Angemessenes Verhalten im Job

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JacKy

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Ich (55) hab zur Zeit einen befristeten Teilzeitjob, der ganz in Ordnung ist. Allerdings wird der Vertrag zum Jahresende wohl auslaufen, und ich hab nicht viel Hoffnung, daß danach noch was vernünftiges kommt.
Ich hab nun aber das generelle Problem, daß ich mich einfach nicht blöd anstellen kann. Wenn ich irgendwo arbeite, dann will ich das auch gut machen, knie mich rein usw., auch wenn es im Endeffekt nicht honoriert wird.
Das möchte ich ändern und würde gerne eure Erfahrungen hören, wie ihr an Jobs ran geht, die euch mehr oder weniger aufgezwungen werden. Ich hab schon öfter gelesen, wenn die nur 8,50 bezahlen, dann kriegen sie auch nur Leistung für 8,50. Genau das ist der Punkt. Wie kriegt man das hin, diese ein Leben lang antrainierte Haltung des Gutseinwollens in angemessene Bahnen zu lenken?

JacKy
 

Heiliger Geistl

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Hallo @Jacky,

Du bist wie ich Ü50 . Da ist es Zeit, zu lernen, NEIN zu sagen, kompromisslos NEIN. Das muss man lernen, aber man kann es. NEIN und nichts anderes.


Halte Dir vor Augen, dass die meisten heutigen deutschen Unternehmer/Arbeitgeber Wesen sind, die vor Gier, Gemeinheit und faschistoidem Selektionsdenken kaum mehr laufen können.Wenn die Profit daraus scheffeln könnten, Menschen ganz zu vernichten, sie würden es tun.

Das ist eine erschreckende Entwicklung, die es noch nicht so gab, als wir jung waren. Wo es sich noch gelohnt hatte, fleissig zu sein, wo es sich zwar nicht um soziale Arbeitgeber handelte, aber doch um Menschen mit wenigstens etwas Empathie und Menschlichkeit. Vorbei.

Halte Dir das alles vor Augen, und sage Dir, bläue es Dir ein: Du kannst draufhauen, wie Du willst, am Ende zahlst DU drauf. Du gibst dein "bestes", und irgendwann, wir beide sind schon relativ alt und sicher auch viel anfälliger als früher, ist man verschlissen. Dann kommt der Herr Unternehmer NICHT und sagt: "Lieber Jacky, es tut mir ja so leid, du hast meiner Firma treue Dienste geleistet über lange Zeit, nun bin ich es, der Dir wirklich hilf"

Nein, der Herr Unternehmer sagt Dir dann:"Hau ab, du kostest mich Profit, ich will dich nie mehr sehen, und wenn du es wagst, hierzubleiben, ekele ich dich eben raus, vielleicht hast du ja dann nen finalen Infarkt"

Halte Dir das alles vor Augen, und irgendwann hat es "klick" gemacht.

Sorge aber rechtzeitig vorher dafür, dass Du Vermögen und alles "ausgibst".... damit es beim H4 nicht mehr da ist.

Du hast es aber wenigstens jetzt schon erkannt,wo das Problem liegt. Und das ist wichtig.

Alles Gute!!

Ich habe das auch durch. Anschliessend habe ich mich mit der mir eigenen absoluten Sturheit schlichtweg geweigert, diesen Jobdreck noch einmal zu machen. Das JC hatte keine Chance dagegen. Ich habe gelernt, dass die JC eine drastische Diktatursimulation ist, allerdings nur dann,wenn sie Macht über einen haben. Wenn nicht, sind sie lächerliche harmlose Flachpfeifen dort.

Im Ergebnis stehe ich damit komfortabel da:EM Rente und ein bequemer auf Stunden berechnet gut bezahlter 450€ Job im ÖD, der sogar Spass macht. Ich bin so aus dem SGB2 raus und musste nie ins SGB12.
 

Roter Bock

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@Jacky - ich bin 56 und heute schwerstkrank. Was Heiliger Geistl schreibt ist absolut richtig deshalb :dank:

Lerne das Du "Ja" zu Dir sagst wenn Du "Nein" zu prekärer Arbeit sagst. Für mich ist das Thema gelaufen (GdB 100%). Immer wenn in der Klinik die Zythostatika durch meine Adern laufen, denke ich an jene Arbeitgeber, bei denen ich vor fast 20 Jahren Siebdruckfarben mit Schwermetallen und Literweise Lösemittel verarbeitet habe. Die haben dauernd gegen Auflagen verstoßen.

Von denen schickt keiner Geld. also vergiss es einfach.

Roter Bock
 

JacKy

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Danke euch beiden :smile:
Ich weiß ja, daß ihr recht habt, und doch tu ich mich da verdammt schwer.
Bin übrigens weiblich und dadurch wahrscheinlich auch ne Ecke zusehr auf Harmonie bedacht.
Aber diese Lektion hab ich wohl noch zu lernen. Ich hab nämlich wirklich keine Lust mehr auf irgendeinen Drecksjob.

JacKy
 

Dagegen72

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einfach eine Spur langsamer und eine Spur entspannter könnte vielleicht schon helfen. Die Arbeit, die getan werden soll erledigen - aber für mehr reicht es dann halt nicht.

Vielleicht nichts sagen, aber dem anderen vermitteln: oh ne, das von dir, das schaffe ich jetzt nicht auch noch - einmal angefangen kann sich das auch schnell häufen. Dass du dein Pensum gerade schaffst.

Schneller arbeiten könnte auch gleich Konkurrenz-Panik bzw. die anderen Schläfer stören :biggrin: was auch wieder nachteilig sein kann :icon_rolleyes:

Ich hatte mal ein Praktikum und manche meinten ich wäre dort angestellt - während andere, die dort angestellt waren, schön langsam machten um vermutlich ihre Kraft für den Feierabend zu schonen.

Und mein Praktikum war völlig sinnlos beruflich betrachtet. Der Einblick in den Betrieb war ok - darüber hinaus brachte mir das Praktikum nichts - außer eine nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigte Lücke. :/
 

Heiliger Geistl

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Danke euch beiden :smile:
Ich weiß ja, daß ihr recht habt, und doch tu ich mich da verdammt schwer.
Bin übrigens weiblich und dadurch wahrscheinlich auch ne Ecke zusehr auf Harmonie bedacht.
Aber diese Lektion hab ich wohl noch zu lernen. Ich hab nämlich wirklich keine Lust mehr auf irgendeinen Drecksjob.

JacKy

Hi Jacky -- Du hast den ersten Schritt zum Guten bereits getan. Das ist schon einmal das wichtigste.
Man kann auch nicht von jetzt auf sofort von hundert auf "angemessen" umschalten, ich verstehe das gut. Das ist eine monatelange Gedankenarbeit.

Stell Dir immer vor, da sitzt der vollgefressene, selbstgerechte und widerliche Unternehmer, der sich auf Deine Kosten und auf Deine Gesundheit bereichert. Denn nur das ist das Wesen des Unternehmertums.

Der Dich "wegwirft", auch nach 20 oder 30 Jahren, sofort, wenn Du durch seine Arbeit krank wirst.

Schau Dir Deine Kolleginnen und Kollegen an. Vielleicht sind die ja in Ordnung-- aber das aktuelle "Modell" ist, dass bei "Kollegen" ein widerliches Konkurrenzmodell läuft, die sich gegenseitig beim Chef melden, sich gegenseitig auskundschaften und Jede/n, der nicht bereit ist, noch so viele kostenlose Überstunden für den Ausbeuter zu liefern, auszugrenzen.

Weil Alle befristete Verträge haben und vom Unternehmer das Gerücht gestreut wird, dass schon einer oder zwei einen Unbefristeten bekommen werden. Dann kämpft man gegeneinander und arbeitet als Volldepp bis zum Anschlag.

Und logisch und klug denkende Menschen, "Wozu der ganze Dreck??" fallen dann runter.

Sieh zu, ein dickes Fell zu bekommen, mache Gedankenarbeit, plane genau die Zeit für nach der Ausbeuterei, überlege in im Vorhinein, wie man das JC später auskontern könnte.

Alles ist besser als die deutsche Arbeitswelt.
 

Doppeloma

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Hallo JacKy,

Ich (55) hab zur Zeit einen befristeten Teilzeitjob, der ganz in Ordnung ist. Allerdings wird der Vertrag zum Jahresende wohl auslaufen, und ich hab nicht viel Hoffnung, daß danach noch was vernünftiges kommt.

Das bedeutet ja zunächst mal ALGI bis zu 1,5 Jahren oder hast du dort keinen Anspruch ???

Wenn ich richtig liege, dann richten sich zunächst mal alle "Angebote" der AfA nach § 140 SGB III und ich gehe mal davon aus, dass da der "Mindestlohn noch nicht "greifen" wird, weil du aktuell mehr verdient hast ... :biggrin:

§ 140 SGB III Zumutbare Beschäftigungen

Falls ALGI nicht ausreichend ist solltest du zunächst an Wohngeld denken und nicht an ALGII , zudem wäre wichtig zu wissen ob du alleinstehend bist / eine Schwerbehinderung vorliegt und/oder wie es so ganz allgemein um deine Gesundheit steht ...

Das könnte wichtig sein für das weitere Vorgehen ... bei Interesse melde ich mich gerne später noch mal dazu ... :wink:

MfG Doppeloma
 

JacKy

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Hallo Doppeloma,

leider bin ich jetzt schon im Alg2-Bezug (aufstockend), deshalb wird das Alg1 natürlich erst recht nicht ausreichen.
Aber das ist nicht der Punkt. Mir gehts darum, wie ich mich innerlich präparieren kann, daß ich guten Gewissens auch mal 2 oder 3 Gänge zurückschalten kann, daß ich also nicht immer nur gut dastehen und alles hinkriegen will. Vom Kopf her weiß ich natürlich, daß mir sowas niemand dankt.
Es ist also mehr ein psychologisches Problem als ein rechtliches.
Denn Arbeit extra langsam oder sogar fehlerhaft zu verrichten und dabei dann jeden Tag Bauchweh haben, das kanns ja auch nicht sein.

JacKy
 

Ferrit

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Im neuen Job, sofern dein Job nicht verlängert werden sollte, verschaffst du dir einfach einen Überblick über die Strukturen und die Motivation der Leute. Ich bin mir sicher, dass du mit deiner Einstellung alles richtig machen zu wollen, jemanden findest, der das ganz anders angeht ;)
So wie ich das lese, dürfte es dir eigentlich nicht schwer fallen mit der Hälfte der Leistung noch ein gutes Ergebnis abzuliefern, da du sorgfältig arbeitest. Ist das bei deinen zukünftigen Kollegen auch der Fall? Was dir eher nicht liegen dürfte, ist irgendeine Arbeit nicht zu Ende zu bringen bzw. nicht in dem Zeitrahmen. Das muss dann aber nicht in der Zeit sein die dir der Arbeitgeber vorgibt, sondern in der Zeit in der du das schaffen kannst und du damit zufrieden bist. Um mehr sollte es dir nicht gehen oder du machst dich da unnötig kaputt, schleppst Dinge ins Wochenende rein oder kommst zu nichts mehr. Es ist nicht dein Lebensinhalt dem Arbeitgeber oder Vorgesetzten das Leben leicht zu machen. Die verdienen mehr als du, planen an deinem Leben vorbei und nehmen keine Rücksicht.
Es ergeben sich auch unzählige Situationen in denen man Arbeit vortäuschen kann, man muss nur beschäftigt aussehen.
 

Doppeloma

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Hallo JacKy,

leider bin ich jetzt schon im Alg2-Bezug (aufstockend), deshalb wird das Alg1 natürlich erst recht nicht ausreichen.

Das sind allerdings keine wirklich "sonnigen Aussichten" zum "Kürzer treten" ... obwohl, ja gerade im ALGII eine AU von längerer Dauer da durchaus hilfreich sein kann ... :icon_kinn:

Die AfA "wirft" dich dann nach 6 Wochen raus (§ 146 SGB III) und du kannst bis zu 78 Wochen Krankengeld (in gleicher Höhe) von der KK bekommen ... reicht dann zwar immer noch nicht zum LEBEN ohne ALGII , aber man bekommt relative Ruhe vor denen.

Das bedeutet ja nicht, dass du deine "Fühler" nicht weiter ausstrecken kannst und darfst eine andere Arbeit noch wieder zu finden, aber wir brauchen uns doch hier nichts vor machen, dass man die "Erfahrenen Oldys" nur in politischen Sonntagsreden mit Zuckerschlecken einstellen möchte bei den AG ... :icon_stop:

Es würde dich aber davor bewahren können dich auf jeden "minderwertigen MIST" vom JC bewerben zu müssen und bestimmte Vorgaben /Erwartungen an Eigen-Initiative zu erfüllen ... von diversen "Ü-50- Betreuungsmaßnahmen", die (nur) den Weg in die Rente vorbereiten sollen, mal ganz zu schweigen ... letzter "Ausweg" für das JC ist dann irgendwann die "Vermittlung" in eine AGH (1- Euro-Job), damit es dem "aussichtslosen Fall" nicht zu Langweilig wird ...

Aber das ist nicht der Punkt. Mir gehts darum, wie ich mich innerlich präparieren kann, daß ich guten Gewissens auch mal 2 oder 3 Gänge zurückschalten kann, daß ich also nicht immer nur gut dastehen und alles hinkriegen will. Vom Kopf her weiß ich natürlich, daß mir sowas niemand dankt.

Ich fürchte dein zukünftiges Problem wird nicht sein, wie du bei einem AG deine Kräfte einteilen solltest, den musst du ja erst mal neu finden können, das siehst du ja selbst wahrscheinlich auch nicht mehr besonders optimistisch ... :icon_kinn:
Es wird ja auch Gründe haben, dass du zuletzt "nur" Teilzeit und mit Befristung eingestellt warst, das sucht man sich ja eher nicht selber so aus wenn man gutes Geld in Vollzeit verdienen möchte und auch gesundheitlich noch Vollzeit arbeiten könnte ... ???

Es ist also mehr ein psychologisches Problem als ein rechtliches.
Denn Arbeit extra langsam oder sogar fehlerhaft zu verrichten und dabei dann jeden Tag Bauchweh haben, das kanns ja auch nicht sein.

So wirst du dein Augenmerk wohl eher zukünftig darauf richten müssen, dass dir dieses "Soziale System" nicht den letzten Nerv raubt und dich psychisch zu Boden zwingt und eher nicht die Frage wie du dir eine eventuelle nächste Tätigkeit nervenschonender einrichten könntest.

Dazu wäre ja erst mal gut zu wissen in welchem konkreten Bereich sich deine Arbeit dann (wieder) abspielen würde, inzwischen wird sogar Büro-Arbeit getaktet, das hätte ich mir früher auch nicht vorstellen können, dank PC-Arbeitsplätzen (fast) überall, fällt es sofort auf wenn man "zu langsam" arbeitet oder "nur so tut als ob" ... notfalls achten da auch die "lieben" Kollegen sehr drauf, um sich selbst ins richtige Licht zu bringen ...

Diese "schöne moderne Arbeitswelt" hat kaum noch genug Nischen für eine angenehme Arbeitsatmosphäre und berufliche Tätigkeiten die man gerne leistet weil sie auch Spaß machen und nicht zu viel DRUCK ausgeübt wird ... :icon_evil:

Leider begreift man das oft erst wenn man schon restlos kaputt gespielt wurde und dann noch um die zustehenden Rentenleistungen bis zum Gericht kämpfen muss ... :icon_neutral:

MfG Doppeloma
 

götzb

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Einfaches Motto:

2 linke Hände, und strunzendoof sein.
Das hilft nicht nur im normalen Zwangsjob, sondern auch in AGHs und ähnlichen Dreck.
Die Möglichkeit von Sabotage ist auch gegeben. Wobei dies so zu gestalten, das man sich selber dabei nicht strafbar macht, bzw. das ein Grund für Sanktionen, sollte auch für Leute mit wenig IQ kein Problem darstellen. :wink:

z.b. Schwerhörigkeit kann einen ereilen, oder die Hände können Dinge nicht fassen, so das diese aus der selben fallen, oder oder oder
 

Heiliger Geistl

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Einfaches Motto:

2 linke Hände, und strunzendoof sein.
Das hilft nicht nur im normalen Zwangsjob, sondern auch in AGHs und ähnlichen Dreck.
Die Möglichkeit von Sabotage ist auch gegeben. Wobei dies so zu gestalten, das man sich selber dabei nicht strafbar macht, bzw. das ein Grund für Sanktionen, sollte auch für Leute mit wenig IQ kein Problem darstellen. :wink:

z.b. Schwerhörigkeit kann einen ereilen, oder die Hände können Dinge nicht fassen, so das diese aus der selben fallen, oder oder oder

Es ist die einzige Möglichkeit, sich gegen Unternehmerwillkür angemessen wehren zu können.
Würden das Alle tun, die unter Drohungen und Zwängen von Unternehmern und Jobcentern in diese Mühlen geraten sind, hätten die Unternehmer irgendwann einmal genug, würden sie begreifen, dass Zwangseinstellungen ihnen wesentlich mehr Schaden als Nutzen bringen.


Es ist auch die einzige Möglichkeit für die TE , "so" zu arbeiten, will sie gesund bleiben .
 
H

hierheute

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Hallo JacKy,

gutes Thema. Ich selbst habe auch immer mit meinen eigenen Ansprüchen an mich selbst zu kämpfen und komme "im Job" schwer aus meiner Haut... ich bewundere die Leute, die es schaffen, mit stoischer Ruhe "Dienst nach Vorschrift" zu machen, wenn überhaupt...
[...]
Aber das ist nicht der Punkt. Mir gehts darum, wie ich mich innerlich präparieren kann, daß ich guten Gewissens auch mal 2 oder 3 Gänge zurückschalten kann, daß ich also nicht immer nur gut dastehen und alles hinkriegen will. Vom Kopf her weiß ich natürlich, daß mir sowas niemand dankt.
Es ist also mehr ein psychologisches Problem als ein rechtliches.
Denn Arbeit extra langsam oder sogar fehlerhaft zu verrichten und dabei dann jeden Tag Bauchweh haben, das kanns ja auch nicht sein.

JacKy
Mir geht es da ähnlich. Ich habe einfach "Hummeln im Hintern" weil ich jede Sekunde denke *mein Gott, das hier ist meine LEBENSZEIT* und es sehr schwer schaffe, diese nicht konstruktiv zu nutzen. Ich habe mir selbst für diesen inneren Zwiespalt in den letzten Jahren/Jobs einen Trick "erarbeitet", und zwar versuche ich - je nach Möglichkeit im "Job" - mir ein oder mehrere Betätigungsfelder zu suchen, die mich persönlich interessieren und einigermaßen Spaß machen. Auch wenn ich das "heimlich" mache und es überhaupt nichts mit meiner eigentlichen Tätigkeit zu tun hat. Darauf konzentriere ich mich dann hauptsächlich und der "Job" kann dann getrost "nebenher laufen" oder auch gerne mal "schief gehen" :icon_mrgreen:... Denn insgeheim habe ich dann nach Dienstende für mich zumindest das Gefühl, dass meine Zeit nicht völlig vergeudet war sondern ich meine "Projekte" vorwärtsgebracht habe.

Leider war diese Strategie in der Vergangenheit bei mir nicht unbedingt von langfristigem Erfolg gekrönt, weil ich den AG meine "Motivationsverschiebungen" nicht allzu lange verheimlichen konnte. Daran muss ich wohl noch ein wenig feilen :icon_mrgreen:
 

flandry

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Hallo Jacky,
du musst zwar nicht Überstunden ohne Ende machen und die größten Rekorde in Akkordarbeit aufstellen,
aber deine Arbeit solltest du schon ordentlich erledigen. Ich denke, das bist du DIR SELBST schuldig.
Und: Lasse JEDEN Gedanken an Sabotage sein.

Schließlich erwartest du von der von Kapitalisten ausgebeuteten Verkäuferin in der Bäckerei, dass sie freundlich zu dir ist und dir statt halbdurchbackener Brötchen leckere, vollständig durchgebackene, verkauft.
 

redmouser

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Hallo @Jacky,

Du bist wie ich Ü50 . Da ist es Zeit, zu lernen, NEIN zu sagen, kompromisslos NEIN. Das muss man lernen, aber man kann es. NEIN und nichts anderes.


Halte Dir vor Augen, dass die meisten heutigen deutschen Unternehmer/Arbeitgeber Wesen sind, die vor Gier, Gemeinheit und faschistoidem Selektionsdenken kaum mehr laufen können.Wenn die Profit daraus scheffeln könnten, Menschen ganz zu vernichten, sie würden es tun.

Das ist eine erschreckende Entwicklung, die es noch nicht so gab, als wir jung waren. Wo es sich noch gelohnt hatte, fleissig zu sein, wo es sich zwar nicht um soziale Arbeitgeber handelte, aber doch um Menschen mit wenigstens etwas Empathie und Menschlichkeit. Vorbei.

Halte Dir das alles vor Augen, und sage Dir, bläue es Dir ein: Du kannst draufhauen, wie Du willst, am Ende zahlst DU drauf. Du gibst dein "bestes", und irgendwann, wir beide sind schon relativ alt und sicher auch viel anfälliger als früher, ist man verschlissen. Dann kommt der Herr Unternehmer NICHT und sagt: "Lieber Jacky, es tut mir ja so leid, du hast meiner Firma treue Dienste geleistet über lange Zeit, nun bin ich es, der Dir wirklich hilf"

Nein, der Herr Unternehmer sagt Dir dann:"Hau ab, du kostest mich Profit, ich will dich nie mehr sehen, und wenn du es wagst, hierzubleiben, ekele ich dich eben raus, vielleicht hast du ja dann nen finalen Infarkt"

Halte Dir das alles vor Augen, und irgendwann hat es "klick" gemacht.

Dieses Ergebnis eines älteren Lebens ist ja so was von richtig. Ich bin in einem hitlerfreundlichen Elternhaus gross geworden. Arbeitslosigkeit war die grösste Schande die man sich nur vorstellen konnte. Mit dieser Haltung wurde nach dem Krieg neu aufgebaut - von einer Generation deren Gehirne durch diesen rechten Herrenrasse-Dreck bis zur Unkenntlichkeit verbogen wurde. Diese verlorenen Kinder haben niemals ihr Traumata verarbeitet, sie sollten plötzlich Demokraten sein, den Bund fürs Leben schliessen, Kinder kriegen, Kinder schlagen und demütigen (ich muss mich für euch krummlegen) um den Frust am Kind auszulassen. Schläge mit dem Gürtel wegen nichts. Aber immer die Faust in der Tasche halten wenn einer mal was sagt! Dieser Einer war wohl das hässliche Männchen aus Österreich mit dem dämlichen Oberlippenbart. Ich muss mich korrigieren: Genauso schlimm neben "Arbeitsscheue" waren Schwule und Behinderte, auch als sog. "Deppen" genannt. Die gehören weg, das ist doch kein Leben, beim Hitler gab es so was nicht.

Das war das Klima damals. Aber dennoch......

Es ist aber tatsächlich so wie oben beleuchtet. "Früher" war die Arbeitswelt halbwegs erträglich. Sicherlich nicht immer leicht. Schaffte man körperlich schwere Arbeit, hatte man ein gewisses Ansehen und in der Regel ein gutes Einkommen und einen sicheren Arbeitsplatz. Existenzängste waren unbekannt. Lag vielleicht auch daran, dass der älteren Unternehmergeneration durch die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges bis ans Lebensende der Schreck in den Gliedern sass und sie menschlich mit den Mitarbeitern umgingen. Dann gab es für die Älteren, nicht mehr so leistungsfähigen, Schonarbeitsplätze um das reguläre Rentenalter erreichen zu können. Aber dann kamen die "Kinder" in die Führungsposition. Jetzt wehte ein anderer Wind. Sog. Beraterfirmen kamen und gingen und scherten sich einen Dreck um die sozialen Folgeschäden ihrer sogenannten Beratung. Aber man hat halt durchgehalten, man war so erzogen. Schliesslich gab es in der Hauptschule Rechenaufgaben wie: Arbeiter stellen Geräte her. Heute weiss ich warum die Dinge so und nicht anders hiessen. Aber was solls, die Kalkulation ging grösstenteils auf. Mein Vater, der im Tiefbau beschäftigt war, hat wirklich gebrasselt wie ein Tier - aber eben hauptsächlich für Andere. Anderen die Konten gefüllt und immer schön die Faust in der Tasche. Und der ist mit dieser armseeligen Haltung über 80 geworden. Dieser Mensch war ein Niemand, hatte keine Ausbildung aber beruflich eine Nische gefunden. Eine Familie geführt mit zwei Kindern und ein bescheidenes Eigenheim.

Und heute??? Lebensleistung gilt nichts mehr. "Dein nächster Arbeitsplatz ist draussen." Und das sagen mir dumme primitive und im wahrsten Sinne des Wortes asoziale Vorgesetzte. Ich weiss aus mehreren Gesprächen, dass man für solche Aufgaben (Wadenbeisser) gezielt Leute mit menschliche Defizite wählt. Diese schickt man auf Schulungen wo ihnen diese ganze Unmenschlichkeit nochmal so richtig antrainiert wird. Und die Chefs halten die schützende Hand über diese (Un)Menschen. "Ihr müsst mehr als 100% Leistung erbringen" Diesen mathematischen Unsinn darf man noch nicht einmal kritisieren sonst wird abgemahnt. Es wird gegenwärtig an sehr gefährlichen Schrauben des sozialen Friedes gedreht. Leider geht der Frust dann auf die nächst Schwächeren. Arbeitslose usw. Deswegen ist es richtig dass man die "Schönheit der Arbeit" sobotiert wo es nur geht.

Sorry, dieser Frustpost musste einfach sein........ Klasse Forum hier, weiter so!
 
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