Angebotene Gehälter von Unternehmen bei Vermittlungsvorschlägen durch die Agentur für Arbeit sind öfter weit unter dem Durchschnitt, ist das allgemein immer so?

Nervensache

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Hallo zusammen,

ich habe eine grundsätzliche Frage zum Gehalt bei Vermittlungsvorschlägen, Bewerbungen, ggf. anschließender Einstellung in Unternehmen.
Kurz mal die Rahmenbedingungen, arbeitslos, Mitte fünfzig, Gleichstellung gemäß § 2 Abs. 3 Sozialgesetzbuch IX.
Zu den zu vorgeschlagenen Jobs der AfA gibt es üblicherweise einen Marktüblichen Verdienst / Einkommen von XXXX,-€ bis XXXX,-€.

Die Firmen, welche auf dem Stellenportal der Arbeitsagentur ihre Stellenanzeigen veröffentlichen, haben sicher nicht immer das Wohl der Arbeitssuchenden im Blickpunkt, sondern möchten einfach sehr günstig, möglichst gut qualifizierte Arbeitskräfte akquirieren.
Nach 6 Monaten Arbeitslosigkeit, ist man gezwungen, sofern man keine Sanktionen riskieren möchte, jegliche geeignete Arbeit anzunehmen.
Wenn bei einem Bewerbungsgespräch die Gehaltsfrage angesprochen wird und man eine „übliche“ Summe im unteren Einkommensbereich nennt, daraufhin der potentielle Arbeitgeber einen roten Kopf bekommt und sich nur schwer beherrschen kann …
Anschließend bietet er ein Gehalt, etwa 50 % von dem zuvor genannten Betrag und erwähnt mal beiläufig, wenn dieses Angebot nicht passen würde, werde er der AfA mitteilen, dass ich den Job aufgrund des zu geringen angeboten Gehaltes abgelehnt habe - Sanktionen drohen (sofern keine anderen Gründe heranzuziehen sind).
Zusätzlich ist anzunehmen, dass man sich noch Zuschüsse (z. B. Einarbeitung, Behinderung, …) bei der AfA sichert, obwohl das ganz sicher nicht notwendig wäre.

Es geht hier nicht um die Frage, ob man arbeiten möchte oder nicht, sondern, dass es Unternehmen gibt die berechnend Menschen und Leistungen ausnutzen.

Meine Frage nun, gibt es Möglichkeiten dem zu begegnen, ohne Sanktionen befürchten zu müssen?

Im Voraus schon mal vielen Dank.
 

Kerstin_K

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Du musst keine Entlohhnung unterhakb deines ALGI akzeptieren.

Ausserdem gibt es noch sowas wie Sittenwidrigkeit.
 

Antihartzer19

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jegliche geeignete Arbeit anzunehmen.
Exakt formuliert : jede zumutbare Arbeit.
Und dies klärt hier der § 140 SGB III.
Den Lohn den Du akzeptieren musst hängt richtig von der Dauer der Arbeitslosigkeit ab. Aber es ist niemals weniger als Dein Arbeitslosengeld (Danke Kerstin_K) . Denke daran das Werbungskosten noch dazu kommen könnten. Und zur Zumutbarkeit gehört auch noch die Zeitdauer des Arbeitsweges.

Unzumutbare Stellen musst Du Dich weder bewerben noch hier Verträge unterzeichen.
Bewerben musst Du DIch also auf zumutbare VV mit RFB oder EGV.
 

BerndB

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Wenn bei einem Bewerbungsgespräch die Gehaltsfrage angesprochen wird und man eine „übliche“ Summe im unteren Einkommensbereich nennt, daraufhin der potentielle Arbeitgeber einen roten Kopf bekommt und sich nur schwer beherrschen kann …
Anschließend bietet er ein Gehalt, etwa 50 % von dem zuvor genannten Betrag und erwähnt mal beiläufig, wenn dieses Angebot nicht passen würde, werde er der AfA mitteilen, dass ich den Job aufgrund des zu geringen angeboten Gehaltes abgelehnt habe - Sanktionen drohen (sofern keine anderen Gründe heranzuziehen sind).
Bedenkzeit erbitten. Bei deinem Arbeitsvermittler fragen, ob das Gehalt für dich zumutbar ist. Damit hast du bei der AfA die Stelle auf jeden Fall nicht abgelehnt. Und auf keinen Fall vorschnell zusagen. Denn du kannst jetzt evtl. ablehnen, wenn das Gehalt zu niedrig ist. Wenn du aber einen Tag gearbeitet hast, gelten andere "Zumutbarkeitskriterien". Also nicht der frühere Verdienst, sondern höchsten Sittenwidrigkeit, körperliche Unzumutbarkeit usw.

Bedenke, dass der Vorschlag vermutlich nicht von deinem Vermittler, sondern vom Arbeitgeberservice kommt.
 

aldi110

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moin,

ich hab mir mal gerade den § 140 SGB III angesehen, da stellt sich mir eine Frage. In den ersten drei Monaten ist eine Minderung des Einkommens von 20 % nicht zumutbar, in den folgenden drei Monaten dann 30 %. Ich bin ja seit Januar arbeitssuchend, jedoch in einer beruflichen Fortbildung. Wie sieht es denn mit diesem Umstand aus? Die Fortbildung gliederte sich in Präsenz- und Selbstlernphasen, im Zeitraum von Januar - Mai waren es 14 Wochen (inkl. 4 Wochen Praktikum). Was wäre denn in meinem Fall zumutbar?

sorry, aber der Beitrag passt gerade wie die Faust aufs Auge :)

gruß Aldi
 

Nervensache

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Erst einmal vielen Dank.

Es gibt schon seltsame Zufälle, natürlich ist das Gehalt nicht geringer als das Arbeitslosengeld (die ersten 6 Monate sind natürlich schon vorbei).
Sittenwidrig (?), man gibt doch einen „alten Sack“, der sowieso keinen Job mehr bekommt, eine Chance …
 

BerndB

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Es gibt schon seltsame Zufälle, natürlich ist das Gehalt nicht geringer als das Arbeitslosengeld (die ersten 6 Monate sind natürlich schon vorbei).
Dann musst du mal überlegen, ob durch einen wesentlich längeren Anfahrtsweg oder durch andere Bedingungen zusätzliche Kosten entstehen, was die Arbeit evtl. (?) doch noch unzumutbar macht. Ansonsten ...
 

Curt The Cat

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Hallo Nervensache,

Ich möchte dir Forenregel 11 in Erinnerung bringen, immer eine aussagekräftige Überschrift für neue Themen zu erstellen.
Ein ganzer Satz oder eine vollständige Frage, die sich auch auf den Inhalt deines Erstpostings, bzw. dein Anliegen bezieht, soviel Zeit sollte sein.
Ergänzend verlinke ich auf Forenregel #11 und den Hinweis der Administration dazu...

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Buerosklave

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Anschließend bietet er ein Gehalt, etwa 50 % von dem zuvor genannten Betrag und erwähnt mal beiläufig, wenn dieses Angebot nicht passen würde, werde er der AfA mitteilen, dass ich den Job aufgrund des zu geringen angeboten Gehaltes abgelehnt habe - Sanktionen drohen (sofern keine anderen Gründe heranzuziehen sind).
Zusätzlich ist anzunehmen, dass man sich noch Zuschüsse (z. B. Einarbeitung, Behinderung, …) bei der AfA sichert, obwohl das ganz sicher nicht notwendig wäre.

Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich würde den Herrn fragen, was er denn von entsprechenden Zeitungsartikeln hält, in denen die Kundschaft der Firma erfährt, welche Gebaren die Firma an den Tag legt und daß sie sich offenbar das Personal auf Kosten der Allgemeinheit finanzieren lässt. Das ist zwar nicht wirklich neu, aber keine Firma kann es sich leisten, dass sowas ausgerechnet über sie bekannt wird (bekanntlich sind immer nur die Anderen die Bösen)...
 

Matt45

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Gehalt ist von sehr vielen Faktoren abhängig und muss individuell angepasst werden.

Ist für mich ein sehr großer Unterschied ob einer 1 Euro oder 100 Euro Fahrtkosten im Monat hat zuzüglich Familienstatus/Kinder.

Ich kenne sehr viele Aufstocker(Familien), da passt der Lohn/Tarif gar nicht mehr und die Menschen bleiben trotzdem beim JC.

Das Thema Gehalt ist für mich ein viel größeres Thema.
 

Tripod

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Hallo auch!

ich habe eine grundsätzliche Frage zum Gehalt bei Vermittlungsvorschlägen, Bewerbungen, ggf. anschließender Einstellung in Unternehmen.
Kurz mal die Rahmenbedingungen, arbeitslos, Mitte fünfzig, Gleichstellung gemäß § 2 Abs. 3 Sozialgesetzbuch IX.
Zu den zu vorgeschlagenen Jobs der AfA gibt es üblicherweise einen Marktüblichen Verdienst / Einkommen von XXXX,-€ bis XXXX,-€.
Besser also man findet selbst was, ohne Frage - wenn man den üblichen Schmutz von der AfA schon bekommt, muss man da natürlich rührig werden. Ich hab übe deren Angebote aber nie eine Anstellung bekommen, fraglich ob die überhaupt ernst gemeint waren - ich halte die ganze Behörde (abzüglich des Füllhorns der Leistungsabteilung) für ein Einrichtung in Anlehnung an Asterix und Obelix (das Haus das Verrückt macht)

Die Firmen, welche auf dem Stellenportal der Arbeitsagentur ihre Stellenanzeigen veröffentlichen, haben sicher nicht immer das Wohl der Arbeitssuchenden im Blickpunkt, sondern möchten einfach sehr günstig, möglichst gut qualifizierte Arbeitskräfte akquirieren.
Das gilt für jedes vernünftige Unternehmen, Ziel eines Unternehmens (sollte) die Gewinn Erzielung sein, nicht das Wohlbefinden der Mitarbeiter (letzteres dient lediglich ersterem), deshalb heißt es Unternehmen und nicht Behörde. Hat schon mal jemand über VV Jobs im Jobcenter angeboten bekommen?, Falls nein, warum wohl nicht.
Die Akquise über die Seiten des Jobcenters wird (vermutlich) genutzt, wenn es darum geht Geld zu sparen (auch Akquise kostet), wenn Beihilfen mitgenommen werden sollen, oder in Ausnahmen, wenn man "Arbeitslosen (auch) eine Chance geben will", was durchaus gut gemeint sein kann.

Nach 6 Monaten Arbeitslosigkeit, ist man gezwungen, sofern man keine Sanktionen riskieren möchte, jegliche geeignete Arbeit anzunehmen.
Wenn bei einem Bewerbungsgespräch die Gehaltsfrage angesprochen wird und man eine „übliche“ Summe im unteren Einkommensbereich nennt, daraufhin der potentielle Arbeitgeber einen roten Kopf bekommt und sich nur schwer beherrschen kann …
Anschließend bietet er ein Gehalt, etwa 50 % von dem zuvor genannten Betrag und erwähnt mal beiläufig, wenn dieses Angebot nicht passen würde, werde er der AfA mitteilen, dass ich den Job aufgrund des zu geringen angeboten Gehaltes abgelehnt habe - Sanktionen drohen (sofern keine anderen Gründe heranzuziehen sind).
Zusätzlich ist anzunehmen, dass man sich noch Zuschüsse (z. B. Einarbeitung, Behinderung, …) bei der AfA sichert, obwohl das ganz sicher nicht notwendig wäre.
Wenn man per VV verkauft wird, kann man m. E. davon ausgehen, das die eigene Qualifikation nur noch die Hälfte wert ist - deshalb sucht man sich besser selbst was (egal was). Wenn mich jemand bedrohen würde, müsste ich das allerdings werten, wie wenn er im Bewerbungsgespräch die Hosen herunter lassen würde - das ist kein akzeptables Geschäftsgebaren und begründet kein für die Zusammenarbeit notwendiges Vertrauensverhältnis.

Es geht hier nicht um die Frage, ob man arbeiten möchte oder nicht, sondern, dass es Unternehmen gibt die berechnend Menschen und Leistungen ausnutzen.

Meine Frage nun, gibt es Möglichkeiten dem zu begegnen, ohne Sanktionen befürchten zu müssen?

Im Voraus schon mal vielen Dank.
Hier gibt es, dankenswerter Weise, immer mit der legalen Auslegung solcher Fragen befasste Leute.
Ich denke das hat auch damit zu tun, wie Sanktionsfixiert das jeweilige Center/ der Jeweilige SB gerade ist. Wenn es um ein ernstgemeintes Angebot geht und die Bedingungen Akzeptabel sind (was es ja auch geben wird) kann man sich das ja ansehen - ansonsten geht es immer auch um die Frage ob man einer Tätigkeit gesundheitlich gewachsen ist. Man muss auch immer auf der Rechnung haben, das VV der Jobcenter häufig neben der Spur liegen und man sich fragen muss, ob das einer Systematik entspringt, die eher darauf angelegt ist den Bewerber vorzuführen, als ihn in Arbeit zu bringen. Deshalb ist es in jedem Falle besser, man findet selbst was.
 

Lelek

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Die Jobbörse der AfA ist ein sehr ungenaues, oftmals sogar verzerrtes Abbild des Arbeitsmarktes. Begriffe wie "Durchschnitt" sind daher nur bedingt anwendbar.
 

saurbier

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s gibt schon seltsame Zufälle, natürlich ist das Gehalt nicht geringer als das Arbeitslosengeld (die ersten 6 Monate sind natürlich schon vorbei).
Sittenwidrig (?), man gibt doch einen „alten Sack“, der sowieso keinen Job mehr bekommt, eine Chance …

Also ich würde mich beim ALG-I als Grenze nur für die ersten Monate beschränken wollen, denn nach unten hat der Gesetzgeber ja den Mindestlohn eingeführt und der stellt immer die unterste Grenze dar, das wären dann bei ca. 162 Std./mtl. und aktuell 9,35 € immerhin Brutto 1.514,70 €/mtl..
 

Buerosklave

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Kommt halt immer auf die Gesamtkosten in Zusammenhang mit dem Job an. Ich kann es durchaus verstehen, wenn jemand nicht bereit ist, zum Mindestlohn jeden Tag 2,5h im Auto zu sitzen oder mit dem Uralt-Auto eine dreistellige Kilometerzahl zu fahren. Und zynischerweise scheinen insbesondere die menschenverschleißenden Branchen wie Callcenter es als selbstverständlich anzusehen, dass ihr potenzielles Frischfleisch derartige Arbeitsbedingungen mit Kusshand anzunehmen hat. Bisher hat mir noch keine derartige Firma erklären können, warum ich täglich 140km fahren sollte, wenn nicht mal die vor Ort wohnenden Leute diesen Job machen wollen,weil der Lohn zu gering ist.
 
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