als ALG 2 Empfänger Haus (mit Schulden und Co. darauf) erben? (1 Betrachter)

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densch

Gast
Hallo,
es ist zu erwarten dass ich früher oder später ein Haus erben werde. (ich bin der Enkel des Erblassers)
Wert nehmen wir mal 70000 an.
Allerdings sind 25k unbezahlte Grundschuld. Zudem hat der Erblasser wiederum noch Ansprüche gegen den zukünftigen Erben über 18k Euro.

Es sind bzgl. Erbeallerdings noch 3 Pflichtteilsberechtigte Kinder da, 2 davon erhalten Bares und für das 3. Kind ist in Anrechnung auf den pflichtteil ein lebenslanges Wohnrecht im Grundbuch einzutragen , Kind trägt lediglich die üblichen monatlichen Nebenkosten.

Jetzt würde mich einmal interessieren:
Wenn ich nun als Hartz 4 Empfänger erbe, muss ich das ja angeben.
Nun können die aber, so wie sich das liest, nicht einfach die 70000 Euro Hauswert ansetzen.

So wie ich das sehe, sind ja zum Todeszeitpunkt dann an Vermögen da:
70000-25000+18000=63000 Euro, eben gebunden in Form des Hauses.

Was würde dann Jobcenter von diesen 63000 Euro noch Alles abziehen bevor es das "anzurechnende Einkommen" ermittelt hat?

Bspw. auf der Seite https://hartz4widerspruch.de/erbschaft-bei-hartz-4/ liest man:

"Erstmal kann nur der Teil des Erbens berücksichtigt werden, der dir auch tatsächlich zur Verfügung steht. Das bedeutet, dass alle Aufwendungen, die du im Zusammenhang mit der Erbschaft hattest hiervon abgezogen werde müssen. Zu diesen Aufwendungen zählen die Erbschaftssteuer, eventuell noch bestehende Schulden des Erblassers aber auch die Bestattungskosten."

Jetzt stellt sich mir natürlich primär die Frage ob es hier nun irgendwie eine fixe Liste an Sachen gibt, die berücksichtigt werden. Oder ob hier wirklich der Grundsatz gilt: "Nur was dem Erben letztlich nach Abzug aller Kosten Bares noch üblich bleibt wird angerechnet" ?


Denn so gesehen könnte man auch die 2 Pflichtteile anrechnen sowie das den Verkaufswert des Hauses wohl durchaus schmälernde Wohnrecht berücksichtigen.
Können im Prinzip die zeitgleich mit dem Erbe entstehenden Pflichtteilsansprüche irgendwie gegengerechnet werden?

Gibts da irgendwelche Richtlinien was angerechnet wird oder auch nicht?



Was mich auch noch etwas verwirrt:
Gegeben dass also das anzurechnende Erbe ermitelt ist.

so wie man das liest, werden (entsprechende Erbhöhe vorausgesetzt) zuerst das Geld irgendwie als einmaliges Einkommen angerechnet und auf 6 Monate verteilt.
Und was dann noch übrig ist nach den 6 Monaten, soll wiederum als Vrmögen angerechnet werden.
oder so.

Kann mir das jemand erklären?

Dass nicht alles im Folgemonat angerechnet wird, soll ja dazu dienen dass man zumindest etwas Hartz 4 kriegt und damit den versicherungsschutz nicht verliert.

Aber wie ist das nun, wenn ich sagen wir 600 Euro insgesamt Hartz 4 kriege und das anzurechnende Erbe 25k sind.
Dann würde ja selbst auf 6 oder 12 Monate verteilt das Erbe mit rund 2000 Euro pro moant meinen Hartz 4 Bedarf weit übersteigen.

Würde dann nicht trotzdem das hartz 4 wegfallen und ich würde die 6 oder 12 Monate unter Anderem auch ohne Versicherungsschutz dastehen?
Oder wie ist das zu verstehen?


Und wie wird da dann eigentlich dieser Restbetrag nach den 12 Monate gefunden, ich dachte, das Erbe wird shcon komplett in den ersten 12 Monaten angerechnet?

Ich blicke da nicht ganz durch, kann mir das Jemand bitte genauer erklären?
 

Zerberus X

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Keiner von all deinen Wünschen wird erfüllt.:wink:

Solange das ganze Haus nicht zu Bargeld gemacht werden kann,bekommst Du ALG 2 auf Darlehensbasis aber frag mich nicht wie lange.
 

TazD

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Gehe ich recht in der Annahme, dass es ein Testament gibt?
 
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densch

Gast
Gehe ich recht in der Annahme, dass es ein Testament gibt?
Das tust du! :)

Hier bin ich als Erbe eingesetzt und die 3 kinder als Pflichtteilsberechtigte.
Wobei einem davon in Pflichtteilsanrechnung dieses Wohnrecht am Haus+Grundstück vermacht wird.
 

TazD

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Hier kommen Sozial- und Nachlassrecht zusammen. Beruflich bedingt, bin ich in letzterem sattelfester, aber es ergänzen bestimmt auch noch andere was zum Sozialrecht.

Grundsätzlich ist der gesamte Nachlass abzgl. der Nachlassverbindlichkeiten im Zeitpunkt des Erbfalls als Einkommen zu bewerten. Entscheidend ist wiederum der Zeitpunkt des tatsächlichen Zuflusses. Dies ist auch der Termin, an dem eine Anrechnung und Verteilung auf 6 Monate stattfindet. Mit den genannten ca 25.000,- € werden dir die Leistungen eingestellt und der Leistungsbescheid wird dann zum Zeitpunkt des Zuflusses aufgehoben. In der Konsequenz musst du dich ab dem Zeitpunkt selbst versorgen und auch insbesondere deine KV selbst zahlen. Das, was nach den 6 Monaten übrig ist, ist dann dein Vermögen.
Übersteigt dieses Vermögen deinen Freibetrag, dann brauchst du gar nicht erst einen erneuten Antrag stellen. Der wird ja ohnehin abgelehnt, weil du über den Vermögensgrenzen liegst.

Was vom Nachlasswert abgezogen werden kann, hast du ja eigentlich selbst schon herausgefunden. Relevant für das JC und die Anrechnung ist der reine Nachlasswert, also eben das was nach Abzug aller Verbindlichkeiten übrigbleibt. Erbschaftssteuer dürfte nicht wirklich relevant sein, weil der Freibetrag bei 200.000,- € liegt. Ansonsten können die Grundschulden, die Pflichtteile, evtl. Vermächtnisse, Beerdigungskosten, Krankenkosten des Erblassers, etc. abgezogen werden.

Mir stellt sich allerdings die Frage, wie du die Pflichtteile bedienen willst? Dafür müsste ja Bargeld vorhanden sein und davon lese ich im Eingangsbeitrag nichts.
 
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densch

Gast
(...)

Relevant für das JC und die Anrechnung ist der reine Nachlasswert, also eben das was nach Abzug aller Verbindlichkeiten übrigbleibt. Erbschaftssteuer dürfte nicht wirklich relevant sein, weil der Freibetrag bei 200.000,- € liegt. Ansonsten können die Grundschulden, die Pflichtteile, evtl. Vermächtnisse, Beerdigungskosten, Krankenkosten des Erblassers, etc. abgezogen werden.

Mir stellt sich allerdings die Frage, wie du die Pflichtteile bedienen willst? Dafür müsste ja Bargeld vorhanden sein und davon lese ich im Eingangsbeitrag nichts.
Das heißt, auch die 2 Pflichtteile und Wohnrecht gehen in die Berechnung ein?

War mir da nicht sicher ob das unter das Nachassthema fällt.
Oder ob die Ansprüche der Pflichtteilsberechtigten noch einmal separat geführt werden neben dem Erben des Hauses.

Weil so wie ich mal gehört habe, erbe ich ja einerseits das Haus.
Und andererseits haben davon unabhängig die Kinder noch mal separat die Pflichtteile von mir zugut, also separate Ansprüche gegen mich.

Insofern, in guter, alter Jobcenter Manier, hätte ich erwartet, dass die die separten Pflichtteilsanprüche, aka Verbindlichkeiten, komplett ignorieren und nur auf das große geerbte Guthaben gucken.


Klar, aktuell hätte ich kein Geld um die Pflichtteile auszubezahlen.
Aber es weiß zurzeit im Prinzip auch keiner so wirklich, was das Haus/Grundstück wirklich wert ist und wie viel Geld die Kinder von daher genau zugut hätten.

Das müsste nach dem Tod wohl erst ein ausgiebiges Gutachten klären.

Aber so rein vom Jobcenter her könnte es dann ja durchaus sein dass letztlich mit Pflichtteilen, Wohnrecht und Co. gar nicht mehr so viel nachlasswert zum Anrechnen übrigbleibt.

Ich meine, selbst wenn wir jetzt mal von ner theoretischen Miete von 200 Euro ausgehen und ner Restlebenserwartung des Wohnrechterhalters von noch 40 Jahren, könnte man so Pi mal Daumen nen Mindestwert des Wohnrechts von 200*12*40=96000 Euro ansetzen.

Wenn ich das in Abzug setze vom anfänglichen Hauswert (angenommen 75000,mal alle anderen Sachen aussen vor), dann ist der reine Nachlasswert ziemlich bei 0, oder?

Aber Sinn macht es schon die Pflichtteile anzurechnen.
Schließlich geht mit dem Annehmen des Erbes auch die Übernahme der Pflichtteilsauszahlung einher.
Genauso wie die Verpflichtung, alle Kosten rund um Tod und Beerdigung zu zahlen.
 

TazD

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Sowohl Pflichtteilsansprüche als auch das Wohnrecht werden in Abzug gebracht.

Die Pflichtteilsansprüche betragen übrigens die Hälfte der Ansprüche nach gesetzlicher Erbfolge. Wenn also drei Kinder vorhanden sind und kein Ehegatte mehr, dann würde die gesetzliche Erbquote bei 1/3 liegen und somit der Pflichtteilsanspruch bei 1/6.

Für die Berechnung des Wertes des Wohnrechts wird das GNotKG zugrunde gelegt. Bei einer Monatsmiete von 200,- € ergibt das einen Jahreswert von 2.400,- € und wie dieser hochgerechnet wird, ist vom Lebensalter des Wohnrechtsinhabers abhängig. Das Maximum ist der 20fache Wert des Jahreswerts.
 
D

densch

Gast
Für die Berechnung des Wertes des Wohnrechts wird das GNotKG zugrunde gelegt. Bei einer Monatsmiete von 200,- € ergibt das einen Jahreswert von 2.400,- € und wie dieser hochgerechnet wird, ist vom Lebensalter des Wohnrechtsinhabers abhängig. Das Maximum ist der 20fache Wert des Jahreswerts.
Hast du da einen bestimmten Paragraphen dazu, speziell zu der Einschränkung mit dem 20fachen Wert?

Beziehst du dich da auf § 52 GNotKG?

@TazD:
Ich habe gerade mal eine theoretische Überschlagsrechnung gemacht.
Kannst du mir sagen ob die so hinhauen könnte?

Hauswert angenommen 75000, darauf 25k Grundschuld aber auch 18k Geldanspruch.

Das sind 75000-25000+18000=68000

Unkosten Für Beerdigung und Co. seien um die 8000 Euro.

verbleiben 60000 Euro Erbe.

Pflcihtteile sind 2*(60000/6)=20000

Wohnrecht sind laut KNotKG auf 10 jahre anzusetzen (wäre der Wert für den für mich relevanten Fall), wäre
10*12*300 Euro=36000
habe mal 300 Euro theoretische Miete angenommen, so ein ganzes Haus mit Grundstück dürfte ja wohl seine 300 Euro im Monat an Miete wert sein :)

Macht also nach Abzug der Pflichtteile:
60000-20000-36000=4000 Euro

Sind 4000 Euro Nachlasswert.

Da das Hartz 4 für einen Monat übersteigend, aufteilen auf 6 Monate:
rund 666,66 Euro Anrechnung pro Monat.

Freibeträge gibt es da ja leider keine beim Einkommen :-/
Insofern fiele für die 6 Monate das Hartz 4 flach.

Selbst wenn ich nach den 6 Monaten noch das komplette Geld übrig hätte, hätte ich wegen des Freibetrags von 3900 Euro (bin 26) ganze 100 Euro "Vermögen" zum Anrechnen.
Also praktich gar keine Anrechnung mehr.

könnte das so hinkommen?
 

TazD

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Hast du da einen bestimmten Paragraphen dazu, speziell zu der Einschränkung mit dem 20fachen Wert?

Beziehst du dich da auf § 52 GNotKG?
Ja, § 52 GNotKG ist da einschlägig.

Zur Berechnung dürfen andere was sagen, da bin ich nicht ganz so fit.
 
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