Arbeiten ohne Ende

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wolliohne

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Mittlerweile haben all diese Gesellschaften mehr oder weniger weitreichende “Reformen” ihrer Alterssicherungssysteme in Angriff genommen. Sie laufen allesamt darauf hinaus, das Rentenzugangsalter zu erhöhen, das Leistungsniveau der öffentlichen Zuwendungen zu senken und die jüngeren Menschen verstärkt zu privater Altersvorsorge anzuhalten.
Zudem vollzieht sich grenzübergreifend – und maßgeblich angetrieben durch die auf europapolitischer Ebene propagierte Losung des “active ageing” – eine allmähliche Umdeutung des Alters: Eine Lebensphase später Freiheit wird zu einem Lebensabschnitt fortgesetzter Produktivität. Während dieses neue Bild eines “jungen”, aktiven und produktiven Alters in der Realität zur Rechtfertigung des Rückbaus materieller Alterssicherungen dient, reklamieren seine Propagandisten in Politik, Medien und Wissenschaft zugleich ein hehres normatives Ziel für sich, das in der gängigen EU-Sprache das fröhliche Etikett “adding life to years” erhalten hat. Das soll suggerieren, die Förderung von verlängerter Erwerbsbeteiligung und bürgerschaftlichem Engagement der Älteren sei gleichbedeutend mit deren Aufwertung zu leistungsbereiten, nützlichen und gemeinwohlorientierten Mitgliedern der Gesellschaft.
Sollte sich diese Tendenz zur materiellen Entsicherung der Lebensverhältnisse und zur neuerlichen “Eingemeindung” der Rentner in die normativen Strukturen der Erwerbsgesellschaft fortsetzen, so wäre die Geschichte des Ruhestands eine ausgesprochen kurzlebige Epoche gewesen…
Die potenziell leistungsfähigen Phasen des menschlichen Lebens werden zunehmend nach “vorne”, bis in das frühkindliche Alter, wie nach “hinten”, bis ans Lebensende, verlängert. Dies aber ist nicht Ausdruck eines Strukturwandels des Alters und der Lebensgestaltung, den die spätindustrielle Ära irgendwie mit sich bringt, sondern Teil einer spätkapitalistischen Dynamik der Ökonomisierung und Inwertsetzung immer weiterer gesellschaftlicher Lebensbereiche.
Quelle: Le Monde diplomatique
 
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