Angehende Behördenmitarbeiter lernen das Leben mit Hartz IV kennen (1 Betrachter)

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Kaleika

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Soziale Kompetenz einüben
Angehende Behördenmitarbeiter lernen das Leben mit Hartz IV kennen Von Bernd Schneider
Bremen. Der Bürger als Bittsteller bei der Behörde - das ist nicht die Haltung, die Peter Schebb bei seinen Schülern erleben will. Weder in der Führerscheinstelle noch im Bürger Service-Center, in der Hartz-IV-Behörde Bagis, im Ausländer- oder Stadtamt. Angehende Verwaltungsfachangestellte und Fachangestellte für den mittleren Justizdienst haben jetzt einen "Seitenwechsel" hinter sich, einige sind dabei Obdachlosen, Ein-Euro-Jobbern und Behinderten erstmals näher gekommen.

Es waren nur Randbemerkungen bei Einzelnen in der Verwaltungsschule, die bei Peter Schebb und Verwaltungsschulleiter Holger Wendel die Alarmglocken ausgelöst haben: "Soziale Kompetenz und Bürgerorientierung sind keine Selbstgänger", sagt Wendel. "Dafür müssen wir was tun." Und er gibt vorsichtig zu verstehen: "Diese Klasse brauchte da einen Anstoß" - oder eine "Sensibilitätsübung", wie Lehrer Peter Schebb es nennt. Den Seitenwechsel hat die ganze Klasse mit 21 Schülern vollzogen, einen ganzen Tag lang.

Wie leicht der Weg von Arbeitslosigkeit über Scheidung und Alkohol in die Obdachlosigkeit führen kann, das haben Juliana und Bettina sich erst an diesem Tag richtig vor Augen geführt. Sie haben einen Wohnungslosen begleitet, der im Jacobushaus lebt und arbeitet. "Der will aus seiner Lebenssituation raus", sagt Juliana. Er habe überhaupt nicht gleichgültig und ungepflegt gewirkt, auch wenn man ihm angesehen habe, dass ihm soziale und finanzielle Sicherheit fehlten. Inzwischen stehe der Mann auf einer Warteliste für eine stationäre Therapie. Wegen Alkohol-Sucht. Überrascht war Juliana, wie viel Mühe sich die Wohnungslosen mit dem Besuch der Verwaltungsschüler gegeben hatten. Der Kaffeetisch wurde "mit den besten Tassen" gedeckt, "es sollte alles ganz schön sein für uns".

Diese positive Haltung passte auch so gar nicht zu dem Vorurteil, das Bettina anfangs hatte. "Ich hatte mir das alles schmuddeliger vorgestellt", sagt sie. "Ganz fürchterliche Gerüche" hatte sie im Jacobushaus erwartet. Am Ende sei es "eine ganz saubere Sache" gewesen. "Aber ich hatte eben ein ganz anderes Bild im Kopf." Am Ende ziehen beide Bilanz. "Für mich war das eine absolut positive Erfahrung", sagt Bettina. Und Juliana ergänzt: "Man hat wahrscheinlich bis an sein Lebensende ein Vorurteil, wenn man so eine Begegnung nicht mal hat." (...)
WESER KURIER online

(Link funzt nur am Erscheinungstag.
Am Beginn reicht er allein, später erscheint dann die Teitelseite des Weser Kurier und dann muss oben links auf Bremen geklickt werden, die entsprechende Überschrift aussuchen)

In den letzten Tagen erscheinen besonders viele Artikel über die Bremer BAgIS. Diesen finde ich besonders herzig-allerliebst!

Kaleika
 

Drueckebergerin

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Tolle Sache...Vorurteile, die von den Medien und Politikern jahrelang geschürt wurden abzubauen ist ja lobenswert.
Aber vielleicht sollte er seine Schüler auch mal losschicken, Hartz IV zu beantragen, damit sie mal am eigenen Leibe spüren, wie mit Menschen umgegangen wird?
 

desmona

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Tolle Sache...Vorurteile, die von den Medien und Politikern jahrelang geschürt wurden abzubauen ist ja lobenswert.
Aber vielleicht sollte er seine Schüler auch mal losschicken, Hartz IV zu beantragen, damit sie mal am eigenen Leibe spüren, wie mit Menschen umgegangen wird?
Jepp...oder einfach als "kompetenten" Beistand

...halllooo...diese Schüler sind "unsere" Kinder...ich kann mir auch beim Besten Willen nicht vorstellen, dass es unter den Schülern nicht einen gibt, der wenigstens im Familien- oder Bekanntenkreis betroffene Personen hat

Aber es ist trotzdem gut, was wenigstens ein Lehrer versucht...ich hoffe der behält sein Rückgrat
 

mercator

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Der Ansatz ist sicher nicht schlecht. Aber ob das hilft, um ein Leben mit Hartz4 kennen zu lernen? Das bezweifel ich.
 

Drueckebergerin

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Nö, dazu muß man es schon mehrere Monate "erleben" (mit allen Konsequenzen) und nicht mal eben eine Woche lang vom Tagessatz essen...
 

Paolo_Pinkel

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Hi,

beim ersten Hinsehen eine gute Sache. Erinnert mich an die Polizeiausbildung. Die Beamten die einen sog. Teaser tragen müssen den erst am eigenen Leibe testen um zu sehen wie die Wirkung ist.

Um einen bleibenden Eindruck bei den Zukünftigen ARGE-Schergen zu hinterlassen sollte so eine Erfahrung grundsätzlich für die Dauer der Probezeit (6 Monate) anhalten.

Auch interesant ist, dass diese sog. soziale Kompetenz erst erlernt werden muss. Sowas sollte eigentlich schon vorhanden sein wenn man auf die Menschheit losgelassen wird. Aber naja. ARGE eben. Der Name macht dieser grundgesetzwidrigen Zwitterbehörde alle Ehre.

Gruss

Paolo
 
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