Anwartschaftzeit, ab wann Anspruch auf ALG1 (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

Michael1967

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Hallöchen,

meine Situation ist folgende:
vom 01.01.2015 - 18.10.2015 Bezug von ALG2,
19.10.2015 - 22.11.2015 Vollzeitbeschäftigung
allerdings ab dem 29.10.2015 krank mit Krankengeldbezug bis zum 12.06.2016
13.06.2016 - 03.10.2016 wieder ALG2
04.10.2016 - 31.12.2016 befristete Vollzeitbeschäftigung
27.12.2016 - 22.01.2017 krank mit Krankengeldbezug
01.03.2017 - 22.03.2017 ALG2
ab 23.03.2017 Vollzeitbeschäftigung bei einer "tollen" Leiharbeitsfirma und mein Knie, wessen ich ja Krankengeld bezogen habe, fängt schon wieder an Probleme zu machen...

Welche Rolle spielt denn nun die Zeit des Krankengeldbezuges, auf die Anwartschaftszeit für ALG1?
Falls dies eine Rolle spielt und ich demnächst Anspruch auf ALG1 hätte, dann würde doch eine fiktive Berechnung des ArbeitsEntgeltes stattfinden, oder? Hat da jemand Zahlen zu, wie das Amt z.B. nach einer Einstufung in Klasse 3 oder 4 die Berechnung vornimmt?

Danke schon mal im Voraus
Michael
 

Katzenfan

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@Michael1967

ab 23.03.2017 Vollzeitbeschäftigung bei einer "tollen" Leiharbeitsfirma und mein Knie, wessen ich ja Krankengeld bezogen habe, fängt schon wieder an Probleme zu machen...
Da Du anscheinend noch nicht 78 Wochen wegen derselben Krankheit Krankengeld bezogen hast, würdest Du - bei einer Krankschreibung innerhalb der ersten 4 Wochen der Beschäftigung auch sofort - sicher zunächst noch Anspruch auf Krankengeld haben.
Am Tag einer etwaigen Arbeitslosmeldung darfst Du allerdings nicht arbeitsunfähig geschrieben sein, sondern musst dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Also erstmal schön gesund werden ...

Welche Rolle spielt denn nun die Zeit des Krankengeldbezuges, auf die Anwartschaftszeit für ALG1?
Der Krankengeldbezug ist sozialversicherungspflichtig, die Beiträge werden von Deinem Brutto-Krankengeld einbehalten (siehe Bescheid der Krankenkasse). Von daher handelt es sich um ein Versicherungspflichtverhältnis, das mit zu den Anwartschaftszeiten zählt (§ 26 Abs. 2 Nr. 1 SGB III).

Deine Anwartschaftszeiten:
19.10.2015 - 22.11.2015 Beschäftigung --> 35 Tage
23.11.2015 - 12.06.2016 Krankengeld --> 203 Tage
04.10.2016 - 31.12.2016 Beschäftigung --> 89 Tage
01.01.2017 - 22.01.2017 Krankengeld --> 22 Tage
= 349 Tage (ohne Gewähr für taggenaue Berechnung!)
plus 23.03.2017 - ???

Wie Du sicher weißt, musst Du mindestens 360 Tage mit Anwartschaftszeiten vollkriegen, damit Dir überhaupt ALG1 zusteht.

Wenn Du also insgesamt 12 Monate Anwartschaftszeiten vorweisen kannst, hast Du Anspruch auf 6 Monate ALG1, ab 16 Monaten sind es immerhin schon 8 Monate ALG1-Anspruch.
Wie schon geschrieben, erhöht auch ein Krankengeldbezug die Anwartschaftszeiten und damit die Dauer des Anspruchs auf Arbeitslosengeld, sofern bestimmte Grenzen erreicht werden.

(1) Die Dauer des Anspruchs auf Arbeitslosengeld richtet sich nach
1. der Dauer der Versicherungspflichtverhältnisse innerhalb der um drei Jahre erweiterten Rahmenfrist [normalerweise 2 Jahre, nur bei Bezug von Übergangsgeld um diese Zeiten verlängert, Anm. von Katzenfan] und
2. dem Lebensalter, das die oder der Arbeitslose bei der Entstehung des Anspruchs vollendet hat.


https://dejure.org/gesetze/SGB_III/147.html

Falls dies eine Rolle spielt und ich demnächst Anspruch auf ALG1 hätte, dann würde doch eine fiktive Berechnung des ArbeitsEntgeltes stattfinden, oder?
Es fehlen z. Zt. noch fast 7 Wochen an den 150 Tagen mit Arbeitsentgelt, die zur (normalen) Berechnung des ALG1 innerhalb des auf 2 Jahre erweiterten Bemessungsrahmens notwendig sind.
Von daher würde im Moment auf jeden Fall fiktiv berechnet.

Gruß
Katzenfan

Edit:
Ergänzend zum Link (Arbeitslosengeldrechner) von @RobbiRob hier noch der Rechner der Bundesagentur für Arbeit:
Selbstberechnung - www.arbeitsagentur.de
 

Michael1967

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Erstmal vielen Dank für die ausführlichen Antworten!

Es fehlen z. Zt. noch fast 7 Wochen an den 150 Tagen mit Arbeitsentgelt, die zur (normalen) Berechnung des ALG1 innerhalb des auf 2 Jahre erweiterten Bemessungsrahmens notwendig sind.
Die 150 Tage beziehen sich doch auf 2 Jahre, richtig? Dann komme ich bereits jetzt auf ca. 135 Tage (35 + 89 + 11 Tage aktuell).
Wie kommst du auf 7 Wochen Katzenfan? (oder steh ich irgendwo bei mir auf ner Leitung rum...)
 

Katzenfan

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Die 150 Tage beziehen sich doch auf 2 Jahre, richtig? Dann komme ich bereits jetzt auf ca. 135 Tage (35 + 89 + 11 Tage aktuell).
Wie kommst du auf 7 Wochen Katzenfan? (oder steh ich irgendwo bei mir auf ner Leitung rum...)
Entgegen der Anwartschaftszeiten (maßgebend für die Anspruchsdauer) zählen für den Bemessungszeitraum (maßgebend für die Anspruchshöhe) nur Zeiten mit Arbeitsentgelt (Zeiten mit Krankengeldbezug während einer Beschäftigung also nicht).

Nach meiner Rechnung sind das bei Dir:
19.10.2015 - 28.10.2015 = 10 Tage
04.10.2016 - 26.12.2016 = 84 Tage
plus natürlich die Zeit ab 23.03.2017 (bis heute 11 Tage) - also insgesamt 105 Tage

Somit fehlen Stand heute noch 45 Tage (7 Wochen wären 49 Tage: deshalb fast 7 Wochen).
 

Doppeloma

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Hallo Michael1967,

der theoretischen Berechnung von ALGI ist nichts hinzu zu fügen, allerdings gilt es auch weitere deiner Informationen zu beachten.

allerdings ab dem 29.10.2015 krank mit Krankengeldbezug bis zum 12.06.2016
War das deine erste AU wegen dieser Erkrankung oder gab es früher schon solche Gründe für AU-Zeiten ???

Dazu solltest du dir vielleicht mal die Auflistung deiner AU-Zeiten mit Diagnosen von der KK schicken lassen für die letzten 4 - 5 JAHRE !!!
Es geht darum wann die Blockfrist für den (zeitlich begrenzten) Krankengeld-Anspruch begonnen hat ursprünglich.

Innerhalb einer 3-jährigen Blockfrist bekommt man höchstens 78 Wochen Krankengeld für die selbe Krankheit, diese "Rechnung" (bei der KK) beginnt mit der ersten AU auf diese konkrete Diagnose und wird dann fortgeführt "Tag-genau" ...

Als Beispiel nenne ich deine Erkrankung mal "Knie A", Beginn der Blockfrist dafür am 29.10.2015 mit Erst - AU- darauf, Dauer der AU = rund 36 Wochen

27.12.2016 - 22.01.2017 krank mit Krankengeldbezug
Hier kommen rund 4 Wochen dazu = rund 40 Wochen Krankengeld wurden bereits in dieser Blockfrist für "Knie A" bezogen.

Kann sein, dass ich mich verzählt habe, es soll ja nur ein Beispiel sein.

Diese Blockfrist würde jetzt zum 28.10.2018 enden und eine Neue Blockfrist beginnen für Diagnose "Knie A".
Erneuter Krankengeld-Anspruch wäre dann aber (NUR für " Knie A") an weitere Bedingungen gebunden ... aber das führt jetzt zu weit.

Bis dahin kannst du also (nach diesem Beispiel in der aktuellen Blockfrist) noch weitere ca. 38 Wochen Krankengeld beziehen (auf Diagnose "Knie A"), aus denen sich auch noch weitere Ansprüche an die AfA ergeben würden ...

ab 23.03.2017 Vollzeitbeschäftigung bei einer "tollen" Leiharbeitsfirma und mein Knie, wessen ich ja Krankengeld bezogen habe, fängt schon wieder an Probleme zu machen...
Am 13.04 (also heute) hast du die erforderlichen 4 Wochen beim AG (wahrscheinlich) geschafft, um Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu haben, wenn es nicht mehr geht solltest du also nicht zögern dir die AU-Bescheinigung zu holen.

Die meisten ZAF reagieren dann schnell mit einer Kündigung, ich gehe mal davon aus, dass du dann sehr traurig sein wirst schon wieder arbeitslos zu sein, aber ein guter Arzt sollte dich vorerst wieder "aufpäppeln" können und deine AU weiterführen so lange das notwendig ist für deine Genesung.

Die KK sehen das leider inzwischen auch nicht mehr gerne wenn Arbeitslose AU-Geschrieben sind aber vielleicht wirst du ja erst mal zur Reha aufgefordert (oder stellst mit deinem Arzt zusammen selbst einen Antrag auf med. Reha), das kann ja nicht schaden bei solchen Gesundheitsproblemen. :icon_evil:

So sollten doch diese paar Tage für die AfA noch zusammen zu bekommen sein, damit du nicht direkt zum JC zurück musst. :idea:

Sollten sich die ärztlich notwendigen Maßnahmen (und damit die AU) doch länger hinziehen, dann bekommst du deinen inzwischen erworbenen Anspruch auch nach der Aussteuerung (nach insgesamt 78 Wochen Krankengeld auf "Knie A") aus dem Krankengeld von der AfA.

Es geht dir also nichts verloren wenn du dich zunächst mehr um deine Gesundheit kümmerst ... falls du dabei mal zufällig deinen "Traumjob" finden solltest, kannst du dich ja jederzeit für gesund erklären lassen und die AU beenden ...

Nur mal so meine Gedanken dazu, denn die KK darf man dabei nicht ganz "außer Acht lassen" samt Blockfristen und zeitlich begrenzter Leistungspflicht ...

MfG Doppeloma
 
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