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amtlich angeordnete Weiterbildung mit Ziel Vermittlung in Vollzeitjobs?

jockel

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So sieht amtlich angeordnete Weiterbildungsverklapsung und asozial von der Privatwirtschaft organisierte Ausplünderung arbeitslos gemachter Fachkräfte aus, um sie ins Lohndumping zu pressen.

So hilft die Bürokratie der Arbeitsagenturen und Jobcenter dubiosen Bildungs- und Maßnahmeträgern dauerhaft sich über Wasser zu halten.

Von wegen Marktwirtschaft ist eine Auslese zwischen guter und schlechter Privatwirtschaft.

MDR-Sendung aus der Reihe "exakt" vom 14.05.2014, 20.15

Weiterbildung statt Job – Die Tricks der Bildungsträger

Stellenausschreibungen werden als Lockmittel für den Weiterbildungsmarkt eingesetzt. Um an Kursteilnehmer zu gelangen, greifen die Bildungsträger zu dubiosen Mitteln. Ziel ist das Geld aus staatlichen Qualifizierungsprogrammen, das die Bildungsträger in Form von Bildungsgutscheinen der Arbeitsagentur einstreichen.

Der Weiterbildungsmarkt ist hart umkämpft, allein in den letzten elf Jahren ist die Zahl der Bildungsträger von 32.000 auf 40.000 gestiegen. Deshalb bleibt bei vielen Weiterbildungsmaßnahmen auch das Niveau auf der Strecke. Besonders hart traf es André Schädlich. Der gelernter Baumaschinenführer und Gewerkschafter war vor kurzem selber Teilnehmer in so einem Kurs. Eigentlich hatte er gedacht, dass er sich auf ein ganz normales Stellenangebot bewirbt, das er auf den Internetseiten der Arbeitsagentur gefunden hatte. Dass sich dahinter eine Weiterbildung verbirgt, war ihm und einigen seiner Kollegen nicht klar. Bevor er den angeblich sicheren Job antreten konnte, sollte er nur noch eine kurze Weiterbildung absolvieren - so verstand es jedenfalls André Schädlich.

"Da hat man dann gesagt, dass ich hervorragende Qualifikationen habe. Und um unkündbar zu werden in diesem Job müsste ich noch eine Qualifikation ablegen in GPS, ATS, UTS. Was es nicht alles gibt, weil ist der neueste Marktschrei und wenn man das noch hat, dann ist man absolut unkündbar."

André Schädlich
Andre Schädlich unterschrieb bei dem Bildungsträger, dem Berufsförderungswerk (BFW) Bau Sachsen e.V. und war schon bald ernüchtert. Denn von Anfang an, so sagen André Schädlich und seine Kollegen, wurde kaum etwas von dem geboten, was ihnen angekündigt worden war. Das BFW Bau Sachsen kassierte etwa 75.000 Euro von der Arbeitsagentur über die sogenannten Bildungsgutscheine der Teilnehmer. Die Kursteilnehmer erhielten kaum neues Wissen, stattdessen bestimmte Langeweile ihren Kursalltag. "Da hat man sich halt draußen dann hingesetzt mit drei, vier Mann und hat sich unterhalten, hat die BILD-Zeitung durchgelesen", erzählt Marco Ritter, selbst einer der Kursteilnehmer. Mittags wurde gegrillt und bei schlechtem Wetter hat man mit dem Handy gespielt, berichtet der gelernte Baumaschinenführer.

Die Masche mit dem Stellenangebot als Lockmittel für eine Weiterbildungsmaßnahme ist bekannt in der Weiterbildungsbranche, erklärt eine Insiderin, die jahrelang selber Kurse für Bildungsträger füllen musste. Für die sächsische Bildungspolitikerin Eva Maria Stange (SPD) ist der Wildwuchs ein Problem. Die Maßnahmen, die bei Beschäftigungsträgern stattfinden, sollten noch enger kontrolliert werden, fordert die Politikerin.

André Schädlich wurde nach ein paar Wochen aus der Weiterbildung rausgeworfen. Er hätte die Maßnahme gestört, behauptet der Bildungsträger. Jetzt klagt er gegen die Kündigung, damit nicht Teile seines ALG 1 gestrichen werden.

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2014, 00:04 Uhr

Die absurdesten Sinnlos-Maßnahmen

  • Spazieren gehen in Quedlinburg: Bewegung und frische Luft sollen die Teilnehmer der Maßnahme "AtivFit" angeblich fit machen für den Arbeitsmarkt.
  • Drei Monate lang Stricken: In diesem Kurs in Marienberg soll die Fingerfertigkeit trainiert werden.
  • Stundenlang Kaffeetrinken: Teilnehmer eines Kurses für Baumaschinenführer in Leipzig wurden aus Langeweile zu den besten Kunden der Kantine.
  • Trickfilme gucken: In der Qualifizierungsmaßnahme "AktivFit" machen die Teilnehmer ihr eigenes Programm.
  • In der Sonne liegen: Eigentlich sollten die Teilnehmer anspruchsvolle Baumaschinen bedienen lernen. Aber sie können, unfreiwilliger Weise, auch das schöne Wetter genießen.
  • In der Sonne liegen: Eigentlich sollten die Teilnehmer anspruchsvolle Baumaschinen bedienen lernen. Aber sie können, unfreiwilliger Weise, auch das schöne Wetter genießen.
  • Grillen statt Büffeln: Selbst mit der Zubereitung des Mittagessens kann man ein paar Stunden füllen.
MDR vom 29.01.2014, 20.15 exakt - Die Story: Die Weiterbildungsindustrie - Geschäfte mit dubiosen Maßnahmen

Es ist nicht Absicht und Zweck der Arbeitsagenturen und Jobcenter den jobsuchenden Erwerbslosen zu helfen, in tariflich bezahlte oder in orts- bzw. branchenüblich bezahlte Vollerwerbsarbeit zu vermitteln, sondern die Finanzmittel der Weiterrbildung in die Hände der Weiterbildungsmafia zu spielen. Da ist es auf einmal nicht mehr eine Ermessensleistung, sondern eine unter Sanktionsandrohung der Ämter angeordnete Pflichtleistung für die Erwerbslosen. So sieht die Bildungspolitik der Großen Koalition in der Realitägt aus.

Die arbeitslos gemachten Fachkrfte gibt es im eigenen Lande, nur
anständig zu existenzsicheren Bedingungen will man die Erwerbslosen von Seiten der Politik, der Bürokratie und vor allem der Privatwirtschaft nicht leben lassen.

So auch die Einschätzung vom Ulrich Schneider (Hauptgeschäftsführer "Paritätischer Wohlfahrtsverband") in der gestrigen Sendung "Menschen bei Maischberger" unter dem Titel Das neue Hartz IV: Härter, aber fairer?

Es ging um die Hartz-IV-Reformkommission des Bundes und Länder

http://www.neues-deutschland.de/artikel/925386.geheimsache-hartz-iv-reform.html

Ulrich Schneider (Hauptgeschäftsführer "Paritätischer Wohlfahrtsverband")

Die Hartz-IV-Reformpläne sind "menschenfern", kritisiert der Sozialexperte, der in den Reformen hauptsächlich eine Verschlechterung der Situation für Leistungsempfänger sieht. "Wenn künftig die Miete auf einem bestimmten Niveau gedeckelt oder bei Terminversäumnissen die Zahlungen komplett gestrichen werden, ist das eine unzumutbare Verschärfung", warnt Ulrich Schneider.
Und welche Hetzerin gegen Arbeitslose saß dort auch rum?

Rita Knobel-Ulrich (Autorin und Filmemacherin)

"Ich halte es für die Grundpflicht eines jeden Arbeitslosen, sich zu bewegen und so schnell wie möglich neue Arbeit zu finden", sagt die Autorin. Allerdings habe sie bei ihren Recherchen über Langzeitarbeitslose allzu oft Ausflüchte gehört, warum ein Job nicht angetreten werden könne. In ihrem Buch "Reich durch Hartz IV" beschreibt Rita Knobel-Ulrich, wie um das Sozialsystem eine ganze Industrie entstanden sei. Unzählige Fortbildungsinstitute, Rechtsanwälte und Tafeln verdienen kräftig an den Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.
 
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