ALG2 + Minijob mit flexiblen Arbeitszeiten

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hharge

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Guten Abend liebe Leute,

ich bin nicht sicher ob sowas überhaupt in dieses Forum gehört aber dies ist das einzige Forum das ich benutze und die einzigste mit unschätzbar hilfreichen Antworten in kurzer Zeit :)

Also: Ich beziehe ALG2 und nebenbei ein Minijob mit flexiblen Arbeitszeiten. Im Vertrag steht nur eine obergrenze von maximal 37 Stunden die im Monat gearbeitet werden dürfen und das die Arbeitsstunden flexibel abweichen können, also keine festgelegte Wochenstunden.

Ich habe leider einen sche** Arbeitgeber erwischt, der mit allen Mitteln versucht, uns jungen unerfahrenen Minijobbern zu erklären, dass wir keinen Anspruch auf Urlaub haben, da wir ja flexibel eingesetzt werden können und uns einfach "Abwesend" melden können wenn wir mal Urlaub brauchen. ODER ein weiteres Beispiel: wenn wir krank werden, wird die Schicht online jemand anderem zugeteilt und die Schicht verschwindet ganz schnell aus meiner Liste, sodass ich auch bei Krankheit mit Gelben Zettel keinen Gehaltsfortbestand erhalte.
Genial oder???

Nicht mit mir! Ich habe angefangen mich zu wehren und dem Arbeitgeber mitgeteilt, dass wir Minijobber genauso wie Festangestellte RECHTE haben und keine minderwertigen Bimbos sind, die alles zu gehorchen haben(natürlich andere Wortwahl).

Seitdem will mich der Chef ausm Job raus-eckeln und gibt mir nur noch MAX 1 Schicht im Monat oder manchmal sogar gar nichts.

Wie sieht es in diesem Fall aus, wenn keine feste Stundenzahl im Vertrag geregelt ist? Ich habe ja den Arbeitsvertrag unterzeichnet, in welchem steht, dass ich flexibel eingesetzt werden kann und die Stunden je nach wirtschaftlicher Lage mal mehr mal weniger sein können, aber max 450Euro.

Kann ich Gebrauch von

§ 12 Arbeit auf Abruf

(Teilzeit- und Befristungsgesetz - TzBfG)


machen in welchem steht:

(1) Arbeitgeber und Arbeitnehmer können vereinbaren, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung entsprechend dem Arbeitsanfall zu erbringen hat (Arbeit auf Abruf). Die Vereinbarung muss eine bestimmte Dauer der wöchentlichen und täglichen Arbeitszeit festlegen. Wenn die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit nicht festgelegt ist, gilt eine Arbeitszeit von zehn Stunden als vereinbart. Wenn die Dauer der täglichen Arbeitszeit nicht festgelegt ist, hat der Arbeitgeber die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers jeweils für mindestens drei aufeinander folgende Stunden in Anspruch zu nehmen.
(2) Der Arbeitnehmer ist nur zur Arbeitsleistung verpflichtet, wenn der Arbeitgeber ihm die Lage seiner Arbeitszeit jeweils mindestens vier Tage im Voraus mitteilt.
(3) Durch Tarifvertrag kann von den Absätzen 1 und 2 auch zuungunsten des Arbeitnehmers abgewichen werden, wenn der Tarifvertrag Regelungen über die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit und die Vorankündigungsfrist vorsieht. Im Geltungsbereich eines solchen Tarifvertrages können nicht tarifgebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Anwendung der tariflichen Regelungen über die Arbeit auf Abruf vereinbaren.

oder trifft in meinem Fall Punkt 3 zu, nämlich das zuungunsten des Arbeitnehmers(ich) der Chef, wenn er bock dazu hat, mich nur für eine Schicht im Monat einteilen kann wenn er will?

-Ist mit Tarifvertrag der Arbeitsvertrag gemeint?

Kann ich klagen und meinen Anspruch auf 10Stunden/Woche verlangen?

Hoffe ihr könnt mir weiterhelfen:(
 
G

Gelöschtes Mitglied 41016

Gast
Nicht mit mir! Ich habe angefangen mich zu wehren und dem Arbeitgeber mitgeteilt, dass wir Minijobber genauso wie Festangestellte RECHTE haben und keine minderwertigen Bimbos sind, die alles zu gehorchen haben(natürlich andere Wortwahl).
Das ist grundsätzlich zu begrüßen, aber dass du dich damit bei deinem Chef unbeliebt machen würdest war dir hoffentlich vorher klar? :wink:

Den § 12 TzBfG hast du ja schon selber entdeckt.

[...]
oder trifft in meinem Fall Punkt 3 zu, nämlich das zuungunsten des Arbeitnehmers(ich) der Chef, wenn er bock dazu hat, mich nur für eine Schicht im Monat einteilen kann wenn er will?
Absatz 3 setzt einen anwendbaren Tarifvertrag voraus, sonst gelten nur Abs. 1+2.
-Ist mit Tarifvertrag der Arbeitsvertrag gemeint?
Nein, mit Tarifvertrag ist genau ein Tarifvertrag gemeint, falls (!) für diese Firma einer gilt. Üblicherweise ist eine Tarifbindung auch im Arbeitsvertrag vermerkt.
Kann ich klagen und meinen Anspruch auf 10Stunden/Woche verlangen?
Ich denke schon, wobei hier evtl. der exakte Wortlaut dieser Klausel von Bedeutung sein könnte:
Im Vertrag steht nur eine obergrenze von maximal 37 Stunden die im Monat gearbeitet werden dürfen und das die Arbeitsstunden flexibel abweichen können, also keine festgelegte Wochenstunden.

Im Falle einer Klage würde ich fast drauf wetten, dass dein Chef mit einer Kündigung antwortet.
 

hharge

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Vielen Dank für deine Mühe und deine Antwort.:icon_mrgreen:

Absatz 3 setzt einen anwendbaren Tarifvertrag voraus, sonst gelten nur Abs. 1+2.
Das heißt also, in meinem Arbeitsvertrag muss irgendwo ein "§" stehen welches sich auf einen Tarifvertrag bezieht? Hab das irgendwie immer noch nicht ganz verstanden. Tarifvertrag regelt doch Arbeitsbedingungen zwischen AN und AG . Nur in welcher Form (Ist es ein kompletter Vertrag oder ist es nur eine Klausel in einem Arbeitsvertrag) habe ich nicht so recht gecheckt.


Nein, mit Tarifvertrag ist genau ein Tarifvertrag gemeint, falls (!) für diese Firma einer gilt. Üblicherweise ist eine Tarifbindung auch im Arbeitsvertrag vermerkt.
Verstehe ich das richtig, wenn der Arbeitgeber also selbst (eigene Firma) einfach eine Tarifbindung verfasst umgeht er automatisch Absatz 1 und 2?
Oder kann man solch eine Tarifbindung nicht selbst nach belieben verfassen?

Im Falle einer Klage würde ich fast drauf wetten, dass dein Chef mit einer Kündigung antwortet.
Soll er machen, der beschei*t schon viel zu lange und ich wäre froh wenn er mich kündigt, dann kann ich endlich einen anderen Minijob suchen, ohne von der Arge sanktioniert zu werden.

Ps habe etwas im Internet rumgeschnöckert und gelesen, dass es ca50.000 Tarifverträge in Deutschland gibt. Das heißt die werden irgendwo registriert ?
Da steht, die werden verfasst um beiden Seiten eine Art "Schutz" zu bieten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Arbeitgeber so nen Tarifvertrag eingebunden hat, wenn er seinen Mitarbeitern so ne Art Sicherheit gewährt.

Also angenommen im Arbeitsvertrag ist kein Tarifvertrag eingebunden oder erwähnt worden, dann habe ich offiziel das Recht mindestens 10 Stunden die Woche zu arbeiten oder?
 
G

Gelöschtes Mitglied 41016

Gast
Tarifvertrag regelt doch Arbeitsbedingungen zwischen AN und AG . Nur in welcher Form (Ist es ein kompletter Vertrag oder ist es nur eine Klausel in einem Arbeitsvertrag) habe ich nicht so recht gecheckt.
Ein Tarifvertrag ist ein kompletter Vertrag, abgeschlossen zwischen einer oder mehreren Gewerkschaften einerseits und einem Arbeitgeberverband (auch möglich: einzelne Arbeitgeber = Haustarifvertrag) andererseits.
Gilt ein solcher, ist das i.d.R. im Arbeitsvertrag vermerkt, z.B. "Im Übrigen gilt Tarifvertrag XYZ."; "Auf das Arbeitsverhältnis ist Tarifvertrag ZYX anwendbar." oder sowas in der Art.
https://de.wikipedia.org/wiki/Tarifvertrag
Das heißt wenn im Arbeitsvertrag eine Tarifbindung nicht vermerkt wurde ist es automatisch NICHT an einen Tarif gebunden = Absatz3 somit in meinem Fall nicht gültig ?
Davon kannst du im Normalfall ausgehen.
Wenn du ganz sicher sein willst, kannst den AG auch fragen (oder den Betriebsrat, falls es einen gibt).
 
G

Gelöschtes Mitglied 41016

Gast
Verstehe ich das richtig, wenn der Arbeitgeber also selbst (eigene Firma) einfach eine Tarifbindung verfasst umgeht er automatisch Absatz 1 und 2?
Oder kann man solch eine Tarifbindung nicht selbst nach belieben verfassen?
"nach belieben" geht nicht. Er müsste höchstens mit der für seine Banche zuständigen Gewerkschaft einen Haustarifvertrag aushandeln / abschließen.
Und die Abweichung von Abs. 1+2 müsste dann explizit im Tarifvertrag drin stehen.
dann habe ich offiziel das Recht mindestens 10 Stunden die Woche zu arbeiten oder?
... und der AG steht in der Pflicht, diese auch zu bezahlen.
 
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