich mich wirklich obs noch geht. Mein Ex AG hat dem Amt die Zahlung von 600 EUR brutto Urlaubsabgeltung bestätigt. Die Dame meinte, man hätte meinen täglichen Anspruch zu Grunde gelegt. Aber selbst, wenn ich die 600 durch meinen täglichen Anspruch teile, kommen noch lange keine 25 Tage bei raus, die diese Verschiebung begründen könnten. Oder sagen die jetzt einfach, er hat schon 600 bekommen, das ziehen wir jetzt einfach ab und den Rest bekommt er dann? Ist das rechtens?

Mit freundlichen Grüßen
 

Fritz Fleißig

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@Atakeks

Ohne die Bescheide, deine bisherigen Lohnabrechnungen und den Inhalt des Vergleiches genau zu kennen, kann man verständlicherweise nur Allgemeines sagen. Trotzdem mal ein Versuch:

1. Der Arbeitgeber hätte dir eigentlich eine konkrete Schlußabrechnung fertigen müssen. Das wurde ja schon zuvor erwähnt. Mich wundert auch, daß ein anwaltlich betreuter Vergleich zustande kam, ohne zu klären, für welchen Zeitraum eigentlich die Urlaubsabgeltung erfolgen soll.

2. Du mußt zwischen Urlaubsabgeltung (§ 157 SGB III) und der Abfindung ("Entlassungsentschädigung" nach § 158 SGB III) unterscheiden.

2a. Bei der Urlaubsabgeltung kommt es darauf an, wieviel Tage Urlaub abgegolten wurden. Das muß sicher feststellbar sein. Die erwähnten 600 EUR sind doch nur das Endergebnis der Berechnung. Dein Anspruch auf ALG ruht für den Zeitraum, für welchen du Urlaubsabgeltung erhalten hast. Die Anspruchsdauer auf ALG bleibt aber insgesamt unverändert.

Du mußt auch bedenken, daß du Urlaubsabgeltung immer für Arbeitstage bekommst, das ALG aber nach Kalendertagen berechnet wird. Wenn für fünf Arbeitstage Urlaub abgegolten wird, können das sieben Kalendertage sein. Das hängt auch davon ab, wie genau Wochenenden und Feiertage im konkreten Zeitraum lagen. Also in den Kalender schauen.

2b. Eine Abfindung wird überhaupt nicht angerechnet und führt auch zu keinem Ruhen des Anspruchs auf ALG, wenn die ordentliche Kündigungsfrist eingehalten wurde. Das war bei dir offensichtlich der Fall.

3. Eine Urlaubsabgeltung teilweise in die Abfindung einzurechnen, ist nicht zulässig, weil das verschiedene Sachen sind - jedenfalls soweit es den Anspruch auf ALG betrifft. Die Urlaubsabgeltung erfolgt schließlich nicht frei verhandelbar (wie es bei der Abfindung teilweise möglich ist), sondern immer aufgrund eines ganz konkreten Anspruchs auf X zu bezahlende Urlaubstage.
 

Atakeks

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@Atakeks

Ohne die Bescheide, deine bisherigen Lohnabrechnungen und den Inhalt des Vergleiches genau zu kennen, kann man verständlicherweise nur Allgemeines sagen. Trotzdem mal ein Versuch:

1. Der Arbeitgeber hätte dir eigentlich eine konkrete Schlußabrechnung fertigen müssen. Das wurde ja schon zuvor erwähnt. Mich wundert auch, daß ein anwaltlich betreuter Vergleich zustande kam, ohne zu klären, für welchen Zeitraum eigentlich die Urlaubsabgeltung erfolgen soll.

2. Du mußt zwischen Urlaubsabgeltung (§ 157 SGB III) und der Abfindung ("Entlassungsentschädigung" nach § 158 SGB III) unterscheiden.

2a. Bei der Urlaubsabgeltung kommt es darauf an, wieviel Tage Urlaub abgegolten wurden. Das muß sicher feststellbar sein. Die erwähnten 600 EUR sind doch nur das Endergebnis der Berechnung. Dein Anspruch auf ALG ruht für den Zeitraum, für welchen du Urlaubsabgeltung erhalten hast. Die Anspruchsdauer auf ALG bleibt aber insgesamt unverändert.

Du mußt auch bedenken, daß du Urlaubsabgeltung immer für Arbeitstage bekommst, das ALG aber nach Kalendertagen berechnet wird. Wenn für fünf Arbeitstage Urlaub abgegolten wird, können das sieben Kalendertage sein. Das hängt auch davon ab, wie genau Wochenenden und Feiertage im konkreten Zeitraum lagen. Also in den Kalender schauen.

2b. Eine Abfindung wird überhaupt nicht angerechnet und führt auch zu keinem Ruhen des Anspruchs auf ALG, wenn die ordentliche Kündigungsfrist eingehalten wurde. Das war bei dir offensichtlich der Fall.

3. Eine Urlaubsabgeltung teilweise in die Abfindung einzurechnen, ist nicht zulässig, weil das verschiedene Sachen sind - jedenfalls soweit es den Anspruch auf ALG betrifft. Die Urlaubsabgeltung erfolgt schließlich nicht frei verhandelbar (wie es bei der Abfindung teilweise möglich ist), sondern immer aufgrund eines ganz konkreten Anspruchs auf X zu bezahlende Urlaubstage.

Vielen Dank für die Antwort,

leider kann ich nicht mehr dazu sagen, als ich schon geschrieben habe. Im Vergleich, der vom Gericht abgenickt wurde, stand 600 EUR brutto Urlaubsabgeltung. Nicht mehr und nicht weniger.
Meine Anwältin hat mit der Gegenseite ausgehandelt, dass ein Teil meiner Urlaubsabgeltung mit in die Abfindung mit einfließt um einen schnelleren ALG1 bezug zu ermöglichen. Das ginge schon so hat man mir gesagt. Ich bin Laie und stellte die Entscheidungen der Anwälte nicht in Frage.
So langsam dämmert mir aber, dass die AfA mit einem Betrag nix anfangen kann, sondern eine explizite Tagesanzahl braucht. Jetzt ist die Frage, ob ich meinen Ex AG nachträglich, durch anwaltlichen Druck, dazu bewegen kann, die korrekte Tagesanzahl anzugeben. So langsam weiß ich nicht mehr weiter. Wenn der Fall so eintreten sollte, wie die Dame mir am Telefon geschildert hat, dann geht mir fast der ganze Monat durch die Lappen...
 

Fritz Fleißig

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Das war dann leider keine gute anwaltliche Beratung - jedenfalls was den Anspruch auf ALG betraf. Das geht so eben nicht. Es muß Urlaubsabgeltung und Entlassungsentschädigung (Abfindung) klar auseinandergehalten werden. Man kann das nicht nach Belieben hin- und herschieben, damit der Anspruch auf ALG eher entsteht.

Wenn in der Arbeitsbescheinigung der Urlaubsanspruch in Tagen nicht drinsteht, wird das alles noch undurchsichtiger.

Vermutlich wird es so laufen, daß die 600 EUR Urlaubsabgeltung mittels deines bescheinigten Arbeitslohnes in abgegoltene Urlaubstage zurückgerechnet wird, obwohl die korrekte Rechnung eigentlich anders herum laufen müßte. Diese Urlaubstage (Arbeitstage!) müssen dann anhand des konkreten Kalenderlaufs zum Beendigungszeitpunkt noch in Kalendertage umgerechnet werden. Daraus ergibt sich die Ruhefrist für das ALG.

Verloren gehen tun dir diese Tage freilich nicht, der volle Anspruch auf ALG setzt lediglich später ein. Die KV für die Ruhezeit ist über die beitragsfreie Nachleistungsfrist bis zu einem Monat möglich.

Von daher würde ich mir unter rein praktischen Gesichtspunkten überlegen, ob es sich lohnt, die ganze Sache nochmals aufzurühren, wenn sie jetzt (hoffentlich) endlich anläuft. Falls du sowieso mit einer längeren Arbeitslosigkeit rechnen mußt und voraussichtlich deinen gesamten ALG-Anspruch brauchen wirst, macht das zwar für den Monat August einen Unterschied, aber nicht bei der Gesamtleistung.
 

Atakeks

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Das war dann leider keine gute anwaltliche Beratung - jedenfalls was den Anspruch auf ALG betraf. Das geht so eben nicht. Es muß Urlaubsabgeltung und Entlassungsentschädigung (Abfindung) klar auseinandergehalten werden. Man kann das nicht nach Belieben hin- und herschieben, damit der Anspruch auf ALG eher entsteht.

Wenn in der Arbeitsbescheinigung der Urlaubsanspruch in Tagen nicht drinsteht, wird das alles noch undurchsichtiger.

Vermutlich wird es so laufen, daß die 600 EUR Urlaubsabgeltung mittels deines bescheinigten Arbeitslohnes in abgegoltene Urlaubstage zurückgerechnet wird, obwohl die korrekte Rechnung eigentlich anders herum laufen müßte. Diese Urlaubstage (Arbeitstage!) müssen dann anhand des konkreten Kalenderlaufs zum Beendigungszeitpunkt noch in Kalendertage umgerechnet werden. Daraus ergibt sich die Ruhefrist für das ALG.

Verloren gehen tun dir diese Tage freilich nicht, der volle Anspruch auf ALG setzt lediglich später ein. Die KV für die Ruhezeit ist über die beitragsfreie Nachleistungsfrist bis zu einem Monat möglich.

Von daher würde ich mir unter rein praktischen Gesichtspunkten überlegen, ob es sich lohnt, die ganze Sache nochmals aufzurühren, wenn sie jetzt (hoffentlich) endlich anläuft. Falls du sowieso mit einer längeren Arbeitslosigkeit rechnen mußt und voraussichtlich deinen gesamten ALG-Anspruch brauchen wirst, macht das zwar für den Monat August einen Unterschied, aber nicht bei der Gesamtleistung.

Das mit dem Zurückrechnen habe ich ja oben schon beschrieben und wäre die einfachste und meiner Meinung nach korrekte vorgehensweise, da sich exakt ermitteln lässt was der Betrag in Tagen wäre.
Ob das jemand macht ist die Frage. Und eigentlich habe ich nicht vor meinen kompletten Anspruch aufzubrauchen, da ich ja schnellstmöglich wieder Arbeit finden will. Deswegen würde mir schon ein finanzieller Nachteil entstehen.
 

Atakeks

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So, jetzt isses amtlich...
Der Steuerberater hat 16,5 Tage Resturlaub angegeben. Anders als im Vergleich ausgemacht. Hier trifft das Amt nichtmal ne Schuld. Ob ich jetzt noch dagegen vorgehen kann, kann mir vermutlich nur meine Anwältin beantworten, mit der ich wohl auch noch ein Wörtchen reden muss. Sie hatte mir nämlich gesagt, dass er dann nicht einfach so den korrekten Resturlaub angeben kann, sondern die Tage abziehen muss, die in die Abfindung mit eingeflossen sind. Wo bin ich da nur reingeraten? :icon_neutral:
 

Fritz Fleißig

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Das entspricht dem, was man dir bei der AfA schon am Telefon gesagt hat.

16,5 Tage Urlaubsanspruch müßten eigentlich als 17 Tage gerechnet werden (ein halber Tag Urlaubsanspruch ist laut BUrlG aufzurunden, wenn er in natura gewährt wird). Wenn wir von 16 Arbeitstagen ab 31. Juli ausgehen, würde dies bei 5-Tage-Arbeitswoche einem Resturlaubsanspruch bis einschließlich 24. August entsprechen. Solange ruht dein Anspruch auf ALG.

Wenn dir beim Ausscheiden ein Resturlaub von 16,5 Tagen rechnerisch zustand, muß das selbstverständlich in der Arbeitsbescheinigung so angegeben werden. Man kann das nicht in die Abfindung einbeziehen. Vielleicht in finanzieller Hinsicht beim Aushandeln der Abfindungshöhe, aber für die AfA muß es klar auseinandergehalten werden, was Urlaubsabgeltung und was Entlassungsentschädigung (Abfindung) ist. Das erste wird für einen bereits entstandenen Anspruch gezahlt, ähnlich wie rückständiges Arbeitsentgelt oder Überstundenbezahlung, das zweite ist eine Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes.
 

Atakeks

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Das entspricht dem, was man dir bei der AfA schon am Telefon gesagt hat.

16,5 Tage Urlaubsanspruch müßten eigentlich als 17 Tage gerechnet werden (ein halber Tag Urlaubsanspruch ist laut BUrlG aufzurunden, wenn er in natura gewährt wird). Wenn wir von 16 Arbeitstagen ab 31. Juli ausgehen, würde dies bei 5-Tage-Arbeitswoche einem Resturlaubsanspruch bis einschließlich 24. August entsprechen. Solange ruht dein Anspruch auf ALG.

Wenn dir beim Ausscheiden ein Resturlaub von 16,5 Tagen rechnerisch zustand, muß das selbstverständlich in der Arbeitsbescheinigung so angegeben werden. Man kann das nicht in die Abfindung einbeziehen. Vielleicht in finanzieller Hinsicht beim Aushandeln der Abfindungshöhe, aber für die AfA muß es klar auseinandergehalten werden, was Urlaubsabgeltung und was Entlassungsentschädigung (Abfindung) ist. Das erste wird für einen bereits entstandenen Anspruch gezahlt, ähnlich wie rückständiges Arbeitsentgelt oder Überstundenbezahlung, das zweite ist eine Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes.

Stimmt so weit was du sagst. So wie ich das laut Anwalt aber verstanden habe, verzichtete ich auf einen Teil meiner Abgeltung. Also kann man das nicht einfach NICHT berücksichtigen. Ich werde wieder berichten, wenn ich Rücksprache gehalten habe. Ist ja gott sei dank ein Monat Zeit um Widerspruch einzulegen. Toitoitoi :)
 
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