Arbeiten in Holland oder dem Rest der Welt (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

arbeitslos in holland

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Hallo liebe moderne Arbeitsnomaden/Gastarbeiter/Interessierte,

ich möchte hier mit euch eure Erfahrungen teilen, eure Einsichten in andere Kulturen, andere Formen von Arbeit. Ich möchte gerne meine Sicht erweitern, euch teilhaben lassen an meinen Erfahrungen.

Alles unter dem Motto: Murks4 in Deutschland-ohne mich !! :icon_smile:
 

arbeitslos in holland

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Seit Juni 2010 bin ich jetzt arbeitslos :icon_sad:
aber ich kann überleben, ich bin nicht von der Gesellschaft abgeschnitten. Ich schaue auf 11 Jahre zurück, in denen ich zum Großteil gearbeitet habe. Mein Lebenslauf umfaßt 10 Seiten :eek: (übertrieben vielleicht). Ich habe schon alles gemacht, was man für Geld machen kann.

mal eine Auswahl


  • Staplerfahrer
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  • Helfer während der Vogelgrippe
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mit heute 37 Jahren habe ich doch schon einiges auf dem Buckel. Schon lange vor Murks4 habe ich meine schwäbische Heimat verlassen, da ich für mich die nächsten 15-20 Jahren keine Perspektive mehr sah. Nach meinem eigenen Empfinden wäre ich, wegen fehlender Ausbildung, seit ca. 2005 dauerhaft in Murks4 gefangen. Keine schöne Aussicht, weder für mich, noch für die PaP, FM und SB-Brut :icon_twisted:

Natürlich lebe ich hier nicht in einem Paradies. Dennoch würde ich den Schritt immer wieder so machen, auch wenn die Situation heute schwieriger ist. Das ist schon merkwürdig:
Als ich 2000 meine Sachen packte, gab es hier noch den Gulden als Währung. Der Einsteig war schon schwierig, zumindest von den Randbedingungen. Heute ist überall der €uro und deswegen müßte alles einfacher sein. Tatsächlich hat sich die Situation speziell für Eu-Ausländer in einer unvorstellbaren Art und Weise dramatisch verschlechtert.
Gut, mich trifft das weniger,weil ich geradezu assimiliert bin. Nicht nur das ich die Sprache fliessend spreche, nein, meine Denkweise ist mittlerweile Holländisch. Dieses "leben und leben lassen", wobei das hier im strengeren Limburg(Provinz) nicht ganz so verbreitet ist, wie zB in Amsterdam. Dieses Limburg sieht sich als Enklave, mehr Französisch als die mehr oder weniger plumpen Holländer im Norden. Dort wiederum gilt man schon aufgrund des Dialektes als "Bauer", weil es, in den Augen der Hauptstädter, im Süden nur Landwirtschaft gibt.
Mir sei es hoffentlich verziehen:
Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mein Deutsch noch dem Niveau entspricht, wie vor 10 jahren.

Wichtig ist noch, dass ich nur aus eigener Erfahrung berichten kann. Sozialhilfe mußte ich noch nie in Anspruch nehmen, habe aber als Beistand/Übersetzer solche Umstände begleitet. Dennoch kenne ich nicht die Wirklichkeit der Betroffenen.

darum gilt: correct me, if i'm wrong oder
wenn ich mich irre, korrigiert mich bitte :icon_smile:
 

arbeitslos in holland

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Gibt es Hartz4 in Holland ?

nein !

Im Momtent beziehe ich Arbeitslosengeld. Dieses berechnet sich nach meinem durchschnittlichen Verdienst(der letzten 6/12 Monate vor der Arbeitslosigkeit), sowie den eingezahlten Jahren. Ein volles Jahr ist erreicht, wenn man von 52 Wochen, mindestens 26 Wochen(am Stück?)gearbeitet hat. Mein heutiger Anspruch endet im November 2011. Ab dann würde ich in die Sozialhilfe abrutschen. Als Eu-Ausländer muß ich damit rechnen, Ansprüche im Einzelfal per Gericht durchzusetzen.
Meines Wissens gibt es hier keinen kostenfreien Verfahren vor den Sozialgerichten. Für Mittellose gibt es mW. eine Art von "Beihilfe".
Die Modalitäten kenne ich jedoch nicht......................

Gibt es EGVen ?


nein. Wenn ich richtig erinnere, mußte ich früher(2000,2003) etwas ähnliches unterzeichnen, heute nicht mehr.

gibt es Sanktionen ?

ja. Man muß sich schon bewerben, sofern es Angebote gibt, In meiner Akte steht wohl, dass ich nie gesagt habe, ich möchte das und das, sondern ich immer fragte, was sie haben. es war mir immer wurscht, was ich arbeiten sollte, wo oder wann. Das ist natürlich der Vorteil eines ungebundenen Junggesellen.

gibt es Arbeitspflicht ?


jein. mW gibt es eine Pflicht nur für Heranwachsende bis 23 Jahren. Dazu muß man wissen, dass dieser Personenkreis nur Unfug macht, wenn man sie nicht an die Kette legt.
Betreuung wurde früher von privaten Trägern übernommen. zur Zeit werden alle Verträge beendet, weil es keine Kontrollen der Träger gab. Persönlich muß ich keine öffentlichen Arbeiten leisten, weil ich für meine heutige Versorgung in Form von Arbeitslosengeld-Beiträgen eingezahlt habe. Auch hier gibt es die Schmarotzer-Debatte über die Unwilligen, mit denen der Rest der Willigen in einen Topf geschmissen werden :icon_frown:
 

arbeitslos in holland

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Perspektiven

sicher nicht ganz dumm, wenn man sich Gedanken macht, was man denn die nächsten 30 jahre noch arbeiten will(oder besser muß) :icon_mued:
Persönlich habe ich die letzten 11 jahre enorm weiterentwickelt. Ich habe viel Niederlangen eingesteckt(und weggesteckt), bin aber dadurch im Wesentlichen gestärkt hervorgegangen. In deutschland wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, eine Firma zu gründen und für mich selbst zu schuften, statt für andere.
Nach unzähligen Jobs, diversen Arbeitgebern, ist der Entschluß gefallen, wenn möglich selbstständig zu werden.
Vorallem deswegen, weil man meist arbeitslos wird, weil anderer Fehler machen, auf die man keinen Einfluß hat.
Ich denke, dass ich aus purer Vorsicht eine Selbstständigkeit im Nebenerwerb beginne. Werd' wahrscheinlich in der Woche einen x-beliebigen Job machen und am WE mein richtiges, eigenes Geld verdienen. Ob das dann angemeldet sein wird, oder nebenher inoffiziell spielt für mich schon lange keine Rolle mehr. Strafe/Gefängnis kann mich weder schrecken noch beeindrucken.

wäre doch schön, wenn meine Einkünfte so hoch wären, dass ich ELO in ihrer Lage unterstützen könnte. :icon_daumen:
Jeder der übermäßig geld verdient, betrügt auf die eine oder andere "legale" Art. Da hatte ich früher eine romantischere Vorstellung

nun gut.

egal was ich arbeite, immer werde ich einen Mindestlohn erhalten :icon_klatsch:
Armut trotz Arbeit, hier völlig undenkbar und will man auch nicht. weder die Wirtschaft noch die Regierung. Falls noch mehrere male Banken gerettet werden müssen, wird es eng. Möglicherweise bin ich dann gezwungen, die EU komplett zu verlassen.

Rente

wie in der Schweiz gibt es hier ein Grundrenten-System. Die Konsensgesellschaft akzeptiert, dass Altere ihre Lebensleistung erbracht haben und in Ruhe leben sollen. Auch ich werde mit 65 Jahren sicher besser dastehen, als ein dt. Altersgenosse.
und mit den Aussichten, würde ich doch morgen bei einer x-beliebigen Zeitarbeitsfirma anfangen. Schließlich macht das keinen Unterschied, was zumindest das Einkommen betrifft.

In Deutschland wäre ich mit Job genauso unzufrieden, wie ohne. Hier bin ich auch ohne Job sorgenfreier, bleibe gesünder und lebe zufriedener :icon_smile:
 

arbeitslos in holland

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Krankenversicherung

ja, auch sowas gibt es in Holland. das in Deutschland unbeliebte "Kopfpauschalen-Modell"

klingt schlimm, ist es aber nicht.

zunächst wie es mW in Deutschland ist
momentaner Beitragssatz 15,x%
heißt: bei €1200 = €180 Beitrag pro Monat. Dazu kommt die Praxisgebühr von €10/Quartal.
Das sind pro Jahr reiner Beitrag €2160 plus Praxisgebühr von 40 obendrauf. Sind wir bei ca €2200 pro Nase. Dazu kommen noch diverse Zuzahlungen(2% von Jahreseinkommen bzw 1% Härtefallregelung) usw.........der reine Wahnsinn :eek:

Holland:
seit Januar bezahle ich für eine Basisversicherung €88 im Monat(jahr=€1068). Ein Rundumschutz kostet mich nicht mehr als €150. Da ich zz ein Jahreseinkommen von €13.000 habe, erstattet mir der Staat pro Monat €70. Das heißt zz kostet mich meine Pflichtversicherung NETT0 €18
Zuzahlungen sind teils zu leisten, Praxisgebühren unbekannt.
Bei meiner heutigen Krankenversicherung habe ich noch ein jährliche Selbstbeteiligung von €170

jetzt kann man sich fragen: wie zum Teufel ist das möglich ?

nun, grundsätzlich sind alle Sozialabgaben von JEDEM zu entrichten. dh. eine pure Belastung von Lohnsteuer-Zahlern gibt es nicht. Es macht auch gar keinen Unterschied ob ich Beamter, Selbstständiger oder Lohnempfänger bin. In Deutschland völlig undenkbar. Wir haben auch denkbar niedrige Strukturen, kein(e) K(B)Ven(deren Nutzen gleich 0 ist zu astronomischen Kosten), Wir haben hier ein funktionierendes HausarztModell, niedrige Medikamentenpreise(weil es keine Pharma-Lobby gibt:eek:), Verbot von Pharmavertretern.

eine KONSENSGESELLSCHAFT nach dem holländischen Modell wäre wünschenswert für Deutschland, ist aber weiter entfernt als die Erde vom Mond :icon_neutral:
 

Wolfsdream

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Hallo,

ich finde dies einen ausgesprochen schönen und unterhaltsamen Beitrag, ein Schwabe der selbst mit den Worten geizt und der holländischen Sprache mächtig wurde ist anerkennenswert.

Für Deutsche ist holländisch einfach unmelodisch, daher schwieriger.

Du scheinst ein netter Kerl zu sein und unsere Wege werden sich ohnehin kreuzen durch die PN.

Hat mir gefallen !

Bon Chance

Wolfsdream :icon_daumen:




Seit Juni 2010 bin ich jetzt arbeitslos :icon_sad:
aber ich kann überleben, ich bin nicht von der Gesellschaft abgeschnitten. Ich schaue auf 11 Jahre zurück, in denen ich zum Großteil gearbeitet habe. Mein Lebenslauf umfaßt 10 Seiten :eek: (übertrieben vielleicht). Ich habe schon alles gemacht, was man für Geld machen kann.

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mit heute 37 Jahren habe ich doch schon einiges auf dem Buckel. Schon lange vor Murks4 habe ich meine schwäbische Heimat verlassen, da ich für mich die nächsten 15-20 Jahren keine Perspektive mehr sah. Nach meinem eigenen Empfinden wäre ich, wegen fehlender Ausbildung, seit ca. 2005 dauerhaft in Murks4 gefangen. Keine schöne Aussicht, weder für mich, noch für die PaP, FM und SB-Brut :icon_twisted:

Natürlich lebe ich hier nicht in einem Paradies. Dennoch würde ich den Schritt immer wieder so machen, auch wenn die Situation heute schwieriger ist. Das ist schon merkwürdig:
Als ich 2000 meine Sachen packte, gab es hier noch den Gulden als Währung. Der Einsteig war schon schwierig, zumindest von den Randbedingungen. Heute ist überall der €uro und deswegen müßte alles einfacher sein. Tatsächlich hat sich die Situation speziell für Eu-Ausländer in einer unvorstellbaren Art und Weise dramatisch verschlechtert.
Gut, mich trifft das weniger,weil ich geradezu assimiliert bin. Nicht nur das ich die Sprache fliessend spreche, nein, meine Denkweise ist mittlerweile Holländisch. Dieses "leben und leben lassen", wobei das hier im strengeren Limburg(Provinz) nicht ganz so verbreitet ist, wie zB in Amsterdam. Dieses Limburg sieht sich als Enklave, mehr Französisch als die mehr oder weniger plumpen Holländer im Norden. Dort wiederum gilt man schon aufgrund des Dialektes als "Bauer", weil es, in den Augen der Hauptstädter, im Süden nur Landwirtschaft gibt.
Mir sei es hoffentlich verziehen:
Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mein Deutsch noch dem Niveau entspricht, wie vor 10 jahren.

Wichtig ist noch, dass ich nur aus eigener Erfahrung berichten kann. Sozialhilfe mußte ich noch nie in Anspruch nehmen, habe aber als Beistand/Übersetzer solche Umstände begleitet. Dennoch kenne ich nicht die Wirklichkeit der Betroffenen.

darum gilt: correct me, if i'm wrong oder
wenn ich mich irre, korrigiert mich bitte :icon_smile:
 
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Jo, super geschrieben und äußerst lesenswert...
NUR, um solch einen Schritt zu wagen, muß man bereit sein, sein Soziales Umfeld komplett hinter sich zu lassen. Ob man dann im "Oranje Land" eine bessere Perspektive hat, lasse ich mal dahingestellt.
 
F

Falke

Gast
muß man bereit sein, sein Soziales Umfeld komplett hinter sich zu lassen. Ob man dann im "Oranje Land" eine bessere Perspektive hat, lasse ich mal dahingestellt.
Dies war ein Kommentar von:

Bester Wagenlenker der Welt...mit 4 Lipizzanern vor der Quadriga.

:icon_lol: :icon_lol:

Ansonsten ohne Worte von mir.
 
E

ExitUser0090

Gast
Sehr schöner Beitrag @arbeitslosinholland. Habe früher auch häufiger überlegt in die Niederlande auszuwandern. Jetzt ist der Zug aber wohl abgefahren. Wohne nur ca. 25 km von der hollandischen Grenze entfernt und die Nachbarn waren mir immer sympathisch.
 

arbeitslos in holland

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Danke allen für's feedback :icon_hug:

hatte schon befürchtet, hier den alleinunterhalter zu geben. im cd-forum sind eine ganze menge auswanderer. :icon_smile:
vielleicht kommt ja noch der ein oder andere "exot"
wenn nicht, auch nicht schlimm :icon_daumen:
 

pinguin

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@arbeitslos in holland
Deine relative Kurzschilderung eröffnet einen kleinen Einblick in das holländische System; gerade auch mit Blick auf den Aspekt, daß alle Beschäftigten in die Sozialsysteme einzahlen müssen.

Die letzten Jahre des vormaligen beruflichen Daseins hatten wir bei uns auch mit Holländern zu tun, da sie die Firma gekauft hatten., (und auch heute wohl noch haben). Etwa 3 Jahre später gab's für fast alle Mitarbeiter die betriebsbedingte Kündigung; trotz grundsätzlicher Anerkennung der vormaligen Betriebszugehörigkeiten gab's keine Abfindung.

Positiv war in jedem Falle, daß man sich mit dem holländischen Firmeninhaber ca. 1x- auf 2 Monate selber unterhalten konnte.

Ob ich in Holland gerne arbeiten würde, weiß ich nicht; ist eine Frage der landschaftlichen Umgebung, der eigenen Gestaltungsmöglichkeit der Arbeitszeit, (also Auftragserteilung mit Terminsetzung und sonst in Ruhe lassen), und auch abhängig von der Flexibilität des Arbeitgebers in Punkto Arbeits- und Urlaubszeit. Selbstredend spielt das Lohngefüge eine Rolle und das Betriebsklima ebenso. Gegen das Getrete und Getrampel, wie es tlw. in D üblich ist, würde ich das, was ich jetzt tue, nicht eintauschen.
 

arbeitslos in holland

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Hallo Pinguin :icon_smile:

schade, dass du die kehrseite der holländer erlebt hat. viele informierte holländer wissen, dass deutschland ein niedriglohn-standort ist. das muß man sich vergegenwärtigen:
bei unterschreitung des mindeslohnes droht hier gefängnis(ohne bewährung) :icon_eek:

feste arbeitsplätze(mit vergleichbarem kündigungsschutz)gab es hier so noch nie. die risiken, dass man leute immense abfindungen zahlen muß, existieren hier nur sehr selten.

richtig. es gibt hier sehr flache hierachien. bei der arbeit wird gedutzt, eher selten gesiezt. es gibt oftmals eine starkes "wir" statt die fokussierung auf den einzelnen.
mein scheitern in deutschland beruht eigentlich im grundsatz darauf, dass ich nicht "konkurrenzfähig, bzw. konkurrenzwillig" bin.

ich bin schon das, was man einen komplizierten karakter nennen könnte

als geborener schwabe, aufgewachsen im neckartal umgeben mit weinbergen, zt aufgewachsen im nord-schwarzwald, da vermisst man schon die "wirkliche" heimat :icon_sad:

was ich sicher nicht vermisse, ist das arbeitsklima in süd-deutschland. selbst du als "berliner gewächs" würdest dich wundern, bzw. müsstest deine arbeitsleistung 100-200% steigern. die hektik, die panik, der druck, das ist das was die leute kaputt macht.

hier machst du jede 2 stunden 5 minuten kaffeepause :icon_eek:
und es heißt "rustig aan" oder "immer mit der ruhe". während der arbeit reißt sich keiner ein bein aus.
die arbeitsmoral(oder eher die fehlende :biggrin:)hat schon so manchen dt. arbeitgeber in die verzweiflung getrieben.
pünktlichkeit ist eher rudimentär vorhanden. äußerst gewöhnungsbedürftig, wenn man die dt. zuverlässigkeit/pünktlichkeit gewohnt ist.

die sprache, die lernt man eigentlich sehr schnell, die mentalität jedoch ist ein viel größerer knackpunkt :wink:
 

pinguin

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Hallo arbeitslos in holland,

bei unterschreitung des mindeslohnes droht hier gefängnis(ohne bewährung)
Sind schon harte Bedingungen.

als geborener schwabe, aufgewachsen im neckartal umgeben mit weinbergen, zt aufgewachsen im nord-schwarzwald, da vermisst man schon die "wirkliche" heimat :icon_sad:
Region Heidelberg bzw. Heilbronn? Glaube ich Dir gern, ist eine durchaus schöne Ecke. :icon_smile:

selbst du als "berliner gewächs"
:icon_evil: Nenne mich bitte nie Berliner, denn ich bin keiner; zwischen Brandenburgern und Berlinern besteht eine Art Haßliebe. Sie mögen sich nicht, aber sie können auch nicht wirklich ohne einander.

hier machst du jede 2 stunden 5 minuten kaffeepause
Hätte ich nix dagegen.

die arbeitsmoral(oder eher die fehlende :biggrin:)hat schon so manchen dt. arbeitgeber in die verzweiflung getrieben.
Die Arbeit ist ja auch für uns da und nicht wir für die Arbeit. Übrigens, eine vernünftige Arbeitsmoral ist schon dann vorhanden, wenn Aufträge pünktlich fertig sind und termingerecht beim Auftraggeber ankommen. Darüberhinaus sollte man aber nicht vergessen, daß es individuelle Einstellungen zur Arbeit gibt; der eine ist von Natur aus schneller, der andere langsamer. der, der schneller ist, sollte entweder die Möglichkeit haben, eher Feierabend zu machen, oder dem anderen zu helfen und freilich dafür auch mehr Lohn zu bekommen.

pünktlichkeit ist eher rudimentär vorhanden.
Ist eine Frage der Prioritäten und des daraus entstehenden Arbeitsklimas. Zudem, Qualität geht vor Quantität.

die mentalität jedoch ist ein viel größerer knackpunkt :wink:
Es gibt innerhalb der EU eh gewaltige Mentalitätsunterschiede; auf diese müssen sich alle einlassen, die außerhalb ihres angestammten Umfeldes leben, wohnen, arbeiten.
 

arbeitslos in holland

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:icon_evil: Nenne mich bitte nie Berliner, denn ich bin keiner; zwischen Brandenburgern und Berlinern besteht eine Art Haßliebe. Sie mögen sich nicht, aber sie können auch nicht wirklich ohne einander.
das gilt für gelsenkirchen und dortmund auch. da weiss ich das man in schalke nur von "lüdenscheid nord" sprechen darf.
ist aber in holland in jedem kuhdorf dasselbe. das zeigt übrigens das hauptproblem in der EU:kleinstaaterei.
ich bin in erster linie europäer, in zweiter linie deutscher und in dritter schwabe mit deutlichen badischen wurzeln


Die Arbeit ist ja auch für uns da und nicht wir für die Arbeit. Übrigens, eine vernünftige Arbeitsmoral ist schon dann vorhanden, wenn Aufträge pünktlich fertig sind und termingerecht beim Auftraggeber ankommen. Darüberhinaus sollte man aber nicht vergessen, daß es individuelle Einstellungen zur Arbeit gibt; der eine ist von Natur aus schneller, der andere langsamer. der, der schneller ist, sollte entweder die Möglichkeit haben, eher Feierabend zu machen, oder dem anderen zu helfen und freilich dafür auch mehr Lohn zu bekommen.
das wäre die idealvorstellung. idr jedoch arbeitet man(auch hier)in kleinen gruppen, mit teamleitern. diese konkurrieren ihrerseits wieder gegeneinander und buhlen um ihre supervisor. von denen gibt es auch eine handvoll, die dann dem unteren management unterstehen.

und alle wollen nach oben, tja......nur ich nicht :icon_razz:

ich steigere schon grundsätzlich meine arbeitsleistung nicht, wenn nicht deutlich mehr auffem konto landet, mich interessieren versprechen in die zukunft nicht, bin sozusagen wenig zu "manipulieren".
und durchschaue solche "manöver" viel zu schnell
grandioserweise fühle ich mich am wohlsten, wenn ich nix zu sagen habe.........bin atypisch

Es gibt innerhalb der EU eh gewaltige Mentalitätsunterschiede; auf diese müssen sich alle einlassen, die außerhalb ihres angestammten Umfeldes leben, wohnen, arbeiten.
das stimmt, ja

ich habe schon viele landsleute hier scheitern sehen. aber:
um die war es nicht schade. diese "herrscher" und "bestimmer" mentalität scheint doch in deutschland eher typisch, wie in NL.
wir haben hier eine dt. firma, die kleinteile für die autoelektronik vertreibt und die ungefähr 75% deutsche ma hat.
die holländischen ma stolpern dann über die komplizierten, deutschen begriffe. sehr lustig, wenn man als deutscher NL-kenntnisse hat und dann so dämliche begriffe hört wie:

lager-hilfs-mittel

dabei handelte es sich um karton-boxen :icon_lol:
 

Kaulquappe

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Lieber Arbeitslos in Holland :smile:

Sehr interessant, wertvoll und angenehm zu lesen, deine Erfahrungen. Danke dir !!!

Bitte mehr davon! Habe wenig Zeit, werde aber dafür einen Moment finden, denn es sind wirklich interessante Inhalte.

Außerdem sehe ich, glaube ich, ein paar Parallele zu meiner Art zu sein ;-)

LG
Kaulquappe
 

pinguin

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das zeigt übrigens das hauptproblem in der EU:kleinstaaterei.
Da gebe ich Dir völlig Recht darin; und dieses Problem wird in D noch potenziert, bisher jedenfalls.

diese konkurrieren ihrerseits wieder gegeneinander und buhlen um ihre supervisor.
Nun, Wettbewerb ist ja auch voll in Ordnung, was ich nicht ok finde, ist diese Wahn, der da bei vielen zu finden ist, die gegebenenfalles nicht akzeptieren können, mal nicht Erster zu sein und meinen, sie müssten deswegen gleich anderen die Beine weghauen. (Im übertragenen Sinne zu verstehen).

und alle wollen nach oben,
Ich muß nicht nach oben.

grandioserweise fühle ich mich am wohlsten, wenn ich nix zu sagen habe.........
Vielleicht bin ich jetzt etwas bösartig, aber die wenigsten Leuten haben wirklich was zu sagen. Die meisten reden um des Redens willen. Und selbst im beruflichen Sinne sind alle Zwischenebenen immer mit Vorsicht zu geniesen, weil deren Entscheidungen evtl. nicht von Weitblick zeugen und nur darauf beruhen, aktuell selber besser dastehen zu wollen.

Jene Eigentümer, die eine Firma aufgebaut haben, die mit ihren Mitarbeitern noch vernünftig umgehen und sich daher auch ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bewusst sind, verdienen höchsten Respekt. Keinen Respekt habe ich vor Leuten, die nur ihr eigenes Fortkommen im Blick haben.
 
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