ALGII Erstantrag mit Zwangserkrankung

Besucher und registrierte Nutzer in diesem Thema...

Status

Dieses Thema ist geschlossen.
Geschlossene Themen können, müssen aber nicht, veraltete oder unrichtige Informationen enthalten.
Bitte erkundige dich im Forum bevor du eigenes Handeln auf Information aus geschlossenen Themen aufbaust.

Themenstarter können ihre Themen erneut öffnen lassen indem sie sich hier melden...

TobiasS18

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
21 August 2018
Beiträge
18
Bewertungen
1
Hallo an alle, die sich in diesem großartigen Forum engagieren. Ich bin Niko und ich leide an einer Zwangsstörung (Wasch- und Kontrollzwang).

Vorgeschichte:
Schon während Jugend hatte ich gelegentlich Zwangsgedanken, allerdings waren sie damals noch unregelmäßig und weitgehend ohne Auswirkungen. Vor etwa fünf Jahren wurde es dann so schlimm (d.h. vor allem zeitaufwendig), dass ich mein Studium abgebrochen und mich in Therapie begeben habe. Da die Therapie erfolglos verlief und ich mich bei der Therapeutin nicht gut aufgehoben gefühlt habe, habe ich die Therapie beendet. Seit über drei Jahren bin ich jetzt ohne ärztliche Behandlung und habe mich bisher quasi mit meiner Situation arrangiert. Zuletzt habe ich von meinen Rücklagen (Angespartes und Auszahlung von zwei Bausparverträgen) gelebt.

Derzeitige Situation:
Weil meine Rücklagen bald aufgebraucht sind, habe ich postalisch Leistungen nach dem SGBII beantragt. Gestern kam ein Schreiben vom Jobcenter, in dem ich aufgefordert wurde, im Laufe einer Woche persönlich vorzusprechen.
Letztes Jahr habe ich ein Fernstudium in Teilzeit aufgenommen.
Meine Zwangsstörung ist unverändert und ich möchte deswegen einen erneuten Therapieversuch wagen. Derzeit betrachte ich mich als nur sehr eingeschränkt arbeitsfähig.

Vorläufige Zielsetzung:
Möglichst ungestört eine neue Therapie machen.

Meine Fragen:

- Soll ich gegenüber dem Jobcenter etwas von meinen gesundheitlichen Einschränkungen erwähnen?
- Wenn ja: Soll ich das JC um eine Amtsärztliche Untersuchung bitten oder lieber abwarten bis das JC eine solche veranlasst?
- Wie soll ich die letzten Jahre in meinem Lebenslauf gegenüber dem JC erklären, sofern ich die Erkrankung nicht erwähne?
- Muss ich mit einer Sofortmaßnahme rechnen und was kann ich dagegen tun?
- Hat mein Fernstudium Auswirkungen auf die Einschätzung meiner Arbeitsfähigkeit? (Im Sinne von: wer studieren kann, kann auch arbeiten. Ein Präsenzstudium wäre für mich derzeit undenkbar.)

Oder allgemein: Was haltet ihr für das beste Vorgehen in meiner Situation?

Vielen Dank

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
 
E

ExUser 2606

Gast
Sobald dem JC bekannt wird, dass Du gesundheitliche Einschränkunen hast, miss der ärztliche Dinst eingeschaltet werden.

Dein Fernstudium dürfte unbeachtlich seon, denn sowas kann man ja auch berufsbegleitend machen.
 

Onkel Tom

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
2 September 2006
Beiträge
3.643
Bewertungen
8.838
Moin und :welcome:

Das JC/AfA möchte gern wissen, von was Du zuletzt gelebt hast. Dazu:

"Ich habe von meinen Rücklagen (Ersparnissen) gelebt und sind nun verbraucht."

Das reicht und müssen sie so schlucken ! Bei so was popeln sie gern noch ein bissel rum.. (geht sie nix an..)

Die Erkrankung würde ich (wenn überhaupt) erst nach Abschluss des ALG-Bewilligungsverfahren
angeben, also wenn Du den Bescheid und die ALG-Knete an der Sonne hast..

Und denke bitte daran, eine Eingliederungsvereinbarung (EGV) niemals sofort zu unterschreiben !

Hier arbeiten die SBs gern mit den Argumennten "Du musst" oder "Wir müssen dazu eine Eingliederungs-
vereinbarung .. abschließen". In der Gesetzgebung ist anbei nur vom "soll" die Rede.. Du musst also nicht und
kannst vom JC deswegen nicht sanktioniert werden.. Nicht überrumpeln lassen etc.

Ließ sie durch und nimm sie zwecks Bedenkzeit mit nach Hause. Dazu sind 14 Tage legitim..

Ich vermute, das du beim nächsten Termin mit EGV-Tamtam in Kontakt kommst.. Diese erst hier
mal "analysieren" lassen und dann schauen, was geht und was nicht :wink:

Zudem: Mit etwas "Mundfäule" (Verschlossenheit und Weniger sagen ist mehr.) kann man sich so
manchen Ärger vorbeugend ersparen. Berufliches (Quallifikationen) = ok und Privatangelegenheiten
besser "zu Hause" lassen.

Wenn Du noch ein Bekannten hast, dem Du vertrauen kannst, kannst Du dich von diesem auch "begleiten"
lassen.
Das ist gut gegen Verunsicherung und unangenehmer "Übergriffe" die SBs so drauf haben könnten.
(In Anwesenheit eines Begleiter sind SBs schon viel vorsichtiger, was sie sagen und wollen)

Dazu schaue Dir mal bitte den §13 Absatz 4 SGB X an.

Bei Erstantragsverfahen ist eine Begleitung an seiner Seite immer besser..

Viel Glück :wink:
 

TobiasS18

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
21 August 2018
Beiträge
18
Bewertungen
1
Sobald dem JC bekannt wird, dass Du gesundheitliche Einschränkunen hast, miss der ärztliche Dinst eingeschaltet werden.

Dein Fernstudium dürfte unbeachtlich seon, denn sowas kann man ja auch berufsbegleitend machen.

Vielen Dank für deine Antwort.

Wie sieht es aus, sobald der ärztliche Dienst eingeschaltet ist? Ruht der Antrag bis zu deren Einschätzung oder werden die Leistungen dann vorläufig bewilligt?
Und wie ist der Ablauf, wenn ich Leistungen nach dem SGBXII beantragen soll? Bekomme ich die dann ab ALG2-Antrag oder erst ab Sozialhilfe-Antrag?
[>Posted via Mobile Device<]
 

TobiasS18

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
21 August 2018
Beiträge
18
Bewertungen
1
Moin und :welcome:

Das JC/AfA möchte gern wissen, von was Du zuletzt gelebt hast. Dazu:

Danke schön für die guten Ratschläge.

Ich werde versuchen so wenige Informationen wie möglich anzugeben und alle Schriftstücke zur Begutachtung mitnehmen. Und du hast natürlich Recht - wenn ich von meinen Rücklagen gelebt habe ist das meine Sache. Ist ja nicht verboten.

Eine Frage hätte ich noch: Kann ich, nachdem später eine EGV vereinbart, bzw. ein VA erlassen wurde, dafür sanktioniert werden, dass ich eine Maßnahme, die mir vor der Vereinbarung angeboten wurde, ablehne?
Im Internet gibt es da irgendwie widersprüchliche Meinungen.
[>Posted via Mobile Device<]
 

erwerbsuchend

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
18 Juni 2017
Beiträge
3.791
Bewertungen
3.043
Kann ich, nachdem später eine EGV vereinbart, bzw. ein VA erlassen wurde, dafür sanktioniert werden, dass ich eine Maßnahme, die mir vor der Vereinbarung angeboten wurde, ablehne?

Man kann auch ohne EGV oder VA einer Maßnahme zugewiesen werden. Dies geschieht dann per gesonderter Zuweisung. Wenn du gegen diese Zuweisung verstößt, dann kannst du auch vom JC sanktioniert werden.
 
E

ExUser 2606

Gast
Wie sieht es aus, sobald der ärztliche Dienst eingeschaltet ist? Ruht der Antrag bis zu deren Einschätzung oder werden die Leistungen dann vorläufig bewilligt?
Und wie ist der Ablauf, wenn ich Leistungen nach dem SGBXII beantragen soll? Bekomme ich die dann ab ALG2-Antrag oder erst ab Sozialhilfe-Antrag?
[>Posted via Mobile Device<]

Also der Antrag darf dann eigentlich nicht ruhen, somdern muss normal weiterbearbeitet werden.

Eine EGV darf aber erst abgeschlossen werden, wenn Deine Erwerbsfähigkeit und eventuelle Eischränkungen festgestellt wurden. Schliesslich soll das Ergebnis in die EGV mit einfliessen.

Wenn der äD meint, dass Du auf Dauer nicht erwerbsfähig bist, gehärst Du ins SGB XII. Wenn Dir Rente zusteht, wird das JC dich dann auffordern, EM Rente zu beantragen. Bis eine Solche Rente dann fleisst und ggf. aufstockende Grundsicherung, muss das JC weiter zahhlen, eventuelle Überzahlungen verrechnen dann die Grundsicherungsträger untereinander.

Wenn Du die erforderlichen Beitragszeiten füreine EM Rente nicht hast, wird der Antrag ohne medizinische Prüfung abgelehnt. In diesem Fall muss das Sozialamt Die DRV auffordern, Deine Erwerbsfähigkeit festzustellen.

Das Urteil der DRV ist für alle anderen Leistungsträger bindend.
 

TobiasS18

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
21 August 2018
Beiträge
18
Bewertungen
1
Ich war gestern beim JC und soweit lief alles unproblematisch. Mein Antrag wurde von einem freundlichen Herren ohne größere Fragen aufgenommen und dann habe ich einen Termin zur Abgabe meiner Formulare und Nachweise erhalten. Kontoauszüge und Mietvertrag usw. hatte ich ja erwartet. Verwundert hat mich nur, dass ich auflisten soll, wofür ich das Geld, dass ich aus den Bausparverträgen erhalten habe, ausgegeben habe (vorwiegend für meinen Lebensunterhalt).

Bin ich dazu verpflichtet?
Wozu ist das gut? Um zu belegen, dass ich meine Hilfebedürftigkeit nicht grob fahrlässig selbst herbeigeführt habe?
[>Posted via Mobile Device<]
 

Onkel Tom

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
2 September 2006
Beiträge
3.643
Bewertungen
8.838
Die wollen wissen, ob Du von der Auflösung der Bausparverträge in "Saus unb Braus" z.B. 10.000 im letzten
Halbjahr gelebt hast..

Es ist also möglich, dir "unwirtschaftliches Verhalten" ans Bein hängen zu wollen..

Jedenfalls wollen sie so was "prüfen"..

Ich hatte damals ein Bauwagenbewohner zum Erstbesuch begleitet und auf die Frage gabs nur oberflächliche
Angaben "Hab mich so durchgeschlagen und kann ihnen jetzt doch nicht mehr genau sagen, wie viel Knete ich
welchen Monat auf Tasche hatte"..

Ich finde die Neugierde deines SB diesbezüglich umstritten und das wäre gut, wenn User, die im §§-Dschungel
fit sind dazu was finden, was dir vom Nutzen sein könnte..

:wink:
 
Zuletzt bearbeitet:

Nena

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
10 Oktober 2015
Beiträge
2.792
Bewertungen
4.450
Das Problem bei der Beurteilung der Erwerbstätigkeit ist, dass niemand während einer (!) Untersuchung Deine Zwangsstörungen feststellen kann bzw. daraus eine etwaige Erwerbsunfähigkeit ableiten kann.

Zu dieser Begutachtung werden also Unterlagen Deiner Dich behandelnden Ärzte angefordert, die dann zusammengefasst/ausgewertet. Du hast aber niemanden. Das einzige, was Du vorlegen könntest, wären drei Jahre alte Unterlagen. Damit bist Du - bis etwas anderes bescheinigt ist - erwerbsfähig.

Das heißt aber noch lange nicht, dass Du auch arbeitsfähig bist. Bist Du in irgendeiner medizinischen Behandlung? Hast Du eine Hausärztin? Die Dich krank schreiben könnte (bis Du durch eine Fachärztin Deine Zwänge hast diagnostizieren lassen)??
 

TobiasS18

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
21 August 2018
Beiträge
18
Bewertungen
1
Die wollen wissen, ob Du von der Auflösung der Bausparverträge in "Saus unb Braus" z.B. 10.000 im letzten
Halbjahr gelebt hast..

Aus meinen Kontoauszügen ist ersichtlich, dass ich das meiste für Miete und Krankenversicherung ausgegeben habe. Meine restlichen Ausgaben lagen in den meisten Monaten sogar unter dem Hartz4-Regelsatz. Da habe ich eigentlich nichts zu verbergen.
Aber eine eher grobe Auflistung zu machen ist eine gute Idee. Jeden einzelnen Centbetrag werde ich jedenfalls nicht angeben.:icon_evil:
 

TobiasS18

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
21 August 2018
Beiträge
18
Bewertungen
1
Das Problem bei der Beurteilung der Erwerbstätigkeit ist, dass niemand während einer (!) Untersuchung Deine Zwangsstörungen feststellen kann bzw. daraus eine etwaige Erwerbsunfähigkeit ableiten kann.
Da hast du natürlich Recht.

Bist Du in irgendeiner medizinischen Behandlung?
Nein, leider nicht.

Hast Du eine Hausärztin? Die Dich krank schreiben könnte (bis Du durch eine Fachärztin Deine Zwänge hast diagnostizieren lassen)??

Ich hatte einen Hausarzt, der auch von meiner damaligen Therapie wußte. Allerdings ist er mittlerweile in Rente gegangen und sein Sohn hat seine Praxis übernommen. Mit seinem Sohn habe ich bisher wenig zu tun gehabt und noch nie über meine Erkrankung gesprochen. Auch nicht optimal. Immerhin müßte er noch die Angaben in meiner Krankenakte einsehen können.

Wäre es denn sinnvoll sich schon im Voraus krankschreiben zu lassen oder soll ich erstmal das Gespräch mit der SB abwarten?
 
Status

Dieses Thema ist geschlossen.
Geschlossene Themen können, müssen aber nicht, veraltete oder unrichtige Informationen enthalten.
Bitte erkundige dich im Forum bevor du eigenes Handeln auf Information aus geschlossenen Themen aufbaust.

Themenstarter können ihre Themen erneut öffnen lassen indem sie sich hier melden...
Oben Unten