Alles andere als "soziale Hängematte" (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
E

ExitUser

Gast
Vor vier Jahren machten sich die Journalistinnen Eva Müller, Julia Friedrichs und ihr Kollege Boris Baumholt auf den Weg, um den Menschen aus der Unterschicht in ihrem Buch eine Stimme zu geben. Der Satz, jeder könne es in Deutschland schaffen, träfe inzwischen nicht mehr zu, resümiert Müller und bezeichnet die Mindestlohndebatte als längst überfällig.


Liane von Billerbeck: Das Wort Unterschicht oder verschämter Prekariat machte Karriere, seit es Hartz IV gibt. Etwa zur gleichen Zeit, im Januar 2005, machten sich die drei Journalisten Boris Baumholt, Julia Friedrichs und Eva Müller durch Deutschland auf, um Menschen aus der Unterschicht eine Stimme zu geben und sie selbst erzählen zu lassen, wie es sich lebt - egal, wie man sie nun nennt, ob als arm, sozial schwach oder Working Poor. Daraus ist ein Buch entstanden, "Deutschland dritter Klasse. Leben in der Unterschicht". Eva Müller ist jetzt bei uns im Studio. Sie hat zuvor für ihre Sozialreportage "Abgehängt" den Axel-Springer-Journalistenpreis bekommen, ebenso wurde sie für den Film "Die Hartz IV-Schule" ausgezeichnet. Jetzt also das Buch "Deutschland dritter Klasse". Schönen guten Tag!

Eva Müller: Hallo!

Von Billerbeck: Hartz IV sollte für all jene, die keine Arbeit haben, vieles besser machen. Ist das so?

Müller: Wir haben jetzt ungefähr vier Jahre mit Menschen verbracht, die Hartz IV bekommen, und ich würde als Fazit sagen, bei den meisten ist es nicht so. Hartz IV sollte fördern und fordern. Beim Fordern sieht es gut aus, beim Fördern sagen die Zahlen auch, dass es nicht so viel gebracht hat. Im Gegenteil.

Von Billerbeck: Vier Jahre Hartz IV, Sie haben die Zeit in Ihren Reportagen beleuchtet und Menschen immer wieder besucht. Was hat sich in dieser Zeit verändert zwischen 2005 und 2009?

Müller: Ich glaube, für die Menschen hat sich vor allen Dingen das Selbstverständnis verändert. Also Hartz IV bedeutet für viele oder ist für viele Symbol für soziale Hängematte. Das war vorher nicht so. Also wenn man vorher arbeitslos war, bestand, glaube ich, auch einfach so im Denken und im Ansehen öfter die Möglichkeit, dass man gedacht hat, da kommt man wieder raus. Das ist jetzt nicht mehr so. Und das macht den Leuten zu schaffen, das spüren die, das spüren sie, wenn sie rausgehen, und deswegen igeln die sich immer mehr ein.

Von Billerbeck: Das heißt, gibt es eigentlich einen typischen Menschen aus der Unterschicht? Wer ist Unterschicht?

Müller: Das Spannende war vor allen Dingen, dass die Menschen, die wir besucht haben, von sich selbst ein ganz unterschichtliches Bild haben. Wir haben alle gefragt. Also wir haben uns selbst erst total schwergetan mit dem Begriff, kann man jetzt sagen: Sie sind Unterschicht?

Von Billerbeck: Ist ja auch Stigma, wenn man jemanden so nennt.

Müller: Es ist ein Stigma, wir hatten selbst Probleme mit dem Begriff, und wir haben dann einfach gesagt, so, raus damit, wir fragen die Leute: Fühlen Sie sich als Unterschicht? Und die meisten haben gesagt, ja. Das hat mich wirklich erstaunt, weil ich gedacht habe, das wäre nicht so. Aber die meisten, die wir gefragt haben, haben gesagt, klar, wir sind Unterschicht, wer sonst. Wir haben das Gefühl, wir kommen hier nicht mehr raus, wir sind eine lange Zeit arbeitslos, es gibt für uns einfach keine Jobs mehr. Und vor allen Dingen haben die das Gefühl, wir sind nicht selbst Schuld. Und von außen gesehen haben viele das Gefühl, doch, sie sind selber Schuld.
Deutschlandradio Kultur - Thema - Alles andere als "soziale Hängematte"
 
E

ExitUser

Gast
Und wir hatten jemand in unserem Buch, Volker Hoppe heißt der, der hat 200 Bewerbungen geschrieben, war vorher Vorstandsassistent und sagt: Ich habe doch jahrelang eingezahlt in die Arbeitslosenversicherung, warum habe ich jetzt nicht das Recht, trotzdem noch mit erhobenem Haupt durch die Gegend zu laufen und zu sagen, ich kriege jetzt im Moment Hartz IV, aber ich komme da doch wieder raus, was habt ihr denn?
Ja, warum nur. Was haben sie bloß? Vielleicht ein völlig gehirngewaschenes Menschenbild?

Ist doch klar. Wer Hartz IV kriegt ist nun mal faul. Und dumm. Und unrasiert und ungewaschen. Wissen wir doch alles aus den Medien.

Ich finde das richtig gut, dass es Leuten, die vorher "Oberschicht" waren, jetzt so geht. Natürlich wünsche ich niemand, dass er leidet. Aber manches Leid dient dem Aufwachen.
 

Bienchen

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
9 November 2005
Beiträge
547
Bewertungen
0
Dafür brauchen wir eigentlich keine Studie und auch keine Auszeichnungen.
Solange sich nichts an diesem Umstand ändert, finde ich es sogar anmaßend, dass durch die missliche Lage von Hartz IV-Empfängern irgendwelche Preise und Auszeichnungen übergeben werden.
Warum wird auf Gundlage dieser Studie von den Betreffenden und Gleichdenkenden nicht zu einem Aufstand der5 Unterschicht aufgerufen. Warum wird so etwas nicht öffentlich der Menschenrechtskommission vorgelegt. Warum werden diese Zustände nicht in anderen Ländern publik gemacht, die immer denken, uns geht es super.

Solange sich nichts an unser aller Zustand ändert sind solche Studien nur reine Zeitverschwendung und dienen einzig nur der eigenen Karriere.

Beispiel:

Ein Kind ist am Ertrinken. Alle stehen da, schauen zu und berichten darüber, keiner unternimmt etwas. Ist damit dem Kind geholfen??? NEIN, dass ist unterlassene Hilfeleistung. So ähnlich könnte man es auch bei Hartz IV-Empfängern nennen, welche am Ende des Geldes noch den halben Monat übrig haben!!
 
E

ExitUser

Gast
Dafür brauchen wir eigentlich keine Studie und auch keine Auszeichnungen.
Solange sich nichts an diesem Umstand ändert, finde ich es sogar anmaßend, dass durch die missliche Lage von Hartz IV-Empfängern irgendwelche Preise und Auszeichnungen übergeben werden.
Warum wird auf Gundlage dieser Studie von den Betreffenden und Gleichdenkenden nicht zu einem Aufstand der5 Unterschicht aufgerufen. Warum wird so etwas nicht öffentlich der Menschenrechtskommission vorgelegt. Warum werden diese Zustände nicht in anderen Ländern publik gemacht, die immer denken, uns geht es super.

Solange sich nichts an unser aller Zustand ändert sind solche Studien nur reine Zeitverschwendung und dienen einzig nur der eigenen Karriere.

Beispiel:

Ein Kind ist am Ertrinken. Alle stehen da, schauen zu und berichten darüber, keiner unternimmt etwas. Ist damit dem Kind geholfen??? NEIN, dass ist unterlassene Hilfeleistung. So ähnlich könnte man es auch bei Hartz IV-Empfängern nennen, welche am Ende des Geldes noch den halben Monat übrig haben!!
Aufstand welcher Unterschicht?

Eine Beschwerde beim Menschenrechtskommissar gab es schon und wurde unter den Tisch gekehrt.

Du machst es Dir ziemlich einfach, andere vor zu schicken.

Es interessiert nicht mal die Mehrheit in D, welche Zustände hier sind, solange sie nicht selbst betroffen sind. Das kann nichts kommen.
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Oben Unten