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Alltag und Repression in der DDR

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Mario Nette

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#1
Alltag und Repression in der DDR

Vortrag in einer Veranstaltungsreihe zum 20. Jahrestag des Mauerfalls

von Anne Seeck

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Mario Nette
 

Merkur

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#2
Die DDR-Führung versuchte die sozialen Probleme des Alkoholkonsums totzuschweigen. Beim Spirituosenverbrauch nahm die DDR 1987/88 den Spitzenplatz ein. Es wurde auch ein Nord-Süd-Gefälle festgestellt, im Süden wurde mehr Bier, im Norden mehr Spirituosen getrunken. Beim Bierverbrauch lag die DDR im Weltmaßstab ab 1980 an zweiter Stelle.
:icon_klatsch::confused:
In der DDR waren sie alle besoffen und nun sind nüchtern geworden,
20 Jahre nach dem Mauerfall.
Und :
Die DDR war eine geschlossene Gesellschaft,
Es gab noch nicht mal H4 oh je die Unterschichten
Auch die Altersarmen kann man zur Unterschicht in der DDR zählen, meistens waren es Frauen. Frauen mit weniger als 15 Arbeitsjahren erhielten 300 Mark
:icon_daumen: Da hat der Osten aber eine großen Fortschritt gemacht mit 323 und 359 Euro H4 :icon_knutsch:
 

galadriel

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#3
Auch die Altersarmen kann man zur Unterschicht in der DDR zählen, meistens waren es Frauen. Frauen mit weniger als 15 Arbeitsjahren erhielten 300 Mark


Hmmm, dafür haben wir aber nur wenig Miete gezahlt.
Bei mir waren es für ne Wohnung mit Kinderzimmer um die 24 Mark.
Die Lebensmittel waren auch "erschwinglich".
Brot zum Beispiel 0,52 oder 0,78 Mark.

Ich weiss, ich weiss, dafür waren wir eingesperrt und drangsaliert.
Und es gab von nichts nichts.

Ruhiger haben wir aber allemal gelebt.
 

Erolena

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#4
Nach den Aufbruchzeiten 1989/90 ist das deutlich selten geworden, dass sich jemand in der Öffentlichkeit so umfassend mit der DDR-Gesellschaft befasst. (Für die Bundesrepublik empfinde ich dieses Manko genauso.)

Die Gründe für die Erlahmung der Debatte benennt die Autorin. Für mich ist der wichtigste davon: dort wo nur Delegitimation betrieben und "erwartet" wird, ist das Interesse gering und die Mitwirkung hält sich in Grenzen. Jedenfalls in Sachsen, wo die offizielle Vergangenheitsdarstellung fast zu 100% in den Händen der "Totalitarismustheoretiker" ist. Diese Geschichtspolitiker staunen über die geringen Resonanz. Aber es ist Erfahrung, auch wenn der junge Zuhörer im einzelnen gar nicht weiß, wie ein ausgewogeneres Bild aussehen sollte, er lehnt Geschichte oft ab, wenn sie so glattgebügelt daherkommt. Da meine ich nicht den Artikel sondern die offizielle Geschichtspolitik hier.

Zum Artikel möchte ich zwei Dinge kritisch anmerken, einiges illustrieren aus meiner Erfahrung. Es ist etwas lang, aber vielleicht interessiert es trotzdem einige. Für die Länge bitte ich um Entschuldigung.

Altersarmut
Auch die Altersarmen kann man zur Unterschicht in der DDR zählen, meistens waren es Frauen. Frauen mit weniger als 15 Arbeitsjahren erhielten 300 Mark, Frauen mit mehr als 15 Arbeitsjahren einen Mindestbeitrag von 300 bis 370 Mark.
Schade, das hätte mich näher interessiert. Hier wäre es wichtig, andere Verdienste oder die Lebenshaltungskosten gegenüberzustellen. Sonst sagen die Summen nicht so viel aus. Ja, es war eine Katastrophe, wenn die Mindestrentnerin mal einen 50 Mark-Schein nicht mehr fand. Das ist in Büchern und in Filmen gezeigt worden, wie der Untermieter, meist ein Student, nach dem Schein suchen musste oder irgendeiner, der gerade an der Wohnungstür klingelte.
Erzählt wurde mir von einer Beteiligten, bei solchen Rentnerinnnen waren Leute Klinkenputzen, ob sie nicht ihre (viel) zu großen Wohnungen aufgeben könnten, um für Familien Platz zu machen. Wäre heute kein Problem, das regelt sich über den Mietpreis. Damals war die Miete für diese Witwen kein Grund, sie blieben in den Wohnungen.
(Das ist eben ambivalent, mit den billigen Mieten.)
Und die lahme Wohnungsverwaltung, das kennt wohl jeder aus der DDR. Da standen zig Wohnungen im normalen Altbau leer. In meinem Haus mit ca. 8 Whg. waren es mind. 4 zur gleichen Zeit. Da bewegte sich Monatelang nichts in der Wohnungsverwaltung der Stadt, obwohl ich mehrfach dort saß (im überfüllten Warteraum unter Wohnungssuchenden), um das mitzuteilen. Dann wiederum kamen Ehrenamtler und Verteter interessierter Gremien - ich glaube irgendein Beirat (u.a. Stadtverwaltung, Handwerkskammer), grasten die Straßenzüge und einzelnen Häuser nach leeren Wohnungen ab. Im konkreten Fall wegen einer bevorstehenden Amnestie, um die Entlassenen unterzubringen. Dabei wurde wenigstens eine der Wohnungen vergeben. (Das war meine. Wir waren inzwischen in eine größere Whg. umgezogen.)

Die Frauen- und Familienpolitik wird in dem Artikel ganz kurz abgefrühstückt - wie fast überall. Auch wird Frauenpolitik auf Familienpolitik reduziert (genau so, wie es für die DDR der 1980er Jahre vermutlich zu recht interpretiert wird, verfahren die Autoren).

Wenn man sich die Jahre bis 1980 ansieht, dann gab es eine nicht so schlechte Frauenförderung. Es gab nach heutigen Maßstäben sehr viele Akademikerinnen und Fachschulabsolventinnen (auch in technischen Berufen). Diese wurden in Massen arbeitslos. Mir fällt als Beispiel eine Ingenieurin für Verfahrenstechnik ein. Diese wurde nach der Wende als Frau nur noch schief angeguckt, wenn sie sich im Beruf bewarb. Ein Heer von Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen und Technikerinnen, die sich als Versicherungsvertreterinnen, Steuerfachangestellte usw. durchs Leben schlugen. Der akademische Mittelbau bestand in weiten Bereichen aus Frauen. Wo ist der heute hin?
Meine Kinder hatten in Physik, Mathe und Chemie mindestens zu dreiviertel ihrer Schulzeit bei Lehrerinnen Unterricht. Wenn diese Lehrerinnen in Rente gehen (in 10 J.), dann kommen als Ersatz Absolventen von der Uni. Ich bin heute schon gespannt, wieviele Frauen für Mathe/Physik und auch Chemie von der "nichtpatriarchalen" Gesellschaft ausgebildet worden sind, noch dazu fürs Gymnasium.

Zu den Löhnen ergänzend: Einige Berufsgruppen haben sehr wenig verdient. Diese schlecht bezahlten Pförtner, Putzfrauen usw. waren zu DDR-Zeiten nach meiner Erinnerung auf Arbeit nicht die allerletzten xxx, sondern festangestellte Mitarbeiter in Schule, Kita, Betrieb. Die tausenden Mitarbeiterinnen der Schul- und Betriebsküchen, naja, diese können heute bei Catering-Firmen arbeiten, einige "sogar" Vollzeit.
Hier wurde nach der Wende verbreitet, eine Betriebsküche sei eben in einem Unternehmen nicht finanzierbar (nicht in einem konkreten, sondern als sei das so "in der Marktwirtschaft". Als eine (Betriebs-)Köchin wg. der Arbeitsstelle ihres Mannes mit in den Westen zog, bekam sie in dessen Betrieb auch Arbeit, sie übernahm - die Betriebsküche. Lach! Und sie werden dieses Stück erlebte Geschichte bestimmt in der Familie über Generationen weitererzählen. Die Schlussfolgerung ist aber nicht etwa, wir machen uns für die Versorgung der Kollegen stark, sondern: da wurden wir genauso belogen wie zuvor.

Wieso fallen Fachausbildung von Frauen oder eine höhere Lohngerechtigkeit unter "Alltag", sobald es die DDR betrifft.
Setzt sich heute jemand für solche Themen öffentlich ein,
ist es bestimmt ein Bildungsforscher oder Berufspolitiker.
Keinem würde einfallen, das mit dem Begriff "Alltag" abzuwerten.
 
E

ExitUser

Gast
#6
Bei all dem Hinterhergejammer zum SED-Staat sollte man nicht vergessen, er war schon in den 70igern Pleite.

Anfang der 80 iger empfahl die Stasi die ganze VEB Wirtschaft den Russen zu übergeben.
Was (leider?) nicht passierte.
Deswegen wird heute bezahlt. Per Nachnahme. Stand 2009: 1600 Milliarden.
... und genau das ist der einzige Grund, warum die "Wiedervereinigung" so reibungslos ablief. Die Russen wollten den Pleitestaat eben auch nicht...
 

RudiRatlos

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#7
Diese schlecht bezahlten Pförtner, Putzfrauen usw. waren zu DDR-Zeiten nach meiner Erinnerung auf Arbeit nicht die allerletzten xxx, sondern festangestellte Mitarbeiter in Schule, Kita, Betrieb.
Nicht Putzfrauen.... Das war ein Lehrberuf und nannte sich, Facharbeiter für Raumkosmetik.
 

Merkur

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#8
Facharbeiter für Raumkosmetik.
Nee die haben schlicht Reinigungskraft geheißen und waren überall fest angestellt und gehörten dazu.
 
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