Anmerkung zum Gerichtsbeschluss: Hausverbot nach Gewalt gegen Jobcenter-Mitarbeiter rechtfertigt. (Juni 2019)

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vidar

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Richtig so. Egal wie man zum JC steht, aber hier Gewalttätig gegenüber die Mitarbeiter zu werden ist inakzeptabel. Die Strafe hätte mMn auch in Form einer hohen Leistungskürzung ausfallen können. Wenn ich dann auch noch lese, dass
die Künftige Kontaktaufnahme postalisch, telefonisch oder per E-Mail erfolgen soll, weil dem Mann auch zugemutet werden könnte, mit dem Jobcenter postalisch, telefonisch oder per E-Mail zu verkehren ohne die Diensträume zu betreten.
bedeutet dies anscheinend im Umkehrschluss auch noch, dass die betreffende Person (als Bonus) für ein halbes Jahr keine persönliche Meldepflicht beim JC vor Ort mehr nachzukommen hätte.
.
 

götzb

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Es macht schon einen Unterschied, ob der "Kunde" im Jobcenter "geladen" war, hier ja aufgrund einer Leistungsbeantragung, wo er aus-tickte.
Was anderes wäre es, er wäre bei einer Vorladung ausfällig geworden. (weil das Gegenüber das ggf. provozierte)

Und was ist wenn jener "Kunde" "eingeladen" werden sollte, aber direkt zum Vermittler geht ?
Denn er hat ja Hausverbot, aber muss ja trotzdem hin, weil er sonst die üblichen 10 Prozent Kürzung bekommt ?
Kann das JC rechtlich einwandfrei diktieren, du musst dich vom Sicherheitsdienst vorführen begleiten lassen.

Viele Jobcenter verzichten dann in diesen Zeitraum auf "Einladungen".
 
G

Gelöschtes Mitglied 66109

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Es macht schon einen Unterschied, ob der "Kunde" im Jobcenter "geladen" war, hier ja aufgrund einer Leistungsbeantragung, wo er aus-tickte.
Was anderes wäre es, er wäre bei einer Vorladung ausfällig geworden. (weil das Gegenüber das ggf. provozierte)

Nö, Gewalt ist und bleibt Kacke. Gewalt ist mit nichts und durch nichts zu rechtfertigen. Insofern ist es auch unerheblich, aus welchem Anlass sich der Herr in dem JC befand.

Ich denke, es ist auch ganz generell mal langsam aber doch ganz sicher an der Zeit, daß der Gesetzgeber was Gewalt gegenüber Behördenangestellten, Polizisten, Feuerwehrleuten, Sanitätern, Krankenschwestern und Ärzten in Notaufnahmen etc. etc. angeht, den Leuten sehr spürbar zeigt wo die Grenze überschritten ist.
 

götzb

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Nö, Gewalt ist und bleibt Kacke. Gewalt ist mit nichts und durch nichts zu rechtfertigen. Insofern ist es auch unerheblich, aus welchem Anlass sich der Herr in dem JC befand.
Stimmt, dem habe ich auch nicht widersprochenen, aber die Ursache zu suchen, das warum ? ist doch immer Interessant.
Und einer "Einladung" geht immer die übliche Drohung mit Kürzung voraus.
-> vergleiche dich bedroht jemand auf der Straße.
Und dann wirkt es auch "kurios", wenn als bekannte Gewaltäter beim JC "eingeladen" werden.
Ich denke, es ist auch ganz generell mal langsam aber doch ganz sicher an der Zeit, daß der Gesetzgeber was Gewalt gegenüber Behördenangestellten,
Polizisten, Feuerwehrleuten, Sanitätern, Krankenschwestern und Ärzten in Notaufnahmen etc. etc. angeht, den Leuten sehr spürbar zeigt wo die Grenze überschritten ist.
Ist heute schon so, das da insbesondere von Gewalt gegen Polizei und Rettungsdienste die Gesetzte verschärft wurden.
Ist ja auch legitim.
Andererseits selbst wenn einer von Polizei Gewalt betroffen ist (ohne das diese berechtigt war), dem Polizisten oft mehr geglaubt wird.

Obigen Sonderstatus im Jobcenter sollte es aber nicht bei Einladungen geben.
Da sollten weiter die aktuell normalen Gesetze, wie im Privatrecht gelten.
 

götzb

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Sonderstatus, das Gewalt gegen Polizei Rettungskräfte etc. verschärft bestraft wird, als z.b "normale" Gewalt.
 

HappyLife

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..man sollte aber auch immerhin festhalten das die Jobcenter systematisch „Psychische Gewalt“ anwenden. Genauso wie auch eine Psychotherapie, haben solche Psychischen Vorgänge Wirkung und können das Gehirn im Umkehrschluss dauerhaft Schädigen. Die vielen Millionen die an große Berateragenturen und Psycho Schulungen für SBs ausgegeben werden, zeigen hier massive Wirkung und zielen in diese Richtung.

Die 2 bis 3 im Jahr, die dort ( unter Zeugen ) austicken schneiden sich maximal tief ins eigene Fleisch da dann bei Wiederholung leicht eine Zwangseinweisung droht, und dies wird dann meiner Meinung nach seitens der JC auch provoziert da dann der Kunde womöglich aus dem Leistungsbezug fällt. Denn man schafft sich ja ein Konfliktherd den man zukünftig öfters ertragen muss.

Ich selbst kam schonmal wegen angeblicher Bedrohung in ein Hausverbot. Es wird nicht eine Chance vertan mir das vorzuhalten, und das obwohl nichtmal die Polizei involviert wurde ( wäre das bei Straftat nicht Standart im JC? ) . Es ist somit einzig eine leere Behauptung die im Raume und auf dem Papier steht, derer sich allerdings stets bedient wird ;-).

Und was ist wenn jener "Kunde" "eingeladen" werden sollte, aber direkt zum Vermittler geht ?
Denn er hat ja Hausverbot, aber muss ja trotzdem hin, weil er sonst die üblichen 10 Prozent Kürzung bekommt ?
Kann das JC rechtlich einwandfrei diktieren, du musst dich vom Sicherheitsdienst vorführen begleiten lassen.

Viele Jobcenter verzichten dann in diesen Zeitraum auf "Einladungen".


Ich denke das man genau deshalb meistens Ruhe hat weil das mit dem Sicherheitsdienst / anmelden schwierig ist bzw keine Straftat mehr darstellt :).

Lädt man ein hat man die bösen Aggros evtl direkt bei der armen SB Glucke im Raum stehen. Was wiederrum den Betriebsaublauf „massiv stören würde“

Lädt man nicht ein und die Kunden kommen trotzdem, droht schlimmstenfalls Anzeige wegen Hausfriedensbruch.
 
E

ExitUser

Gast
Die Sauerei ist ja die das selbst ich der sein H4 im Jahr davor als ich das brauchte selbst mit seiner Vorsteuer bezahlt hatte,
Behandelt wurde wie ein Bittsteller bzw. wie ein kleines Kind, das es da nicht geknallt hat ist nur meiner Umsicht geschuldet
Von Seiten des JC gab es keine Signale der Deeskalation, die waren damit beschäftigt zu provozieren, was wiederum Angst bei Ihnen erzeugt hat.
Die wussten also ganz genau was Sie taten, das war also angeordnet, realistisch betrachtet fungieren viele als Agent Provokateur
Menschen unmündig behandeln und sich dann wundern wenn jemand das nicht duldet
Ich meine ich bin meistens als Leistungsträger unterwegs und fülle die Staatskasse
Da darf ich gerade von denen Respekt erwarten und einfordern
 

Gollum1964

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moin,

natürlich ist Gewalt durch nichts zu rechtfertigen. Ich vermute aber, dass in vielen Fällen auch die Gegenseite nicht ganz unschuldig war und zur Eskalation beigetragen hat, was im Fall der Fälle dann aber gerne klammheimlich unter dem Tisch gekehrt wird.
Einmal habe ich es sogar selber erlebt. Als ich mich zum wiederholten Male mir einem wiederholten Sanktionsangriff aus dem Nichts (Angebliche Nichtbewerbung bei ZAF) ausgesetzt war und die SB nicht locker lassen wollte, obwohl sie überhaupt keine Beweise hatte, um die ich sie in ruhigem Ton bat, fing ich auch irgendwann an, mit der im Kasernenhofstil und -ton zu kommunizieren. Sofort ging Tür zum Nachbar SB auf. Allerdings blieb diese vorher geschlossen, obwohl die Dame mich in selbigen Tonfall vorher schon minutenlang traktiert hatte. Mein Beistand hat mein Schreien als "verbale Gegenwehr" eingestuft und es ist auch kein Hausverbot erfolgt. Ohne Beistand wahrscheinlich schon.
Ich bin bei solchen Vorfällen immer vorsichtig mit einer einseitigen Verurteilung, da häufig nicht einseitig verursacht.
 

TazD

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Ich meine ich bin meistens als Leistungsträger unterwegs und fülle die Staatskasse
Da darf ich gerade von denen Respekt erwarten und einfordern
Aha. Weil du Steuern zahlst, hast du einen Sonderstatus? Und darfst deswegen etwas "einfordern" ? Interessante, um nicht zu sagen, seltsame Sichtweise.
Ich bringe dem Menschen Respekt entgegen, weil es sich so gehört, nicht weil ich Steuern zahle. Und weil ich mein Gegenüber mit Respekt behandle, fordere ich das ein, nicht weil ich Steuern bezahle.
Wie sich mein Verhalten dann weiter entwickelt, hängt natürlich von der Gegenseite ab, hat aber immer noch nichts mit Geld zu tun.
 

Einfachicke

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Ich meine ich bin meistens als Leistungsträger unterwegs und fülle die Staatskasse
Jeder Mensch in Deutschland ist Steuerzahler - jedesmal, wenn er/sie tankt, im Supermarkt bezahlt, zum Friseur geht (... bitte weitere beliebige Beispiele einfügen).
Es gibt natürlich jede Menge Ausnahmen, die sich davor drücken oder zu drücken versuchen (... bitte hier beliebige Beispiele anfügen)

Wie sich mein Verhalten dann weiter entwickelt, hängt natürlich von der Gegenseite ab, hat aber immer noch nichts mit Geld zu tun.
Sehe ich genauso.
Auch ich wurde schon einmal soweit getrieben, dass ich die Contenance verlor. Ich war damals psychisch derart angeschlagen, dass ich meine Behördenangelegenheiten in die Hand eines rechtlichen Betreuers gelegt habe. Als der justament im Urlaub war und eine dringende Angelegenheit geklärt werden musste, musste ich das leider persönlich erledigen. Gottseidank hatte ich meine Sozialbetreuerin dabei. Und dennoch hat die pampige .... (bitte ein beliebiges Schimpfwort der Wahl einfügen) mich soweit gebracht, dass ich wie eine V8 vom Stuhl hochschoss und das gesamte Großraumbüro an meiner Meinung über ihre charakterlichen Mängel teilhaben ließ. Daraufhin wurde ich von Igor und Wladimir (oder waren es freundliche Mitglieder der Hells Angels???) auf das netteste gebeten, die Räumlichkeiten zu verlassen. Meine Sozialbetreuerin hat das dann für mich geklärt.
Diese ... Menschen??? lernen zwar, wie man demütigt, unterdrückt und provoziert, aber sie haben nicht den Hauch von Kenntnis darüber, was es bei ihrem Gegner ... ähm ... KUNDEN auslöst.
Im Nachhinein, wenn ich solche Situationen rational für mich analysieren kann, frage ich mich oft, wie die ihre Arbeit in ihren Alltag integrieren. Sitzen sie abends mit ihrer Familie am Essenstisch und erzählen, was sie (sich) auf Arbeit geleistet haben?
Es gibt doch in Schulen so Projekte, wo die Eltern von ihrer Arbeit erzählen.

Maurer - baue ein Haus, in dem viele Familien glücklich leben können.
Jobcenter-SB - ich habe gestern einem Aufstocker eine Kostensenkungsaufforderung geschickt, weil die Miete nach einer Mieterhöhung um 2,50 Euro zu hoch ist.

Feuerwehrmann/frau - ich habe gestern ein Feuer gelöscht.
Jobcenter-SB - ich habe einen meiner Kunden sanktioniert. Der konnte dann den Strom nicht mehr bezahlen und hat mit Kerzen geleuchtet. Eine ist umgefallen und hat einen Brand verursacht.

Polizist/in - ich habe gestern einen Dieb verhaftet.
Jobcenter-SB - ich habe widerrechtlich einem Menschen sein Existenzminimum gekürzt/gestrichen, woraufhin er vor Hunger ein Brötchen geklaut hat.

Kita-Erzieherin - ich habe gestern mit den Kindern gebastelt, gemalt, gelernt.
Jobcenter-SB - ich habe eine alleinerziehende Mutter in eine sinnlose "Maßnahme" zwangseingewiesen. Jetzt muss sie von 8 - 16.00 Uhr vorm Computer sitzen und dieselben Stellenangebote immer und immer wieder raussuchen.

Arzt - ich habe gestern ein Menschenleben gerettet.
Jobcenter-SB - ich habe einen meiner Kunden auf 100 % sanktioniert, woraufhin er nicht mehr krankenversichert war und sich keine Medikamente mehr kaufen konnte.

So in etwa stelle ich mir das vor.

Und zu der Meinung (die hier oft vertreten wird), dass Gewalt unter gar keinen Umständen akzeptabel ist.
Jedes Lebewesen, dass in lebensbedrohliche Situationen gerät hat zwei Möglichkeiten:

Angriff
Flucht

Wenn ihm die Flucht verbaut wird, wird es angreifen, um sich zu retten. Und die Situationen, die vom Jobcenter geschaffen werden, sind ausweglos. Wir haben nicht die Möglichkeit uns für die Flucht zu entscheiden. Wir können nicht aus dem System ausbrechen. Wir können versuchen damit klar zu kommen. Aber oft genug kommt es dennoch zu Situationen, die uns das Letzte abverlangen. Ich rede nicht mal von den verstecken (und oft genug gar nicht so versteckten) Demütigungen und Provokationen.
Ich bin seit 2005 im HartzIV-Bezug gewesen. Alleine schon die Weiterbewilligungen. Sollte an und für sich kein Problem sein. Bei mir hat sich über die Jahre kaum was verändert. Und trotzdem gab es fast immer Probleme.
Mal hatte ich Geld auf dem Konto, aber keinen neuen Bewilligungsbescheid.
Mal hatte ich den Bewilligungsbescheid, aber kein Geld.
Mal fehlte beides.
Wahre Geschichte: Auf den Weiterbewilligungsantrag geschah - NICHTS. Kein Geld - kein neuer Bescheid. Also zum Jobcenter hingestiefelt. Damals war noch Papierakte. Madamchen schlägt den Ordner auf - und obendrauf liegt UNGEÖFFNET der Brief mit meinem Weiterbewilligungsantrag. Kein Kommentar, keine Erklärung - NICHTS.

Es sind doch keine rationalen Entscheidungen, die in solchen Situationen von den Menschen getroffen werden. Sie werden soweit getrieben, dass jegliches rationale Denken und vernünftige Handeln ausgeschaltet werden.
Ich selbst habe meistens mit innerlichem Rückzug reagiert, wenn ich in eine solche Situation geriet. Und ich vermute mal, das ist bei den meisten anderen auch so, sonst würden wir tagtäglich von solchen Vorfällen hören, lesen, sehen.
Es sind die Ausnahmen - Menschen die bis ans Äußerste getrieben wurden. Und ich finde es absolut daneben, sich ein Urteil anmaßen zu dürfen, wenn man nicht selbst in dieser Situation war.

Ich bin auch der Meinung, dass Gewalt keine Lösung ist. Wenn da jemand irgendeinen Schreibtisch umkippt, dann löst das natürlich nicht seine Probleme. Es ist eine Kurzschlussreaktion geboren aus Wut, Verzweiflung und Ohnmacht. Ich weiß wovon ich rede, denn genauso habe ich mich die meiste Zeit in meiner "Hartz-IV-Karriere" gefühlt. Nur gehöre ich zu den Menschen, die ihre Wut nicht außen tragen - oder nur in absoluten Ausnahmesituationen s. o.
Wenn ich auch keine Gewalt als legitimes Mittel propagiere, so habe ich dennoch menschliches Verständnis dafür, wie jemand zu solchem Handeln getrieben werden kann.

Und wenn Gewalt nicht akzeptabel ist - sollte das dann nicht für ALLE Beteiligten gelten? Auch psychische Gewalt ist Gewalt - und in meinen Augen wesentlich verheerender.
 

TazD

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Jedes Lebewesen, dass in lebensbedrohliche Situationen gerät hat zwei Möglichkeiten:

Angriff
Flucht
Nicht jedes Lebewesen, sondern jedes Tier. Der Mensch hat sich da schon weiterentwickelt und ist nicht mehr auf rein affektbasierte Reaktionen angewiesen.

Und wenn Gewalt nicht akzeptabel ist - sollte das dann nicht für ALLE Beteiligten gelten?
Selbstverständlich gilt das für alle. Aber trotzdem werden solche Reaktionen dadurch weder gerechtfertigt, noch gibt es "gute" und/oder "schlechte" Gewalt.
 

Einfachicke

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Der Mensch hat sich da schon weiterentwickelt und ist nicht mehr auf rein affektbasierte Reaktionen angewiesen.

Es sei denn, ihm wird mittels staatlich legitimierter Gewalt die zivilisatorische Tünche vom Gesicht geschlagen.
Man mag zwar nicht auf affektbasierte Reaktionen "angewiesen" sein. Aber wie ich schon ausführte - in solchen hochemotionalen Situationen wo es für den Betroffenen um existentielle Bedrohungen geht (und als solche habe ich dies erlebt), sind die wenigsten noch zu rationalen Entscheidungen fähig.
Wenn mich jemand auf der Straße bedroht, ob nun körperlich oder beispielsweise verbal, dann renne ich weg. Weil ich eine kleine, schwache Frau bin. Steht mir eine Flucht nicht zu Gebote, dann werde ich mich wohl wehren. Auch gegen einen großen, starken Mann. Weil ich nämlich an irgendeinem Punkt meine vernünftige, rationale Entscheidungsfähigkeit zugunsten eines reinen Überlebensinstinktes aufgegeben habe. Nicht kraft rationaler Entscheidung, sondern der Überlebensinstinkt hat in diesem Moment die Oberhand gewonnen.
Und im Jobcenter soll ich verbale oder psychische Gewalt hinnehmen und auch noch vernünftig, rational darauf reagieren???
Nur weil der Staat Unrecht in Recht (was für ein Hohn in diesem Zusammenhang) und Gesetz gepresst hat???
Ja, die meisten von uns tun das ja. Habe ich ja auch. Und habe mit meiner psychischen Gesundheit dafür bezahlt. Aber einige wenige können das eben nicht so in sich reinfressen oder nur bis zu einem bestimmten Punkt.
Und denen gilt mein Mitgefühl und mein Verständnis. Verständnis wohlgemerkt.
Ganz klare Sache, wenn ich möchte, dass mein Gegenüber sich wie ein Mensch benimmt (und nicht wie ein "affektbasiertes Tier"), dann muss ich ihn behandeln wie einen Menschen. Muss sein Menschsein anerkennen durch Respekt und die Erfüllung seiner grundlegendsten Bedürfnisse. Menschen wollen nicht nur essen, trinken, in Sicherheit schlafen und sich fortpflanzen. Sondern sie wollen auch am sozialen und kulturellen Leben der Gemeinschaft, in der sie leben (zu leben gezwungen sind) teilhaben.
Ihnen all das zu ermöglichen ist die Anerkenntnis ihres Menschseins.
 
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Aha. Weil du Steuern zahlst, hast du einen Sonderstatus?
Es geht nicht um Sonderstatus praktisch bleiben die Meisten dem Staat nichts schuldig
nur geht es nicht an sich nach 25 Jahren ohne Stütze belehren lassen zu müssen, was ja nicht nur mir so geht
ich kann schlecht für andere sprechen, ich kann nur mein Erleben darlegen
Und da war von Anfang an von Seiten des Jobcenters eine miese Stimmung in der Luft
Und ich bin immer gut drauf selbst in solchen Situationen
Wenn ich allerdings merke das mit mir geredet wird wie wenn ich nichts begreifen würde, da hört der Spaß auf
Ich bin ja schon davon ausgegangen das keine Beratung stattfindet, darum mache ich mich ja im Vorfeld kundig
Nur das es so abgeht wie es dann abging das hat selbst mich überrascht, gut ich habe dann einiges zurecht rücken können,
Indem ich bestimmte Ansagen gemacht habe auch das ich Wohngeld brauche und dafür H4 beantragen "muss" das war ja nur für 3 Monate nötig
was von vornherein klar war, da erwarte ich dann schon das geholfen wird ohne einen blöd an zumachen, was ja eh nicht sein sollte
Also ich fand es arg von oben herab, allerdings mussten sie es beim Versuch belassen.
Und wenn mir konkret bekannt ist das ich 8000 bezahlt habe und mir davon 4000 holen muss, da wird es wohl erlaubt sein das anzumerken
 
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Gelöschtes Mitglied 64517

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Ein Großteil der Konflikte und Emotionen lassen sich m. E. vermeiden, in dem man diese Dinge schriftlich regelt.
 

qwertz123

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Interessiert keinen Menschen was du vorher gearbeitet hast und wie lange, durch Hartz 4 wird alles was man vorher gemacht hat nichtig, man wird da durch einen Kamm geschorren zusammen mit Vollassis die wirklich noch NIE gearbeitet haben und nicht wollen. Das ist ja gerade das schlimme und Menschenverachtende am Hartz 4 System. Selbst wenn du 40 Jahre gearbeitet hast, dir was aufgebaut hast, und dann betriebsbedingt arbeitslos wirst und wegen Gesundheit und Alter nichts mehr findest, wird mit Hartz 4 alles aufgebaute vernichtet bis zur Freibetragsgrenze. Kein Wunder dass da manche Leute ausrasten.

Übrigens zahlt jeder Steuern, nicht nur arbeitende, sogesehen geht die Hälfte des Alg2 wieder an den Staat zurück.
 

*kampfpaar*radikal.A

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Es sind die Ausnahmen - Menschen die bis ans Äußerste getrieben wurden. Und ich finde es absolut daneben, sich ein Urteil anmaßen zu dürfen, wenn man nicht selbst in dieser Situation war.

Wenn ich auch keine Gewalt als legitimes Mittel propagiere, so habe ich dennoch menschliches Verständnis dafür, wie jemand zu solchem Handeln getrieben werden kann.

Vielen Dank @Einfachicke. Dein langer Beitrag zeigt empathiefähigen LeserInnen sehr deutlich auf, dass Du wahrlich aus dem Herzen geschrieben hast.

XXXXXXXXX

Jetzt bereits seit fast 15 Jahren agiere ich - oft täglich - in JC's. Nicht nur einem. Das heisst: Ich habe massiv Erfahrungen. Diese zeigen auf, dass bei den SB's eine gauß'sche Kurvenverteilung ihrer Art zu handeln, einsichtig wird. Ein kleiner %-Satz RealSadisten, ein kleiner %-Satz MenschenFreunde und die Masse abgestuft dazwischen.
Diese mittige Masse jedoch hat den Faktor der "strukturellen Gewalt" auf ihrer Seite.

Das ist spezifisch ihrem Amt geschuldet.
Beim StandesAmt wird das wohl nicht so deutlich - beim JC: überdeutlich. Warum wohl?

Ich bleibe dabei: Die Jobcenter sind die Schnittstelle im Kampf zwischen arm & reich.

Wem das für's Internalisieren zu sperrig ist, möge sich die EntstehungsGeschichte von Hartz4 vor den Augen revuelaufen lassen. Vielleicht ist es aber auch notwendig, sie überhaupt erstmal zu erfassen.

Abermillionen Menschen mussten nun bisher durch diesen GewaltHindernisparkur. Wie soll es bei diesem stressigem ParkurLauf ausbleiben, dass mal Jemand auf die Schnauze fällt, oder geneigt ist, in peinigenden Situationen dem Gegenüber auf die seine zu schielen, um konkret im Hier&Jetzt aus der Ohnmacht einen Ausgleich zu er-, äh dingens: belangen?

Ja, ja, der Mensch hat zivilisiert zu sein. Auch unter grösster Pein hat er einen schriftlichen Einspruch abzugeben. Ja, ja. So denkt sich das das FormalistenHirn - unter menschlichem Aspekt: das verkorkste bis kaputte ...

Ob ein Ausklinker nun verurteilt wird, ist eine andere Sache. Da spielt das Väterle Staat mit seiner Gerichtlichkeit sein Spiel. Sie brauchen ja auch keine grosse Angst haben, dass ein Ausklinker zu einem Jacques Mesrine mutiert ...
 
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G

Gelöschtes Mitglied 64517

Gast
Jedem Menschen ein Preisschild um den Hals hängen, wie viele Steuern er schon gezahlt hat. Je höher der Preis, desto mehr Respekt?

Grotesker Unfug.
 

Otto27

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Finde das Urteil in der Hinsicht interessant, da ja hier das Jobcenter selbst zugibt (und es ja jetzt auch vom Gericht so bestätigt wurde), dass ein persönliches erscheinen nicht notwendig ist und alle gegenseitigen Anliegen auch einfach postalisch oder telefonisch geregelt werden können. Und aber anderers, bei den ganzen normalen Meldeterminen (um mal über ihre berufliche Situation zu sprechen) wird darauf verwiesen wie super wichtig diese Termine sind und bei Nichteinhaltung wird sogar ein festgelegtes Existenzminimum noch sanktioniert, also das widerspricht sich doch, oder?

Ansonsten, rein praktisch wird der Betroffene jetzt seine Ruhe vor Meldeterminen haben (die SBs haben auf solche Kunden wenig Lust und suchen sich dann lieber andere Opfer zum schikanieren...), also wenn ich so nachdenke, hats ja eigentlich nur positive Seiten und manche könnten sich überlegen, dass evtl. auch selbst anzuwenden (obwohl sie evtl. von Natur aus überhaupt nicht aggressiv oder emotional in solchen Dingen sind und dann einfach nur gute Schauspielleistung abspulen und auch keine wirkliche Gewalt gegen Menschen verursachen, sondern z. B. einfach nur bißchen lauter werden und evtl. etwas am Schreibtisch wackeln...), hmmm.
 
Zuletzt bearbeitet:

TazD

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Ansonsten, rein praktisch wird der Betroffene jetzt seine Ruhe vor Meldeterminen haben
Beitrag #2 hast du gelesen oder gekonnt ignoriert?

Telefonisch, postalisch und Mail bezieht sich nur auf Kontaktaufnahme/Antragstellung seitens des Elo in Richtung JC. Von Meldeterminen steht da nichts.
 

Otto27

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Selbstverständlich gelesen, aber sehe das mehr als theoretische Möglichkeit, rein praktisch wird er dadurch ziemlich sicher, sehr viel weniger Termine und Stress mit Jobcenter haben.
 

Schmerzgrenze

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Der Mensch hat sich da schon weiterentwickelt und ist nicht mehr auf rein affektbasierte Reaktionen angewiesen.
Es ist die Zivilisation selbst, welche strukturelle Gewalt anwendet, die bei direkter Existenzbedrohung Einzelner, Affekthandlungen derselben auslösen kann.
Der Überlebenstrieb zwingt den Getriebenen zu Handlungen, welche seinem Empfinden nach die Situation verbessern könnten.
Die Affekthandlungen treffen i.d.R. das letzte Glied der Strukturkette - Erfüllungsgehilfen, welche zwar den gleichen Bedingungen unterliegen,
deren Machtposition, Gesetzestreue und/oder Ermessen aber zur Durchsetzung struktureller Gewalt zwingt.

Gegenüber struktureller Gewalt ist eine direkte Gegenwehr kaum möglich, da die existensbedrohende Gewalt oft nicht von Einzelpersonen- ,
sondern von Bedingungen, Institutionen, Politik und Gesetzgebung ausgeht.
 

Einfachicke

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Nicht jedes Lebewesen, sondern jedes Tier

OT: Auch auf die "Gefahr" hin meinen mühsam erarbeiteten Status als Klugshaizzerin zu zementieren. Auch Pflanzen haben Möglichkeiten sich gegen einen Angriff zu verteidigen.
Schirmakazien in Afrika, die ganz besonders gern von Giraffen angeknabbert werden, bilden nicht nur selbst giftige Substanzen in ihren Blättern aus, sobald sie angefressen werden, sondern senden auch olfaktorische Signale an ihre Nachbarn, die daraufhin ebenfalls den Giftausstoß erhöhen. Deshalb fressen Giraffen immer entgegen der Windrichtung und nur solange an einem Baum, bis der die Giftrate in seinen Blättern soweit erhöht hat, dass sie von den Giraffen nicht mehr gefahrlos gefressen werden können.

die SBs haben auf solche Kunden wenig Lust und suchen sich dann lieber andere Opfer zum schikanieren...),

Stimmt genau. Ich hatte in einem EEJ mal einen Leidensgenossen, der auch mal "mit dem Schreibtisch gewackelt hat". Bekam auch Hausverbot, außerdem ein gerichtliches Antiaggressionstraining (im Gegenzug wurde von einer strafrechtlichen Verfolgung abgesehen) UND darüber hinaus musste er einen rechtlichen Betreuer mit der Wahrnehmung seiner Behördenangelegenheiten betrauen. Hat sich im Nachhinein als gut für ihn erwiesen, weil so ein rechtlicher Betreuer vollkommen emotionslos die SB immer und immer wieder in ihre eigenen offenen Messer ... ähm ... Paragraphen rennen lassen kann. Kann ich auch aus meiner eigenen Erfahrung heraus sagen. Ich hatte selbst einen rechtlichen Betreuer beantragt, weil ich irgendwann psychisch überhaupt nicht mehr in der Lage war, mich um IRGENDETWAS zu kümmern.

In der Maßnahme von Februar bis Mai diesen Jahres hatten wir etliche Migrantinnen, die beim Erstkontakt mit dem Jobcenter kurzerhand zum Haushaltsvorstand erklärt wurden. Damit hatte dann das Jobcenter erreicht, dass zu Meldeterminen immer die Frauen antanzen mussten und nicht die Männer (die gerne mal ihrem südländischen Temperament Ausdruck verleihen).
Ein Schelm, der ARGE's dabei denkt!!! :devilish:
 

TazD

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sehr viel weniger Termine
Das mag sein.

sehr viel weniger [...] Stress mit Jobcenter
Bezweifle ich stark.

Es ist die Zivilisation selbst, [...]
Der Begriff ist mir zu schwammig, zu allgemein und zu pauschal. Das würde nämlich auch all diejenigen mit einschließen, die Teil dieser Zivilisation sind, aber eine solche strukturelle Gewalt strikt ablehnen. Das ist genauso wie "Das Volk..." .
 
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